Borussia Dortmund Borussia Dortmund
deadline-day banner

BVB - Transferpolitik

14.02.2015 - 15:43 Uhr
BVB - Transferpolitik |#14581
11.09.2019 - 10:20 Uhr
Zitat von Danjo88
Da ich es ja gestern bereits im Ehemaligen-Thread geschrieben hatte, wollte ich darauf noch einmal im Transferpolitik-Thread Bezug nehmen.
Es ging ja um die Aussagen von Yarmolenko, dass dieser mit der Art und Weise wie er "abserviert" wurde nicht glücklich war und das es zuletzt häufig zu Transfer-Missverständnissen kam und Yarmolenko dementsprechend nicht der einzige Spieler ist, der wir nach kürzester Zeit wieder "vom Hof gejagt" haben.
Man kann doch zuletzt, vor allem seit dem Weggang von Klopp, erkennen, dass wir mittlerweile einige Probleme haben, was das Scouting angeht. Man bekommt mittlerweile mehr und mehr das Gefühl, dass mehr nach Namen und weniger nach Fit für den Kader die Spieler verpflichtet wurden.

Nun gibt es wohl in der SportBild einen Bericht, diese Seite nimmt Bezug darauf, dass sowohl Hummels als auch Schulz nicht wirklich Wunschspieler von Favre waren und er da wieder einen Kompromiss eingehen musste.

http://www.fussballtransfers.com/bundesliga/medien-favre-mit-vorbehalten-gegen-hummels_108916

Das kommt jetzt zwar nicht gerade überraschend, da gerade bei Hummels relativ schnell klar war, dass es wieder eine Art Nostalgie-Transfer war, wie bei Götze damals. Ich sehe den Transfer von Hummels zwar nicht so extrem kritisch, da er durchaus einige Dinge mitbringt, die uns helfen könnten, wenngleich sein Geschwindigkeitsdefizit natürlich ein nicht zu unterschätzender Faktor ist und auch die Tatsache, dass er bereits 30 ist und wir mit Ablöse + Gehalt ein Gesamtpaket von rund 60 Mio. für ihn geschnürt haben, bei mir nicht gerade Jubelstürme auslöst.
Bei Schulz hingegen war ich sogar noch ein bisschen skeptischer, ob dieser zu uns passen würde. Zwar sind erst wenige Spieltage bisher gespielt, aber die Tatsache, dass Favre ihn bereits am 3. Spieltag aus der Startelf gekegelt hat, zeigt mir schon, dass er nicht vollends mit Schulz zufrieden zu sein scheint. Irgendwie passt er vom Spielertyp einfach nicht wirklich in unser System rein und sehe da auch zukünftig größere Probleme auf uns zukommen.
Schulz hat auch immerhin rund 25 Mio. Ablöse gekostet und ich werde bei ihm irgendwie das Gefühl nicht los, dass auch er am Ende eines dieser teuren Transfer-Missverständnisse werden könnte.
Wie gesagt, es ist aktuell noch zu früh darüber zu urteilen, aber wenn jetzt schon die ersten Berichte aufkommen, dass Schulz nicht wirklich der Wunschspieler von Favre war, dann ist das keine wirklich gute Grundlage dafür, dass es optimal verläuft.

Natürlich ist es falsch sich bei der Transferstrategie zu sehr auf die Wünsche des Trainers zu versteifen, da man, gerade bei Favre nie weiß, wie lange dieser noch im Verein ist und wenn man die Mannschaft zu sehr nach den Wünschen des Trainers zusammenstellt, wird es für den Nachfolger umso schwieriger. Dennoch sollte man zusehen, dass man, wenn man ein Konzept verfolgt und dieses auch mit dem Trainer abgestimmt ist, so scoutet und auch Spieler kauft, dass es den Kader abrundet bzw. der Kader in sich homogen wirkt.
Dieses Gefühl habe ich aber aktuell an einigen Stellen einfach nicht. Natürlich haben wir massig Qualität im Kader und ich will auch Schulz die Qualität nicht absprechen. Aber es wirkt dennoch so, dass es nicht wirklich zusammen passt und da muss man in Zukunft m.M.n. bei Scouting wieder vermehrt das Augenmerk auf Spieler legen, die vom Profil her besser ins System bzw. Konzept passen. Da mag dann zwar der ein oder andere eher unbekannte Name dabei sein, aber das hat unter Klopp auch niemanden gestört, da es mannschaftlich einfach besser zusammengepasst hat und später aus vielen dieser No-Names Topspieler geworden sind.

Ich bin mal gespannt wie es weiter geht, aber ich sehe das mittlerweile schon sehr kritisch, da man nicht jedes Mal das Glück hat einen Dembele, Pulisic oder Sancho im Kader zu haben, mit deren Verkäufen man so viel Geld einnimmt, dass diese ganzen Transfer-Missverständnisse, wo man durchaus einen ordentlichen Verlust zu verbuchen hatte, da für das Geld welches man bezahlt hat, der sportliche Mehrwert einfach zu selten gegeben war, ein Stück weit überstrahlt und es auf den ersten Blick so aussieht, als würde man transferpolitisch nahezu alles richtig machen, was keineswegs der Fall ist.

Mir scheint es ebenfalls so, dass unser Kader deutlich unabhängiger vom Trainer geplant wird als in der Vergangenheit.
Eigentlich hatte bereits die Zeit unter Bosz mit dem Holzhammer gezeigt, was passieren kann, wenn der Kader nicht auf den Trainer abgestimmt ist.

Wenn Schulz nun ein Transfer unserer Kaderplaner gewesen sein sollte, finde ich es aber zumindest gut, dass sie den Kader auf ihn abgestimmt haben. So bestand für mich die Gefahr, dass Favre wieder Diallo als LV einsetzen würde. Jetzt ist vor allem Hakimi der Konkurrent von Schulz; wobei Hakimi auch nicht der von Favre in der Vergangenheit präferierte, defensive AV ist, nur noch ein Jahr Vertrag hat und auch rechts gebraucht wird.
Daher haben unsere Kaderplaner Schulz eine gute Perspektive gegeben, auch wenn Favre eher andere AVs normalerweise bevorzugen sollte.

Ich schätze zudem Favre relativ pragmatisch ein. Sein taktisches Korsett ist nicht so eng, dass jede Position immer gleich interpretiert werden soll, unabhängig wer dort spielt. So lässt Favre beispielsweise Schulz und Hakimi offensiver als Piszczek spielen, Brandt darf als LA ins Zentrum rücken, Götze spielt sehr weiträumig als MS etc. .

Im Prinzip wird Favres Spielweise durch die Transfers in eine bestimmte Richtung gelenkt. Wenn die Transfers tatsächlich auf unserer Kaderplaner fußen, bedeutet das aber auch, dass sie davon ausgehen, besser als der Trainer Bescheid zu wissen.
Diesbezüglich bin ich skeptisch. Beispielweise haben wir seit unserer letzten Meisterschaft durchgängig zu viele Gegentore kassiert (einzige Ausnahme Rückrunde 15/16) und was machen wir, wir stärken das Offensivspiel mit Hazard, Brandt, Schulz und zum Teil auch durch Hummels. Allein Hummels Kopfballstärke sehe ich als Plus bezüglich der Defensive.
Der eher auf Defensive ausgerichtete Favre hätte die Prioritäten bei den Transfers vielleicht anders gesetzt.

Wie die Absprachen genau aussehen, weiß man natürlich nicht. Es macht aber eben auch auf mich den Eindruck, dass der normalerweise größte Experte, der Trainer, der auch die Aufstellungen macht, letztendlich nicht genug in die Transfers einbezogen wird.
BVB - Transferpolitik |#14582
11.09.2019 - 11:20 Uhr
Zitat von Danjo88
Zitat von BVBBC

Zitat von Danjo88

Da ich es ja gestern bereits im Ehemaligen-Thread geschrieben hatte, wollte ich darauf noch einmal im Transferpolitik-Thread Bezug nehmen.
Es ging ja um die Aussagen von Yarmolenko, dass dieser mit der Art und Weise wie er "abserviert" wurde nicht glücklich war und das es zuletzt häufig zu Transfer-Missverständnissen kam und Yarmolenko dementsprechend nicht der einzige Spieler ist, der wir nach kürzester Zeit wieder "vom Hof gejagt" haben.
Man kann doch zuletzt, vor allem seit dem Weggang von Klopp, erkennen, dass wir mittlerweile einige Probleme haben, was das Scouting angeht. Man bekommt mittlerweile mehr und mehr das Gefühl, dass mehr nach Namen und weniger nach Fit für den Kader die Spieler verpflichtet wurden.

Nun gibt es wohl in der SportBild einen Bericht, diese Seite nimmt Bezug darauf, dass sowohl Hummels als auch Schulz nicht wirklich Wunschspieler von Favre waren und er da wieder einen Kompromiss eingehen musste.

http://www.fussballtransfers.com/bundesliga/medien-favre-mit-vorbehalten-gegen-hummels_108916

Das kommt jetzt zwar nicht gerade überraschend, da gerade bei Hummels relativ schnell klar war, dass es wieder eine Art Nostalgie-Transfer war, wie bei Götze damals. Ich sehe den Transfer von Hummels zwar nicht so extrem kritisch, da er durchaus einige Dinge mitbringt, die uns helfen könnten, wenngleich sein Geschwindigkeitsdefizit natürlich ein nicht zu unterschätzender Faktor ist und auch die Tatsache, dass er bereits 30 ist und wir mit Ablöse + Gehalt ein Gesamtpaket von rund 60 Mio. für ihn geschnürt haben, bei mir nicht gerade Jubelstürme auslöst.
Bei Schulz hingegen war ich sogar noch ein bisschen skeptischer, ob dieser zu uns passen würde. Zwar sind erst wenige Spieltage bisher gespielt, aber die Tatsache, dass Favre ihn bereits am 3. Spieltag aus der Startelf gekegelt hat, zeigt mir schon, dass er nicht vollends mit Schulz zufrieden zu sein scheint. Irgendwie passt er vom Spielertyp einfach nicht wirklich in unser System rein und sehe da auch zukünftig größere Probleme auf uns zukommen.
Schulz hat auch immerhin rund 25 Mio. Ablöse gekostet und ich werde bei ihm irgendwie das Gefühl nicht los, dass auch er am Ende eines dieser teuren Transfer-Missverständnisse werden könnte.
Wie gesagt, es ist aktuell noch zu früh darüber zu urteilen, aber wenn jetzt schon die ersten Berichte aufkommen, dass Schulz nicht wirklich der Wunschspieler von Favre war, dann ist das keine wirklich gute Grundlage dafür, dass es optimal verläuft.

Natürlich ist es falsch sich bei der Transferstrategie zu sehr auf die Wünsche des Trainers zu versteifen, da man, gerade bei Favre nie weiß, wie lange dieser noch im Verein ist und wenn man die Mannschaft zu sehr nach den Wünschen des Trainers zusammenstellt, wird es für den Nachfolger umso schwieriger. Dennoch sollte man zusehen, dass man, wenn man ein Konzept verfolgt und dieses auch mit dem Trainer abgestimmt ist, so scoutet und auch Spieler kauft, dass es den Kader abrundet bzw. der Kader in sich homogen wirkt.
Dieses Gefühl habe ich aber aktuell an einigen Stellen einfach nicht. Natürlich haben wir massig Qualität im Kader und ich will auch Schulz die Qualität nicht absprechen. Aber es wirkt dennoch so, dass es nicht wirklich zusammen passt und da muss man in Zukunft m.M.n. bei Scouting wieder vermehrt das Augenmerk auf Spieler legen, die vom Profil her besser ins System bzw. Konzept passen. Da mag dann zwar der ein oder andere eher unbekannte Name dabei sein, aber das hat unter Klopp auch niemanden gestört, da es mannschaftlich einfach besser zusammengepasst hat und später aus vielen dieser No-Names Topspieler geworden sind.

Ich bin mal gespannt wie es weiter geht, aber ich sehe das mittlerweile schon sehr kritisch, da man nicht jedes Mal das Glück hat einen Dembele, Pulisic oder Sancho im Kader zu haben, mit deren Verkäufen man so viel Geld einnimmt, dass diese ganzen Transfer-Missverständnisse, wo man durchaus einen ordentlichen Verlust zu verbuchen hatte, da für das Geld welches man bezahlt hat, der sportliche Mehrwert einfach zu selten gegeben war, ein Stück weit überstrahlt und es auf den ersten Blick so aussieht, als würde man transferpolitisch nahezu alles richtig machen, was keineswegs der Fall ist.


Ich bin in den meisten Abschnitten voll bei dir, auch wenn denke ich klar ist, dass ich zu Hummels und Schulz eine härtere Einstellung habe. In einem Absatz muss ich aber widersprechen. Das waren im Sommer keine Scouting Transfers! Was willst du denn bei Hummels, Hazard, Brandt und Schulz noch scouten? Das sind Spieler, die man mindestens 2x im Jahr live beim BVB zu sehen bekommt und das seit Jahren! Da wird man nicht mehr viel Input von der Scoutingabteilung bekommen bzw. suchen, wenn man solche Transfers abwickelt, weil man selbst ein gutes Bild von den Spielern haben wird.

Seit Klopp weg ist, macht Zorc jedenfalls immer wieder Fehler, die teils heftig sind. Das liegt für mich vor allem darin begründet, dass man keine so richtig klare Ideologie verfolgt, was sich letztendlich auch in der Trainerwahl ausdrückt. Wobei selbst Klopps letzte Saison gezeigt hat, dass man auch mit Klopp die vorhandene Ideologie nicht mehr perfekt umsetzen konnte, die sich im Vergleich zu den Meisterjahren aber auch schon deutlich weiterentwickelt hatte - weil es nötig war und nach wie vor nötig ist. So grob hat man denke ich schon eine Vorstellung davon, was man sehen will und wohin die Mannschaft kommen soll, aber wie man dort mit aller Konsequenz hinkommt, erschließt sich mir nicht. Denn die Transfers sind widersprüchlich, mal von individueller Qualität getrieben, mal durch bestimmte spielerische Qualitäten, mal durch romantische Gedanken, weil durch Watzkes Sehnsucht nach seinen verlorenen Söhnen auch nochmal eine Unwucht in die Transferpolitik reinkommt - ich bin mir da manchmal jedenfalls auch nicht so sicher, wie sehr Zorc da wirklich dahinter steht, weswegen es nicht nur die Trainer sind, von denen man Gerüchte hört, dass sie mit dem ein oder anderen Spielertyp nichts anfangen können.

Dadurch entsteht in meinen Augen ein gefährlicher Mix in der Mannschaft, bei dem nicht alle an einem Strang ziehen, sondern zu unterschiedliche Richtungen vorgegeben werden, was möglich ist. Je nachdem, welche Richtung dann in der nächsten Transferperiode mehr Gewicht bekommt, geht es dann eben erfolgreicher oder weniger erfolgreich weiter, weil man keine in sich gefestigte Truppe mit einheitlicher Ideologie hat, sodass die Ideologie sich schnell in verschiedenste Richtungen entwickeln kann, je nachdem wie viele Spieler welcher Richtung folgen. So werden aber im besten Fall 2-3 gute Transfers von 1-2 schlechten Transfers direkt wieder ausgebremst - ob kurz- oder mittelfristig, in jedem Fall aber langfristig -, woran man in meinen Augen aber selbst schuld ist, da man es oft besser wissen kann.

Man sieht sicher nicht immer in die Köpfe der Spieler, was für mich oft genug dann auch das Risiko ausmacht, aber man sieht zumindest, was genau Spieler leisten können, wenn alles passt und welche Risiken man auf rein sportlicher Seite hat. Diese Risiken werden mir zu häufig übergangen, weil man zu wissen glaubt - eher hofft -, dass Spieler es eigentlich ja besser können oder noch Restpotenziale da sein müssen, die aber oft genug recht irrational wirken, weil die Spieler sehr vieles verbessern müssten, obwohl sie nicht mehr im Talentalter sind. Oder es werden softere Kriterien herangeführt, wie Passfarbe, Rang auf der Position innerhalb der Liga, Erfahrung oder ähnliches stark aufgebauscht, obwohl das für den Fit in eine Ideologie komplett zweitrangig ist. Manchmal (wie bei Yarmolenko, der sich jetzt beschwert) kommt sogar alles zusammen.

Das ändert nichts daran, dass Zorc insgesamt einen guten Job macht, aber ich denke, dass er besser sein könnte, da viele Risiken vorab bekannt sind, aber dennoch übergangen werden. Dabei ist dann auch häufig noch viel Geld involviert, was die Risiken nicht kleiner macht, sodass man sich über kurz oder lang selbst zurückwirft, je eher die Risiken durchbrechen, was sie leider meist auch tun. Auch darin ist ein großer Teil der Fluktuation enthalten, was zusammen mit der erfolgsbedingten - nicht zu verhindernden - Fluktuation nicht unkritisch ist, weil so natürlich kaum mal das volle Potenzial der Einnahmen aus diesen Transfers zur Verfügung steht. Ich würde mir daher wünschen, wenn man konsistenter arbeitet und man insgesamt mehr der Scouting Abteilung vertrauen würde, die mir insgesamt gut aufgestellt scheint, selbst wenn da auch so mancher Transfer am Ende nicht das gebracht hat, was man sich erhoffte - wie gesagt: man sieht oft genug nicht in die Köpfe (auch nicht in die der Trainer). Das finanzielle Risiko bei diesen Transfers war aber meist gleich 0 und ich würde wirklich gerne mal wissen, was passieren würde, wenn man das Budget für Transfers der Scouting Abteilung nicht so stark verknappen würde, wie man das mit teils jahrelang auf der Liste stehenden Spielern oder Rückkehrer in den letzten 3-4 Jahren immer wieder gemacht hat.

Die - mindestens - transferpolitisch unterstützte Euphorie und was die selbst gesteckten Ziele für den Verein und die Transferpolitik bedeuten, mal ganz ausgelassen. Favre sowieso, da auch er nicht nur wegen des Kaders nicht umgesetzt bekommt, was er bei seiner Antritts PK ursprünglich mal wollte. Daher geht es nicht darum, dass man den Kader für den Trainer aufstellt, sondern einen Kader hat, der von einem Trainer unabhängig einer Ideologie folgt, die erfolgversprechend ist (sowohl was schönen, attraktiven Fussball also auch Ergebnisse - und da geht es nicht direkt um Meisterschaften, da man finanziell trotzdem Restriktionen hat - betrifft). Es geht auch nicht darum nur noch perfekte Transfers zu machen. Das ist unmöglich, aber Transfers die in eine Reihe passen oder am Ende zumindest die richtigen Puzzleteile für ein und dasselbe Puzzle bereitgestellt werden und nicht aus verschiedenen - das Zusammensetzen muss dann weitestgehend der Trainer übernehmen und erst dann zeigt sich letztendlich auch, ob das Puzzle auch noch schön ist oder nicht ...

Edit: noch zur Bewertung des Gerüchts um Hummels und Diallo. Man sollte sich nochmal ein Jahr zurückversetzen und bedenken, wie sehr Favre sich für Diallo eingesetzt hat und welche Konkurrenz sowie welche Hindernisse dabei überwunden werden mussten, damit Diallo beim BVB aufschlägt. Das Gerücht, dass Favre lieber mit Diallo weitergemacht hätte, halte ich daher für plausibel und somit auch den Rest des Gerüchts ...


Ich wollte mit dem Scouting nicht explizit darauf ansprechen, dass man Spieler wie Hummels, Schulz, Hazard und Brandt wochen- oder monatelang beobachten muss, um zu wissen was sie können, sondern viel mehr auf das Scouting bzgl. der Kaderbaustellen und wie man dies zu schließen vermag.
Wenn ich also nach einem LV scoute und mir dabei dann ein Schulz vor die Füße fällt und diesen dann auch noch verpflichte, weil man glaubt, dass 25 Mio. ein Schnäppchen in der heutige Zeit sind und er ja schließlich ein deutscher Nationalspieler ist, dann finde ich, dass das Scouting verfehlt wurde, da Schulz eben kein Schnäppchen ist, da mir für die 25 Mio., die er gekostet hat, einfach noch zu viel fehlt, um der passende LV für uns zu sein.
Dass man in den seltensten Fällen den perfekt passenden Spieler bekommt, ist mir auch klar und oftmals geht es dann in einem Ablösebereich, indem sich Mannschaften wie Real, Barca, ManCity, Liverpool und Co. bewegen und wo wir definitiv raus sind. Aber wenn man schon einen LV holt, der so wenig zu unser Spiel passt, wie es m.M.n. Schulz tut, dann muss man dafür keine 25 Mio. verbrennen. Solche Spieler gibt es auch schon weitaus günstiger.
Weshalb ich mich mittlerweile auch immer mehr sträube zu denken: "Boah, der Spieler war teuer und ist auch noch Nationalspieler, der muss bzw. wird schon reinpassen und bei uns seine Leistung bringen."
Dem ist einfach nicht der Fall, da wir zuletzte mit Yarmolenko, Schürrle, Götze, Philipp und Diallo einige sehr teure Transfers (20+ Mio.) hatten, von denen aktuell nur noch Götze bei uns ist und der spielt bisher auch kaum bis gar keine Rolle und dürfte uns wohl zum Ende der Saison verlassen. Bei den anderen genannten Spieler war es so, dass sie wie im Fall Yarmolenko und Diallo bereits nach einer Saison keine Rolle mehr gespielt haben und bei Philipp und Schürrle nach zwei Saisons. Wenn ich Spieler hole, die sich in einem solchen Ablösebereich befinden, dann erwarte ich mir eigentlich einen sportlichen Mehrwert über mehrere Saisons hinweg. Da dies aber bei keinen dieser Spieler, bei Philipp und Diallo evtl. noch z.T. der Fall war, muss man die Transferpolitik und da gehört das Scouting nach Neuverpflichtungen für bestimmte Kaderbaustellen definitiv kritisieren.

Natürlich will ich da nicht Zorc's über Jahre hinweg großartige Arbeit komplett in Frage stellen, da er auch viel mehr Top-Transfers gelandet hat, die uns im Nachhinein mit ihren Abgängen sogar ein Stück weit saniert haben, aber gerade was die letzten 3-4 Jahre angeht, waren da doch eine sehr große Menge an teuren Transfer-Missverständnissen dabei, die wie bereits angesprochen von solchen Transfers wie Dembele und Sancho überstrahlt wurden, aber keineswegs unter den Tisch gekehrt werden dürfen, da du es ja bereits geschrieben hast, dass durch diese Transfers eben auch sehr viel Geld und somit Potenziale für wirkliche Kaderverstärkungen verbrannt wurden.

Letztendlich sind die Gründe, weswegen die Spieler uns verlassen haben, nachvollziehbar. Die Abgänge an sich waren für mich keine Fehler.
Allerdings ist eine der Ursachen für mich, dass wir den Kader teilweise zu sehr aufgebläht haben. Dadurch mussten Spieler durch das Rost fallen, die durchaus Qualität besaßen. Das kostete insgesamt zu viel Geld, denke ich. Man hat für mehr Spieler als nötig Ablösen und Gehalt bezahlt und Spieler, die in der Folge davon auf der Bank oder Tribüne landen, können keine hohen Ablösesummen mehr generieren.

Der ein oder andere aus den jüngsten Transfers um Philipp, Isak, Kagawa, Toprak, Wolf, Rode, Schürrle, Gomez, Yarmolenko hätte eventuell besser eingebunden werden können, wenn der Kader anders zusammengestellt gewesen wäre.
Stattdessen wurden teure Alternativen verpflichtet und die genannten Spieler haben nicht den Marktwert, den sie haben könnten.
In diesem Sommer lief es sogar auf Stammspielerebene ähnlich. Diallo und Guerreiro brachten gute Leistungen. Dennoch haben wir richtig Geld in die Hand genommen, um auf deren Positionen zu investieren.
Finanziell gut für uns, dass Diallo direkt Konsequenzen gezogen hat und wir nicht warten müssen, dass aufgrund eines Überangebots an IVs nächsten Sommer jemand unter Marktwert wechselt (Balerdi oder Zagadou zum Beispiel).
Das könnte wiederum bei Guerreiro passieren. Der könnte sportlich die Saison eine untergeordnete Rolle spielen, sein Gehalt kassieren und am Ende ablösefrei gehen.
Bei Götze könnte es ähnlich laufen, der nun auf seiner Zweitposition im OM durch Brandt große Konkurrenz bekommen hat.
Sollte es anders kommen, dann eher deswegen, weil Favre anders handelt als unsere Kaderplaner das wollen und z.B. Guerreiro eben doch regelmäßig spielt und verlängert. Dann würde es aber vielleicht einen der Neuzugänge erwischen.

Ein schlankerer Kader und mehr Vertrauen in die vorhandenen Spieler (aktuell Diallo/Guerreiro) hätte uns viel Geld gespart und Spieler besser zur Geltung gebracht, die bei uns durch das Rost gefallen sind.
Aber natürlich versprechen wir uns von den Neuzugängen eine Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit. Dass das im Verhältnis zum finanziellem Aufwand steht, kann man aber in Frage stellen.
BVB - Transferpolitik |#14583
11.09.2019 - 13:50 Uhr
Zitat von DerMoe
Zitat von timpop

Zitat von DerMoe

Zitat von End_of_Days

Vorweg: Ich habe gedacht, dass man jetzt mit den zwei angekündigten Transferperioden, den Umbruch abgeschlossen hat, bei genauer Betrachtung gibt es aber mehr Fragezeichen als geahnt.

Der Umbruch der in der Transferperiode 18/19 begann ist nun mit der Periode 19/20 abgeschlossen. Gefühlt sind 10 Spieler gekommen und 20 gegangen. Dennoch könnte es die ein oder andere spannende Personalie im nächsten Sommer geben.
(...)

Natürlich wird es nicht jeden treffen, aber ich rechne von diesen 11 Spielern mit mindestens 7 Abgängen oder sogar mehr. Das heißt es gibt wieder einen kleinen Umbruch wahrscheinlich.

Wie seht ihr das?



Man sollte aufhören was von Umbrüchen zu erzählen. 10 Spieler weg und 10 Spieler her ist inzwischen leider der völlig normale Transferwahnsinn beim BVB.

Ich hoffe daher, dass du nicht Recht behälst und man sich mal wieder etwas auf seine Werte besinnt und versucht eine Mannschaft zu bauen, die nicht nach 6 Monaten schon wieder komplett vor dem Abgang steht.
Ich befürchte aber, dass du recht nah an der Wahrheit bist.


selbst zu den Spielern, die er aufgezählt hat, könnten evtl. noch einige hinzukommen: Zagadou und/oder Balerdi (wenn denen am Samstag wieder Weigl vorgezogen werden sollten, ist das ja auch ein Fingerzeig), Gomez, Hitz (vielleicht möchte er doch nochmal Stamm-TH sein) und evtl. noch der Trainer.

Das BVB-Transferkarussell wird sich munter weiterdrehen, da wird sich kurzfristig , aufgrund der vielen Baustellen und Fehlgriffe nicht viel ändern >> leider


Wobei das doch gerade der Witz ist. Die vielen "Fehler und Baustellen" wähnte man doch eben mit dem "Umbruch" zu beseitigen. Und nach der Fabelhinrunde bescheinigten doch die meisten, dass da alles richtig gemacht wurde.

Man hatte ein neues Traum IV-Duo mit Abwehrchef und drittem Kapitän Akanji und Diallo, das noch locker ein Jahrzehnt zusammen spielen kann. Man hatte eine neue Zentrale mit dem unglaublich starken Witsel und dem in den Mannschaftsrat eingezogenen Mentalitätsmonster Delaney. Dazu noch der gesetze Reus davor.

Die Zentrale stand auf Jahre.

Dann ist die Rückrunde anstatt außergewöhnlich nur gut und das sind auch alles schon wieder Fehler und Baustellen? Diallo schon wieder weg, Akanji degradiert und womöglich auch auf dem Sprung. Delaney nur noch Bankdrücker, weil "der kann nicht böse gucken"-Weigl auf einmal wieder Stammspieler auf der 6 ist?

Ich komm langsam nicht mehr mit...


Ausdrückliches Lob, das du hier als Pate nicht die häufig verwendete Besänftigungs- und Beschönigungssoße über die BVB-Transferpolitik und über den Umgang der BVB-Verantwortlichen mit zahlreichen Spielern schüttest, um die leicht erkennbaren Fragwürdigkeiten der Transferpolitik zu verschleiern.

Wichtig ist zwar zu beachten, wie schwierig es ist, nur Treffer bei Transfers zu landen, ebenso wichtig ist aber auch, den gekauften Spielern überhaupt die Möglichkeit zu geben, sich im BVB-Spiel zu zeigen und zu etablieren. Das ist keinesfalls Fußballromantik, wie manche Verkaufsstrategen hier im Forum meinen, die sich bei ihren virtuellen Ver- und Einkäufen inzwischen teilweise selbst überholen, sondern die Einsicht in die Notwendigkeit, neben neuen Spielern und Impulsen nicht zuletzt auch Kontinuität und damit Stabilität im Kader erreichen zu müssen, will man dauerhaft erfolgreich sein.

Ironie der BL-Realität stellt in diesem Zusammenhang der Geldbrauseclub aus Leipzig dar, weil ausgerechnet dieser Verein eine auffällige personelle Stabilität und Kontinuität aufweist.

Stichprobe:

Am 3. Spieltag der ersten Saison in der BL hat RB Leipzig folgende Spieler eingesetzt:

2016
Gulacsi – Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg – Ilsanker, Demme – Keïta (46. Ti. Werner), Forsberg – Sabitzer (62. Do. Kaiser), Y. Poulsen (80. Selke)

Am 3. Spieltag der aktuelle Saison hat RB Leipzig folgende Spieler eingesetzt

2019
Gulacsi – Klostermann, Konaté, Orban, Halstenberg (83. Mukiele) – Laimer, Forsberg (63. Haidara), Kampl (70. Demme), Sabitzer – Poulsen, Werner

Von den 14 Spielern, die 2016 am 3. Spieltag auf dem Platz waren, waren 2019 noch 8 Spieler auf dem Platz, nämlich Gulacsi, Orban, Halstenberg, Demme, Werner, Forsberg, Sabitzer und Poulsen. Außerdem ist der 2016 eingesetzte Ilsanker noch Kadermitglied.

Beim BVB sieht der Vergleich der beiden 3. Spieltage so aus:

2016
Bürki – Passlack, Sokratis, Ginter, Schmelzer (71. Rode) – Weigl – Pulisic, Castro, Guerreiro (63. Kagawa), Dembélé (64. Mor) – Ramos

2019
Bürki – Piszczek, Hummels, Akanji, Hakimi – Weigl (76. Guerreiro), Delaney (46. Dahoud) – Brandt (85. Bruun Larsen), Reus, Sancho – Alcácer

Von den 14 Spielern, die 2016 am 3. Spieltag auf dem Platz waren, waren 2019 noch 3 Spieler auf dem Platz, nämlich Bürki, Weigl und Guerreiro. Ein weiterer 2016 eingesetzter Spieler ist noch im Kader, nämlich Schmelzer.

Insgesamt sind von den 31 Spielern des BVB-Kaders 2016/17 noch 8 Spieler im aktuellen Kader = etwas mehr als 25 %, bei RBL sind es von 36 Spielern 11 = etwas mehr als 30 %. Das wirkt nicht so enorm unterschiedlich. Wenn man dann aber sieht, dass Leipzig 6 - 8 Spieler von diesen 11 regelmäßig für startelftauglich hält, während das beim BVB nur maximal 4 sind (Bürki, Piszczek, Weigl, Reus), dann kann man vielleicht ein wenig ermessen, wie gut eingespielt jeweils die RBL-Elf und die BVB-Elf ist. Auf jeden Fall hat Leipzig eine deutlich klarere Stabilität und Kontinuität der Leistungsträger im Kader als der BVB und das hängt ganz offensichtlich mit der Transferpolitik der vergangenen Jahre und den Einsatzchancen der verpflichteten Spieler zusammen. Es ist klar, dass nicht jeder Leistungsträger gehalten werden kann. Das hat auch Leipzig bereits erfahren müssen. Es ist ebenso klar, dass nicht jeder verpflichtete Spieler hervorragend einschlagen kann, unabhängig davon ob es sich um Talente oder fertige Spieler von anderen Vereinen oder Spieler aus dem eigenen Nachwuchs handelt, aber die Liste der jeweils neuen Spieler beim BVB seit einem halben Jahrzehnt (also seit Sommer 2014), die mäßig oder gar nicht erfolgreich waren und den Verein schon wieder verlassen haben oder verliehen worden sind, ist beindruckend - und zwar negativ.

Hendrik Bonmann
Matthias Ginter
Kevin Kampl
Milos Jojic
Jeremy Dudziak
Ciro Immobile
Adrián Ramos
Ju-Ho Park
Pascal Stenzel
Felix Passlack
Gonzalo Castro
Adnan Januzaj
Marc Bartra
Dzenis Burnic
Sebastian Rode
Mikel Merino
André Schürrle
Emre Mor
Alexander Isak
Ömer Toprak
Jeremy Toljan
Andrii Yarmolenko
Maximilian Philipp
Marius Wolf
Sergio Gomez

Vielleicht habe ich noch ein paar vergessen, vielleicht kann man darüber streiten, ob ein paar wenige der 25 genannten Spieler tatsächlich "mäßig oder gar nicht erfolgreich" waren, aber dazu kommen ja auch noch Spieler wie z.B. Diallo, die nach einem einzigen Jahr verkauft werden und aus dem aktuellen Kader z.B. junge Spieler wie Zagadou, Balerdi, Raschl, Dahoud (ja, auch der), Osterhage und Bruun Larsen, bei denen es nur eine Frage der Zeit zu sein scheint, wann sie verliehen werden oder den Verein ganz verlassen. Auch wenn Zagadou, Dahoud und Bruun Larsen schon längere Einsatzzeiten gesehen haben, konnten sie sich nicht durchsetzen.

Zagadou gilt offenbar (wegen einiger Fehler?) trotz sehr starker Ansätze als nicht mehr startelftauglich. Die eklatante Formschwäche von Akanji und die Verkäufe von Diallo und Toprak müssten Zagadou oder auch Balerdi eigentlich Einsatzzeiten verschaffen, auch wenn durch den Kauf von Hummels eine IV-Position für diese Spieler plötzlich blockiert ist. Ich wäre nicht überrascht, wenn es nicht geschehen würde.

Dahoud hat sich mMn selbst aus dem Startelfkreis hinausgespielt, aber an Dahoud kann man etwas anderes erkennen. Dahoud hat Chancen über Chancen bekommen, andere Spieler nicht. Geht es da tatsächlich nur um sportliche Leistung bzw. Qualität? Manchmal zweifele ich selbst daran, obwohl das ja vereinsschädigend wäre - nicht mein Zweifel, sondern die undurchsichtige Aufstellungspraxis.

Bruun Larsen? Auch wenn ich durchaus Vorbehalte bzgl. seiner Qualität habe, ist aber leicht zu erkennen, wie die Einkäufe von Hazard, Brandt und selbst Schulz die Ausgangslage für Bruun Larsen deutlich verschlechtert hat.

Die Gründe für die mangelnde Kontinuität und Stabilität des BVB-Kaders sind sicherlich vielfältig, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Transferpolitik und in diesem Zusammenhang auch der Umgang v.a. mit jungen Talenten ihren Anteil an diesem Mangel haben.

Abschließend noch das:

Klar und unabdingbar ist im Profifußball die absolute Leistungsorientierung. Weniger klar ist, wie das absolute Leistungshoch in einem Mannschaftssport erreicht werden kann. Leistung über den Kauf von Spielern und deren gescoutetes und daraufhin vermutetes Leistungsvermögen zu erreichen ist eine unverzichtbare Methode. Eine andere ist die sukzessive Entwicklung von Spielern und dabei der Aufbau von Kontinuität und damit Stabilität eines Mannschaftskaders, weil die Leistung einer Mannschaft immer entweder deutlich mehr oder deutlich weniger ist als die Summe der Einzelspielerqualitäten. Das z.B. kann man sehr gut am ungeliebten RB Leipzig studieren, denn Weltklassespieler tummeln sich dort nicht und selbst die berühmt berüchtigte internationale Klasse kann man nur einigen RB-Spielern attestieren. Dennoch wird bereits nach drei BL-Spieltagen hier im Forum nicht völlig zu Unrecht geraunt, diese Leipziger könnten in der BL-Spitze bleiben und möglicherweise sogar Titelchancen haben.

Woran das wohl u.a. liegen mag?

•     •     •

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; 
aber soviel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll.
Georg Christoph Lichtenberg
BVB - Transferpolitik |#14584
11.09.2019 - 16:38 Uhr
Zitat von arche
Zitat von DerMoe

Zitat von timpop

Zitat von DerMoe

Zitat von End_of_Days

Vorweg: Ich habe gedacht, dass man jetzt mit den zwei angekündigten Transferperioden, den Umbruch abgeschlossen hat, bei genauer Betrachtung gibt es aber mehr Fragezeichen als geahnt.

Der Umbruch der in der Transferperiode 18/19 begann ist nun mit der Periode 19/20 abgeschlossen. Gefühlt sind 10 Spieler gekommen und 20 gegangen. Dennoch könnte es die ein oder andere spannende Personalie im nächsten Sommer geben.
(...)

Natürlich wird es nicht jeden treffen, aber ich rechne von diesen 11 Spielern mit mindestens 7 Abgängen oder sogar mehr. Das heißt es gibt wieder einen kleinen Umbruch wahrscheinlich.

Wie seht ihr das?



Man sollte aufhören was von Umbrüchen zu erzählen. 10 Spieler weg und 10 Spieler her ist inzwischen leider der völlig normale Transferwahnsinn beim BVB.

Ich hoffe daher, dass du nicht Recht behälst und man sich mal wieder etwas auf seine Werte besinnt und versucht eine Mannschaft zu bauen, die nicht nach 6 Monaten schon wieder komplett vor dem Abgang steht.
Ich befürchte aber, dass du recht nah an der Wahrheit bist.


selbst zu den Spielern, die er aufgezählt hat, könnten evtl. noch einige hinzukommen: Zagadou und/oder Balerdi (wenn denen am Samstag wieder Weigl vorgezogen werden sollten, ist das ja auch ein Fingerzeig), Gomez, Hitz (vielleicht möchte er doch nochmal Stamm-TH sein) und evtl. noch der Trainer.

Das BVB-Transferkarussell wird sich munter weiterdrehen, da wird sich kurzfristig , aufgrund der vielen Baustellen und Fehlgriffe nicht viel ändern >> leider


Wobei das doch gerade der Witz ist. Die vielen "Fehler und Baustellen" wähnte man doch eben mit dem "Umbruch" zu beseitigen. Und nach der Fabelhinrunde bescheinigten doch die meisten, dass da alles richtig gemacht wurde.

Man hatte ein neues Traum IV-Duo mit Abwehrchef und drittem Kapitän Akanji und Diallo, das noch locker ein Jahrzehnt zusammen spielen kann. Man hatte eine neue Zentrale mit dem unglaublich starken Witsel und dem in den Mannschaftsrat eingezogenen Mentalitätsmonster Delaney. Dazu noch der gesetze Reus davor.

Die Zentrale stand auf Jahre.

Dann ist die Rückrunde anstatt außergewöhnlich nur gut und das sind auch alles schon wieder Fehler und Baustellen? Diallo schon wieder weg, Akanji degradiert und womöglich auch auf dem Sprung. Delaney nur noch Bankdrücker, weil "der kann nicht böse gucken"-Weigl auf einmal wieder Stammspieler auf der 6 ist?

Ich komm langsam nicht mehr mit...


Ausdrückliches Lob, das du hier als Pate nicht die häufig verwendete Besänftigungs- und Beschönigungssoße über die BVB-Transferpolitik und über den Umgang der BVB-Verantwortlichen mit zahlreichen Spielern schüttest, um die leicht erkennbaren Fragwürdigkeiten der Transferpolitik zu verschleiern.

Wichtig ist zwar zu beachten, wie schwierig es ist, nur Treffer bei Transfers zu landen, ebenso wichtig ist aber auch, den gekauften Spielern überhaupt die Möglichkeit zu geben, sich im BVB-Spiel zu zeigen und zu etablieren. Das ist keinesfalls Fußballromantik, wie manche Verkaufsstrategen hier im Forum meinen, die sich bei ihren virtuellen Ver- und Einkäufen inzwischen teilweise selbst überholen, sondern die Einsicht in die Notwendigkeit, neben neuen Spielern und Impulsen nicht zuletzt auch Kontinuität und damit Stabilität im Kader erreichen zu müssen, will man dauerhaft erfolgreich sein.

Ironie der BL-Realität stellt in diesem Zusammenhang der Geldbrauseclub aus Leipzig dar, weil ausgerechnet dieser Verein eine auffällige personelle Stabilität und Kontinuität aufweist.

Stichprobe:

Am 3. Spieltag der ersten Saison in der BL hat RB Leipzig folgende Spieler eingesetzt:

2016
Gulacsi – Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg – Ilsanker, Demme – Keïta (46. Ti. Werner), Forsberg – Sabitzer (62. Do. Kaiser), Y. Poulsen (80. Selke)

Am 3. Spieltag der aktuelle Saison hat RB Leipzig folgende Spieler eingesetzt

2019
Gulacsi – Klostermann, Konaté, Orban, Halstenberg (83. Mukiele) – Laimer, Forsberg (63. Haidara), Kampl (70. Demme), Sabitzer – Poulsen, Werner

Von den 14 Spielern, die 2016 am 3. Spieltag auf dem Platz waren, waren 2019 noch 8 Spieler auf dem Platz, nämlich Gulacsi, Orban, Halstenberg, Demme, Werner, Forsberg, Sabitzer und Poulsen. Außerdem ist der 2016 eingesetzte Ilsanker noch Kadermitglied.

Beim BVB sieht der Vergleich der beiden 3. Spieltage so aus:

2016
Bürki – Passlack, Sokratis, Ginter, Schmelzer (71. Rode) – Weigl – Pulisic, Castro, Guerreiro (63. Kagawa), Dembélé (64. Mor) – Ramos

2019
Bürki – Piszczek, Hummels, Akanji, Hakimi – Weigl (76. Guerreiro), Delaney (46. Dahoud) – Brandt (85. Bruun Larsen), Reus, Sancho – Alcácer

Von den 14 Spielern, die 2016 am 3. Spieltag auf dem Platz waren, waren 2019 noch 3 Spieler auf dem Platz, nämlich Bürki, Weigl und Guerreiro. Ein weiterer 2016 eingesetzter Spieler ist noch im Kader, nämlich Schmelzer.

Insgesamt sind von den 31 Spielern des BVB-Kaders 2016/17 noch 8 Spieler im aktuellen Kader = etwas mehr als 25 %, bei RBL sind es von 36 Spielern 11 = etwas mehr als 30 %. Das wirkt nicht so enorm unterschiedlich. Wenn man dann aber sieht, dass Leipzig 6 - 8 Spieler von diesen 11 regelmäßig für startelftauglich hält, während das beim BVB nur maximal 4 sind (Bürki, Piszczek, Weigl, Reus), dann kann man vielleicht ein wenig ermessen, wie gut eingespielt jeweils die RBL-Elf und die BVB-Elf ist. Auf jeden Fall hat Leipzig eine deutlich klarere Stabilität und Kontinuität der Leistungsträger im Kader als der BVB und das hängt ganz offensichtlich mit der Transferpolitik der vergangenen Jahre und den Einsatzchancen der verpflichteten Spieler zusammen. Es ist klar, dass nicht jeder Leistungsträger gehalten werden kann. Das hat auch Leipzig bereits erfahren müssen. Es ist ebenso klar, dass nicht jeder verpflichtete Spieler hervorragend einschlagen kann, unabhängig davon ob es sich um Talente oder fertige Spieler von anderen Vereinen oder Spieler aus dem eigenen Nachwuchs handelt, aber die Liste der jeweils neuen Spieler beim BVB seit einem halben Jahrzehnt (also seit Sommer 2014), die mäßig oder gar nicht erfolgreich waren und den Verein schon wieder verlassen haben oder verliehen worden sind, ist beindruckend - und zwar negativ.

Hendrik Bonmann
Matthias Ginter
Kevin Kampl
Milos Jojic
Jeremy Dudziak
Ciro Immobile
Adrián Ramos
Ju-Ho Park
Pascal Stenzel
Felix Passlack
Gonzalo Castro
Adnan Januzaj
Marc Bartra
Dzenis Burnic
Sebastian Rode
Mikel Merino
André Schürrle
Emre Mor
Alexander Isak
Ömer Toprak
Jeremy Toljan
Andrii Yarmolenko
Maximilian Philipp
Marius Wolf
Sergio Gomez

Vielleicht habe ich noch ein paar vergessen, vielleicht kann man darüber streiten, ob ein paar wenige der 25 genannten Spieler tatsächlich "mäßig oder gar nicht erfolgreich" waren, aber dazu kommen ja auch noch Spieler wie z.B. Diallo, die nach einem einzigen Jahr verkauft werden und aus dem aktuellen Kader z.B. junge Spieler wie Zagadou, Balerdi, Raschl, Dahoud (ja, auch der), Osterhage und Bruun Larsen, bei denen es nur eine Frage der Zeit zu sein scheint, wann sie verliehen werden oder den Verein ganz verlassen. Auch wenn Zagadou, Dahoud und Bruun Larsen schon längere Einsatzzeiten gesehen haben, konnten sie sich nicht durchsetzen.

Zagadou gilt offenbar (wegen einiger Fehler?) trotz sehr starker Ansätze als nicht mehr startelftauglich. Die eklatante Formschwäche von Akanji und die Verkäufe von Diallo und Toprak müssten Zagadou oder auch Balerdi eigentlich Einsatzzeiten verschaffen, auch wenn durch den Kauf von Hummels eine IV-Position für diese Spieler plötzlich blockiert ist. Ich wäre nicht überrascht, wenn es nicht geschehen würde.

Dahoud hat sich mMn selbst aus dem Startelfkreis hinausgespielt, aber an Dahoud kann man etwas anderes erkennen. Dahoud hat Chancen über Chancen bekommen, andere Spieler nicht. Geht es da tatsächlich nur um sportliche Leistung bzw. Qualität? Manchmal zweifele ich selbst daran, obwohl das ja vereinsschädigend wäre - nicht mein Zweifel, sondern die undurchsichtige Aufstellungspraxis.

Bruun Larsen? Auch wenn ich durchaus Vorbehalte bzgl. seiner Qualität habe, ist aber leicht zu erkennen, wie die Einkäufe von Hazard, Brandt und selbst Schulz die Ausgangslage für Bruun Larsen deutlich verschlechtert hat.

Die Gründe für die mangelnde Kontinuität und Stabilität des BVB-Kaders sind sicherlich vielfältig, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Transferpolitik und in diesem Zusammenhang auch der Umgang v.a. mit jungen Talenten ihren Anteil an diesem Mangel haben.

Abschließend noch das:

Klar und unabdingbar ist im Profifußball die absolute Leistungsorientierung. Weniger klar ist, wie das absolute Leistungshoch in einem Mannschaftssport erreicht werden kann. Leistung über den Kauf von Spielern und deren gescoutetes und daraufhin vermutetes Leistungsvermögen zu erreichen ist eine unverzichtbare Methode. Eine andere ist die sukzessive Entwicklung von Spielern und dabei der Aufbau von Kontinuität und damit Stabilität eines Mannschaftskaders, weil die Leistung einer Mannschaft immer entweder deutlich mehr oder deutlich weniger ist als die Summe der Einzelspielerqualitäten. Das z.B. kann man sehr gut am ungeliebten RB Leipzig studieren, denn Weltklassespieler tummeln sich dort nicht und selbst die berühmt berüchtigte internationale Klasse kann man nur einigen RB-Spielern attestieren. Dennoch wird bereits nach drei BL-Spieltagen hier im Forum nicht völlig zu Unrecht geraunt, diese Leipziger könnten in der BL-Spitze bleiben und möglicherweise sogar Titelchancen haben.

Woran das wohl u.a. liegen mag?


Wiedereinmal ein sehr guter und ausführlicher Beitrag. Vielen Dank dafür und natürlich auch an die vorhergehenden Verfasser. Sehr interessante Diskussion.
Der einzige Punkt, den ich hinzufügen möchte, um die Liste etwas zu entschärfen....Wir hatten ein Attentat auf den Mannschaftsbus zu verkraften, Raba nicht. Der Wechsel des ein oder anderen Spielers dürfte damit auf jeden Fall zusammen hängen.
Ansonsten stößt mir nur auf, dass wir glaube ich in der Vergangenheit schon zu teure Transfers tätigen. Gerade auch bei Spielern, die hier im Forum von Beginn an mMn zurecht sehr skeptisch gesehen wurden. In die Reihe Castro, Schürrle, Rode, Toprak und Yarmolenko reiht sich ein Schulz nahtlos ein. Selbst Wolf gehört fast noch dazu, obwohl er eine günstige AK hatte. Sein kolportiertes Gehalt macht diese aber wieder mehr als wett. BVBBC hatte dieses Transfergebahren auch schon mehrmals kritisiert. Ein gestandener Spieler selbst mit relativ moderater Ablöse (Toprak, Wolf) ist aufgrund des hohen Gehaltes zumindest innerhalb der Buli nicht mehr gewinnbringend zu veräußern. Geschweige denn bei einer marktgerechten Ablöse. Diese Spieler MÜSSEN bei uns zünden oder es gibt relativ hohe finanzielle Einbußen. Bei der Verpflichtung eines Talentes hingegen spielt die gezahlte Ablöse und das Gehalt eine relativ untergeordnete Rolle. Selbst bei geringen Einsatzzeiten kommt der Verein zumindest plusminusnull aus der Nummer heraus, eher gibt es sogar noch einen kleinen Gewinn. Jedes Talent eröffnet zumindest die Möglichkeit einer erheblichen Leistungssteigerung, bei den gestandenen Spielern weiß man eigentlich vorher, was man bekommt. Klar kann nicht jeder Transfer sitzen wie die von Pulisic, Dembelé oder Sancho. Aber teure Transfers gestandener Spieler sollten tunlichst sehr sehr sorgfältig bedacht werden. Auch Hummels hätte ich für die bereits genannten Summen und unter den aufgeführten Rahmenbedingungen (Abgang Diallo) nicht verpflichtet. Natürlich bringt er vorher nicht vorhandene Qualitäten ein, schafft aber andererseits auch genug neue Probleme. Und die erhoffte Stabilisierung der Def ist auch noch nicht wirklich sichtbar, aber dafür ist es vielleicht auch noch etwas zu früh in der Saison. Brandt und Hazard sind gute Verpflichtungen, obwohl mit der Verpflichtung von Hazard ein Abgang von Guerreiro und/oder Götze notwendig gewesen wäre. Mal gucken. Es ist wie immer.....Wir können ALLES, außer LANGWEILIG....Cool

•     •     •

"There is no glory in prevention." - Christian Drosten

„Wenn man kein Tor bekommt, verliert man nicht!“ Roman Bürki

„ Jeder kann wütend werden, das ist einfach. Aber wütend auf den Richtigen zu sein, im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck und auf die richtige Art, das ist schwer.“ Aristoteles
BVB - Transferpolitik |#14585
11.09.2019 - 17:01 Uhr
Zitat von BVBBC


Seit Klopp weg ist, macht Zorc jedenfalls immer wieder Fehler, die teils heftig sind. Das liegt für mich vor allem darin begründet, dass man keine so richtig klare Ideologie verfolgt, was sich letztendlich auch in der Trainerwahl ausdrückt. Wobei selbst Klopps letzte Saison gezeigt hat, dass man auch mit Klopp die vorhandene Ideologie nicht mehr perfekt umsetzen konnte, die sich im Vergleich zu den Meisterjahren aber auch schon deutlich weiterentwickelt hatte - weil es nötig war und nach wie vor nötig ist. So grob hat man denke ich schon eine Vorstellung davon, was man sehen will und wohin die Mannschaft kommen soll, aber wie man dort mit aller Konsequenz hinkommt, erschließt sich mir nicht. Denn die Transfers sind widersprüchlich, mal von individueller Qualität getrieben, mal durch bestimmte spielerische Qualitäten, mal durch romantische Gedanken, weil durch Watzkes Sehnsucht nach seinen verlorenen Söhnen auch nochmal eine Unwucht in die Transferpolitik reinkommt - ich bin mir da manchmal jedenfalls auch nicht so sicher, wie sehr Zorc da wirklich dahinter steht, weswegen es nicht nur die Trainer sind, von denen man Gerüchte hört, dass sie mit dem ein oder anderen Spielertyp nichts anfangen können.


Stimme dir zum Teil zu, möchte aber ergänzen, dass es seit den beiden letzten Klopp-Jahren nicht nur an einer klaren strategischen Ausrichtung hinsichtlich Spielidee, Mengenverhältnis beim Kauf von jungen Talenten und "fertigen" Spielern, kurz-, mittel- und langfristigen Entwicklungszielen usw. (du nennst es Ideologie) und deshalb klarer Transferpolitik mangelt, sondern auch ein undurchsichtiges Hin und Her zwischen Festhalten und "Fallenlassen" bestimmter Spieler die Probleme auf dem Platz verschärfen. Beides zusammen fördert den Mangel an Kontinuität und Stabilität, wie ich ich in meinem vorherigen Beitrag in diesem Thread versucht habe zu zeigen. Nebenbei, die Zuschauer, erst recht oft solche, die auch in Foren schreiben, haben überhaupt keine Geduld mehr mit Spielern. Fast bei jedem Fehler eines Spielers, besonders wenn er negativ spielentscheidend ist, wird sofort lauthals gefordert, diesen Spieler nicht mehr aufzustellen. Wie da überhaupt noch Spieler- und Spielentwicklung stattfinden soll, bleibt Geheimnis dieser Schnellschusskritiker.

Es gibt drei Phasen nach Klopp, in denen die Trainer sich dennoch zu einer klaren Spielidee aufschwangen, allerdings mit nur zum Teil passendem Personal.

2015/16 Tuchel, der mit Ballbesitzspiel und intelligentem Pressing den Bayern einigermaßen auf den Fersen blieb, aber bereits 2016/17 nur noch 3. wurde (viele sagen, ausschließlich wegen Dembélé, sonst wäre der BVB noch weiter abgerutscht).

Bosz mit fulminantem Pressing-Fußball 2017/18 und anschließendem Absturz (einige behaupten, Teile der Mannschaft seien Bosz nicht mehr gefolgt und hätten seine laufaufwendige Spielidee sabotiert), der nach Trainerwechsel von Stöger qualvoll abgefangen wurde und zum 4. Platz führte.

Favre in der Hinrunde 2018/19 mit defensiv orientiertem Ballbesitzfußball, nur sporadischem Pressing und gezielt wenigen, aber sehr guten Torchancen, was zeitweise mit erklecklichem Vorsprung vor den Bayern zu Titelchancen führte, in der RR 2018/19 aber auf Normalmaß zurückgeschraubt werden musste, so dass die Meisterschaft punktemäßig knapp, leistungsmäßig aber klar verpasst wurde.

Wichtig an diesen Phasen ist - bei aller Spekulation über Trainereinfluss bei Spielereinkäufen -, dass diese Einkäufe vorwiegend keine Trainereinkäufe, sondern Einkäufe von Zorc/Watzke waren. Und genau das begünstigt das von mir konstatierte Hin und Her zwischen sturem Festhalten oder sturem "Fallenlassen" von Spielern durch die Trainer, bei Favre vor allem sturem Festhalten an Spielern, was logischerweise dann aber auch zum Fallenlassen von Spielern bzw. zu sehr geringen Chancen führt, sich überhaupt einmal auf dem Platz im Wettkampf zu beweisen. Zahlreiche Spieler haben nur bei Verletzungen Einsatzchancen, teils auch auf ungewöhnlichen Positionen (z.B. Weigl und Wolf). Immerhin hat Favre dann aber doch auch ab und zu nach einiger Zeit Konsequenzen gezogen. Das kann man an Dahoud, Wolf und Philipp besonders leicht erkennen, aber auch die Einsatzzeiten von Götze oder Bruun Larsen sind interessant. Aktuell sind z.B. Götze und Delaney außen vor.

Zitat von BVBBC

Dadurch entsteht in meinen Augen ein gefährlicher Mix in der Mannschaft, bei dem nicht alle an einem Strang ziehen, sondern zu unterschiedliche Richtungen vorgegeben werden, was möglich ist. Je nachdem, welche Richtung dann in der nächsten Transferperiode mehr Gewicht bekommt, geht es dann eben erfolgreicher oder weniger erfolgreich weiter, weil man keine in sich gefestigte Truppe mit einheitlicher Ideologie hat, sodass die Ideologie sich schnell in verschiedenste Richtungen entwickeln kann, je nachdem wie viele Spieler welcher Richtung folgen. So werden aber im besten Fall 2-3 gute Transfers von 1-2 schlechten Transfers direkt wieder ausgebremst - ob kurz- oder mittelfristig, in jedem Fall aber langfristig -, woran man in meinen Augen aber selbst schuld ist, da man es oft besser wissen kann.


Zustimmung. Zwar sehe ich die aktuellen Einkäufe nicht so (!) kritisch wie du, obwohl ich bzgl. Schulz auch erhebliche Bedenken habe (unter Favre). Brandt und Hazard müssen sich mMn erst mittelfristig beweisen. Hummels' Tempodefizite ließen sich mMn durch den LAV und das DM relativ leicht kompensieren, wobei eben Schulz und Weigl, aber auch Delaney wieder nicht eindeutig die entsprechenden Skills dafür haben. Schulz zwar das Tempo, nicht aber das Stellungsspiel und das Zweikampfverhalten. Deshalb: Zustimmung.

Zitat von BVBBC

Man sieht sicher nicht immer in die Köpfe der Spieler, was für mich oft genug dann auch das Risiko ausmacht, aber man sieht zumindest, was genau Spieler leisten können, wenn alles passt und welche Risiken man auf rein sportlicher Seite hat. Diese Risiken werden mir zu häufig übergangen, weil man zu wissen glaubt - eher hofft -, dass Spieler es eigentlich ja besser können oder noch Restpotenziale da sein müssen, die aber oft genug recht irrational wirken, weil die Spieler sehr vieles verbessern müssten, obwohl sie nicht mehr im Talentalter sind. Oder es werden softere Kriterien herangeführt, wie Passfarbe, Rang auf der Position innerhalb der Liga, Erfahrung oder ähnliches stark aufgebauscht, obwohl das für den Fit in eine Ideologie komplett zweitrangig ist. Manchmal (wie bei Yarmolenko, der sich jetzt beschwert) kommt sogar alles zusammen.


Wieder Zustimmung, allerdings mit dem Hinweis, dass auf dem Spielerniveau bzw. dem Preisniveau, auf dem der BVB surft, grundsätzlich bzgl. des Transferrisikos auch nichts anderes zu erwarten ist. Außerdem geht es nicht nur um teils irrationale Vorstellungen über Entwicklungspotenziale von Spielern, die aus dem Talentalter herausgewachsen sind, sondern aktuell um zu viele Kriterien, die der BVB mit den Transfers gleichzeitig erfüllen wollte (dazu habe ich ein paar Wochen gebraucht, um das zu kapieren). Der BVB wollte mit den aktuellen Transfers (Käufe, Verkäufe und Leihen) mMn gleichzeitig Folgendes erreichen:

- nationale Reputation (zwei NM-Spieler werden verpflichtet)
- Erhöhung der Deutschenquote (3 Spieler)
- deutliche Verschlankung des Kaders
- Stabilisierung der Defensive wegen der übermäßig vielen Gegentore in der vorherigen Saison (Hummels, Schulz - das ist schon mal gründlich misslungen, denn der BVB hat nach drei Spieltagen so viele Gegentore wie in der vergangenen Saison nach sechs Spieltagen)
- Stärkung der Offensive (Brandt, Hazard)
- Talententwicklung (Morey, Raschl, Osterhage)

Das ist schon eine ziemlich umfangreiche Zielsetzung, zumal ich überzeugt bin, dass der BVB eigentlich auch das ZM und die MS-Position durch Zukauf verbessern wollte, dies aber nicht realisieren konnte.

Zitat von BVBBC

Das ändert nichts daran, dass Zorc insgesamt einen guten Job macht, aber ich denke, dass er besser sein könnte, da viele Risiken vorab bekannt sind, aber dennoch übergangen werden. Dabei ist dann auch häufig noch viel Geld involviert, was die Risiken nicht kleiner macht, sodass man sich über kurz oder lang selbst zurückwirft, je eher die Risiken durchbrechen, was sie leider meist auch tun. Auch darin ist ein großer Teil der Fluktuation enthalten, was zusammen mit der erfolgsbedingten - nicht zu verhindernden - Fluktuation nicht unkritisch ist, weil so natürlich kaum mal das volle Potenzial der Einnahmen aus diesen Transfers zur Verfügung steht. Ich würde mir daher wünschen, wenn man konsistenter arbeitet und man insgesamt mehr der Scouting Abteilung vertrauen würde, die mir insgesamt gut aufgestellt scheint, selbst wenn da auch so mancher Transfer am Ende nicht das gebracht hat, was man sich erhoffte - wie gesagt: man sieht oft genug nicht in die Köpfe (auch nicht in die der Trainer). Das finanzielle Risiko bei diesen Transfers war aber meist gleich 0 und ich würde wirklich gerne mal wissen, was passieren würde, wenn man das Budget für Transfers der Scouting Abteilung nicht so stark verknappen würde, wie man das mit teils jahrelang auf der Liste stehenden Spielern oder Rückkehrer in den letzten 3-4 Jahren immer wieder gemacht hat.


Dazu zwei Thesen:
- Die berühmt berüchtigte Strahlkraft des BVB ist deutlich kleiner, als von vielen Fans angenommen, deshalb bekommt der BVB manche "fertigen" Spieler erst dann, wenn sie "fertig" sind. (Sorry für das Wortspiel, aber ihr wisst schon, was ich meine.)
- Die Rückkehrer sind nur sekundär das Problem (übrigens auch von der Menge her, denn so viele waren es ja nun auch nicht). Primär ist das Problem, wie mit den Rückkehrern umgegangen wird. Bei Sahin ist es weitgehend ok. Kagawa und Götze hätten entweder gar nicht erst zurückgeholt werden dürfen oder anders und intensiver in die 14-18 Spieler umfassende Spielergruppe integriert werden müssen, die Chancen auf ausreichende Spielzeit haben. Wegen Götzes Krankheit ist Götze ein Sonderfall, aber die abwertenden Kommentare dazu hier im Forum sind völlig verfehlt, v.a. das: Götze solle doch mal dankbar sein, dass der BVB während seiner krankheitsbedingten Ausfallphase zu ihm gehalten habe. Das sind Phantasmagorien, denn dem BVB blieb gar nichts anderes übrig, oder glaubt jemand, der BVB habe Götze in dieser Phase irgendeinem Verein verkaufen können? Rückkehrer sind nur dann sinnvoll, wenn der Verein inkl. Trainer diese Spieler auch häufig einsetzt. Erst wenn sie nach längerer Zeit (mindestens eine Halbserie) tatsächlich nahezu alles verlernt haben sollten, weswegen der Verein sie zurückgeholt hat, kann man sie aus dem Spieltagskader schrittweise aussortieren. Ist ein Verein nicht gewillt, das zu tun, sollte er überhaupt keine Rückkehrer verpflichten (und ich spreche hier jetzt nicht über solche Sonderfälle wie den phänomenalen Ü40-Pizarro bei Bremen).

Zitat von BVBBC

Die - mindestens - transferpolitisch unterstützte Euphorie und was die selbst gesteckten Ziele für den Verein und die Transferpolitik bedeuten, mal ganz ausgelassen. Favre sowieso, da auch er nicht nur wegen des Kaders nicht umgesetzt bekommt, was er bei seiner Antritts PK ursprünglich mal wollte. Daher geht es nicht darum, dass man den Kader für den Trainer aufstellt, sondern einen Kader hat, der von einem Trainer unabhängig einer Ideologie folgt, die erfolgversprechend ist (sowohl was schönen, attraktiven Fussball also auch Ergebnisse - und da geht es nicht direkt um Meisterschaften, da man finanziell trotzdem Restriktionen hat - betrifft). Es geht auch nicht darum nur noch perfekte Transfers zu machen. Das ist unmöglich, aber Transfers die in eine Reihe passen oder am Ende zumindest die richtigen Puzzleteile für ein und dasselbe Puzzle bereitgestellt werden und nicht aus verschiedenen - das Zusammensetzen muss dann weitestgehend der Trainer übernehmen und erst dann zeigt sich letztendlich auch, ob das Puzzle auch noch schön ist oder nicht ...


Ja!

Zitat von BVBBC

Edit: noch zur Bewertung des Gerüchts um Hummels und Diallo. Man sollte sich nochmal ein Jahr zurückversetzen und bedenken, wie sehr Favre sich für Diallo eingesetzt hat und welche Konkurrenz sowie welche Hindernisse dabei überwunden werden mussten, damit Diallo beim BVB aufschlägt. Das Gerücht, dass Favre lieber mit Diallo weitergemacht hätte, halte ich daher für plausibel und somit auch den Rest des Gerüchts ...


Kann gut sein, zeigt aber auch
- die Sturheit von Favre, denn eine Integration Hummels' mit Kompensation seines Tempodefizits ist kein Teufelswerk (allerdings mit vorhandenem Personal doch schwierig)
- den grundsätzlichen Widerspruch zwischen vereinsseitiger Transferpolitik und Trainerinteressen, denn Trainer sind einerseits Könige, denen gefolgt werden muss, andererseits aber auch Übergangsphänomene, weil bei ausbleibendem Erfolg der König schnell gestürzt werden kann/muss. Daraus entsteht eine irrwitzige Gemengelage im Verein. Eigentlich braucht der Trainer einen Kader nach Maß, also gemäß seiner Spielidee (wenn er denn eine hat). Andererseits muss der Verein einen Kader zusammenstellen, der nicht nur für den aktuellen Trainer zweckmäßig ist, sondern auch perspektivisch den Verein im Erfolg halten kann, weil Jak der Trainer sehr schnell ersetzt werden kann/muss.

Was ich sagen will. ist einfach Folgendes:
Manche Problematik im aktuellen Profifußball ist systembedingt, strukturell nicht zu umgehen - außer für die wenigen extrem reichen Vereine (deshalb bleiben sie auch nachhaltig oben).

•     •     •

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; 
aber soviel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll.
Georg Christoph Lichtenberg
BVB - Transferpolitik |#14586
11.09.2019 - 17:44 Uhr
@BVBBC
wieder mal qualitativ ein hochwertiger Beitrag. Finde aber die Länge deiner Beiträge etwas übertrieben. Die Kernaussage kann man eigentlich auch mit weniger Worten gut verdeutlichen. Würde aber gerne zum Inhalt meine Meinung kund tun:

Das waren im Sommer keine Scouting Transfers! Was willst du denn bei Hummels, Hazard, Brandt und Schulz noch scouten?


jedoch darf man nicht die Transfers von Morey (Hakimi) und Balerdi vergessen. Die großen Coups der letzten Jahre (Dembele, Sancho) und auch Spieler wie Alcacer, Zagadou, Guerreiro, Isak, Pulisic und Bartra flogen unter dem Radar.

Seit Klopp weg ist, macht Zorc jedenfalls immer wieder Fehler, die teils heftig sind. Das liegt für mich vor allem darin begründet, dass man keine so richtig klare Ideologie verfolgt, was sich letztendlich auch in der Trainerwahl ausdrückt.


Mein Eindruck ist das Gegenteil. Man hat gerade unter Klopp und unter Tuchel eine klare Ideologie verfolgt und nämlich die des Trainers. Ausnahmen gab es hin und wieder bei den Transfers, aber in der Regel sind die größten und teuersten Flops in der Transferpolitik doch den Wunschspielern dieser Trainer geschuldet:

Immobile und Schieber bei Klopp. Schürrle und Dahoud von Tuchel.
Dann hat man sich selbst mit Yarmolenko und Götze geschwächt. Zusätzlich gab es eine Zeit in der es wohl schwierig war das Kaderplaner und Trainer an einem Strang ziehen. Das hat uns schwerwiegende Fehler gekostet.

Vielleicht benötigt der BVB einfach eine Trainer-Unabhängige Ideologie? Das beantwortest du hier, sehr schön:

Daher geht es nicht darum, dass man den Kader für den Trainer aufstellt, sondern einen Kader hat, der von einem Trainer unabhängig einer Ideologie folgt, die erfolgversprechend ist (sowohl was schönen, attraktiven Fussball also auch Ergebnisse - und da geht es nicht direkt um Meisterschaften, da man finanziell trotzdem Restriktionen hat - betrifft).


Da bin ich voll bei dir, jedoch darf man die oben aufgeführten Gründe nicht vergessen.

noch zur Bewertung des Gerüchts um Hummels und Diallo. Man sollte sich nochmal ein Jahr zurückversetzen und bedenken, wie sehr Favre sich für Diallo eingesetzt hat und welche Konkurrenz sowie welche Hindernisse dabei überwunden werden mussten, damit Diallo beim BVB aufschlägt. Das Gerücht, dass Favre lieber mit Diallo weitergemacht hätte, halte ich daher für plausibel und somit auch den Rest des Gerüchts ...


das stimmt wohl, aber was bedeutet das? Der Verein arbeitet jetzt Trainer-Unabhängiger? Theoretisch hätte man auch Akanji oder Zagadou abgeben können, wenn dem Trainer und Verein soviel an Diallo gelegen hätte.

•     •     •

HR 25/26: I1I3I3I3I3I1I0I3I3I1I1I3I3I1I3I1I3I = 36 P
RR 25/26: I3I3I3I3I3I1I0I3I3I3I3I0I0I3I0I3I3I = 37 P
BVB - Transferpolitik |#14587
11.09.2019 - 19:08 Uhr
Zitat von TheKillingJoke
@BVBBC
wieder mal qualitativ ein hochwertiger Beitrag. Finde aber die Länge deiner Beiträge etwas übertrieben. Die Kernaussage kann man eigentlich auch mit weniger Worten gut verdeutlichen. Würde aber gerne zum Inhalt meine Meinung kund tun:

Das waren im Sommer keine Scouting Transfers! Was willst du denn bei Hummels, Hazard, Brandt und Schulz noch scouten?


jedoch darf man nicht die Transfers von Morey (Hakimi) und Balerdi vergessen. Die großen Coups der letzten Jahre (Dembele, Sancho) und auch Spieler wie Alcacer, Zagadou, Guerreiro, Isak, Pulisic und Bartra flogen unter dem Radar.



Da flogen einige nicht unter dem Radar (Dembele, Hakimi, Alcacer, Guerreiro, Bartra und mit Abstrichen Sancho und Isak waren hier bspw. im Forum schon mindestens ein halbes bis ganzes Jahr auch schon Themen, bevor überhaupt die ersten Gerüchte aufkamen), auch wenn ich zustimme, dass das Transfers sind, die nur wegen einer gut aufgestellten und frühzeitig aktiven Scouting Abteilung gemacht werden konnten.



Seit Klopp weg ist, macht Zorc jedenfalls immer wieder Fehler, die teils heftig sind. Das liegt für mich vor allem darin begründet, dass man keine so richtig klare Ideologie verfolgt, was sich letztendlich auch in der Trainerwahl ausdrückt.


Mein Eindruck ist das Gegenteil. Man hat gerade unter Klopp und unter Tuchel eine klare Ideologie verfolgt und nämlich die des Trainers. Ausnahmen gab es hin und wieder bei den Transfers, aber in der Regel sind die größten und teuersten Flops in der Transferpolitik doch den Wunschspielern dieser Trainer geschuldet:

Immobile und Schieber bei Klopp. Schürrle und Dahoud von Tuchel.
Dann hat man sich selbst mit Yarmolenko und Götze geschwächt. Zusätzlich gab es eine Zeit in der es wohl schwierig war das Kaderplaner und Trainer an einem Strang ziehen. Das hat uns schwerwiegende Fehler gekostet.



Schürrle ist kein Tuchel Wunschspieler gewesen, sondern ein klarer Kompromiss. Die Wunschspieler waren zunächst Miki, der unter allen Umständen gehalten werden sollte und anschließend Bellarabi. Schürrle kam erst später ins Spiel, was gut und gerne auch mit Reus und Götze zu tun haben konnte, die zu der Zeit, als das erst losging, zusammen im Urlaub waren. Dahoud hat nie ein Spiel unter Tuchel gemacht. Nach Klopp finde ich es daher sehr schwer eindeutige Wunschspieler im Verein zu finden, bei denen nicht der Verein das letzte Wort hatte, was grundsätzlich ja auch nicht das Problem ist, das ich an sich angesprochen hatte, sondern an sich gut ist. Die Transferstrategie soll schließlich trainerunabhängig funktionieren.

Dass man unter Tuchel eine klare transferstrategische Ideologie verfolgt hat, sehe ich darüber hinaus ganz sicher nicht so. Dazu war der Transfersommer auf der Zugangseite eine zu deutliche Abkehr vom Vorjahr, die sich auch spielerisch verdeutlichte. In Teilen hat man sich besser aufgestellt, in sehr vielen Fällen aber eben nicht, da der Sommer 2016 heftige Nachwehen hatte - auch finanziell. Einen der Gründe dafür nennst du ja auch: den Streit mit Mislintat, auch wenn der allein nicht ausschlaggebend ist, da es sich ja nach Mislintat fortsetzte. Dass man schwer ersetzbare Abgänge hatte, ist ein anderer Grund, der aber die Zugangseite dennoch nicht ausreichend erklärt, weil man ja investiert hat.



Vielleicht benötigt der BVB einfach eine Trainer-Unabhängige Ideologie? Das beantwortest du hier, sehr schön:

Daher geht es nicht darum, dass man den Kader für den Trainer aufstellt, sondern einen Kader hat, der von einem Trainer unabhängig einer Ideologie folgt, die erfolgversprechend ist (sowohl was schönen, attraktiven Fussball also auch Ergebnisse - und da geht es nicht direkt um Meisterschaften, da man finanziell trotzdem Restriktionen hat - betrifft).


Da bin ich voll bei dir, jedoch darf man die oben aufgeführten Gründe nicht vergessen.

noch zur Bewertung des Gerüchts um Hummels und Diallo. Man sollte sich nochmal ein Jahr zurückversetzen und bedenken, wie sehr Favre sich für Diallo eingesetzt hat und welche Konkurrenz sowie welche Hindernisse dabei überwunden werden mussten, damit Diallo beim BVB aufschlägt. Das Gerücht, dass Favre lieber mit Diallo weitergemacht hätte, halte ich daher für plausibel und somit auch den Rest des Gerüchts ...


das stimmt wohl, aber was bedeutet das? Der Verein arbeitet jetzt Trainer-Unabhängiger? Theoretisch hätte man auch Akanji oder Zagadou abgeben können, wenn dem Trainer und Verein soviel an Diallo gelegen hätte.


Ich denke hier kommen Marktrestriktionen zusätzlich zum Tragen. Es ist nicht immer sofort jeder Transfer realisierbar, weswegen eine gewisse Flexibilität sicher nötig ist. Mir ist die Flexiblität in den Spielertypen aber definitiv zu groß. Vielleicht war auch einfach nur Diallo schneller als der Rest und hat ein Angebot auf den Tisch legen können, das der BVB am Ende schwer ablehnen konnte, da man Hummels ja refinanzieren musste. Ob Zagadou das geschäfft hätte, wage ich zu bezweifeln. Akanji hätte es, ist aber als RIV eben auch nicht derjenige, der direkt von Hummels Zugang betroffen war. Zumindest positionell, wie sich mittlerweile rausgestellt hat, da sich ja doch einiges verändert hat bzw. von außen verändert wurde.

Ansonsten heißt trainerunabhängiger ja nicht, dass man keine Spieler mehr holen soll, die der Trainer will. Es geht nicht darum, dass man das Gegenteil dessen machen soll, was der Trainer will oder zumindest etwas, was nicht zum Trainer passt. Der Trainer muss ein Teil der Transferstrategie sein und zwar nicht erzungenermaßen, sondern weil man dieselben grundsätzlichen Ziele verfolgt, was die Art und Weise des Fussballs angeht! Im Grunde heißt das, dass es im Idealfall gar nicht erst dazu kommt, dass der Trainer irgendwelche Wunschspieler und Wunschprofile deklarieren muss, sondern diese auch unabhängig von Wünschen bereits erfüllt werden, weil man die gleichen Erwartungen und dieselbe Herangehensweise an den Tag legt. Und zwar konsistent zu vorherigen Transferperioden.

Mal ein Beispiel:

Nach dem Gündogan Abgang hatte man erst mal mit Castro einen soliden, erfahrenen Spieler im Kader, der aber nicht ansatzweise Gündogans Niveau erreichen konnte. Der Bedarf war also ein dynamisches Talent, mit strategischen Fähigkeiten. Dahoud war zunächst nicht auf dem Markt, also hatte man es mit Götze und Merino versucht. Beide nicht gerade dynamisch, beide waren zu dem Zeitpunkt keine 8er. Merino wollte Tuchel sogar eher als IV und Götze womöglich gar nicht - auch wenn das eine der vielen Geschichten ist, die sehr widersprüchlich dargestellt wurden und niemand wirklich weiß, was Sache war. Ein Jahr später war der Bedarf letztendlich derselbe und man holte Dahoud, wofür Merino direkt wieder ging, wobei damit ein neues Loch aufging, da Castro in der Zwischenzeit hinter den Erwartungen zurückblieb und eben nicht mehr zwangsläufig solide deklariert werden konnte. Dazu war Götze krank. Die Effekte auf die Umgebung haben außerdem Weigl in seiner Entwicklung auch schwer geschadet, da er die nötige Umstellung in seinem Alter nicht hinbekam und irgendwann sogar verweigerte.

Dahoud kam jetzt erst, da man offenbar auf ihn gewartet hatte (was Dahoud in der Entwicklung auch nicht unbedingt half, da er ein schwieriges letztes Jahr in Gladbach hatte), wobei der Trainer nun wie schon gesagt ein anderer war. Einer, der gar nicht mehr auf einen 8er in seinem System setzt, sondern der direkt mit 2 10ern agiert. Der Bedarf für Dahoud war daher eigentlich gar nicht mehr gegeben, weil man einen Trainer so auswählte, dass er nicht zur bisherigen Transferpolitik passte und die Transferpolitik auch nicht entsprechend umstellte. Das war teils sicher auch Bosz Fehler, wie er mittlerweile zugegeben hat, aber letztendlich muss der Verein auch die Souveränität haben, um die Linie durchzudrücken. Nicht nur im Bereich Trainer und nicht nur im Bereich Spieler, sondern in beiden Bereichen gleichzeitig. Das muss eins sein, auf die eine oder andere Art und Weise, wobei ich es bevorzuge, wenn der Trainer nach der Transferstrategie ausgesucht wird!

Dazu hatte sich die Liga hatte sich physisch stärker aufgestellt und verlangte dem BVB mehr im physischen Bereich ab, weswegen der Bedarf sich veränderte und ein robusterer Spielertyp direkt auch noch Thema wurde. Ein Jahr später wurde dann mit Delaney darauf reagiert, der aber spielerisch und strategisch nicht dem eigentlichen Wunschprofil entspricht, obwohl das immerhin ein 8er ist. Insgesamt hat der BVB sich das Ganze fast 60 Mio. kosten lassen und man hat immer noch keinen Nachfolger, der auch nur ansatzweise dem Gündogan Profil nachkommt, sodass man also immer noch darauf wartet, weil die Notwendigkeit für diesen Spielertyp nach wie vor gegeben ist und unter jedem Trainer gegeben war. Der Etat dürfte auch kein Limit sein, wenn man bedenkt, was Götze, Delaney und Dahoud derzeit zusammen verdienen - das reicht für einen Topspieler und 2 BU (1 ZM und 1 MS). Alles was man aber gemacht hat, war es dringende Problemstellungen zu fixen. Dahoud war letztendlich auch der einzige Versuch in die Richtung, wobei da eben dann auch wieder vieles schief lief - auch bei Dahoud selbst - und Dahoud hat eben letztendlich nur einen Bruchteil der Gesamtinvestitionen gekostet (ablösetechnisch 1/5).

Allein in der Geschichte zeigt sich daher schon, worin man Luft nach oben hat und wie häufig man die Richtung wechselte. Vom soliden BU, der als Stamm überbrücken sollte und der Doppellösung, bei der die Spieler um einen Spieler mit dem Suchprofil herum spielen, zum theoretisch passenden Spieler aber unpassenden Trainer für diesen theoretisch passenden Spieler, zur Reaktion auf die Entwicklung der Liga, ohne Berücksichtigung des eigentlichen Bedarfsprofils und zum (wieder theoretisch) passenderen Trainer. Konsistenz zeigt sich nicht darin und daher auch keine dauerhafte Lösung.
BVB - Transferpolitik |#14588
11.09.2019 - 20:56 Uhr
natürlich war schürrle nicht die nummer eins. aber er war der trainerwunsch der umsetzbar war (von mir aus, nr. 3). genauso wie toprak und dahoud waren das die typischen TT Spieler..... man hat sich hier schon ordentlich nach den wünschen des Trainers gerichtet, um diesen zufrieden zu stellen (gerade nach den abgängen)..... mMn hat uns diese transferperiode am meisten zurückgeworfen:

- Abgänge von 3 Spielern der Kategorie WK
- Neuzugänge nicht Ansatzweise auf dem Level
- Anschlag
- zuvor schon Probleme TT / Mislintat

mit „unter dem radar“ meinte ich, das man weit vorher schon scoutet... wann die namen hier im forum fallen, ist unerheblich. Man kann diese Transfers dem Scouting zuschreiben. Gerade Dembele ist DAS Musterbeispiel dafür (man war schon Jahre vorher dran und ist dran geblieben).

•     •     •

HR 25/26: I1I3I3I3I3I1I0I3I3I1I1I3I3I1I3I1I3I = 36 P
RR 25/26: I3I3I3I3I3I1I0I3I3I3I3I0I0I3I0I3I3I = 37 P

Dieser Beitrag wurde zuletzt von TheKillingJoke am 11.09.2019 um 20:58 Uhr bearbeitet
BVB - Transferpolitik |#14589
11.09.2019 - 22:11 Uhr
Sehr schöne Diskussion finde ich!

Ich denke man beide Seiten sehr gut nachvollziehen. Ohne Zorc und unsere Transferpolitik wären wir nicht da wo wir heute sind. Wären nicht die Nummer 2 der Liga, würden nicht zu den Top 15 in Europa gehören und könnten uns nicht Talente aus dem obersten Regal angeln.

Und dennoch hatten wir in den letzten Jahren auch einige Fehlgriffe. Klar lag es auch ein wenig an der Trainer Fluktuation der Post-Klopp-Ära und dem einhergehend verschiedene Spielsysteme etc.
Ich finde wir lassen uns manchmal etwas zu viel von der Idee leiten deutsche Spieler/deutsche Nationalspieler zu verpflichten. Wenn ich die Transfers von Spielern wie Toljan, Schürrle, Philipp, Castro etc bewerte, bekommt unsere Transferpolitik zumindest in dem Punkt keine gute Note.
Ich weiss nicht woran das liegt, aber ich glaube manchmal erhofft man sich davon glaube ich ein ähnliches Zusammengehörigkeitsgefühl zu generieren wie wir es in der Klopp-Ära mit dem Großteil des Kaders hatten.

Insgesamt machen wir viel mit unserem grandiosen scouting wett und haben natürlich auch bei dem ein oder anderen Spieler ein gutes Händchen. Wie gesagt, sonst wären wir nicht da wo wir heute sind.

Ein Punkt der mir dennoch etwas zu kurz kommt, ist das Finanzielle. Ich werde wahrscheinlich gleich von ein paar Usern zitiert werden, aber alleine der Satz von Watzke, den er kürzlich in einem Interview äußerte, hat mich wieder ein wenig stutzig gemacht.
Aki sagte „wir sind nicht in die Vollen gegangen“. Das impliziert für mich, dass man durchaus noch Ressourcen zur Verfügung hat.
Ums vorweg zu nehmen, ja keiner möchte 2005 zurück und wir sind gebrannte Kinder dahingehend. Und ja, wenn man sich die teils kompetenten Beiträge im Finanz-Thread anschaut, möchte man meinen mehr geht nicht. Und nochmals ja, wir haben sehr gut eingekauft im Sommer und haben viel Geld in die Hand genommen.

Aber dann äußert Aki diesen Satz und wenn ich dann gleichzeitig unsere Probleme im Zentrum betrachte mit einem Delaney der enorme Schwierigkeiten im spielerischen und strategischen Bereich hat (letzterer Punkt enorm wichtig unter Favre), einem Weigl der erst bei Favre gar keine Sonne gesehen hat und jetzt maximal solide agiert und einem Dahoud der hier bislang den Durchbruch immer noch nicht geschafft hat und weiterhin die gleichen Fehler in seinem Spiel hat, dann frage ich mich ernsthaft ob man da nicht hätte intervenieren müssen. Wenn anscheinend die Möglichkeit dazu gab/gibt.

•     •     •

Primera Divison!

Kritik im BVB-Forum:
1. Kritik wird abgeschmettert
2. Trotz Erhärtung der Kritik, wird weiter abgelehnt
3. Nachdem Statistiken das Ganze faktisch stützen, wird nicht weiter argumentiert, sondern verfällt in Zynismus und Polemik
4. Wird das zurecht angeprangert, werden eigene Vorschläge gefordert (obwohl man nicht dafür zuständig ist).
5. Diese Vorschläge werden dann zerpflückt und relativiert

Erkenntnis: Kritik ist bei einigen nicht möglich/nicht gern gesehen!
BVB - Transferpolitik |#14590
12.09.2019 - 00:50 Uhr
Zitat von End_of_Days
Sehr schöne Diskussion finde ich!

Ich denke man beide Seiten sehr gut nachvollziehen. Ohne Zorc und unsere Transferpolitik wären wir nicht da wo wir heute sind. Wären nicht die Nummer 2 der Liga, würden nicht zu den Top 15 in Europa gehören und könnten uns nicht Talente aus dem obersten Regal angeln.

Und dennoch hatten wir in den letzten Jahren auch einige Fehlgriffe. Klar lag es auch ein wenig an der Trainer Fluktuation der Post-Klopp-Ära und dem einhergehend verschiedene Spielsysteme etc.
Ich finde wir lassen uns manchmal etwas zu viel von der Idee leiten deutsche Spieler/deutsche Nationalspieler zu verpflichten. Wenn ich die Transfers von Spielern wie Toljan, Schürrle, Philipp, Castro etc bewerte, bekommt unsere Transferpolitik zumindest in dem Punkt keine gute Note.
Ich weiss nicht woran das liegt, aber ich glaube manchmal erhofft man sich davon glaube ich ein ähnliches Zusammengehörigkeitsgefühl zu generieren wie wir es in der Klopp-Ära mit dem Großteil des Kaders hatten.

Insgesamt machen wir viel mit unserem grandiosen scouting wett und haben natürlich auch bei dem ein oder anderen Spieler ein gutes Händchen. Wie gesagt, sonst wären wir nicht da wo wir heute sind.

Ein Punkt der mir dennoch etwas zu kurz kommt, ist das Finanzielle. Ich werde wahrscheinlich gleich von ein paar Usern zitiert werden, aber alleine der Satz von Watzke, den er kürzlich in einem Interview äußerte, hat mich wieder ein wenig stutzig gemacht.
Aki sagte „wir sind nicht in die Vollen gegangen“. Das impliziert für mich, dass man durchaus noch Ressourcen zur Verfügung hat.
Ums vorweg zu nehmen, ja keiner möchte 2005 zurück und wir sind gebrannte Kinder dahingehend. Und ja, wenn man sich die teils kompetenten Beiträge im Finanz-Thread anschaut, möchte man meinen mehr geht nicht. Und nochmals ja, wir haben sehr gut eingekauft im Sommer und haben viel Geld in die Hand genommen.

Aber dann äußert Aki diesen Satz und wenn ich dann gleichzeitig unsere Probleme im Zentrum betrachte mit einem Delaney der enorme Schwierigkeiten im spielerischen und strategischen Bereich hat (letzterer Punkt enorm wichtig unter Favre), einem Weigl der erst bei Favre gar keine Sonne gesehen hat und jetzt maximal solide agiert und einem Dahoud der hier bislang den Durchbruch immer noch nicht geschafft hat und weiterhin die gleichen Fehler in seinem Spiel hat, dann frage ich mich ernsthaft ob man da nicht hätte intervenieren müssen. Wenn anscheinend die Möglichkeit dazu gab/gibt.


Ich finde das ist ein Denkfehler. Man kann Transfers nicht im Voraus planen. Daher kann man auch nicht die Transfers, die eben dann wenig gebracht haben, negativ bewerten. An sich war Potential z.B bei Toljan vorhanden. Wenn die Spieler dann eben nicht den erhofften Impact haben, sind das keine schlechten Transfers von Zorc. Gerade auch weil eben den Trainer doch sehr viel Anteil daran hat, ob ein Spieler einschlägt.

Ich finde Zorc macht seinen Job sehr solide und gut. Ich kann kaum einen Transfer finden, den ich persönlich niemals so gemacht hätte. Selbst bei Immobile war ich mir ebenso sicher, dass er der neue Topstürmer wird...

Schwieriger ist es dann nachzuvollziehen, warum einige Transfers nicht zustande kommen, und ob da eben Zorc eher schlecht arbeitet oder ob es andere Gründe hat. Ich kann z.B. nicht nachvollziehen, warum Schick per Leihe bei RB gelandet ist, anstatt beim BVB, obwohl man eigentlich Bedarf hätte und eine Leihe wenig Risiko darstellt...RB hat mit Poulsen und Werner eigentlich zwei Spieler, die einen sehr guten MS abgeben und daher ist Schick nur sowas wie ein Bonus, während Götze beim BVB wirklich nicht auf die MS-Position gehört...

Ich finde eher darüber sollte man nachdenken. Die getätigten Zu- und Agänge kann ich jeweils nachvollziehen. Alleine dieses Jahr finde ich die verpflichteten und abgegebenen Transfers absolut super. Ist überhaupt nichts zu bemängeln.

Übrigens sehe ich im Zentrum ein vom Trainer gemachtes Problem, würde sowieso nur mit Witsel als 6-er spielen lassen und dann sind Delaney, Weigl und Dahoud absolute Top-Backups oder eben gegen richtig starke Mannschaften ausreichend. Wie hätte man den da einen von der Klasse Gündogan bekommen können? Vielleicht kommt ja Can im Winter, wäre aber auch nur ein leichtes Upgrade.

Und auch da zur Erinnerung: Im Forum gab es genug Leute die Witsel nicht wollten!
  Post-Optionen
Den kompletten Thread wirklich löschen?

  Paten-Optionen
Möchtest Du den Beitrag wirklich löschen?
  Diesen Beitrag alarmieren
  Diesen Beitrag alarmieren
  Diesen Beitrag alarmieren
  Lesezeichen
  Abonnierte Threads
  Guter Beitrag
  Guter Beitrag
  Guter Beitrag
  Post-Optionen
Nutze die Thread-Suche, wenn Du diesen Post in einen anderen Thread verschieben möchtest. Drücke Thread erstellen, wenn aus diesem Post ein eigenständiger Thread werden soll.
Widerruf Tracking & Cookies

Du hast erfolgreich deine Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die du zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt hast. Du kannst dich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden. Bitte beachte, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wende dich diesbezüglich an datenschutz@transfermarkt.de.