| Geburtsdatum | 27.12.1996 |
|---|---|
| Alter | 29 |
| Nat. |
Deutschland |
| Größe | 1,96m |
| Vertrag bis | 30.06.2027 |
| Position | Innenverteidiger |
| Fuß | links |
| Akt. Verein | Hertha BSC |
Leistungsdaten: 26/27
| Wettbewerb | wettbewerb | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| Insgesamt | 3 | - | - | ||
![]() | 2. Bundesliga | 2 | - | - | |
![]() | DFB-Pokal | 1 | - | - | |
Niklas Kolbe [27]
23.01.2025 - 21:26 Uhr
02.05.2026 - 07:06 Uhr
Quelle: Tagesspiegel
Niklas Kolbe von Hertha BSC im Interview: „Ich hätte nie damit gerechnet, noch Zweite Liga spielen zu dürfen“
Niklas Kolbe hat einen ungewöhnlichen Karriereweg hinter sich. Im Interview spricht er über seinen Spitznamen, Fußball in der Landesliga und den verpassten Aufstieg mit Hertha.
Niklas Kolbe hat einen ungewöhnlichen Karriereweg hinter sich. Im Interview spricht er über seinen Spitznamen, Fußball in der Landesliga und den verpassten Aufstieg mit Hertha.
Zitat von Stefan Hermanns
Herr Kolbe, oder soll man einfach Kolbe sagen?
Einfach Kolbe!
So werden Sie auch bei Hertha BSC von allen genannt. Ein ungewöhnlicher Spitzname.
So werde ich schon lange genannt, vor allem im Fußball. Mein Vater ist bei uns im Kreis auch als Kolbe bekannt. Anfangs war ich daher der Mini-Kolbe. Aber weil ich für Mini irgendwann zu groß war, bin ich jetzt einfach Kolbe.
Haben Sie sich so auch bei Hertha vorgestellt?
Ja, ich habe zur Mannschaft gesagt: „Ich bin der Kolbe.“ Aber manche Spieler sagen auch Kolbinger. Das hört sich schrecklich an, ganz schlimm. Aber solange Kolbe irgendwie mit drin ist, kann man mich nennen, wie man will. Niklas nennt mich nur meine Mama.
(.....)
Haben Sie inzwischen schon Eigenschaften, von denen Sie sagen: typisch Fußballprofi?
Boah. Ich würde mich jetzt nicht als den klassischen Profi bezeichnen. Ich bin jemand, der vieles nicht zu ernst nimmt. Auf dem Platz bin ich schon verbissen. Fragen Sie mal meine Familie oder meine Freundin, ob ich gerne verliere! Ich habe schon den Drang, jedes Spiel zu spielen und jedes Spiel zu gewinnen. Dafür muss dein Körper funktionieren. Also musst du professionell sein und dein Leben darauf ausrichten. Aber dass ich mir die klassischen Eigenschaften eines Fußballprofis angeeignet habe, das würde ich jetzt nicht sagen.
Früher hatten Sie Ihr Studium als Ausgleich zum Fußball. Wie ist es jetzt?
Ehrlich gesagt, habe ich es nicht besonders gemocht zu lernen. Insofern war das Studium nicht der Ausgleich, den ich mir gewünscht habe. Ich habe halt nur gedacht, mit dem Fußball wird es nicht reichen, deshalb brauche ich das Studium auf jeden Fall. Inzwischen habe ich keine Ablenkung mehr nötig. Es reicht mir eigentlich, wenn ich abends zu Hause bin und ein bisschen abschalten kann.
Wenn man Sie von außen beobachtet, wirkt es fast so, als hätten Sie sich eine leicht ironische Halbdistanz zur Fußballbranche bewahrt.
Ganz falsch ist der Eindruck nicht. Mittlerweile habe ich schon begriffen, dass ich selbst auf diesem recht hohen Niveau spiele. Für mich jedenfalls ist das alles imposant. Aber in erster Linie macht es mir einfach Spaß. Ich mache das, wovon ich als kleiner Junge geträumt habe – und womit ich doch niemals gerechnet habe.
Vor drei Jahren, mit bereits 26, haben Sie noch mit den Stuttgarter Kickers in der fünftklassigen Oberliga gespielt. Sie haben studiert, Ihr Studium abgeschlossen und erst mit 27 in der Zweiten Liga Ihr Debüt als Profi gefeiert.
Das macht mich stolz und dankbar. Ich bin immer noch überwältigt von dem Ganzen und weiß das alles auch sehr zu schätzen. An jedem Spieltag gibt es spezielle Momente, bei denen ich sage: Das ist schon was Besonderes.
Zum Beispiel?
Aktuell beobachte ich das Spiel ja leider wieder öfter von draußen. Wenn man auf der Bank sitzt und in den ersten Minuten sieht, wie die Kurve loslegt: Das sind Emotionen, die in mir etwas auslösen, und Erinnerungen, die ich auch nach der Karriere nicht missen möchte. Ich weiß auch nicht, wie man das ersetzen kann. Von daher ist es bei mir echt so, dass ich sage: Es ist einfach schön, Woche für Woche Fußballprofi sein zu dürfen.
Gab es einen bestimmten Moment, an dem Sie diesen Traum für sich eigentlich schon abgehakt hatten?
Ich habe relativ früh für mich festgestellt, dass es wahrscheinlich nicht reichen wird. In der Jugend beim Karlsruher SC hatte ich extreme Wachstumsschwierigkeiten. Da habe ich gemerkt: Ich habe nicht das Niveau, das andere Jungs in meinem Alter haben.
Sie waren 14, als Sie den KSC verlassen mussten. Für viele Kinder oder Jugendliche ist es ein schwerer Schlag, wenn Sie erfahren: Es geht leider nicht weiter.
Mich hat es gar nicht so arg getroffen. Okay, habe ich gesagt, dann gehe ich zurück zu meinem Dorfverein. Aber meine Eltern meinten, dass ich das vergessen kann. Deshalb bin ich zum FC Nöttingen gegangen, der neben dem KSC die beste Jugend bei uns in der Gegend hatte.
Für mich ist das Wichtigste am Fußball, dass du Spaß hast. Und wenn du diesen Spaß mit deinen Kumpels teilen kannst, wenn du sogar noch gewinnst gegen Leute, die du kennst, und die du dann die ganze Woche damit aufziehen kannst: Das war für uns schon was Geiles.
Wie war es im Nachwuchsleistungszentrum des Karlsruher SC?
Der Aufwand war enorm, vor allem für meine Eltern – weil die mich immer nach Karlsruhe fahren mussten. Aber ich war insgesamt auch nur zwei Jahre dort. Für meine Entwicklung in dem Alter, in dem man auch ein bisschen rebellisch ist, war es genau das Richtige, noch mal einen Schritt zurückzugehen.
Ich weiß nicht, ob ich mich so entwickelt hätte, wenn ich bis 19 in einem Nachwuchsleistungszentrum Fußball gespielt hätte. Da musst du funktionieren, da musst du Leistung bringen. Bei uns in der Heimat ging es ein bisschen gemütlicher zu. Und ich habe mein Augenmerk auf etwas anderes gelegt, auf den Bildungsweg. Zu den Stuttgarter Kickers bin ich auch noch mit der Prämisse gewechselt, dass das Studium an erster Stelle steht.
(.....)
Haben Sie eigentlich mal gedacht, dass für Sie vielleicht schon viel früher viel mehr möglich gewesen wäre?
Ich bin absolut im Reinen mit mir und meinen Entscheidungen. Ich bereue absolut gar nichts. Ich bin sogar eher ein Stück weit stolz, weil ich nichts geschenkt bekommen habe. Ich hätte niemals damit gerechnet, noch mal Zweite Liga spielen zu dürfen.
Was hat es in Ihnen ausgelöst, als Sie ein Angebot vom Zweitligaaufsteiger Ulm bekommen haben?
Die pure Vorfreude. Natürlich habe ich mich auch gefragt: Reicht das vom Niveau? Kannst du da mithalten? Anscheinend war es nicht so schlecht, sonst wäre ich jetzt nicht hier. Aber am Anfang hat es echt ein bisschen gebraucht. Auch hier bei Hertha. In den ersten beiden Wochen habe ich meine Beine erst mal sortieren müssen.
Haben Sie sich mal überfordert gefühlt?
Ich bin jemand, der sich ungern selbst beurteilt, aber ein Stück weit kann ich mich schon auch einschätzen. Als ich in der Regionalliga gespielt habe, habe ich gelegentlich gehört, dass ich eigentlich zu gut sei für diese Liga. Ich hab’ dann immer gesagt: „Labert keinen Scheiß!“ Aber irgendwann kamen tatsächlich die Angebote. Das ist dann die Bestätigung, dass man wirklich nicht so viel verkehrt macht.
Ihren ersten Startelfeinsatz für Ulm hatten Sie im DFB-Pokal gegen Bayern München. Wie war das?
Sportlich. Die Bayern haben gegen uns mit Thomas Müller im Sturm angefangen und mit Serge Gnabry und Mathys Tel auf den Flügeln. In der 70. Minute kam Vincent Kompany dann auf die glorreiche Idee: Ich wechsle dreimal und bringe einen Michael Olise, einen Kingsley Coman und einen Harry Kane – während du Puls 2412 hast, auf dem Zahnfleisch läufst und denkst: Hoffentlich ist das Spiel gleich durch.
Trotzdem war das eine Riesenerfahrung und auch was Besonderes. Aber wenn man sich mit so einer Mannschaft in einem Pflichtspiel messen kann, merkt man schon, dass es da ordentliche Unterschiede gibt.
Was genau?
Alles. Das sind kleine Sachen, die für den normalen Zuschauer gar nicht so spektakulär sind: Wie sauber sie die Bälle passen und annehmen. Wie sie Räume erkennen. Und dann halt natürlich die Geschwindigkeit. Das Tempo ist unfassbar.
Während des Spiels der Bayern bei PSG in dieser Woche habe ich Luca Schuler geschrieben: Du musst ja 36 km/h laufen, wenn du da vorne mithalten willst. Ich will uns nicht schlechter machen, als wir sind. Oder die Zweite Liga generell. Aber da habe ich gedacht: Das ist schon eine andere Sportart.
Wie weit könnte es für Sie noch nach oben gehen?
So denke ich nicht. Im Moment ist mein Ziel, hier jedes Spiel zu machen.
Selbst wenn Sie dafür – wie in dieser Saison – auf der ungewohnten Position des linken Außenverteidigers auflaufen müssten?
Wenn ich außen spielen soll oder darf, tue ich das gerne. Aber am liebsten spiele ich natürlich in der Innenverteidigung. Das, was mich auszeichnet und warum ich letztlich hier auf diesem Niveau Fußball spielen darf, das bringe ich eher innen zur Geltung.
Was ist der Unterschied, wenn Sie außen spielen?
Es ist deutlich intensiver, vor allem läuferisch. Außen bist du dauerhaft in einem isolierten Eins-gegen-eins.
Das ist als Innenverteidiger anders.
Da hast du auch nicht dieses permanente Hoch- und Runterackern, die Tempoläufe die Linie entlang. Wenn ich das zwei-,dreimal gemacht habe, brauche ich erst mal ein bisschen Ruhe. Das habe ich vor allem am Anfang gemerkt. Wenn ich da einen Deyo oder einen Miki rumflitzen sehe …
… Herthas etatmäßige Außenverteidiger Deyovaisio Zeefuik und Michal Karbownik.
Die sind es gewohnt. Die wissen, was sie auf ihrer Position zu machen haben, können auch 90 Minuten hoch und runter laufen, sich bei jedem Angriff mit in die Offensive einschalten und sind dann trotzdem wieder rechtzeitig hinten.
Bei Ihrem Wechsel nach Berlin im vergangenen Sommer haben Sie gesagt, dass Sie alles genießen wollten. Inwieweit ist das möglich, wenn doch die Mannschaft ihr großes Ziel, den Aufstieg, verfehlt hat?
Egal, wo ich gespielt habe: Ich habe immer gesagt, dass der Verein größer ist als du selbst. Das war in Nöttingen so, das war bei den Stuttgarter Kickers so, das war in Ulm so, und das ist auch hier so. Wenn der Verein ein Ziel hat, solltest du als Spieler dafür alles geben, was in deiner Kraft steht.
Kann ich das nach dieser Saison von mir behaupten? Jein. Leider war ich zu lange verletzt. Und auch wenn ich persönlich eine ordentliche Runde gespielt habe, fällt es mir schwer zu sagen, dass ich glücklich bin mit der Saison. Wir wollten aufsteigen. Das haben wir nicht geschafft. Also kann ich auch nicht zufrieden sein.
Haben Sie für sich schon akzeptiert, dass Sie mit Hertha den Aufstieg verpasst haben? Oder hadern Sie noch?
Nein, das muss man akzeptieren. Dinge, die man nicht mehr beeinflussen kann, muss man abhaken, sonst zieht es einen nur runter. Jetzt geht es darum, die letzten Spiele positiv zu gestalten, sprich, am besten dreimal zu gewinnen und dann die besten Schlüsse zu ziehen für die kommende Runde.
Apropos: Bundesliga-Spieler Niklas Kolbe, wie hört sich das an?
Davon sind wir leider noch ein bisschen weit weg. Mir reicht erst mal der Zweitligaspieler Niklas Kolbe.
Aber wenn man bei einem ambitionierten Zweitligisten wie Hertha spielt, kann man die Bundesliga zumindest nicht ausschließen.
Was heißt ausschließen? Weder von uns als Mannschaft noch von mir war die Saison so gut, dass wir sagen können: Wir sind eigentlich Bundesliga-Spieler. In meinem Fall ist es so, dass ich zu lange verletzt war, zu wenig auf meiner Position und auch zu wenig im Allgemeinen gespielt habe, um irgendwie Ansprüche zu erheben. Es wäre vermessen zu glauben, der nächste Step ist jetzt die Bundesliga. Dafür war es einfach nicht gut genug.
Wenn man erst so spät Profifußballer geworden ist wie Sie, heißt das dann eigentlich automatisch, dass man das Ende der Karriere so weit wie möglich hinauszögern will?
Sie meinen, weil man als Profifußballer so viel Geld verdient? (lacht)
Das haben Sie jetzt gesagt.
Nein. Das versuche ich auch meiner Freundin jeden Tag zu erklären: Fußball gibt mir etwas, das nichts sonst mir geben kann. Das sind vor allem Emotionen. Wenn du in einem vollen Stadion ein Tor schießt, wenn du hörst, wie laut es dann wird: Ich könnte Ihnen auf Anhieb nichts anderes sagen, das mir ein ähnliches Glücksgefühl beschert.
Deshalb wünsche ich mir tatsächlich, so lange wie irgend möglich Profi zu sein. Natürlich kommt einmal der Moment, wo man merkt: O Gott, ich bin einfach zu schlecht. Diesen Moment sollte man nicht verpassen. Aber ob ich dann 35 bin, 36 oder 37? Schauen wir mal.
Herr Kolbe, oder soll man einfach Kolbe sagen?
Einfach Kolbe!
So werden Sie auch bei Hertha BSC von allen genannt. Ein ungewöhnlicher Spitzname.
So werde ich schon lange genannt, vor allem im Fußball. Mein Vater ist bei uns im Kreis auch als Kolbe bekannt. Anfangs war ich daher der Mini-Kolbe. Aber weil ich für Mini irgendwann zu groß war, bin ich jetzt einfach Kolbe.
Haben Sie sich so auch bei Hertha vorgestellt?
Ja, ich habe zur Mannschaft gesagt: „Ich bin der Kolbe.“ Aber manche Spieler sagen auch Kolbinger. Das hört sich schrecklich an, ganz schlimm. Aber solange Kolbe irgendwie mit drin ist, kann man mich nennen, wie man will. Niklas nennt mich nur meine Mama.
(.....)
Haben Sie inzwischen schon Eigenschaften, von denen Sie sagen: typisch Fußballprofi?
Boah. Ich würde mich jetzt nicht als den klassischen Profi bezeichnen. Ich bin jemand, der vieles nicht zu ernst nimmt. Auf dem Platz bin ich schon verbissen. Fragen Sie mal meine Familie oder meine Freundin, ob ich gerne verliere! Ich habe schon den Drang, jedes Spiel zu spielen und jedes Spiel zu gewinnen. Dafür muss dein Körper funktionieren. Also musst du professionell sein und dein Leben darauf ausrichten. Aber dass ich mir die klassischen Eigenschaften eines Fußballprofis angeeignet habe, das würde ich jetzt nicht sagen.
Früher hatten Sie Ihr Studium als Ausgleich zum Fußball. Wie ist es jetzt?
Ehrlich gesagt, habe ich es nicht besonders gemocht zu lernen. Insofern war das Studium nicht der Ausgleich, den ich mir gewünscht habe. Ich habe halt nur gedacht, mit dem Fußball wird es nicht reichen, deshalb brauche ich das Studium auf jeden Fall. Inzwischen habe ich keine Ablenkung mehr nötig. Es reicht mir eigentlich, wenn ich abends zu Hause bin und ein bisschen abschalten kann.
Wenn man Sie von außen beobachtet, wirkt es fast so, als hätten Sie sich eine leicht ironische Halbdistanz zur Fußballbranche bewahrt.
Ganz falsch ist der Eindruck nicht. Mittlerweile habe ich schon begriffen, dass ich selbst auf diesem recht hohen Niveau spiele. Für mich jedenfalls ist das alles imposant. Aber in erster Linie macht es mir einfach Spaß. Ich mache das, wovon ich als kleiner Junge geträumt habe – und womit ich doch niemals gerechnet habe.
Vor drei Jahren, mit bereits 26, haben Sie noch mit den Stuttgarter Kickers in der fünftklassigen Oberliga gespielt. Sie haben studiert, Ihr Studium abgeschlossen und erst mit 27 in der Zweiten Liga Ihr Debüt als Profi gefeiert.
Das macht mich stolz und dankbar. Ich bin immer noch überwältigt von dem Ganzen und weiß das alles auch sehr zu schätzen. An jedem Spieltag gibt es spezielle Momente, bei denen ich sage: Das ist schon was Besonderes.
Zum Beispiel?
Aktuell beobachte ich das Spiel ja leider wieder öfter von draußen. Wenn man auf der Bank sitzt und in den ersten Minuten sieht, wie die Kurve loslegt: Das sind Emotionen, die in mir etwas auslösen, und Erinnerungen, die ich auch nach der Karriere nicht missen möchte. Ich weiß auch nicht, wie man das ersetzen kann. Von daher ist es bei mir echt so, dass ich sage: Es ist einfach schön, Woche für Woche Fußballprofi sein zu dürfen.
Gab es einen bestimmten Moment, an dem Sie diesen Traum für sich eigentlich schon abgehakt hatten?
Ich habe relativ früh für mich festgestellt, dass es wahrscheinlich nicht reichen wird. In der Jugend beim Karlsruher SC hatte ich extreme Wachstumsschwierigkeiten. Da habe ich gemerkt: Ich habe nicht das Niveau, das andere Jungs in meinem Alter haben.
Sie waren 14, als Sie den KSC verlassen mussten. Für viele Kinder oder Jugendliche ist es ein schwerer Schlag, wenn Sie erfahren: Es geht leider nicht weiter.
Mich hat es gar nicht so arg getroffen. Okay, habe ich gesagt, dann gehe ich zurück zu meinem Dorfverein. Aber meine Eltern meinten, dass ich das vergessen kann. Deshalb bin ich zum FC Nöttingen gegangen, der neben dem KSC die beste Jugend bei uns in der Gegend hatte.
Für mich ist das Wichtigste am Fußball, dass du Spaß hast. Und wenn du diesen Spaß mit deinen Kumpels teilen kannst, wenn du sogar noch gewinnst gegen Leute, die du kennst, und die du dann die ganze Woche damit aufziehen kannst: Das war für uns schon was Geiles.
Wie war es im Nachwuchsleistungszentrum des Karlsruher SC?
Der Aufwand war enorm, vor allem für meine Eltern – weil die mich immer nach Karlsruhe fahren mussten. Aber ich war insgesamt auch nur zwei Jahre dort. Für meine Entwicklung in dem Alter, in dem man auch ein bisschen rebellisch ist, war es genau das Richtige, noch mal einen Schritt zurückzugehen.
Ich weiß nicht, ob ich mich so entwickelt hätte, wenn ich bis 19 in einem Nachwuchsleistungszentrum Fußball gespielt hätte. Da musst du funktionieren, da musst du Leistung bringen. Bei uns in der Heimat ging es ein bisschen gemütlicher zu. Und ich habe mein Augenmerk auf etwas anderes gelegt, auf den Bildungsweg. Zu den Stuttgarter Kickers bin ich auch noch mit der Prämisse gewechselt, dass das Studium an erster Stelle steht.
(.....)
Haben Sie eigentlich mal gedacht, dass für Sie vielleicht schon viel früher viel mehr möglich gewesen wäre?
Ich bin absolut im Reinen mit mir und meinen Entscheidungen. Ich bereue absolut gar nichts. Ich bin sogar eher ein Stück weit stolz, weil ich nichts geschenkt bekommen habe. Ich hätte niemals damit gerechnet, noch mal Zweite Liga spielen zu dürfen.
Was hat es in Ihnen ausgelöst, als Sie ein Angebot vom Zweitligaaufsteiger Ulm bekommen haben?
Die pure Vorfreude. Natürlich habe ich mich auch gefragt: Reicht das vom Niveau? Kannst du da mithalten? Anscheinend war es nicht so schlecht, sonst wäre ich jetzt nicht hier. Aber am Anfang hat es echt ein bisschen gebraucht. Auch hier bei Hertha. In den ersten beiden Wochen habe ich meine Beine erst mal sortieren müssen.
Haben Sie sich mal überfordert gefühlt?
Ich bin jemand, der sich ungern selbst beurteilt, aber ein Stück weit kann ich mich schon auch einschätzen. Als ich in der Regionalliga gespielt habe, habe ich gelegentlich gehört, dass ich eigentlich zu gut sei für diese Liga. Ich hab’ dann immer gesagt: „Labert keinen Scheiß!“ Aber irgendwann kamen tatsächlich die Angebote. Das ist dann die Bestätigung, dass man wirklich nicht so viel verkehrt macht.
Ihren ersten Startelfeinsatz für Ulm hatten Sie im DFB-Pokal gegen Bayern München. Wie war das?
Sportlich. Die Bayern haben gegen uns mit Thomas Müller im Sturm angefangen und mit Serge Gnabry und Mathys Tel auf den Flügeln. In der 70. Minute kam Vincent Kompany dann auf die glorreiche Idee: Ich wechsle dreimal und bringe einen Michael Olise, einen Kingsley Coman und einen Harry Kane – während du Puls 2412 hast, auf dem Zahnfleisch läufst und denkst: Hoffentlich ist das Spiel gleich durch.
Trotzdem war das eine Riesenerfahrung und auch was Besonderes. Aber wenn man sich mit so einer Mannschaft in einem Pflichtspiel messen kann, merkt man schon, dass es da ordentliche Unterschiede gibt.
Was genau?
Alles. Das sind kleine Sachen, die für den normalen Zuschauer gar nicht so spektakulär sind: Wie sauber sie die Bälle passen und annehmen. Wie sie Räume erkennen. Und dann halt natürlich die Geschwindigkeit. Das Tempo ist unfassbar.
Während des Spiels der Bayern bei PSG in dieser Woche habe ich Luca Schuler geschrieben: Du musst ja 36 km/h laufen, wenn du da vorne mithalten willst. Ich will uns nicht schlechter machen, als wir sind. Oder die Zweite Liga generell. Aber da habe ich gedacht: Das ist schon eine andere Sportart.
Wie weit könnte es für Sie noch nach oben gehen?
So denke ich nicht. Im Moment ist mein Ziel, hier jedes Spiel zu machen.
Selbst wenn Sie dafür – wie in dieser Saison – auf der ungewohnten Position des linken Außenverteidigers auflaufen müssten?
Wenn ich außen spielen soll oder darf, tue ich das gerne. Aber am liebsten spiele ich natürlich in der Innenverteidigung. Das, was mich auszeichnet und warum ich letztlich hier auf diesem Niveau Fußball spielen darf, das bringe ich eher innen zur Geltung.
Was ist der Unterschied, wenn Sie außen spielen?
Es ist deutlich intensiver, vor allem läuferisch. Außen bist du dauerhaft in einem isolierten Eins-gegen-eins.
Das ist als Innenverteidiger anders.
Da hast du auch nicht dieses permanente Hoch- und Runterackern, die Tempoläufe die Linie entlang. Wenn ich das zwei-,dreimal gemacht habe, brauche ich erst mal ein bisschen Ruhe. Das habe ich vor allem am Anfang gemerkt. Wenn ich da einen Deyo oder einen Miki rumflitzen sehe …
… Herthas etatmäßige Außenverteidiger Deyovaisio Zeefuik und Michal Karbownik.
Die sind es gewohnt. Die wissen, was sie auf ihrer Position zu machen haben, können auch 90 Minuten hoch und runter laufen, sich bei jedem Angriff mit in die Offensive einschalten und sind dann trotzdem wieder rechtzeitig hinten.
Bei Ihrem Wechsel nach Berlin im vergangenen Sommer haben Sie gesagt, dass Sie alles genießen wollten. Inwieweit ist das möglich, wenn doch die Mannschaft ihr großes Ziel, den Aufstieg, verfehlt hat?
Egal, wo ich gespielt habe: Ich habe immer gesagt, dass der Verein größer ist als du selbst. Das war in Nöttingen so, das war bei den Stuttgarter Kickers so, das war in Ulm so, und das ist auch hier so. Wenn der Verein ein Ziel hat, solltest du als Spieler dafür alles geben, was in deiner Kraft steht.
Kann ich das nach dieser Saison von mir behaupten? Jein. Leider war ich zu lange verletzt. Und auch wenn ich persönlich eine ordentliche Runde gespielt habe, fällt es mir schwer zu sagen, dass ich glücklich bin mit der Saison. Wir wollten aufsteigen. Das haben wir nicht geschafft. Also kann ich auch nicht zufrieden sein.
Haben Sie für sich schon akzeptiert, dass Sie mit Hertha den Aufstieg verpasst haben? Oder hadern Sie noch?
Nein, das muss man akzeptieren. Dinge, die man nicht mehr beeinflussen kann, muss man abhaken, sonst zieht es einen nur runter. Jetzt geht es darum, die letzten Spiele positiv zu gestalten, sprich, am besten dreimal zu gewinnen und dann die besten Schlüsse zu ziehen für die kommende Runde.
Apropos: Bundesliga-Spieler Niklas Kolbe, wie hört sich das an?
Davon sind wir leider noch ein bisschen weit weg. Mir reicht erst mal der Zweitligaspieler Niklas Kolbe.
Aber wenn man bei einem ambitionierten Zweitligisten wie Hertha spielt, kann man die Bundesliga zumindest nicht ausschließen.
Was heißt ausschließen? Weder von uns als Mannschaft noch von mir war die Saison so gut, dass wir sagen können: Wir sind eigentlich Bundesliga-Spieler. In meinem Fall ist es so, dass ich zu lange verletzt war, zu wenig auf meiner Position und auch zu wenig im Allgemeinen gespielt habe, um irgendwie Ansprüche zu erheben. Es wäre vermessen zu glauben, der nächste Step ist jetzt die Bundesliga. Dafür war es einfach nicht gut genug.
Wenn man erst so spät Profifußballer geworden ist wie Sie, heißt das dann eigentlich automatisch, dass man das Ende der Karriere so weit wie möglich hinauszögern will?
Sie meinen, weil man als Profifußballer so viel Geld verdient? (lacht)
Das haben Sie jetzt gesagt.
Nein. Das versuche ich auch meiner Freundin jeden Tag zu erklären: Fußball gibt mir etwas, das nichts sonst mir geben kann. Das sind vor allem Emotionen. Wenn du in einem vollen Stadion ein Tor schießt, wenn du hörst, wie laut es dann wird: Ich könnte Ihnen auf Anhieb nichts anderes sagen, das mir ein ähnliches Glücksgefühl beschert.
Deshalb wünsche ich mir tatsächlich, so lange wie irgend möglich Profi zu sein. Natürlich kommt einmal der Moment, wo man merkt: O Gott, ich bin einfach zu schlecht. Diesen Moment sollte man nicht verpassen. Aber ob ich dann 35 bin, 36 oder 37? Schauen wir mal.
Tolles Interview von Stefan Hermanns mit Kolbe
02.05.2026 - 10:43 Uhr
Ich hoffe wirklich, dass er nächste Saison hier richtig auftrumpft und verletzungsfrei bleibt. Hätte auch absolut keine Bauchschmerzen mit ihm als Stamm-LIV. Einfach ein sehr guter Charakter wie mir scheint, und leistungstechnisch ist er für meine Begriffe nie abgefallen.
02.05.2026 - 18:42 Uhr
Gerne mehr solcher Typen, das sind für mich die wahren Identifikationsfiguren.
10.05.2026 - 17:09 Uhr
Hat der Mannschaft heute mehrmals den Hintern gerettet. Richtig starker Zweikämpfer und insbesondere seine Geschwindigkeit ist eine echte Waffe. Traut sich auch im Aufbau immer mehr zu, so dass es nächste Saison durchaus zu einem Stammplatz reichen könnte.
10.05.2026 - 17:56 Uhr
Zitat von vanscap
Hat der Mannschaft heute mehrmals den Hintern gerettet. Richtig starker Zweikämpfer und insbesondere seine Geschwindigkeit ist eine echte Waffe. Traut sich auch im Aufbau immer mehr zu, so dass es nächste Saison durchaus zu einem Stammplatz reichen könnte.
Hat der Mannschaft heute mehrmals den Hintern gerettet. Richtig starker Zweikämpfer und insbesondere seine Geschwindigkeit ist eine echte Waffe. Traut sich auch im Aufbau immer mehr zu, so dass es nächste Saison durchaus zu einem Stammplatz reichen könnte.
Ich mag den Spieler und den Spielertypen. Beim Gegentor fehlt es ihm leider an Orientierung. Du kannst Futkeu kaum über ein ganzes Spiel rausnehmen. Wenn er in der neunten Minute cool bleibt stets sofort null eins. Trotzdem würde ich auf Kolbe wie auch auf Eitschberger setzen bevor ich Zeefuik reinnehme. Ich sehe da weniger Risiko was das generelle Spielverständnis angeht und auch genügend Mentalität und Intensität bei beiden gegenüber Zeefuik.
10.05.2026 - 18:15 Uhr
Zitat von Gruenschnabel
Ich mag den Spieler und den Spielertypen. Beim Gegentor fehlt es ihm leider an Orientierung. Du kannst Futkeu kaum über ein ganzes Spiel rausnehmen. Wenn er in der neunten Minute cool bleibt stets sofort null eins. Trotzdem würde ich auf Kolbe wie auch auf Eitschberger setzen bevor ich Zeefuik reinnehme. Ich sehe da weniger Risiko was das generelle Spielverständnis angeht und auch genügend Mentalität und Intensität bei beiden gegenüber Zeefuik.
Zitat von vanscap
Hat der Mannschaft heute mehrmals den Hintern gerettet. Richtig starker Zweikämpfer und insbesondere seine Geschwindigkeit ist eine echte Waffe. Traut sich auch im Aufbau immer mehr zu, so dass es nächste Saison durchaus zu einem Stammplatz reichen könnte.
Hat der Mannschaft heute mehrmals den Hintern gerettet. Richtig starker Zweikämpfer und insbesondere seine Geschwindigkeit ist eine echte Waffe. Traut sich auch im Aufbau immer mehr zu, so dass es nächste Saison durchaus zu einem Stammplatz reichen könnte.
Ich mag den Spieler und den Spielertypen. Beim Gegentor fehlt es ihm leider an Orientierung. Du kannst Futkeu kaum über ein ganzes Spiel rausnehmen. Wenn er in der neunten Minute cool bleibt stets sofort null eins. Trotzdem würde ich auf Kolbe wie auch auf Eitschberger setzen bevor ich Zeefuik reinnehme. Ich sehe da weniger Risiko was das generelle Spielverständnis angeht und auch genügend Mentalität und Intensität bei beiden gegenüber Zeefuik.
Beim Gegentor lässt er ihn clever ins Abseits laufen. Da macht Toni den Fehler und rückt einen Tick zu spät raus. Futkeus Großchance zu Beginn war schwer zu verteidigen, aber da sieht Kolbe wirklich sehr alt aus.
Er braucht noch mehr Spielzeit, vor allem als LIV und nicht LV. Dann wird er mMn noch besser. Bisher gefällt er mir "nur" gut.
11.05.2026 - 07:35 Uhr
Wenn man drüber nachdenkt, dass Kolbe diese Saison gefühlt mehr spiele als LV gemacht hat, war das doch heute gefühlt wie ein Kaltstart. Letzten 3 Spiele keine Minute gespielt, letzte mal IV am 17. Spieltag gegen Bielefeld.
**Transfermarkt schreibt zwar IV gegen Paderborn, aber ich bin mir eigentlich sehr sicher das man damals umgestellt hat und er nicht als IV ins Spiel kam, sondern ebenfalls LV gespielt hat.
(Einwechslung war für Eitschi, Gechter + Leistner + Dardai waren noch aufn Feld)
**Transfermarkt schreibt zwar IV gegen Paderborn, aber ich bin mir eigentlich sehr sicher das man damals umgestellt hat und er nicht als IV ins Spiel kam, sondern ebenfalls LV gespielt hat.
(Einwechslung war für Eitschi, Gechter + Leistner + Dardai waren noch aufn Feld)
11.05.2026 - 10:02 Uhr
Hat heute ein wirklich starkes Spiel gemacht auch im Spielaufbau war eine gewisse Passschärfe vorhanden und damit hat er oftmals eine Reihe direkt überspielt. Seine Zweikämpfe waren auch wirklich stark.
Wenn er so weiter macht, dann sehe ich in ihm mehr als in einem Marton, der ja vor Jahren in der Entwicklung stagniert ist. Bei einem Abgang von Marton hätte ich mit ihm als Ersatz keine Bauchschmerzen. Denke er ist in der IV nochmals besser als LV.
Wenn er so weiter macht, dann sehe ich in ihm mehr als in einem Marton, der ja vor Jahren in der Entwicklung stagniert ist. Bei einem Abgang von Marton hätte ich mit ihm als Ersatz keine Bauchschmerzen. Denke er ist in der IV nochmals besser als LV.
11.05.2026 - 10:10 Uhr
Zitat von Pal1975
Hat heute ein wirklich starkes Spiel gemacht
Hat heute ein wirklich starkes Spiel gemacht
War heute morgen schon ein Spiel? Wenn dem so sein sollte ist er ja fast zu verwechseln mit Arda Saatçi.
25.06.2026 - 02:09 Uhr
Quelle: Reviersport
Preußen Münster möchte Innenverteidiger von Hertha BSC verpflichten
... versucht Preußen Münster, Innenverteidiger Niklas Kolbe aus Berlin zu verpflichten. Nach RS-Informationen steht für den 29-Jährigen, der noch bis 2027 bei Hertha BSC unter Vertrag steht, eine Ablösesumme in Höhe von rund 150.000 Euro im Raum.
Kolbe kam in der abgelaufenen Zweitliga-Saison auf 20 Einsätze für die Berliner, insgesamt stehen bislang 45 Zweitliga-Partien in seiner Vita. Die 3. Liga wäre Neuland für Kolbe...
... versucht Preußen Münster, Innenverteidiger Niklas Kolbe aus Berlin zu verpflichten. Nach RS-Informationen steht für den 29-Jährigen, der noch bis 2027 bei Hertha BSC unter Vertrag steht, eine Ablösesumme in Höhe von rund 150.000 Euro im Raum.
Kolbe kam in der abgelaufenen Zweitliga-Saison auf 20 Einsätze für die Berliner, insgesamt stehen bislang 45 Zweitliga-Partien in seiner Vita. Die 3. Liga wäre Neuland für Kolbe...
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