Borussia Dortmund Borussia Dortmund
deadline-day banner

BVB - Transferpolitik

14.02.2015 - 15:43 Uhr
BVB - Transferpolitik |#16791
23.12.2021 - 18:43 Uhr
Zitat von BVBBC
Zitat von mba123

Zitat von BVBBC

Zitat von mba123

Zitat von BVBBC

Zitat von mba123

Vorne fehlt es mir auch an Qualität gegen den Ball. Dabei möchte Rose ein aggressives Pressing spielen. Er zeigt dabei auch keine so guten Pressingstrukturen wie Pep, bei dem erst der Ball hin und her geschoben wird, bis jeder in Position gelaufen ist. Auch sind die Spieler bei Pep ausgeruhter, da der eigene Aufwand durch das Ballbesitzspiel geringer ist. So können sie mit voller Intensität pressen.



Ich halte diesen Absatz für einen Trugschluss. Warum ist Guardiola denn in der Lage dazu? Das liegt doch hauptsächlich daran, dass die Strukturen im Ballbesitz bereits viel besser sind und daher die Positionen zum Gegner im Zweifel auch schneller einzunehmen sind, sobald es in die Gegenbewegung geht. Das alles an Rose festzumachen, ist für mich schwierig, angesichts dessen, wer in den letzten Jahren alles daran gescheitert ist, solche oder ähnliche Strukturen zu etablieren. Selbst Tuchel ist das in Saison 2, als es mit der Problematik, quasi ununterbrochen losging, bis auf Teile der ersten Hinrunde unter Favre, nicht mehr gelungen.

Wenn man sich dann zudem ansieht, was man für Defensivwerte auflegt, mit welcher Intensität man gegen den Ball unterwegs ist, dann finde ich es nahezu absurd, dass man noch mehr Defensivqualität als primäre Lösung sieht. Ich hatte die Zahlen dazu schon im Statistikthread veröffentlicht, aber ich denke nicht, dass man im Mittel defensiv noch viel besser wird, sobald es gegen den Ball geht. Es gilt meines Erachtens nur deutlich weniger gegen den Ball zu agieren und Fehler in gefährlichen Zonen zu unterbinden. Also schon früh im Aufbau und in der Spielverbindung.

Beleuchtet man dahingehend AV und Mittelfeld, dann ist lediglich Bellingham meines Erachtens eine in dieser Saison verlässlich gute bis sehr gute Komponente. Guerreiro war diese Saison noch nie bei 100%, ließe sich ansonsten aber auch, mit der Einschränkung, dass er kein Breitengeber ist, wie ihn Rose sicher gerne auf LV hätte, in der Beziehung positiv heranführen. Der Rest ist durchschnittlich oder sogar nicht mal das, wobei Reyna und Brandt hier noch ausgeklammert sind, da Reyna früh ausfiel und Brandt quasi nie im Zentrum gespielt hat und auf den tiefen Positionen auch nicht sicher genug in seinen Aktionen ist - also im Aufbau auch nicht gut ist.

Das kann auch die IV nicht im Aufbau kompensieren meines Erachtens, die im Aufbau maximale Qualität besitzt, in der Spielverbindung aber quasi kein Faktor sein kann, weil ihr dadurch die Anspielstationen fehlen. Fehlen die Anspielstationen, werden Fehler früh im Ballbesitz maximiert. Das ist meines Erachtens daher das Problem, welches transferpolitische Priorität haben muss. Für mich ist jedenfalls das Hauptproblem des Kaders, dass er darauf ausgelegt ist viel und mit hoher Intensität verteidigen zu müssen. Die Steigerungsmöglichkeiten sehe ich nicht mehr ohne weitere Einbußen im Ballbesitz möglich, sodass ich befürchten würde, dass man sich defensiv nicht verbessert, weil die Steigerung dann sowieso nötig wird. Offensiv würde man damit aber ohne Kompensation verlieren, weil es in der Beziehung keinen Qualitätsgewinn zu erwarten gilt.

Ich verstehe deinen Punkt nicht ganz.
Du kritisierst doch selber häufig das Verhalten gegen den Ball von Hummels, Guerreiro, Witsel, Dahoud, auch Can, etc.?
Also sollte es hier doch viel Potenzial geben?



Klar, es gibt viel Potenzial, aber was ist unser größtes Manko und was sollte daher Priorität genießen? Ist es schließlich so, dass wir 90 Minuten oder auch nur die meiste Zeit eines Spiels schlecht verteidigen oder sind es in einem normalen Spiel eher 3-4 Situationen, die wirklich kritisch sind? Das mögen dann gegen die Bayern mehr sein, gegen manch andere Teams auch weniger, aber im Großen und Ganzen stimmen bei uns defensiv doch Einsatz und Intensität in der Rückwärtsbewegung und die Mannschaft legt insgesamt auch sehr gute Werte auf. Das heißt für mich dann auch, dass es individuell und situativ oft Potenzial gibt, aber ich wäre nicht zuversichtlich, dass das mit 1-2 Transfers abgehakt werden kann.

Denn das Hauptproblem bleibt für mich letztendlich, dass die Mannschaft defensivtaktisch nicht auf einem Nenner ist und auch nur schwer auf einen Nenner zu bringen ist. Ein neuer LV, der Hummels Seite abdichtet, löst das Problem dann meines Erachtens auch nicht unbedingt, selbst wenn das dann bspw. für den 6er Kapazitäten im Vorwärtsverteidigen auslöst, sodass damit bspw. das Pressing gestärkt werden kann. Das hätte also durchaus 2 potenziell positive Effekte auf unsere Defensive, weil Hummels Absicherung idealtypischer wäre und gleichzeitig Kapazitäten im Pressing frei werden könnten. Ich sehe darin aber auch genauso 2 potenziell negative Effekte. Einerseits ist der LV im Rose System als Breitengeber zu relevant, muss hier Druck nach vorne entfachen, da ansonsten die linke Seite nicht gut besetzt bleiben wird und zu befürchten ist, dass unser Spiel vor allem über rechts geht oder im Zentrum die Räume zu stark verdichtet sind, um dort durchspielen zu können, was dann eben auch technisch schon nochmal mehr verlangt, als bspw. Can gerade von der 6 einbringt. Insbesondere dann, wenn der 6er höher agieren soll/muss, weil er ja nicht mehr als Absicherung benötigt wird. Die Freiheit nach vorne, hat der LV dafür dann eben nicht mehr, wodurch er eben auch in der Pressingbewegung meines Erachtens nicht großartig nutzbar ist, da Pressing und Absicherung zu konträre Aufgaben darstellen, insbesondere für einen Spieler auf der Außenbahn, der ins Zentrum absichern muss und dadurch eh schnell weite Wege hat. Andererseits ist damit ja nicht gesagt, dass der Schwerpunkt der Kette mit nach vorne wandert, um in der Gegenbewegung die Abstände kompakt zu halten. Ein defensiver LV, der primär für die Absicherung von Hummels verantwortlich ist, dürfte schließlich trotz allem sehr daran interessiert sein, dass er nicht im Pressing mitmacht. Daher dürfte die Seite tendenziell immer noch tief geraten und die rechte Seite wird sich anpassen müssen.

Wie viele dieser Situationen sind aber allein schon dadurch von uns erschwert, dass wir uns selbst zu oft in die Position bringen, in der die Endverteidung bzw. Restverteidigung alles ist, was noch da ist, weil die Bälle doof und ungesichert verloren werden? Wie oft kommt es schließlich vor, dass wir noch gar nicht alle im Ballbesitzformation gebracht haben und der Ball ist schon wieder weg, wodurch auch die Positionen für die Gegenbewegung automatisch schlechter sind als nötig? Genau hierin erwarte ich defensiv im Augenblick den größten Hebel! Würde man einen defensiven AV hinzufügen, dadurch die Breite im Spiel nicht verbessern, geschweige denn die Vorwärtsbewegung, da ich jetzt mal davon ausgehen würde, dass wir auf der 6 nicht spielstärker werden, vom 6er aber mehr spielerische Qualitäten mit dieser Maßnahme verlangen, um offensiver einzugreifen, als bisher, dann stünde zu befürchten, dass sich solche Ballverluste weiter häufen, weil die Anspielstationen nach vorne nicht mehr werden. Ein defensiv passender LV hätte für mich neben Hummels jedenfalls keinerlei Freiheiten nach vorne und wäre daher auch keine sinnvolle Option im Ballvortrag.

Somit würde ich bspw. befürchten, dass ein defensiver LV neben Hummels zwar in der Endverteidigung einen positiven Effekt hätte, im Ballbesitz als auch im Pressing aber zu gemischten Resultaten führen könnte, durch die ich nicht unbedingt eine Verbesserung erwarte, weil dann eben auch noch Guerreiros Qualität ein Faktor ist.

Was zudem, wenn es ab 2023 zu einem Paradigmenwechsel in der Kette kommt?

Stand heute haben wir eine enorme Unsicherheit bezüglich der IV. Es kann sein, dass keiner der aktuellen IV 2023/24 noch im Kader stehen wird, angesichts der Vertragssituationen. Bei Akanji und Zagadou wird sich das bereits bis zu diesem Sommer klären, bei Hummels im Laufe der nächsten Saison. Mal angenommen, Hummels und Zagadou sind ab 2023 weg, aber Rose ist noch da: warum sollte man dann nicht die linke Seite der Kette so aufstellen, wie er es tatsächlich möchte? Dann wäre ein defensiver LV doch nicht wirklich das, was Rose will, sondern es würde ein Linienläufer verlangt werden, insbesondere falls Guerreiro seinen Vertrag nicht verlängern sollte - was daher auch als seperate Diskussion zu verstehen ist, welcher Typ LV in so einem Fall sinnvoller wäre - und damit in der Folge auch ein LIV, der hoch verteidigen kann, ohne allzu schnell in Probleme zu geraten, um die Lücke hinter sich wieder schließen zu können. Macht es dann Sinn auf eine Saison und den Bedarf eines Spielers abzustellen oder langfristig auf den Trainer und dessen Bedarf?

Wobei das sicher auch noch komplexer würde, wenn Zagadou doch noch verlängert, da er einen ähnlichen Bedarf hätte, wie auch Hummels. Mit diesem Bedarf erfüllt man meines Erachtens aber defensivtaktisch auch nicht unbedingt den Bedarf der Offensive, die es in meinen Augen im Pressing nicht so schlecht macht, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass das Pressing für viele noch höher stattfinden dürfte. Auch das hängt für mich aber wieder stark mit dem Ballbesitzspiel zusammen und den Positionen, die man bis zum Ballverlust einnimmt. Mir ist das Nachrückverhalten in der Hintermannschaft jedenfalls zu sehr darauf ausgelegt, dass wir im nächsten Moment vom Ballverlust ausgehen, was dann aber auch mitunter einer der Gründe ist, warum das Gegenpressing dann auch mal nicht greift und teils ist sogar der Ballverlust dadurch begünstigt, gerade wenn die AV nicht mitmachen (können).

Ich halte es daher defensiv für viel zu komplex im Moment, um eine sinnvolle Planung zu machen, durch die man langfristig eine Mannschaft hinstellt, die defensiv auf einen Nenner kommt. Im Zweifel würde ich die Probleme dahre für den Moment sogar eher ignorieren und dann lösen, wenn sich die Chance dazu ergibt. Darunter würde ich einen Hummels, Zagadou, Meunier oder Guerreiro Abgang verstehen, wobei nur einer davon aktuell für den nächsten Sommer wahrscheinlich wirkt.


Stabilisierung der Defensive durch Ballbesitzspiel ist ein zusätzlicher Punkt für mich. Diesen Ansatz sehe ich eher bei Trainern wie Guardiola oder Tuchel.
Unsere üblen Ballverluste sind für mich oft Folge eines schlechten Risiko-Managements der Spieler. Der ein oder andere Ball sollte einfach lang geklärt werden, anstatt die spielerische Lösung zu suchen. Das liegt für mich auch daran, dass einige Spieler eigentlich eher offensivere Positionen bekleiden oder vom Naturell her eher offensiv denken; also mehr Lösungen suchen und risikobereit sind.
Bei Spielern wie Hummels, Guerreiro, Brandt, Dahoud kann man davon ausgehen, dass sie bei einer 50/50-Entscheidung immer die spielerische Lösung suchen anstatt den Ball zu klären. Dazu kommen dann noch Aussetzer bei Spielern wie Can, wo einfach die Konzentration manchmal komplett fehlt.
Diese schweren Ballverluste hatte man bei einem Schmelzer zum Beispiel selten gesehen, obwohl er spielerisch viel limitierter war. Er kannte halt seine Limits, wusste was er zu tun hatte und spielte das konzentriert runter. Damit möchte ich mich nich für einen Spielertyp wie Schmelzer aussprechen. Mir geht es nur darum, dass schwere Ballverluste nicht nur aus spielerischen Limitierungen und mangels Anspielstationen erfolgen.



Klar, aber die spielerische Lösung in 50/50 Situationen wird eben auch dadurch vereinfacht, dass der Gegner nicht komplett draufgehen kann, ohne Gefahr zu laufen, dass es sich rächt. Wenn bei uns einzelne Spieler im defensiven Matchplan nahezu ignoriert werden können, selbst wenn sie nicht ballfern agieren (siehe bspw. Freiburg und die AV), dann sind es eigentlich schon gar keine 50/50 Situationen mehr und beim Ballverlust stellt sich nur noch die Frage, wo ihn der BVB will. Dabei halte ich es auch nicht für allzu klug, wenn man zu schnell versucht auf spielerische Lösungen zu verzichten, da das meines Erachtens Auswirkungen auf den Schwerpunkt der Mannschaft hat. Je mehr Ballverluste, desto mehr werden wir in der Regel in allen Mannschaftsteilen auseinandergezogen - Abwehr sinkt ab, Angriff versucht weiter hoch zu agieren und die Bälle über das Gegenpressing zurückzuholen und einen Vorteil aus dem Ballverlust zu kreieren - und desto höher wird der Aufwand gegen den Ball. Für mich beißt sich hier schlicht die Katze in den Schwanz, weil wir für diesen Kreislauf selbst verantwortlich sind. Daher würde ich ihn ungern verstärken, sondern lieber versuchen zu durchbrechen. Das mag dann von mir eine etwas trotzige Jetzt-erst-recht-Mentalität meinerseits sein, aber ich halte unsere Potenziale in der Beziehung leider für wesentlich größer als gegen den Ball. Insbesondere solange sich kollektivtaktisch keine einheitliche Linie in den Kader bringen lässt. Dafür reicht meines Erachtens ein einzelner Transfer nicht.

Wenn man zudem mal den Kader der Bayern mit dem des BVB vergleicht, so wüsste ich bspw. nicht, welcher Spieler auf seiner Position individuell-defensiv überlegen ist, abgesehen vielleicht von Müller gegenüber Reus und Davies gegenüber Guerreiro und Schulz. Kimmich ist defensiv in meinen Augen schlechter als Can und nicht viel besser als Dahoud. Bellingham muss sich nicht vor Goretzka und Tolisso verstecken. In der IV würde ich aktuell sogar Vorteile beim BVB sehen, wenn man sieht, was Hernandez und Upamecano teils an Aussetzern produzieren, solange man es rein individuell betrachtet. Ich glaube jedenfalls nicht, dass unser Abstand am individuell-defensiven Ende ansatzweise so groß ist, wie es die Gegentore aktuell ausdrücken. Der Kader folgt aber einem klaren Defensivkonzept, das Nagelsmann nochmal leicht verfeinert hat, indem er etwas zurückgezogener verteidigen lässt als Flick. Der Hauptunterschied besteht meines Erachtens aber am Ball. Die Bayern suchen auch spielerische Lösungen, wahrscheinlich eher mehr als der BVB. Sie finden sie aber auch häufiger und damit kollabiert der Gegner deutlich häufiger als man selbst, wenn man die Lösung mal nicht findet. Und sie sorgen eben auch für mehr 50/50 Situationen, weil quasi jeder Spieler individuelle Lösungen finden kann. Fallen beim BVB dafür Spieler weg, sind es zu schnell 25/75 Situationen, für diejenigen, die solche Situationen lösen können, wollen und dann auch oft müssen, weil der Fokus des Gegners auf solche Duelle gelegt werden kann.


Unter Rose sehe ich dann auch weniger, dass wir uns kontrolliert hinten rausspielen wollen. Der Ball soll schnell nach vorne und dort behauptet werden. Ein exzellentes Gegenpressing hilft da sicherlich.
Mit hoher Intensität und starkem Pressing wäre dann ein Einschnüren des Gegners und eine stabile Defensive möglich.
Ich denke aber, der Kader bietet dafür kaum Möglichkeiten. Wenn alle fit sind, mag da eventuell was möglich sein. Dass das aber für verschiedene Grundordnungen und bei Ausfällen aufrecht erhalten werden kann, kann ich mir nicht vorstellen.



Wie oben schon beschrieben, wäre ich nicht sicher, ob bspw. ein defensiver LV ausreichend helfen würde, um im Gegenpressing für Verbesserungen zu sorgen. Er würde es besser absichern und den 6er freigeben, dafür aber das Gegenpressing ausschließlich auf das Zentrum fokussieren. Schnelle Verlagerungen und Überlagerungen des Gegners auf die Außenbahn dürften dann aber beim BVB schwer zu kontern sein und dürften für ähnliche Probleme sorgen, wie im Moment. Entweder der LV agiert dann hoch und hilft dem Pressing oder er sichert ab, aber beides wird selten vereinbar sein, sodass man mindestens ein Problem offen lässt. Somit würde ich mir wohl eher nur einen temporären Effekt ausrechnen, während die eigene Spielentwicklung noch eindimensionaler gerät. Woran liegt es zudem, dass wir so vertikal unterwegs sind? An den Optionen oder am Interesse, dass man gerne so eindimensional sein möchte? Oder müssen wir Roses Können in Frage stellen, womit man aber eben auch sehr schnell die T-Frage stellen müsste?


Ich verstehe irgendwie nicht, wie Rose durch eine Priorität auf Spielstärke defensiv so sehr geholfen sein würde. Wie sollte Rose dann seine gewünschte Intensität und das Pressing auf den Platz bekommen?
Das würde ich, wie gesagt, nur bei einem Ansatz alla Guardiola für möglich halten.



Gegenfrage: warum schließen sich spielerische Qualität und Intensität in der Gegenbewegung immer aus? Das ist doch bei anderen Teams auch nicht der Fall. Auch bei Teams, mit weniger Geld wird das selten so binär gesehen, wie bei uns. Beweist nicht ein Bellingham aktuell, dass man das auch verbinden kann?


Übrigens, bin ich auch nicht komplett davon überzeugt, dass Roses Spielidee mit mehr defensivstarken Spielern wie gewünscht aufgehen würde. Aber ich bin davon überzeugt, dass Rose mehr Spieler dieser Art benötigt, um ihn überhaupt komplett bewerten zu können.



Ja, da bin ich gar nicht so weit weg von dir, außer eben in dem Punkt, wie diese Spieler auszusehen haben, insbesondere eben bezüglich des LV Vorschlags, da ich nicht sehe, wie ein defensiver LV mit Roses systematischen Bedarf eines Linienläufers gut vereinbar sein soll. Da reden wir dann sehr schnell von Spielern, die wir, analog zu Bellingham, selber formen müssen und höchstem Talentregal. Wobei trotz allem die Absicherung des LIV und die Genehmigung offensiver Freiheiten, um als Linienläufer wirken zu können, immer eine Gratwanderung bedarf, selbst bei höchster Qualität und Dynamik. Bekommt man diese nicht, würde ich eher sogar von einem Widerspruch reden, weil sich das dann nicht in Personalunion vereinen lässt. Ein qualitativ auf die defensive beschränkter LV würde dann schnell Konsequenzen nach sich ziehen, indem bspw. eine Asymmetrie ins Spiel muss, durch die der LA oder LZM zum Breitengeber werden was transferpolitisch zusätzlichen Handlungsbedarf bedeutet, weil man eigentlich beides nicht im Kader darstellen kann. Man hat keinen breitengebenden LA und schon gar keinen LZM - am ehesten wahrscheinlich noch Guerreiro, der die Breite im Angriffsdrittel aber nicht hält. Entscheidet man sich für einen LA als Breitengeber, würde man vorne um einen Abschlussspieler reduzieren und hätte meines Erachtens daher vor allem Bedarf für einen Kreativspieler. Das hätte dann desweiteren zur Folge, dass man mit Haland, Malen und Moukoko etwas überbesetzt ist im Zentrum und Adeyemi als zusätzlicher Spieler wenig Sinn macht, weil sowohl er als auch Malen gerne aus dem linken Halbfeld operieren und nicht so besonders aus dem rechten Halbfeld, wo der zweite Platz für den Abschlussspieler neben Haland wäre. Im Grunde würde ein Adeyemi Zugang daher den LA als Breitengeber schon ausschließen, wenn man zusätzlich den LV defensiver ausrichtet. Holt und nutzt man einen LZM als Breitengeber - der bei einem Szenario mit defensiver LV und Adeyemi Verpflichtung notwendig und damit mehr ein Folgetransfer als Bedarf wäre -, die es auch nicht, wie Sand am Meer gibt, verschiebt man wieder das Mittelfeld und es könnte auch durchaus passieren, dass der Plan von Rose, um massiert zentral vor dem gegnerischen Strafraum zu (gegen-)pressen, dadurch wieder ein Stück weit korrumpiert wird, weil der Weg für diesen Spieler weit wird.


Ansonsten wäre es, so als bewerte man Tuchel bei uns nur anhand seiner zweiten Saison, wo für Gündogan und Mkhitaryan der Ersatz fehlte, um das Zentrum zu kontrollieren. Da ist Tuchel dann von seiner Spielidee sogar abgerückt (bei Tuchel wäre ich auch ganz bei dir gewesen, dass sich spielerisch etwas hätte tun müssen).

Priorität sollte in der Tranferpoltik haben, dass der Trainer seine Spielidee erfolgreich umsetzen kann. Rose hat viel von Intensität und Pressing geredet und man sieht auch auf dem Platz, dass davon viel kommt. Aber die individuelle Umsetzung ist nicht gut. Mangelnde Trainingszeit ist da sicher auch ein Grund. Aber viele Spieler haben nun schon unter einigen Trainern gezeigt, dass sie in diesen Punkten nicht gut sind. Also, meiner Meinung nach, fehlt es im Kader an individueller Qualität für einen auf Intensität und Pressing ausgerichteten Spielstil.


Wenn ihr diese Qualität fehlt, warum dann darauf ausrichten?

Ich meine keinen LV, der hinten bleibt. Dann wäre es quasi eine Dreierkette im Ballbesitz. Würde gehen, wenn wir rechts dann einen entsprechend offensiven RV hätten, haben wir aber eher nicht.
Wenn der LV sich taktisch und gegen den Ball wie Schmelzer oder Piszczek bewegen würde, wäre das schon ein enormer Gewinn gegenüber Schulz und Guerreiro.



Sorry, aber ich verstehe dann überhaupt nicht, was du dann eigentlich genau willst, weil Schmelzer von damals für mich heute nicht mehr funktioniert.

Zwischen Schmelzer und Piszczek gitb es zudem himmelweite Unterschiede und gerade Schmelzer hat zum Ende seiner Prime genug Probleme gehabt, sodass diese nicht umsonst schon vor 5,5 Jahren dazu führten, dass man Guerreiro holte, um Schmelzer abzulösen. Generell sollte man meines Erachtens nicht überschätzen, wie gut Schmelzer wirklich war und wie welche Dinge von damals im heutigen Teamkontext noch funktionieren. Gerade im 1gg1 war Schmelzer nie besonders gut und das Doppeln mit Großkreutz konnte man sich irgendwann nicht mehr leisten, weil sich das Spiel auf den AV stark veränderte. Dazu hat man eben keinen Piszczek mehr, sondern Meunier auf der Gegenseite, was meines Erachtens umso mehr für einen offensivstarken AV spräche, womit man im grundsätzlichen Konflikt ist, inwiefern man auf Hummels und dann doch wieder auf Meunier abstellt, um sie jeweils auszubalancieren. Beides gleichzeitig klingt mir wie die Suche nach einem Einhorn, weil es dann schnell um Kaliber a la Davies oder mehr geht. Deshalb verstehe ich nicht, was für (Defensiv-)Qualitäten dir eigentlich wie wichtig sind und wie du diese im Rose System implementieren willst. Kannst du mal einen aktuell auf dem Transfermarkt verfügbaren Spieler nennen und dann explizit erklären, was genau du von ihm erwartest, wenn es dir nicht um einen defensiven LV im Sinne eines absichernden, sich auf den Aufbau beschränkenden Spieler meinst? Ich glaube sonst ist die Diskussion wenig zielführend, weil du sehr viel konkreter mit deinem Wunschprofil werden müsstest.


Gefährliche Ballverluste kann man durch Spieler wie Witsel reduzieren. Aber auch durch Spieler wie Schmelzer, die eben den Ball nach vorne schlagen anstatt die Risiko-behaftete spielerische Lösung zu suchen.
Also unabhängig davon, was ein Spieler technisch/spielerisch drauf hat, müssen diese gefährlichen Ballverluste nicht sein. Man muss eben darauf schauen, wie sehr die Spieler zu schweren Fehlern neigen.
Die Aussetzer von Brandt und Can waren uns beispielsweise bekannt. Das wird dann eben zu Gegentoren führen, wenn diese regelmäßig in defensiven Bereichen an den Ball kommen.

Schwächen im Technisch/Spielerischen müssen also überhaupt nicht zu schweren Ballverlusten führen. Aber natürlich sehr wohl zu Ballverlusten, weil beispielsweise die Bälle öfter geklärt werden. Man ist dann öfters in der Verteidigung, was wiederum mehr Gegentore bedeuten kann.



Die Sache ist nur die: ich denke wir reizen das Thema eigentlich schon ziemlich aus. Wir schlagen schon viele Bälle lang, um dem gegnerischen Pressing bzw. Pressingfallen zu entgehen - schon letzte Saison. Im Resultat gab es dann aber bspw. Spiele, wie gegen Ajax, in denen das Rebounds waren, durch die die Mannschaft sich immer tiefer hat hinten reinfallen lassen, weil weder das Ballhalten und Nachrücken noch das Gegenpressing funktionierte. Solange das nicht mit einer Idee und einem Kaderfit einhergeht, durch den absehbar wird, wie man das verhindern will, ist eine weitere Verstärkung dieser Maßnahmen für mich nicht sinnvoll, zumal das eh schon Plan B ist. Plan C gibt es dazu nicht, weswegen es für mich auch wenig Sinn macht Plan B zu verstärken, sondern Plan A zu fördern. Die AV sind dafür meines Erachtens auch auf beiden Seiten geeignete Kandidaten. RV aber noch mehr als LV. Zumal das auch Plan B unterstützt, falls man doch weiter in der Häufigkeit darauf zurückgreifen muss, da auch bei Plan B die Passgenauigkeit ein großer Faktor ist. So nutzt bspw. Guardiola schon Ederson aus dem Tor heraus für Gegenpressingfallen, weil der sehr präzise lange Bälle spielen kann.


Andererseits haben beispielsweise Mainz und Freiburg 9 bzw. 10 Gegentore weniger als wir kassiert, obwohl sie nur 45 % bzw. 47 % Ballbesitz haben.



Das ist meines Erachtens ein sehr dünner Vergleich. Ja, Mainz und Freiburg verbringen viel mehr Zeit gegen den Ball, aber von ihnen erwartet auch niemand, dass sie das Spiel machen. Wenn sie es unterlassen und nur Unentschieden spielen, gibt es dort keinerlei Stress, solange man sich im Gesamten im Bereich des Erwartungswerts oder besser performt. Das sind gänzlich andere Voraussetzungen in der Herangehensweise für das Spiel mit und gegen den Ball. Wenn Mainz und Freiburg es sich tief in der eigenen Hälfte gemütlich machen und den Gegner anrennen lassen, dann ist es kein Drama, wenn er es nicht macht und ihnen nicht in die Falle läuft. Macht der BVB das, wie letzte Saison bspw. unter Favre, hat man immer noch weit über 50% Ballbesitz, weil der Gegner sich nicht in die Falle locken lässt, indem er sich der Falle sehr viel stärker bewusst ist, sondern risikoavers agiert, indem 90% den BVB dazu auffordern das Spiel zu machen, weil er gewinnen muss. Der BVB kann sich keine Passivität leisten, Mainz und Freiburg schon und daher ist es schwer die Intensität konstant zu verlangen, um zu vielen langen, befreienden Bällen hinterherzujagen. Passivität bzw. eher Pausen sollte es beim BVB eher mit Ball geben können, mit dem Ziel, dass der Gegner sich dabei müde läuft. Das schaffen wir meines Erachtens aber schon länger nicht mehr auf hohem Niveau.

Davon ab, sollte man auch mal schauen, was für eine defensive Intensität Mainz und Freiburg im Vergleich zum BVB bieten. Der BVB hat in der Hinrunde knapp 609 Minuten gegen den Ball agiert, Freiburg 806 und Mainz 835. Schaut man dann mal, wie aktiv diese Teams gegen den Ball waren, während sie ihn nicht hatten, sieht es so aus, dass der BVB pro 90 Minuten gegen den Ball 47,2 Tackles machte, von denen 31,8 erfolgreich waren (67,4%). Bei Freiburg sind es 18,3/32,3 (56,7%) und bei Mainz 23,3/36,7 (60,2%). Beim Pressing verhält es sich genauso. Der BVB hatte je 90 Minuten gegen den Ball 373,5 Pressingaktionen, von denen 131,1 erfolgreich waren (35,1%). Freiburg kommt auf 79,1/263,3 (30,1%) und Mainz auf 96,0/300,7 (31,9%). In den Pressingzonen gibt es dabei kaum Unterschiede, aber Freiburg versuchen viel mehr Zweikämpfe im eigenen Abwehrdrittel zu führen. Bei Freiburg sind es 50,9% aller Zweikämpfe, Mainz sind es 47,6% und beim BVB nur 40,4%. Das geht nahezu komplett zu Lasten von Zweikämpfen im Mittelfeld.

Sprich: Freiburg und Mainz verteidigen deutlich tiefer, zumindest wenn das Pressing scheitert, sie verteidigen trotzdem in der Zeit, in der sie gegen den Ball agieren, mit deutlich weniger Aktivität (18-32%) als der BVB und haben dabei dennoch weniger erfolgreiche Defensivaktionen. Das gilt auch für weitere Defensivaktionen, wie Blocks (16-26% weniger als der BVB) und Interceptions (10-14% weniger als der BVB) pro 90 Minuten gegen den Ball. Mainz haut den Ball dabei sogar seltener hinten raus als der BVB, wobei das dann auch nur Aktionen zur Ballrückeroberung betrifft und keine von dir geschilderten Situationen im Aufbau. Wenn man so will, können Freiburg und Mainz daher gegen den Ball eh schon eine vergleichsweise ruhige Kugel schieben und es kommt letztendlich auch gar nicht so sehr auf Qualität in der Defensivarbeit an, sondern vor allem darauf, welche Bälle erobert und welche Abschlüsse zugelassen werden. Auch die Intensität spielt meines Erachtens nicht die große Rolle, die hier immer wieder verbreitet wird. Es geht daher viel mehr um ein umsetzbares Gesamtkonzept, das für mich aber nicht auf das Defensivkonzept und eine einzelne Positionen beschränkt ist. Alles muss zusammen passen und ich sehe in Summe gar nicht mal mehr so viel mehr Potenzial in der Defensive, weil man bereits gute Werte auflegt.

Sobald aber Lücken aufgehen, ist ein an sich gut funktionierendes Konzept aber schnell am kollabieren, was nun mal auch das Risiko einer hohen Abwehr ist, die nicht dafür optimiert ist. Daher sind einzelne Situationen für uns auch so tödlich, obwohl es nicht die Mehrheit aller Aktionen ist. Diese einzelnen Situationen werden für mich aber zu sehr auf ein defensivschwaches Kollektiv umgelegt, obwohl das Gegenteil der Fall ist. Für mich geht es daher defensiv primär um das Verhindern dieser einzelnen Situationen, was überwiegend schon im eigenen Ballbesitz beginnt, weil man die Bälle bei schlechter Staffelung hergibt, in Räume spielt, in denen sie nichts zu suchen haben oder ganz generell Passqualitäten fehlen.


Ich denke daher nicht, dass wir über das Spielerische das meiste Potenzial zur Stabilisierung der Defensive haben.
Das Spielerische steht für mich unter Rose zu sehr großem Anteil zur Generierung von Torchancen im Vordergrund. Für die Defensive sehe ich andere Hebel.

Den Kader der Bayern sehe ich deutlich besser aufgestellt, was die Möglichkeiten für die Defensive betrifft.
Es sind viel mehr Spieler im Kader, die ihre Rollen auch defensiv ausfüllen können. Wir können da vereinzelt mithalten; es bleiben aber Problemzonen.
Hinten links können wir nur über die Dreierkette lösen. Die Bayern machen das im Prinzip auch so, in dem sie oft mit Dreierkette aufbauen. Ansonsten hätten sie aber auch noch Hernandez für diese Position.
Bezüglich IVs sind sie auch deutlich besser in der Breite aufgestellt.
Im Mittelfeld gibt's Goretzka, Tolisso, Kimmich, Sabitzer. Da geht defensiv und in der Abstimmung mehr als bei uns, finde ich. Bei Goretzka sehe ich übrigens den großen Vorteil gegenüber Bellingham, dass er wesentlich besser unterstützt. Bellingham ist für mich eher der Einzelkämpfer, ohne Auge für die Gesamtsituation. Uns würde ein Goretzka, der öfter für andere rettet, durchaus gut tun.

Vorne halte ich Lewandowski für wesentlich klüger bezüglich der Laufwege als Haaland. Lewandowski kann die gegnerischen Angriff viel besser leiten. Müller gefällt mir auch sehr gut gegen den Ball. Gnabry finde ich gut.



Siehe Statistik Thread - leider war das Zahlenwerk doch noch nicht die gesamte Hinrunde, da der Datensatz erst einen Tag später nachgetragen wurde, wodurch das Hertha Spiel darin fehlt. Wir sind allgemein auf dem Niveau der Bayern, was die Defensivarbeit betrifft. Uns kosten allerdings einzelne Aktionen sehr viel häufiger den Kopf als die Bayern. Überschätz die Bayern daher bitte defensiv nicht. Sie kontrollieren das Spiel nicht darüber.


Der Kader der Bayern bietet daher viel mehr Möglichkeiten gegen den Ball, meiner Meinung nach. Unser könnte dann in der Spitze mithalten, wenn wir fast alles gegen den Ball aufbieten und auf Dreierkette setzen. Aber dann greift bestimmt nicht alles ineinander. Taktisch und personell werden wir dann nur wenig variieren können, ohne defensiv abzubauen.
Nagelsmann hat diese taktischen Möglichkeiten genutzt, um eine homogene Mannschaft aufs Feld zu schicken.

Bezüglich der Gegentore muss man auch schauen, was allein die Dreierkette im Aufbau bei den Bayern ausmachen könnte. Man denke an unsere Rückrunde 15/16. Da hatte Tuchel ähnliches bei uns gemacht und wir kassierten nur 11 Gegentore. In der Hinrunde waren es 23 mit zwei IVs im Aufbau und zwei offensiven AVs.
Aber auch hier geht es wieder um die Spielphilosophie. Rose lässt anders als Nagelsmann spielen. Ich denke daher, ein Vergleich mit Liverpool wäre passender. Kann unser Kader gegen den Ball annähernd mithalten? Wie weit sind wir technisch/spielerisch von Liverpool entfernt?


Wir stellen doch regelmäßig eine 3er Kette im Aufbau her. Bei uns geht dafür dann meist der 6er tief in die Kette, sodass Akanji den Pavard gibt. Das ist daher nicht der ganze Zauber, da es damit oft meines Erachtens sogar noch schlimmer wird, indem man Meunier und zuletzt eben häufiger Schulz in Zonen schiebt, in denen sie eigentlich das Spiel verbinden können müssen. Das können sie aber nicht, also geht der Ball durch das Zentrum, was berechenbar ist und sich daher kaum noch das Pass-Klatsch, wie Rose es will, etablieren lässt, das aber der einzig regelmäßige Weg bei Formierung der 3er Kette ist, um gezielt durch die Linien zu spielen. Ansonsten versucht man es direkt auf Haland oder über lange Verlagerungen, die aber zuletzt auch seltener wurden, weil nun mal die AV keine guten Schienen sind. Formieren wir eine 3er Kette, haben wir eben nicht Kimmich, als Ballverteiler und oft auch starke Unterzahl, weil Reus auch nochmal weniger als Spielverbinder wirkt als Goretzka ist, wodurch eigentlich nur Bellingham oder zuletzt Dahoud dann das Mittelfeld schmeißen.

Da sie allein nicht aufbauen können, schieben sie tendenziell auch noch hoch, um im Pass-Klatsch eine Anspielstation zum ablegen zu bieten, weswegen die Bälle durch die Linien umso riskanter werden, weil dadurch automatisch vor der Kette ein Loch aufgeht, in dem sich viele Gegner zahlreich befinden. Oft ist es auch so, dass sie sich darin sehr bewusst positionieren, um die Pässe durch die Linien zu erschweren, dafür dann 8 und 10 frei lassen, teils sogar mit etwas Platz zum Aufdrehen - teils sind das aber auch Pressingfallen, bei denen dann Stürmer und ZM aus der Blindside anlaufen -, um dort dann eine schnelle und sichere Anspielstation nach Balleroberung zu haben. Schließlich müssen sie dafür allesamt keine Überzahl aufgeben. Brandt hat in den letzten Wochen auch sehr häufig den Sane/Musiala gegeben, nur eben mit seiner Spielweise. Daher sollte man das meines Erachtens schon auch ehrlich im Ballbesitz vergleichen und dann sagen, was dahingehend fehlt, da das teils nicht mal so weit voneinander weg ist, wäre die individuelle Besetzung nicht! Dabei ist für mich, wie schon geschrieben, aber im Ballbesitz deutlich mehr Unterschied, im Vergleich zur Arbeit gegen den Ball.

Liverpool ist dann vielleicht näher an dem, was Rose spielen lassen will, aber davon sind wir meines Erachtens im Moment sehr weit weg, da wir in quasi allen Mannschaftsteilen ganz anders besetzt sind und nicht ansatzweise diese Balance im Kader haben.

Wir sind einfach zu weit auseinander. Wenn Du meinst, dass individuell defensiv stärkere Spieler nichts bringen, um die Defensive zu stabilisieren (außer sie verbessern ebenso unser Ballbesitzspiel), haben wir keinen Ansatzpunkt, um über die Transferpolitik zu diskutieren.
Die Diskussion wäre für mich nur, wie viel man Richtung Defensivverhalten investieren müsste. Wobei die Balance letztendlich Rose herstellen muss und es nur um Möglichkeiten geht, die man ihm an die Hand geben sollte.
BVB - Transferpolitik |#16792
23.12.2021 - 19:21 Uhr
Zitat von mba123
Zitat von BVBBC

Zitat von mba123

Zitat von BVBBC

Zitat von mba123

Zitat von BVBBC

Zitat von mba123

Vorne fehlt es mir auch an Qualität gegen den Ball. Dabei möchte Rose ein aggressives Pressing spielen. Er zeigt dabei auch keine so guten Pressingstrukturen wie Pep, bei dem erst der Ball hin und her geschoben wird, bis jeder in Position gelaufen ist. Auch sind die Spieler bei Pep ausgeruhter, da der eigene Aufwand durch das Ballbesitzspiel geringer ist. So können sie mit voller Intensität pressen.



Ich halte diesen Absatz für einen Trugschluss. Warum ist Guardiola denn in der Lage dazu? Das liegt doch hauptsächlich daran, dass die Strukturen im Ballbesitz bereits viel besser sind und daher die Positionen zum Gegner im Zweifel auch schneller einzunehmen sind, sobald es in die Gegenbewegung geht. Das alles an Rose festzumachen, ist für mich schwierig, angesichts dessen, wer in den letzten Jahren alles daran gescheitert ist, solche oder ähnliche Strukturen zu etablieren. Selbst Tuchel ist das in Saison 2, als es mit der Problematik, quasi ununterbrochen losging, bis auf Teile der ersten Hinrunde unter Favre, nicht mehr gelungen.

Wenn man sich dann zudem ansieht, was man für Defensivwerte auflegt, mit welcher Intensität man gegen den Ball unterwegs ist, dann finde ich es nahezu absurd, dass man noch mehr Defensivqualität als primäre Lösung sieht. Ich hatte die Zahlen dazu schon im Statistikthread veröffentlicht, aber ich denke nicht, dass man im Mittel defensiv noch viel besser wird, sobald es gegen den Ball geht. Es gilt meines Erachtens nur deutlich weniger gegen den Ball zu agieren und Fehler in gefährlichen Zonen zu unterbinden. Also schon früh im Aufbau und in der Spielverbindung.

Beleuchtet man dahingehend AV und Mittelfeld, dann ist lediglich Bellingham meines Erachtens eine in dieser Saison verlässlich gute bis sehr gute Komponente. Guerreiro war diese Saison noch nie bei 100%, ließe sich ansonsten aber auch, mit der Einschränkung, dass er kein Breitengeber ist, wie ihn Rose sicher gerne auf LV hätte, in der Beziehung positiv heranführen. Der Rest ist durchschnittlich oder sogar nicht mal das, wobei Reyna und Brandt hier noch ausgeklammert sind, da Reyna früh ausfiel und Brandt quasi nie im Zentrum gespielt hat und auf den tiefen Positionen auch nicht sicher genug in seinen Aktionen ist - also im Aufbau auch nicht gut ist.

Das kann auch die IV nicht im Aufbau kompensieren meines Erachtens, die im Aufbau maximale Qualität besitzt, in der Spielverbindung aber quasi kein Faktor sein kann, weil ihr dadurch die Anspielstationen fehlen. Fehlen die Anspielstationen, werden Fehler früh im Ballbesitz maximiert. Das ist meines Erachtens daher das Problem, welches transferpolitische Priorität haben muss. Für mich ist jedenfalls das Hauptproblem des Kaders, dass er darauf ausgelegt ist viel und mit hoher Intensität verteidigen zu müssen. Die Steigerungsmöglichkeiten sehe ich nicht mehr ohne weitere Einbußen im Ballbesitz möglich, sodass ich befürchten würde, dass man sich defensiv nicht verbessert, weil die Steigerung dann sowieso nötig wird. Offensiv würde man damit aber ohne Kompensation verlieren, weil es in der Beziehung keinen Qualitätsgewinn zu erwarten gilt.

Ich verstehe deinen Punkt nicht ganz.
Du kritisierst doch selber häufig das Verhalten gegen den Ball von Hummels, Guerreiro, Witsel, Dahoud, auch Can, etc.?
Also sollte es hier doch viel Potenzial geben?



Klar, es gibt viel Potenzial, aber was ist unser größtes Manko und was sollte daher Priorität genießen? Ist es schließlich so, dass wir 90 Minuten oder auch nur die meiste Zeit eines Spiels schlecht verteidigen oder sind es in einem normalen Spiel eher 3-4 Situationen, die wirklich kritisch sind? Das mögen dann gegen die Bayern mehr sein, gegen manch andere Teams auch weniger, aber im Großen und Ganzen stimmen bei uns defensiv doch Einsatz und Intensität in der Rückwärtsbewegung und die Mannschaft legt insgesamt auch sehr gute Werte auf. Das heißt für mich dann auch, dass es individuell und situativ oft Potenzial gibt, aber ich wäre nicht zuversichtlich, dass das mit 1-2 Transfers abgehakt werden kann.

Denn das Hauptproblem bleibt für mich letztendlich, dass die Mannschaft defensivtaktisch nicht auf einem Nenner ist und auch nur schwer auf einen Nenner zu bringen ist. Ein neuer LV, der Hummels Seite abdichtet, löst das Problem dann meines Erachtens auch nicht unbedingt, selbst wenn das dann bspw. für den 6er Kapazitäten im Vorwärtsverteidigen auslöst, sodass damit bspw. das Pressing gestärkt werden kann. Das hätte also durchaus 2 potenziell positive Effekte auf unsere Defensive, weil Hummels Absicherung idealtypischer wäre und gleichzeitig Kapazitäten im Pressing frei werden könnten. Ich sehe darin aber auch genauso 2 potenziell negative Effekte. Einerseits ist der LV im Rose System als Breitengeber zu relevant, muss hier Druck nach vorne entfachen, da ansonsten die linke Seite nicht gut besetzt bleiben wird und zu befürchten ist, dass unser Spiel vor allem über rechts geht oder im Zentrum die Räume zu stark verdichtet sind, um dort durchspielen zu können, was dann eben auch technisch schon nochmal mehr verlangt, als bspw. Can gerade von der 6 einbringt. Insbesondere dann, wenn der 6er höher agieren soll/muss, weil er ja nicht mehr als Absicherung benötigt wird. Die Freiheit nach vorne, hat der LV dafür dann eben nicht mehr, wodurch er eben auch in der Pressingbewegung meines Erachtens nicht großartig nutzbar ist, da Pressing und Absicherung zu konträre Aufgaben darstellen, insbesondere für einen Spieler auf der Außenbahn, der ins Zentrum absichern muss und dadurch eh schnell weite Wege hat. Andererseits ist damit ja nicht gesagt, dass der Schwerpunkt der Kette mit nach vorne wandert, um in der Gegenbewegung die Abstände kompakt zu halten. Ein defensiver LV, der primär für die Absicherung von Hummels verantwortlich ist, dürfte schließlich trotz allem sehr daran interessiert sein, dass er nicht im Pressing mitmacht. Daher dürfte die Seite tendenziell immer noch tief geraten und die rechte Seite wird sich anpassen müssen.

Wie viele dieser Situationen sind aber allein schon dadurch von uns erschwert, dass wir uns selbst zu oft in die Position bringen, in der die Endverteidung bzw. Restverteidigung alles ist, was noch da ist, weil die Bälle doof und ungesichert verloren werden? Wie oft kommt es schließlich vor, dass wir noch gar nicht alle im Ballbesitzformation gebracht haben und der Ball ist schon wieder weg, wodurch auch die Positionen für die Gegenbewegung automatisch schlechter sind als nötig? Genau hierin erwarte ich defensiv im Augenblick den größten Hebel! Würde man einen defensiven AV hinzufügen, dadurch die Breite im Spiel nicht verbessern, geschweige denn die Vorwärtsbewegung, da ich jetzt mal davon ausgehen würde, dass wir auf der 6 nicht spielstärker werden, vom 6er aber mehr spielerische Qualitäten mit dieser Maßnahme verlangen, um offensiver einzugreifen, als bisher, dann stünde zu befürchten, dass sich solche Ballverluste weiter häufen, weil die Anspielstationen nach vorne nicht mehr werden. Ein defensiv passender LV hätte für mich neben Hummels jedenfalls keinerlei Freiheiten nach vorne und wäre daher auch keine sinnvolle Option im Ballvortrag.

Somit würde ich bspw. befürchten, dass ein defensiver LV neben Hummels zwar in der Endverteidigung einen positiven Effekt hätte, im Ballbesitz als auch im Pressing aber zu gemischten Resultaten führen könnte, durch die ich nicht unbedingt eine Verbesserung erwarte, weil dann eben auch noch Guerreiros Qualität ein Faktor ist.

Was zudem, wenn es ab 2023 zu einem Paradigmenwechsel in der Kette kommt?

Stand heute haben wir eine enorme Unsicherheit bezüglich der IV. Es kann sein, dass keiner der aktuellen IV 2023/24 noch im Kader stehen wird, angesichts der Vertragssituationen. Bei Akanji und Zagadou wird sich das bereits bis zu diesem Sommer klären, bei Hummels im Laufe der nächsten Saison. Mal angenommen, Hummels und Zagadou sind ab 2023 weg, aber Rose ist noch da: warum sollte man dann nicht die linke Seite der Kette so aufstellen, wie er es tatsächlich möchte? Dann wäre ein defensiver LV doch nicht wirklich das, was Rose will, sondern es würde ein Linienläufer verlangt werden, insbesondere falls Guerreiro seinen Vertrag nicht verlängern sollte - was daher auch als seperate Diskussion zu verstehen ist, welcher Typ LV in so einem Fall sinnvoller wäre - und damit in der Folge auch ein LIV, der hoch verteidigen kann, ohne allzu schnell in Probleme zu geraten, um die Lücke hinter sich wieder schließen zu können. Macht es dann Sinn auf eine Saison und den Bedarf eines Spielers abzustellen oder langfristig auf den Trainer und dessen Bedarf?

Wobei das sicher auch noch komplexer würde, wenn Zagadou doch noch verlängert, da er einen ähnlichen Bedarf hätte, wie auch Hummels. Mit diesem Bedarf erfüllt man meines Erachtens aber defensivtaktisch auch nicht unbedingt den Bedarf der Offensive, die es in meinen Augen im Pressing nicht so schlecht macht, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass das Pressing für viele noch höher stattfinden dürfte. Auch das hängt für mich aber wieder stark mit dem Ballbesitzspiel zusammen und den Positionen, die man bis zum Ballverlust einnimmt. Mir ist das Nachrückverhalten in der Hintermannschaft jedenfalls zu sehr darauf ausgelegt, dass wir im nächsten Moment vom Ballverlust ausgehen, was dann aber auch mitunter einer der Gründe ist, warum das Gegenpressing dann auch mal nicht greift und teils ist sogar der Ballverlust dadurch begünstigt, gerade wenn die AV nicht mitmachen (können).

Ich halte es daher defensiv für viel zu komplex im Moment, um eine sinnvolle Planung zu machen, durch die man langfristig eine Mannschaft hinstellt, die defensiv auf einen Nenner kommt. Im Zweifel würde ich die Probleme dahre für den Moment sogar eher ignorieren und dann lösen, wenn sich die Chance dazu ergibt. Darunter würde ich einen Hummels, Zagadou, Meunier oder Guerreiro Abgang verstehen, wobei nur einer davon aktuell für den nächsten Sommer wahrscheinlich wirkt.


Stabilisierung der Defensive durch Ballbesitzspiel ist ein zusätzlicher Punkt für mich. Diesen Ansatz sehe ich eher bei Trainern wie Guardiola oder Tuchel.
Unsere üblen Ballverluste sind für mich oft Folge eines schlechten Risiko-Managements der Spieler. Der ein oder andere Ball sollte einfach lang geklärt werden, anstatt die spielerische Lösung zu suchen. Das liegt für mich auch daran, dass einige Spieler eigentlich eher offensivere Positionen bekleiden oder vom Naturell her eher offensiv denken; also mehr Lösungen suchen und risikobereit sind.
Bei Spielern wie Hummels, Guerreiro, Brandt, Dahoud kann man davon ausgehen, dass sie bei einer 50/50-Entscheidung immer die spielerische Lösung suchen anstatt den Ball zu klären. Dazu kommen dann noch Aussetzer bei Spielern wie Can, wo einfach die Konzentration manchmal komplett fehlt.
Diese schweren Ballverluste hatte man bei einem Schmelzer zum Beispiel selten gesehen, obwohl er spielerisch viel limitierter war. Er kannte halt seine Limits, wusste was er zu tun hatte und spielte das konzentriert runter. Damit möchte ich mich nich für einen Spielertyp wie Schmelzer aussprechen. Mir geht es nur darum, dass schwere Ballverluste nicht nur aus spielerischen Limitierungen und mangels Anspielstationen erfolgen.



Klar, aber die spielerische Lösung in 50/50 Situationen wird eben auch dadurch vereinfacht, dass der Gegner nicht komplett draufgehen kann, ohne Gefahr zu laufen, dass es sich rächt. Wenn bei uns einzelne Spieler im defensiven Matchplan nahezu ignoriert werden können, selbst wenn sie nicht ballfern agieren (siehe bspw. Freiburg und die AV), dann sind es eigentlich schon gar keine 50/50 Situationen mehr und beim Ballverlust stellt sich nur noch die Frage, wo ihn der BVB will. Dabei halte ich es auch nicht für allzu klug, wenn man zu schnell versucht auf spielerische Lösungen zu verzichten, da das meines Erachtens Auswirkungen auf den Schwerpunkt der Mannschaft hat. Je mehr Ballverluste, desto mehr werden wir in der Regel in allen Mannschaftsteilen auseinandergezogen - Abwehr sinkt ab, Angriff versucht weiter hoch zu agieren und die Bälle über das Gegenpressing zurückzuholen und einen Vorteil aus dem Ballverlust zu kreieren - und desto höher wird der Aufwand gegen den Ball. Für mich beißt sich hier schlicht die Katze in den Schwanz, weil wir für diesen Kreislauf selbst verantwortlich sind. Daher würde ich ihn ungern verstärken, sondern lieber versuchen zu durchbrechen. Das mag dann von mir eine etwas trotzige Jetzt-erst-recht-Mentalität meinerseits sein, aber ich halte unsere Potenziale in der Beziehung leider für wesentlich größer als gegen den Ball. Insbesondere solange sich kollektivtaktisch keine einheitliche Linie in den Kader bringen lässt. Dafür reicht meines Erachtens ein einzelner Transfer nicht.

Wenn man zudem mal den Kader der Bayern mit dem des BVB vergleicht, so wüsste ich bspw. nicht, welcher Spieler auf seiner Position individuell-defensiv überlegen ist, abgesehen vielleicht von Müller gegenüber Reus und Davies gegenüber Guerreiro und Schulz. Kimmich ist defensiv in meinen Augen schlechter als Can und nicht viel besser als Dahoud. Bellingham muss sich nicht vor Goretzka und Tolisso verstecken. In der IV würde ich aktuell sogar Vorteile beim BVB sehen, wenn man sieht, was Hernandez und Upamecano teils an Aussetzern produzieren, solange man es rein individuell betrachtet. Ich glaube jedenfalls nicht, dass unser Abstand am individuell-defensiven Ende ansatzweise so groß ist, wie es die Gegentore aktuell ausdrücken. Der Kader folgt aber einem klaren Defensivkonzept, das Nagelsmann nochmal leicht verfeinert hat, indem er etwas zurückgezogener verteidigen lässt als Flick. Der Hauptunterschied besteht meines Erachtens aber am Ball. Die Bayern suchen auch spielerische Lösungen, wahrscheinlich eher mehr als der BVB. Sie finden sie aber auch häufiger und damit kollabiert der Gegner deutlich häufiger als man selbst, wenn man die Lösung mal nicht findet. Und sie sorgen eben auch für mehr 50/50 Situationen, weil quasi jeder Spieler individuelle Lösungen finden kann. Fallen beim BVB dafür Spieler weg, sind es zu schnell 25/75 Situationen, für diejenigen, die solche Situationen lösen können, wollen und dann auch oft müssen, weil der Fokus des Gegners auf solche Duelle gelegt werden kann.


Unter Rose sehe ich dann auch weniger, dass wir uns kontrolliert hinten rausspielen wollen. Der Ball soll schnell nach vorne und dort behauptet werden. Ein exzellentes Gegenpressing hilft da sicherlich.
Mit hoher Intensität und starkem Pressing wäre dann ein Einschnüren des Gegners und eine stabile Defensive möglich.
Ich denke aber, der Kader bietet dafür kaum Möglichkeiten. Wenn alle fit sind, mag da eventuell was möglich sein. Dass das aber für verschiedene Grundordnungen und bei Ausfällen aufrecht erhalten werden kann, kann ich mir nicht vorstellen.



Wie oben schon beschrieben, wäre ich nicht sicher, ob bspw. ein defensiver LV ausreichend helfen würde, um im Gegenpressing für Verbesserungen zu sorgen. Er würde es besser absichern und den 6er freigeben, dafür aber das Gegenpressing ausschließlich auf das Zentrum fokussieren. Schnelle Verlagerungen und Überlagerungen des Gegners auf die Außenbahn dürften dann aber beim BVB schwer zu kontern sein und dürften für ähnliche Probleme sorgen, wie im Moment. Entweder der LV agiert dann hoch und hilft dem Pressing oder er sichert ab, aber beides wird selten vereinbar sein, sodass man mindestens ein Problem offen lässt. Somit würde ich mir wohl eher nur einen temporären Effekt ausrechnen, während die eigene Spielentwicklung noch eindimensionaler gerät. Woran liegt es zudem, dass wir so vertikal unterwegs sind? An den Optionen oder am Interesse, dass man gerne so eindimensional sein möchte? Oder müssen wir Roses Können in Frage stellen, womit man aber eben auch sehr schnell die T-Frage stellen müsste?


Ich verstehe irgendwie nicht, wie Rose durch eine Priorität auf Spielstärke defensiv so sehr geholfen sein würde. Wie sollte Rose dann seine gewünschte Intensität und das Pressing auf den Platz bekommen?
Das würde ich, wie gesagt, nur bei einem Ansatz alla Guardiola für möglich halten.



Gegenfrage: warum schließen sich spielerische Qualität und Intensität in der Gegenbewegung immer aus? Das ist doch bei anderen Teams auch nicht der Fall. Auch bei Teams, mit weniger Geld wird das selten so binär gesehen, wie bei uns. Beweist nicht ein Bellingham aktuell, dass man das auch verbinden kann?


Übrigens, bin ich auch nicht komplett davon überzeugt, dass Roses Spielidee mit mehr defensivstarken Spielern wie gewünscht aufgehen würde. Aber ich bin davon überzeugt, dass Rose mehr Spieler dieser Art benötigt, um ihn überhaupt komplett bewerten zu können.



Ja, da bin ich gar nicht so weit weg von dir, außer eben in dem Punkt, wie diese Spieler auszusehen haben, insbesondere eben bezüglich des LV Vorschlags, da ich nicht sehe, wie ein defensiver LV mit Roses systematischen Bedarf eines Linienläufers gut vereinbar sein soll. Da reden wir dann sehr schnell von Spielern, die wir, analog zu Bellingham, selber formen müssen und höchstem Talentregal. Wobei trotz allem die Absicherung des LIV und die Genehmigung offensiver Freiheiten, um als Linienläufer wirken zu können, immer eine Gratwanderung bedarf, selbst bei höchster Qualität und Dynamik. Bekommt man diese nicht, würde ich eher sogar von einem Widerspruch reden, weil sich das dann nicht in Personalunion vereinen lässt. Ein qualitativ auf die defensive beschränkter LV würde dann schnell Konsequenzen nach sich ziehen, indem bspw. eine Asymmetrie ins Spiel muss, durch die der LA oder LZM zum Breitengeber werden was transferpolitisch zusätzlichen Handlungsbedarf bedeutet, weil man eigentlich beides nicht im Kader darstellen kann. Man hat keinen breitengebenden LA und schon gar keinen LZM - am ehesten wahrscheinlich noch Guerreiro, der die Breite im Angriffsdrittel aber nicht hält. Entscheidet man sich für einen LA als Breitengeber, würde man vorne um einen Abschlussspieler reduzieren und hätte meines Erachtens daher vor allem Bedarf für einen Kreativspieler. Das hätte dann desweiteren zur Folge, dass man mit Haland, Malen und Moukoko etwas überbesetzt ist im Zentrum und Adeyemi als zusätzlicher Spieler wenig Sinn macht, weil sowohl er als auch Malen gerne aus dem linken Halbfeld operieren und nicht so besonders aus dem rechten Halbfeld, wo der zweite Platz für den Abschlussspieler neben Haland wäre. Im Grunde würde ein Adeyemi Zugang daher den LA als Breitengeber schon ausschließen, wenn man zusätzlich den LV defensiver ausrichtet. Holt und nutzt man einen LZM als Breitengeber - der bei einem Szenario mit defensiver LV und Adeyemi Verpflichtung notwendig und damit mehr ein Folgetransfer als Bedarf wäre -, die es auch nicht, wie Sand am Meer gibt, verschiebt man wieder das Mittelfeld und es könnte auch durchaus passieren, dass der Plan von Rose, um massiert zentral vor dem gegnerischen Strafraum zu (gegen-)pressen, dadurch wieder ein Stück weit korrumpiert wird, weil der Weg für diesen Spieler weit wird.


Ansonsten wäre es, so als bewerte man Tuchel bei uns nur anhand seiner zweiten Saison, wo für Gündogan und Mkhitaryan der Ersatz fehlte, um das Zentrum zu kontrollieren. Da ist Tuchel dann von seiner Spielidee sogar abgerückt (bei Tuchel wäre ich auch ganz bei dir gewesen, dass sich spielerisch etwas hätte tun müssen).

Priorität sollte in der Tranferpoltik haben, dass der Trainer seine Spielidee erfolgreich umsetzen kann. Rose hat viel von Intensität und Pressing geredet und man sieht auch auf dem Platz, dass davon viel kommt. Aber die individuelle Umsetzung ist nicht gut. Mangelnde Trainingszeit ist da sicher auch ein Grund. Aber viele Spieler haben nun schon unter einigen Trainern gezeigt, dass sie in diesen Punkten nicht gut sind. Also, meiner Meinung nach, fehlt es im Kader an individueller Qualität für einen auf Intensität und Pressing ausgerichteten Spielstil.


Wenn ihr diese Qualität fehlt, warum dann darauf ausrichten?

Ich meine keinen LV, der hinten bleibt. Dann wäre es quasi eine Dreierkette im Ballbesitz. Würde gehen, wenn wir rechts dann einen entsprechend offensiven RV hätten, haben wir aber eher nicht.
Wenn der LV sich taktisch und gegen den Ball wie Schmelzer oder Piszczek bewegen würde, wäre das schon ein enormer Gewinn gegenüber Schulz und Guerreiro.



Sorry, aber ich verstehe dann überhaupt nicht, was du dann eigentlich genau willst, weil Schmelzer von damals für mich heute nicht mehr funktioniert.

Zwischen Schmelzer und Piszczek gitb es zudem himmelweite Unterschiede und gerade Schmelzer hat zum Ende seiner Prime genug Probleme gehabt, sodass diese nicht umsonst schon vor 5,5 Jahren dazu führten, dass man Guerreiro holte, um Schmelzer abzulösen. Generell sollte man meines Erachtens nicht überschätzen, wie gut Schmelzer wirklich war und wie welche Dinge von damals im heutigen Teamkontext noch funktionieren. Gerade im 1gg1 war Schmelzer nie besonders gut und das Doppeln mit Großkreutz konnte man sich irgendwann nicht mehr leisten, weil sich das Spiel auf den AV stark veränderte. Dazu hat man eben keinen Piszczek mehr, sondern Meunier auf der Gegenseite, was meines Erachtens umso mehr für einen offensivstarken AV spräche, womit man im grundsätzlichen Konflikt ist, inwiefern man auf Hummels und dann doch wieder auf Meunier abstellt, um sie jeweils auszubalancieren. Beides gleichzeitig klingt mir wie die Suche nach einem Einhorn, weil es dann schnell um Kaliber a la Davies oder mehr geht. Deshalb verstehe ich nicht, was für (Defensiv-)Qualitäten dir eigentlich wie wichtig sind und wie du diese im Rose System implementieren willst. Kannst du mal einen aktuell auf dem Transfermarkt verfügbaren Spieler nennen und dann explizit erklären, was genau du von ihm erwartest, wenn es dir nicht um einen defensiven LV im Sinne eines absichernden, sich auf den Aufbau beschränkenden Spieler meinst? Ich glaube sonst ist die Diskussion wenig zielführend, weil du sehr viel konkreter mit deinem Wunschprofil werden müsstest.


Gefährliche Ballverluste kann man durch Spieler wie Witsel reduzieren. Aber auch durch Spieler wie Schmelzer, die eben den Ball nach vorne schlagen anstatt die Risiko-behaftete spielerische Lösung zu suchen.
Also unabhängig davon, was ein Spieler technisch/spielerisch drauf hat, müssen diese gefährlichen Ballverluste nicht sein. Man muss eben darauf schauen, wie sehr die Spieler zu schweren Fehlern neigen.
Die Aussetzer von Brandt und Can waren uns beispielsweise bekannt. Das wird dann eben zu Gegentoren führen, wenn diese regelmäßig in defensiven Bereichen an den Ball kommen.

Schwächen im Technisch/Spielerischen müssen also überhaupt nicht zu schweren Ballverlusten führen. Aber natürlich sehr wohl zu Ballverlusten, weil beispielsweise die Bälle öfter geklärt werden. Man ist dann öfters in der Verteidigung, was wiederum mehr Gegentore bedeuten kann.



Die Sache ist nur die: ich denke wir reizen das Thema eigentlich schon ziemlich aus. Wir schlagen schon viele Bälle lang, um dem gegnerischen Pressing bzw. Pressingfallen zu entgehen - schon letzte Saison. Im Resultat gab es dann aber bspw. Spiele, wie gegen Ajax, in denen das Rebounds waren, durch die die Mannschaft sich immer tiefer hat hinten reinfallen lassen, weil weder das Ballhalten und Nachrücken noch das Gegenpressing funktionierte. Solange das nicht mit einer Idee und einem Kaderfit einhergeht, durch den absehbar wird, wie man das verhindern will, ist eine weitere Verstärkung dieser Maßnahmen für mich nicht sinnvoll, zumal das eh schon Plan B ist. Plan C gibt es dazu nicht, weswegen es für mich auch wenig Sinn macht Plan B zu verstärken, sondern Plan A zu fördern. Die AV sind dafür meines Erachtens auch auf beiden Seiten geeignete Kandidaten. RV aber noch mehr als LV. Zumal das auch Plan B unterstützt, falls man doch weiter in der Häufigkeit darauf zurückgreifen muss, da auch bei Plan B die Passgenauigkeit ein großer Faktor ist. So nutzt bspw. Guardiola schon Ederson aus dem Tor heraus für Gegenpressingfallen, weil der sehr präzise lange Bälle spielen kann.


Andererseits haben beispielsweise Mainz und Freiburg 9 bzw. 10 Gegentore weniger als wir kassiert, obwohl sie nur 45 % bzw. 47 % Ballbesitz haben.



Das ist meines Erachtens ein sehr dünner Vergleich. Ja, Mainz und Freiburg verbringen viel mehr Zeit gegen den Ball, aber von ihnen erwartet auch niemand, dass sie das Spiel machen. Wenn sie es unterlassen und nur Unentschieden spielen, gibt es dort keinerlei Stress, solange man sich im Gesamten im Bereich des Erwartungswerts oder besser performt. Das sind gänzlich andere Voraussetzungen in der Herangehensweise für das Spiel mit und gegen den Ball. Wenn Mainz und Freiburg es sich tief in der eigenen Hälfte gemütlich machen und den Gegner anrennen lassen, dann ist es kein Drama, wenn er es nicht macht und ihnen nicht in die Falle läuft. Macht der BVB das, wie letzte Saison bspw. unter Favre, hat man immer noch weit über 50% Ballbesitz, weil der Gegner sich nicht in die Falle locken lässt, indem er sich der Falle sehr viel stärker bewusst ist, sondern risikoavers agiert, indem 90% den BVB dazu auffordern das Spiel zu machen, weil er gewinnen muss. Der BVB kann sich keine Passivität leisten, Mainz und Freiburg schon und daher ist es schwer die Intensität konstant zu verlangen, um zu vielen langen, befreienden Bällen hinterherzujagen. Passivität bzw. eher Pausen sollte es beim BVB eher mit Ball geben können, mit dem Ziel, dass der Gegner sich dabei müde läuft. Das schaffen wir meines Erachtens aber schon länger nicht mehr auf hohem Niveau.

Davon ab, sollte man auch mal schauen, was für eine defensive Intensität Mainz und Freiburg im Vergleich zum BVB bieten. Der BVB hat in der Hinrunde knapp 609 Minuten gegen den Ball agiert, Freiburg 806 und Mainz 835. Schaut man dann mal, wie aktiv diese Teams gegen den Ball waren, während sie ihn nicht hatten, sieht es so aus, dass der BVB pro 90 Minuten gegen den Ball 47,2 Tackles machte, von denen 31,8 erfolgreich waren (67,4%). Bei Freiburg sind es 18,3/32,3 (56,7%) und bei Mainz 23,3/36,7 (60,2%). Beim Pressing verhält es sich genauso. Der BVB hatte je 90 Minuten gegen den Ball 373,5 Pressingaktionen, von denen 131,1 erfolgreich waren (35,1%). Freiburg kommt auf 79,1/263,3 (30,1%) und Mainz auf 96,0/300,7 (31,9%). In den Pressingzonen gibt es dabei kaum Unterschiede, aber Freiburg versuchen viel mehr Zweikämpfe im eigenen Abwehrdrittel zu führen. Bei Freiburg sind es 50,9% aller Zweikämpfe, Mainz sind es 47,6% und beim BVB nur 40,4%. Das geht nahezu komplett zu Lasten von Zweikämpfen im Mittelfeld.

Sprich: Freiburg und Mainz verteidigen deutlich tiefer, zumindest wenn das Pressing scheitert, sie verteidigen trotzdem in der Zeit, in der sie gegen den Ball agieren, mit deutlich weniger Aktivität (18-32%) als der BVB und haben dabei dennoch weniger erfolgreiche Defensivaktionen. Das gilt auch für weitere Defensivaktionen, wie Blocks (16-26% weniger als der BVB) und Interceptions (10-14% weniger als der BVB) pro 90 Minuten gegen den Ball. Mainz haut den Ball dabei sogar seltener hinten raus als der BVB, wobei das dann auch nur Aktionen zur Ballrückeroberung betrifft und keine von dir geschilderten Situationen im Aufbau. Wenn man so will, können Freiburg und Mainz daher gegen den Ball eh schon eine vergleichsweise ruhige Kugel schieben und es kommt letztendlich auch gar nicht so sehr auf Qualität in der Defensivarbeit an, sondern vor allem darauf, welche Bälle erobert und welche Abschlüsse zugelassen werden. Auch die Intensität spielt meines Erachtens nicht die große Rolle, die hier immer wieder verbreitet wird. Es geht daher viel mehr um ein umsetzbares Gesamtkonzept, das für mich aber nicht auf das Defensivkonzept und eine einzelne Positionen beschränkt ist. Alles muss zusammen passen und ich sehe in Summe gar nicht mal mehr so viel mehr Potenzial in der Defensive, weil man bereits gute Werte auflegt.

Sobald aber Lücken aufgehen, ist ein an sich gut funktionierendes Konzept aber schnell am kollabieren, was nun mal auch das Risiko einer hohen Abwehr ist, die nicht dafür optimiert ist. Daher sind einzelne Situationen für uns auch so tödlich, obwohl es nicht die Mehrheit aller Aktionen ist. Diese einzelnen Situationen werden für mich aber zu sehr auf ein defensivschwaches Kollektiv umgelegt, obwohl das Gegenteil der Fall ist. Für mich geht es daher defensiv primär um das Verhindern dieser einzelnen Situationen, was überwiegend schon im eigenen Ballbesitz beginnt, weil man die Bälle bei schlechter Staffelung hergibt, in Räume spielt, in denen sie nichts zu suchen haben oder ganz generell Passqualitäten fehlen.


Ich denke daher nicht, dass wir über das Spielerische das meiste Potenzial zur Stabilisierung der Defensive haben.
Das Spielerische steht für mich unter Rose zu sehr großem Anteil zur Generierung von Torchancen im Vordergrund. Für die Defensive sehe ich andere Hebel.

Den Kader der Bayern sehe ich deutlich besser aufgestellt, was die Möglichkeiten für die Defensive betrifft.
Es sind viel mehr Spieler im Kader, die ihre Rollen auch defensiv ausfüllen können. Wir können da vereinzelt mithalten; es bleiben aber Problemzonen.
Hinten links können wir nur über die Dreierkette lösen. Die Bayern machen das im Prinzip auch so, in dem sie oft mit Dreierkette aufbauen. Ansonsten hätten sie aber auch noch Hernandez für diese Position.
Bezüglich IVs sind sie auch deutlich besser in der Breite aufgestellt.
Im Mittelfeld gibt's Goretzka, Tolisso, Kimmich, Sabitzer. Da geht defensiv und in der Abstimmung mehr als bei uns, finde ich. Bei Goretzka sehe ich übrigens den großen Vorteil gegenüber Bellingham, dass er wesentlich besser unterstützt. Bellingham ist für mich eher der Einzelkämpfer, ohne Auge für die Gesamtsituation. Uns würde ein Goretzka, der öfter für andere rettet, durchaus gut tun.

Vorne halte ich Lewandowski für wesentlich klüger bezüglich der Laufwege als Haaland. Lewandowski kann die gegnerischen Angriff viel besser leiten. Müller gefällt mir auch sehr gut gegen den Ball. Gnabry finde ich gut.



Siehe Statistik Thread - leider war das Zahlenwerk doch noch nicht die gesamte Hinrunde, da der Datensatz erst einen Tag später nachgetragen wurde, wodurch das Hertha Spiel darin fehlt. Wir sind allgemein auf dem Niveau der Bayern, was die Defensivarbeit betrifft. Uns kosten allerdings einzelne Aktionen sehr viel häufiger den Kopf als die Bayern. Überschätz die Bayern daher bitte defensiv nicht. Sie kontrollieren das Spiel nicht darüber.


Der Kader der Bayern bietet daher viel mehr Möglichkeiten gegen den Ball, meiner Meinung nach. Unser könnte dann in der Spitze mithalten, wenn wir fast alles gegen den Ball aufbieten und auf Dreierkette setzen. Aber dann greift bestimmt nicht alles ineinander. Taktisch und personell werden wir dann nur wenig variieren können, ohne defensiv abzubauen.
Nagelsmann hat diese taktischen Möglichkeiten genutzt, um eine homogene Mannschaft aufs Feld zu schicken.

Bezüglich der Gegentore muss man auch schauen, was allein die Dreierkette im Aufbau bei den Bayern ausmachen könnte. Man denke an unsere Rückrunde 15/16. Da hatte Tuchel ähnliches bei uns gemacht und wir kassierten nur 11 Gegentore. In der Hinrunde waren es 23 mit zwei IVs im Aufbau und zwei offensiven AVs.
Aber auch hier geht es wieder um die Spielphilosophie. Rose lässt anders als Nagelsmann spielen. Ich denke daher, ein Vergleich mit Liverpool wäre passender. Kann unser Kader gegen den Ball annähernd mithalten? Wie weit sind wir technisch/spielerisch von Liverpool entfernt?


Wir stellen doch regelmäßig eine 3er Kette im Aufbau her. Bei uns geht dafür dann meist der 6er tief in die Kette, sodass Akanji den Pavard gibt. Das ist daher nicht der ganze Zauber, da es damit oft meines Erachtens sogar noch schlimmer wird, indem man Meunier und zuletzt eben häufiger Schulz in Zonen schiebt, in denen sie eigentlich das Spiel verbinden können müssen. Das können sie aber nicht, also geht der Ball durch das Zentrum, was berechenbar ist und sich daher kaum noch das Pass-Klatsch, wie Rose es will, etablieren lässt, das aber der einzig regelmäßige Weg bei Formierung der 3er Kette ist, um gezielt durch die Linien zu spielen. Ansonsten versucht man es direkt auf Haland oder über lange Verlagerungen, die aber zuletzt auch seltener wurden, weil nun mal die AV keine guten Schienen sind. Formieren wir eine 3er Kette, haben wir eben nicht Kimmich, als Ballverteiler und oft auch starke Unterzahl, weil Reus auch nochmal weniger als Spielverbinder wirkt als Goretzka ist, wodurch eigentlich nur Bellingham oder zuletzt Dahoud dann das Mittelfeld schmeißen.

Da sie allein nicht aufbauen können, schieben sie tendenziell auch noch hoch, um im Pass-Klatsch eine Anspielstation zum ablegen zu bieten, weswegen die Bälle durch die Linien umso riskanter werden, weil dadurch automatisch vor der Kette ein Loch aufgeht, in dem sich viele Gegner zahlreich befinden. Oft ist es auch so, dass sie sich darin sehr bewusst positionieren, um die Pässe durch die Linien zu erschweren, dafür dann 8 und 10 frei lassen, teils sogar mit etwas Platz zum Aufdrehen - teils sind das aber auch Pressingfallen, bei denen dann Stürmer und ZM aus der Blindside anlaufen -, um dort dann eine schnelle und sichere Anspielstation nach Balleroberung zu haben. Schließlich müssen sie dafür allesamt keine Überzahl aufgeben. Brandt hat in den letzten Wochen auch sehr häufig den Sane/Musiala gegeben, nur eben mit seiner Spielweise. Daher sollte man das meines Erachtens schon auch ehrlich im Ballbesitz vergleichen und dann sagen, was dahingehend fehlt, da das teils nicht mal so weit voneinander weg ist, wäre die individuelle Besetzung nicht! Dabei ist für mich, wie schon geschrieben, aber im Ballbesitz deutlich mehr Unterschied, im Vergleich zur Arbeit gegen den Ball.

Liverpool ist dann vielleicht näher an dem, was Rose spielen lassen will, aber davon sind wir meines Erachtens im Moment sehr weit weg, da wir in quasi allen Mannschaftsteilen ganz anders besetzt sind und nicht ansatzweise diese Balance im Kader haben.

Wir sind einfach zu weit auseinander. Wenn Du meinst, dass individuell defensiv stärkere Spieler nichts bringen, um die Defensive zu stabilisieren (außer sie verbessern ebenso unser Ballbesitzspiel), haben wir keinen Ansatzpunkt, um über die Transferpolitik zu diskutieren.
Die Diskussion wäre für mich nur, wie viel man Richtung Defensivverhalten investieren müsste. Wobei die Balance letztendlich Rose herstellen muss und es nur um Möglichkeiten geht, die man ihm an die Hand geben sollte.


Schade, dass du dich nicht konkreter erklärst, wobei ich auch angesichts dieser Antwort den Eindruck habe, dass sowohl ich dich als auch du mich nicht verstehst. Denn ich habe nicht geschrieben, dass defensivstärkere Spieler grundsätzlich nichts bringen, um die Defensive zu verstärken, sondern warum ich die von dir angesprochenen Hebel nicht sehe, ohne dafür dann auch wieder mehr in die Defensive gezwungen zu werden. Dadurch würde ich keinen Netto-Effekt erwarten, was ein gewaltiger Unterschied zu der von dir hier getätigten Darstellung ist.
BVB - Transferpolitik |#16793
24.12.2021 - 13:45 Uhr
Zitat von BVBBC
Zitat von mba123

Zitat von BVBBC

Zitat von mba123

Zitat von BVBBC

Zitat von mba123

Zitat von BVBBC

Zitat von mba123

Vorne fehlt es mir auch an Qualität gegen den Ball. Dabei möchte Rose ein aggressives Pressing spielen. Er zeigt dabei auch keine so guten Pressingstrukturen wie Pep, bei dem erst der Ball hin und her geschoben wird, bis jeder in Position gelaufen ist. Auch sind die Spieler bei Pep ausgeruhter, da der eigene Aufwand durch das Ballbesitzspiel geringer ist. So können sie mit voller Intensität pressen.



Ich halte diesen Absatz für einen Trugschluss. Warum ist Guardiola denn in der Lage dazu? Das liegt doch hauptsächlich daran, dass die Strukturen im Ballbesitz bereits viel besser sind und daher die Positionen zum Gegner im Zweifel auch schneller einzunehmen sind, sobald es in die Gegenbewegung geht. Das alles an Rose festzumachen, ist für mich schwierig, angesichts dessen, wer in den letzten Jahren alles daran gescheitert ist, solche oder ähnliche Strukturen zu etablieren. Selbst Tuchel ist das in Saison 2, als es mit der Problematik, quasi ununterbrochen losging, bis auf Teile der ersten Hinrunde unter Favre, nicht mehr gelungen.

Wenn man sich dann zudem ansieht, was man für Defensivwerte auflegt, mit welcher Intensität man gegen den Ball unterwegs ist, dann finde ich es nahezu absurd, dass man noch mehr Defensivqualität als primäre Lösung sieht. Ich hatte die Zahlen dazu schon im Statistikthread veröffentlicht, aber ich denke nicht, dass man im Mittel defensiv noch viel besser wird, sobald es gegen den Ball geht. Es gilt meines Erachtens nur deutlich weniger gegen den Ball zu agieren und Fehler in gefährlichen Zonen zu unterbinden. Also schon früh im Aufbau und in der Spielverbindung.

Beleuchtet man dahingehend AV und Mittelfeld, dann ist lediglich Bellingham meines Erachtens eine in dieser Saison verlässlich gute bis sehr gute Komponente. Guerreiro war diese Saison noch nie bei 100%, ließe sich ansonsten aber auch, mit der Einschränkung, dass er kein Breitengeber ist, wie ihn Rose sicher gerne auf LV hätte, in der Beziehung positiv heranführen. Der Rest ist durchschnittlich oder sogar nicht mal das, wobei Reyna und Brandt hier noch ausgeklammert sind, da Reyna früh ausfiel und Brandt quasi nie im Zentrum gespielt hat und auf den tiefen Positionen auch nicht sicher genug in seinen Aktionen ist - also im Aufbau auch nicht gut ist.

Das kann auch die IV nicht im Aufbau kompensieren meines Erachtens, die im Aufbau maximale Qualität besitzt, in der Spielverbindung aber quasi kein Faktor sein kann, weil ihr dadurch die Anspielstationen fehlen. Fehlen die Anspielstationen, werden Fehler früh im Ballbesitz maximiert. Das ist meines Erachtens daher das Problem, welches transferpolitische Priorität haben muss. Für mich ist jedenfalls das Hauptproblem des Kaders, dass er darauf ausgelegt ist viel und mit hoher Intensität verteidigen zu müssen. Die Steigerungsmöglichkeiten sehe ich nicht mehr ohne weitere Einbußen im Ballbesitz möglich, sodass ich befürchten würde, dass man sich defensiv nicht verbessert, weil die Steigerung dann sowieso nötig wird. Offensiv würde man damit aber ohne Kompensation verlieren, weil es in der Beziehung keinen Qualitätsgewinn zu erwarten gilt.

Ich verstehe deinen Punkt nicht ganz.
Du kritisierst doch selber häufig das Verhalten gegen den Ball von Hummels, Guerreiro, Witsel, Dahoud, auch Can, etc.?
Also sollte es hier doch viel Potenzial geben?



Klar, es gibt viel Potenzial, aber was ist unser größtes Manko und was sollte daher Priorität genießen? Ist es schließlich so, dass wir 90 Minuten oder auch nur die meiste Zeit eines Spiels schlecht verteidigen oder sind es in einem normalen Spiel eher 3-4 Situationen, die wirklich kritisch sind? Das mögen dann gegen die Bayern mehr sein, gegen manch andere Teams auch weniger, aber im Großen und Ganzen stimmen bei uns defensiv doch Einsatz und Intensität in der Rückwärtsbewegung und die Mannschaft legt insgesamt auch sehr gute Werte auf. Das heißt für mich dann auch, dass es individuell und situativ oft Potenzial gibt, aber ich wäre nicht zuversichtlich, dass das mit 1-2 Transfers abgehakt werden kann.

Denn das Hauptproblem bleibt für mich letztendlich, dass die Mannschaft defensivtaktisch nicht auf einem Nenner ist und auch nur schwer auf einen Nenner zu bringen ist. Ein neuer LV, der Hummels Seite abdichtet, löst das Problem dann meines Erachtens auch nicht unbedingt, selbst wenn das dann bspw. für den 6er Kapazitäten im Vorwärtsverteidigen auslöst, sodass damit bspw. das Pressing gestärkt werden kann. Das hätte also durchaus 2 potenziell positive Effekte auf unsere Defensive, weil Hummels Absicherung idealtypischer wäre und gleichzeitig Kapazitäten im Pressing frei werden könnten. Ich sehe darin aber auch genauso 2 potenziell negative Effekte. Einerseits ist der LV im Rose System als Breitengeber zu relevant, muss hier Druck nach vorne entfachen, da ansonsten die linke Seite nicht gut besetzt bleiben wird und zu befürchten ist, dass unser Spiel vor allem über rechts geht oder im Zentrum die Räume zu stark verdichtet sind, um dort durchspielen zu können, was dann eben auch technisch schon nochmal mehr verlangt, als bspw. Can gerade von der 6 einbringt. Insbesondere dann, wenn der 6er höher agieren soll/muss, weil er ja nicht mehr als Absicherung benötigt wird. Die Freiheit nach vorne, hat der LV dafür dann eben nicht mehr, wodurch er eben auch in der Pressingbewegung meines Erachtens nicht großartig nutzbar ist, da Pressing und Absicherung zu konträre Aufgaben darstellen, insbesondere für einen Spieler auf der Außenbahn, der ins Zentrum absichern muss und dadurch eh schnell weite Wege hat. Andererseits ist damit ja nicht gesagt, dass der Schwerpunkt der Kette mit nach vorne wandert, um in der Gegenbewegung die Abstände kompakt zu halten. Ein defensiver LV, der primär für die Absicherung von Hummels verantwortlich ist, dürfte schließlich trotz allem sehr daran interessiert sein, dass er nicht im Pressing mitmacht. Daher dürfte die Seite tendenziell immer noch tief geraten und die rechte Seite wird sich anpassen müssen.

Wie viele dieser Situationen sind aber allein schon dadurch von uns erschwert, dass wir uns selbst zu oft in die Position bringen, in der die Endverteidung bzw. Restverteidigung alles ist, was noch da ist, weil die Bälle doof und ungesichert verloren werden? Wie oft kommt es schließlich vor, dass wir noch gar nicht alle im Ballbesitzformation gebracht haben und der Ball ist schon wieder weg, wodurch auch die Positionen für die Gegenbewegung automatisch schlechter sind als nötig? Genau hierin erwarte ich defensiv im Augenblick den größten Hebel! Würde man einen defensiven AV hinzufügen, dadurch die Breite im Spiel nicht verbessern, geschweige denn die Vorwärtsbewegung, da ich jetzt mal davon ausgehen würde, dass wir auf der 6 nicht spielstärker werden, vom 6er aber mehr spielerische Qualitäten mit dieser Maßnahme verlangen, um offensiver einzugreifen, als bisher, dann stünde zu befürchten, dass sich solche Ballverluste weiter häufen, weil die Anspielstationen nach vorne nicht mehr werden. Ein defensiv passender LV hätte für mich neben Hummels jedenfalls keinerlei Freiheiten nach vorne und wäre daher auch keine sinnvolle Option im Ballvortrag.

Somit würde ich bspw. befürchten, dass ein defensiver LV neben Hummels zwar in der Endverteidigung einen positiven Effekt hätte, im Ballbesitz als auch im Pressing aber zu gemischten Resultaten führen könnte, durch die ich nicht unbedingt eine Verbesserung erwarte, weil dann eben auch noch Guerreiros Qualität ein Faktor ist.

Was zudem, wenn es ab 2023 zu einem Paradigmenwechsel in der Kette kommt?

Stand heute haben wir eine enorme Unsicherheit bezüglich der IV. Es kann sein, dass keiner der aktuellen IV 2023/24 noch im Kader stehen wird, angesichts der Vertragssituationen. Bei Akanji und Zagadou wird sich das bereits bis zu diesem Sommer klären, bei Hummels im Laufe der nächsten Saison. Mal angenommen, Hummels und Zagadou sind ab 2023 weg, aber Rose ist noch da: warum sollte man dann nicht die linke Seite der Kette so aufstellen, wie er es tatsächlich möchte? Dann wäre ein defensiver LV doch nicht wirklich das, was Rose will, sondern es würde ein Linienläufer verlangt werden, insbesondere falls Guerreiro seinen Vertrag nicht verlängern sollte - was daher auch als seperate Diskussion zu verstehen ist, welcher Typ LV in so einem Fall sinnvoller wäre - und damit in der Folge auch ein LIV, der hoch verteidigen kann, ohne allzu schnell in Probleme zu geraten, um die Lücke hinter sich wieder schließen zu können. Macht es dann Sinn auf eine Saison und den Bedarf eines Spielers abzustellen oder langfristig auf den Trainer und dessen Bedarf?

Wobei das sicher auch noch komplexer würde, wenn Zagadou doch noch verlängert, da er einen ähnlichen Bedarf hätte, wie auch Hummels. Mit diesem Bedarf erfüllt man meines Erachtens aber defensivtaktisch auch nicht unbedingt den Bedarf der Offensive, die es in meinen Augen im Pressing nicht so schlecht macht, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass das Pressing für viele noch höher stattfinden dürfte. Auch das hängt für mich aber wieder stark mit dem Ballbesitzspiel zusammen und den Positionen, die man bis zum Ballverlust einnimmt. Mir ist das Nachrückverhalten in der Hintermannschaft jedenfalls zu sehr darauf ausgelegt, dass wir im nächsten Moment vom Ballverlust ausgehen, was dann aber auch mitunter einer der Gründe ist, warum das Gegenpressing dann auch mal nicht greift und teils ist sogar der Ballverlust dadurch begünstigt, gerade wenn die AV nicht mitmachen (können).

Ich halte es daher defensiv für viel zu komplex im Moment, um eine sinnvolle Planung zu machen, durch die man langfristig eine Mannschaft hinstellt, die defensiv auf einen Nenner kommt. Im Zweifel würde ich die Probleme dahre für den Moment sogar eher ignorieren und dann lösen, wenn sich die Chance dazu ergibt. Darunter würde ich einen Hummels, Zagadou, Meunier oder Guerreiro Abgang verstehen, wobei nur einer davon aktuell für den nächsten Sommer wahrscheinlich wirkt.


Stabilisierung der Defensive durch Ballbesitzspiel ist ein zusätzlicher Punkt für mich. Diesen Ansatz sehe ich eher bei Trainern wie Guardiola oder Tuchel.
Unsere üblen Ballverluste sind für mich oft Folge eines schlechten Risiko-Managements der Spieler. Der ein oder andere Ball sollte einfach lang geklärt werden, anstatt die spielerische Lösung zu suchen. Das liegt für mich auch daran, dass einige Spieler eigentlich eher offensivere Positionen bekleiden oder vom Naturell her eher offensiv denken; also mehr Lösungen suchen und risikobereit sind.
Bei Spielern wie Hummels, Guerreiro, Brandt, Dahoud kann man davon ausgehen, dass sie bei einer 50/50-Entscheidung immer die spielerische Lösung suchen anstatt den Ball zu klären. Dazu kommen dann noch Aussetzer bei Spielern wie Can, wo einfach die Konzentration manchmal komplett fehlt.
Diese schweren Ballverluste hatte man bei einem Schmelzer zum Beispiel selten gesehen, obwohl er spielerisch viel limitierter war. Er kannte halt seine Limits, wusste was er zu tun hatte und spielte das konzentriert runter. Damit möchte ich mich nich für einen Spielertyp wie Schmelzer aussprechen. Mir geht es nur darum, dass schwere Ballverluste nicht nur aus spielerischen Limitierungen und mangels Anspielstationen erfolgen.



Klar, aber die spielerische Lösung in 50/50 Situationen wird eben auch dadurch vereinfacht, dass der Gegner nicht komplett draufgehen kann, ohne Gefahr zu laufen, dass es sich rächt. Wenn bei uns einzelne Spieler im defensiven Matchplan nahezu ignoriert werden können, selbst wenn sie nicht ballfern agieren (siehe bspw. Freiburg und die AV), dann sind es eigentlich schon gar keine 50/50 Situationen mehr und beim Ballverlust stellt sich nur noch die Frage, wo ihn der BVB will. Dabei halte ich es auch nicht für allzu klug, wenn man zu schnell versucht auf spielerische Lösungen zu verzichten, da das meines Erachtens Auswirkungen auf den Schwerpunkt der Mannschaft hat. Je mehr Ballverluste, desto mehr werden wir in der Regel in allen Mannschaftsteilen auseinandergezogen - Abwehr sinkt ab, Angriff versucht weiter hoch zu agieren und die Bälle über das Gegenpressing zurückzuholen und einen Vorteil aus dem Ballverlust zu kreieren - und desto höher wird der Aufwand gegen den Ball. Für mich beißt sich hier schlicht die Katze in den Schwanz, weil wir für diesen Kreislauf selbst verantwortlich sind. Daher würde ich ihn ungern verstärken, sondern lieber versuchen zu durchbrechen. Das mag dann von mir eine etwas trotzige Jetzt-erst-recht-Mentalität meinerseits sein, aber ich halte unsere Potenziale in der Beziehung leider für wesentlich größer als gegen den Ball. Insbesondere solange sich kollektivtaktisch keine einheitliche Linie in den Kader bringen lässt. Dafür reicht meines Erachtens ein einzelner Transfer nicht.

Wenn man zudem mal den Kader der Bayern mit dem des BVB vergleicht, so wüsste ich bspw. nicht, welcher Spieler auf seiner Position individuell-defensiv überlegen ist, abgesehen vielleicht von Müller gegenüber Reus und Davies gegenüber Guerreiro und Schulz. Kimmich ist defensiv in meinen Augen schlechter als Can und nicht viel besser als Dahoud. Bellingham muss sich nicht vor Goretzka und Tolisso verstecken. In der IV würde ich aktuell sogar Vorteile beim BVB sehen, wenn man sieht, was Hernandez und Upamecano teils an Aussetzern produzieren, solange man es rein individuell betrachtet. Ich glaube jedenfalls nicht, dass unser Abstand am individuell-defensiven Ende ansatzweise so groß ist, wie es die Gegentore aktuell ausdrücken. Der Kader folgt aber einem klaren Defensivkonzept, das Nagelsmann nochmal leicht verfeinert hat, indem er etwas zurückgezogener verteidigen lässt als Flick. Der Hauptunterschied besteht meines Erachtens aber am Ball. Die Bayern suchen auch spielerische Lösungen, wahrscheinlich eher mehr als der BVB. Sie finden sie aber auch häufiger und damit kollabiert der Gegner deutlich häufiger als man selbst, wenn man die Lösung mal nicht findet. Und sie sorgen eben auch für mehr 50/50 Situationen, weil quasi jeder Spieler individuelle Lösungen finden kann. Fallen beim BVB dafür Spieler weg, sind es zu schnell 25/75 Situationen, für diejenigen, die solche Situationen lösen können, wollen und dann auch oft müssen, weil der Fokus des Gegners auf solche Duelle gelegt werden kann.


Unter Rose sehe ich dann auch weniger, dass wir uns kontrolliert hinten rausspielen wollen. Der Ball soll schnell nach vorne und dort behauptet werden. Ein exzellentes Gegenpressing hilft da sicherlich.
Mit hoher Intensität und starkem Pressing wäre dann ein Einschnüren des Gegners und eine stabile Defensive möglich.
Ich denke aber, der Kader bietet dafür kaum Möglichkeiten. Wenn alle fit sind, mag da eventuell was möglich sein. Dass das aber für verschiedene Grundordnungen und bei Ausfällen aufrecht erhalten werden kann, kann ich mir nicht vorstellen.



Wie oben schon beschrieben, wäre ich nicht sicher, ob bspw. ein defensiver LV ausreichend helfen würde, um im Gegenpressing für Verbesserungen zu sorgen. Er würde es besser absichern und den 6er freigeben, dafür aber das Gegenpressing ausschließlich auf das Zentrum fokussieren. Schnelle Verlagerungen und Überlagerungen des Gegners auf die Außenbahn dürften dann aber beim BVB schwer zu kontern sein und dürften für ähnliche Probleme sorgen, wie im Moment. Entweder der LV agiert dann hoch und hilft dem Pressing oder er sichert ab, aber beides wird selten vereinbar sein, sodass man mindestens ein Problem offen lässt. Somit würde ich mir wohl eher nur einen temporären Effekt ausrechnen, während die eigene Spielentwicklung noch eindimensionaler gerät. Woran liegt es zudem, dass wir so vertikal unterwegs sind? An den Optionen oder am Interesse, dass man gerne so eindimensional sein möchte? Oder müssen wir Roses Können in Frage stellen, womit man aber eben auch sehr schnell die T-Frage stellen müsste?


Ich verstehe irgendwie nicht, wie Rose durch eine Priorität auf Spielstärke defensiv so sehr geholfen sein würde. Wie sollte Rose dann seine gewünschte Intensität und das Pressing auf den Platz bekommen?
Das würde ich, wie gesagt, nur bei einem Ansatz alla Guardiola für möglich halten.



Gegenfrage: warum schließen sich spielerische Qualität und Intensität in der Gegenbewegung immer aus? Das ist doch bei anderen Teams auch nicht der Fall. Auch bei Teams, mit weniger Geld wird das selten so binär gesehen, wie bei uns. Beweist nicht ein Bellingham aktuell, dass man das auch verbinden kann?


Übrigens, bin ich auch nicht komplett davon überzeugt, dass Roses Spielidee mit mehr defensivstarken Spielern wie gewünscht aufgehen würde. Aber ich bin davon überzeugt, dass Rose mehr Spieler dieser Art benötigt, um ihn überhaupt komplett bewerten zu können.



Ja, da bin ich gar nicht so weit weg von dir, außer eben in dem Punkt, wie diese Spieler auszusehen haben, insbesondere eben bezüglich des LV Vorschlags, da ich nicht sehe, wie ein defensiver LV mit Roses systematischen Bedarf eines Linienläufers gut vereinbar sein soll. Da reden wir dann sehr schnell von Spielern, die wir, analog zu Bellingham, selber formen müssen und höchstem Talentregal. Wobei trotz allem die Absicherung des LIV und die Genehmigung offensiver Freiheiten, um als Linienläufer wirken zu können, immer eine Gratwanderung bedarf, selbst bei höchster Qualität und Dynamik. Bekommt man diese nicht, würde ich eher sogar von einem Widerspruch reden, weil sich das dann nicht in Personalunion vereinen lässt. Ein qualitativ auf die defensive beschränkter LV würde dann schnell Konsequenzen nach sich ziehen, indem bspw. eine Asymmetrie ins Spiel muss, durch die der LA oder LZM zum Breitengeber werden was transferpolitisch zusätzlichen Handlungsbedarf bedeutet, weil man eigentlich beides nicht im Kader darstellen kann. Man hat keinen breitengebenden LA und schon gar keinen LZM - am ehesten wahrscheinlich noch Guerreiro, der die Breite im Angriffsdrittel aber nicht hält. Entscheidet man sich für einen LA als Breitengeber, würde man vorne um einen Abschlussspieler reduzieren und hätte meines Erachtens daher vor allem Bedarf für einen Kreativspieler. Das hätte dann desweiteren zur Folge, dass man mit Haland, Malen und Moukoko etwas überbesetzt ist im Zentrum und Adeyemi als zusätzlicher Spieler wenig Sinn macht, weil sowohl er als auch Malen gerne aus dem linken Halbfeld operieren und nicht so besonders aus dem rechten Halbfeld, wo der zweite Platz für den Abschlussspieler neben Haland wäre. Im Grunde würde ein Adeyemi Zugang daher den LA als Breitengeber schon ausschließen, wenn man zusätzlich den LV defensiver ausrichtet. Holt und nutzt man einen LZM als Breitengeber - der bei einem Szenario mit defensiver LV und Adeyemi Verpflichtung notwendig und damit mehr ein Folgetransfer als Bedarf wäre -, die es auch nicht, wie Sand am Meer gibt, verschiebt man wieder das Mittelfeld und es könnte auch durchaus passieren, dass der Plan von Rose, um massiert zentral vor dem gegnerischen Strafraum zu (gegen-)pressen, dadurch wieder ein Stück weit korrumpiert wird, weil der Weg für diesen Spieler weit wird.


Ansonsten wäre es, so als bewerte man Tuchel bei uns nur anhand seiner zweiten Saison, wo für Gündogan und Mkhitaryan der Ersatz fehlte, um das Zentrum zu kontrollieren. Da ist Tuchel dann von seiner Spielidee sogar abgerückt (bei Tuchel wäre ich auch ganz bei dir gewesen, dass sich spielerisch etwas hätte tun müssen).

Priorität sollte in der Tranferpoltik haben, dass der Trainer seine Spielidee erfolgreich umsetzen kann. Rose hat viel von Intensität und Pressing geredet und man sieht auch auf dem Platz, dass davon viel kommt. Aber die individuelle Umsetzung ist nicht gut. Mangelnde Trainingszeit ist da sicher auch ein Grund. Aber viele Spieler haben nun schon unter einigen Trainern gezeigt, dass sie in diesen Punkten nicht gut sind. Also, meiner Meinung nach, fehlt es im Kader an individueller Qualität für einen auf Intensität und Pressing ausgerichteten Spielstil.


Wenn ihr diese Qualität fehlt, warum dann darauf ausrichten?

Ich meine keinen LV, der hinten bleibt. Dann wäre es quasi eine Dreierkette im Ballbesitz. Würde gehen, wenn wir rechts dann einen entsprechend offensiven RV hätten, haben wir aber eher nicht.
Wenn der LV sich taktisch und gegen den Ball wie Schmelzer oder Piszczek bewegen würde, wäre das schon ein enormer Gewinn gegenüber Schulz und Guerreiro.



Sorry, aber ich verstehe dann überhaupt nicht, was du dann eigentlich genau willst, weil Schmelzer von damals für mich heute nicht mehr funktioniert.

Zwischen Schmelzer und Piszczek gitb es zudem himmelweite Unterschiede und gerade Schmelzer hat zum Ende seiner Prime genug Probleme gehabt, sodass diese nicht umsonst schon vor 5,5 Jahren dazu führten, dass man Guerreiro holte, um Schmelzer abzulösen. Generell sollte man meines Erachtens nicht überschätzen, wie gut Schmelzer wirklich war und wie welche Dinge von damals im heutigen Teamkontext noch funktionieren. Gerade im 1gg1 war Schmelzer nie besonders gut und das Doppeln mit Großkreutz konnte man sich irgendwann nicht mehr leisten, weil sich das Spiel auf den AV stark veränderte. Dazu hat man eben keinen Piszczek mehr, sondern Meunier auf der Gegenseite, was meines Erachtens umso mehr für einen offensivstarken AV spräche, womit man im grundsätzlichen Konflikt ist, inwiefern man auf Hummels und dann doch wieder auf Meunier abstellt, um sie jeweils auszubalancieren. Beides gleichzeitig klingt mir wie die Suche nach einem Einhorn, weil es dann schnell um Kaliber a la Davies oder mehr geht. Deshalb verstehe ich nicht, was für (Defensiv-)Qualitäten dir eigentlich wie wichtig sind und wie du diese im Rose System implementieren willst. Kannst du mal einen aktuell auf dem Transfermarkt verfügbaren Spieler nennen und dann explizit erklären, was genau du von ihm erwartest, wenn es dir nicht um einen defensiven LV im Sinne eines absichernden, sich auf den Aufbau beschränkenden Spieler meinst? Ich glaube sonst ist die Diskussion wenig zielführend, weil du sehr viel konkreter mit deinem Wunschprofil werden müsstest.


Gefährliche Ballverluste kann man durch Spieler wie Witsel reduzieren. Aber auch durch Spieler wie Schmelzer, die eben den Ball nach vorne schlagen anstatt die Risiko-behaftete spielerische Lösung zu suchen.
Also unabhängig davon, was ein Spieler technisch/spielerisch drauf hat, müssen diese gefährlichen Ballverluste nicht sein. Man muss eben darauf schauen, wie sehr die Spieler zu schweren Fehlern neigen.
Die Aussetzer von Brandt und Can waren uns beispielsweise bekannt. Das wird dann eben zu Gegentoren führen, wenn diese regelmäßig in defensiven Bereichen an den Ball kommen.

Schwächen im Technisch/Spielerischen müssen also überhaupt nicht zu schweren Ballverlusten führen. Aber natürlich sehr wohl zu Ballverlusten, weil beispielsweise die Bälle öfter geklärt werden. Man ist dann öfters in der Verteidigung, was wiederum mehr Gegentore bedeuten kann.



Die Sache ist nur die: ich denke wir reizen das Thema eigentlich schon ziemlich aus. Wir schlagen schon viele Bälle lang, um dem gegnerischen Pressing bzw. Pressingfallen zu entgehen - schon letzte Saison. Im Resultat gab es dann aber bspw. Spiele, wie gegen Ajax, in denen das Rebounds waren, durch die die Mannschaft sich immer tiefer hat hinten reinfallen lassen, weil weder das Ballhalten und Nachrücken noch das Gegenpressing funktionierte. Solange das nicht mit einer Idee und einem Kaderfit einhergeht, durch den absehbar wird, wie man das verhindern will, ist eine weitere Verstärkung dieser Maßnahmen für mich nicht sinnvoll, zumal das eh schon Plan B ist. Plan C gibt es dazu nicht, weswegen es für mich auch wenig Sinn macht Plan B zu verstärken, sondern Plan A zu fördern. Die AV sind dafür meines Erachtens auch auf beiden Seiten geeignete Kandidaten. RV aber noch mehr als LV. Zumal das auch Plan B unterstützt, falls man doch weiter in der Häufigkeit darauf zurückgreifen muss, da auch bei Plan B die Passgenauigkeit ein großer Faktor ist. So nutzt bspw. Guardiola schon Ederson aus dem Tor heraus für Gegenpressingfallen, weil der sehr präzise lange Bälle spielen kann.


Andererseits haben beispielsweise Mainz und Freiburg 9 bzw. 10 Gegentore weniger als wir kassiert, obwohl sie nur 45 % bzw. 47 % Ballbesitz haben.



Das ist meines Erachtens ein sehr dünner Vergleich. Ja, Mainz und Freiburg verbringen viel mehr Zeit gegen den Ball, aber von ihnen erwartet auch niemand, dass sie das Spiel machen. Wenn sie es unterlassen und nur Unentschieden spielen, gibt es dort keinerlei Stress, solange man sich im Gesamten im Bereich des Erwartungswerts oder besser performt. Das sind gänzlich andere Voraussetzungen in der Herangehensweise für das Spiel mit und gegen den Ball. Wenn Mainz und Freiburg es sich tief in der eigenen Hälfte gemütlich machen und den Gegner anrennen lassen, dann ist es kein Drama, wenn er es nicht macht und ihnen nicht in die Falle läuft. Macht der BVB das, wie letzte Saison bspw. unter Favre, hat man immer noch weit über 50% Ballbesitz, weil der Gegner sich nicht in die Falle locken lässt, indem er sich der Falle sehr viel stärker bewusst ist, sondern risikoavers agiert, indem 90% den BVB dazu auffordern das Spiel zu machen, weil er gewinnen muss. Der BVB kann sich keine Passivität leisten, Mainz und Freiburg schon und daher ist es schwer die Intensität konstant zu verlangen, um zu vielen langen, befreienden Bällen hinterherzujagen. Passivität bzw. eher Pausen sollte es beim BVB eher mit Ball geben können, mit dem Ziel, dass der Gegner sich dabei müde läuft. Das schaffen wir meines Erachtens aber schon länger nicht mehr auf hohem Niveau.

Davon ab, sollte man auch mal schauen, was für eine defensive Intensität Mainz und Freiburg im Vergleich zum BVB bieten. Der BVB hat in der Hinrunde knapp 609 Minuten gegen den Ball agiert, Freiburg 806 und Mainz 835. Schaut man dann mal, wie aktiv diese Teams gegen den Ball waren, während sie ihn nicht hatten, sieht es so aus, dass der BVB pro 90 Minuten gegen den Ball 47,2 Tackles machte, von denen 31,8 erfolgreich waren (67,4%). Bei Freiburg sind es 18,3/32,3 (56,7%) und bei Mainz 23,3/36,7 (60,2%). Beim Pressing verhält es sich genauso. Der BVB hatte je 90 Minuten gegen den Ball 373,5 Pressingaktionen, von denen 131,1 erfolgreich waren (35,1%). Freiburg kommt auf 79,1/263,3 (30,1%) und Mainz auf 96,0/300,7 (31,9%). In den Pressingzonen gibt es dabei kaum Unterschiede, aber Freiburg versuchen viel mehr Zweikämpfe im eigenen Abwehrdrittel zu führen. Bei Freiburg sind es 50,9% aller Zweikämpfe, Mainz sind es 47,6% und beim BVB nur 40,4%. Das geht nahezu komplett zu Lasten von Zweikämpfen im Mittelfeld.

Sprich: Freiburg und Mainz verteidigen deutlich tiefer, zumindest wenn das Pressing scheitert, sie verteidigen trotzdem in der Zeit, in der sie gegen den Ball agieren, mit deutlich weniger Aktivität (18-32%) als der BVB und haben dabei dennoch weniger erfolgreiche Defensivaktionen. Das gilt auch für weitere Defensivaktionen, wie Blocks (16-26% weniger als der BVB) und Interceptions (10-14% weniger als der BVB) pro 90 Minuten gegen den Ball. Mainz haut den Ball dabei sogar seltener hinten raus als der BVB, wobei das dann auch nur Aktionen zur Ballrückeroberung betrifft und keine von dir geschilderten Situationen im Aufbau. Wenn man so will, können Freiburg und Mainz daher gegen den Ball eh schon eine vergleichsweise ruhige Kugel schieben und es kommt letztendlich auch gar nicht so sehr auf Qualität in der Defensivarbeit an, sondern vor allem darauf, welche Bälle erobert und welche Abschlüsse zugelassen werden. Auch die Intensität spielt meines Erachtens nicht die große Rolle, die hier immer wieder verbreitet wird. Es geht daher viel mehr um ein umsetzbares Gesamtkonzept, das für mich aber nicht auf das Defensivkonzept und eine einzelne Positionen beschränkt ist. Alles muss zusammen passen und ich sehe in Summe gar nicht mal mehr so viel mehr Potenzial in der Defensive, weil man bereits gute Werte auflegt.

Sobald aber Lücken aufgehen, ist ein an sich gut funktionierendes Konzept aber schnell am kollabieren, was nun mal auch das Risiko einer hohen Abwehr ist, die nicht dafür optimiert ist. Daher sind einzelne Situationen für uns auch so tödlich, obwohl es nicht die Mehrheit aller Aktionen ist. Diese einzelnen Situationen werden für mich aber zu sehr auf ein defensivschwaches Kollektiv umgelegt, obwohl das Gegenteil der Fall ist. Für mich geht es daher defensiv primär um das Verhindern dieser einzelnen Situationen, was überwiegend schon im eigenen Ballbesitz beginnt, weil man die Bälle bei schlechter Staffelung hergibt, in Räume spielt, in denen sie nichts zu suchen haben oder ganz generell Passqualitäten fehlen.


Ich denke daher nicht, dass wir über das Spielerische das meiste Potenzial zur Stabilisierung der Defensive haben.
Das Spielerische steht für mich unter Rose zu sehr großem Anteil zur Generierung von Torchancen im Vordergrund. Für die Defensive sehe ich andere Hebel.

Den Kader der Bayern sehe ich deutlich besser aufgestellt, was die Möglichkeiten für die Defensive betrifft.
Es sind viel mehr Spieler im Kader, die ihre Rollen auch defensiv ausfüllen können. Wir können da vereinzelt mithalten; es bleiben aber Problemzonen.
Hinten links können wir nur über die Dreierkette lösen. Die Bayern machen das im Prinzip auch so, in dem sie oft mit Dreierkette aufbauen. Ansonsten hätten sie aber auch noch Hernandez für diese Position.
Bezüglich IVs sind sie auch deutlich besser in der Breite aufgestellt.
Im Mittelfeld gibt's Goretzka, Tolisso, Kimmich, Sabitzer. Da geht defensiv und in der Abstimmung mehr als bei uns, finde ich. Bei Goretzka sehe ich übrigens den großen Vorteil gegenüber Bellingham, dass er wesentlich besser unterstützt. Bellingham ist für mich eher der Einzelkämpfer, ohne Auge für die Gesamtsituation. Uns würde ein Goretzka, der öfter für andere rettet, durchaus gut tun.

Vorne halte ich Lewandowski für wesentlich klüger bezüglich der Laufwege als Haaland. Lewandowski kann die gegnerischen Angriff viel besser leiten. Müller gefällt mir auch sehr gut gegen den Ball. Gnabry finde ich gut.



Siehe Statistik Thread - leider war das Zahlenwerk doch noch nicht die gesamte Hinrunde, da der Datensatz erst einen Tag später nachgetragen wurde, wodurch das Hertha Spiel darin fehlt. Wir sind allgemein auf dem Niveau der Bayern, was die Defensivarbeit betrifft. Uns kosten allerdings einzelne Aktionen sehr viel häufiger den Kopf als die Bayern. Überschätz die Bayern daher bitte defensiv nicht. Sie kontrollieren das Spiel nicht darüber.


Der Kader der Bayern bietet daher viel mehr Möglichkeiten gegen den Ball, meiner Meinung nach. Unser könnte dann in der Spitze mithalten, wenn wir fast alles gegen den Ball aufbieten und auf Dreierkette setzen. Aber dann greift bestimmt nicht alles ineinander. Taktisch und personell werden wir dann nur wenig variieren können, ohne defensiv abzubauen.
Nagelsmann hat diese taktischen Möglichkeiten genutzt, um eine homogene Mannschaft aufs Feld zu schicken.

Bezüglich der Gegentore muss man auch schauen, was allein die Dreierkette im Aufbau bei den Bayern ausmachen könnte. Man denke an unsere Rückrunde 15/16. Da hatte Tuchel ähnliches bei uns gemacht und wir kassierten nur 11 Gegentore. In der Hinrunde waren es 23 mit zwei IVs im Aufbau und zwei offensiven AVs.
Aber auch hier geht es wieder um die Spielphilosophie. Rose lässt anders als Nagelsmann spielen. Ich denke daher, ein Vergleich mit Liverpool wäre passender. Kann unser Kader gegen den Ball annähernd mithalten? Wie weit sind wir technisch/spielerisch von Liverpool entfernt?


Wir stellen doch regelmäßig eine 3er Kette im Aufbau her. Bei uns geht dafür dann meist der 6er tief in die Kette, sodass Akanji den Pavard gibt. Das ist daher nicht der ganze Zauber, da es damit oft meines Erachtens sogar noch schlimmer wird, indem man Meunier und zuletzt eben häufiger Schulz in Zonen schiebt, in denen sie eigentlich das Spiel verbinden können müssen. Das können sie aber nicht, also geht der Ball durch das Zentrum, was berechenbar ist und sich daher kaum noch das Pass-Klatsch, wie Rose es will, etablieren lässt, das aber der einzig regelmäßige Weg bei Formierung der 3er Kette ist, um gezielt durch die Linien zu spielen. Ansonsten versucht man es direkt auf Haland oder über lange Verlagerungen, die aber zuletzt auch seltener wurden, weil nun mal die AV keine guten Schienen sind. Formieren wir eine 3er Kette, haben wir eben nicht Kimmich, als Ballverteiler und oft auch starke Unterzahl, weil Reus auch nochmal weniger als Spielverbinder wirkt als Goretzka ist, wodurch eigentlich nur Bellingham oder zuletzt Dahoud dann das Mittelfeld schmeißen.

Da sie allein nicht aufbauen können, schieben sie tendenziell auch noch hoch, um im Pass-Klatsch eine Anspielstation zum ablegen zu bieten, weswegen die Bälle durch die Linien umso riskanter werden, weil dadurch automatisch vor der Kette ein Loch aufgeht, in dem sich viele Gegner zahlreich befinden. Oft ist es auch so, dass sie sich darin sehr bewusst positionieren, um die Pässe durch die Linien zu erschweren, dafür dann 8 und 10 frei lassen, teils sogar mit etwas Platz zum Aufdrehen - teils sind das aber auch Pressingfallen, bei denen dann Stürmer und ZM aus der Blindside anlaufen -, um dort dann eine schnelle und sichere Anspielstation nach Balleroberung zu haben. Schließlich müssen sie dafür allesamt keine Überzahl aufgeben. Brandt hat in den letzten Wochen auch sehr häufig den Sane/Musiala gegeben, nur eben mit seiner Spielweise. Daher sollte man das meines Erachtens schon auch ehrlich im Ballbesitz vergleichen und dann sagen, was dahingehend fehlt, da das teils nicht mal so weit voneinander weg ist, wäre die individuelle Besetzung nicht! Dabei ist für mich, wie schon geschrieben, aber im Ballbesitz deutlich mehr Unterschied, im Vergleich zur Arbeit gegen den Ball.

Liverpool ist dann vielleicht näher an dem, was Rose spielen lassen will, aber davon sind wir meines Erachtens im Moment sehr weit weg, da wir in quasi allen Mannschaftsteilen ganz anders besetzt sind und nicht ansatzweise diese Balance im Kader haben.

Wir sind einfach zu weit auseinander. Wenn Du meinst, dass individuell defensiv stärkere Spieler nichts bringen, um die Defensive zu stabilisieren (außer sie verbessern ebenso unser Ballbesitzspiel), haben wir keinen Ansatzpunkt, um über die Transferpolitik zu diskutieren.
Die Diskussion wäre für mich nur, wie viel man Richtung Defensivverhalten investieren müsste. Wobei die Balance letztendlich Rose herstellen muss und es nur um Möglichkeiten geht, die man ihm an die Hand geben sollte.


Schade, dass du dich nicht konkreter erklärst, wobei ich auch angesichts dieser Antwort den Eindruck habe, dass sowohl ich dich als auch du mich nicht verstehst. Denn ich habe nicht geschrieben, dass defensivstärkere Spieler grundsätzlich nichts bringen, um die Defensive zu verstärken, sondern warum ich die von dir angesprochenen Hebel nicht sehe, ohne dafür dann auch wieder mehr in die Defensive gezwungen zu werden. Dadurch würde ich keinen Netto-Effekt erwarten, was ein gewaltiger Unterschied zu der von dir hier getätigten Darstellung ist.

Meine Grundlage ist die Festellung, dass unser Kader gegen den Ball nicht gut aufgestellt ist, um Roses Spielidee bezüglich Pressing und Intensität umzusetzen.
Darüber wollte ich nicht seitenlang diskutieren. Es gibt dafür zu viele offensichtliche Mängel, finde ich:
Hinten links gibt's niemanden, der gut gegen den Ball arbeitet.
In der Innenverteidigung haben wir schnell Probleme.
Hinten rechts verteidigt nur Meunier zuverlässig.
Im Mittelfeld sind nur Can und Bellingham gut gegen den Ball. Allerdings ist Can aufgrund seiner Mängel eher schwer einzubauen und fehlt einer wird man kaum Stärken im Pressing im Mittelfeld haben.
Vorne kann man am meisten darüber streiten, wie wir gegen den Ball besetzt sind.
Mir gefallen dort Haaland und Malen nicht. Hazard und Reus finde ich ganz gut. Zwar habe ich Reus immer kritisiert gegen den Ball, aber unter Rose gefällt er mir.
Aber Hazard und Reus sind eben auch nicht so stark gegen den Ball, dass sie einen Malen ausgleichen könnten oder die linke Seite trotz schwachem LV stabilisieren könnten.

Insgesamt fehlt da sehr viel, um zumindest bei unterschiedlichen Grundordnungen und bei vereinzelten Ausfällen, ein hohes, intensives Pressing erfolgreich durchzuziehen.
An dieser Stelle sehe ich wenig diskussionsbedarf. Der besteht für mich erst, wenn man überlegt, wie man damit umgeht. Darum ging es zwar sicher auch, aber wenn man der Meinung ist, unser Kader sei gegen den Ball nicht schlechter als andere, die ein starkes Pressing spielen und stabil stehen und dass das mit Roses Fußball bei uns genauso gehen müsste, dann sind die Grundannahmen der Diskussion für mich zu weit auseinander.
BVB - Transferpolitik |#16794
24.12.2021 - 14:28 Uhr
Zitat von mba123

Meine Grundlage ist die Festellung, dass unser Kader gegen den Ball nicht gut aufgestellt ist, um Roses Spielidee bezüglich Pressing und Intensität umzusetzen.
Darüber wollte ich nicht seitenlang diskutieren. Es gibt dafür zu viele offensichtliche Mängel, finde ich:
Hinten links gibt's niemanden, der gut gegen den Ball arbeitet.
In der Innenverteidigung haben wir schnell Probleme.
Hinten rechts verteidigt nur Meunier zuverlässig.
Im Mittelfeld sind nur Can und Bellingham gut gegen den Ball. Allerdings ist Can aufgrund seiner Mängel eher schwer einzubauen und fehlt einer wird man kaum Stärken im Pressing im Mittelfeld haben.
Vorne kann man am meisten darüber streiten, wie wir gegen den Ball besetzt sind.
Mir gefallen dort Haaland und Malen nicht. Hazard und Reus finde ich ganz gut. Zwar habe ich Reus immer kritisiert gegen den Ball, aber unter Rose gefällt er mir.
Aber Hazard und Reus sind eben auch nicht so stark gegen den Ball, dass sie einen Malen ausgleichen könnten oder die linke Seite trotz schwachem LV stabilisieren könnten.



Für mich reißt du hier vieles aus dem Kontext. Ich bin da gar nicht so weit weg von dir, wie du aktuell zu glauben scheinst. Mir ging es darum, wie gut der BVB trotz der Probleme im Pressingverhalten diese Saison dennoch ist und um die Relation zu den Bayern, die defensiv mehr Probleme haben, als es die Gegentore aussagen - insbesondere durch individuelle Fehler in der IV. Vielleicht sehe ich die Bayern dahingehend dann auch als Team zu schlecht, aber die Stats sagen generell, dass wir in fast allen Belangen ähnlich aktiv gegen den Ball agieren und auch ähnlich viele Zweikämpfe oder Pressingaktionen erfolgreich gestalten können. Auch vom Eye-Test würde ich nicht behaupten, dass die Bayern defensiv vieles besser machen. Sie sind taktisch aber deutlich homogener und kontrollieren das Spiel im Ballbesitz selbst mit wenig Engagement wesentlich besser. Meine These war daher zum Einen, dass die Bayern im Ballbesitz sich deutlicher vom BVB unterscheiden als gegen den Ball und zum Anderen, dass wir beim BVB nicht so viel mehr Potenzial haben, sofern wir nicht auf Homogenität im Kader abstellen und nicht zwangsläufig, dass die Bayern nicht noch mehr Potenzial haben. Dahingehend habe ich dich eben auch herausfordern wollen mir einen Spieler zu nennen, da du konkret den LV herausgestellt hast, welcher qualitativ sinnvolle LV auf dem aktuellen Markt denn für den BVB verfügbar sein könnte, um das so umzusetzen, wie du dir das vorstellst und wie das ins Rose Konzept passt. Dem entziehst du dich leider und machst eine Diskussion daraus, die es so gar nicht gab. Zumal ich dich auch so verstanden habe, dass der LV die Schlüsselpersonalie für die Defensive ist, was für mich aber nicht genug wäre, um defensiv stabil zu werden. Dafür sind für mich mehr Veränderungen nötig, um vor allem in die Formationen eine Stabilität reinzubekommen. Mehr Intensität gegen den Ball oder mehr erfolgreiche Duelle halte ich aber bspw. nicht für nötig, was vielleicht dann auch noch 2 Missverständnisse sein könnten, bei denen wir aneinander vorbei reden.


Insgesamt fehlt da sehr viel, um zumindest bei unterschiedlichen Grundordnungen und bei vereinzelten Ausfällen, ein hohes, intensives Pressing erfolgreich durchzuziehen.



Ja, das ist so, ist für mich aber stärker mit dem langsamstem IV als mit den AV verbunden, um die Mannschaft gegen den Ball schnell kompakt und nach hinten abgesichert hinzubekommen, da für die Absicherung die Spieler am relevantesten sind, die am nächsten zum eigenen Tor agieren. Daher halte ich den Wunsch, aggressiv zu pressen und trotzdem im Zweifel abgesichert sein, nicht durch einen weiteren aggressiv pressenden Spieler lösbar, da ich befürchten würde, dass ein defensivstarker LV sehr schnell, womöglich sogar wider seiner besseren Eignung im Pressing, doch für die Absicherung der IV eingesetzt würde. Pressing hat für mich viel mit Vertrauen in die Absicherung zu tun. Kann man nicht sicher sein, dass hinter einem zur Not aufgeräumt wird, gerät das Pressing schnell halbgar, um keinesfalls hinter den Gegenspieler zu geraten oder der Schwerpunkt sinkt sogar noch weiter nach hinten ab und die Distanzen im Anlaufen werden zu weit. Dazu werden für mich die Positionen im Gegenpressing bereits im Ballbesitz bestimmt, sodass vieles auch damit zu tun hat, wo man die Bälle verliert. Hier haben wir meines Erachtens einen Dissens bezüglich weniger schwerwiegender Ballverluste, durch die wir ins Gegenpressing kommen könnten. Ich glaube dahingegen, dass die Liga, wenn der BVB verstärkt lang spielt, selbst dasselbe macht und das Gegenpressing daher ins Leere läuft und der BVB defensivtaktisch auch nicht gut aufgestellt ist, um weit auseinandergezogen zu werden.

Interessant ist zudem übrigens, dass Nagelsmann das Pressing der Bayern, im Vergleich zu Flick stärker ins Mittelfeld zurückgezogen hat und dadurch kollektivtaktisch stabilisierend wirken konnte. Die IV gerät zwar immer noch situativ in Probleme, weil sie 1gg1 verteidigen müssen, ohne Absicherung, worin sie relativ fehleranfällig ist, obwohl bspw. der Speed kein Problem ist, aber ich glaube das ist nicht mehr ganz so häufig der Fall, wie unter Flick, der sehr aggressiv und hoch pressen ließ. Das aber nur nebenbei.


An dieser Stelle sehe ich wenig diskussionsbedarf. Der besteht für mich erst, wenn man überlegt, wie man damit umgeht. Darum ging es zwar sicher auch, aber wenn man der Meinung ist, unser Kader sei gegen den Ball nicht schlechter als andere, die ein starkes Pressing spielen und stabil stehen und dass das mit Roses Fußball bei uns genauso gehen müsste, dann sind die Grundannahmen der Diskussion für mich zu weit auseinander.


Nochmal: ich finde unser Kader macht das diese Saison im Pressing nicht schlecht. Nicht immer und es geht immer besser, aber die Verbesserungen die möglich sind, können für mich nur durch umfassende und daher teure Maßnahmen erfolgen. Wenn ich das mit Maßnahmen im Ballbesitz vergleiche, um konstanter etwas davon zu haben, dass die Mannschaft sich dieses Jahr gegen den Ball die meiste Zeit sehr bemüht, halte ich den Hebel für eher umsetzbar und daher für den einfacheren Weg.

Zumal gerade hier dann eben die zentrale Frage aufkam, welcher LV es denn bspw. sein könnte. Der Verweis auf Schmelzer legt für mich kein ausreichendes Profil an, da ich einige der Schwächen Schmelzers aktuell nicht tolerierbar finde. Daher will ich einen konkreten Namen, wenn möglich, um es nicht dermaßen abstrakt diskutieren zu müssen. Ich denke das ist auch ein Problem der ganzen Diskussion.

Trotzdem ein frohes Fest!
Dieser Beitrag wurde zuletzt von BVBBC am 24.12.2021 um 14:30 Uhr bearbeitet
BVB - Transferpolitik |#16795
25.12.2021 - 11:51 Uhr
Zitat von BVBBC
Zitat von mba123

Meine Grundlage ist die Festellung, dass unser Kader gegen den Ball nicht gut aufgestellt ist, um Roses Spielidee bezüglich Pressing und Intensität umzusetzen.
Darüber wollte ich nicht seitenlang diskutieren. Es gibt dafür zu viele offensichtliche Mängel, finde ich:
Hinten links gibt's niemanden, der gut gegen den Ball arbeitet.
In der Innenverteidigung haben wir schnell Probleme.
Hinten rechts verteidigt nur Meunier zuverlässig.
Im Mittelfeld sind nur Can und Bellingham gut gegen den Ball. Allerdings ist Can aufgrund seiner Mängel eher schwer einzubauen und fehlt einer wird man kaum Stärken im Pressing im Mittelfeld haben.
Vorne kann man am meisten darüber streiten, wie wir gegen den Ball besetzt sind.
Mir gefallen dort Haaland und Malen nicht. Hazard und Reus finde ich ganz gut. Zwar habe ich Reus immer kritisiert gegen den Ball, aber unter Rose gefällt er mir.
Aber Hazard und Reus sind eben auch nicht so stark gegen den Ball, dass sie einen Malen ausgleichen könnten oder die linke Seite trotz schwachem LV stabilisieren könnten.



Für mich reißt du hier vieles aus dem Kontext. Ich bin da gar nicht so weit weg von dir, wie du aktuell zu glauben scheinst. Mir ging es darum, wie gut der BVB trotz der Probleme im Pressingverhalten diese Saison dennoch ist und um die Relation zu den Bayern, die defensiv mehr Probleme haben, als es die Gegentore aussagen - insbesondere durch individuelle Fehler in der IV. Vielleicht sehe ich die Bayern dahingehend dann auch als Team zu schlecht, aber die Stats sagen generell, dass wir in fast allen Belangen ähnlich aktiv gegen den Ball agieren und auch ähnlich viele Zweikämpfe oder Pressingaktionen erfolgreich gestalten können. Auch vom Eye-Test würde ich nicht behaupten, dass die Bayern defensiv vieles besser machen. Sie sind taktisch aber deutlich homogener und kontrollieren das Spiel im Ballbesitz selbst mit wenig Engagement wesentlich besser. Meine These war daher zum Einen, dass die Bayern im Ballbesitz sich deutlicher vom BVB unterscheiden als gegen den Ball und zum Anderen, dass wir beim BVB nicht so viel mehr Potenzial haben, sofern wir nicht auf Homogenität im Kader abstellen und nicht zwangsläufig, dass die Bayern nicht noch mehr Potenzial haben. Dahingehend habe ich dich eben auch herausfordern wollen mir einen Spieler zu nennen, da du konkret den LV herausgestellt hast, welcher qualitativ sinnvolle LV auf dem aktuellen Markt denn für den BVB verfügbar sein könnte, um das so umzusetzen, wie du dir das vorstellst und wie das ins Rose Konzept passt. Dem entziehst du dich leider und machst eine Diskussion daraus, die es so gar nicht gab. Zumal ich dich auch so verstanden habe, dass der LV die Schlüsselpersonalie für die Defensive ist, was für mich aber nicht genug wäre, um defensiv stabil zu werden. Dafür sind für mich mehr Veränderungen nötig, um vor allem in die Formationen eine Stabilität reinzubekommen. Mehr Intensität gegen den Ball oder mehr erfolgreiche Duelle halte ich aber bspw. nicht für nötig, was vielleicht dann auch noch 2 Missverständnisse sein könnten, bei denen wir aneinander vorbei reden.


Insgesamt fehlt da sehr viel, um zumindest bei unterschiedlichen Grundordnungen und bei vereinzelten Ausfällen, ein hohes, intensives Pressing erfolgreich durchzuziehen.



Ja, das ist so, ist für mich aber stärker mit dem langsamstem IV als mit den AV verbunden, um die Mannschaft gegen den Ball schnell kompakt und nach hinten abgesichert hinzubekommen, da für die Absicherung die Spieler am relevantesten sind, die am nächsten zum eigenen Tor agieren. Daher halte ich den Wunsch, aggressiv zu pressen und trotzdem im Zweifel abgesichert sein, nicht durch einen weiteren aggressiv pressenden Spieler lösbar, da ich befürchten würde, dass ein defensivstarker LV sehr schnell, womöglich sogar wider seiner besseren Eignung im Pressing, doch für die Absicherung der IV eingesetzt würde. Pressing hat für mich viel mit Vertrauen in die Absicherung zu tun. Kann man nicht sicher sein, dass hinter einem zur Not aufgeräumt wird, gerät das Pressing schnell halbgar, um keinesfalls hinter den Gegenspieler zu geraten oder der Schwerpunkt sinkt sogar noch weiter nach hinten ab und die Distanzen im Anlaufen werden zu weit. Dazu werden für mich die Positionen im Gegenpressing bereits im Ballbesitz bestimmt, sodass vieles auch damit zu tun hat, wo man die Bälle verliert. Hier haben wir meines Erachtens einen Dissens bezüglich weniger schwerwiegender Ballverluste, durch die wir ins Gegenpressing kommen könnten. Ich glaube dahingegen, dass die Liga, wenn der BVB verstärkt lang spielt, selbst dasselbe macht und das Gegenpressing daher ins Leere läuft und der BVB defensivtaktisch auch nicht gut aufgestellt ist, um weit auseinandergezogen zu werden.

Interessant ist zudem übrigens, dass Nagelsmann das Pressing der Bayern, im Vergleich zu Flick stärker ins Mittelfeld zurückgezogen hat und dadurch kollektivtaktisch stabilisierend wirken konnte. Die IV gerät zwar immer noch situativ in Probleme, weil sie 1gg1 verteidigen müssen, ohne Absicherung, worin sie relativ fehleranfällig ist, obwohl bspw. der Speed kein Problem ist, aber ich glaube das ist nicht mehr ganz so häufig der Fall, wie unter Flick, der sehr aggressiv und hoch pressen ließ. Das aber nur nebenbei.


An dieser Stelle sehe ich wenig diskussionsbedarf. Der besteht für mich erst, wenn man überlegt, wie man damit umgeht. Darum ging es zwar sicher auch, aber wenn man der Meinung ist, unser Kader sei gegen den Ball nicht schlechter als andere, die ein starkes Pressing spielen und stabil stehen und dass das mit Roses Fußball bei uns genauso gehen müsste, dann sind die Grundannahmen der Diskussion für mich zu weit auseinander.


Nochmal: ich finde unser Kader macht das diese Saison im Pressing nicht schlecht. Nicht immer und es geht immer besser, aber die Verbesserungen die möglich sind, können für mich nur durch umfassende und daher teure Maßnahmen erfolgen. Wenn ich das mit Maßnahmen im Ballbesitz vergleiche, um konstanter etwas davon zu haben, dass die Mannschaft sich dieses Jahr gegen den Ball die meiste Zeit sehr bemüht, halte ich den Hebel für eher umsetzbar und daher für den einfacheren Weg.

Zumal gerade hier dann eben die zentrale Frage aufkam, welcher LV es denn bspw. sein könnte. Der Verweis auf Schmelzer legt für mich kein ausreichendes Profil an, da ich einige der Schwächen Schmelzers aktuell nicht tolerierbar finde. Daher will ich einen konkreten Namen, wenn möglich, um es nicht dermaßen abstrakt diskutieren zu müssen. Ich denke das ist auch ein Problem der ganzen Diskussion.

Trotzdem ein frohes Fest!

Dir auch schöne Weihnachten.

Das Pressing wurde taktisch deutlich verbessert unter Rose. Das schlägt sich dann auch in den Stats nieder, denke ich.
Individuell werden aber, meiner Meinung nach, sehr viele Fehler gemacht, weswegen wir sehr anfällig sind.
Das wiederspricht sich nicht. Beispielsweise kann ein Trainer verlangen, dass hinten immer die spielerische Lösung gesucht wird. Die Passquote geht dann zwangsläufig nach oben. Sind die Spieler aber nicht gut für diesen Spielansatz geeignet, kann es zu gefährlichen Ballverlusten kommen.
Also der Stat Passquote ist gut, aber dennoch wird der Spielansatz nicht auf gutem Niveau umgesetzt.

Bei uns werden sehr viele Fehler im Pressing gemacht: Spieler laufen schlecht an, reißen Löcher, haben kein Auge für Gefahren-Potenzial, stellen sich ungeschickt in Zweikämpfen an, lösen unsere Kompaktheit auf, etc.
Und es gibt fast keine Spieler im Kader, die diese Schwächen der anderen ausgleichen könnten.

Der Linksverteidiger ist für mich auch nicht der alleinige Schlüssel zum Erfolg. Nicht ohne Grund habe ich Probleme in allen Mannschaftsteilen angesprochen.
Links hinten ist es für mich nur am offensichtlichsten, da dort niemand gut gegen den Ball arbeitet. Auf einen Spielertypen wollte ich mich auch nicht festlegen, sondern nur fordern, dass ein neuer LV gut gegen den Ball arbeiten sollte. Deswegen wären sowohl ein damaliger Schmelzer als auch einer wie Piszczek, nur für links, klare Verbesserungen des Kaders. Hätte ich die Wahl, würde ich natürlich einen Spielertypen wie Piszczek als LV bevorzugen.
Hier kommt es eben darauf an, was der Markt bietet. Das Spielerische wäre mir auch nicht unwichtig. Aber ein gutes Verhalten gegen den Ball wäre für mich Grundvoraussetzung. Einen wie Davies, nur schlechter, würde ich beispielsweise eher für ungeeignet halten.

Aber wie gesagt, meine Grundannahme ist, dass es unserem Kader insgesamt gegen Ball fehlt. Wenn wir darin nicht übereinstimmen, lohnt sich die weitere Diskussion nicht.
Stimmen wir darin aber überein, kann man überlegen, welche Maßnahmen wir treffen sollte. Man kann dem ja sowohl taktisch begegnen (defensive Taktik, Ballbesitzfußball) oder personell (mehr Defensivspieler aufbieten, Spieler mit höherer Qualität gegen den Ball verpflichten) oder aber man schießt so viele Tore, dass die schwache Defensive ausgeglichen wird (so ist es im Prinzip seit einigen Jahren).

Meiner Meinung nach will Rose taktisch nicht wirklich gegensteuern. Er möchte offensiven, vertikalen Fußball mit hohem Pressing spielen.
Hier ist dann die Frage, was durch eine Erhöhung der spielerischen Komponente erreicht werden kann.

Mein Ansatz ist da erst einmal simpel. Rose setzt auf Intensität, Pressing und Umschaltmomente (oftmals eher defensiv bei uns gefragt, wenn der Gegner destruktiv spielt und kontert). Wenn das die Kernelemente des Trainers sind, sollte der Kader in diesen Bereichen gut sein. Ist er das nicht, würde ich hier am meisten Potenzial in der Transferpolitik sehen.
BVB - Transferpolitik |#16796
26.12.2021 - 11:52 Uhr
Zitat von mba123


Aber wie gesagt, meine Grundannahme ist, dass es unserem Kader insgesamt gegen Ball fehlt. Wenn wir darin nicht übereinstimmen, lohnt sich die weitere Diskussion nicht.
Stimmen wir darin aber überein, kann man überlegen, welche Maßnahmen wir treffen sollte. Man kann dem ja sowohl taktisch begegnen (defensive Taktik, Ballbesitzfußball) oder personell (mehr Defensivspieler aufbieten, Spieler mit höherer Qualität gegen den Ball verpflichten) oder aber man schießt so viele Tore, dass die schwache Defensive ausgeglichen wird (so ist es im Prinzip seit einigen Jahren).

Meiner Meinung nach will Rose taktisch nicht wirklich gegensteuern. Er möchte offensiven, vertikalen Fußball mit hohem Pressing spielen.
Hier ist dann die Frage, was durch eine Erhöhung der spielerischen Komponente erreicht werden kann.

Mein Ansatz ist da erst einmal simpel. Rose setzt auf Intensität, Pressing und Umschaltmomente (oftmals eher defensiv bei uns gefragt, wenn der Gegner destruktiv spielt und kontert). Wenn das die Kernelemente des Trainers sind, sollte der Kader in diesen Bereichen gut sein. Ist er das nicht, würde ich hier am meisten Potenzial in der Transferpolitik sehen.


Ich fand eure Diskussion sehr ansprechend und das meiste was es zu sagen gab, habt ihr gesagt aber ich entnehme mir mal deine letzten 3 Absätze in der Hoffnung es nicht zu sehr aus dem Kontext zu reißen.

Defensive Taktik & Ballbesitzfussball - Favre
mehr Defensivspieler - Terzic
Mehr Tore als Gegentore - Rose

Diese Assoziationen habe ich bei der Aussage direkt gehabt. Natürlich ist das sehr einfach gedacht in dem Moment aber wenn man es runterbricht, trifft es doch irgendwie den Kern. Ich sehe hierbei leider das Problem dass Roses Fussball dabei der Fussball ist, der zum Einen am intensivsten und somit auch am meisten Körner kostet und zum Anderen für mich auch einen relativ hohem Form- und Glücksfaktor unterliegt.

Mir selbst wäre der Favresche Ansatz am Liebsten jedoch mit einem Trainer der eine andere Mentalität verkörpert und es nicht gänzlich zum "Schlafwagenfussball" verkommen lässt und damit auch dem eigenen Team das Feuer nimmt.

Terzics Fussball wurde teils ja sehr gelobt und es wäre durchaus interessant gewesen zu sehen ob er noch andere Ansätze gehabt hätte mit einer entsprechenden Vorbereitung. Aber permanent nur defensiv und dann vorne auf die Individualisten verlassen, halte ich auch für sehr riskant.

Rose ist halt wieder Action pur und sicherlich mit einigen guten Transfers auch gut umsetzbar, jedoch bin ich unentschlossen ob dies der Fussball ist, welchen eine Spitzenmannschaft permanent spielen sollte. Mir fehlen die Phasen kontrollierten Ballbesitzes kombiniert mit einem guten Plan im Aufbauspiel. Es wirkt mir oft zu hektisch und dementsprechend fehleranfällig. Ausserdem bleibt halt diese extrem hohe Intensität und riskante Verteidigung.

Dein zweiter Ansatz trifft in meinen Augen genau das Problem. Rose möchte sich nicht entwickeln sondern nur seinen Stiefel durchziehen und das empfinde ich als nicht Toptrainer-würdig. Man muss sich anpassen und entwickeln können. Positiv empfand ich da zum Beispiel Terzic, welcher im Verlauf eben immer mehr merkte was geht und was nicht und es dann hinbekam die berühmten und berüchtigten Stellschrauben zu drehen um dem Team genau den Spielstil zu geben, welcher eben zum Kader passte und in dem sich die Jungs scheinbar gut fühlten.

Bei deinem letzten Absatz erlaube mir eine Gegenfrage:
Ist es nicht genau unser Fehler sich immer wieder an unsere Trainer anzupassen und dann zu merken, dass wir zu viele Altlasten tragen und sich somit eine 100 prozentige Vereinbarkeit zwischen Trainer und Kader nicht aufbauen lässt?
Ich persönlich würde mir eine Vereinsvorgegebene Spielweise wünschen. Natürlich sollte es dabei auch Interpretationsspielraum geben für den jeweiligen Trainer aber eben nicht so, dass man den Kader eigentlich alle 2 Jahre komplett austauschen müsste. Auch wäre es von Vorteil wenn ein Trainer anpassungsfähig wäre um eine Übergangsphase zu moderieren und dann seine Vision von Fussball (welche eben auch der Grundausrichtung des Vereins entspricht) Stück für Stück und Hand in Hand mit den Oberen umstetzt.
Aber so etwas bedürfte auch Geduld in der Phase der Umsetzung, da in dieser Phase die absoluten Topleistungen auch nicht zwangsläufig zu erwarten sind.

Unser Problem ist meiner Meinung nach eben die kurzsichtige (oder naive) Planung der Transferpolitik. Man versucht immer mit Glück und Brechstange eine Homogenität in den Kader zu implementieren, die doch eigentlich eher eine Entwicklung über Jahre sein muss.

•     •     •

~ Wer Andern eine Grube gräbt, hat ein Grubengrabgerät ~

“10 Millionen sind heute kein Geld mehr – dafür kaufen die Engländer den Platzwart.”
Franz Beckenbauer
BVB - Transferpolitik |#16797
26.12.2021 - 12:34 Uhr
Zitat von BvBSpencer
Zitat von mba123

Aber wie gesagt, meine Grundannahme ist, dass es unserem Kader insgesamt gegen Ball fehlt. Wenn wir darin nicht übereinstimmen, lohnt sich die weitere Diskussion nicht.
Stimmen wir darin aber überein, kann man überlegen, welche Maßnahmen wir treffen sollte. Man kann dem ja sowohl taktisch begegnen (defensive Taktik, Ballbesitzfußball) oder personell (mehr Defensivspieler aufbieten, Spieler mit höherer Qualität gegen den Ball verpflichten) oder aber man schießt so viele Tore, dass die schwache Defensive ausgeglichen wird (so ist es im Prinzip seit einigen Jahren).

Meiner Meinung nach will Rose taktisch nicht wirklich gegensteuern. Er möchte offensiven, vertikalen Fußball mit hohem Pressing spielen.
Hier ist dann die Frage, was durch eine Erhöhung der spielerischen Komponente erreicht werden kann.

Mein Ansatz ist da erst einmal simpel. Rose setzt auf Intensität, Pressing und Umschaltmomente (oftmals eher defensiv bei uns gefragt, wenn der Gegner destruktiv spielt und kontert). Wenn das die Kernelemente des Trainers sind, sollte der Kader in diesen Bereichen gut sein. Ist er das nicht, würde ich hier am meisten Potenzial in der Transferpolitik sehen.


Ich fand eure Diskussion sehr ansprechend und das meiste was es zu sagen gab, habt ihr gesagt aber ich entnehme mir mal deine letzten 3 Absätze in der Hoffnung es nicht zu sehr aus dem Kontext zu reißen.

Defensive Taktik & Ballbesitzfussball - Favre
mehr Defensivspieler - Terzic
Mehr Tore als Gegentore - Rose

Diese Assoziationen habe ich bei der Aussage direkt gehabt. Natürlich ist das sehr einfach gedacht in dem Moment aber wenn man es runterbricht, trifft es doch irgendwie den Kern. Ich sehe hierbei leider das Problem dass Roses Fussball dabei der Fussball ist, der zum Einen am intensivsten und somit auch am meisten Körner kostet und zum Anderen für mich auch einen relativ hohem Form- und Glücksfaktor unterliegt.

Mir selbst wäre der Favresche Ansatz am Liebsten jedoch mit einem Trainer der eine andere Mentalität verkörpert und es nicht gänzlich zum "Schlafwagenfussball" verkommen lässt und damit auch dem eigenen Team das Feuer nimmt.

Terzics Fussball wurde teils ja sehr gelobt und es wäre durchaus interessant gewesen zu sehen ob er noch andere Ansätze gehabt hätte mit einer entsprechenden Vorbereitung. Aber permanent nur defensiv und dann vorne auf die Individualisten verlassen, halte ich auch für sehr riskant.

Rose ist halt wieder Action pur und sicherlich mit einigen guten Transfers auch gut umsetzbar, jedoch bin ich unentschlossen ob dies der Fussball ist, welchen eine Spitzenmannschaft permanent spielen sollte. Mir fehlen die Phasen kontrollierten Ballbesitzes kombiniert mit einem guten Plan im Aufbauspiel. Es wirkt mir oft zu hektisch und dementsprechend fehleranfällig. Ausserdem bleibt halt diese extrem hohe Intensität und riskante Verteidigung.

Dein zweiter Ansatz trifft in meinen Augen genau das Problem. Rose möchte sich nicht entwickeln sondern nur seinen Stiefel durchziehen und das empfinde ich als nicht Toptrainer-würdig. Man muss sich anpassen und entwickeln können. Positiv empfand ich da zum Beispiel Terzic, welcher im Verlauf eben immer mehr merkte was geht und was nicht und es dann hinbekam die berühmten und berüchtigten Stellschrauben zu drehen um dem Team genau den Spielstil zu geben, welcher eben zum Kader passte und in dem sich die Jungs scheinbar gut fühlten.

Bei deinem letzten Absatz erlaube mir eine Gegenfrage:
Ist es nicht genau unser Fehler sich immer wieder an unsere Trainer anzupassen und dann zu merken, dass wir zu viele Altlasten tragen und sich somit eine 100 prozentige Vereinbarkeit zwischen Trainer und Kader nicht aufbauen lässt?
Ich persönlich würde mir eine Vereinsvorgegebene Spielweise wünschen. Natürlich sollte es dabei auch Interpretationsspielraum geben für den jeweiligen Trainer aber eben nicht so, dass man den Kader eigentlich alle 2 Jahre komplett austauschen müsste. Auch wäre es von Vorteil wenn ein Trainer anpassungsfähig wäre um eine Übergangsphase zu moderieren und dann seine Vision von Fussball (welche eben auch der Grundausrichtung des Vereins entspricht) Stück für Stück und Hand in Hand mit den Oberen umstetzt.
Aber so etwas bedürfte auch Geduld in der Phase der Umsetzung, da in dieser Phase die absoluten Topleistungen auch nicht zwangsläufig zu erwarten sind.

Unser Problem ist meiner Meinung nach eben die kurzsichtige (oder naive) Planung der Transferpolitik. Man versucht immer mit Glück und Brechstange eine Homogenität in den Kader zu implementieren, die doch eigentlich eher eine Entwicklung über Jahre sein muss.

Ich bin ganz bei dir, dass eine einheitliche Spielphilosophie die Transferpolitik erleichtern würde und zu einem homogenen Kader führen würde.

Dass wir immer wieder probiert haben, den Kader den Trainern anzupassen, empfinde ich aber nicht so.
Beispielsweise kann ich mir kaum vorstellen, dass Favre einen defensiv-schwachen LV haben wollte. So hatte in Favres erster Saison Diallo die meisten Einsätze als LV, obwohl er auch als IV gebraucht wurde.
Auch scheint mir Hummels ein Transfer unserer Führung zu sein.
Für Brandt gab es offensichtlich auch keine Position in Favres Spielsystem.
Davor wurde an Bosz der Kader quasi gar nicht angepasst.
Bei Rose waren wir finanziell wohl am meisten eingeschränkt. Malen könnte ein Rose-Transfer sein, weitere Anpassungen war aber wohl nicht drin.

Bei der Wahl der Trainer ist es für mich ganz deutlich, dass wir keine einheitliche Philosophie verfolgen. Dementsprechend ist es wohl logisch, dass wir das in der Transferpolitik auch nicht tun.
Ich denke, wir wollen vor allem das beste Paket aus Leistung und Potenzial zu uns holen, ohne großartig auf eine Spielphilosophie zu achten. Manchmal kommen dann noch einzelne Prioritäten, wie Mentalität damals, hinzu.

So wie unsere Transferpolitik aussieht, zielen wir quasi darauf ab, das Beste rausholen, was die individuelle Klasse im Kader angeht. Das sollte man nicht unterschlagen.
Im Idealfall könnte der Trainer dann ein homogenes Gebilde daraus basteln.

Was hier alle fordern, bedeutet für mich, dass wir auf individuelle Qualität verzichten, um einen größeren Systemfit zu erreichen. Ich bin auch stark dafür. Es ist aber eben auch so, dass die Taktik dann soweit besser umgesetzt werden müsste, dass sie auch Verluste bezüglich der individuellen Qualität ausgleichen könnte.

Ein Gegenbeispiel für den Ansatz, den wir hier fordern, war zum Beispiel Real Madrid für mich. Die hatten, meiner Meinung nach, komplett auf individuelle Klasse gesetzt. Es war dann nicht die starke Taktik, die Real zum Seriensieger in der Champions League machte.
Liverpool wiederum ist ein Beispiel für mich, bei denen die Taktik der Schlüssel zu den Erfolgen war.

Man kann daher nicht so pauschal sagen, was der beste Weg ist.
Hier würde auch niemand behaupten, wir hätten auf Haaland verzichten sollen, weil er nicht der ideale Spielertyp für Favre war. Über Brandt ließe sich dann streiten. Bei Schulz ist es hingegen klar. Hätte es damals aber einen Hakimi als LV gegeben, hätten die meisten wohl zuschlagen wollen, trotz schlechtem Systemfit.
BVB - Transferpolitik |#16798
26.12.2021 - 13:25 Uhr
Zitat von mba123

...

Was hier alle fordern, bedeutet für mich, dass wir auf individuelle Qualität verzichten, um einen größeren Systemfit zu erreichen. Ich bin auch stark dafür. Es ist aber eben auch so, dass die Taktik dann soweit besser umgesetzt werden müsste, dass sie auch Verluste bezüglich der individuellen Qualität ausgleichen könnte.



Für mich besteht hier vor allem Potenzial bei den Komplementärspielern. Wir haben hier in den letzten Jahren sehr viel Geld rausgehauen, wodurch von manchem Spieler entweder ablösetechnisch oder aber mindestens gehaltsseitig verlangt war, dass er sich hier nahezu perfekt einführt, da die Qualität diese Kosten ansonsten nicht rechtfertigt. Ich denke vor allem hier muss der Fit von vornherein daher nahezu optimal sichergestellt sein oder andernfalls sind solche Transfers zu unterlassen, weil sie kaum eine andere Chance haben als zum Flop zu geraten. Im Idealfall bekommt man dann noch solide Leistungen, wie bspw. von Alcacer oder aktuell Meunier, aber mehr dann auch nicht, sodass sie dennoch jederzeit Kandidaten bleiben, bei denen man nicht nur qualitativ upgraden kann, sondern eben auch bezüglich der Passung. Dazu ist redundante Qualität für mich auch etwas, wofür man viel Geld ausgegeben hat, aber nicht so wahnsinnig viel profitieren konnte. Brandt bspw. ist hier immer noch auf der Suche nach seiner Rolle, womit er nicht der einzige Spieler ist, wobei in seinem Fall nun mal absehbar war, dass es bei aller Qualität und noch mehr Potenzial schwer werden würde, dass er Reus verdrängt.


...

Man kann daher nicht so pauschal sagen, was der beste Weg ist.
Hier würde auch niemand behaupten, wir hätten auf Haaland verzichten sollen, weil er nicht der ideale Spielertyp für Favre war. Über Brandt ließe sich dann streiten. Bei Schulz ist es hingegen klar. Hätte es damals aber einen Hakimi als LV gegeben, hätten die meisten wohl zuschlagen wollen, trotz schlechtem Systemfit.


Naja, Hakimis Systemfit auf LV wäre meines Erachtens jetzt ziemlich überragend, da er Breite herstellen könnte, wie Rose es sich vorstellt, da Hakimi definitiv von jedem Gegner mit hoher Aufmerksamkeit im Matchplan bedacht werden muss, wodurch er das Spiel meines Erachtens effektiv entzerren kann und im Zentrum für das Pass-Klatsch mehr Platz schafft sowie bei Überlagerungen idealtypisch seiner Rolle gerecht werden dürfte. Das Ganze dann auch noch in Verbindung mit seiner Qualität und Dynamik, die sowohl im Pressing als auch alternativ zur Absicherung nach hinten mindestens Potenziale bietet. Die Qualität allein wäre für mich jedenfalls nicht ansatzweise so sehr das Kriterium unter Rose, wie noch unter Favre, der auf den AV traditionell andere Spielertypen bevorzugt, die der BVB meines Erachtens aber nicht geholt hat - Meunier war noch am nächsten dran, ist im Aufbau aber zu schwach für Favre, sodass er als Komplementärspieler nicht saß. Daran zeigt sich aber auch, wie krass sich auf manchen Positionen dann schnell der Bedarf stark verändern kann und die Philosophie des nächsten Trainers nicht mehr auf der des Vorgängers aufbaut, sondern einem Paradigmenwechsel gleichkommt, der nicht nur taktisch, sondern eben (erst recht) personell durchschlägt.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von BVBBC am 26.12.2021 um 13:26 Uhr bearbeitet
BVB - Transferpolitik |#16799
16.01.2022 - 17:56 Uhr
Wenn man seit der Jahrhundertwende die ganzen Transfers hernimmt, haben wir grad in den letzten Jahren die unsinnigsten Transfers (Preis-Leistung mäßig) eingefahren.

1. Nico Schulz
2. André Schürrle
3. Emre Can
4. Mario Götze
5. Sebastian Rode, Ömer Toprak

Vielen andere Transfers ob Emre Mor, Jeremy Toljan, Andriy Yarmolenko, Julian Schieber, Milos Jojic, Nelson Valdez oder Ciro Immobile funktionierten zwar auch nicht wirklich, aber diese Spieler konnten meist ohne (oder sogar mit kleinem +) große Verluste verkauft werden.

Das alles in 20 Jahren und die größten "Enttäuschungen" innerhalb 5 oder 6 Jahren.
BVB - Transferpolitik |#16800
16.01.2022 - 18:08 Uhr
Zitat von Herzog10
Wenn man seit der Jahrhundertwende die ganzen Transfers hernimmt, haben wir grad in den letzten Jahren die unsinnigsten Transfers (Preis-Leistung mäßig) eingefahren.

1. Nico Schulz
2. André Schürrle
3. Emre Can
4. Mario Götze
5. Sebastian Rode, Ömer Toprak

Vielen andere Transfers ob Emre Mor, Jeremy Toljan, Andriy Yarmolenko, Julian Schieber, Milos Jojic, Nelson Valdez oder Ciro Immobile funktionierten zwar auch nicht wirklich, aber diese Spieler konnten meist ohne (oder sogar mit kleinem +) große Verluste verkauft werden.

Das alles in 20 Jahren und die größten "Enttäuschungen" innerhalb 5 oder 6 Jahren.


Interessant finde ich ja, dass man bei sehr jungen Spielern und Talenten durchaus ein gutes Händchen hat, allerdings funktionieren die teureren Transfers von erfahreneren Spielern (meist aus der BL) oft nicht so gut - siehe deine Top 5.

Toprak passt für mich da nicht ganz rein. Meuniers erstes Jahr war für mich auch auf dem Podium, aber glücklicherweise zeigt er ja mittlerweile ansprechende Leistungen.

Ich hoffe sehr, dass wir die Millionen für Haaland weise investieren, das wäre echt wichtig in diesen merkwürdigen Zeiten.
  Post-Optionen
Den kompletten Thread wirklich löschen?

  Paten-Optionen
Möchtest Du den Beitrag wirklich löschen?
  Diesen Beitrag alarmieren
  Diesen Beitrag alarmieren
  Diesen Beitrag alarmieren
  Lesezeichen
  Abonnierte Threads
  Guter Beitrag
  Guter Beitrag
  Guter Beitrag
  Post-Optionen
Nutze die Thread-Suche, wenn Du diesen Post in einen anderen Thread verschieben möchtest. Drücke Thread erstellen, wenn aus diesem Post ein eigenständiger Thread werden soll.
Widerruf Tracking & Cookies

Du hast erfolgreich deine Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die du zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt hast. Du kannst dich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden. Bitte beachte, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wende dich diesbezüglich an datenschutz@transfermarkt.de.