Borussia Dortmund Borussia Dortmund
deadline-day banner

Gib mich die Kirsche! Der Talkthread

18.01.2025 - 13:04 Uhr
Oh, super geil.

Hätte ich im Leben nicht mit gerechnet, dass man den Vater der modernen Rechtspopulisten aus dem Amt entfernen kann. Hoffe auf eine 2/3 Mehrheit, dann kann man direkt beginnen, den Unrechtsstaat wieder sinnvoll umzubauen 👏🏻👏🏻

•     •     •

"Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können."
Sieht endlich mal wieder nach einem guten Tag für Europa aus!
Es wird wohl wirklich die Zwei-Drittel-Mehrheit. Wahnsinn. Hätte ich niemals gedacht. Für Europa wahrscheinlich wichtiger als alles was Trump so treibt.
Das ist ein gewaltiges Statement der Ungarn. Da sollten einige hierzulande mal genau hinschauen.
Eine Kollegin von mir ist Ungarin, sie ist extra nach Ungarn geflogen, da Orban die Gesetze so geändert hat, dass sie sonst nicht wählen konnte. Tolle Sprachnachricht von ihr bekommen, berichtet mit hörbar ergriffener Stimme von vielen feiernden jungen Leuten auf der Straße, überall spontanes Feuerwerk und wie glücklich sie sei.

•     •     •

Nati = Nationalmannschaft der Schweiz

Warum wollen so viele die deutschen Nationalspieler bei der Schweiz sehen?
Bin gespannt, was mit Viktor Orban in den nächsten Wochen selbst passiert. Erstmal sehr unerwartet, dass er seine Wahlniederlage direkt anerkannt und Peter Magyar sogar auf der Fidesz-Veranstaltung zum Wahlsieg gratuliert hat.
Andererseits rechne ich allerdings auch, dass sich der Orban-Clan zeitnah in ein Land absetzt, das kein Auslieferungsabkommen mit Ungarn respektive europäischen Staaten hat (Russland wäre natürlich naheliegend), weil in den kommenden Monaten hoffentlich sukzessive der ganze Filz versucht wird von der neuen Regierung bzw. den regierenden Parteien des Wahlbündnisses aufzudecken, den sein Familienclan bzw. der innerste Zirkel seiner Partei in den letzten ein bis zweiten Jahrzehnten angehäuft wurde. Dafür ist wohl selbst das Wort "Korruption" eindeutig ein zu schwacher Begriff, gerade was viele EU-Gelder anbetrifft, die durch fadenscheinige Geschäftspartner und Scheinfirmen in diesen Zirkel der Vertrauten um Orban umgeleitet wurden.
Es dürfte für Orban & Gesellen relativ ungemütlich werden, je nachdem, wie schnell was und wieviel davon aufgedeckt wird.

Gleichzeitig kann man natürlich erwarten, dass die nächsten 4 Jahre für Magyar und seine Regierung nicht unbedingt einfach(er) werden, weil man sich jetzt wirtschaftlich auf Drängen der EU sehr bald komplett von Russland abkapseln wird müssen (~80 Prozent des nach Ungarn eingeführten Öls stammt immernoch aus Russland etc.), was dann natürlich auf kurzfristige Sicht erstmal in diversen Preisanstiegen nicht nur an der Tankstelle sondern wahrscheinlich in allen Lieferketten auch direkte Auswirkungen auf die Bevölkerung haben wird, wobei die ungarische Wirtschaft ja sowieso schon in einer Dauerkrise steckt, auch bzw. gerade wegen der undurchsichtigen Politik, die Orban hier in den letzten Jahren betrieben hat. Investitionen in mittlerer zweistelliger Milliardenhöhe wurden ja zB. wegen der Verletzung des Rechtstaatlichkeit-Prinzips in den letzten Jahren von der EU blockiert.

•     •     •

R.I.P. - Robert Enke

* 24.08.1977
+ 10.11.2009
Eine Zwei-Drittel-Mehrheit ist mehr als nur eine Schlagzeile – sie verschafft der Regierung echten Spielraum, Politik, Institutionen und Ungarns Rolle in Europa zu prägen. Entscheidend ist jetzt, was als Nächstes passiert: ob daraus Stabilität und mehr Einfluss werden oder eine noch stärkere Konfrontation mit Brüssel. Daran wird sich zeigen, wie bedeutend dieses Ergebnis wirklich für Europa ist.
Zitat von Borusse91
Bin gespannt, was mit Viktor Orban in den nächsten Wochen selbst passiert. Erstmal sehr unerwartet, dass er seine Wahlniederlage direkt anerkannt und Peter Magyar sogar auf der Fidesz-Veranstaltung zum Wahlsieg gratuliert hat.
Andererseits rechne ich allerdings auch, dass sich der Orban-Clan zeitnah in ein Land absetzt, das kein Auslieferungsabkommen mit Ungarn respektive europäischen Staaten hat (Russland wäre natürlich naheliegend), weil in den kommenden Monaten hoffentlich sukzessive der ganze Filz versucht wird von der neuen Regierung bzw. den regierenden Parteien des Wahlbündnisses aufzudecken, den sein Familienclan bzw. der innerste Zirkel seiner Partei in den letzten ein bis zweiten Jahrzehnten angehäuft wurde. Dafür ist wohl selbst das Wort "Korruption" eindeutig ein zu schwacher Begriff, gerade was viele EU-Gelder anbetrifft, die durch fadenscheinige Geschäftspartner und Scheinfirmen in diesen Zirkel der Vertrauten um Orban umgeleitet wurden.
Es dürfte für Orban & Gesellen relativ ungemütlich werden, je nachdem, wie schnell was und wieviel davon aufgedeckt wird.

Gleichzeitig kann man natürlich erwarten, dass die nächsten 4 Jahre für Magyar und seine Regierung nicht unbedingt einfach(er) werden, weil man sich jetzt wirtschaftlich auf Drängen der EU sehr bald komplett von Russland abkapseln wird müssen (~80 Prozent des nach Ungarn eingeführten Öls stammt immernoch aus Russland etc.), was dann natürlich auf kurzfristige Sicht erstmal in diversen Preisanstiegen nicht nur an der Tankstelle sondern wahrscheinlich in allen Lieferketten auch direkte Auswirkungen auf die Bevölkerung haben wird, wobei die ungarische Wirtschaft ja sowieso schon in einer Dauerkrise steckt, auch bzw. gerade wegen der undurchsichtigen Politik, die Orban hier in den letzten Jahren betrieben hat. Investitionen in mittlerer zweistelliger Milliardenhöhe wurden ja zB. wegen der Verletzung des Rechtstaatlichkeit-Prinzips in den letzten Jahren von der EU blockiert.


Nun man muss hier denke ich zwei Sachen beachten.

1.) Magyars Partei wurden von Orban immer höhere Hürden gesetzt und die hat er übersprungen! Durch die Zweidrittel Mehrheit kann er die Gesetzesinitiativen von Orban aufheben und die von Orban auf die Schaltzentralen gesetzten Personen abziehen. Er hat bereits auch angekündigt, dies zutun-einzig der leiter der Zentralbank hat sich unter Orban seine Unabhängigkeit bewahrt und darf bleiben. Im Bereich ÖPffentlich-Rechtliche, Staatsfunk, Pressefreiheit, Justizreform etc. wartet noch viel Arbeit-aber durch die zweidrittelmehrheit kann er hier schnell durchgreifen.

2.) Verhältnis zur EU. Magyar wird vieles anders machen und auch wieder erheblich weniger konfrontativ sich verhalten als Orban. Rechtsstaatlichkeit wird wohl auch nach EU Richtlinien laufen etc.
Aber: Er ist ein Konservativer und kam ursprünglich aus FIDESZ. Er hat bereits schon im Wahlkampf angekündigt, dass er In Bezug auf die Migration keine Kompromisse eingehen wird und die harte Linie weiter verfolgen wird.
Gleichzeitig wird er die diplomatischen Beziehungen zur Ukraine aufnehmen, die Öllieferungen aus Russland sollen bald wegfallen. Er wird aber keine Waffenlieferungen genehmigen und sich auch sonst nicht beteiligen. Außer Humanitär.
Seine Partei ist eine Catch it all partei. das heißt, dass die bei den Wahlen alles eingesammelt hat. Von Konservativ bis Liberal. Dementsprechend wird es jetzt ein Spagat werden, die vielen Interessen zu bündeln. Da wird es auch einige Enttäschungen geben-auch in bezug auf die EU.
Das wird ein deutlich entspannteres Verhältnis werden-aber sie werden auch weiterhin unbewuem sein und nicht alles mittragen.
1 Mai ist offiziell Regieurngswechsel und Vereidigung. So nach Plan. Dann werden wir sehen. Auch steht zur Debatte eine Amtszeitbeschränkung auf maximal zwei Amtszeiten.

•     •     •

„Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten. Wenn du dich selbst kennst, doch nicht den Feind, wirst du für jeden Sieg, den du erringst, eine Niederlage erleiden. Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst, wirst du in jeder Schlacht unterliegen.“
🇩🇪🇮🇱🇿🇦

Nass und kalt bei uns plötzlich.
6 Grad am Vormittag und wie gestern Starkregen.

•     •     •

Ich wünsche mir hier faire Gespräche und einen fachkundigen Austausch von Meinungen.
Ja, meine Zeitreise gibt es auch noch. Und da geht es jetzt weiter mit der nächsten Folge.

Aber zuerst folgen die Nachträge:

90er Jahre:
VIVA lief erst über Eutelsat. Da bekamen wir den Sender nicht, das passierte erst, als sie über Astra sendeten. Da habe ich oft geschaut.
Axel Schulz boxte 1995 als Newcomer gegen Weltmeister George Foreman. Da bin ich nachts aufgestanden und habe die umstrittene Niederlage verfolgt. Gegen den nächsten verlor er auch den WM-Kampf, gegen den gedopten Francois Botha. Seinen dritten WM-Kampf wollte ich sogar live vor Ort ansehen. Leider aber fiel die geplante Fahrt aus. Und es war die Niederlage gegen Michael Moorer.

Neues Jahrtausend:
Lehrgang 2000/2001:
Nach Abschluss mussten wir noch einmal zu einer Einzelberatung vor Ort, wo es um die Arbeitssuche ging. Hier war eine Sozialpädagogin aus dem Osten, die sehr sachlich war und mich lobte, wie oft ich mich bewerbe.
Das war bei dem Vorgängerkurs 1996/97 nicht so. Das war ja der gleiche im Programm beim selben Bildungsinstitut. Da war so ein Termin auch vorgeschrieben. Ich weiß nicht, ob die junge Frau, die dort saß, aus dem Osten oder dem Westen war und welche Ausbildung sie hatte. Aber sie war frech und begrüßte mich, dass es eine Frechheit sei, dass ich vor ihr sitze. Ich habe in den Westen zu gehen. Ich hatte mich jahrelang dort beworben und war nicht untergekommen. Zu dem Zeitpunkt des Gespräches hatte ich Omas Pflege übernommen. Sie meinte, Oma müsse woanders untergebracht werden. Hier überschritt sie deutlich ihre Kompetenzen. Sie hatte nicht zu bestimmen, wer Oma pflegt.
Im Lehrgang 1996/97 machten wir auch Ausflüge, was wir in dem Nachfolger nicht taten. Wir besuchten 1996 auch ein Grenzmuseum, soziale Begegnungsstätten...
Während des Lehrgangs bekam ich 2000 auch noch ein Stellenangebot vom Arbeitsamt. Der Briefmarkt war geöffnet worden, und ich sollte in meinem Dorf für den neuen grünen pin-Versand die Briefe austragen. Als ich dort zum Vorstellungsgespräch war, sagten die mir, dass ich bis 12 Uhr die Post abgeliefert haben müsste. Für diese Zeit war ich aber im Lehrgang. Das teilte ich dem Arbeitsamt so mit. Ich hörte davon nichts wieder.

Mutti hatte vor dem Rentenalter auch nach Minijobs gesucht und war in der Zeitung auf eine Anzeige gestoßen, wo Spülhilfen gesucht wurden.Das war eine Telefonnummer in Niedersachsen. Für sie allein machte das aber keinen Sinn, da es eine enorme Fahrstrecke dorthin war. Und es war nur ein Minijob.
Den Minijob, den meine Eltern heute im Gartenbau haben, ist aber nicht bei Papas Ex-Arbeitgeber.

Als der Euro eingeführt war, schnellten die Preise heftig in die Höhe. Sofort war vom Teuro die Rede, Und meine Chatfreundin in Dänemark meinte, sie sei froh, dass sie ihre Kronen noch haben.

Das Thema heute lautet: Das neue Jahrtausend: Hallo Abwasserkanal!

Da geht es erstmal um die Sanierungen.

In der DDR gab es für jedes Grundstück eine Kleinklärgrube, die in den Boden eingelassen war. Die wurde regelmäßig von einem Auto abgefahren. Nach und nach wurde aber nach der Wende der Abwasserkanal angelegt. Wir waren nicht die erste, aber auch nicht die letzte Straße im Dorf, die drankam. Da wurden immer mehrere Straßen zusammen eingeplant. Bei uns war das 2003, da wurden zum zweiten Mal nach der Wende (1992 Erdgas/Telefon) die Straßen geöffnet. 2003 bekamen wir dann auch Asphalt statt Kopfsteinpflaster. Und der Fußweg wurde neu gemacht.

2011/12 erneuerten meine Eltern ihre Elektrik im Haus. Das war ein Dreck. Aber zu Omas Lebzeiten ging das nicht, weil so wenig Platz im Haus war. Oma konnten wir nicht so einfach umsetzen. Die DDR-Elektrik war lange nicht so stark wie die heutige. In der DDR war es auch schwer, einen Elektriker zu bekommen. Das machten zwei Männer in unserem Dorf. Wir hatten einen, der nur am Meckern war. Als ich als Kind mal über ihn lachte, wurde der richtig böse. Er war oft bei uns am Arbeiten. Trotzdem musste dann alles auf Westniveau gebracht werden. Und dabei wurden auch gleich die Satellitenkabel bei meinen Eltern auf digital umgestellt. In meinem Haus wurden die gleich digital gelegt.

Beim Glasfaser waren wir aber schnell. Das haben wir schon seit 2013.

Und seit 2000 liefen auch die Arbeiten an meinem Haus. Papa stellte sich das ja recht einfach vor. Er wollte das alles morgens mit den Handwerkern absprechen, wenn er vom Job kam. Und dann abends nochmal reden. Aber natürlich traten da einige Probleme auf, die vorher so nicht ersichtlich waren. Und allein wollte ich das nicht entscheiden. Neben der Pflege arbeitete ich auch noch Teilzeit, das war schon ein Organisationstalent mit dem Haus nebenher.

Alle beschriebenen Handwerkerfirmen waren aus dem Osten.

Um die Jahrtausendwende brummte unsere Disco. Ich sah u. a. Gigi dÀgostino, Eiffel 65 und die Vengaboys live. Und die Disco Boys legten vor meinen Augen auf.

Als ich nach der befristeten Stelle in der Betreuung wieder arbeitslos war, bekam ich das nächste Stellenangebot vom Arbeitsamt: eine ABM. Die war immer Vollzeit und auf ein Jahr befristet. Ich konnte aber wegen der Pflege nur Teilzeit arbeiten. Das sagte ich der Vermittlerin so. Das war schon das zweite Mal, dass ich einen Vollzeit-Vorschlag bekam. Die Stelle war als Fortführung der Ortschronik gekennzeichnet, aber jeder wusste, dass diese Chronik längst abgeschlossen und gedruckt war. Wieso überprüfte das keiner? Diese Stelle war mir bekannt. Das war ein bisschen normale kommunale Büroarbeit. Dazu kam aber die Reinigung des kompletten Hauses und im Sommer die Pflege der umliegenden Blumen-Rabatten. Da sagte die Arbeitsvermittlerin, sie habe gerade ein Teilzeit-Büro-Angebot rein bekommen. Das war eine Vertretung für vier Monate im Sozialbereich. Das war Klasse. Dort hatte ich mich in den 90er Jahren schonmal beworben. Damals war keine Stelle frei. Chef dort war der Vater eines Schulfreundes.
Als ich zum Vorstellungsgespräch kam, begrüßte er mich gleich mit Vornamen. Ich bekam die Stelle. Und dort lief es hervorragend. Ich verstand mich prächtig mit dem Personal. Die Sekretärin dort war auch top, ich konnte sie immer fragen, wenn ich etwas nicht wusste. Als die vier Monate um waren, sagte ich, dass ich sofort wiederkomme, wenn etwas frei wird.
Meine Arbeitsverträge wurden nun immer kürzer statt länger

Aber nun war ich mal wieder arbeitslos. Und es drohte nun Hartz 4. Ich wurde da früh vom Arbeitsamt angeschrieben. Die Antragstellung sei umfangreich, da man ja nun auch Wohnkosten bekam. Und mein Haus war noch gar nicht fertig. Da sollte ich dann nachreichen. Und dann war er auch da: mein kompletter sozialer Abstieg: ich war Hartzerin.

Jobcenter gab es damals noch nicht, da war die Arge, die Arbeitsgemeinschaft von Arbeitsamt und Kommune.
Und die legte schnell los mit den Ein-Euro-Jobs. Ab Oktober 2004 war das freiwillig, ab Januar 2005 konnte man verpflichtet werden. :Und es waren viele Freiwillige, die das machten. Das merkte ich zuerst in der Bibliothek. 2004 waren noch ABM vom Arbeitsamt bewilligt worden, die bis ins Jahr 2005 liefen. Danach wurden sie aber durch Ein-Euro-Jobs ersetzt. Und die waren auch noch zahlreicher als es die ABM ohnehin schon waren.
So lernte ich auch eine damalige gute Freundin kennen. Sie sagte, sie beziehe auch Hartz 4. Ich habe sie in der letzten Folge schonmal erwähnt. Und wir wollten uns mal über unsere Erfahrungen austauschen und auch andere fragen, die in der Situation sind. Das war eine gute Idee. Allerdings erlebte ich dabei auch etwas Negatives. Muttis Ex-Arbeitskollegin und ihr Mann waren da auch drin. Und die reagierte extrem aggressiv, wenn man da mal fragte. Da hätte sie sachlich sagen sollen, dass sie darüber nicht reden will. Was war dabei, wenn ich da fragte? Ich war selber betroffen.
Und ich stellte fest, dass man von anderen auch abfällige Kommentare bekam, wenn man sagte, man beziehe Hartz 4.

Nun waren ja auch private Vermittler am Start. Und ein Thüringer wollte sich da besonders profilieren. Bei den Demos im Vorfeld von Hartz 4 fiel er auf, dass er Stellen als Leiharbeiter und im Niedriglohnsektor anbot. Schnell machte er damit Karriere. Das wäre auch nicht verwerflich, wenn er in der Coronakrise nicht selber zum Hartzer geworden wäre. Das kam sogar im TV. Und da sagte er, er wolle schnell wieder als Vermittler arbeiten. Aber wieso nahm er denn da keinen Job als Paketbote, als Regalauffüller oder Hilfsarbeiter an? Das bot er doch ständig anderen an. Aber selber war er sich wohl zu fein dafür. Und nun war er auch noch verschuldet und straffällig geworden. Und da behauptete er, er könne Hartzern nun auf Augenhöhe begegnen. Eine bodenlose Frechheit, ich war nie vorbestraft oder überschuldet. Und viele andere Hartzer auch nicht.

Von wegen erfolgreiche Agenda 2010! Meine Vorstellungsgespräche wurden deutlich weniger. Und wie so viele bekam ich von der Arge einen Ein-Euro-Job angeboten. Das war an einer Schule als Assistenz im Innenbereich. Das war für ein Jahr befristet. Und das ging sehr schnell, dass ich das Angebot bekam. Da hatten die meisten anderen, die von Anfang an dabei waren, noch nicht mal so ein Angebot bekommen, da war ich schon fällig, obwohl ich Omas Pflege angegeben hatte. Die Stelle war aber gut. Ich verstand mich super mit dem Personal und den Lehrern.
Nur das Konstrukt Ein-Euro-Job regte mich auf. Wieso waren das keine Stellen wie ABM? Ein-Euro-Jobs heißen offiziell Arbeitsgelegenheiten. Man arbeitet aber nicht gelegentlich sondern genau wie feste Angestellte. Man ist aber nicht rentenversichert und bekommt auch den Urlaub nicht bezahlt. Das war bei ABM ganz anders. ABM wurden nun auch schnell offiziell abgeschafft. Arbeitsgelegenheiten waren viel billiger. Die gibt es sogar noch heute, wie ich feststelle.
Ein-Euro-Jobs waren immer Teilzeit bis zu 30 Stunden. Diese 30 Stunden wurden auch hier immer voll ausgereizt. Ich aber handelte etwas runter. Denn ich wollte in mein Haus einziehen. Und da liefen noch die Restarbeiten. Und ich hatte ja auch noch Oma in Pflege.
Während der Zeit bekam ich einen Brief der Arge. Ich war gerade in mein Haus eingezogen. Man habe bei mir einen Hausbesuch machen wollen. Ich solle erklären, wieso ich nicht da gewesen sei. Sehr sehr witzig! Weil mich eben diese Arge zu einem Ein-Euro-Job verpflichtet hatte, Das sagte ich der Frau auch so. Sie machte nun einen Termin am Nachmittag bei mir aus. Sie kam an mit dem Gesetzbuch, da könne ich nachlesen, dass sie Hausbesuche machen dürfe. Und sie wolle gucken, wie ich wohne. Sie lief durch alle Zimmer und guckte in meinen Kühlschrank. Anschließend sagte sie, ich habe die Angaben im Antrag korrekt gemacht. Das werde sie so vermerken. Und bei mir erfolge kein weiterer Hausbesuch. Der kam auch nicht.

Als der Ein-Euro-Job beendet war, hatte ich eine neue Vermittlerin bei der Arge. Währen der vorherige Mann in Ordnung war und die Nachfolge-Frau schon schlimmer, war das hier eine lebendige Hexe. Meine Freundin, die auch Hartzerin war, warnte mich schon vor ihr. Sie war in den 20ern und konnte überhaupt nicht mit Menschen umgehen. Wer hatte ihr denn gesagt, dass sie so einen Posten bekleiden kann? Sie zielte auch bei mir gern unter die Gürtellinie.
Mich ging sie sofort an, dass sie mir die Pflege von Oma entziehen wolle. Dazu hatte sie überhaupt kein Recht. Ich bekam immer halbjährlich den vorgeschriebenen Kontrollbesuch der Pflegekasse. Und die Leute sagten mir mehrfach, dass sie sich eine solche Pflege wie von mir bei allen wünschen würden. Und die Arge-Hexe meinte, mir die Pflege entziehen zu können. Da drohte sie nur, gemacht hat sie keinen Versuch. Sie überschritt bei weitem ihre Kompetenzen.

Nun schickte sie mich in ein Bildungsinstitut auf ein entlegenes Dorf. Dort seien Arbeitsvermittler, die in Einzelgesprächen arbeiteten. Dort habe man monatlich einen Einzeltermin. Dort saßen drei Leute. Die waren alle über 50, kamen auch aus der Arbeitslosigkeit und hatten keine passende Ausbildung. Meiner war Handwerksmeister.
Meine Hartz-Freundin hatte mich auch hier vorgewarnt. Der Typ war schwierig. Sie sei dort hingekommen mit guter Laune, da sei er ausfallend geworden, sie habe sich im System eingerichtet. Man habe verzweifelt zu sein.
Ich versuchte es neutral. Auch das passte ihm nicht. Er wollte Verzweiflung bei mir sehen. Es ist aber gar nicht meine Art, den ganzen Tag miesepetrig zu sein. Ich sehe auch immer irgendwo im Leben positive Dinge, denn ansonsten kann man gleich in die Klapsmühle.
Die anderen beiden Vermittler vor Ort waren aber auch nicht besonders gut, wie ich hörte.
Meiner wollte immer wissen, wo ich mich bewerbe. Das war ja viel, aber ich hatte keine Vorstellungsgespräche mehr. Er selber sagte, sie fahren persönlich in die Firmen, um zu suchen. Denn viele Stellen gab es Ende der Nuller-Jahre nicht. Die etwas sinkenden Arbeitslosen-Quoten waren die vielen Ein-Euro-Jobber und Verrentungen. Er fand eine einzige Stelle. Da suchten sie eine Teilezeitfrau im Büro, die allein arbeiten sollte. Und die Chefs wollten unbedingt die gebotenen Einarbeitungszuschüsse. Nur wollten sie nicht einarbeiten, dafür hätten sie keine Zeit. Und wer prangert solche Firmen an? Geld vom Staat nehmen, aber keine Gegenleistung erbringen. Diese Stelle bekam keiner der Hartzer. Am Ende des Projektes meinte der Vermittler, ich solle in den Westen gehen. Er wusste doch, dass ich mich da sooft beworben hatte.

Für heute mache ich Schluss. Beim nächsten Mal geht es weiter im neuen Jahrtausend. Mit der Arge war ich noch nicht fertig. Aber es trafen mich auch andere negative Schläge.

•     •     •

Ich wünsche mir hier faire Gespräche und einen fachkundigen Austausch von Meinungen.

Dieser Beitrag wurde zuletzt von CocoBall am 21.04.2026 um 21:06 Uhr bearbeitet
Katherina Reiche hat auf der BPK von "erneuenbaren Energien" gesprochen!?

Schöner Versprecher, aber irgendwie auch sinnbildlich, wie wenig sie sich nicht mit diesem Thema auseinandersetzt bzw. weiterhin mit ihrem Amt als Wirtschaftsministerin für die Förderung von fossiler Energie steht.

•     •     •

R.I.P. - Robert Enke

* 24.08.1977
+ 10.11.2009
  Post-Optionen
Den kompletten Thread wirklich löschen?

  Paten-Optionen
Möchtest Du den Beitrag wirklich löschen?
  Diesen Beitrag alarmieren
  Diesen Beitrag alarmieren
  Diesen Beitrag alarmieren
  Lesezeichen
  Abonnierte Threads
  Guter Beitrag
  Guter Beitrag
  Guter Beitrag
  Post-Optionen
Nutze die Thread-Suche, wenn Du diesen Post in einen anderen Thread verschieben möchtest. Drücke Thread erstellen, wenn aus diesem Post ein eigenständiger Thread werden soll.
Widerruf Tracking & Cookies

Du hast erfolgreich deine Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die du zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt hast. Du kannst dich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden. Bitte beachte, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wende dich diesbezüglich an datenschutz@transfermarkt.de.