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BVB - Transferpolitik

14.02.2015 - 15:43 Uhr
BVB - Transferpolitik |#12721
14.08.2018 - 11:12 Uhr
Zitat von BVBBC

Zitat von Nic

Naja das Problem an den Verkäufen sind ja dann immer die darauf folgenden Zugänge.

Und genau bei den Zugängen liegt das Problem: Man weiss eben nie wie sie funktionieren werden. Das war genau unser Problem in den letzten beiden Transferperioden (deutlich schlimmer jedoch im Sommer 2016, wo im Verein gar nix zusammen passte).

Hättest du im Sommer 2016 gesagt, Schürrle und Götze als zigfache Nationalspieler und Weltmeister haben keine internationale Klasse? Oder der frisch gebackene Europameister-LV, technisch versiert und bei Standards so gefährlich, dass sogar Ronaldo von der Seitenauslinie ihn als Schützen vehement fordert? Oder ein Rode, absoluter Leader bei Frankfurt und Roleplayer mit deutlicher Veranlagung zu mehr bei Bayern wäre die totale Gurke? Oder ein Yarmolenko, der in der CL die starken Gegner aus den Top-4-Ligen im Alleingang beschäftigt?



Wir müssen aber auch nicht so tun, als waren das damals alles logische und unumstrittene Neuzugänge. Guerreiro wohl noch am wenigsten, aber selbst da kann ich mich noch an lebhafte Diskussionen erinnern, wonach viele in ihm keinen LV gesehen haben, wodurch die ganze Diskussion ausgelöst wurde, dass ein Linksverteidiger Verteidiger heißt, weil das sein allererste Job ist. Das war aber noch die harmloseste Diskussion, da vergleichsweise wenig über die allgemeine Qualität und über Guerreiros Talent gestritten wurde, sodass hier die Positionen nicht ansatzweise so extrem waren, wie bei anderen Spielern. Spätestens bei Yarmolenko wurde es sogar absurd, wo heute noch einige User, nachdem er nachweislich gescheitert ist, die Hypetrain fahren, während es andere User - wenn auch weniger als bei Schürrle, Rode und Götze -, die negativen Konseuqenzen durch dessen Verpflichtung korrekt vorhergesagt haben und dementsprechend gegen die Verpflichtung Sturm gelaufen sind.

Das sind ja aber auch nicht die einzigen Spieler, bei denen das der Fall war, da sie sich auch im Jahr 2018 finden lassen, mittlerweile - und das ist eigentlich bedenklich - sogar unabhängig von den unmittelbar sichtbaren Kosten - also Ablösen, deren Aussagekraft aber immer mehr schwindet, indem man Handgelder offensichtlich nutzt, um die Transferpolitik durchfinanzieren zu können. Waren es vor 1-2 Jahren noch vor allem die teuren Transfers, die kritisiert wurden, so ist man heute schon zutiefst zerstritten, wenn mal 5 Mio. für einen Wolf ausgegeben werden oder sogar gar nichts für einen Hitz. Werden dann 20 Mio. und mehr ausgegeben, gehen die Meinungen sogar noch mehr auseinander. Worauf ich hier raus will, ist also nicht unbedingt, dass all die Transfers der letzten Jahre nicht nachvollziehbar sind, da es immer mehr oder weniger große Gruppen, mit mehr oder weniger Kompetenz gab, die für einen Transfer waren und umgekehrt, sondern vor allem darauf, dass der BVB in den vergangenen Jahren sich sehr schwer damit getan hat, dass er die Fans abholt und es auch immer noch nicht geschafft hat. Da ist jedenfalls viel Vertrauen verloren gegangen.

Genau darauf waren aber viele Transfers ausgelegt, da man Namen verpflichtet hat, die jeder fussballinteressierte kennt, die gut und gar nach internationaler Klasse klingen, die aber entweder noch nie auf höchstem Niveau gespielt haben oder längst auf dem absteigenden Ast - aus welchen Gründen auch immer - waren und damit Risiken enthielten, die schon etwas größer sind, weil man den Namen bezahlen musste und damit mehr als den eigentlichen Wert des Spielers. Man könnte also behaupten, dass die Transferpolitik in den letzten Jahren politisiert wurde und weniger das Scouting entscheidend war oder gar die Frage, ob und wie gut ein Spieler beim BVB ins Konzept reinpasst. Ich denke damit hat man es sich einfach gemacht, zu kurzfristig gedacht, um Druck vom Kessel zu bekommen, den man sich auch selbst geschaffen hat, durch den Umgang mit Tuchel oder mit Aussagen, die bspw. als Versprechen verwechselte persönliche Einschätzungen darstellten. Druck, den man bis heute nicht losgeworden ist, weil das Konzept auch noch, wegen Streitigkeiten mit dem Trainer oder mehreren Richtungswechseln in dessen Auswahl, schwer zu greifen, wenn nicht sogar unklar war, weil es sich immer wieder (deutlich) veränderte und nie so ganz ohne Haken auskam, wenn man nicht sogar teilweise von Widersprüchen reden muss. Ich glaube jedenfalls nicht, das man seit 2016 klar sagen kann, wohin man den Verein eigentlich entwickeln will, sondern es wurden eigentlich nur Löcher gestopft.

Watzke betont ja immer wieder, dass man Weltklasse nicht ersetzen kann, was zumindest kurzfristig auch stimmt, aber wenn man eben genau das versucht, indem man Namen holt, die mal (nah) an der Weltklasse waren, aber es entweder nicht mehr sind oder noch nie konstant nachweisen konnten, dann kann man Weltklasse erst recht nicht ersetzen, weil man einerseits damit noch nicht mal ein Gerüst für Weltklasse-Potenzial auf die Beine gestellt bekam und andererseits das tatsächliche Weltklasse-Potenzial sogar eher noch ausbremste, wenn da nicht schon mehr vorhanden war und ist.

Schließlich gab es nur eine einzige klare Fehlentwicklung in der Transferpolitik. So hat man auch den Kader extrem verbreitert, was man heute dann noch als zweiten negativen Effekt wahrscheinlich umso mehr büßen muss, weil spätestens hierdurch die Möglichkeiten zur Neuausrichtung des BVB limitiert sind und viel Geld verloren wurde, weil man nicht die eine Strategie konsequent verfolgt hat:

Zusätzlich zu Schürrle kamen Dembele und Mor
Zusätzlich zu Götze und Rode kam Merino
Zusätzlich zu Yarmolenko kamen Philipp und Sancho
usw.

Mal war die Talentroute erfolgreicher, mal war es keine der Entscheidungen, was passiert, aber in der Häufigkeit, in der es mit Ansage passiert ist, weil man sich auch nicht so recht festlegen konnte - deswegen war der Sommer 2016 auch am schlimmsten und folgenschwersten, weil hier der Zwist von Trainer und Verein in der Transferpolitik am deutlichsten sichtbar wurde - , kann man es sich selbst als zweiter Leuchtturm nicht leisten, sondern man wird angreifbar. Schließlich hat man statt einmal richtig zu kaufen, nicht erst doppelt gekauft, falls es doch nicht funktioniert hat, sondern direkt.

Das trieb dann teilweise so seine Blüten, dass aus Miki, Yarmolenko, Schürrle, Dembele und Mor heute Wolf, Sancho, Larsen und Pulisic geworden sind, die zusammen keine 15 Mio. Ablöse gekostet haben. Damit ist man heute immer noch sehr gut aufgestellt, auf diesen Positionen, obwohl 4 Spieler weniger kosten als der Rest mal im Durchschnitt gekostet hat, was dann auch den Wertverlust und das kaputt gegangene Geld darstellt. Was man stattdessen mit dem Geld anfangen hätte können, wenn man es anders eingesetzt hätte, will ich gar nicht erst wissen, da es sowohl hypothetisch als auch zwecklos ist. Vorbei ist vorbei, aber ich hoffe, dass man daraus lernt, dass es eben nicht die Namen sind, mit denen man Fans glücklich macht, sondern das Konzept, wenn es aufgeht - auch wenn man häufig den gegenteiligen Eindruck bekommen kann, da es besonders hier im Forum allzu häufig doch nur um Namen geht.


Bei diesen 4 Spielern alleine sind diverse Faktoren zusammengekommen, die zu einem Scheitern eines Neuzugangs führen können (mitunter treten diese auch in Kombination auf): Verletzungen/Krankheiten, mangelnde Kompatibilität zu Mitspielern oder System, missglückte Integration, Spieler fühlt sich in neuer Umgebung nicht wohl bis hin zu falsch eingeschätzter Stärke des Spielers.



Insbesondere für Guerreiro kommt noch ein weiterer Faktor dazu, den ich schon angedeutet habe: das Konzept des Vereins hat sich verändert. Hatte man mit Tuchel noch einen Trainer, der so viel Ballbesitz wie möglich durchsetzen wollte, wurde es bei Bosz extrem offensiv, um dann bei Stöger ins krasse Gegenteil zu verfallen und mit Favre ist nun eben ein Trainer da, der zwar Ballbesitz haben möchte, aber der die Defensive in seiner bisherigen Karriere dennoch höher gewichtet und vor allem anders besetzt als Tuchel. Durch jeden Trainerwechsel gibt es Veränderungen im Konzept, aber die Änderungen, die der BVB seit Klopp durchgemacht hat, sind mit schwankend wohl unzureichend beschrieben, wodurch sich nicht zuletzt eben auch in der Transferpolitik Probleme ergeben. Probleme, die nur schwer zu bewältigen sind, wenn es zusätzliche Probleme sind. Da hilft es auch nicht so sehr, dass Guerreiro im fitten Zustand durchaus ein Gewinn ist.

Ansonsten ist festzustellen, dass sich die Faktoren alle nicht gegenseitig ausschließen, da in vielen Fällen zuletzt die Stärke der Spieler falsch eingeschätzt wurde oder dies nicht oberstes Kriterium war, als man den jeweiligen Spieler holte. Nicht umsonst redete man zuletzt verstärkt davon, dass das Gerüst verloren ging. Auch da scheint mir dann aber schon vor 2016 etwas schief gegangen zu sein, wenn das Gerüst des Vereins von dessen besten Spielern getragen wird, deren Abgang immer zu befürchten ist, solange man finanziell nicht am oberen Ende der Nahrungskette steht.

All die Probleme, die also zusammen kommen, drücken sich dementsprechend auch in der Begründung aus, warum Kehl und Sammer nun dazu gekommen sind: der Verein ist schneller gewachsen, als er es überhaupt darstellen konnte, wodurch man sich als Topclub nie so richtig etabliert hat - also auch nie wirklich der zweite Leuchtturm war, als der man sich schon sah -, weil man die Übergang vom höchst erfolgreichen Emporkömmling nie verfestigen konnte, indem man die dafür notwendigen Veränderungen - u.a. in der Transferpolitik - nicht hinbekam, da man damit Neuland betrat. Die Transferpolitik, mit der man nach oben kam, war jedenfalls eine komplett andere, als die, mit der man versucht oben zu bleiben, was auch richtig ist, da man an der Spitze immer weniger Zeit hat, um Spieler zu entwickeln. Man ist somit im Dilemma gefangen, dass man Weltklasse nur mittelfristig mit Potenzial ersetzen kann, aber es bereits kurzfristig ersetzen muss. Im Grunde bleibt so fast nur eine antizipative Transferpolitik, die sich bspw. bei Isak aber auch nicht als einfach herausgestellt hat oder man geht eben freiwillig - und nicht gezwungenermaßen, wie es aktuell der Fall ist - doch mal wieder einen Schritt zurück, um dann wieder gestärkt zwei nach vorne zu gehen. Mit der derzeitigen Gehaltsstruktur hat man diese Entscheidungsfreiheit im Moment allerdings nicht. Die meisten Fehler sind daher nachvollziehbar sind und passieren können, aber leider nichtsdestotrotz Fehler, die vor allem in der Häufigkeit nur schwer zu bewältigen sind.

Ich hoffe nur, dass die Anpassungen nun ausreichend stattgefunden haben, um sich nicht wieder gesund schrumpfen zu müssen - was die Konsequenz daraus wäre, wenn die Transfers dieses Sommers nicht ausreichend greifen. Damit wäre die Gefahr groß, dass es schnell mehr als ein Schritt zurück werden würde.


Es kam hier wirklich vieles zusammen. Diese Faktoren lassen sich bei Transfers durch saubere Vorbereitung verringern, ganz ausschließen kann man sie jedoch nicht. Unsere Top-Transfers der letzten beiden Jahre haben allesamt nicht gezündet. Es spricht sogar für die Stärke des Kaders, dass wir dennoch nicht total abgestürzt sind (insbesondere bei unseren kleinen und großen Begleitproblemen).

Aktuell habe ich gerade bei den Top-Transfers ein gutes Gefühl. Diallo und Delaney haben mich sehr überzeugt. Bei Witsel muss man noch abwarten, konnte sich ja noch nicht so zeigen. Dennoch hat man an den richtigen Schrauben gedreht und bewegt sich in die richtige Richtung. Nur eines darf man nicht vergessen, wir können eben nicht an allen Schrauben gleichzeitig drehen (nicht umsonst der Hinweis von Aki, dass ein Umbruch auch mal mehrere Transferperioden in Anspruch nehmen kann).


Die Frage ist halt, ob man diese Zeit wirklich hat. Ich bin von den Transfers nicht durchweg so angetan, wie du es bist, was aber vor allem daran liegt, dass ich nicht vom zugrundeliegenden Konzept überzeugt bin. Allerdings ist es meines Erachtens immerhin wieder ein in sich konsistentes Konzept und genau das bewerte ich dann doch positiv.


Wie immer eine sehr ausführliche und fachlich kompetente Analyse. Vielen Dank.
Es gibt zwei Punkte, zu denen ich etwas anmerken möchte.
Punkt eins kommt in deinem Beitrag eigentlich nicht vor....der ANSCHLAG.
In welchem Umfang dieses eine Ereignis Auswirkungen auf den gesamten Verein, Mannschaft, Fangemeinde, Transferpolitik usw hatte und immernoch hat, wird man nichteinmal intern komplett erfassen können, geschweige denn als Außenstehender. Es soll von meiner Seite auch für NICHTS als Entschuldigung gelten, aber die schockierende Wirkung auf ALLE unmittelbar Betroffenen und ebenso auf die komplette Führungsebene des Vereins, die unmittelbar danach und mMn bis heute Entscheidungen treffen müssen, die im Zusammenhang mit diesem Ereignis stehen, sollte man auf jeden Fall in einer gründlichen Analyse zumindest erwähnen. Der Anschlag ist mMn bis heute im Verein und in der Mannschaft spürbar. Zum Beispiel ist für mich Guerreiro auch ein Charakter, der eigentlich schon lange einen Tapetenwechsel bräuchte.
Der zweite Punkt ist die Entscheidungsfindung zur Trainerposition seit Klopp. Der Wechsel zu Tuchel ist von außen gesehen aus fachlicher Sicht mehr als nachvollziehbar. Bis heute ist mMn allerdings nicht eindeutig klar,
ob es bereits vor der Verpflichtung interne Informationen über Probleme beim Umgang mit Tuchel gab und diese als nicht schwerwiegend genug angesehen wurden, um von einer Verpflichtung abzusehen. Vielleicht kam der wahre Charakter (Gier nach schnellem Erfolg, in kürzester Zeit, egal zu welchem Preis) erst auf der Bühne BVB zum Vorschein. Man weiß es nicht. Ich habe auch andere nennenswerte Alternativen zu TT damals nicht mehr wirklich in Erinnerung. Ein Problem beim Umgang mit TT ist aber mMn gewesen, das man während seiner Amtszeit mindestens zwei fachlich gute Trainer aus dem Unterbau des Vereins gehen ließ bzw. gehen lassen musste(?), nämlich Wagner und Wolf. Somit war man beim endgültigen Abgang Tuchels gezwungen, eine externe Lösung zu suchen. Diese Situation wäre mMn und nur von außen betrachtet vielleicht vermeidbar gewesen.
BOSZ war doch dann im Endeffekt auch nur eine kurzfristige relative Notlösung, weil Favre keine Freigabe von Nizza bekam. Verfügbare und bessere Alternativen zu Bosz sind mir nicht mehr in Erinnerung. Der mit diesem Trainertausch einhergehende Wechsel der Spielphilosophie war mMn also nicht unmittelbar gewollt, sondern notgedrungen Aufgrund mangelnder Alternativen zum Beispiel aus dem eigenen Verein. Und die ersten Spiele haben ja auch gezeigt, dass es hätte funktionieren können.
Habe fertig.Cool

Edith: MMn sind wir auf dem richtigen Weg. Allerdings wird es noch dauern, die von dir und anderen dargestellten Fehler in der Transferpolitik zu beheben. Aber die Anfänge sind gemacht und vielleicht passiert ja noch etwas innerhalb des offenen Transfermarktes. Die ChampionsLeagueRänge sollten im Bereich des Möglichen sein. Zu viel mehr wird es sehr wahrscheinlich nicht reichen. Im Pokal und in der CL brauchst du Los- und Spielglück, sonst kann es eben auch schnell vorbei sein oder auch recht weit gehen. Es wird wiedereinmal eine sehr spannende Saison. Cool

•     •     •

"There is no glory in prevention." - Christian Drosten

„Wenn man kein Tor bekommt, verliert man nicht!“ Roman Bürki

„ Jeder kann wütend werden, das ist einfach. Aber wütend auf den Richtigen zu sein, im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck und auf die richtige Art, das ist schwer.“ Aristoteles

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Trepo am 14.08.2018 um 11:18 Uhr bearbeitet
BVB - Transferpolitik |#12722
14.08.2018 - 11:41 Uhr
Zitat von Trepo

Zitat von BVBBC

Zitat von Nic

Naja das Problem an den Verkäufen sind ja dann immer die darauf folgenden Zugänge.

Und genau bei den Zugängen liegt das Problem: Man weiss eben nie wie sie funktionieren werden. Das war genau unser Problem in den letzten beiden Transferperioden (deutlich schlimmer jedoch im Sommer 2016, wo im Verein gar nix zusammen passte).

Hättest du im Sommer 2016 gesagt, Schürrle und Götze als zigfache Nationalspieler und Weltmeister haben keine internationale Klasse? Oder der frisch gebackene Europameister-LV, technisch versiert und bei Standards so gefährlich, dass sogar Ronaldo von der Seitenauslinie ihn als Schützen vehement fordert? Oder ein Rode, absoluter Leader bei Frankfurt und Roleplayer mit deutlicher Veranlagung zu mehr bei Bayern wäre die totale Gurke? Oder ein Yarmolenko, der in der CL die starken Gegner aus den Top-4-Ligen im Alleingang beschäftigt?



Wir müssen aber auch nicht so tun, als waren das damals alles logische und unumstrittene Neuzugänge. Guerreiro wohl noch am wenigsten, aber selbst da kann ich mich noch an lebhafte Diskussionen erinnern, wonach viele in ihm keinen LV gesehen haben, wodurch die ganze Diskussion ausgelöst wurde, dass ein Linksverteidiger Verteidiger heißt, weil das sein allererste Job ist. Das war aber noch die harmloseste Diskussion, da vergleichsweise wenig über die allgemeine Qualität und über Guerreiros Talent gestritten wurde, sodass hier die Positionen nicht ansatzweise so extrem waren, wie bei anderen Spielern. Spätestens bei Yarmolenko wurde es sogar absurd, wo heute noch einige User, nachdem er nachweislich gescheitert ist, die Hypetrain fahren, während es andere User - wenn auch weniger als bei Schürrle, Rode und Götze -, die negativen Konseuqenzen durch dessen Verpflichtung korrekt vorhergesagt haben und dementsprechend gegen die Verpflichtung Sturm gelaufen sind.

Das sind ja aber auch nicht die einzigen Spieler, bei denen das der Fall war, da sie sich auch im Jahr 2018 finden lassen, mittlerweile - und das ist eigentlich bedenklich - sogar unabhängig von den unmittelbar sichtbaren Kosten - also Ablösen, deren Aussagekraft aber immer mehr schwindet, indem man Handgelder offensichtlich nutzt, um die Transferpolitik durchfinanzieren zu können. Waren es vor 1-2 Jahren noch vor allem die teuren Transfers, die kritisiert wurden, so ist man heute schon zutiefst zerstritten, wenn mal 5 Mio. für einen Wolf ausgegeben werden oder sogar gar nichts für einen Hitz. Werden dann 20 Mio. und mehr ausgegeben, gehen die Meinungen sogar noch mehr auseinander. Worauf ich hier raus will, ist also nicht unbedingt, dass all die Transfers der letzten Jahre nicht nachvollziehbar sind, da es immer mehr oder weniger große Gruppen, mit mehr oder weniger Kompetenz gab, die für einen Transfer waren und umgekehrt, sondern vor allem darauf, dass der BVB in den vergangenen Jahren sich sehr schwer damit getan hat, dass er die Fans abholt und es auch immer noch nicht geschafft hat. Da ist jedenfalls viel Vertrauen verloren gegangen.

Genau darauf waren aber viele Transfers ausgelegt, da man Namen verpflichtet hat, die jeder fussballinteressierte kennt, die gut und gar nach internationaler Klasse klingen, die aber entweder noch nie auf höchstem Niveau gespielt haben oder längst auf dem absteigenden Ast - aus welchen Gründen auch immer - waren und damit Risiken enthielten, die schon etwas größer sind, weil man den Namen bezahlen musste und damit mehr als den eigentlichen Wert des Spielers. Man könnte also behaupten, dass die Transferpolitik in den letzten Jahren politisiert wurde und weniger das Scouting entscheidend war oder gar die Frage, ob und wie gut ein Spieler beim BVB ins Konzept reinpasst. Ich denke damit hat man es sich einfach gemacht, zu kurzfristig gedacht, um Druck vom Kessel zu bekommen, den man sich auch selbst geschaffen hat, durch den Umgang mit Tuchel oder mit Aussagen, die bspw. als Versprechen verwechselte persönliche Einschätzungen darstellten. Druck, den man bis heute nicht losgeworden ist, weil das Konzept auch noch, wegen Streitigkeiten mit dem Trainer oder mehreren Richtungswechseln in dessen Auswahl, schwer zu greifen, wenn nicht sogar unklar war, weil es sich immer wieder (deutlich) veränderte und nie so ganz ohne Haken auskam, wenn man nicht sogar teilweise von Widersprüchen reden muss. Ich glaube jedenfalls nicht, das man seit 2016 klar sagen kann, wohin man den Verein eigentlich entwickeln will, sondern es wurden eigentlich nur Löcher gestopft.

Watzke betont ja immer wieder, dass man Weltklasse nicht ersetzen kann, was zumindest kurzfristig auch stimmt, aber wenn man eben genau das versucht, indem man Namen holt, die mal (nah) an der Weltklasse waren, aber es entweder nicht mehr sind oder noch nie konstant nachweisen konnten, dann kann man Weltklasse erst recht nicht ersetzen, weil man einerseits damit noch nicht mal ein Gerüst für Weltklasse-Potenzial auf die Beine gestellt bekam und andererseits das tatsächliche Weltklasse-Potenzial sogar eher noch ausbremste, wenn da nicht schon mehr vorhanden war und ist.

Schließlich gab es nur eine einzige klare Fehlentwicklung in der Transferpolitik. So hat man auch den Kader extrem verbreitert, was man heute dann noch als zweiten negativen Effekt wahrscheinlich umso mehr büßen muss, weil spätestens hierdurch die Möglichkeiten zur Neuausrichtung des BVB limitiert sind und viel Geld verloren wurde, weil man nicht die eine Strategie konsequent verfolgt hat:

Zusätzlich zu Schürrle kamen Dembele und Mor
Zusätzlich zu Götze und Rode kam Merino
Zusätzlich zu Yarmolenko kamen Philipp und Sancho
usw.

Mal war die Talentroute erfolgreicher, mal war es keine der Entscheidungen, was passiert, aber in der Häufigkeit, in der es mit Ansage passiert ist, weil man sich auch nicht so recht festlegen konnte - deswegen war der Sommer 2016 auch am schlimmsten und folgenschwersten, weil hier der Zwist von Trainer und Verein in der Transferpolitik am deutlichsten sichtbar wurde - , kann man es sich selbst als zweiter Leuchtturm nicht leisten, sondern man wird angreifbar. Schließlich hat man statt einmal richtig zu kaufen, nicht erst doppelt gekauft, falls es doch nicht funktioniert hat, sondern direkt.

Das trieb dann teilweise so seine Blüten, dass aus Miki, Yarmolenko, Schürrle, Dembele und Mor heute Wolf, Sancho, Larsen und Pulisic geworden sind, die zusammen keine 15 Mio. Ablöse gekostet haben. Damit ist man heute immer noch sehr gut aufgestellt, auf diesen Positionen, obwohl 4 Spieler weniger kosten als der Rest mal im Durchschnitt gekostet hat, was dann auch den Wertverlust und das kaputt gegangene Geld darstellt. Was man stattdessen mit dem Geld anfangen hätte können, wenn man es anders eingesetzt hätte, will ich gar nicht erst wissen, da es sowohl hypothetisch als auch zwecklos ist. Vorbei ist vorbei, aber ich hoffe, dass man daraus lernt, dass es eben nicht die Namen sind, mit denen man Fans glücklich macht, sondern das Konzept, wenn es aufgeht - auch wenn man häufig den gegenteiligen Eindruck bekommen kann, da es besonders hier im Forum allzu häufig doch nur um Namen geht.


Bei diesen 4 Spielern alleine sind diverse Faktoren zusammengekommen, die zu einem Scheitern eines Neuzugangs führen können (mitunter treten diese auch in Kombination auf): Verletzungen/Krankheiten, mangelnde Kompatibilität zu Mitspielern oder System, missglückte Integration, Spieler fühlt sich in neuer Umgebung nicht wohl bis hin zu falsch eingeschätzter Stärke des Spielers.



Insbesondere für Guerreiro kommt noch ein weiterer Faktor dazu, den ich schon angedeutet habe: das Konzept des Vereins hat sich verändert. Hatte man mit Tuchel noch einen Trainer, der so viel Ballbesitz wie möglich durchsetzen wollte, wurde es bei Bosz extrem offensiv, um dann bei Stöger ins krasse Gegenteil zu verfallen und mit Favre ist nun eben ein Trainer da, der zwar Ballbesitz haben möchte, aber der die Defensive in seiner bisherigen Karriere dennoch höher gewichtet und vor allem anders besetzt als Tuchel. Durch jeden Trainerwechsel gibt es Veränderungen im Konzept, aber die Änderungen, die der BVB seit Klopp durchgemacht hat, sind mit schwankend wohl unzureichend beschrieben, wodurch sich nicht zuletzt eben auch in der Transferpolitik Probleme ergeben. Probleme, die nur schwer zu bewältigen sind, wenn es zusätzliche Probleme sind. Da hilft es auch nicht so sehr, dass Guerreiro im fitten Zustand durchaus ein Gewinn ist.

Ansonsten ist festzustellen, dass sich die Faktoren alle nicht gegenseitig ausschließen, da in vielen Fällen zuletzt die Stärke der Spieler falsch eingeschätzt wurde oder dies nicht oberstes Kriterium war, als man den jeweiligen Spieler holte. Nicht umsonst redete man zuletzt verstärkt davon, dass das Gerüst verloren ging. Auch da scheint mir dann aber schon vor 2016 etwas schief gegangen zu sein, wenn das Gerüst des Vereins von dessen besten Spielern getragen wird, deren Abgang immer zu befürchten ist, solange man finanziell nicht am oberen Ende der Nahrungskette steht.

All die Probleme, die also zusammen kommen, drücken sich dementsprechend auch in der Begründung aus, warum Kehl und Sammer nun dazu gekommen sind: der Verein ist schneller gewachsen, als er es überhaupt darstellen konnte, wodurch man sich als Topclub nie so richtig etabliert hat - also auch nie wirklich der zweite Leuchtturm war, als der man sich schon sah -, weil man die Übergang vom höchst erfolgreichen Emporkömmling nie verfestigen konnte, indem man die dafür notwendigen Veränderungen - u.a. in der Transferpolitik - nicht hinbekam, da man damit Neuland betrat. Die Transferpolitik, mit der man nach oben kam, war jedenfalls eine komplett andere, als die, mit der man versucht oben zu bleiben, was auch richtig ist, da man an der Spitze immer weniger Zeit hat, um Spieler zu entwickeln. Man ist somit im Dilemma gefangen, dass man Weltklasse nur mittelfristig mit Potenzial ersetzen kann, aber es bereits kurzfristig ersetzen muss. Im Grunde bleibt so fast nur eine antizipative Transferpolitik, die sich bspw. bei Isak aber auch nicht als einfach herausgestellt hat oder man geht eben freiwillig - und nicht gezwungenermaßen, wie es aktuell der Fall ist - doch mal wieder einen Schritt zurück, um dann wieder gestärkt zwei nach vorne zu gehen. Mit der derzeitigen Gehaltsstruktur hat man diese Entscheidungsfreiheit im Moment allerdings nicht. Die meisten Fehler sind daher nachvollziehbar sind und passieren können, aber leider nichtsdestotrotz Fehler, die vor allem in der Häufigkeit nur schwer zu bewältigen sind.

Ich hoffe nur, dass die Anpassungen nun ausreichend stattgefunden haben, um sich nicht wieder gesund schrumpfen zu müssen - was die Konsequenz daraus wäre, wenn die Transfers dieses Sommers nicht ausreichend greifen. Damit wäre die Gefahr groß, dass es schnell mehr als ein Schritt zurück werden würde.


Es kam hier wirklich vieles zusammen. Diese Faktoren lassen sich bei Transfers durch saubere Vorbereitung verringern, ganz ausschließen kann man sie jedoch nicht. Unsere Top-Transfers der letzten beiden Jahre haben allesamt nicht gezündet. Es spricht sogar für die Stärke des Kaders, dass wir dennoch nicht total abgestürzt sind (insbesondere bei unseren kleinen und großen Begleitproblemen).

Aktuell habe ich gerade bei den Top-Transfers ein gutes Gefühl. Diallo und Delaney haben mich sehr überzeugt. Bei Witsel muss man noch abwarten, konnte sich ja noch nicht so zeigen. Dennoch hat man an den richtigen Schrauben gedreht und bewegt sich in die richtige Richtung. Nur eines darf man nicht vergessen, wir können eben nicht an allen Schrauben gleichzeitig drehen (nicht umsonst der Hinweis von Aki, dass ein Umbruch auch mal mehrere Transferperioden in Anspruch nehmen kann).


Die Frage ist halt, ob man diese Zeit wirklich hat. Ich bin von den Transfers nicht durchweg so angetan, wie du es bist, was aber vor allem daran liegt, dass ich nicht vom zugrundeliegenden Konzept überzeugt bin. Allerdings ist es meines Erachtens immerhin wieder ein in sich konsistentes Konzept und genau das bewerte ich dann doch positiv.


Wie immer eine sehr ausführliche und fachlich kompetente Analyse. Vielen Dank.
Es gibt zwei Punkte, zu denen ich etwas anmerken möchte.
Punkt eins kommt in deinem Beitrag eigentlich nicht vor....der ANSCHLAG.
In welchem Umfang dieses eine Ereignis Auswirkungen auf den gesamten Verein, Mannschaft, Fangemeinde, Transferpolitik usw hatte und immernoch hat, wird man nichteinmal intern komplett erfassen können, geschweige denn als Außenstehender. Es soll von meiner Seite auch für NICHTS als Entschuldigung gelten, aber die schockierende Wirkung auf ALLE unmittelbar Betroffenen und ebenso auf die komplette Führungsebene des Vereins, die unmittelbar danach und mMn bis heute Entscheidungen treffen müssen, die im Zusammenhang mit diesem Ereignis stehen, sollte man auf jeden Fall in einer gründlichen Analyse zumindest erwähnen. Der Anschlag ist mMn bis heute im Verein und in der Mannschaft spürbar. Zum Beispiel ist für mich Guerreiro auch ein Charakter, der eigentlich schon lange einen Tapetenwechsel bräuchte.



Ich gebe dir in diesem Punkt recht, allerdings betrifft das lediglich die Zeit ab dem Sommer 2017, wenn man es auf die Transferpolitik herunterbricht. Zum Einen erwähnst du richtigerweise, dass die (transferpolitischen) Konsequenzen selbst intern kaum erfasst werden konnten. Wie soll das also extern gehen? Ich habe mich zu dem Thema jedenfalls immer sehr bewusst stark zurückgehalten, weil ich mir hier kein Urteil zutraue. Heißt aber nicht, dass ich es komplett vernachlässige in der Bewertung, da ich all meine sportlichen Analysen zur Saison 16/17 nur bis zum Anschlag gingen. Da konnte man nicht gerade feststellen, dass das mit den teuren und zu vielen Transfers des Sommers 2016 ein Erfolg war. Zum Anderen sind wir uns ja einig darüber, dass die Probleme bereits zuvor begannen und fortgeführt wurden. Das können wir mit der Feststellung begründen, dass man eben selbst intern die Konsequenzen nicht abschätzen konnte oder aber wir stellen fest, dass es vielleicht gar nicht die Konsequenzen auf transferpolitischer Ebene gab, da die Transferpolitik weitestgehend fortgesetzt wurde.

Daher gehört der Anschlag sicher berücksichtigt, aber ich denke in der kritischen Betrachtung der Transferpolitik muss man damit schon stark aufpassen, damit man sich nicht verrennt. Denn damit läuft man Gefahr, dass man Dinge ausblendet. Ich würde bei Guerreiro bspw. die Notwendigkeit eines Tapetenwechsels auf unzählige Gründe zurückführen, wie seine vielen Verletzungen, die Abgänge seiner Freunde und Vertrauten im Team, den Abgang seines großen Förderers auf der Trainerbank, die veränderte Strategie im Abwehrverbund, möglicherweise unerfüllte Erwartungen hinsichtlich seiner Position usw.! Der Anschlag kann da sicher auch dazu gehören, aber keinen Faktor können wir genau einschätzen, also finde ich das beim kompliziertesten aller Themen, umso schwieriger, weswegen es von der Außenbetrachtung, die quasi alles ist, was wir hier nunmal haben, nicht übertrieben werden sollte, weil es spekulativ bleibt. Damit bildet es einen Gegensatz zu dem, was man auf dem Platz beobachten kann, auf was ich mich deswegen auch meistens beschränke!


Der zweite Punkt ist die Entscheidungsfindung zur Trainerposition seit Klopp. Der Wechsel zu Tuchel ist von außen gesehen aus fachlicher Sicht mehr als nachvollziehbar. Bis heute ist mMn allerdings nicht eindeutig klar, ob es bereits vor der Verpflichtung interne Informationen über Probleme beim Umgang mit Tuchel gab und diese als nicht schwerwiegend genug angesehen wurden, um von einer Verpflichtung abzusehen. Vielleicht kam der wahre Charakter (Gier nach schnellem Erfolg, in kürzester Zeit, egal zu welchem Preis) erst auf der Bühne BVB zum Vorschein. Man weiß es nicht. Ich habe auch andere nennenswerte Alternativen zu TT damals nicht mehr wirklich in Erinnerung. Ein Problem beim Umgang mit TT ist aber mMn gewesen, das man während seiner Amtszeit mindestens zwei fachlich gute Trainer aus dem Unterbau des Vereins gehen ließ bzw. gehen lassen musste(?), nämlich Wagner und Wolf. Somit war man beim endgültigen Abgang Tuchels gezwungen, eine externe Lösung zu suchen. Diese Situation wäre mMn und nur von außen betrachtet vielleicht vermeidbar gewesen.
BOSZ war doch dann im Endeffekt auch nur eine kurzfristige relative Notlösung, weil Favre keine Freigabe von Nizza bekam. Verfügbare und bessere Alternativen zu Bosz sind mir nicht mehr in Erinnerung. Der mit diesem Trainertausch einhergehende Wechsel der Spielphilosophie war mMn also nicht unmittelbar gewollt, sondern notgedrungen Aufgrund mangelnder Alternativen zum Beispiel aus dem eigenen Verein. Und die ersten Spiele haben ja auch gezeigt, dass es hätte funktionieren können.
Habe fertig.Cool


Ich wollte hier eigentlich auf eine andere Geschichte raus. Wenn die Umstände, die ex-post dargestellt wurden, tatsächlich so zutrafen, dann war Tuchel bereits im Sommer 2016 nicht mehr haltbar. Ich kritisiere also nicht so sehr, dass man einen externen Trainer gesucht hat und schon gar nicht, dass man Tuchel entlassen hat. Ich kritisiere vielmehr, dass man in der Trainerwahl etwas beliebig geworden ist, zumal die Geschichte mit Bosz zwar - meines Wissens, da es dazu Insidergerüchte gab - länger schon eine Option war, als öffentlich bekannt war, aber die ersten beiden Optionen waren bekanntlich - allen voran - Nagelsmann und Favre.

Bei beiden gab es Fenster zur Verpflichtung (Nagelsmann hatte in der Sommerpause 2017 verlängert, Favre war wohl nur zweite Wahl und Nizza meinte dann auch "zu spät"), zu einem Zeitpunkt, als Tuchel bereits lange kündbar war. Beide Fenster wurden nicht genutzt, weil man entweder nicht aggessiv genug war oder irgendwer - der hinterher trotzdem zum Buhmann wurde, indem man ihm das Gegenteil der schützenden Hand vorwarf, obwohl derjenige genau diese drüber hielt - bei Tuchel gemeint hat, dass das schon noch was wird und alles wieder einrenkt. Dazu kommen bei den Trainern unsaubere Analysen, da man bei Bosz freimütig zugab, dass man seinen aggressiven Stil unterschätzt hat und den Kader deshalb nicht zu ihm passte - was sich hinterher als allergrößtes Problem herausstellte, da Bosz auch nicht allzu sehr Entscheidungsfreude bei Transfers ausstrahlte. Bei Stöger bleibt vor allem der Spruch im Gedächtnis, dass es selbst ihm nicht gelingen würde, mit dieser Mannschaft, schlechten Fussball zu spielen. Ich weiß daher nicht, ob man noch von einer unglücklichen Folge von zufälligen Ereignissen reden kann, durch die man Not bekam.

Der BVB hat abgesehen davon viel mehr als Wagner und Wolf verloren, die für mich für die Bundesligamannschaft zu den jeweiligen Zeitpunkten eh nicht in der Hauptverantwortung in Frage kamen, indem man mit Mislintat Zorcs eigentlichen Erben zum Überlegen brachte, ob für ihn beim BVB noch alles soweit passt. Das hatte dieser bekanntlich verneint, was man mittlerweile durchaus als Kernproblem verstehen darf.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von BVBBC am 14.08.2018 um 11:47 Uhr bearbeitet
BVB - Transferpolitik |#12723
14.08.2018 - 11:51 Uhr
Wir haben unser Double 2012 mit Leuten, wie Großkreutz, Kuba, Subotic, Weidenfeller und Schmelzer geholt. Das soll diese Spieler gar nicht abwerten, weil es doch genau zeigt wie wichtig Mentalität, Mannschaftsgeist und eine sehr gute taktische Vorgabe seitens des Trainers ist. Die bisherige Transferperiode sehe ich daher insgesamt sehr positiv, weil wir zum einen einige Mentalitätsspieler dazu geholt haben (Delaney, Wolf), Leute die soziokulturell nicht ins Teamgefüge gepasst haben abgegeben haben (Yarmolenko) und wiederum unsere Problempositionen richtig analysiert haben. Das waren in der letzte Saison ganz klar die IV und das ZM. Dabei haben wir auch nicht vor großen Namen halt gemacht, sondern konsequent auf die Qualität geschaut und die konnte man Sokratis und Castro über weite Strecken der Saison fast absprechen. Der Videobeweis hat doch Sockes Schwächen ganz klar offenbart, der sich häufig nur durch Klammer, ziehen und zerren behelfen konnte. Castro, hat als zentraler Mittelfeldspieler große Probleme mit der Ballkontrolle gehabt, das ist auf dieser Position fatal. Für mich war er ZM nie gut genug und daher hätte ich ihn viel häufiger auf RV gesehen. Egal, geschenkt. Nur führt das zwangsläufig auch zu unserem bisher nicht angegangen Problem auf den defensiven Außen. Hier möchte ich nur nochmal anmerken, dass wir mit Piszczek letzte Saison wenig Punkte abgegeben haben und ich Schmelle auch nicht als unser Hauptproblem erachte. Hinzu kommt noch die Vorverurteilung von Toljan, der nach seinen defensiven Zweikämpfen gegen Real so gebrandmarkt wurde, dass er nach 3-4 Spielen schon nicht mehr als Bundesliga tauglich empfunden wurde. Das ist mir zu kurz gedacht, da er mit seinen guten Flanken und dynamischen Antritten, eine zusätzliche Qualität in unser Spiel bringen kann.

Aber welche Diskussion mir auf den vorangegangen Seiten hier viel zu kurz kommt, ist doch die folgende. Wir haben mit Favre einen Trainer, der auf vielen seiner bisherigen Stationen ohne eine echte Spitze ausgekommen ist. In Gladbach hat man viel Geld in die Herren de Jong und Drmic gesteckt, die am Ende nicht ins System passten und daher keine Rolle gespielt haben. Wir haben mit vielen torgefährlichen Mittelfeldspieler auch einen Kader, der fast wie geschaffen für Favres System ist. Daher fand ich den Move erstmal unsere Hauptprobleme der letzten Saison anzugehen genau richtig. Das heißt nicht, dass wir nicht doch noch einen relativ günstigen, jungen MS verpflichten. Das würde gerade im Hinblick auf Reus verletzungsanfälligkeit, die Doppelbelastung (CL), sowie Phillips bisher eher dürftigen Vorstellungen als MS, Sinn ergeben. Jedoch verbaut man damit einem bereits vorhandenen Talent (Isaak) endgültig hier den Weg, auf mehr Spielanteile zu kommen. Ich denke es wird, wie viele hier auch schon betriebswirtschaftlich vorgerechnet und in Anbetracht der Kadergröße, erst etwas passieren, wenn auf der Abgangsseite noch etwas passiert. Damit kann ich dann auch gut Leben, es wurde richtige Schlüsse aus der letzten Saison gezogen, der Leistungsgedanke muss wieder verstärkt ins Zentrum gerückt werden und auch von etablierten Spielern eingefordert werden.
BVB - Transferpolitik |#12724
14.08.2018 - 12:00 Uhr
Zitat von Demut

Wir haben mit vielen torgefährlichen Mittelfeldspieler auch einen Kader, der fast wie geschaffen für Favres System ist. Daher fand ich den Move erstmal unsere Hauptprobleme der letzten Saison anzugehen genau richtig.


Diese Torgefährlichkeit haben lediglich Reus und mit Abstrichen Philipp nachhaltig nachgewiesen oder wen vergesse ich da? Bruun Larsen hat quasi null Erfahrung im Profifussball und bei Wolf habe ich Zweifel, dasser bei uns annährend so gut scoren kann wie er es letzte Saison für Frankfurt tat. Pulisic und Sancho sind nicht sehr torgefährlich, Götze und Kagawa sind zuletzt eher nicht positiv als Abschlussspieler aufgefallen.
Letztendlich hängt vieles von Reus und evtl. Milli ab. Dass die Verantwortlichen das so nicht geplant hatten, zeigt das Angebot für Lautaro Martinez.

Toljan und Isak haben hier nicht die User, sondern die sportlich Verantwortlichen abgeschrieben.

•     •     •

Aki Watzke zur Entlassung von Marco Rose: "Er ist hier nie so komplett angekommen und irgendwas war da, was dem Ganzen so ein bisschen im Wege stand. Wir wissen es ja selbst nicht so genau."
BVB - Transferpolitik |#12725
14.08.2018 - 12:15 Uhr
Zitat von Muschelschrubber12
Nachdem ja viele der Meinung sind das wir kein Budget mehr für einen MS haben, habe ich ( auch ) mal nachgerechnet bzw recherchiert:

Wir haben seit der Saison 14/ 15 bis Heute ca 460 Millionen für Transfers eingenommen und 390 Millionen wieder ausgegeben.
Soweit so gut. Mal abgesehen davon das man hier nun auch schon leicht in Schieflage geraten ist, wenn man der Watzkeaussage mit den 2/3 glauben schenkt.
Wobei Transfereinnahmen auch nur ein Teil des ganzen sind.
Es gibt ja noch TV Gelder usw, usw.

Wenn man dann aber sieht wie man das Geld wiederum investiert hat und was jetzt übergeblieben ist ( finanziell und im Kader ), da kann man eigentlich nur mit dem Kopf schütteln.

Missverständnisse wie Schürrle und Immobile schlagen da ja kaum zu buche. Vielmehr ist es traurig zu sehen das man es nicht geschafft hat, die Qualität auch nur annähernd auf einem ähnlichen Level zu halten, trotz opulenter Einnahmen.

Spieler wie Aubameyang, Dembele, Mkhitaryan, Hummels und Gündoğan aber auch Spieler wie Ginter, Mor und Ramos sowie Bender und Sokratis brachten uns ein sattes Transferplus ein.

Man fragt sich langsam wirklich wo der Sinn darin steckt, letztlich wiederum soviel Geld für nix auszugeben bei dem was wir noch an wirklichen aktuellen Topspielern in der Mannschaft haben.
Viele sind es ja nun wirklich nicht mehr. Reus ist neben Witsel eigentlich der einzige auf hohem internationalen Niveu. Alle anderen sind entweder am Anfang des Weges ( Akanji, Diallo, Sancho ) oder stehen erst jetzt vor dem Durchbruch ( Pulisic, Philipp ). Bei Spielern wie Götze und Kagawa hofft man weiterhin auf Besserung und Konstanz im Vergleich zu dem Niveau was man von ihnen kannte.
Mal ganz abgesehen davon das man sich als Team mit einem neuen Trainer erst wiederfinden muss.

Das man nun auch noch die Megabaustelle Mittelstürmer nicht gestopft bekommt ist traurig genug, da man sich hier länger wie 1 Jahr darauf vorbereiten konnte bzw. Geld hätte ansparen können. Das der Markt immer verrückter wird, weiß man ja nicht erst seit gestern, mal abgesehen davon das man selbst davon extrem partizipiert hat. Einen Maximilian Philipp nach seinem ersten Jahr bei uns nun aus der Not heraus zum MS umschulen zu wollen weil man mit der Entwicklung von Alex Isak nicht zufrieden sein kann, passt dann wieder in dieses scheinbar planlose Schema, nachdem man für Aubameyang 64 Mio eingenommen hat. Seit Jahren ist der MS unsere Lebensversicherung gewesen. Egal ob es Barrios, Lewandowski oder nun Aubameyang war. Naja, brauchen wir wohl nicht mehr ...

Vielmehr ist es jetzt sogar so, das man krampfhaft versucht seine transfertechnischen Fehlgriffe wie Rode oder Toljan ( exemplarisch ) zu korrigieren um den Kader zu verkleinern , leistungsfähiger zu gestalten und verlorenes Budget wieder zurück zu gewinnen. Zumindest ist dies mit Castro, Yarmolenko und Schürrle bereits etwas gelungen.

Für diejenigen die nun immer noch meinen das wir finanziell noch was in der Hinterhand haben, sollte gesagt sein das dieser Umbruch auch eine Art Notbremse zu sein scheint und sichtbar kein Budget mehr für einen MS vorhanden ist, wenn man nicht noch Weigl und Guerreiro zu Geld macht oder aber einen ablösefreien MS findet der wie zb Modeste über eine gute Qualität verfügt.

460 Mio eingenommen, 390 Mio ausgegeben. Und das ohne Handgelder, Steuern, etc. p.p.
Sportlich hat man sich inzwischen deutlich verschlechtert, wirtschaftlich ist man enorm gewachsen.
Jetzt macht man den Neuanfang.

Halleluja, da bleibt einem fast die Spucke weg...


Grundsätzlich ist es immer eine Milchmädchenrechnung, einfach Transfererlöse gegen Ausgaben zu rechnen. Da spielen noch so viele andere Faktoren eine Rolle (Abschreibungen, Steuern, Handgelder, Nach- und Bonuszahlungen, Beteiligungen vorheriger Vereine, stetig steigender Gehaltskorridor, um nur einige wenige zu nennen).

Aber auch unabhängig davon, selbst wenn man sagen könnte: 400 Millionen eingenommen, also kann man 400 Millionen rausballern und dann muss man ja mindestens so gut sein, wie vorher. Das ist in meinen Augen ebenfalls unrealistisch. Wir sind - wenn auch auf gutem überdurchschnittlichen europäischem Niveau - ein Durchgangsverein. Ikonen wie Reus gibt es nur alle 10 Jahre mal. Vor ihm eventuell Ricken, davor Zorc. Mehr ist da nicht groß.

De facto muss man dazu in die Bewertung noch mit einbeziehen: Die Top-Transfers gehen bei uns vor oder spätestens auf ihrem Leistungshöhepunkt. Wir können sie nicht halten. Gleichwertigen Ersatz für annähernd gleiches Budget ist unrealistisch zu bekommen. So gut kann man nicht scouten, dass das immer klappt. Wenn es das gäbe, würde ManCity nicht monatelang eine Hängepartie mit Gündogan haben, sondern einfach den Spieler holen, den wir als Ersatz verpflichten.

Machen sie aber nicht. Warum? Nicht weil ihr Scouting schlechter ist, sondern weil sie die wirtschaftliche Kraft haben, zu sagen: Ob ein Spieler wie Pulisic oder Philipp oder Dembele den Durchbruch zu einem echten Superstar schafft, wissen wir nicht. In unserem Edel-Kader bekommt aber keines dieser Talente ausreichend Zeit, sich zu entwickeln. Da muss immer alles sofort passen. Also überlässt man das Risiko, dass das Talent weniger groß ist, als man hoffte, Vereinen wie unserem BVB. Wir sind darauf angewiesen, Leute wie Lewandowski oder Pulisic zu finden und zu Stars zu machen. Auch wenn wir wissen, dass 99 von 100 ihre besten Zeiten dann nicht in Schwarz-Gelb verbringen, sondern vorher wechseln werden.

Das ist so, das werden wir auch die nächsten 20 Jahre nicht ändern. Wir sollten im Gegenteil sehr froh sein, dass wir immer noch ein so beliebter und weltweit dafür bekannter Verein sind, Rohdiamanten zum vollen Glanz zu polieren. Die Spieler, die uns in den letzten Jahren verlassen und stark geschwächt haben, haben wir auf der ganzen Welt zusammengescoutet und extrem verbessert. Alleine in den letzte Jahren mit Götze (zu Bayern), Sahin (Real), Kagawa (ManU), Hummels, Lewandowski, Dembele, Aubameyang usw. - Alles Spieler, die heute Megastars sind (oder waren), die keine Sau kannte, bevor sie bei uns das Trikot angezogen haben.

Hier sind sie gereift, überdurchschnittlich besser geworden und natürlich für die Top 5, Top 10 Vereine interessant die noch vor uns stehen. Das wird mit Pulisic oder eines Tages Sancho nicht anders laufen. Damit muss man leben.

Und klar, es schmerzt auch mich, dass wir immer mal wieder Kaderleichen für viel Geld holen (und, was fast noch schlimmer ist: mit Top-Verträgen ausstatten, so dass sie nicht wechseln wollen), die dann floppen. Aber man kann nicht mit jedem Transfer einen Dembele aus dem Hut zaubern, der uns 15 Millionen kostet, ein Jahr rumwirbelt und dann für alles in allem (sofern alle Boni fällig werden) für knapp 140 Millionen abgegeben wird.

Lange Rede, kurzer Sinn: Viel Geld alleine reicht nicht. Es gibt - insbesondere aktuell durch die Situation mit den TV-Geldern in England - etwa 20 bis 30 Vereine in Europa, die größere Transfers und höhere Gehalts-Etats stemmen können, als wir. Mit 50+1 Europaübergreifend oder einem wirklich konsequenten Financial Fair Play wäre das anders, aber damit ist nicht zu rechen.

Ich finde es daher völlig okay, zu wissen, dass wir von der unternehmerischen Seite her hinter Bayern München vermutlich ganz oben in Europa stünden, gäbe es bestimmte Regularien, die es verhindern, Unmengen an Geld in einen Fussballverein zu pumpen, die nie im Leben refinanziert werden können.

Bis dahin aber sind es eben die Scheichs und die Investoren, die uns die Spieler am Ende wegholen. Wir werden es überleben.
BVB - Transferpolitik |#12726
14.08.2018 - 12:16 Uhr
Zitat von Muschelschrubber12

Das ist sehr schwarz/weiß gedacht. Wenn wir weltklasse verlieren sollte man die aber auch mit entweder internationaler klasse und/ oder einem mega talent ersetzen.

Wenn man sich unsere Transfers ansieht, haben wir aber in den letzten Jahren eben genau das getan:
Kategorie Megatalente: Mor, Isak, Dembele, Sancho
Ich denke, dass all diese Spieler in die von dir genannte Kategorie fallen dürften. Ich denke zumindest nicht, dass irgendwelchen anderen Riesentalente (welche klar über diesen Spielern anzusiedeln sind und zu dem Zeitpunkt waren) im gleichen Zeitraum gewechselt sind. Und man muss dann mal eben auch dazu sagen, dass eben auch nur begrenzter Platz im Kader ist. Man kann nun nicht jedes x-beliebige Talent verpflichten. Hier hat man in einem begrenzten Zeitraum 4 hoffnungsvolle Talente verpflichtet und eine Erfolgsquote von 50 % gehabt. Und die Jungs aus der eigenen Jugend (zuvorderst Pulisic) kommen noch dazu.

Die Spieler der Kategorie "internationale Klasse" müsstest du mir etwas genauer definieren, denn ich denke zum Zeitpunkt der Verpflichtung könnte man Spieler wie Götze, Schürrle oder Immobile durchaus in diese Kategorie setzen. Hat halt aus verschiedenen Gründen nicht gepasst.

Zitat von Muschelschrubber12
Das traurige ist eben, das nach jetzigem stand noch nicht mal mehr ein grundgerüst von spielern internationaler klasse vorhanden ist. Einzig reus und witsel, evtl vielleicht noch delany . Alle anderen sind entweder in der entwicklung oder noch im status talent. Die mischung passt einfach nicht gut.
Man kann keinen gündogan durch zb castro oder rode ersetzen. Das passt qualitativ eben nicht und bläht den kader unnötig auf.

Hatten wir das denn wirklich immer direkt?
Ich erinnere mich z.B. noch gut an Gündogans Anfangszeit. Er sollte Sahin ersetzen und in den ersten Spielen der neuen Saison gab das größere Probleme. Als Meister kamen wir nicht so gut in Schwung und es kamen viele Stimmen auf, die meinten, dass Gündogan als Sahin-Ersatz eine Fehlbesetzung ist. Ein halbes Jahr später war natürlich alles super.

Ich will damit sagen, dass es immer unser Weg war, Spieler zu holen, die an der Schwelle zum Durchbruch standen oder noch einen Schritt weiter davor. Dazu kommen und kamen immer auch vielversprechende Talente. Es ist quasi egal, wen man da nennt, aber die meisten Spieler unserer erfolgreichen Zeit (die ja nun nicht wirklich vorbei ist) fallen in eine solche Kategorie. Egal ob das Gündogan, Lewandowski, Kagawa oder auch z.B. Moritz Leitner oder Julian Schieber sind. Es war auch damals schon so, dass nicht alle Spieler eingeschlagen haben. Damals war der Schaden nur nicht so groß, weil wir noch nicht so viel Geld ausgeben mussten. Das ist heute anders, was ebenfalls verschiedene Gründe hat.

Zitat von Muschelschrubber12
Ich erwarte ja keine welt oder superstars hier, aber wenn man schon so viele Leistungsträger für viel geld abgibt, dann kann man zumindest gezielt versuchen Qualität vor Quantität bei der Zusammensetzung des kaders walten zu lassen um nicht in den problemen zu ersticken die wir aktuell haben.

Ich glaube die Probleme, die wir aktuell haben liegen weniger an einer falschen Einkaufspolitik, sondern eher an der Entwicklung des Marktes sowie unseres Vereins.
Spieler die hierher kommen wissen auch, dass es dem Verein finanziell sehr gut geht und wollen dementsprechend verdienen. Talente sind aufgrund unserer Kaderstruktur nicht mehr so leicht zu bekommen und ihnen kann aufgrund des gestiegenen Anspruchs auch nicht mehr so viel Zeit gegeben werden, wie z.B. einem Gündogan.
Ich denke das ist auch gut an einem Spieler wie Diallo zu erkennen. Der wäre noch vor 3 Jahren für um die 10 Mio gewechselt. Dafür ist er heute nicht zu bekommen und das erhöht natürlich die Fallhöhe. Was ich damit sagen will ist, dass wir unsere Transferpolitik gar nicht so stark verändert haben, wenn man sich die Spieler ansieht. Nur müssen wir für unsere Politik mehr bezahlen, was Transfers anders aussehen lässt.

•     •     •

Ich fühl´ mich sicher!
BVB - Transferpolitik |#12727
14.08.2018 - 13:13 Uhr
......

Der BVB hat abgesehen davon viel mehr als Wagner und Wolf verloren, die für mich für die Bundesligamannschaft zu den jeweiligen Zeitpunkten eh nicht in der Hauptverantwortung in Frage kamen, indem man mit Mislintat Zorcs eigentlichen Erben zum Überlegen brachte, ob für ihn beim BVB noch alles soweit passt. Das hatte dieser bekanntlich verneint, was man mittlerweile durchaus als Kernproblem verstehen darf.

Ich habe das Zitat mal gekürzt, zur besseren Lesbarkeit.

Du hast mit sehr vielen Sachen wie immer Recht. Es ist eben ein sehr komplexes Thema.
Für mich resultieren eben viele Fehler in der Transferpolitik ab 2016 eben aus der Verpflichtung Tuchels heraus, aber eben auch nicht alle. Der springende Punkt für mich ist, ob es INTERN absehbar war, dass es Probleme mit ihm geben KÖNNTE. Aus seiner Mainzer Zeit ist mir nichts bekannt, außer seinem nicht ganz sauberen Abgang und der sehr undurchsichtigen Geschichte mit Müller. Das eigentliche problematische Transfergebahren beginnt ja auch erst nach der recht erfolgreichen ersten Saison. Hummels, Micki, Gündogan....Einer kann, alle drei werden gehen. Da beginnt für mich der Bruch. Für mich gibt es im Verein DREI mögliche auslösende Kräfte für einen Transfer...Verantwortlicher Trainer, Zorc/Scouting oder der Geschäftsführer, also Watzke. Diese Frage kommt bei mir seit Tuchel eigentlich bei jeder durchgeführten Verpflichtung auf. Götze ist für mich ein von Aki initiierter Transfer, der von Zorc aus leistungstechnischer Sicht eigentlich nicht hätte befürwortet werden dürfen, aber im Endeffekt abgenickt wurde. Schü geht eindeutig auf TT zurück. Bei Rode muss ...Keine Ahnung...grins. Das waren doch zu diesem Zeitpunkt die Transfers der Marke ALT UND TEUER,dazu noch jeder Einzelne von vorn herein STARK risikobehaftet. Eine komplette Abkehr von der bisherigen Transferstrategie. Castro, Bartra und später Toprak wurden ja zumindest über relativ günstige Ausstiegsklauseln geholt, so dass man diese durchaus der Vereinsseite zurechnen kann. Spätestens mit Beginn der zweiten Tuchelsaison kam dann aber die durch ihn zumindest geduldeten Unruhe und durch ihn herbeigeführte vergiftete Atmosphäre im gesamten Verein hinzu,
die letztlich zu seinem viel zu spät vollzogenen Rauswurf führte. Allerdings gab es IM Verein eben auch keine Übergangslösung, was mMn eigentlich zu kritisieren ist. Für einen Verein wie die Borussia ist es aus finanziellen Gründen UND aus Gründen der relativ klären Spielphilosophie unbedingt notwendig, einen Trainer im eigenen Haus zu haben, der diese kurzfristig bei Notwendigkeit auch mit der ersten Mannschaft auf den Rasen bringt. Diese Kandidaten hat man aus meiner Sicht der Dinge zu leicht gehen lassen.
Die gesamten Verpflichtungen der Kategorie ALT UND TEUER haben jeweils aus individuell unterschiedlichen Gründen ALLE nicht ansatzweise funktioniert, so dass sie in ihrer Gesamtheit das nun herrschende Dilemma anfänglich verursacht haben...Schü und Rode verletzt, Götze krank usw. Es ist alles dazu bekannt und gesagt. Das wir die zweite Tuchelsaison mit dem Pokalsieg abschließen konnten, war mehr Glück, als man sich erhoffen konnte. Und natürlich vielen Dank an Ousmane zwinker.
Vor dem Pokalsieg dann noch der ANSCHLAG. Eigentlich ist JEDES Spiel danach in der Saison eine Leistung der Mannschaft und der Menschen drumherum, eine unfassbare Leistung, die man garnicht hoch genug würdigen kann.
Vielleicht ist es gut, dass Favre jetzt erst verpflichtet wurde, denn die Leistung, die Bosz leisten sollte, kann eigentlich nicht ein Trainer leisten. MMn musste er früher oder später scheitern, weil die Mannschaft aufgrund des Anschlags und Tuchels Erbe eben keine mehr war. Das nur noch rudimentäre Gerüst der Alteingesessenen in der Mannschaft und die mehr oder minder mit sich selbst beschäftigten Transfers ALT UND TEUER waren mit der Situation wie die meisten anderen Verantwortlichen natürlich auch komplett überfordert. Wer wäre es auch nicht gewesen. Zu viele Aufgaben und Baustellen innerhalb viel zu kurzer Zeit. Das wir die CL erreicht haben, ist eine Wahnsinnsleistung unter diesen Rahmenbedingungen.
Es waren einfach zu viele Transfers der Kategorie ALT UND TEUER. Einen hätte der Verein vielleicht trotzdem besser verkraftet, aber alle gemeinsam waren entschieden zuviel. Und keiner hat auch nur ansatzweise die an ihn gestellten Erwartungen erfüllt.
Ich verzettel mich gerade ein wenig....augen-zuhalten
Unschuldig am derzeitigen Dilemma ist keiner der Verantwortlichen. Allerdings wäre im NACHHINEIN betrachtet ohne Tuchel sehr wahrscheinlich nicht so groß. Aber vielleicht auch nur anders. Aber wenn ein Trainer nach einer erfolgreichen Saison versucht, SEINE Transfers um JEDEN Preis zu realisieren, kann es für einen Verein wie die Borussia eben nur schief gehen. Das hat man leider zu spät erkannt.
Bin gleich fertig.cool
Die Transferpolitik nach Tuchel war mMn sehr stark geprägt von vom Verein ungewollten Abgängen auch Aufgrund des ANSCHLAGS (Bartra, Bender, Ginter usw), denen man aber entsprochen hat, weil wir eben Borussia sind und weil es auch keinen Sinn macht, jemanden mit einem mehr oder minder großen Trauma zu zwingen, hier zu bleiben. Dazu noch das Theater mit Auba und Dembelé, die uns sicher ebenfalls einige Schwierigkeiten sowohl bei Ab- als auch bei Zugängen bereitet haben dürften.
Insgesamt sehe ich uns auf einem recht guten Weg, auch wenn noch nicht alle Baustellen geschlossen sind. Aber im Winter und vor der nächsten Saison ist ja wieder TRANSFERMARKT.
Neuer Trainer, neue Mitarbeiter, ein paar gute neue Spieler und ein paar notwendige Abgänge...es spricht doch eigentlich nichts gegen das Erreichen der CLplätze.

PS: Ich bitte vielmals um Entschuldigung für den teilweise etwas undurchsichtigen Schreibstil. Aber ich schreibe relativ selten solche langen Pamphlete und verliere ab und zu den Überblick. So klar strukturierte Beiträge wie BVBBC, arche und einige andere User bekomme ich leider nicht hingezimmert.
Ich habe nur gerade Zeit und Muse....und eine Sommergrippe. Wenn die überstanden ist, lese ich wieder nur noch mit. Versprochen.daumen-hoch

•     •     •

"There is no glory in prevention." - Christian Drosten

„Wenn man kein Tor bekommt, verliert man nicht!“ Roman Bürki

„ Jeder kann wütend werden, das ist einfach. Aber wütend auf den Richtigen zu sein, im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck und auf die richtige Art, das ist schwer.“ Aristoteles

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Trepo am 14.08.2018 um 13:36 Uhr bearbeitet
BVB - Transferpolitik |#12728
14.08.2018 - 13:25 Uhr
Zitat von Presseagent
Zitat von Muschelschrubber12

Nachdem ja viele der Meinung sind das wir kein Budget mehr für einen MS haben, habe ich ( auch ) mal nachgerechnet bzw recherchiert:

Wir haben seit der Saison 14/ 15 bis Heute ca 460 Millionen für Transfers eingenommen und 390 Millionen wieder ausgegeben.
Soweit so gut. Mal abgesehen davon das man hier nun auch schon leicht in Schieflage geraten ist, wenn man der Watzkeaussage mit den 2/3 glauben schenkt.
Wobei Transfereinnahmen auch nur ein Teil des ganzen sind.
Es gibt ja noch TV Gelder usw, usw.

Wenn man dann aber sieht wie man das Geld wiederum investiert hat und was jetzt übergeblieben ist ( finanziell und im Kader ), da kann man eigentlich nur mit dem Kopf schütteln.

Missverständnisse wie Schürrle und Immobile schlagen da ja kaum zu buche. Vielmehr ist es traurig zu sehen das man es nicht geschafft hat, die Qualität auch nur annähernd auf einem ähnlichen Level zu halten, trotz opulenter Einnahmen.

Spieler wie Aubameyang, Dembele, Mkhitaryan, Hummels und Gündoğan aber auch Spieler wie Ginter, Mor und Ramos sowie Bender und Sokratis brachten uns ein sattes Transferplus ein.

Man fragt sich langsam wirklich wo der Sinn darin steckt, letztlich wiederum soviel Geld für nix auszugeben bei dem was wir noch an wirklichen aktuellen Topspielern in der Mannschaft haben.
Viele sind es ja nun wirklich nicht mehr. Reus ist neben Witsel eigentlich der einzige auf hohem internationalen Niveu. Alle anderen sind entweder am Anfang des Weges ( Akanji, Diallo, Sancho ) oder stehen erst jetzt vor dem Durchbruch ( Pulisic, Philipp ). Bei Spielern wie Götze und Kagawa hofft man weiterhin auf Besserung und Konstanz im Vergleich zu dem Niveau was man von ihnen kannte.
Mal ganz abgesehen davon das man sich als Team mit einem neuen Trainer erst wiederfinden muss.

Das man nun auch noch die Megabaustelle Mittelstürmer nicht gestopft bekommt ist traurig genug, da man sich hier länger wie 1 Jahr darauf vorbereiten konnte bzw. Geld hätte ansparen können. Das der Markt immer verrückter wird, weiß man ja nicht erst seit gestern, mal abgesehen davon das man selbst davon extrem partizipiert hat. Einen Maximilian Philipp nach seinem ersten Jahr bei uns nun aus der Not heraus zum MS umschulen zu wollen weil man mit der Entwicklung von Alex Isak nicht zufrieden sein kann, passt dann wieder in dieses scheinbar planlose Schema, nachdem man für Aubameyang 64 Mio eingenommen hat. Seit Jahren ist der MS unsere Lebensversicherung gewesen. Egal ob es Barrios, Lewandowski oder nun Aubameyang war. Naja, brauchen wir wohl nicht mehr ...

Vielmehr ist es jetzt sogar so, das man krampfhaft versucht seine transfertechnischen Fehlgriffe wie Rode oder Toljan ( exemplarisch ) zu korrigieren um den Kader zu verkleinern , leistungsfähiger zu gestalten und verlorenes Budget wieder zurück zu gewinnen. Zumindest ist dies mit Castro, Yarmolenko und Schürrle bereits etwas gelungen.

Für diejenigen die nun immer noch meinen das wir finanziell noch was in der Hinterhand haben, sollte gesagt sein das dieser Umbruch auch eine Art Notbremse zu sein scheint und sichtbar kein Budget mehr für einen MS vorhanden ist, wenn man nicht noch Weigl und Guerreiro zu Geld macht oder aber einen ablösefreien MS findet der wie zb Modeste über eine gute Qualität verfügt.

460 Mio eingenommen, 390 Mio ausgegeben. Und das ohne Handgelder, Steuern, etc. p.p.
Sportlich hat man sich inzwischen deutlich verschlechtert, wirtschaftlich ist man enorm gewachsen.
Jetzt macht man den Neuanfang.

Halleluja, da bleibt einem fast die Spucke weg...


Grundsätzlich ist es immer eine Milchmädchenrechnung, einfach Transfererlöse gegen Ausgaben zu rechnen. Da spielen noch so viele andere Faktoren eine Rolle (Abschreibungen, Steuern, Handgelder, Nach- und Bonuszahlungen, Beteiligungen vorheriger Vereine, stetig steigender Gehaltskorridor, um nur einige wenige zu nennen).

Aber auch unabhängig davon, selbst wenn man sagen könnte: 400 Millionen eingenommen, also kann man 400 Millionen rausballern und dann muss man ja mindestens so gut sein, wie vorher. Das ist in meinen Augen ebenfalls unrealistisch. Wir sind - wenn auch auf gutem überdurchschnittlichen europäischem Niveau - ein Durchgangsverein. Ikonen wie Reus gibt es nur alle 10 Jahre mal. Vor ihm eventuell Ricken, davor Zorc. Mehr ist da nicht groß.

De facto muss man dazu in die Bewertung noch mit einbeziehen: Die Top-Transfers gehen bei uns vor oder spätestens auf ihrem Leistungshöhepunkt. Wir können sie nicht halten. Gleichwertigen Ersatz für annähernd gleiches Budget ist unrealistisch zu bekommen. So gut kann man nicht scouten, dass das immer klappt. Wenn es das gäbe, würde ManCity nicht monatelang eine Hängepartie mit Gündogan haben, sondern einfach den Spieler holen, den wir als Ersatz verpflichten.

Machen sie aber nicht. Warum? Nicht weil ihr Scouting schlechter ist, sondern weil sie die wirtschaftliche Kraft haben, zu sagen: Ob ein Spieler wie Pulisic oder Philipp oder Dembele den Durchbruch zu einem echten Superstar schafft, wissen wir nicht. In unserem Edel-Kader bekommt aber keines dieser Talente ausreichend Zeit, sich zu entwickeln. Da muss immer alles sofort passen. Also überlässt man das Risiko, dass das Talent weniger groß ist, als man hoffte, Vereinen wie unserem BVB. Wir sind darauf angewiesen, Leute wie Lewandowski oder Pulisic zu finden und zu Stars zu machen. Auch wenn wir wissen, dass 99 von 100 ihre besten Zeiten dann nicht in Schwarz-Gelb verbringen, sondern vorher wechseln werden.

Das ist so, das werden wir auch die nächsten 20 Jahre nicht ändern. Wir sollten im Gegenteil sehr froh sein, dass wir immer noch ein so beliebter und weltweit dafür bekannter Verein sind, Rohdiamanten zum vollen Glanz zu polieren. Die Spieler, die uns in den letzten Jahren verlassen und stark geschwächt haben, haben wir auf der ganzen Welt zusammengescoutet und extrem verbessert. Alleine in den letzte Jahren mit Götze (zu Bayern), Sahin (Real), Kagawa (ManU), Hummels, Lewandowski, Dembele, Aubameyang usw. - Alles Spieler, die heute Megastars sind (oder waren), die keine Sau kannte, bevor sie bei uns das Trikot angezogen haben.

Hier sind sie gereift, überdurchschnittlich besser geworden und natürlich für die Top 5, Top 10 Vereine interessant die noch vor uns stehen. Das wird mit Pulisic oder eines Tages Sancho nicht anders laufen. Damit muss man leben.

Und klar, es schmerzt auch mich, dass wir immer mal wieder Kaderleichen für viel Geld holen (und, was fast noch schlimmer ist: mit Top-Verträgen ausstatten, so dass sie nicht wechseln wollen), die dann floppen. Aber man kann nicht mit jedem Transfer einen Dembele aus dem Hut zaubern, der uns 15 Millionen kostet, ein Jahr rumwirbelt und dann für alles in allem (sofern alle Boni fällig werden) für knapp 140 Millionen abgegeben wird.

Lange Rede, kurzer Sinn: Viel Geld alleine reicht nicht. Es gibt - insbesondere aktuell durch die Situation mit den TV-Geldern in England - etwa 20 bis 30 Vereine in Europa, die größere Transfers und höhere Gehalts-Etats stemmen können, als wir. Mit 50+1 Europaübergreifend oder einem wirklich konsequenten Financial Fair Play wäre das anders, aber damit ist nicht zu rechen.

Ich finde es daher völlig okay, zu wissen, dass wir von der unternehmerischen Seite her hinter Bayern München vermutlich ganz oben in Europa stünden, gäbe es bestimmte Regularien, die es verhindern, Unmengen an Geld in einen Fussballverein zu pumpen, die nie im Leben refinanziert werden können.

Bis dahin aber sind es eben die Scheichs und die Investoren, die uns die Spieler am Ende wegholen. Wir werden es überleben.



Sollte man ganz oben im Forum irgendwie anpinnen, denn besser kann man es nicht verargumentieren.

Dauert leider keine 30 Postings und dann kommt wieder eines der Sorte: "alle Verantwortlichen muss man rausschmeissen, weil die so schlecht sind". Wäre schön, wenn man dann einfach einen VErweis auf gute Postings machen könnte, aber im Prinzip muss man wieder und wieder und wieder das gleiche schreiben, weil die Forensoftware für gepflegte Diskussionen ziemlich schlecht ist.

Von mir Daumen hoch und "lesenswert"!

•     •     •

"Zeige Anmut beim Sieg und Demut in der Niederlage"
BVB - Transferpolitik |#12729
14.08.2018 - 13:27 Uhr
Zitat von BVBBC


Ich wollte hier eigentlich auf eine andere Geschichte raus. Wenn die Umstände, die ex-post dargestellt wurden, tatsächlich so zutrafen, dann war Tuchel bereits im Sommer 2016 nicht mehr haltbar. Ich kritisiere also nicht so sehr, dass man einen externen Trainer gesucht hat und schon gar nicht, dass man Tuchel entlassen hat. Ich kritisiere vielmehr, dass man in der Trainerwahl etwas beliebig geworden ist, zumal die Geschichte mit Bosz zwar - meines Wissens, da es dazu Insidergerüchte gab - länger schon eine Option war, als öffentlich bekannt war, aber die ersten beiden Optionen waren bekanntlich - allen voran - Nagelsmann und Favre.


Das ist so weit sicherlich richtig, aber was hätte es bedeutet Tuchel im Sommer 2016 zu kündigen? Man hatte gerade eine verdammt gute Saison hinter und einen massiven Kaderumbruch vor sich. Kein Mensch hätte das verstanden, wenn man nichtangefangen hätte sich mit Vereinsinterna öffentich eine Schlammschlacht zu liefern. Der Rummel und externe Druck, auch die Differenzen im eigenen Fanlager und Verein hätten das Klima für den nötigen Umbruch mit Sicherheit verdorben, möglicherweise auch potentielle Nachfolger abgeschreckt.
Sich vor einem Jahr von Tuchel zu trennen war schon nicht einfach (man bedenke die Resonanz hier und an anderer Stelle) . Wenn nicht im Kontext des Anschlags die Differenzen offenschtlich geworden wären, ich will nicht wissen, wie dann reagiert worden wäre, von der Saison davor, wo es sportlich deutlich besser lief nicht zu reden.
Tuchel war vielleicht intern nicht mehr tragbar, aber die sportlichen Argumente sprachen für ihn und so lange die wirklich stimmten, war es sicherlich innerhalb eines gewissen Rahmens auch möglich über die anderen Probleme hinweg zu sehen und darauf zu spekulieren diese Probleme mindestens so lange eindämmen zu können, bis man den sportlichen Umbruch vollzogen haben würde.
Letztlich weiß auch keiner was passiert wäre, wäre es nicht zum Anschlag letztes Jahr und dem Tumult darum gekommen. Vielleicht hätte man die ganze Angelegenheit dann einfach mehr schlecht als recht zu Ende laufen lassen können. Was das sportlich und für die interne Entwicklung des Vereins bedeutet hätte, können wir nicht ermessen, aber auch da dürfte ein breit gefächertes Spektrum an Möglichkeiten gegeben gewesen sein.

Wenn man Tuchel auf seine sportliche Bilanz vs. seine interne Tragbarkeit herunterbricht, betrachtet man das Problem meiner bescheidenen Ansicht nach zu isoliert, auch da ist einiges an Konjunktiv und ex-post-Perspektive dabei.
Wenn man vor 2 Jahren vor einer Situation gestanden hätte die CL mit ach und Krach erreicht zu haben, die internen Querelen in dem Ausmaß bekannt gewesen und der sportliche Umbruch weicher gewesen wären, dann wäre es ein Fehler gewesen sich von Tuchel nicht zu trennen und einen anderen Kandidaten an Land ziehen. So hätte man aber damit rechnen müssen einen ohnehin komplizierten sportlichen Umbruch durch Diskontinuität auf der Trainerbank zusätzlich zu erschweren und sich mit einer für die öffentlichkeit völlig unverständliche Entlassungsaktion zur Zielscheibe öffentlichen Drucks zu machen, der zu dem Zeitpunkt so noch nicht da war und deswegen bin ich durchaus der Meinung, dass man hier als Option durchaus eine "Augen-zu-und-durch-Strategie", was Tuchel betrifft fahren konnte, zumal schwer zu ermessen ist, wie sehr die Person Tuchel dem Verein damals intern bereits schadete und inwiefern sie einfach nur ein Ärgernis darstellte, das aber noch irgendwie zu überbrücken gewesen wäre.

Letztenendes hat man sich für den Weg entschieden dem sportlichen Umbau Priorität vor den internen Querelen einzuräumen und wer weiß ob dass nicht noch ein Jahr mit geballter Faust in der Tasche irgendwie zu überstehen gewesen wäre, wenn es dann letzten April nicht zum eclat gekommen wäre und ob es zu dem ohne Anschlag gekommen wäre ist ebenfalls sehr fraglich. Letzterer wiederrum ist ein Faktor, den man ncht absehen konnte und insofern bin ich der Meinung, dass es im Sommer 2016 zwei denkbare Perspektiven gab:

1. Trainer entlassen und einen Wunschkandidaten rannholen, sich aber gleichzeitig die Medienlandschaft zum Feind machen, sich dem eigenen Fanlager entfremden und den sportlichen umbruch zu verkomplizieren.

2. Am Trainer festhalten, mindestens bis der sportliche Umbruch im Reinen ist, oder komplett darauf setzen, dass es für 2 Jahre intern mal ungemütlich und schwierig wird, dafür aber der sportliche Umbruch möglicherweise einfacher zu gestalten ist.

Offensichtlich hat man die Problematik Tuchel insgesamt unter- oder die eigene Fähigkeit dieses Problem einzudämmen überschätzt, das kann man mit Sicherheit festhalten. Dennoch bin ich der Ansicht, dass dieser Weg legitim war und das er hätte funktionieren können, wenn die Situation beginnent im Winter 16/17 nicht so zu gären angefangen hätte und im Frühjahr eskaliert wäre.
Das Problem im Bezug auf die Trainerposition war nicht Tuchel nicht von Anfang an rausgeworfen zu haben, sondern dass man den eingeschlagenen Kurs nicht durchhalten konnte. (ob die Situation des Vereins eine bessere wäre, wenn man es hätte tun können sei dahin gestellt).

Demnach müsste man eigentlich eher die Frage stellen, ob das von Anfang an absehbar nicht durchzuahlten war oder die Entwicklung im Frühjahr '17 es unmöglich gemacht hat. Watzkes Einschätzung tendierte da ja eher zu letzterem.
Man kann die Entscheidung an Tuchel festzuhalten sicherlich ex-post einen Fehler nennen, aber sicherleich nicht einen Fehler, der sich von vorne herein als absehbar verbeten hätte, beide Optionen waren da und hatten Risikopotential.
BVB - Transferpolitik |#12730
14.08.2018 - 13:32 Uhr
Zitat von Demut

Wir haben mit vielen torgefährlichen Mittelfeldspieler auch einen Kader, der fast wie geschaffen für Favres System ist. Daher fand ich den Move erstmal unsere Hauptprobleme der letzten Saison anzugehen genau richtig.

Genau diese Ansicht teile ich absolut nicht. Wir haben genau einen richtig torgefährlichen Mittelfeldspieler mit Reus im Kader. Und daher wird ein vernünftiger MS unbedingt benötigt. Sonst ergeht es uns wie Deutschland bei der WM, massenhaft Ballbesitz und nichts kommt bei raus und dies über eine ganze Saison. Der Umbruch fällt ja laut Aki in paar Transferfenster statt, alles easy. Dann gehen wir diese Saison ohne starken Goalie und starken Außenverteidigern in die Saison, komme ich absolut mit klar. Aber ohne soliden MS in die Saison zugehen wäre einfach nur fahrlässig.
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