South Africa 2010 - der Thread
07.07.2006 - 15:09 Uhr
04.10.2006 - 20:53 Uhr
>Wo liest du denn das heraus? Das finde ich in dem Artikel
>nicht. Prinzipiell sind die Südafrikaner da auch sehr
>empfindlich. Ist natürlich andererseits eine Gesellschaft mit
>verschlungenen und für uns undurchsichtigen
>Entscheidungswegen.
Hier lese ich das heraus :-):
"Die neue Kapstädter Bürgermeisterin Hellen Zille hat den Neubau eines Stadions in Greenpoint zunächst auf Eis gelegt, weil die Regierung der Stadt per Federstrich den Löwenanteil der Kosten von geschätzten 200 Millionen Euro überantworten wollte. Mittlerweile sei ein Kompromiß gefunden worden. Nicht zufällig versucht die Regierungspartei ANC seither, die oppositionelle Politikerin Zille per Verfassungsänderung zur Frühstücksdirektorin zu degradieren."
Hier soll eine gewählte Bürgermeisterin entmachtet werden, nur, weil sie andere Interessen vertritt, als die Regierung (wobei man sagen muss, dass ihre Ablehnung scheinbar nicht die sozialen Hintergründe hat, die sie vorschiebt. Ändert aber nix an der Sache selbst).
>Mein südafrikanischer Freund meinte jedenfalls über den
>Schreiberling "klingt nach erzkonservativem Wannabee Racist."
>;-)
>nicht. Prinzipiell sind die Südafrikaner da auch sehr
>empfindlich. Ist natürlich andererseits eine Gesellschaft mit
>verschlungenen und für uns undurchsichtigen
>Entscheidungswegen.
Hier lese ich das heraus :-):
"Die neue Kapstädter Bürgermeisterin Hellen Zille hat den Neubau eines Stadions in Greenpoint zunächst auf Eis gelegt, weil die Regierung der Stadt per Federstrich den Löwenanteil der Kosten von geschätzten 200 Millionen Euro überantworten wollte. Mittlerweile sei ein Kompromiß gefunden worden. Nicht zufällig versucht die Regierungspartei ANC seither, die oppositionelle Politikerin Zille per Verfassungsänderung zur Frühstücksdirektorin zu degradieren."
Hier soll eine gewählte Bürgermeisterin entmachtet werden, nur, weil sie andere Interessen vertritt, als die Regierung (wobei man sagen muss, dass ihre Ablehnung scheinbar nicht die sozialen Hintergründe hat, die sie vorschiebt. Ändert aber nix an der Sache selbst).
>Mein südafrikanischer Freund meinte jedenfalls über den
>Schreiberling "klingt nach erzkonservativem Wannabee Racist."
>;-)
04.10.2006 - 21:31 Uhr
>>Wo liest du denn das heraus? Das finde ich in dem Artikel
>>nicht. Prinzipiell sind die Südafrikaner da auch sehr
>>empfindlich. Ist natürlich andererseits eine Gesellschaft
>mit
>>verschlungenen und für uns undurchsichtigen
>>Entscheidungswegen.
>
>Hier lese ich das heraus :-):
>"Die neue Kapstädter Bürgermeisterin Hellen Zille hat den
>Neubau eines Stadions in Greenpoint zunächst auf Eis gelegt,
>weil die Regierung der Stadt per Federstrich den Löwenanteil
>der Kosten von geschätzten 200 Millionen Euro überantworten
>wollte. Mittlerweile sei ein Kompromiß gefunden worden. Nicht
>zufällig versucht die Regierungspartei ANC seither, die
>oppositionelle Politikerin Zille per Verfassungsänderung zur
>Frühstücksdirektorin zu degradieren."
>
>Hier soll eine gewählte Bürgermeisterin entmachtet werden,
>nur, weil sie andere Interessen vertritt, als die Regierung
>(wobei man sagen muss, dass ihre Ablehnung scheinbar nicht die
>sozialen Hintergründe hat, die sie vorschiebt. Ändert aber nix
>an der Sache selbst).
Ach so. Für mich klingt das eher nach Profilierungs- und Machtspielchen als nach gefährlicher Beschneidung demokratischer Grundrechte. Auch hierzulande spielt man gerne mal im Bundesrat Kasperletheater mit Verfahrenstricks, wenn einem Mehrheitsverhältnisse, Entscheidungswege und zur Verfügung stehende Zeit nicht passen. ;-)
>>nicht. Prinzipiell sind die Südafrikaner da auch sehr
>>empfindlich. Ist natürlich andererseits eine Gesellschaft
>mit
>>verschlungenen und für uns undurchsichtigen
>>Entscheidungswegen.
>
>Hier lese ich das heraus :-):
>"Die neue Kapstädter Bürgermeisterin Hellen Zille hat den
>Neubau eines Stadions in Greenpoint zunächst auf Eis gelegt,
>weil die Regierung der Stadt per Federstrich den Löwenanteil
>der Kosten von geschätzten 200 Millionen Euro überantworten
>wollte. Mittlerweile sei ein Kompromiß gefunden worden. Nicht
>zufällig versucht die Regierungspartei ANC seither, die
>oppositionelle Politikerin Zille per Verfassungsänderung zur
>Frühstücksdirektorin zu degradieren."
>
>Hier soll eine gewählte Bürgermeisterin entmachtet werden,
>nur, weil sie andere Interessen vertritt, als die Regierung
>(wobei man sagen muss, dass ihre Ablehnung scheinbar nicht die
>sozialen Hintergründe hat, die sie vorschiebt. Ändert aber nix
>an der Sache selbst).
Ach so. Für mich klingt das eher nach Profilierungs- und Machtspielchen als nach gefährlicher Beschneidung demokratischer Grundrechte. Auch hierzulande spielt man gerne mal im Bundesrat Kasperletheater mit Verfahrenstricks, wenn einem Mehrheitsverhältnisse, Entscheidungswege und zur Verfügung stehende Zeit nicht passen. ;-)
08.12.2006 - 04:19 Uhr
Denke, das es ein Desaster gibt :)
Wie schauts mit den Eintrittspreisen für die Bevölkerung aus? Was wird mit den Stadien?
So viele Fragen...uiuiui
Wie schauts mit den Eintrittspreisen für die Bevölkerung aus? Was wird mit den Stadien?
So viele Fragen...uiuiui
10.12.2006 - 15:26 Uhr
Zitat von playit:
Meine erwartungen wurden lam gelegt. Nie dachte ich das die WM 2014 in Süd Afrika statt findet. In den Nachrichten stand das S. Afrika so moderne Stadien (wie das Olympa-Stadion) kaufen kann :(.
Du willst uns also sagen, dich hätte überrascht, dass die Südafrikaner die WM 2010 bekommen haben, oder was?!?
Zitat von playit:
Aber die Afrikaner wolten es so lassen, das die WM bei ihnen bleibt. In der WM waren die S. Afrikaner nie so richtig überzeugend.
Es hat doch auch niemand von denen erwartet, dass die ähnlich moderne Stadien errichten, oder?
Zitat von playit:
2 Teilnahmen 0 mal ins Achtelfinale gekommen. Aber wer weiß, 2010 werden Nomvethe&Co ne bessere Mannschaft haben , als 98´ und 02´.
Südkorea und Japan waren beide auch Ausrichter und vorher nicht unbedingt erfolgreich...
Zitat von playit:
Bis dahin drück ich allen Teilnehmern die Daumen.
???
Ich habe selten einen unverständlicheren Post gelesen denn diesen! Was genau willst du uns eigentlich sagen?
Meine erwartungen wurden lam gelegt. Nie dachte ich das die WM 2014 in Süd Afrika statt findet. In den Nachrichten stand das S. Afrika so moderne Stadien (wie das Olympa-Stadion) kaufen kann :(.
Du willst uns also sagen, dich hätte überrascht, dass die Südafrikaner die WM 2010 bekommen haben, oder was?!?
Zitat von playit:
Aber die Afrikaner wolten es so lassen, das die WM bei ihnen bleibt. In der WM waren die S. Afrikaner nie so richtig überzeugend.
Es hat doch auch niemand von denen erwartet, dass die ähnlich moderne Stadien errichten, oder?
Zitat von playit:
2 Teilnahmen 0 mal ins Achtelfinale gekommen. Aber wer weiß, 2010 werden Nomvethe&Co ne bessere Mannschaft haben , als 98´ und 02´.
Südkorea und Japan waren beide auch Ausrichter und vorher nicht unbedingt erfolgreich...
Zitat von playit:
Bis dahin drück ich allen Teilnehmern die Daumen.
???
Ich habe selten einen unverständlicheren Post gelesen denn diesen! Was genau willst du uns eigentlich sagen?
31.12.2006 - 00:42 Uhr
Sind zwar Bildartikel aber ich setz sie trotzdem mal rein.
Der 1. WM-Check – BamS in Südafrika
Zoff ums neue Super-Stadion
Juli 2010, ein lauer Winterabend in Green Point, Kapstadt. 84. Minute des WM-Halbfinals Deutschland gegen Italien.
Lukas Podolski tanzt zwei Gegenspieler aus, legt ab auf Miroslav Klose, der schießt, hart
und platziert, Buffon ohne Chance. 2:0 für Deutschland. Die Entscheidung. Der Jubel der 30 000 deutschen Fans brandet heraus aus dem schönen neuen WM-Stadion, ist bis zum Tafelberg zu hören.
Dezember 2006, ein warmer Sommerabend in Green Point, Kapstadt. Ich, der BamS-Reporter, stehe auf einem Golfplatz. Eine Entenfamilie schnattert, ein dicker Mann in karierten Hosen sucht fluchend seinen Ball. Genau hier könnte uns Klose ins Finale schießen. Genau hier soll 2010 ein WM-Stadion stehen, 70 000 Plätze, groß wie ein 18-stöckiges Hochhaus. Zu sehen ist davon, 1258 Tage vor dem Anpfiff: Nichts.
Und ob hier jemals Fußball gespielt wird, das steht längst nicht fest. Seit Monaten wird um das Stadion gestritten, jeder will mitreden, keiner hat etwas zu sagen. Die Bürgermeisterin. Der Premierminister. Der Sportminister. Das OK. Die Fifa. Und ein Anwalt, der das Stadion verhindern könnte.
1258 Tage. So viel Zeit bleibt Südafrika, um fünf WM-taugliche Stadien aus dem Boden zu stampfen, fünf weitere umzurüsten.
Kein Problem, versichert OK-Chef Danny Jordaan, man sei in den Planungen weiter als Deutschland zum gleichen Zeitpunkt – auch wenn noch kaum ein Stein auf dem anderen steht. Ein überraschender Vergleich: Denn 1258 Tage vor der WM 2006 wurde in sieben deutschen Stadien gebaut, Schalke und Hamburg waren fertig.
Südafrika läuft die Zeit davon. Und Kapstadt ganz besonders. Schuld ist eine Posse in (bisher) vier Akten.
Anwalt David Polovin führt eine
Erster Akt: Die Entscheidung
Anfang November 2006 beschloss die Stadt: Wir bauen ein neues Stadion im Green Point Common, einer 85 Hektar großen Grünanlage mit 9-Loch-Golfplatz und Rugbyfeldern, malerisch zwischen Bergen und Meer gelegen. 280 Millionen Euro kostet das Projekt. „Wir wollen ein Halbfinale“, erklärt Pieter Cronjé (57), als Sprecher der Stadt zuständig für „Twenty Ten“. „Dafür brauchen wir laut Fifa-Richtlinien 68 000 Plätze. Die alten Stadien sind dafür zu klein.“ Es gibt ein Gerücht: Bei einem Helikopter-Rundflug über Kapstadt soll Fifa-Chef Blatter 2005 auf Green Point gedeutet und gesagt haben: „Hier will ich das Stadion.“ Cronjé erwähnt es nicht.
Zweiter Akt: Die Opposition
David Polovin, Anwalt, randlose Brille, sitzt in einer Bar in der Innenstadt und trinkt entkoffeinierten Kaffee. „Verstehen Sie mich nicht falsch“, sagt er, „ich habe nichts gegen die WM.“ Aber eben nicht in Green Point. Polovin ist Sprecher einer Anwohnergemeinschaft, die gegen den Stadionbau Einspruch eingelegt hat. „Das hier ist nicht Deutschland. Kapstadt ist keine Fußballstadt. Ein Stadion mit 70 000 Plätzen bekommen wir nicht voll.“ Seine Rechnung: „Für ein WM-Halbfinale sollen 280 Millionen Euro ausgegeben werden. Für 90 Minuten Fußball! Wir könnten das Geld anderswo weit besser gebrauchen.“ Sein Vorschlag: „Ein Umbau des Stadions in Newlands würde nur 55 Millionen Euro kosten.“ Das Stadion hätte maximal 55 000 Sitze. „Ein Viertelfinale wäre auch kein Beinbruch“, sagt Polovin. Die Umweltministerin prüft den Einspruch. „Wenn er abgelehnt wird, ziehen wir vielleicht vor Gericht.“ Polovin will den Bau auf dem Golfplatz verhindern, wenn die Stadt nicht schriftlich garantiert, dass der Rest der Grünanlage erhalten bleibt.
Fußball ist in Südafrika der Sport der Schwarzen. Green Point ist ein reicher, weißer Stadtteil. Es gibt ein Gerücht: Die Anwohner wollen nicht, dass tausende Schwarze in ihren Stadtteil pilgern, um die lokalen Fußballklubs Ajax und Santos anzufeuern. Polovin erwähnt es nicht.
Dritter Akt: Die Drohung
Während die Umweltministerin noch prüft, wird es dem OK zu bunt. Der lokale OK-Chef droht: Wenn die Anwohner gegen die Entscheidung vor Gericht ziehen, könne sich Kapstadt „von der WM verabschieden“. Tumi Makgabo, Sprecherin von OK-Chef Danny Jordaan, sieht es ähnlich: „Die Stadien müssen 2009 fertig sein. Wir können nicht ewig mit dem Baubeginn warten. Wir können auch in neun Stadien spielen.“ Eine WM ohne Kapstadt? Das wäre so, als hätte man die WM 2006 ohne Berlin ausgetragen: ohne Tourismus-Magnet, Kultur-Hauptstadt, Party-Zentrale.
David Polovin schäumt vor Wut. „Wir lassen uns nicht drohen. Südafrika ist eine Demokratie. Wir nehmen nur unser Recht als Bürger wahr.“ Ein Teil seiner Leute fordert: Brich die Verhandlungen mit der Stadt ab.
Letzter Akt?
Vielleicht machen sich alle Beteiligten ein paar gute Vorsätze fürs neue Jahr. Mehr miteinander, weniger übereinander reden zum Beispiel. Erste Zeichen: Helen Zille, die Bürgermeisterin von Kapstadt, führt Gespräche mit den Anwohnern, will deren Bedenken zerstreuen. Die Umweltministerin will sich Anfang Januar entscheiden. Dann könnten Bagger rollen.
In Kapstadt sprechen sie schon von Akkordarbeit.
http://www.bild.t-online.de/BTO/sport/aktuell/2006/12/31/wm-check-suedafrika-4teil/wm-check-suedafrika-4teil.html
Wer auf der Straße Bier trinkt, wird verhaftet
Von KAI FELDHAUS (Text) und CHRISTIAN SPREITZ (Fotos)
Nach der WM ist vor der WM. Auf Deutschland 2006 folgt Südafrika 2010. Die erste Fußball-Weltmeisterschaft auf dem schwarzen Kontinent – was erwartet uns dort? BILD macht vor Ort den 1. WM-Check.
Das wichtigste Thema: Die Sicherheit! Reporter Feldhaus vermisste als erstes seinen VW Golf. Dann schockte ihn ein Überfall. Polizei-Experten versichern jedoch: „Wir werden die Sache im Griff haben.“ 192 000 Polizisten werden im Einsatz sein. Reicht das?
An einem sonnigen Mittwochmorgen verlasse ich mein Haus 8 Oak Street, Kapstadt, um in meinen feuerroten Golf I, Kennzeichen DLH216EC, zu steigen und zu einem Interview zu fahren. Ich komme nicht weit.
Das Auto ist weg.
Geklaut.
Mehr zum Thema
Keine Splitter, kein Ölfleck, nichts deutet darauf hin, dass ich den Leihwagen am Abend zuvor in der ruhigen Gasse geparkt hatte. Er war abgeschlossen. Die Gangschaltung war festgekettet. Weiß der Himmel, wie die das gemacht haben.
In 1260 Tagen beginnt in Südafrika die WM 2010. Ein wundervolles Land. Eine Chance, die ganz Afrika bitter nötig hat: Die ganze Welt wird auf den schwarzen Kontinent blicken, endlich einmal. Sicher ist: Die Welt wird eine bunte, lustige und freundliche Weltmeisterschaft sehen. Unsicher ist: wie sicher die WM sein wird.
„Wir garantieren die Sicherheit aller Fans und Mannschaften, die an der WM 2010 teilnehmen“, versprach Vize-Finanzminister Jabu Moleketi vor wenigen Tagen vollmundig. Man darf gespannt sein, wie er dieses Versprechen halten will.
Zwischen April 2005 und März 2006 wurden in Südafrika 18 528 Menschen ermordet, mehr als zwei pro Stunde. Zum Vergleich: 2005 passierten in Deutschland 794 Morde. In Südafrika wurden 54 926 Vergewaltigungen angezeigt (Deutschland: 8133), 119 726 schwere Raubüberfälle begangen, 85 964 Autos gestohlen (Deutschland: 50 361).
Ich habe zwei Monate in Südafrika verbracht. Am Bahnhof von Kapstadt fragte mich einmal ein junger Mann nach Kleingeld. Er zeigte mir sein Klappmesser und betonte: „Ich will das nicht benutzen.“ In diesem Moment hielt ein Polizeiauto, der Räuber sagte „Oh!“ – und verschwand im Gewühl.
Auf der Long Street sprach mich ein Polizist an, weil ich vor einer Kneipe Bier trank. „Trinken in der Öffentlichkeit ist ein Verbrechen. Ich muss Sie verhaften.“ Dabei schaute er so, wie Polizisten schauen, die ein Magengeschwür und Eheprobleme haben.
Gern hätte ich gesagt: „Fangen Sie den Autodieb! Oder den Messermann!“
Ich sagte: „Ich wusste das nicht, es tut mit furchtbar Leid, es wird nie wieder passieren.“ Er sagte, ich könne das alles dem Haftrichter erklären, knarzte in sein Funkgerät, ließ mich zehn Minuten zittern und dann bösen Blickes laufen. Ich verkniff mir ein Grinsen bei dem Gedanken, wie genau dieser Polizist in drei Jahren einem stiernackigen Schalker Schlachtermeister erklärt, dass er genau hier jetzt kein Bier trinken dürfe und das Deutschland-Spiel am nächsten Tag im Knast-TV gucken müsse.
Dann die Sache mit dem Auto. Der Polizist, der den Diebstahl aufnahm, wollte mir nicht verraten, wie viele Autos in diesem Jahr bereits in unserem Bezirk gestohlen wurden. In die Spalte „Fall Nr.“ schrieb er: „644/2006“.
Der Autoverleiher war überraschend entspannt. „Auf Golfs sind sie besonders heiß. Drei, vier Stück stehlen sie uns im Monat.“ Dann erklärte er mir haarklein, wie man das macht: einen Golf klauen. Schraubenzieher ins Schloss, Tür auf, Kupplung treten, auf einen Abschlepper schieben, weg. Während ich mich noch fragte: Woher weiß der das so genau?, gab er mir den Schlüssel für einen Kia. Mit Alarmanlage.
„Das mit ihrem Auto tut mir Leid“, sagt Super-Intendent Alwyn Botha (40) und lächelt ein schnauzbärtiges Polizistenlächeln.
Botha ist seit 22 Jahren im Dienst, er hat alles gesehen: Schießereien. Messermorde. Mobgewalt. Wir sitzen in der Polizeibox des Green Point Stadiums in Kapstadt, unten auf dem Rasen versuchen der FC Santos und die Orlando Pirates, Fußball zu spielen. Auf den Tribünen singen und tanzen Santos-Fans mit Pirates-Anhängern, dazu Fans der Kaizer Chiefs, der Mamelodi Sundowns und von Ajax Cape Town. Fußball in Südafrika ist Party, ganz egal, wer gerade gegen wen spielt.
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Für Botha ist Fußball Erholung vom Alltagsstress.
„Bei uns ist Fußball ein friedlicher Sport“, sagt er. „Das größte Problem ist, die Massen unbeschadet ins Stadion zu bekommen. Die Fans kommen alle erst kurz vor Anpfiff, dann drängeln sie an den Eingängen. Natürlich wird 2010 eine Herausforderung“, sagt er. „Aber wir sind bereit. Wir werden die Sache im Griff haben.“
„Und? Schon überfallen worden?“, scherzt Tumi Makgabo, Sprecherin des südafrikanischen OK, als ich sie in ihrem Büro in Johannesburg besuche. Dann wird sie ernst: „Natürlich ist die Sicherheit ein Problem. Aber bei Cricket- und Rugby-Weltmeisterschaften haben wir bereits bewiesen, dass wir die Sicherheit von Besuchern gewährleisten können. Es gibt fertige Pläne, die müssen modifiziert werden.“ Zur Cricket-WM kamen 20 000 Besucher. 2010 werden 500 000 erwartet. Für ihre Sicherheit sollen 192 000 Polizisten sorgen. Hotels, Stadien und Anfahrtswege sollen rund um die Uhr überwacht werden.
Beim Rückflug von Johannesburg nach Kapstadt verabschiedet sich die Stewardess nach der Landung: „Viel Spaß in der schönsten Stadt der Welt. Sollten Sie hier leben, dann hoffe ich, dass Ihr Auto noch da ist, wo Sie es geparkt haben.“
http://www.bild.t-online.de/BTO/sport/aktuell/2006/12/29/wm-check-suedafrika-2teil/wm-check-suedafrika-2teil.html
Der 1. WM-Check – BILD in Südafrika
Ich feierte mit den
verrücktesten Fans der Welt
Von KAI FELDHAUS
Die Welt zu Gast in Südafrika. Am 11. Juni 2010 soll in Johannesburg das Eröffnungsspiel stattfinden. Was erwartet uns dort?
BILD-Reporter Kai Feldhaus und Fotograf Christian Spreitz waren in Südafrika. Sie haben den Mann getroffen, der einen Stadionbau auf seinem Golfplatz verhindern will. Sie haben einen Jungen in den Slums besucht, der bei der WM für Südafrika spielen will. Das Auto wurde ihnen geklaut. Und weil sie ein Bier auf der Straße tranken, wurden sie beinahe verhaftet.
Im 1. Teil der neuen BILD-Serie geht es um die Fans.
Der erste Eindruck: Es wird auch 2010 wieder eine Riesen-Party!
Der 1. WM-Check
Ich habe keine Ahnung, was das jetzt mit Uwe Seeler zu tun hat. „Uwe Seeler! Uwe Seeler!“, ruft die runde, schwarze Dame auf dem Sitz rechts neben mir, dann tutet sie in eine riesige Plastiktrompete. Es ist laut, tierisch laut, weil Zehntausende in ihre Plastiktrompeten tuten, das Stadion brummt wie ein wütender Bienenstock. „Nicht Uwe Seeler“, brüllt mein Sitznachbar
links mir auf Nachfrage ins Ohr.
„Vuvuzela! V-U-V-U-Z-E-L-A!
So heißen die Plastiktrompeten!“
Es ist das größte Derby Afrikas.
Das wichtigste Spiel des Kontinents. 80 000 Menschen pilgern zum Mekka des südafrikanischen Fußballs, wenn die Giganten aus Soweto ihre Kräfte messen. Kaizer Chiefs gegen Orlando Pirates. Das ist wichtiger als Dortmund – Schalke. Das ist größer als Deutschland – Holland.
Chiefs gegen Pirates, das ist: Laut. Leidenschaftlich. Geil. Verrückter geht's nicht. BILD war dabei.
Johannesburg, Soweto, FNB-Stadion: Hier soll das Eröffnungsspiel steigen. Das 130. Derby ist das letzte Spiel vor dem Umbau: 94700 Plätze wird es haben, 2009 soll es fertig sein.
Zehntausende drängeln sich an den Toren, Tausende werden keine Karten mehr bekommen. Es riecht nach Fleisch, Schweiß und Staub. Ein unwirklicher Ort, ein Ort wie aus einem Science-Fiction-Film: In der Hitze fiebert eine schwindelnd steile Tribüne. Hinter den Eingängen tut sich ein Schlund auf in die Tiefe: Zehntausende Sitzplätze, gegraben in den trockenen Boden Sowetos.
Noch eine Stunde bis zum Anpfiff.
Die Tribünen sind voll, 40 000 Chiefs in schwarzgelb, 40 000 Pirates in schwarzweiß, sie schwitzen in der Mittagshitze, kein Schatten, nirgends. Über dem Mittelkreis hängt ein kaputter Anzeigenwürfel, vier Stahlseile halten ihn an den Fluchtlichtmasten. Er hat nur einmal funktioniert, bei der Einweihung 1996. Ein Rapper namens „Tränengas“ heizt dem Publikum ein. Auf der Gegengerade wippen die Pirates-Fans, sie schlagen die Unterarme übereinander, das Kreuzzeichen der Piraten. Dann laufen die Teams ein.
Der einzige Weiße auf dem Feld ist Chiefs-Keeper Fernandez. Die einzigen Weißen auf der Tribüne sitzen im Presseblock.
Das Stadion ist ein Röhren und ein Tuten und ein Dröhnen, es tanzt, es klatscht, es wackelt. Der Stadionsprecher ist ein Stadionschreier, er brüllt die Spielernamen in sein Mikro: Mkhonza. Mototo. Nkosi. Vilakazi. Niemande in der Welt. Volkshelden in Südafrika.
Die Chiefs laufen sich nicht warm, sie tanzen. Trainer Ernst Middendorp, früher Bochum und Bielefeld, schreitet schweigend übers Feld. Wenn er heute verliert, sagen Experten, wird er gefeuert. Derby-Niederlagen verzeiht man in Soweto nicht.
Anpfiff.
Das Stadion brummt unruhig. 8. Minute: Vilakazi zieht vom Sechzehner ab, jagt das Leder in den linken oberen Knick. 1:0 für die Pirates. Ein Orkan in schwarzweiß, die Gegengerade brodelt in Ekstase: VI-LA-KA-ZI! VI-LA-KA-ZI!
Walaza, Vorname Excellent, Rückennummer 08, könnte nachlegen, Übersteiger, Hackentrick, verzettelt sich. „Der kann nix“, schimpft die runde, schwarze Dame neben mir und tutet verärgert in ihre Uweseeler. Die Chiefs können heute noch weniger. Bis zur Pause nichts, danach kaum mehr. Nach 60 Minuten kurbeln 40 000 Schwarzgelbe mit den Armen: Auswechseln, Trainer! Middendorp gehorcht, bringt Ex-Nationalstürmer Shaun Bartlett, Top-Torjäger (3 Liga-Treffer) und Top-Verdiener (6600 Euro/Monat) der Chiefs. Es nützt nichts. Ein Spiel auf Regionalliga-Niveau, obwohl zeitweise acht Nationalspieler auf dem Platz stehen.
94. Minute, letzte Ecke, letzte Chance. Keeper Fernandez ist vorn, Kopfball, abgewehrt, aus dem Hintergrund müsste Bartlett schießen, Bartlett schießt...
So muss es aussehen, wenn 40000 Menschen gleichzeitig einen Orgasmus haben. 1:1, letzte Sekunde, ein Kreischen, ein Zucken, ein Wogen geht durchs Rund, peitschende Beats krachen aus den Boxen, Fans reißen sich die Trikots vom Körper, zuckende Leiber, Ekstase pur. Das Spiel ist seit Minuten aus, noch immer tanzen sie alle, monströs heulen Tausende Uweseelers. Ich tanze mit der runden schwarzen Dame im Arm, einer trägt nur noch Stutzen und eine kleine Fahne im Schritt.
Viel später wird Ernst Middendorp sagen, man müsse mit dem Unentschieden zufrieden sein. Bin ich, sehr sogar.
Vielleicht ist Südafrika noch nicht WM-reif: die Stadien, die Infrastruktur, die Sicherheit. Die Fans sind mehr als das: Sie sind weltmeisterlich.
http://www.bild.t-online.de/BTO/sport/aktuell/2006/12/28/wm-check-suedafrika/main-wm-check-suedafrika.html
Der 1. WM-Check – BamS in Südafrika
Zoff ums neue Super-Stadion
Juli 2010, ein lauer Winterabend in Green Point, Kapstadt. 84. Minute des WM-Halbfinals Deutschland gegen Italien.
Lukas Podolski tanzt zwei Gegenspieler aus, legt ab auf Miroslav Klose, der schießt, hart
und platziert, Buffon ohne Chance. 2:0 für Deutschland. Die Entscheidung. Der Jubel der 30 000 deutschen Fans brandet heraus aus dem schönen neuen WM-Stadion, ist bis zum Tafelberg zu hören.
Dezember 2006, ein warmer Sommerabend in Green Point, Kapstadt. Ich, der BamS-Reporter, stehe auf einem Golfplatz. Eine Entenfamilie schnattert, ein dicker Mann in karierten Hosen sucht fluchend seinen Ball. Genau hier könnte uns Klose ins Finale schießen. Genau hier soll 2010 ein WM-Stadion stehen, 70 000 Plätze, groß wie ein 18-stöckiges Hochhaus. Zu sehen ist davon, 1258 Tage vor dem Anpfiff: Nichts.
Und ob hier jemals Fußball gespielt wird, das steht längst nicht fest. Seit Monaten wird um das Stadion gestritten, jeder will mitreden, keiner hat etwas zu sagen. Die Bürgermeisterin. Der Premierminister. Der Sportminister. Das OK. Die Fifa. Und ein Anwalt, der das Stadion verhindern könnte.
1258 Tage. So viel Zeit bleibt Südafrika, um fünf WM-taugliche Stadien aus dem Boden zu stampfen, fünf weitere umzurüsten.
Kein Problem, versichert OK-Chef Danny Jordaan, man sei in den Planungen weiter als Deutschland zum gleichen Zeitpunkt – auch wenn noch kaum ein Stein auf dem anderen steht. Ein überraschender Vergleich: Denn 1258 Tage vor der WM 2006 wurde in sieben deutschen Stadien gebaut, Schalke und Hamburg waren fertig.
Südafrika läuft die Zeit davon. Und Kapstadt ganz besonders. Schuld ist eine Posse in (bisher) vier Akten.
Anwalt David Polovin führt eine
Erster Akt: Die Entscheidung
Anfang November 2006 beschloss die Stadt: Wir bauen ein neues Stadion im Green Point Common, einer 85 Hektar großen Grünanlage mit 9-Loch-Golfplatz und Rugbyfeldern, malerisch zwischen Bergen und Meer gelegen. 280 Millionen Euro kostet das Projekt. „Wir wollen ein Halbfinale“, erklärt Pieter Cronjé (57), als Sprecher der Stadt zuständig für „Twenty Ten“. „Dafür brauchen wir laut Fifa-Richtlinien 68 000 Plätze. Die alten Stadien sind dafür zu klein.“ Es gibt ein Gerücht: Bei einem Helikopter-Rundflug über Kapstadt soll Fifa-Chef Blatter 2005 auf Green Point gedeutet und gesagt haben: „Hier will ich das Stadion.“ Cronjé erwähnt es nicht.
Zweiter Akt: Die Opposition
David Polovin, Anwalt, randlose Brille, sitzt in einer Bar in der Innenstadt und trinkt entkoffeinierten Kaffee. „Verstehen Sie mich nicht falsch“, sagt er, „ich habe nichts gegen die WM.“ Aber eben nicht in Green Point. Polovin ist Sprecher einer Anwohnergemeinschaft, die gegen den Stadionbau Einspruch eingelegt hat. „Das hier ist nicht Deutschland. Kapstadt ist keine Fußballstadt. Ein Stadion mit 70 000 Plätzen bekommen wir nicht voll.“ Seine Rechnung: „Für ein WM-Halbfinale sollen 280 Millionen Euro ausgegeben werden. Für 90 Minuten Fußball! Wir könnten das Geld anderswo weit besser gebrauchen.“ Sein Vorschlag: „Ein Umbau des Stadions in Newlands würde nur 55 Millionen Euro kosten.“ Das Stadion hätte maximal 55 000 Sitze. „Ein Viertelfinale wäre auch kein Beinbruch“, sagt Polovin. Die Umweltministerin prüft den Einspruch. „Wenn er abgelehnt wird, ziehen wir vielleicht vor Gericht.“ Polovin will den Bau auf dem Golfplatz verhindern, wenn die Stadt nicht schriftlich garantiert, dass der Rest der Grünanlage erhalten bleibt.
Fußball ist in Südafrika der Sport der Schwarzen. Green Point ist ein reicher, weißer Stadtteil. Es gibt ein Gerücht: Die Anwohner wollen nicht, dass tausende Schwarze in ihren Stadtteil pilgern, um die lokalen Fußballklubs Ajax und Santos anzufeuern. Polovin erwähnt es nicht.
Dritter Akt: Die Drohung
Während die Umweltministerin noch prüft, wird es dem OK zu bunt. Der lokale OK-Chef droht: Wenn die Anwohner gegen die Entscheidung vor Gericht ziehen, könne sich Kapstadt „von der WM verabschieden“. Tumi Makgabo, Sprecherin von OK-Chef Danny Jordaan, sieht es ähnlich: „Die Stadien müssen 2009 fertig sein. Wir können nicht ewig mit dem Baubeginn warten. Wir können auch in neun Stadien spielen.“ Eine WM ohne Kapstadt? Das wäre so, als hätte man die WM 2006 ohne Berlin ausgetragen: ohne Tourismus-Magnet, Kultur-Hauptstadt, Party-Zentrale.
David Polovin schäumt vor Wut. „Wir lassen uns nicht drohen. Südafrika ist eine Demokratie. Wir nehmen nur unser Recht als Bürger wahr.“ Ein Teil seiner Leute fordert: Brich die Verhandlungen mit der Stadt ab.
Letzter Akt?
Vielleicht machen sich alle Beteiligten ein paar gute Vorsätze fürs neue Jahr. Mehr miteinander, weniger übereinander reden zum Beispiel. Erste Zeichen: Helen Zille, die Bürgermeisterin von Kapstadt, führt Gespräche mit den Anwohnern, will deren Bedenken zerstreuen. Die Umweltministerin will sich Anfang Januar entscheiden. Dann könnten Bagger rollen.
In Kapstadt sprechen sie schon von Akkordarbeit.
http://www.bild.t-online.de/BTO/sport/aktuell/2006/12/31/wm-check-suedafrika-4teil/wm-check-suedafrika-4teil.html
Wer auf der Straße Bier trinkt, wird verhaftet
Von KAI FELDHAUS (Text) und CHRISTIAN SPREITZ (Fotos)
Nach der WM ist vor der WM. Auf Deutschland 2006 folgt Südafrika 2010. Die erste Fußball-Weltmeisterschaft auf dem schwarzen Kontinent – was erwartet uns dort? BILD macht vor Ort den 1. WM-Check.
Das wichtigste Thema: Die Sicherheit! Reporter Feldhaus vermisste als erstes seinen VW Golf. Dann schockte ihn ein Überfall. Polizei-Experten versichern jedoch: „Wir werden die Sache im Griff haben.“ 192 000 Polizisten werden im Einsatz sein. Reicht das?
An einem sonnigen Mittwochmorgen verlasse ich mein Haus 8 Oak Street, Kapstadt, um in meinen feuerroten Golf I, Kennzeichen DLH216EC, zu steigen und zu einem Interview zu fahren. Ich komme nicht weit.
Das Auto ist weg.
Geklaut.
Keine Splitter, kein Ölfleck, nichts deutet darauf hin, dass ich den Leihwagen am Abend zuvor in der ruhigen Gasse geparkt hatte. Er war abgeschlossen. Die Gangschaltung war festgekettet. Weiß der Himmel, wie die das gemacht haben.
In 1260 Tagen beginnt in Südafrika die WM 2010. Ein wundervolles Land. Eine Chance, die ganz Afrika bitter nötig hat: Die ganze Welt wird auf den schwarzen Kontinent blicken, endlich einmal. Sicher ist: Die Welt wird eine bunte, lustige und freundliche Weltmeisterschaft sehen. Unsicher ist: wie sicher die WM sein wird.
„Wir garantieren die Sicherheit aller Fans und Mannschaften, die an der WM 2010 teilnehmen“, versprach Vize-Finanzminister Jabu Moleketi vor wenigen Tagen vollmundig. Man darf gespannt sein, wie er dieses Versprechen halten will.
Zwischen April 2005 und März 2006 wurden in Südafrika 18 528 Menschen ermordet, mehr als zwei pro Stunde. Zum Vergleich: 2005 passierten in Deutschland 794 Morde. In Südafrika wurden 54 926 Vergewaltigungen angezeigt (Deutschland: 8133), 119 726 schwere Raubüberfälle begangen, 85 964 Autos gestohlen (Deutschland: 50 361).
Ich habe zwei Monate in Südafrika verbracht. Am Bahnhof von Kapstadt fragte mich einmal ein junger Mann nach Kleingeld. Er zeigte mir sein Klappmesser und betonte: „Ich will das nicht benutzen.“ In diesem Moment hielt ein Polizeiauto, der Räuber sagte „Oh!“ – und verschwand im Gewühl.
Auf der Long Street sprach mich ein Polizist an, weil ich vor einer Kneipe Bier trank. „Trinken in der Öffentlichkeit ist ein Verbrechen. Ich muss Sie verhaften.“ Dabei schaute er so, wie Polizisten schauen, die ein Magengeschwür und Eheprobleme haben.
Gern hätte ich gesagt: „Fangen Sie den Autodieb! Oder den Messermann!“
Ich sagte: „Ich wusste das nicht, es tut mit furchtbar Leid, es wird nie wieder passieren.“ Er sagte, ich könne das alles dem Haftrichter erklären, knarzte in sein Funkgerät, ließ mich zehn Minuten zittern und dann bösen Blickes laufen. Ich verkniff mir ein Grinsen bei dem Gedanken, wie genau dieser Polizist in drei Jahren einem stiernackigen Schalker Schlachtermeister erklärt, dass er genau hier jetzt kein Bier trinken dürfe und das Deutschland-Spiel am nächsten Tag im Knast-TV gucken müsse.
Dann die Sache mit dem Auto. Der Polizist, der den Diebstahl aufnahm, wollte mir nicht verraten, wie viele Autos in diesem Jahr bereits in unserem Bezirk gestohlen wurden. In die Spalte „Fall Nr.“ schrieb er: „644/2006“.
Der Autoverleiher war überraschend entspannt. „Auf Golfs sind sie besonders heiß. Drei, vier Stück stehlen sie uns im Monat.“ Dann erklärte er mir haarklein, wie man das macht: einen Golf klauen. Schraubenzieher ins Schloss, Tür auf, Kupplung treten, auf einen Abschlepper schieben, weg. Während ich mich noch fragte: Woher weiß der das so genau?, gab er mir den Schlüssel für einen Kia. Mit Alarmanlage.
„Das mit ihrem Auto tut mir Leid“, sagt Super-Intendent Alwyn Botha (40) und lächelt ein schnauzbärtiges Polizistenlächeln.
Botha ist seit 22 Jahren im Dienst, er hat alles gesehen: Schießereien. Messermorde. Mobgewalt. Wir sitzen in der Polizeibox des Green Point Stadiums in Kapstadt, unten auf dem Rasen versuchen der FC Santos und die Orlando Pirates, Fußball zu spielen. Auf den Tribünen singen und tanzen Santos-Fans mit Pirates-Anhängern, dazu Fans der Kaizer Chiefs, der Mamelodi Sundowns und von Ajax Cape Town. Fußball in Südafrika ist Party, ganz egal, wer gerade gegen wen spielt.
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Für Botha ist Fußball Erholung vom Alltagsstress.
„Bei uns ist Fußball ein friedlicher Sport“, sagt er. „Das größte Problem ist, die Massen unbeschadet ins Stadion zu bekommen. Die Fans kommen alle erst kurz vor Anpfiff, dann drängeln sie an den Eingängen. Natürlich wird 2010 eine Herausforderung“, sagt er. „Aber wir sind bereit. Wir werden die Sache im Griff haben.“
„Und? Schon überfallen worden?“, scherzt Tumi Makgabo, Sprecherin des südafrikanischen OK, als ich sie in ihrem Büro in Johannesburg besuche. Dann wird sie ernst: „Natürlich ist die Sicherheit ein Problem. Aber bei Cricket- und Rugby-Weltmeisterschaften haben wir bereits bewiesen, dass wir die Sicherheit von Besuchern gewährleisten können. Es gibt fertige Pläne, die müssen modifiziert werden.“ Zur Cricket-WM kamen 20 000 Besucher. 2010 werden 500 000 erwartet. Für ihre Sicherheit sollen 192 000 Polizisten sorgen. Hotels, Stadien und Anfahrtswege sollen rund um die Uhr überwacht werden.
Beim Rückflug von Johannesburg nach Kapstadt verabschiedet sich die Stewardess nach der Landung: „Viel Spaß in der schönsten Stadt der Welt. Sollten Sie hier leben, dann hoffe ich, dass Ihr Auto noch da ist, wo Sie es geparkt haben.“
http://www.bild.t-online.de/BTO/sport/aktuell/2006/12/29/wm-check-suedafrika-2teil/wm-check-suedafrika-2teil.html
Der 1. WM-Check – BILD in Südafrika
Ich feierte mit den
verrücktesten Fans der Welt
Von KAI FELDHAUS
Die Welt zu Gast in Südafrika. Am 11. Juni 2010 soll in Johannesburg das Eröffnungsspiel stattfinden. Was erwartet uns dort?
BILD-Reporter Kai Feldhaus und Fotograf Christian Spreitz waren in Südafrika. Sie haben den Mann getroffen, der einen Stadionbau auf seinem Golfplatz verhindern will. Sie haben einen Jungen in den Slums besucht, der bei der WM für Südafrika spielen will. Das Auto wurde ihnen geklaut. Und weil sie ein Bier auf der Straße tranken, wurden sie beinahe verhaftet.
Im 1. Teil der neuen BILD-Serie geht es um die Fans.
Der erste Eindruck: Es wird auch 2010 wieder eine Riesen-Party!
Der 1. WM-Check
Ich habe keine Ahnung, was das jetzt mit Uwe Seeler zu tun hat. „Uwe Seeler! Uwe Seeler!“, ruft die runde, schwarze Dame auf dem Sitz rechts neben mir, dann tutet sie in eine riesige Plastiktrompete. Es ist laut, tierisch laut, weil Zehntausende in ihre Plastiktrompeten tuten, das Stadion brummt wie ein wütender Bienenstock. „Nicht Uwe Seeler“, brüllt mein Sitznachbar
links mir auf Nachfrage ins Ohr.
„Vuvuzela! V-U-V-U-Z-E-L-A!
So heißen die Plastiktrompeten!“
Es ist das größte Derby Afrikas.
Das wichtigste Spiel des Kontinents. 80 000 Menschen pilgern zum Mekka des südafrikanischen Fußballs, wenn die Giganten aus Soweto ihre Kräfte messen. Kaizer Chiefs gegen Orlando Pirates. Das ist wichtiger als Dortmund – Schalke. Das ist größer als Deutschland – Holland.
Chiefs gegen Pirates, das ist: Laut. Leidenschaftlich. Geil. Verrückter geht's nicht. BILD war dabei.
Johannesburg, Soweto, FNB-Stadion: Hier soll das Eröffnungsspiel steigen. Das 130. Derby ist das letzte Spiel vor dem Umbau: 94700 Plätze wird es haben, 2009 soll es fertig sein.
Zehntausende drängeln sich an den Toren, Tausende werden keine Karten mehr bekommen. Es riecht nach Fleisch, Schweiß und Staub. Ein unwirklicher Ort, ein Ort wie aus einem Science-Fiction-Film: In der Hitze fiebert eine schwindelnd steile Tribüne. Hinter den Eingängen tut sich ein Schlund auf in die Tiefe: Zehntausende Sitzplätze, gegraben in den trockenen Boden Sowetos.
Noch eine Stunde bis zum Anpfiff.
Die Tribünen sind voll, 40 000 Chiefs in schwarzgelb, 40 000 Pirates in schwarzweiß, sie schwitzen in der Mittagshitze, kein Schatten, nirgends. Über dem Mittelkreis hängt ein kaputter Anzeigenwürfel, vier Stahlseile halten ihn an den Fluchtlichtmasten. Er hat nur einmal funktioniert, bei der Einweihung 1996. Ein Rapper namens „Tränengas“ heizt dem Publikum ein. Auf der Gegengerade wippen die Pirates-Fans, sie schlagen die Unterarme übereinander, das Kreuzzeichen der Piraten. Dann laufen die Teams ein.
Der einzige Weiße auf dem Feld ist Chiefs-Keeper Fernandez. Die einzigen Weißen auf der Tribüne sitzen im Presseblock.
Das Stadion ist ein Röhren und ein Tuten und ein Dröhnen, es tanzt, es klatscht, es wackelt. Der Stadionsprecher ist ein Stadionschreier, er brüllt die Spielernamen in sein Mikro: Mkhonza. Mototo. Nkosi. Vilakazi. Niemande in der Welt. Volkshelden in Südafrika.
Die Chiefs laufen sich nicht warm, sie tanzen. Trainer Ernst Middendorp, früher Bochum und Bielefeld, schreitet schweigend übers Feld. Wenn er heute verliert, sagen Experten, wird er gefeuert. Derby-Niederlagen verzeiht man in Soweto nicht.
Anpfiff.
Das Stadion brummt unruhig. 8. Minute: Vilakazi zieht vom Sechzehner ab, jagt das Leder in den linken oberen Knick. 1:0 für die Pirates. Ein Orkan in schwarzweiß, die Gegengerade brodelt in Ekstase: VI-LA-KA-ZI! VI-LA-KA-ZI!
Walaza, Vorname Excellent, Rückennummer 08, könnte nachlegen, Übersteiger, Hackentrick, verzettelt sich. „Der kann nix“, schimpft die runde, schwarze Dame neben mir und tutet verärgert in ihre Uweseeler. Die Chiefs können heute noch weniger. Bis zur Pause nichts, danach kaum mehr. Nach 60 Minuten kurbeln 40 000 Schwarzgelbe mit den Armen: Auswechseln, Trainer! Middendorp gehorcht, bringt Ex-Nationalstürmer Shaun Bartlett, Top-Torjäger (3 Liga-Treffer) und Top-Verdiener (6600 Euro/Monat) der Chiefs. Es nützt nichts. Ein Spiel auf Regionalliga-Niveau, obwohl zeitweise acht Nationalspieler auf dem Platz stehen.
94. Minute, letzte Ecke, letzte Chance. Keeper Fernandez ist vorn, Kopfball, abgewehrt, aus dem Hintergrund müsste Bartlett schießen, Bartlett schießt...
So muss es aussehen, wenn 40000 Menschen gleichzeitig einen Orgasmus haben. 1:1, letzte Sekunde, ein Kreischen, ein Zucken, ein Wogen geht durchs Rund, peitschende Beats krachen aus den Boxen, Fans reißen sich die Trikots vom Körper, zuckende Leiber, Ekstase pur. Das Spiel ist seit Minuten aus, noch immer tanzen sie alle, monströs heulen Tausende Uweseelers. Ich tanze mit der runden schwarzen Dame im Arm, einer trägt nur noch Stutzen und eine kleine Fahne im Schritt.
Viel später wird Ernst Middendorp sagen, man müsse mit dem Unentschieden zufrieden sein. Bin ich, sehr sogar.
Vielleicht ist Südafrika noch nicht WM-reif: die Stadien, die Infrastruktur, die Sicherheit. Die Fans sind mehr als das: Sie sind weltmeisterlich.
http://www.bild.t-online.de/BTO/sport/aktuell/2006/12/28/wm-check-suedafrika/main-wm-check-suedafrika.html
02.01.2007 - 02:13 Uhr
Für BILD-Artikel schon fast überraschend gut. Was allerdings falsch herüberkommt: Die Zuschauermassen. Zuschauer gibt es praktisch ausschließlich bei den Chiefs und den Pirates, mit Abstrichen noch bei den Sundowns aus Pretoria. Zum Derby in Johannesburg ist die Hütte voll, ansonsten gibt es da auch mal vierstellige Zuschauerzahlen, und im Rest des Landes Zahlen auf deutschem Oberliganiveau; manchmal verlieren sich auch wenige Hundert im Stadion. Die Aussage, dass Kapstadt anschließend kein Riesenstadion gebrauchen kann, weil es keine Fußballstadt ist, ist einfach sachlich völlig richtig, und hat nicht wirklich etwas mit Rassismus zu tun. Zehntausende schwarzer Fans, die wöchentlich zum Spiel für teuren Eintritt in einer modernen Multifunktionsarena durch die Vorgärten marodieren, wird es einfach nicht geben.
11.01.2007 - 23:22 Uhr
Zitat von Tawana:
Glaubt ihr die WM Stimmung 2010 wird so gut wie die letzte WM hier in Deutschland
na klar da die wm 2010 wieder in deutschland ist ;) :D
Glaubt ihr die WM Stimmung 2010 wird so gut wie die letzte WM hier in Deutschland
na klar da die wm 2010 wieder in deutschland ist ;) :D
14.02.2007 - 12:49 Uhr
Gefunden von Santorin2001:
SAFA schießt Eigentor bei Parreiras Visa-Posse
Südafrikas nationaler Fußballverband (SAFA) hat bei den Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft 2010 ein Eigentor geschossen.
Im Eilverfahren erhielt der vor einem halben Jahr verpflichtete neue National-Coach Carlos Alberto Parreira nun eine Arbeitsgenehmigung, um ihm und dem Lande weitere Peinlichkeiten zu ersparen. «Wir konnten 'Bafana Bafana' nicht leiden lassen für ein Problem, das die SAFA verursacht hat», erklärte eine Sprecherin des Innenministeriums. Der nächste WM-Gastgeber sah sich Spott und Häme ausgesetzt, nachdem dem hoch bezahlten Brasilianer Parreira ohne gültiges Visum Arbeitsverbot oder sogar eine Festnahme drohte.
Erst vergangene Woche hatte sich Parreiras Arbeitgeber SAFA offiziell um die Arbeitsgenehmigung bemüht, auf die Ausländer normalerweise mindestens einen Monat warten müssen. Damit war für Parreira der Gang in die Illegalität unvermeidlich, als er direkt nach der Einreise am 26. Januar mit einem Touristen-Visum die Arbeit aufnahm. Nachdem die Zeitung «Sowetan« das Problem publik gemacht hatte, wurde Parreira vorübergehend mit einem Arbeitsverbot bedacht - bei einem Monatsgehalt von 1,8 Millionen Rand (knapp 190 000 Euro).
Der SAFA droht neben einem Verfahren und einer Geldstrafe auch eine gehörige Standpauke der Regierung. Denn die kündigte eine Klausurtagung an, bei der alle anstehenden Probleme angesprochen werden sollen. Die Regierung habe die Pflicht zur Intervention, auch wenn die SAFA eine unabhängige Einrichtung sei, erklärte der stellvertretende Sportminister Gert Oosthuizen einem Parlamentsausschuss. Das Kabinett könne so ein Fehlverhalten nicht ignorieren: «Der Antrag hätte zeitig genug eingereicht werden müssen!»
Parreira ist seit Jahresbeginn Trainer des Nationalteams «Bafana Bafana», das er auf die WM 2010 in dem Kap-Staat vorbereiten soll. Bis zum Viertelfinal-Aus bei der WM 2006 in Deutschland gegen Frankreich (0:1) hatte der 63-Jährige Brasiliens Nationalmannschaft betreut. Sein Landsmann und Vize-Coach Jairo Lopes Cesar Leal blieb von der Posse nicht verschont: Er erhielt seine Arbeitsgenehmigung sogar einen Tag später als Parreira. Wäre er zuvor illegal bei der Arbeit erwischt worden, hätte auch ihm eine Festnahme gedroht.
http://www.ftd.de/...sball/auslandsfussball/news/161058.html
SAFA schießt Eigentor bei Parreiras Visa-Posse
Südafrikas nationaler Fußballverband (SAFA) hat bei den Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft 2010 ein Eigentor geschossen.
Im Eilverfahren erhielt der vor einem halben Jahr verpflichtete neue National-Coach Carlos Alberto Parreira nun eine Arbeitsgenehmigung, um ihm und dem Lande weitere Peinlichkeiten zu ersparen. «Wir konnten 'Bafana Bafana' nicht leiden lassen für ein Problem, das die SAFA verursacht hat», erklärte eine Sprecherin des Innenministeriums. Der nächste WM-Gastgeber sah sich Spott und Häme ausgesetzt, nachdem dem hoch bezahlten Brasilianer Parreira ohne gültiges Visum Arbeitsverbot oder sogar eine Festnahme drohte.
Erst vergangene Woche hatte sich Parreiras Arbeitgeber SAFA offiziell um die Arbeitsgenehmigung bemüht, auf die Ausländer normalerweise mindestens einen Monat warten müssen. Damit war für Parreira der Gang in die Illegalität unvermeidlich, als er direkt nach der Einreise am 26. Januar mit einem Touristen-Visum die Arbeit aufnahm. Nachdem die Zeitung «Sowetan« das Problem publik gemacht hatte, wurde Parreira vorübergehend mit einem Arbeitsverbot bedacht - bei einem Monatsgehalt von 1,8 Millionen Rand (knapp 190 000 Euro).
Der SAFA droht neben einem Verfahren und einer Geldstrafe auch eine gehörige Standpauke der Regierung. Denn die kündigte eine Klausurtagung an, bei der alle anstehenden Probleme angesprochen werden sollen. Die Regierung habe die Pflicht zur Intervention, auch wenn die SAFA eine unabhängige Einrichtung sei, erklärte der stellvertretende Sportminister Gert Oosthuizen einem Parlamentsausschuss. Das Kabinett könne so ein Fehlverhalten nicht ignorieren: «Der Antrag hätte zeitig genug eingereicht werden müssen!»
Parreira ist seit Jahresbeginn Trainer des Nationalteams «Bafana Bafana», das er auf die WM 2010 in dem Kap-Staat vorbereiten soll. Bis zum Viertelfinal-Aus bei der WM 2006 in Deutschland gegen Frankreich (0:1) hatte der 63-Jährige Brasiliens Nationalmannschaft betreut. Sein Landsmann und Vize-Coach Jairo Lopes Cesar Leal blieb von der Posse nicht verschont: Er erhielt seine Arbeitsgenehmigung sogar einen Tag später als Parreira. Wäre er zuvor illegal bei der Arbeit erwischt worden, hätte auch ihm eine Festnahme gedroht.
http://www.ftd.de/...sball/auslandsfussball/news/161058.html
23.02.2007 - 14:45 Uhr
Die Stadien sehen richtig geil aus!
23.02.2007 - 16:36 Uhr
Das sehe ich ja noch nicht, dass die Stadien rechtzeitig fertig werden und auch dass Südafrika die Kosten stemmen kann...
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