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BVB - Transferpolitik

14.02.2015 - 15:43 Uhr
BVB - Transferpolitik |#17281
17.06.2022 - 10:15 Uhr
Zitat von barcaberlin
Zitat von Herzog10

Um für einen AV (wie David Raum) 30 bis 40 Millionen hinzulegen, reicht meiner Meinung nach 1 sehr gute BL-Saison nicht aus.
Wo sind unsere Scouts, die auch mal vernünftige AV an Land ziehen, da trauen wir uns absolut nichts zu.
Bisher fehlt mir diesen Sommer ein "sogenanntes Riesentalent", denn vorher nur Insider auf den Schirm hatten, Adeyemi als Nationalspieler eher bekannt und auch Jaden Braaf wurde seit 2 Jahren schon laufend diskutiert.

Hier mal einen AV an Land ziehen, dass wäre mal eine tolle Geschichte.

Wie oft haben wir denn in der Vergangenheit sogenannte Riesentalente geholt die niemand aufm Schirm hatte?

Wenn da schon Braaf und Adeyemi nicht mehr dazu zählen, dann wirst du wohl enttäuscht werden, was die Profis angeht.

Am ehesten vielleicht noch das Gerücht um Prince Aning von Ajax interessant in diesem Bereich aber da der erstmal noch Zeit in der Jugend brauchen wird wohl nicht das woran du denkst.

Da wir aber mit Rothe und Semic schon zwei eigene Talente haben die hochkommen kann ich mir auch schwer vorstellen dass da besonders viel im Talentebereich passiert. Viel mehr habe ich die Hoffnung dass wir unter Terzic vielleicht mehr Einbindung der Talente sehen...
Alles richtig, aber ich meinte nicht die 17 jährigen Talente, sondern Talente wie David Raum, der vor 1 Jahr noch einen Marktwert unter 4 Millionen hatte.
Natürlich brauchst du Glück solche "Talente" zu finden, aber häufig laufen einfach Spieler unterm Radar, weil vielleicht Spätzünder, in einer "schwächeren (zweiten) Liga spielend... und, und...
BVB - Transferpolitik |#17282
17.06.2022 - 10:34 Uhr
Zitat von Herzog10
Zitat von barcaberlin

Zitat von Herzog10

Um für einen AV (wie David Raum) 30 bis 40 Millionen hinzulegen, reicht meiner Meinung nach 1 sehr gute BL-Saison nicht aus.
Wo sind unsere Scouts, die auch mal vernünftige AV an Land ziehen, da trauen wir uns absolut nichts zu.
Bisher fehlt mir diesen Sommer ein "sogenanntes Riesentalent", denn vorher nur Insider auf den Schirm hatten, Adeyemi als Nationalspieler eher bekannt und auch Jaden Braaf wurde seit 2 Jahren schon laufend diskutiert.

Hier mal einen AV an Land ziehen, dass wäre mal eine tolle Geschichte.

Wie oft haben wir denn in der Vergangenheit sogenannte Riesentalente geholt die niemand aufm Schirm hatte?

Wenn da schon Braaf und Adeyemi nicht mehr dazu zählen, dann wirst du wohl enttäuscht werden, was die Profis angeht.

Am ehesten vielleicht noch das Gerücht um Prince Aning von Ajax interessant in diesem Bereich aber da der erstmal noch Zeit in der Jugend brauchen wird wohl nicht das woran du denkst.

Da wir aber mit Rothe und Semic schon zwei eigene Talente haben die hochkommen kann ich mir auch schwer vorstellen dass da besonders viel im Talentebereich passiert. Viel mehr habe ich die Hoffnung dass wir unter Terzic vielleicht mehr Einbindung der Talente sehen...
Alles richtig, aber ich meinte nicht die 17 jährigen Talente, sondern Talente wie David Raum, der vor 1 Jahr noch einen Marktwert unter 4 Millionen hatte.
Natürlich brauchst du Glück solche "Talente" zu finden, aber häufig laufen einfach Spieler unterm Radar, weil vielleicht Spätzünder, in einer "schwächeren (zweiten) Liga spielend... und, und...


Hast du denn ein, zwei aktuelle Beispiele parat, wo international dauerhaft vertretene Spitzenvereine, gerne auch solche, die sich ansonsten auf das Scouting und entdecken von (jungen) Talenten spezialisieren, ohne Personalnot oder Ähnliches auf „Spätzünder aus schwächeren Ligen“ gesetzt haben? Bezweifle ich.

Junge Top-Talente, klar. Aber darum ging es dir ja anscheinend nicht. Das was du dir hier offenbar wünscht, ginge mit ner enormen sportlichen Wette auf diese Spieler einher. Die geht auf diesem Niveau doch kein Club freiwillig ein.
BVB - Transferpolitik |#17283
17.06.2022 - 10:43 Uhr
Zitat von Herzog10

Zitat von barcaberlin

Zitat von Herzog10

Um für einen AV (wie David Raum) 30 bis 40 Millionen hinzulegen, reicht meiner Meinung nach 1 sehr gute BL-Saison nicht aus.
Wo sind unsere Scouts, die auch mal vernünftige AV an Land ziehen, da trauen wir uns absolut nichts zu.
Bisher fehlt mir diesen Sommer ein "sogenanntes Riesentalent", denn vorher nur Insider auf den Schirm hatten, Adeyemi als Nationalspieler eher bekannt und auch Jaden Braaf wurde seit 2 Jahren schon laufend diskutiert.

Hier mal einen AV an Land ziehen, dass wäre mal eine tolle Geschichte.

Wie oft haben wir denn in der Vergangenheit sogenannte Riesentalente geholt die niemand aufm Schirm hatte?

Wenn da schon Braaf und Adeyemi nicht mehr dazu zählen, dann wirst du wohl enttäuscht werden, was die Profis angeht.

Am ehesten vielleicht noch das Gerücht um Prince Aning von Ajax interessant in diesem Bereich aber da der erstmal noch Zeit in der Jugend brauchen wird wohl nicht das woran du denkst.

Da wir aber mit Rothe und Semic schon zwei eigene Talente haben die hochkommen kann ich mir auch schwer vorstellen dass da besonders viel im Talentebereich passiert. Viel mehr habe ich die Hoffnung dass wir unter Terzic vielleicht mehr Einbindung der Talente sehen...
Alles richtig, aber ich meinte nicht die 17 jährigen Talente, sondern Talente wie David Raum, der vor 1 Jahr noch einen Marktwert unter 4 Millionen hatte.
Natürlich brauchst du Glück solche "Talente" zu finden, aber häufig laufen einfach Spieler unterm Radar, weil vielleicht Spätzünder, in einer "schwächeren (zweiten) Liga spielend... und, und...


Letzten Sommer wurde hier ausgiebig über Raum diskutiert, aber sein Schwächen-Profil ist nach einer sehr guten Bundesliga-Saison ja nicht plötzlich verschwunden. Man wird Raum sicherlich beobachtet haben aber in Anbetracht der Tatsache, dass man eben Schulz UND Guerreiro hatte, sowie Schulz tendenziell eher Rose gelegen hätte, für nicht gut genug/ passend was auch immer empfunden haben.
Die Alternative wäre eine Art "Fußballer-Manager Talente-Game": Man kauft einfach alles halbwegs talentierte, stattet diese mit Verträgen über die maximale Vertragslaufzeit aus und verleiht sie dann wieder umgehend. Dann wären dies aber eine Diskussion über eine "Loan-Army" und/ oder einem Ausbildungsklub, zumindest aber einer Art Kooperative.
Davon mal ab, kann man auch einfach nicht jedes Talent bekommen.
Wer sagt denn, dass - wenn Raum hätte können - er wirklich von Fürth zu uns gewechselt wäre? Vielleicht hat er einen klaren Karriereplan und der BVB war ihm auch einfach 2 Nummern zu groß?

Edit:
Ein Szenario, was viel im italienischen Fußball zerstört/ zerstört hat:
Die großen Clubs kaufen allesamt heuschreckenartig alles auf, um riesige Loan-Armys zu bilden und kümmern sich einen feuchten Dreck um die Talente. Die 17, 18, 19, 20 Jährigen werden Jahr für Jahr an andere Clubs verliehen, ohne, dass man sich um eine stringente Entwicklung kümmert. Ab und an schaffen es dann tatsächlich Spieler aus dieser Kloake herauszukommen und sich durchzusetzen, aber was ist mit dem ganzen Rest...?!

•     •     •

Un cavaliere non lascia mai la sua signora
Buffon/ Zambrotta-Nesta-Cannavaro-Thuram/ Vieira-Nedved-Zidane-Camoranesi/ Del Piero - Trezeguet

Dieser Beitrag wurde zuletzt von BeinGespielt am 17.06.2022 um 10:50 Uhr bearbeitet
BVB - Transferpolitik |#17284
17.06.2022 - 11:25 Uhr
Zitat von Patty

Die Idee den FC Deutschland zu kopieren ist bekanntlich neu und hat beim letzten Versuch (Can, Brandt, Hummels, Schulz) nicht wirklich gut funktioniert. Die Qualität von Süle, Schlotterbeck, Adeyemi und Raum ist definitiv hoch, aber man muss erst schauen, wie gut diese letztendlich in Dortmund funktionieren. Bei Brandt hätte bspw. auch kaum einer gedacht, dass seine Karriere so dermaßen stagniert, wenngleich die letzte Saison nochmal ein Aufwärtstrend gewesen ist.

Dennoch denke ich, dass die Transferpolitik, die ich vor einiger Zeit selbst hart kritisiert habe, durchaus in die richtige Richtung tendiert. Wenn man nun noch Vorlagenqualität für die Außenbahnen (in Form von Raum oder Sosa) sowie eine wuchtigen Stürmer (bspw. Kalajdzic) verpflichten sollte, finde ich die Sommertransferperiode sehr gelungen.

Die einzigen Schwachstellen sehe ich im defensiven Mittelfeld und der rechten Außenbahn. Allerdings traue ich sowohl Özcan als auch Morey eine positive Entwicklung unter Terzic zu. Fraglich ist zudem mit welchem System Terzic plant.

Mit Terzic, Hermann und Forsythe hat man zudem den Mitarbeiterstab sehr positiv verändert. Wenn sich die Verletzungssituation weniger stark zeigt wie im Vorjahr, traue ich speziell Reyna und Moukoko eine deutliche Leistungssteigerung zu und Bellingham wird sicherlich ebenfalls den nächsten Entwicklungssprung machen. Der Kader hat durchaus Potenzial. Aus der U17 können evtl. Toptalente wie Rothe, Semic, Bynoe-Gittens und Rijkhoff schrittweise an die erste Mannschaft herangeführt werden.
Etwas schade finde ich nach wie vor, dass dem BvB Spieler wie Gravenberch und vorallem Hlozek durch das Raster gegangen sind, aber aufgrund der finanziellen Restriktionen kann man sicherlich nicht jedes Toptalent verpflichten, wobei beide Spieler wahrliche Schnäppchen gewesen sind.

Ein Raum bspw. ist ein guter Spieler, aber 30 Mio oder sogar mehr, sind für ihn schon eine sehr hohe Summe. Ich persönlich würde daher eher zu dem Duo Sosa - Kalajdzic tendieren.


Eine kurze Ergänzung noch zu meinem Beitrag. Letztendlich werden die Verkäufe darüber entscheiden wie gut (oder schlecht) der Transfersommer gewesen ist. Wenn bspw. Schulz (5 Mio Ablöse), Hazard (10-15 Mio), Can (10-15 Mio) verkauft werden, würde das Gehaltsgefüge zusätzlich erheblich entlastet. In dem Fall wäre die Transferpolitik sicherlich noch positiver zu bewerten.
Wenn dann noch Raum (oder Sosa) und der neue Mittelstürmer einschlagen, haben die Verantwortlichen sicherlich alles richtig gemacht.
Guerreiro würde ich gerne im Kader behalten, aber auf die ZM Position verschieben, da er dort unter Tuchel bereits sehr gute Spiele gezeigt hat und er primär aufgrund der mangelnden Alternativen immer wieder als LV spielen musste, was durch den Raum (oder Sosa) Transfer nicht mehr der Fall wäre.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Patty am 17.06.2022 um 11:26 Uhr bearbeitet
BVB - Transferpolitik |#17285
17.06.2022 - 11:49 Uhr
Das Problem mit Bundesligaspielern ist hier doch gar nicht, dass es Bundesligaspieler sind, sondern deren Qualität leicht zu überschätzen ist, weil man mit ihnen deutlich vertrauter ist als mit den meisten ausländischen Spielern. Das erzeugt oft eine gefährliche Sicherheit in der Qualitätsbewertung, die eigentlich nur relativ ist, weil man in der Bewertung der ausländischen Alternative unsicher ist. Die meisten User hier dürften jeden Bundesligaspieler, der für den BVB in Frage kommt, mindestens in 2 Spielen jede Saison gesehen haben. In vielen Fällen womöglich schon über einige Jahre. Dazu kommen dann meist Länderspiele und vielleicht noch ein paar Spiele an Tagen, an denen der BVB nicht spielt. Die Anzahl der gesehenen Spiele ist daher im Regelfall wesentlich höher als bei ausländischen Alternativen, wodurch man leicht das Gefühl bekommt, dass man einen Spieler mehr oder weniger gut kennt, obwohl man selbst dann noch relativ wenig Informationen über den Spieler hat. Dazu kommen dann Sportschau und Sportstudio, die die Zusammenfassungen zeigen, die im Grunde auch Highlights sind und dadurch entstandene Einschätzungen nochmal verstärken können, weil dort gebündelt Scorer und starke Szenen gezeigt werden. Dabei ist oft interessanter, was in den Spielen und insbesondere in den Highlights nicht zu sehen ist, was bei YT Videos gerne unterschätzt wird, um einen Case daraus zu machen, dass Live-"Scouting" zwingend besser ist.

Denn es ist ja leicht zu sagen, dass Spiele schauen aufschlussreicher ist als die YT Videos, weil darin nur Highlights gezeigt werden und im Spiel die harte Realität abgebildet wird. Die Videos zeigen aber nicht nur Highlights, sondern bieten oft auch genug Informationen durch die Dinge, die sie nicht zeigen und daher keine Highlights sind. Bei Spielen, die man nicht gerade wegen Einzelspielern schaut, rutscht das schon mal gerne durch. Trotzdem lässt sich hinterher sagen, man hat den Spieler so und so oft live gesehen und kennt ihn daher relativ gut. Obwohl sich dann hinterher oft auf Stats zu Einsatzzeiten, Scorern und dergleichen berufen wird oder sich bestenfalls auf Einzelszenen - meist in Verbindung mit Scorern - berufen wird. Es ist daher leicht einen Bias auf Basis der Quelle zu schaffen und Spieler dadurch überzubewerten oder unterzubewerten, weil man den gesammelten Informationen eher traut, je weniger Verzerrung in der Quelle vorhanden ist, die bei YT Videos logischerweise angenommen wird - das Ganze ist daher also ein wenig paradox. Bei Bundesligaspielern ist die Tendenz zur Überbewertung aber deswegen meist eher gegegeben, weil man einerseits davon ausgehen kann, dass die Beobachtungen umfangreicher sind - selbst wenn sie das nicht unbedingt sind - und man ihnen daher eher vertrauen kann.

Es geht aber eigentlich schon genauer darum Dinge zu beobachten, die man gut gebrauchen kann, Schwächen an denen man arbeiten kann und Probleme, die sich nicht (mehr) in den Griff bekommen lassen. Dafür bieten 2-3 Spiele teils sogar weniger als so manches Highlight Video, wenn gewisse Dinge in diesen Spielen schlicht gefragt sind, was gegen den BVB desöfteren passieren kann, weil die Spielweise des typischen BVB Gegners für den BVB gar nicht mehr funktionieren würde. Dafür ist es an sich auch egal, in welcher Liga ein Spieler spielt. Bei manchen Ligen ist es einfacher das Niveau zu vergleichen und abzuschätzen, ob das auch für den BVB reichen würde, als bei anderen. Das gilt vor allem für die Topligen, aber logischerweise speziell für die Bundesliga, deren Niveau man als BVB Fan in der Regel am allerbesten einschätzen kann, weil man die meisten Spiele dort verfolgen dürfte.

Auch daraus entsteht nochmal ein Bias. Es ist jedenfalls nicht nur eine trügerische bis falsche Vertrautheit mit Bundesligaspielern, die einen Bias schafft, sondern gleichzeitig auch die falsche Gewissheit, dass Bundesligaspieler allgemeingültig in der Bundesliga funktionieren. Der Beleg, dass man Leistungen in der Bundesliga erbracht hat, belegt allerdings noch lange nicht, dass diese Leistungen in jedem System, mit allen Mitspielern reproduzierbar sind, selbst wenn die Mitspieler besser sind als die aktuellen. Vielleicht auch gerade deswegen. Für mich ist es daher extrem gefährlich, wenn man sich zu sehr an solchen Dingen, wie "Bundesligaerfahrung", "Leistungsnachweisen in der Bundesliga(ohne konkret zu werden, was dafür für den BVB relevant ist oder es realistischerweise noch werden kann)" oder gar "Nationalität" aufhängt, statt konkret zu schauen, was den Spieler ausmacht und warum er für den BVB wertvoll sein kann. Keiner der genannten Gründe legt das fest.

Daraus folgt schließlich nicht, dass alle Bundesligaspieler zu schlecht sind oder alle ausländischen Spieler besser als Bundesligaspieler, wie das dann oft und gerne überspitzt dargestellt wird, sondern, dass man immer sehr genau hinschauen muss, warum da gerade ein BVB Spieler noch bei einem anderen Verein spielt und was dieser Spieler denn wert sein darf. Es ist völlig egal, wer etwas wo nachgewiesen hat, sondern wichtig, was nachgewiesen wurde. Verzerrungen dieser Art ist zudem leider auch nicht nur ein normaler Fan ausgesetzt und selbst wenn man darum weiß, ist es schwer sich diesem zu entziehen.
BVB - Transferpolitik |#17286
18.06.2022 - 04:21 Uhr
Zitat von BVBBC
Das Problem mit Bundesligaspielern ist hier doch gar nicht, dass es Bundesligaspieler sind, sondern deren Qualität leicht zu überschätzen ist, weil man mit ihnen deutlich vertrauter ist als mit den meisten ausländischen Spielern. Das erzeugt oft eine gefährliche Sicherheit in der Qualitätsbewertung, die eigentlich nur relativ ist, weil man in der Bewertung der ausländischen Alternative unsicher ist. Die meisten User hier dürften jeden Bundesligaspieler, der für den BVB in Frage kommt, mindestens in 2 Spielen jede Saison gesehen haben. In vielen Fällen womöglich schon über einige Jahre. Dazu kommen dann meist Länderspiele und vielleicht noch ein paar Spiele an Tagen, an denen der BVB nicht spielt. Die Anzahl der gesehenen Spiele ist daher im Regelfall wesentlich höher als bei ausländischen Alternativen, wodurch man leicht das Gefühl bekommt, dass man einen Spieler mehr oder weniger gut kennt, obwohl man selbst dann noch relativ wenig Informationen über den Spieler hat. Dazu kommen dann Sportschau und Sportstudio, die die Zusammenfassungen zeigen, die im Grunde auch Highlights sind und dadurch entstandene Einschätzungen nochmal verstärken können, weil dort gebündelt Scorer und starke Szenen gezeigt werden. Dabei ist oft interessanter, was in den Spielen und insbesondere in den Highlights nicht zu sehen ist, was bei YT Videos gerne unterschätzt wird, um einen Case daraus zu machen, dass Live-"Scouting" zwingend besser ist.

Denn es ist ja leicht zu sagen, dass Spiele schauen aufschlussreicher ist als die YT Videos, weil darin nur Highlights gezeigt werden und im Spiel die harte Realität abgebildet wird. Die Videos zeigen aber nicht nur Highlights, sondern bieten oft auch genug Informationen durch die Dinge, die sie nicht zeigen und daher keine Highlights sind. Bei Spielen, die man nicht gerade wegen Einzelspielern schaut, rutscht das schon mal gerne durch. Trotzdem lässt sich hinterher sagen, man hat den Spieler so und so oft live gesehen und kennt ihn daher relativ gut. Obwohl sich dann hinterher oft auf Stats zu Einsatzzeiten, Scorern und dergleichen berufen wird oder sich bestenfalls auf Einzelszenen - meist in Verbindung mit Scorern - berufen wird. Es ist daher leicht einen Bias auf Basis der Quelle zu schaffen und Spieler dadurch überzubewerten oder unterzubewerten, weil man den gesammelten Informationen eher traut, je weniger Verzerrung in der Quelle vorhanden ist, die bei YT Videos logischerweise angenommen wird - das Ganze ist daher also ein wenig paradox. Bei Bundesligaspielern ist die Tendenz zur Überbewertung aber deswegen meist eher gegegeben, weil man einerseits davon ausgehen kann, dass die Beobachtungen umfangreicher sind - selbst wenn sie das nicht unbedingt sind - und man ihnen daher eher vertrauen kann.

Es geht aber eigentlich schon genauer darum Dinge zu beobachten, die man gut gebrauchen kann, Schwächen an denen man arbeiten kann und Probleme, die sich nicht (mehr) in den Griff bekommen lassen. Dafür bieten 2-3 Spiele teils sogar weniger als so manches Highlight Video, wenn gewisse Dinge in diesen Spielen schlicht gefragt sind, was gegen den BVB desöfteren passieren kann, weil die Spielweise des typischen BVB Gegners für den BVB gar nicht mehr funktionieren würde. Dafür ist es an sich auch egal, in welcher Liga ein Spieler spielt. Bei manchen Ligen ist es einfacher das Niveau zu vergleichen und abzuschätzen, ob das auch für den BVB reichen würde, als bei anderen. Das gilt vor allem für die Topligen, aber logischerweise speziell für die Bundesliga, deren Niveau man als BVB Fan in der Regel am allerbesten einschätzen kann, weil man die meisten Spiele dort verfolgen dürfte.

Auch daraus entsteht nochmal ein Bias. Es ist jedenfalls nicht nur eine trügerische bis falsche Vertrautheit mit Bundesligaspielern, die einen Bias schafft, sondern gleichzeitig auch die falsche Gewissheit, dass Bundesligaspieler allgemeingültig in der Bundesliga funktionieren. Der Beleg, dass man Leistungen in der Bundesliga erbracht hat, belegt allerdings noch lange nicht, dass diese Leistungen in jedem System, mit allen Mitspielern reproduzierbar sind, selbst wenn die Mitspieler besser sind als die aktuellen. Vielleicht auch gerade deswegen. Für mich ist es daher extrem gefährlich, wenn man sich zu sehr an solchen Dingen, wie "Bundesligaerfahrung", "Leistungsnachweisen in der Bundesliga(ohne konkret zu werden, was dafür für den BVB relevant ist oder es realistischerweise noch werden kann)" oder gar "Nationalität" aufhängt, statt konkret zu schauen, was den Spieler ausmacht und warum er für den BVB wertvoll sein kann. Keiner der genannten Gründe legt das fest.

Daraus folgt schließlich nicht, dass alle Bundesligaspieler zu schlecht sind oder alle ausländischen Spieler besser als Bundesligaspieler, wie das dann oft und gerne überspitzt dargestellt wird, sondern, dass man immer sehr genau hinschauen muss, warum da gerade ein BVB Spieler noch bei einem anderen Verein spielt und was dieser Spieler denn wert sein darf. Es ist völlig egal, wer etwas wo nachgewiesen hat, sondern wichtig, was nachgewiesen wurde. Verzerrungen dieser Art ist zudem leider auch nicht nur ein normaler Fan ausgesetzt und selbst wenn man darum weiß, ist es schwer sich diesem zu entziehen.


Deine Analyse mag (zu großen Teilen) stimmen, aber lässt sich meiner Meinung nach vor allem auf den allgemeinen Fussballfan anwenden. Ich hoffe und bete dass der Fussballkonsum unserer Verantwortlichen dann doch deutlich anders aussieht auch wenn es da vielleicht kleinere solche Effekte gibt. Insofern ist das für die Diskussion der Transferpolitik eigentlich unerheblich sondern trägt wenn dann zur Wahrnehmung dieser bei.

Im Übrigen glaube ich dass du einen wichtigen gegenteiligen Effekt unterschlägst. Wir alle unterliegen nämlich einem gewissen Confirmation Bias und das heißt dass auch negative Situationen von Spielern die wir nicht so mögen sich bei uns tendentiell einfach mehr einprägen und umso mehr ich von einem Spieler gesehen umso mehr gibt es reihenweise gute und schwächere Aktionen so dass der Bias dafür Sorgen kann dass beide Seiten sich immer weiter bestätigt fühlen in einer konträren Sicht auf einen Spieler.

Bei ausländischen Spielern besteht der Bias eher in der generellen Unwissenheit wie du es gut beschreibst aber wir haben meist zumindest einen ähnlichen Fundus an YT Videos und Co zur Verfügung sowie vereinzelt mal Spiele (die dann aber abhängig von der Tagesform einen extremen Einfluss auf die Bewertung haben).

Generell gebe ich dir allerdings recht dass die Extrapolation aus der derzeitigen Liga generell schwierig. Ein Spieler aus einer tschechischen Liga taugt nicht automatisch nichts nur weil diese schwächer ist (siehe Koller, Rosicky) genauso wie ein Spieler aus England nicht unbedingt in Deutschland alles kurz und klein scheißt (siehe Sane).

Umso mehr finde ich es eben um zum Thema zurück zu kommen irgendwie irritierend wenn die Verantwortlichen bei uns solche Kriterien wie "mehr deutsche Nationalspieler" ausrufen, weil man dann das Gefühl bekommt, dass die Auswahlkriterien eben nicht sind, dass man individuell evaluiert welcher Spieler vom spielerischen Fit, dem Potential, Stärken und Schwächen im Vergleich zum Investment der beste Transfer ist sondern eben ein Kriterium hochzuwerten scheint, wo mir immer noch nicht klar ist wieso das in der Bewertung eines Spielers ein solche hervorgehobenen Stellenwert einnehmen soll. Die einzige Begründung die ich dazu bisher gehört habe ist die angeblich höhere Identifikation, wofür ich historisch gesehen aber sehr wenig Anhaltspunkte sehe.

Eventuell hat das ganze aber einfach vermarktungstechnische Gründe, dass deutsche Sponsoren halt gerne deutsche Spieler als Zugpferde haben und diese auch viel einfacher auf Events eingeladen werden können. Da dies aber natürlich nicht zum öffentlichen Status passt den man haben will wo man eben als Verein für Emotionen und nicht für Gewinnoptimierung stehen will, formuliert man das dann anders.

Eventuell ist aber auch einfach eine einfach Variante das Publikum mitzunehmen und ich unterschätzte einfach dass der Durchschnittsfan es halt schon ziemlich geil findet ein paar Leute von der eigenen Mannschaft bei der Nationalmannschaft zu sehen.

Abseits von diese Punkten fällt mir ansonsten immer nur Inkompetenz als Begründung ein und ich hoffe wirklich sehr dass da hinter den meisten Transfers mehr steckt als man in Statements an die Öffentlichkeit so durchblicken lässt. Solche Aussagen wie von Watzke zuletzt helfen aber nicht Vertrauen aufzubauen dass die sich schon was dabei denken.
BVB - Transferpolitik |#17287
18.06.2022 - 09:20 Uhr
Zitat von barcaberlin

Zitat von BVBBC

Das Problem mit Bundesligaspielern ist hier doch gar nicht, dass es Bundesligaspieler sind, sondern deren Qualität leicht zu überschätzen ist, weil man mit ihnen deutlich vertrauter ist als mit den meisten ausländischen Spielern. Das erzeugt oft eine gefährliche Sicherheit in der Qualitätsbewertung, die eigentlich nur relativ ist, weil man in der Bewertung der ausländischen Alternative unsicher ist. Die meisten User hier dürften jeden Bundesligaspieler, der für den BVB in Frage kommt, mindestens in 2 Spielen jede Saison gesehen haben. In vielen Fällen womöglich schon über einige Jahre. Dazu kommen dann meist Länderspiele und vielleicht noch ein paar Spiele an Tagen, an denen der BVB nicht spielt. Die Anzahl der gesehenen Spiele ist daher im Regelfall wesentlich höher als bei ausländischen Alternativen, wodurch man leicht das Gefühl bekommt, dass man einen Spieler mehr oder weniger gut kennt, obwohl man selbst dann noch relativ wenig Informationen über den Spieler hat. Dazu kommen dann Sportschau und Sportstudio, die die Zusammenfassungen zeigen, die im Grunde auch Highlights sind und dadurch entstandene Einschätzungen nochmal verstärken können, weil dort gebündelt Scorer und starke Szenen gezeigt werden. Dabei ist oft interessanter, was in den Spielen und insbesondere in den Highlights nicht zu sehen ist, was bei YT Videos gerne unterschätzt wird, um einen Case daraus zu machen, dass Live-"Scouting" zwingend besser ist.

Denn es ist ja leicht zu sagen, dass Spiele schauen aufschlussreicher ist als die YT Videos, weil darin nur Highlights gezeigt werden und im Spiel die harte Realität abgebildet wird. Die Videos zeigen aber nicht nur Highlights, sondern bieten oft auch genug Informationen durch die Dinge, die sie nicht zeigen und daher keine Highlights sind. Bei Spielen, die man nicht gerade wegen Einzelspielern schaut, rutscht das schon mal gerne durch. Trotzdem lässt sich hinterher sagen, man hat den Spieler so und so oft live gesehen und kennt ihn daher relativ gut. Obwohl sich dann hinterher oft auf Stats zu Einsatzzeiten, Scorern und dergleichen berufen wird oder sich bestenfalls auf Einzelszenen - meist in Verbindung mit Scorern - berufen wird. Es ist daher leicht einen Bias auf Basis der Quelle zu schaffen und Spieler dadurch überzubewerten oder unterzubewerten, weil man den gesammelten Informationen eher traut, je weniger Verzerrung in der Quelle vorhanden ist, die bei YT Videos logischerweise angenommen wird - das Ganze ist daher also ein wenig paradox. Bei Bundesligaspielern ist die Tendenz zur Überbewertung aber deswegen meist eher gegegeben, weil man einerseits davon ausgehen kann, dass die Beobachtungen umfangreicher sind - selbst wenn sie das nicht unbedingt sind - und man ihnen daher eher vertrauen kann.

Es geht aber eigentlich schon genauer darum Dinge zu beobachten, die man gut gebrauchen kann, Schwächen an denen man arbeiten kann und Probleme, die sich nicht (mehr) in den Griff bekommen lassen. Dafür bieten 2-3 Spiele teils sogar weniger als so manches Highlight Video, wenn gewisse Dinge in diesen Spielen schlicht gefragt sind, was gegen den BVB desöfteren passieren kann, weil die Spielweise des typischen BVB Gegners für den BVB gar nicht mehr funktionieren würde. Dafür ist es an sich auch egal, in welcher Liga ein Spieler spielt. Bei manchen Ligen ist es einfacher das Niveau zu vergleichen und abzuschätzen, ob das auch für den BVB reichen würde, als bei anderen. Das gilt vor allem für die Topligen, aber logischerweise speziell für die Bundesliga, deren Niveau man als BVB Fan in der Regel am allerbesten einschätzen kann, weil man die meisten Spiele dort verfolgen dürfte.

Auch daraus entsteht nochmal ein Bias. Es ist jedenfalls nicht nur eine trügerische bis falsche Vertrautheit mit Bundesligaspielern, die einen Bias schafft, sondern gleichzeitig auch die falsche Gewissheit, dass Bundesligaspieler allgemeingültig in der Bundesliga funktionieren. Der Beleg, dass man Leistungen in der Bundesliga erbracht hat, belegt allerdings noch lange nicht, dass diese Leistungen in jedem System, mit allen Mitspielern reproduzierbar sind, selbst wenn die Mitspieler besser sind als die aktuellen. Vielleicht auch gerade deswegen. Für mich ist es daher extrem gefährlich, wenn man sich zu sehr an solchen Dingen, wie "Bundesligaerfahrung", "Leistungsnachweisen in der Bundesliga(ohne konkret zu werden, was dafür für den BVB relevant ist oder es realistischerweise noch werden kann)" oder gar "Nationalität" aufhängt, statt konkret zu schauen, was den Spieler ausmacht und warum er für den BVB wertvoll sein kann. Keiner der genannten Gründe legt das fest.

Daraus folgt schließlich nicht, dass alle Bundesligaspieler zu schlecht sind oder alle ausländischen Spieler besser als Bundesligaspieler, wie das dann oft und gerne überspitzt dargestellt wird, sondern, dass man immer sehr genau hinschauen muss, warum da gerade ein BVB Spieler noch bei einem anderen Verein spielt und was dieser Spieler denn wert sein darf. Es ist völlig egal, wer etwas wo nachgewiesen hat, sondern wichtig, was nachgewiesen wurde. Verzerrungen dieser Art ist zudem leider auch nicht nur ein normaler Fan ausgesetzt und selbst wenn man darum weiß, ist es schwer sich diesem zu entziehen.


Deine Analyse mag (zu großen Teilen) stimmen, aber lässt sich meiner Meinung nach vor allem auf den allgemeinen Fussballfan anwenden. Ich hoffe und bete dass der Fussballkonsum unserer Verantwortlichen dann doch deutlich anders aussieht auch wenn es da vielleicht kleinere solche Effekte gibt. Insofern ist das für die Diskussion der Transferpolitik eigentlich unerheblich sondern trägt wenn dann zur Wahrnehmung dieser bei.

Im Übrigen glaube ich dass du einen wichtigen gegenteiligen Effekt unterschlägst. Wir alle unterliegen nämlich einem gewissen Confirmation Bias und das heißt dass auch negative Situationen von Spielern die wir nicht so mögen sich bei uns tendentiell einfach mehr einprägen und umso mehr ich von einem Spieler gesehen umso mehr gibt es reihenweise gute und schwächere Aktionen so dass der Bias dafür Sorgen kann dass beide Seiten sich immer weiter bestätigt fühlen in einer konträren Sicht auf einen Spieler.

Bei ausländischen Spielern besteht der Bias eher in der generellen Unwissenheit wie du es gut beschreibst aber wir haben meist zumindest einen ähnlichen Fundus an YT Videos und Co zur Verfügung sowie vereinzelt mal Spiele (die dann aber abhängig von der Tagesform einen extremen Einfluss auf die Bewertung haben).

Generell gebe ich dir allerdings recht dass die Extrapolation aus der derzeitigen Liga generell schwierig. Ein Spieler aus einer tschechischen Liga taugt nicht automatisch nichts nur weil diese schwächer ist (siehe Koller, Rosicky) genauso wie ein Spieler aus England nicht unbedingt in Deutschland alles kurz und klein scheißt (siehe Sane).

Umso mehr finde ich es eben um zum Thema zurück zu kommen irgendwie irritierend wenn die Verantwortlichen bei uns solche Kriterien wie "mehr deutsche Nationalspieler" ausrufen, weil man dann das Gefühl bekommt, dass die Auswahlkriterien eben nicht sind, dass man individuell evaluiert welcher Spieler vom spielerischen Fit, dem Potential, Stärken und Schwächen im Vergleich zum Investment der beste Transfer ist sondern eben ein Kriterium hochzuwerten scheint, wo mir immer noch nicht klar ist wieso das in der Bewertung eines Spielers ein solche hervorgehobenen Stellenwert einnehmen soll. Die einzige Begründung die ich dazu bisher gehört habe ist die angeblich höhere Identifikation, wofür ich historisch gesehen aber sehr wenig Anhaltspunkte sehe.

Eventuell hat das ganze aber einfach vermarktungstechnische Gründe, dass deutsche Sponsoren halt gerne deutsche Spieler als Zugpferde haben und diese auch viel einfacher auf Events eingeladen werden können. Da dies aber natürlich nicht zum öffentlichen Status passt den man haben will wo man eben als Verein für Emotionen und nicht für Gewinnoptimierung stehen will, formuliert man das dann anders.

Eventuell ist aber auch einfach eine einfach Variante das Publikum mitzunehmen und ich unterschätzte einfach dass der Durchschnittsfan es halt schon ziemlich geil findet ein paar Leute von der eigenen Mannschaft bei der Nationalmannschaft zu sehen.

Abseits von diese Punkten fällt mir ansonsten immer nur Inkompetenz als Begründung ein und ich hoffe wirklich sehr dass da hinter den meisten Transfers mehr steckt als man in Statements an die Öffentlichkeit so durchblicken lässt. Solche Aussagen wie von Watzke zuletzt helfen aber nicht Vertrauen aufzubauen dass die sich schon was dabei denken.


Guter Beitrag, wobei ich beim Thema Confirmation Bias nochmal einhaken möchte, da dieser in jede Richtung wirken kann, in diesem konkreten Fall meines Erachtens aber tendenziell häufiger in die gegenteilige Richtung wirkt, als du vermutest. Im Grunde geht es dabei schließlich darum, dass vorgefertigte Meinungen bestätigt werden, indem Gegenargumente unterdrückt werden oder positive Argumente übergewichtet, womit letztendlich überwiegend Argumente ausgewählt werden, die die eigene Meinung unterstützen. Wenn die Ausgangsmeinung lautet, dass man mehr deutsche Nationalspieler benötigt, dann wird man überproportional positive Bilanzen bei deutschen Spielern ziehen, umgekehrt überproportional negative Bilanzen bei ausländischen Spielern.

Zumal es letztendlich ja auch Gründe geben muss, warum man einen Spieler mag, also auch Gründe benötigt, warum eine Meinung vordefiniert ist, da ansonsten zu vermuten ist, dass es zu einer neutralen Elaboration kommt, die nicht durch Confirmation Bias beeinflusst ist. Sprich: Spieler, die man nicht kennt, sollten entsprechend neutral in der Ausgangsbewertung aufgenommen werden. Bei Spielern, die man kennt, ist schon eher Confirmation-Bias möglich, da sich hier längst eine Meinung bilden konnte. Folglich wäre Confirmation-Bias bei ausländischen Spielern, die man nicht kennt, eher seltener wegen des Spielers selbst möglich, sondern wegen der allgemeinen Herangehensweise, die eben ausländische Spieler gegenüber potenziellen deutschen Nationalspielern ablehnt. Umgekehrt ist natürlich aber auch das Gegenteil möglich, falls ausländische Spieler konsequent bevorzugt werden.

Persönlich glaube ich aber, dass in diesen Fällen noch viel häufiger Heuristiken angewandt werden, bei denen effektiv keine ausreichende Elaboration stattfindet, sondern auf Grund von weicher Kriterien eine Präferenz definiert wird. Das sind einfache Entscheidungsregeln, wie mal bewusst extrem formuliert "Mit Nationalspielern ist man immer hart gelandet" oder umgekehrt "Alle ausländischen Spieler sind, wie Immobile". Teils artet das dann sogar in Pseudo-Argumenten aus, wie "XY ist nur unsexy, weil er kein junger Franzose ist", was inhaltlich keinen Wert hat und nicht mehr als eine unbegründete Behauptung ist, um Confirmation Bias zu betreiben, weil Argumente gesucht werden, die die eigene Meinung stützen, selbst wenn das eigentlich gar keine Argumente sind, weil diese gar nicht formuliert werden können - gleichzeitig ist es sogar noch Whataboutism, was es fast schon wieder zur Kunst macht. Das ist gar keine Spieleranalyse, betrifft denke ich unser Management auch nicht, da hier schon eine tiefer gehende Elaboration stattfindet. Aber eben trotzdem eine, die durch vorgefertigte Meinungen beeinflussbar ist.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von BVBBC am 18.06.2022 um 09:25 Uhr bearbeitet
BVB - Transferpolitik |#17288
18.06.2022 - 11:20 Uhr
@barcaberlin
@BVBBC

Confirmation Bias ist ein kognitionspsychologischer Begriff, der Bestätigungsfehler v.a. im Wissenschaftsbereich anzeigen soll (z.B. falsche Bestätigung von gängigen Hypothesen oder Theorien).

Meiner Ansicht nach sind Begriffe wie Stereotyp oder Vorurteil besser geeignet, die von euch diskutierten Phänomene zu erfassen. Diese Begriffe zeigen stärker als Confirmation Bias nicht nur Bestätigung(sfehler), sondern Aufwertung und Abwertung an - Aufwertung der "eigenen Gruppe" oder bevorzugter Personen und Abwertung der "Fremdgruppe" oder abgelehnter Personen. Und genau darum geht es z.B. bei der Beurteilung von Profifußballern, v.a. wenn den Stereotypen und Vorurteilen geschuldete sachfremde Aspekte die positive und negative Beurteilung überformen.

Die durch Stereotype und Vorurteile vorbestimmte Wahrnehmung ist extrem selektiv und findet regelmäßig Gründe für Auf- und Abwertung. Letztlich folgt diese Wahrnehmung einem einfachen und bewusstseinstrübenden Gut-Schlecht- oder auch Gut-Böse-Schema.

Diese Stereotype/Vorurteile sind aber insofern durchaus kompliziert und teils auch komplex, weil sie neben sachfremden durchaus auch sachgerechte Beurteilungsaspekte enthalten können. Antritts- und Endgeschwindigkeit, Athletik und körperliche Robustheit, fußtechnische Fähigkeiten, Kreativität, Raum- und Spielverständnis, taktische Disziplin usw. usw. werden von vorurteilsbeladenen Urteilen als sachgerechte Kriterien ja nicht völlig missachtet, nur werden sie eben selektiv und voreingenommen interpretiert.

Überwölbt werden stereotype Einschätzungen obendrein auch noch von einer Grundvorstellung über begeisterndes und zu bevorzugendes Gesamtspiel (fast unabhängig vom einzelnen Spieler). Manche bevorzugen das robuste oder auch harte"Männerspiel" mit Geschwindigkeit und Kraft und bejubeln die "Blutgrätsche", den schnellen Ball nach vorne und und das wuchtige Tor. Andere ergötzen sich eher am filigranen und fußballästhetisch entwickelten Einzelspieler, elegantem mannschaftlichen Passspiel und ungewöhnlichen Toren. Das sind in etwa die beiden Extremvorstellungen, zwischen denen es allerdings einige Variationen gibt. Solche Vorstellungen beeinflussen aber auch sehr stark die Beurteilung einzelner Spieler.

Diejenigen schließlich, die sich intensiver mit solchen Erscheinungen beschäftigen, können gerade bzgl. Profifußball in eine Art Differenzierungsfalle geraten, weil sie versuchen alle Eigenschaften eines Spielers für dessen Beurteilung zu berücksichtigen und dabei möglichst vorurteilsfrei zu Werke zu gehen. Diese "Fachleute" neigen manchmal zur Forderung nach rundum perfekten Spielern, die alle notwendigen Eigenschaften gleichermaßen auf sehr hohem Niveau zur Verfügung haben. Da es solche Spieler nicht gibt, können derartige "Fachleute" der Differenzierungsfalle nur entgehen, wenn sie die positiven Eigenschaften der Spieler hinsichtlich ihres Ergänzungspotenzials für einen Kader einschätzen und ihre negativen Eigenschaften bzgl. Schwächung des Kaders abschätzen sowie ihre Kompatibilität mit dem Trainer und seiner Spielidee überprüfen.

Nur, und das ist besonders amüsant, entpuppen sich nicht wenige Experten eben doch als nicht vorurteilsfrei.

Da es aber keinen objektiven Schiedsrichter gibt, können wir z.B. hier im Forum diskutieren und disputieren, was Verstand und Herz so hergeben, und nur versuchen, Stereotype und Vorurteile wenigstens etwas zurückzudrängen.

Und damit wären wir wieder bei Adeyemi, Öczan, Schlotterbeck, Süle und eben auch bei Raum, Kalajdzic usw.
und müssen uns fragen:
- Passen die zum Kader?
- Passen die zum Trainer?

Und schon haben wir ein neues Problem. Wir wissen gar nicht, wie der Kader zu Beginn der Saison oder Ende August genau aussehen wird, auch wenn sich beim BVB schon mehr abzeichnet als bei vielen anderen Vereinen. Und wir rätseln noch herum, welchen Fußball Terzic spielen lassen will? Hat er eine streng verfolgte Spielidee oder wird er das Spiel stark an die Kadermöglichkeiten anpassen?

Eigentlich doch eine hervorragende Ausgangslage für offene Diskussionen inkl. Spekulationen, oder nicht?

•     •     •

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; 
aber soviel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll.
Georg Christoph Lichtenberg
BVB - Transferpolitik |#17289
18.06.2022 - 11:52 Uhr
Zitat von arche

@barcaberlin
@BVBBC

Confirmation Bias ist ein kognitionspsychologischer Begriff, der Bestätigungsfehler v.a. im Wissenschaftsbereich anzeigen soll (z.B. falsche Bestätigung von gängigen Hypothesen oder Theorien).

Meiner Ansicht nach sind Begriffe wie Stereotyp oder Vorurteil besser geeignet, die von euch diskutierten Phänomene zu erfassen. Diese Begriffe zeigen stärker als Confirmation Bias nicht nur Bestätigung(sfehler), sondern Aufwertung und Abwertung an - Aufwertung der "eigenen Gruppe" oder bevorzugter Personen und Abwertung der "Fremdgruppe" oder abgelehnter Personen. Und genau darum geht es z.B. bei der Beurteilung von Profifußballern, v.a. wenn den Stereotypen und Vorurteilen geschuldete sachfremde Aspekte die positive und negative Beurteilung überformen.



Ich glaube da unterliegst du einem Irrglauben was die Bedeutung des Confirmation Bias angeht, da dieser meiner Meinung nach absolut nicht nur auf die Wissenschaft beschränkt ist auch wenn sicherlich die Wissenschafft ein Gebiet ist wo dieser sich zeigt. Viel mehr ist es einfach ein Wahrnehmungsbias der bei Menschen identifiziert wurde, dass diese eben selektiv Informationen so wahrnehmen dass sich Dinge die eine vorher bestehende Meinung unterstützen tendentiell eher im Gedächtnis veranckern als diejenigen die die Meinung widerlegen würden. Insofern ist dieser Bias letztendlich die Ursache dafür dass Stereotypen und Vorurteile sich beim Menschen so gut halten weshalb ich es eigentlich sogar richtiger finde hier über den Bias zu reden der ursächlich ist bzw. der zugrunde liegende Mechanismus. Außerdem finde ich das die Begriffe Vorurteile und Stereotypen etwas wertend wirken können (Vorurteil bspw. würde ich persönlich fast nur im negativen Sinne verwenden auch wenn rein Definitionsgemäß man natürlich auch positive Vorurteile haben kann), während ein Bias für mich erstmal wertungsfrei ist und einfach etwas ist, was wir aus Psychologie wissen dass es so ziemlich alle Menschen betrifft und erstmal nur erklärt wie Menschen Informationen verarbeiten und wahrnehmen.

Unabhängig davon kann man aber sicherlich wie du das ganze auch auf Vorurteile und Stereotypen ausweiten, die dann sicherlich in diesem Kontext die Folge davon sind aber dadurch ändert sicj meiner Meinung nach wenig am Inhalt der Diskussion außer dass es vielleicht zugänglicher ist als Begriffe?
Dieser Beitrag wurde zuletzt von barcaberlin am 18.06.2022 um 11:57 Uhr bearbeitet
BVB - Transferpolitik |#17290
18.06.2022 - 16:42 Uhr
Zitat von barcaberlin
Zitat von arche

@barcaberlin
@BVBBC

Confirmation Bias ist ein kognitionspsychologischer Begriff, der Bestätigungsfehler v.a. im Wissenschaftsbereich anzeigen soll (z.B. falsche Bestätigung von gängigen Hypothesen oder Theorien).

Meiner Ansicht nach sind Begriffe wie Stereotyp oder Vorurteil besser geeignet, die von euch diskutierten Phänomene zu erfassen. Diese Begriffe zeigen stärker als Confirmation Bias nicht nur Bestätigung(sfehler), sondern Aufwertung und Abwertung an - Aufwertung der "eigenen Gruppe" oder bevorzugter Personen und Abwertung der "Fremdgruppe" oder abgelehnter Personen. Und genau darum geht es z.B. bei der Beurteilung von Profifußballern, v.a. wenn den Stereotypen und Vorurteilen geschuldete sachfremde Aspekte die positive und negative Beurteilung überformen.



Ich glaube da unterliegst du einem Irrglauben was die Bedeutung des Confirmation Bias angeht, da dieser meiner Meinung nach absolut nicht nur auf die Wissenschaft beschränkt ist auch wenn sicherlich die Wissenschafft ein Gebiet ist wo dieser sich zeigt. Viel mehr ist es einfach ein Wahrnehmungsbias der bei Menschen identifiziert wurde, dass diese eben selektiv Informationen so wahrnehmen dass sich Dinge die eine vorher bestehende Meinung unterstützen tendentiell eher im Gedächtnis veranckern als diejenigen die die Meinung widerlegen würden. Insofern ist dieser Bias letztendlich die Ursache dafür dass Stereotypen und Vorurteile sich beim Menschen so gut halten weshalb ich es eigentlich sogar richtiger finde hier über den Bias zu reden der ursächlich ist bzw. der zugrunde liegende Mechanismus. Außerdem finde ich das die Begriffe Vorurteile und Stereotypen etwas wertend wirken können (Vorurteil bspw. würde ich persönlich fast nur im negativen Sinne verwenden auch wenn rein Definitionsgemäß man natürlich auch positive Vorurteile haben kann), während ein Bias für mich erstmal wertungsfrei ist und einfach etwas ist, was wir aus Psychologie wissen dass es so ziemlich alle Menschen betrifft und erstmal nur erklärt wie Menschen Informationen verarbeiten und wahrnehmen.

Unabhängig davon kann man aber sicherlich wie du das ganze auch auf Vorurteile und Stereotypen ausweiten, die dann sicherlich in diesem Kontext die Folge davon sind aber dadurch ändert sicj meiner Meinung nach wenig am Inhalt der Diskussion außer dass es vielleicht zugänglicher ist als Begriffe?


Ok, kann man so sehen.

Vielleicht unterliegt mein Begriffsvorschlag selbst einer Art negativem Vorurteil, weil ich zur älteren Generation gehöre und in den vergangenen ca. 30 Jahren beobachte, wie ständig neue Begriffe erschaffen werden, ohne dass sie in Theorien eingebettet einen Erkenntnisfortschritt erzeugen - meiner Wahrnehmung nach (Bias?).

Bias ist dementsprechend aus meiner Sicht eher ein Modebegriff, der zwar schon in den 1960er Jahren entwickelt wurde, aber erst seit einiger Zeit Hochkonjunktur hat, v.a. im naturwissenschaftlichen Bereich, aber seltsamerweise als Waffe gegen kritische Positionen in den Gesellschaftswissenschaften eingesetzt wird, indem diesen Positionen pauschal Confirmation Bias unterstellt wird, obwohl mMn Bias eher bei der Abwehr kritischer Positionen praktiziert wird.
(Führt jetzt wohl zu weit, ist schließlich hier ein Fußballforum.)

Allerdings das noch: Ich möchte zugeben, dass die Begriffe Stereotyp und Vorurteil (übrigens auch Klischee) ähnlich missbraucht werden können wie Bias, nur dass Bias wissenschaftsnäher und damit wichtiger daherkommt.

Wie, das ist aber relevant für dieses Forum, kann man Bias, Vorurteile, Stereotype, Klischees oder das banale Schubladendenken vermeiden, ohne in den Fehler zu verfallen, alles und jedes, was gedacht und geschrieben wird, pauschal zu verdächtigen, dem Bias, Vorurteilen usw. zu unterliegen?

Bzgl. David Raum könnten man die Kernfrage so formulieren:
Ist Raum nur ein etwas besserer Schulz oder repräsentiert er mehr und bringt dem Terzic-BVB einen eindeutigen Fortschritt auf der Position des LV/LM/verkappter LA auch und gerade im Vergleich zu dem völlig anderen Spielertyp Guerreiro?

Wie man an der Diskussion hier im Forum sieht, landet man mit dieser Frage einerseits im strittigen Beurteilungsbereich, weil Raums Qualitäten sehr unterschiedlich eingeschätzt werden. Im heftigen Spekulationsbereich landet man ebenfalls, weil überhaupt noch nicht klar ist, wie der Terzic-BVB spielen wird, zumal die 23 Spiele des BVB unter Terzic als Nachfolger von Favre sehr spezielle Bedingungen aufwiesen. Spielidee und Spielsystem sind aber gerade bzgl. Raum von besonderer Bedeutung. Raum in einer klaren 4er-Kette als LV ist anders zu beurteilen als Raum in einer 5er-Kette als Teil-LV, LM und verkapptem LA.
Außerdem ist Raum nicht sinnvoll einzuschätzen, wenn man kein klares BVB-DM/ZM/OM vor Augen hat, v.a. Dingen nicht, wenn man den Vergleich mit dem offensiv spielstarken Guerreiro ziehen will. Noch schwieriger wird dieser Vergleich, wenn man Guerreiros Spielweise in der 4er-Kette der portugiesischen Nationalmannschaft mit einbezieht, weil die Portugiesen es schaffen, Guerreiros Offensivstärken zur Geltung zu bringen, ohne dass Guerreiro durch besondere Defensivschwächen als "echter" LV auffiele.

Ich halte mich bzgl. Raum erst einmal zurück. So oft habe ich ihn noch nicht über 90 Minuten beobachtet. Seine Flanken scheinen sicherer und gefährlicher zu sein, seine Läufe sind schnell, wird er aber zugestellt, passt er wie viele andere auf der Außenbahn (LC/LM und RV/RM) zurück oder quer, geht selten ins Dribbling. Defensiv wirkt es bzgl. Stellungsspiel und Abstand zum Gegner nicht immer ideal. Ist er nahe am Mann tendiert er zu sehr robustem Einsatz. Aber wie gesagt, alles Beobachtungen auf schmaler Basis.

Gelbe Karten LV (LM) in der BL-Saison im Vergleich:

Guerreiro 1
Günter 2
Angelino 3
Davies 3
Gießelmann 3
Hector 3
Iago 3
Mittelstädt 3
Plattenhardt 3
Soares 4
Sosa 4
Raum 5
Roussillon 5
Bakker 6
Bensebaini 6

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Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; 
aber soviel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll.
Georg Christoph Lichtenberg
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