Die aktuelle Situation der Eintracht
28.04.2015 - 11:04 Uhr
25.08.2025 - 14:05 Uhr
Wenn ich mir die auslaufenden Verträge im kommenden Sommer anschaue, dann ist da Stand heute (Leihen ausgenommen), nur ein Conteh bei dem ich, sofern er die Leistungen der ersten Spiele bis zur Rückrunde bestätigen kann, eine vorzeitige Vertragsverlängerung begrüßen würde.
Rittmüller ist durch seine kämpferische Art auch ein Kandidat, alle weiteren würde ich auslaufen lassen.
Wenn man alles in allem sieht laufen da aber einige Verträge mit sicher sehr gut bezahlten Gehältern aus, was mich für die Kaderplanung in der Saison 26/27 positiv stimmt, sofern wir die Klasse mal frühzeitiger halten können., bzw. sie generell halten.
Rittmüller ist durch seine kämpferische Art auch ein Kandidat, alle weiteren würde ich auslaufen lassen.
Wenn man alles in allem sieht laufen da aber einige Verträge mit sicher sehr gut bezahlten Gehältern aus, was mich für die Kaderplanung in der Saison 26/27 positiv stimmt, sofern wir die Klasse mal frühzeitiger halten können., bzw. sie generell halten.
27.08.2025 - 10:56 Uhr
Braunschweig 4:4 Stuttgart
Mehr Schüsse, Klärungen, Blocks, Ecken und weniger Fouls.
Aus taktischer und mentaler Sicht für mich eines unserer besten Spiele der letzten 10 Jahre. Mir haben Leute die mit Braunschweig sonst gar nichts am Hut haben geschrieben, es wäre eines der besten Pokalspiele überhaupt gewesen.
Mit einer physisch und technisch unterlegenen Mannschaft so offensiv und aggressiv über 120 Minuten gegen ein Top-Team der Bundesliga auf diese Art zu bestehen und das Spiel (in der regulären Zeit) nicht zu verlieren - dabei 4 Tore zu schießen - war wahnsinnig beeindruckend.
Backhaus hat jegliche Form des Stuttgarter Aufbauspiels durch sein hohes Pressing verhindert, insbesondere dadurch, dass er Stiller komplett aus dem Spiel nahm. Das was mich daran am Meisten überraschte, war wie unsere Defensiv-Reihe quasi in einer direkten Manndeckung Führich, Undav, Thomás und Demirovic ganz eng zugestellt hat.
Daraus resultierend konnte Stuttgart also nur durch Nübel oder einen der Verteidiger in Bedrängnis lange Bälle auf die Spitze schicken. Diese Duelle gewannen unsere Verteidiger fast immer und lenkten die Bälle zu unseren Mittelfeldspielern.
Wie wir teilweise mit der gesamten Mannschaft so dermaßen hoch aufgerückt sind, dass wir in Stuttgarts eigener Hälfte standen, war Wahnsinn. Es war phasenweise wirklich extrem offensiv. Da hätten eigentlich nur 1-2 Fehler gefehlt, um von einer Top Mannschaft wie Stuttgart über 2-3 Kombinationen gleich 0:2 ausgekontert zu werden.
Stattdessen hat man das aber in aller Konsequenz durchgezogen und dabei auch wirklich sehenswerte Chancen und Tore erzielen können. Der von mir sehr viel kritisierte Johan Gomez (obwohl ich eigentlich ein Fan von ihm bin) zeigte hier sein mit Abstand bestes Spiel aus seinen 70 Spielen für die Eintracht.
Eigentlich wäre es unfair einen Einzelspieler hervorzuheben, weil wir im Kollektiv wirklich eine 10/10 abgeliefert haben. Aber was Gomez gelaufen ist, wie agil, spritzig und effizient er in die Dribblings gegangen ist. Auch noch nach 110 Minuten, wo alle anderen schon mit Krämpfen auf dem Boden lagen wirkte er noch so, als hätte man ihn gerade erst eingewechselt.
Hoffe er kann von dieser Leistung zehren und ist nicht verbittert aufgrund des (wieder mal) verschossenen Elfmeters. Denn, würde er auch nur ein Viertel dieser Performance unter der Woche auf den Platz bringen, gäbe es absolut gar keinen Anlass dazu, sich andere Spieler als ihn für die Startelf zu wünschen.
Aber wie gesagt, einzelne Spieler hervorzuheben ist bei einer solchen Leistung fast unfair. Mich freut, dass die Spieler auch wieder den Mut haben, einfach ihr eigenes Ding zu machen. Köhler zieht einfach mal ab und trifft. Sanchez zieht zweimal ab und trifft, aus einem super schweren Winkel.
Am Ende hält sich die Enttäuschung über das verlorene Elfmeterschießen wirklich in Grenzen, denn man hat hier eindeutig eines sehen können. Wenn wir annähernd in der Liga unser Potenzial abrufen und so ähnlich gegen Teams in der 2. Liga auftreten, können wir so ziemlich jede Mannschaft schlagen.
Mehr Schüsse, Klärungen, Blocks, Ecken und weniger Fouls.
Aus taktischer und mentaler Sicht für mich eines unserer besten Spiele der letzten 10 Jahre. Mir haben Leute die mit Braunschweig sonst gar nichts am Hut haben geschrieben, es wäre eines der besten Pokalspiele überhaupt gewesen.
Mit einer physisch und technisch unterlegenen Mannschaft so offensiv und aggressiv über 120 Minuten gegen ein Top-Team der Bundesliga auf diese Art zu bestehen und das Spiel (in der regulären Zeit) nicht zu verlieren - dabei 4 Tore zu schießen - war wahnsinnig beeindruckend.
Backhaus hat jegliche Form des Stuttgarter Aufbauspiels durch sein hohes Pressing verhindert, insbesondere dadurch, dass er Stiller komplett aus dem Spiel nahm. Das was mich daran am Meisten überraschte, war wie unsere Defensiv-Reihe quasi in einer direkten Manndeckung Führich, Undav, Thomás und Demirovic ganz eng zugestellt hat.
Daraus resultierend konnte Stuttgart also nur durch Nübel oder einen der Verteidiger in Bedrängnis lange Bälle auf die Spitze schicken. Diese Duelle gewannen unsere Verteidiger fast immer und lenkten die Bälle zu unseren Mittelfeldspielern.
Wie wir teilweise mit der gesamten Mannschaft so dermaßen hoch aufgerückt sind, dass wir in Stuttgarts eigener Hälfte standen, war Wahnsinn. Es war phasenweise wirklich extrem offensiv. Da hätten eigentlich nur 1-2 Fehler gefehlt, um von einer Top Mannschaft wie Stuttgart über 2-3 Kombinationen gleich 0:2 ausgekontert zu werden.
Stattdessen hat man das aber in aller Konsequenz durchgezogen und dabei auch wirklich sehenswerte Chancen und Tore erzielen können. Der von mir sehr viel kritisierte Johan Gomez (obwohl ich eigentlich ein Fan von ihm bin) zeigte hier sein mit Abstand bestes Spiel aus seinen 70 Spielen für die Eintracht.
Eigentlich wäre es unfair einen Einzelspieler hervorzuheben, weil wir im Kollektiv wirklich eine 10/10 abgeliefert haben. Aber was Gomez gelaufen ist, wie agil, spritzig und effizient er in die Dribblings gegangen ist. Auch noch nach 110 Minuten, wo alle anderen schon mit Krämpfen auf dem Boden lagen wirkte er noch so, als hätte man ihn gerade erst eingewechselt.
Hoffe er kann von dieser Leistung zehren und ist nicht verbittert aufgrund des (wieder mal) verschossenen Elfmeters. Denn, würde er auch nur ein Viertel dieser Performance unter der Woche auf den Platz bringen, gäbe es absolut gar keinen Anlass dazu, sich andere Spieler als ihn für die Startelf zu wünschen.
Aber wie gesagt, einzelne Spieler hervorzuheben ist bei einer solchen Leistung fast unfair. Mich freut, dass die Spieler auch wieder den Mut haben, einfach ihr eigenes Ding zu machen. Köhler zieht einfach mal ab und trifft. Sanchez zieht zweimal ab und trifft, aus einem super schweren Winkel.
Am Ende hält sich die Enttäuschung über das verlorene Elfmeterschießen wirklich in Grenzen, denn man hat hier eindeutig eines sehen können. Wenn wir annähernd in der Liga unser Potenzial abrufen und so ähnlich gegen Teams in der 2. Liga auftreten, können wir so ziemlich jede Mannschaft schlagen.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von ChainsawJens am 27.08.2025 um 10:58 Uhr bearbeitet
27.08.2025 - 11:36 Uhr
Nach so einem Spiel braucht mir keiner zu kommen und zu erzählen, dass man das „Pressing von HB“ nicht sieht oder dass wir nur Glück gehabt hätten. Ehrlich, was die Mannschaft gestern geleistet hat, war eine der besten Leistungen in den letzten Jahren. Vielleicht vergleichbar mit dem Spiel gegen den HSV oder Hertha (auch 4:4), aber gestern war es eine ganz andere Situation: Wir haben gegen den Pokalsieger und Europa-League-Teilnehmer gespielt. So eine Leistung gegen so eine Mannschaft abzuliefern, verdient mehr als nur Respekt.
Ich fand es einfach bewundernswert, wie wir ab dem 1:2 das Tempo des Spiels bestimmt haben. Erst etwas langsamer, und dann aus dem Nichts das Tempo richtig hochgefahren – womit wir uns das 3:2 völlig verdient haben. Dass dann natürlich noch das 3:3 fällt, ist mehr als ärgerlich. Aber grundsätzlich wurde das Spiel von der Bank entschieden. Stuttgart kann einfach Spieler bringen, die doppelt so viel kosten wie unsere ganze Mannschaft. Hätten wir vielleicht noch einen Gomez, einen Heußer oder einen Köhler auf der Bank, wäre das Spiel vermutlich anders ausgegangen.
Respekt auch an das Trainerteam. Spieler, die letzte Saison nur ein Schatten ihrer selbst waren, performen plötzlich. Szabo? Gewinnt Kopfballduelle und bringt eine starke Präsenz mit. Gomez? Was für ein starkes Spiel. Für mich Man of the Match. Starkes Dribbling, endlich behauptet er sich gegen Gegner und ist dabei auch gefährlich. Dass er den Elfmeter nicht verwandelt hat – naja. Der Junge braucht dringend ein Erfolgserlebnis, wie es Conteh schon hatte. Danach wird es besser laufen.
Marie macht für mich aktuell die krasseste Entwicklung eines jungen Spielers in den letzten Jahren. Wenn er so weitermacht, wird er mit Sicherheit der nächste Millionentransfer. 120 Minuten auf diesem Tempo zu spielen – echt Respekt.
Ehlers, Köhler, Sanchez und Aydin – ich könnte noch jeden einzelnen loben. Im Kollektiv haben wir ein Topspiel geliefert. Unabhängig vom Ergebnis gehen wir als Gewinner aus der Partie. Die Mannschaft, die vor ein paar Monaten noch wegen des fast sicheren Abstiegs in die 3. Liga belächelt wurde, hat gestern ganz Deutschland gezeigt, was für eine geile Truppe wir haben.
Vor dem Spiel wurde viel diskutiert, dass wir noch einen Stürmer brauchen. Wenn Gomez und Conteh so weitermachen, bin ich der Meinung, dass wir diese Position erstmal bis zum Winter abwarten können. Dagegen brauchen wir unbedingt noch einen Innenverteidiger, falls Jäkel länger ausfällt (was ja leider der Fall ist). Breunig finde ich gut, aber er braucht noch Zeit, bis er bei 100 % ist. Man darf nicht vergessen, er ist gerade einmal 21 Jahre alt. Gestern hatte er am Anfang des Spiels seine Probleme, aber danach eine gute Leistung gezeigt. Ehlers dagegen hat in seiner Entwicklung einen Schritt nach vorne gemacht und ist für mich aktuell ein Spieler für die Startelf.
Dünn besetzt finde ich uns allerdings im Mittelfeld. Von der Bank kommt derzeit kaum Input, und bei so einem intensiven Spiel wäre es wünschenswert, noch einen zusätzlichen Achter oder Sechser zu haben. Gestern war gut zu sehen, was passieren kann, wenn es bei Köhler nicht mehr weitergeht. Dann kommt Polter für ihn rein – das war von HB sehr mutig, hätte aber auch nach hinten losgehen können. Ich bin gespannt, wer am Ende die „Wunschlösung“ wird. Am besten sollte noch vor dem Spiel gegen Bielefeld jemand vorgestellt werden.
Was mir gestern auch aufgefallen ist: wie flexibel die Mannschaft auf Situationen reagiert. Jeder Spieler weiß zu jedem Zeitpunkt, wo er spielen muss. In der Verlängerung haben Szabo und Polter als Zehner agiert und Conteh war der zentrale Stürmer. Solche Anpassungen haben mir letzte Saison total gefehlt, wo wir nur einen einzigen Matchplan hatten und nicht reagieren konnten. Respekt dafür!
Ich habe richtig Bock auf Samstag. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Spiel schwer wird, denn Bielefeld wird ähnlich intensiven Fußball spielen wie wir. Nach so einem 120-minütigen Pokalfight wird es für manche wahrscheinlich schwer, noch einmal 90 Minuten volle Leistung zu bringen. Daher bin ich eher skeptisch, was das Ergebnis angeht, aber sehr positiv eingestellt, was die Zukunft dieser Mannschaft betrifft. Wir brauchen uns vor keinem Verein in dieser Liga zu verstecken. In jedem Spiel ist ein Sieg drin!
Ich fand es einfach bewundernswert, wie wir ab dem 1:2 das Tempo des Spiels bestimmt haben. Erst etwas langsamer, und dann aus dem Nichts das Tempo richtig hochgefahren – womit wir uns das 3:2 völlig verdient haben. Dass dann natürlich noch das 3:3 fällt, ist mehr als ärgerlich. Aber grundsätzlich wurde das Spiel von der Bank entschieden. Stuttgart kann einfach Spieler bringen, die doppelt so viel kosten wie unsere ganze Mannschaft. Hätten wir vielleicht noch einen Gomez, einen Heußer oder einen Köhler auf der Bank, wäre das Spiel vermutlich anders ausgegangen.
Respekt auch an das Trainerteam. Spieler, die letzte Saison nur ein Schatten ihrer selbst waren, performen plötzlich. Szabo? Gewinnt Kopfballduelle und bringt eine starke Präsenz mit. Gomez? Was für ein starkes Spiel. Für mich Man of the Match. Starkes Dribbling, endlich behauptet er sich gegen Gegner und ist dabei auch gefährlich. Dass er den Elfmeter nicht verwandelt hat – naja. Der Junge braucht dringend ein Erfolgserlebnis, wie es Conteh schon hatte. Danach wird es besser laufen.
Marie macht für mich aktuell die krasseste Entwicklung eines jungen Spielers in den letzten Jahren. Wenn er so weitermacht, wird er mit Sicherheit der nächste Millionentransfer. 120 Minuten auf diesem Tempo zu spielen – echt Respekt.
Ehlers, Köhler, Sanchez und Aydin – ich könnte noch jeden einzelnen loben. Im Kollektiv haben wir ein Topspiel geliefert. Unabhängig vom Ergebnis gehen wir als Gewinner aus der Partie. Die Mannschaft, die vor ein paar Monaten noch wegen des fast sicheren Abstiegs in die 3. Liga belächelt wurde, hat gestern ganz Deutschland gezeigt, was für eine geile Truppe wir haben.
Vor dem Spiel wurde viel diskutiert, dass wir noch einen Stürmer brauchen. Wenn Gomez und Conteh so weitermachen, bin ich der Meinung, dass wir diese Position erstmal bis zum Winter abwarten können. Dagegen brauchen wir unbedingt noch einen Innenverteidiger, falls Jäkel länger ausfällt (was ja leider der Fall ist). Breunig finde ich gut, aber er braucht noch Zeit, bis er bei 100 % ist. Man darf nicht vergessen, er ist gerade einmal 21 Jahre alt. Gestern hatte er am Anfang des Spiels seine Probleme, aber danach eine gute Leistung gezeigt. Ehlers dagegen hat in seiner Entwicklung einen Schritt nach vorne gemacht und ist für mich aktuell ein Spieler für die Startelf.
Dünn besetzt finde ich uns allerdings im Mittelfeld. Von der Bank kommt derzeit kaum Input, und bei so einem intensiven Spiel wäre es wünschenswert, noch einen zusätzlichen Achter oder Sechser zu haben. Gestern war gut zu sehen, was passieren kann, wenn es bei Köhler nicht mehr weitergeht. Dann kommt Polter für ihn rein – das war von HB sehr mutig, hätte aber auch nach hinten losgehen können. Ich bin gespannt, wer am Ende die „Wunschlösung“ wird. Am besten sollte noch vor dem Spiel gegen Bielefeld jemand vorgestellt werden.
Was mir gestern auch aufgefallen ist: wie flexibel die Mannschaft auf Situationen reagiert. Jeder Spieler weiß zu jedem Zeitpunkt, wo er spielen muss. In der Verlängerung haben Szabo und Polter als Zehner agiert und Conteh war der zentrale Stürmer. Solche Anpassungen haben mir letzte Saison total gefehlt, wo wir nur einen einzigen Matchplan hatten und nicht reagieren konnten. Respekt dafür!
Ich habe richtig Bock auf Samstag. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Spiel schwer wird, denn Bielefeld wird ähnlich intensiven Fußball spielen wie wir. Nach so einem 120-minütigen Pokalfight wird es für manche wahrscheinlich schwer, noch einmal 90 Minuten volle Leistung zu bringen. Daher bin ich eher skeptisch, was das Ergebnis angeht, aber sehr positiv eingestellt, was die Zukunft dieser Mannschaft betrifft. Wir brauchen uns vor keinem Verein in dieser Liga zu verstecken. In jedem Spiel ist ein Sieg drin!
27.08.2025 - 16:23 Uhr
Jo, Spiel war grandios. Umso schlimmer der Ausfall von Jäkel mit Kreuzbandriss. Wir haben die Seuche. Nun brauchts noch einen für die Abwehr, einen 6er und, wenn man ehrlich ist, auch noch einen Stürmer, der andere Qualitäten hat, als die, die dort derzeit spielen. Quasi einen Rayan 2.
27.08.2025 - 23:20 Uhr
Resignation, Stagnation, Lethargie, Passivität, Tristesse, Mutlosigkeit. Diese und viele weitere Wörter beschreiben wohl am besten den Zustand der Mannschaft und des Vereins in der letzten Saison, womit der Gipfel der Unzulänglichkeiten seit der Rückkehr in die zweite Bundesliga erreicht wurde.
Nachdem Michael Schiele frühzeitig die - zumindest nach außen kommunizierten - Ziele erreicht hatte, musste er dennoch gehen, was zwar vertretbar war, aufgrund eines mitunter mutlosen Saisonfinales, indem wir aufgrund der Schwäche der anderen und nicht aufgrund der eigenen Stärke die Klasse gehalten haben, da bei uns die Angst vorm Versagen größer schien als die Gier nach Erfolg. Allerdings halte ich persönlich diese Entscheidung weiterhin für eine Fehlentscheidung - die, wenn man den Worten von Peter Vollmann glauben schenkt, eine Entscheidung der Gremien war und nicht der sportlichen Leitung. Vor allem unter dem Aspekt, dass Schiele nicht nur einen katastrophalen Fehlstart im Laufe der Saison ausgleichen musste, da die entscheidenden Verstärkungen erst im August verpflichtet wurden (Ujah, Benkovic, de Medina), sondern zudem auch ein unglaubliches Verletzungspech anhielt (zwischendurch fielen von Benkovic, de Medina, Pherai und Ujah regelmäßig 3 unserer Unterschiedspieler gleichzeitig aus, was kein Aufsteiger kompensieren könnte).
So etwas geht im Laufe der Saison auf die Substanz und kann am Ende entscheidende Körner kosten, wenn einige Spieler sich völlig verausgaben müssen und irgendwann ausgebrannt sind, weil nicht rotiert werden kann. Wenn dann noch die Rückendeckung aus dem Verein fehlt, die, wie die spätere Entlassung beweist, wohl die ganze Saison über auf wackeligen Beinen stand, dann kann im Saisonfinale auch eine mentale Blockade entstehen, weil zusätzlich Druck aufgebaut wird, indem im Verein (mal wieder) Schritt 2 vor Schritt 1 erwartet wird (erinnert mich an Krüger und Loos 06/07). Die kräftezehrende Aufholjagd des Saisonstarts, der anhaltende Verschleiß zum Ausgleich der Verletzten und der fehlenden individuellen Qualität und die - zumindest von mir angenommene - fehlende Rückendeckung, trotz frühzeitiger Chance auf das Erreichen der eigenen Ziele, waren für mich also vielmehr die ausschlaggebenden Faktoren für das schwache Saisonfinale 22/23. Alles keine Gründe, die in der Verantwortung von MS standen, der dennoch gehen musste.
Wie so häufig machte die Eintracht damit in der Außenwirkung keine gute Figur. Trainer, die ihre Ziele erreichen, oder sportlich im Soll liegen, müssen gehen (Flüthmann, Antwerpen , Schiele), Trainer, die völlig erfolglos sind und sich über Wochen jeder Trend verschlechtert dürfen weitermachen (Antwerpen , Meyer, später Scherning). Nur bei Pedersen und Schieles Nachfolger, Jens Härtel, wurde gerade so rechtzeitig und aus sportlich völlig nachvollziehbaren Gründen die Reißleine gezogen. Über Jens Härtel möchte ich gar nicht zu viele Worte verlieren, da es ein Missmatch mit Ansage war und dafür, dass es überhaupt dazu kommen konnte, eher die Verantwortlichen im Verein kritisiert gehören. Vielmehr war die Kommunikation und Einschätzung des Vereins im Nachhinein völlig daneben. JH als Trainer mit Offensivkonzept für spielerische Weiterentwicklung vorzustellen muss Satire gewesen sein. Einem Kader mit Spielern, die ausschließlich Englisch oder Französisch sprechen, einen Trainer vorzusetzen, der selbst wiederum nur Deutsch spricht, eine völlige Farce.
Mit MS einen Trainer zu entlassen, der bereit war seine eigene Spielweise den Möglichkeiten der Mannschaft anzupassen, um erfolgreich zu sein (er selbst steht ja eigentlich eher für Offensivfußball und Angriffspressing) und der zudem in Würzburg und teilweise auch bei uns in Liga 3 bereits schnellen, direkten und rasanten Offensivfußball angeboten hatte und durch JH zu ersetzen, der kein (spielfreudiges) Offensivkonzept hat, dieses aber angeblich entwickeln soll und zudem völlig stur an seinem eigenen Fußball festhält?; das kann mir niemand mit rationalen Argumenten erklären, wie diese Entscheidungen und Aussagen zueinander passen sollen. Die Aussage von JH „Wenn es einer besser kann, soll er es machen” ist dabei die Kirsche auf dem Fäkalienhaufen und aged like milk. Rückrundentabelle Platz 8, in der gesamten Scherningtabelle sogar auf Platz 7 mit 33 Punkten in 22 Spielen. 1,5 Punkte im Schnitt pro Spiel unter DS gegenüber 0,5 Punkten unter JH. Dass er dann tatsächlich dreist genug war den Verein auf Prämien zu verklagen, trotz dieser Aussage und des entsprechenden Eingeständnisses, dass er nicht in der Lage ist mehr rauszuholen, lassen ihn aber dennoch unsympathisch, selbstgefällig und arrogant bei mir in Erinnerung, auch wenn die Gründe für die sportliche Talfahrt in der Fehleinschätzung der sportlichen Führung liegen, dass er der richtige für diese Aufgabe sein könnte, wenngleich er eigentlich für einen völlig anderen Fußball steht - wofür er mit Sicherheit auch Stärken und Kompetenzen mitbringt.
Wie landen wir nun also bei der anfangs beschriebenen Wahrnehmung? Nach dieser starken Phase unter DS, der mit einem klaren Plan, Auftritt, Kommunikation und Glaube das Ziel Klassenerhalt doch noch schafft und bereits einen Spieltag vor Ende den Klassenerhalt fest zieht, passiert etwas, das ich letzten Sommer in der Form nicht erwartet habe. Zwar war ich zögerlich, dass wir die Leistung tatsächlich bestätigen können und auch in der Gesamtabrechnung einer ganzen Saison um einen einstelligen Tabellenplatz spielen würden, aber dass wir derart beispiellos einbrechen könnten, war nicht zu erwarten.
Das erklärte Ziel der neuen Saison war nun endgültig die fußballerische Weiterentwicklung. Statt eines aktiven und laufintensiven Pressings mit hohen Ballgewinnen, was die Mannschaft bereits unter MS stark gemacht hatte und DS erfolgreich reaktiviert hatte, sollte nun auch Ballkontrolle für selbstbestimmte, ruhigere Spielphasen und einen geplanten und gezielten Spielaufbau trainiert werden, um das eigene Spiel mit zusätzlichen Elementen zu versehen und nicht mehr nur eindimensional auf ein Mittel beschränkt zu sein. Dies wirkte völlig logisch. Bestehende Stärken mitunter verfeinern und weitere Stärken entwickeln, um schließlich in allen Bereichen des Spiels, mit und ohne Ball, konkurrenzfähig zu sein. Die Neuzugänge wirkten wie dafür gemacht. Bell Bell kennt ein solches Konzept aus Magdeburg, Köhler ist der lange ersehnte spielstarke 6er, Raebiger ein Talent mit unglaublichen Potenzial in der Spielgestaltung im 8er und 10er Raum, Ould-Chikh als Freigeist im letzten Drittel und dazu mit Ba, DMS, Szabo, Marie und Ehlers weitere entwicklungsfähige Spieler. Später dann mit Jaeckel noch CL-Erfahrung und mit Polter einen erfahrenen Ersatz für Ujah.
Die Realität sah aber schnell anders aus. Bell Bell und Raebiger haben mehr mit Verletzungen zu kämpfen als dass sie spielfit sind, Ould-Chikh scheint mit dem körperlich intensiven deutschen Fußball nicht zurecht zu kommen, Köhler wird im Mittelfeldzentrum schnell als Fixpunkt des Spiels von 2 oder 3 Gegnern zugestellt und kommt gar nicht zur Entfaltung, weil es reicht, wenn sich die Gegner auf ihn konzentrieren. Die Abgänge von Hoffmann, Kurucay und Helgason wurden zudem nicht oder zu spät kompensiert. Erst die Rückkehr von Hoffmann im Winter schließt die Lücke im Tor, wo beide vorigen Neuzugänge nicht überzeugen können und der Abwehr keine Sicherheit geben. In der IV sind nicht nur Ivanov und Bicakcic völlig von der Rolle und meilenweit vom Niveau der Vorsaison entfernt, auch schlägt der mit CL-Erfahrung verpflichtete Jaeckel als später Kurucay-Ersatz nur phasenweise für 4-5 Spiele zu Beginn und am Ende ein und spielt zwischendurch gar keine Rolle. Über die Saison gesehen ist Nikolaou noch unser stabilster IV, während Ehlers immer dann, wenn er gute Leistungen gezeigt hat, plötzlich wieder raus rotiert - mal wegen Verletzungen, mal aus nicht nach außen kommunizierten Gründen. Auf der rechten Schiene braucht Rittmüller die gesamte Hinrunde, um nach seiner Verletzung wieder auf sein altes Niveau zu kommen. Ba erweist sich nur in der Vorbereitung als Verstärkung und landet nach einem schwachen Saisonstart schnell auf der Tribüne, was als Umgang für einen jungen Spieler in seiner Entwicklung und seinem Selbstbewusstsein völlig kontraproduktiv ist - mit Sicherheit muss im Leistungssport die Leistung den Ausschlag geben, aber ich kann keine jungen Talente verpflichten und einsetzen, wenn sie keinen Raum für Fehler und Entwicklung erhalten und nach einem schwachen Spiel direkt dauerhaft auf der Tribüne landen. Fabio Kaufmann, in der vorigen Rückrunde als elementarer Bestandteil des hoch effizienten Pressingsystems noch auf der 8 aufgeblüht, wird teilweise als Ersatz auf die rechte Schiene gezogen und spielt, möglicherweise genau deswegen, weit unter dem Niveau der Vorsaison. Im Zentrum spielt Köhler den Alleinunterhalter, weshalb Robin Krauße auf einmal doch wieder eine tragende Rolle einnimmt, während wir vergeblich auf einen Helgason Ersatz warten, der mit Tempelmann erst im Winter verpflichtet wird. Auf der linken Schiene gibt sich DMS - eigentlich als Herausforderer und Nummer 3 geholt, größte Mühe den Ausfall von Bell Bell und den TikTok-Lifestyle von Lucoqui aufzufangen, was ihm kaum gelingen kann und mag, da er als voriger Rotationsspieler in Liga 3 noch lange nicht auf dem Niveau eines Stammspielers in Liga 2 sein kann. Vorne spielt Philippe den Alleinunterhalter und verliert zunehmend an Kraft und Momentum, da die Gegner ihn nun kennen und sich besser auf ihn einstellen, bis sein individueller Aufwand von selbst aus dem Nichts Torchancen zu kreieren zu groß wird und vorne irgendwann gar nichts mehr geht. Gomez, nach guter Debütsaison und als ebenfalls elementarer Bestandteil des Pressings der Vorsaison als vorderster Auslöser, spielt erst auf anderen Positionen und in anderen Räumen und verschwindet dann schnell aus der ersten Elf und verliert zunehmend auch jede Form und jede Bindung ins Spiel bis er nur noch wie ein Fremdkörper wirkt. Szabo kann zu Beginn noch als solide Ergänzung überzeugen, kommt nach einer Verletzung später aber überhaupt nicht mehr in Tritt. Polter spielt, als sei er bereits 5 Jahre über seinem Zenit und wir hätten aus Versehen einen Ü-40 Spieler aus der Senioren Kreisliga auf den Spielbericht geschrieben.
Es ist über die ganze Saison gesehen eine beispiellose Abwärtsspirale, wofür sich dutzende Gründe finden lassen. Zum einen wirkt der Kader völlig unausgeglichen. Viele Spieler mit etlichen verschiedenen Profilen für nicht zueinander passende Arten und Weisen, um Fußball zu spielen. Neben dieser Altlast, die BK zumindest größtenteils übernommen hat und nicht in einem Transfersommer ausgeglichen werden kann, leistet er sich aber auch eklatante Lücken in der Kaderplanung und diverse Fehleinkäufe (letzteres lässt sich natürlich erst rückblickend beurteilen. Bis zum Saisonstart war ich mit dem Transfersommer selbst auch ziemlich zufrieden und optimistisch. Bis auf Köhler im Sommer und Tempelmann + Hoffmann im Winter gelang es ihm allerdings nicht, qualitative Verstärkungen zu verpflichten, die zudem fit geblieben sind. DMS, Ehlers, Marie und Szabo waren Ergänzungen, die hin und wieder mal Momente hatten, aber allesamt eher als Entwicklungsspieler geholt wurden und damit das Niveau kaum sofort anheben konnten).
Dazu kommt erneutes Verletzungspech, sodass wir zwischendurch gerade mal 14 fitte Lizenzspieler hatten, womit kein leistungsorientiertes Training möglich ist. Die Folge ist ein körperlicher und psychischer Verschleiß der Spieler, die, wie schon unter Schiele, dauerhaft am Anschlag spielen müssen, um überhaupt ansatzweise wettbewerbsfähig zu sein. Zudem sind keine Pausen möglich, da die Tiefe, Qualität und Fitness zur Rotation fehlt, womit auch an dieser Stelle zumindest teilweise der schwache Endspurt erklärt werden kann, da viele bereits müde und ausgebrannt wirkten. Vieles davon hätte frühzeitig korrigiert werden können, wenn nicht nur gegen unterklassige Mannschaften getestet worden wäre, um die Schwachstellen frühzeitig aufgezeigt zu bekommen. Hinzu kommen am Saisonende die Aussagen von Köhler, dass nach dem verpatzten Saisonstart aufgrund des internen Drucks alle im Sommer trainierten neuen spielerischen Elemente über Bord geworfen wurden. Vieles davon liegt im Verantwortungsbereich der sportlichen Leitung um BK. Das konsequente Festhalten an DS führe ich darauf zurück, dass sich BK dessen bewusst war, die eigenen Fehler in der Planung reflektieren konnte und wusste, dass sie da gemeinsam durch müssen, weil DS nicht alleine verantwortlich gemacht werden konnte und BK automatisch ebenfalls hätte gehen müssen, wenn jemand dem Ursprung wirklich auf dem Zahn gefühlt hätte.
Gleichzeitig muss BK an dieser Stelle aber auch wieder entlastet werden. Zum einen fehlt im gesamten Verein einfach die sportliche Expertise, wodurch BK nach der Entlassung von PV direkt befördert wurde. Meiner Meinung nach hätte BK zu diesem Zeitpunkt noch weitere 2-3 Jahre jemanden vor sich gebraucht, der ihn anleitet und führt, indem die Richtung vorgegeben wird. Diese Person hätte dann später in den Aufsichtsrat wechseln können, um dort die sportliche Expertise einzubringen und von dort das Konzept des Vereins mitzuentwickeln und mitzutragen. Dann hätte BK zum Geschäftsführer Sport befördert werden können und ein neuer (Kaderplaner, Sportdirektor, wie auch immer diese Position dann heißen soll) wäre ihm untergeordnet worden. Dadurch gäbe es eine unmittelbare Verbindung von Aufsichtsrat - Geschäftsführung - Scouting, Kaderplanung, Trainerteam, um von den Gremien bis zur alltäglichen Arbeit das Leitkonzept des Vereins in klar strukturierter Arbeit umzusetzen. Dass ein noch recht unerfahrener BK als quasi Alleinverantwortlicher, ohne erkennbares Vereinskonzept und mit einem der niedrigsten Etats der Liga, Fehler macht überrascht nicht und entlastet ihn nicht nur weitgehend, da einfach zu schnell zu viel in seinem Verantwortungsbereich liegt, sondern wirft erneut ein schlechtes Licht auf unsere Gremien, wo es an sportlicher Expertise und Erfahrung mit zeitgemäßem Sportmanagement fehlt. Solange sich an dieser Stelle nichts ändert und wir uns nicht schnellstens umfassend umstrukturieren und professionalisieren, statt auf alte Erfolge zu verweisen und alles beizubehalten, werden wir weiter pomadig in der eigenen Selbstgefälligkeit rumdümpeln und von Einzelpersonen abhängig sein, die uns mal mehr, mal weniger erfolgreich sein lassen, was dann aber auf reinem Zufall beruht und nicht das gezielte Ergebnis einer klaren Vereinsführung und Strategie als Teil eines nachhaltigen und gewachsenen Prozesses ist.
Auch wenn die Fehler also an anderer Stelle im Verein liegen, halte ich die Entlassung von DS für absolut richtig, da er zwar mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, aber im Gegensatz zur Vorsaison eben auch eklatante Fehler gemacht hat. Zum einen war es ein Fehler, sich frühzeitig dem Druck zu beugen und die Spielweise wieder umzustellen. Dadurch hat er über die ganze Saison hinweg der Mannschaft den Mut genommen, an sich zu glauben und mit Widerstand umzugehen, stattdessen haben wir uns regelmäßig ergeben, was somit als Spiegel des Aufgebens vor dem internen Druck gegen die noch nicht funktionierende Spielweise verstanden werden kann. Darüber hinaus hat er nicht nur das Entwickeln einer Spielkultur mit Ball auf unbekannte Zeit aufgeschoben, sondern auch das intensive Anlaufen und Mittelfeldpressing, das uns in der Rückrunde 23/24 stark gemacht hatte und den Gegner von unserem letzten Drittel fernhielt nicht mehr spielen lassen. Das heißt, er hat nicht nur keine neuen Elemente und Stärken entwickelt, sondern auch alte Stärken nicht mehr zur Geltung bringen können, was der wohl größte Kritikpunkt ist. Dadurch waren wir den Großteil der Saison nicht nur völlig planlos im Spiel mit Ball, sondern generell mutlos, hilflos, wehrlos und zahnlos, was zu einer indiskutablen Menge an Klatschen und Nichtleistungen führte. Ohne das frühzeitige Mittelfeldpressing kamen die Defizite unserer Abwehr immer stärker zum tragen, die zwar gut darin war nach vorne zu verteidigen oder durch gutes Stellungsspiel Angriffe zu ersticken, aber sobald der Gegner mit Tempo und Tiefgang in unser letztes Drittel und vor allem in den Rücken unserer Kette kommen konnte, brannte es jedes Mal lichterloh. Zudem fehlte letztlich einfach die Konstanz. Auf 1-3 gute oder bessere oder zumindest gleichwertige Spiele, folgten jedes Mal Leistungseinbrüche und gefühlt gab es mindestens einmal im Monat einen Klassenunterschied zu bestaunen, bei dem wir die Gegner zum ungefährdetsten Pflichtspielsieg der letzten Dekade hofierten. Keine fußballerische Weiterentwicklung, generell kein zu erkennendes Konzept auf dem Platz weder mit noch gegen den Ball, regelmäßige Totalausfälle, Einbrüche und Klatschen, sowie völlige Inkonstanz sind letztlich ein Ausdruck dessen, dass DS zwar nicht alleine aber eben mit gescheitert ist und nur weil an anderer Stelle im Verein ebenfalls Fehler erfolgten oder Missstände herrschen, heißt das nicht, dass über die Fehler von DS hinweg gesehen werden sollte oder sie dadurch weniger schwer wiegen. Letztlich gelang es BK mit Korrekturen im Winter vor allem durch Hoffmann und Tempelmann, aber phasenweise auch Baas und Tachie, die Qualität im Kader zu erhöhen, dennoch folgten auch in der Rückrunde weiterhin totale Einbrüche (Fürth, Hertha, Elversberg, Nürnberg), die in der Häufung letztlich keine weitere Zusammenarbeit mehr gerechtfertigt haben, während sich BK durch die Volltreffer im Winter und die späte Entscheidung gegen DS und die folgende erfolgreiche Relegation einen weiteren Sommer auf Bewährung erarbeitet haben dürfte.
Damit kommen wir nun endlich zur aktuellen Situation. Natürlich sind wir weit davon entfernt, dass alles rosig ist. Wie bereits geschrieben, muss im gesamten Verein ein generelles Umdenken und Umgestalten stattfinden. Allerdings verspricht der Saisonstart, dass diese Saison zumindest etwas Balsam auf alle Eintracht-Herzen sein könnte. Die erste Halbzeit in Magdeburg war wirklich nicht gut, vor allem ab Minute 20. Aber wie dann in Unterzahl fast nichts mehr von Magdeburg zugelassen wurde, war eine beeindruckende Defensivleistung. Dass wir am Ende sogar gewinnen, war in der Phase des Treffers wohl das Glück des Tüchtigen, wenngleich dies auf die Gesamtleistung bezogen ein glücklicher Sieg war, auch wenn es in der zweiten Halbzeit gelang, Magdeburg nicht mehr zur Entfaltung kommen zu lassen. Der Sieg gegen Fürth hatte zwar auch wieder glückliche Momente, war meiner Meinung nach am Ende aber verdient, auch wenn es natürlich ein absoluter Lucky Punch ist, tief in der Nachspielzeit derart einen Elfmeter geschenkt zu bekommen. In Karlsruhe haben wir wie schon gegen Fürth den Start völlig verschlafen und wachen wieder erst nach dem 0:1 auf. Allerdings wären wir letzte Saison in keinem dieser beiden Spiele nochmal so zurückgekommen, wenn wir bereits so schlecht ins Spiel starten und dann auch noch früh in Rückstand geraten. Danach haben wir ab Minute 20, die bis zu diesem Zeitpunkt besten 25 Minuten unter HB gespielt; leider ohne Ertrag. Wir kommen auch noch besser als Karlsruhe aus der Pause, verlieren aber ab Minute 50 an Zugriff und der KSC macht dann schnell den Deckel drauf. Danach hätten wir wohl noch den ganzen Tag weiterspielen können, ohne ein Tor zu machen oder zumindest Gefahr zu entwickeln.
Mit einer reinen ergebnisorientierten Sicht, bin ich natürlich zufrieden mit 6 Punkten aus den ersten 3 Spielen. Alleine weil es der beste Start seit Jahren ist. Aber auf die Leistung bezogen gab es zwar immer wieder gute Momente und Phasen, aber auch Situationen und Phasen, die mich an die letzten Jahre erinnert haben und mich daher skeptisch auf die ersten 3 Spiele haben blicken lassen. Dafür hängen diese Jahre einfach zu sehr in den Knochen, um den Saisonstart positiver zu sehen. Natürlich ist es ein Entwicklungsprozess einen Spielstil zu implementieren und einem Trainer und der Mannschaft sollte wenigstens das erste Saisondrittel zugestanden werden, bevor Untergangsstimmung verbreitet wird, wenn keine Entwicklung zu erkennen ist - die ja zudem an den ersten Spieltagen bereits zu sehen war und eben Zeit braucht um auch über 90 Minuten aufs Feld gebracht werden zu können. Dennoch war bei mir einfach die Sorge groß, dass sich letztlich nur Details an unserem Spiel ändern und es einfach so weiter geht und wir nur grundsätzlich etwas stabiler stehen und nicht mehr regelmäßig abgeschossen werden, aber ansonsten weiterhin die gleiche Rolle in der Liga spielen werden, mit der gleichen Idee von Fußball.
All dies hat sich mit den 120 Minuten + X gestern geändert. So sehr geändert, dass ich nach ewigen Monaten endlich wieder Lust bekommen habe, mich im Forum mitzuteilen, nachdem mir das im Laufe des letzten Herbstes relativ schnell wieder abhanden gekommen ist. Ich denke, dass zum Spiel, zur Mannschaftsleistung und zu den Einzelspielern bereits alles geschrieben wurde. Ich möchte daher nur noch einmal ein paar grundsätzliche Dinge zur Spielanlage hervorheben.
(1) Das angekündigte Pressing wurde endlich in seiner ganzen Güte eingesetzt und gezeigt und hat nicht nur funktioniert, sondern kann auch über eine lange Distanz gehalten werden. Trotz der Auswechslung von EY hat das Pressing in der vordersten Linie weiterhin funktioniert, selbst als Polter am Ende mit auf dem Platz stand.
(2) Wir haben uns die ganze Spieldauer über immer wieder mit spielerischen Lösungen in verschiedenen Räumen über das Feld kombiniert. Das sah tatsächlich endlich mal aus, als gäbe es klare Abläufe und Laufwege. Ob im Spielaufbau, im Zentrum oder mitunter sogar im letzten Drittel (siehe etwa die Entstehung zum 4:4). HB hat nicht zu viel Versprochen, dass er die Zocker, wie er sie nannte, mit Ball auch einfach mal kicken lassen will. Was die Doppel-6 mit Köhler & Marie dort im Zusammenspiel mit Heußer und Gomez, die wie zwei 10er in den Halbräumen gespielt haben, hat mich zum ersten Mal seit langer Zeit unser Spiel mit Ball genießen lassen. Und auch die Abwehr hat immer wieder sehr solide mit aufgebaut und angeschoben und ich habe mir irgendwann keine Sorgen mehr gemacht, dass das nicht lange gut geht und wir uns dann wieder Konter nach Konter fangen.
(3) Trotz dessen, dass wir gewechselt haben, kam es mir zu keinem Zeitpunkt so vor, als gäbe es einen Spannungsabfall oder einen Leistungseinbruch. Alle haben ihre Leistung gebracht und eine Diskussion über die fehlende Qualität unserer zweiten Reihe fast schon anmaßend wirken lassen. Trotzdem brauchen wir natürlich noch mindestens 2 neue Spieler (Ersatz für Jäkel + ein zentraler Mittelfeldspieler; wenn es nach mir geht darf dazu gerne noch Lennart Becker kommen, ggf. ein Ersatz für LT und ein Offensivspieler)
(4) Die Spieler glauben an sich und wissen, dass sie Fehler machen dürfen, um sich weiterzuentwickeln. Sinnbildlich steht für mich Ba, der zwar bei zwei Gegentoren eine unglückliche Figur macht, sich aber im Laufe der zweiten Halbzeit der Verlängerung immer mehr gesteigert hat und Leweling (immerhin deutscher Nationalspieler) zunehmend in den Griff bekommen hat, der vorher noch Katz und Maus mit ihm gespielt hat (an dieser Stelle sei nur nochmal daran erinnert, dass junge Spieler Fehler machen werden, aber eben auch müssen, um sich dann dadurch weiterzuentwickeln; selbes gilt auch für Marie, der sich seit dem ersten Spieltag bereits so viel weiterentwickelt hat, wie die ganze letzte Saison nicht).
(5) Mir gefiel Heußer als dritter Anläufer der ersten Reihe deutlich besser als Tempelmann. Ich hoffe, dass das HB auch aufgefallen ist und dass er die beiden Rollen tauschen lässt, sobald LT wieder fit ist, damit dieser wieder seine Explosivität und Dynamik aus der Tiefe heraus einbringen kann und dann auch wieder in Abschlusspositionen aus der Distanz kommt.
Auf Grundlage dieser fast schon Leistungsexplosion (selbst im Kontext mit den bereits verbesserten Auftritten zu Saisonbeginn und einigen guten Phasen in den ersten 3 Spielen) bin ich sehr optimistisch, dass wir eine deutliche positivere Rolle in dieser Saison spielen werden, alleine weil es HB zu gelingen scheint in die Köpfe zu kommen und dadurch Spieler nach Monaten des Formverlustes (Gomez, Conteh, mit Abstrichen auch ein Polter) mal wieder ihre PS auf den Rasen bekommen oder andere gerade wichtige Entwicklungsschritte zu machen scheinen (Marie, möglicherweise auch Ehlers und Ba). Dazu die Kombination aus intensivem Spiel gegen den Ball, geradlinigen Umschaltmomenten mit und gegen den Ball, aber auch spielerischen Lösungen, die wirklich nach Fußball mit Struktur aussehen. All das hat zu viel Hand und Fuß gehabt, als dass das eine Eintagsfliege war und nur aus Zufall abgerufen wurde.
Nichtsdestotrotz muss zwischen Ligaalltag und Pokalspiel im KO-Modus unterschieden werden. Ich denke, dass HB mit Kalkül volle Attacke und offenes Visier vorgegeben hat, da es im Pokal nunmal heißt alles oder nichts. Ihm wird bewusst gewesen sein, dass wir damit nur gewinnen können. In der Liga sieht es blöd aus in der Frühphase der Saison völlig Kamikaze zu gehen und ggf. nach 20 Minuten schon 0:3 zurückzuliegen, weil die tiefen Bälle nicht verhindert werden oder Fehler in der 1 gegen 1 Deckung erfolgen. Da niemand mit einem Erfolg im Pokal gerechnet hat, wird es einkalkuliert gewesen sein, ggf. baden zu gehen und bereits frühzeitig 0:2; 0:3; 0:4 hinten zu liegen, bis Stuttgart in den Verwaltungsmodus geht. Damit war es eine optimale Generalprobe, um sehr verspätet auf hohem Niveau zu testen, wie weit die Abläufe im Pressing bereits funktionieren, nachdem uns die eigentliche Generalprobe verwehrt wurde - bei allem Respekt vor Rostock und ihrer halben B-Elf, die dankenswerterweise kurzfristig überhaupt eingesprungen sind. Das Pressing scheint also zu funktionieren und ich gehe stark davon aus, dass wir ab jetzt sukzessive mehr von diesen Phasen zu sehen bekommen, bis wir auch in der Liga die Gegner über 90 Minuten über den Platz jagen.
Da sich der Charakter eines KO-Spiels aber niemals zu 100% konservieren und übertragen lässt, gehe ich davon aus, dass unser Spiel in der Liga zumindest in dieser Phase der Saison noch nicht immer über 90 Minuten so aussehen wird und kann, auch wenn das den Aussagen von HB ganz klar das Ziel zu sein scheint. Dennoch gehören immer zwei dazu und gegen Mannschaften, die den Ball nicht wollen, die kein Kurzpassspiel im Spielaufbau von hinten heraus praktizieren, oder die aus der Spielvorbereitung auf unsere Spielweise heraus gezielt lange Bälle hinter unsere hohe Kette schlagen, werden wir wiederum vor Aufgaben gestellt unser Spiel anzupassen bzw. die Intensität in andere Räume zu verlagern. Anstelle unseres mutigen Angriffspressings wird es dann deutlich mehr Duelle um zweite Bälle und Gegenpressing geben, das sich im Mittelfeld abspielt, was die Attraktivität des Spiels deutlich mindern wird und es bei weitem nicht mehr so spektakulär und kurzweilig anmuten wird wie diese Pokalnacht. Dadurch dass wir es uns in der Liga zudem nicht erlauben können dauernd das Visier völlig abzunehmen, werden wir dort wahrscheinlich auch wieder Phasen sehen, in denen wir eine abwartende Haltung einnehmen - gerade wenn das Pressing zu Beginn mal nicht anschlägt und der Gegner sich frühzeitig aus dem Druck befreien kann.
Alles in allem freue ich mich aber nach dieser ersten Pokalrunde sehr darauf, die weitere Entwicklung dieser Mannschaft zu verfolgen. Meine Skepsis und Vorsicht gegenüber den Teilerfolgen der ersten 3 Spiele sind fast etwas Vorfreude auf die Saison gewichen und lassen mich erstmal sehr positiv auf die weiteren Wochen blicken. Jetzt bin ich erstmal gespannt, welche Spieler in den kommenden 5 Tagen noch den Weg an die Hamburger Straße finden, wie viele der potenziellen Transferziele (1 IV als Jäkel Ersatz; 1 6er; 1 (junger) polyvalenter zentraler Defensivspieler als zusätzliche Alternative im Hinblick auf Kräfteverschleiß, Sperren und Verletzungsanfälligkeit (Lennart Becker?); 1 8er (als Tempelmann Ersatz); 1 Offensivspieler (ich hoffe, dass wir bei Noah Weißhaupt zumindest unseren Hut in den Ring werfen, auch wenn er für uns natürlich eine 1A+* Lösung wäre)), dabei tatsächlich auf der Liste stehen und sich realisieren lassen und ob auch diese Transfers weiter so gut sitzen wie die bisherigen Transfers von BK.
All dies (bessere Kaderplanung und passendere Transfers, eine erfolgreiche spielerische Weiterentwicklung der Mannschaft, der Durchbruch einiger unserer Talente und eine bessere Saison in der Liga) dürfte aber - um das abschließend nochmal einmal zu wiederholen - nicht darüber hinweg täuschen, dass im Verein noch viele Steine umgestaltet, ausgetauscht und neu gedacht werden müssen, um nicht nur eine gute Saison zu haben, sondern auch von einem guten Konzept sprechen zu können auf dessen Grundlage sich solch gute Saisons und Verbesserungen jedes Jahr wiederholen lassen, selbst bei wechselndem Personal bei den handelnden Personen und Funktionskräften.
Butjer
Nachdem Michael Schiele frühzeitig die - zumindest nach außen kommunizierten - Ziele erreicht hatte, musste er dennoch gehen, was zwar vertretbar war, aufgrund eines mitunter mutlosen Saisonfinales, indem wir aufgrund der Schwäche der anderen und nicht aufgrund der eigenen Stärke die Klasse gehalten haben, da bei uns die Angst vorm Versagen größer schien als die Gier nach Erfolg. Allerdings halte ich persönlich diese Entscheidung weiterhin für eine Fehlentscheidung - die, wenn man den Worten von Peter Vollmann glauben schenkt, eine Entscheidung der Gremien war und nicht der sportlichen Leitung. Vor allem unter dem Aspekt, dass Schiele nicht nur einen katastrophalen Fehlstart im Laufe der Saison ausgleichen musste, da die entscheidenden Verstärkungen erst im August verpflichtet wurden (Ujah, Benkovic, de Medina), sondern zudem auch ein unglaubliches Verletzungspech anhielt (zwischendurch fielen von Benkovic, de Medina, Pherai und Ujah regelmäßig 3 unserer Unterschiedspieler gleichzeitig aus, was kein Aufsteiger kompensieren könnte).
So etwas geht im Laufe der Saison auf die Substanz und kann am Ende entscheidende Körner kosten, wenn einige Spieler sich völlig verausgaben müssen und irgendwann ausgebrannt sind, weil nicht rotiert werden kann. Wenn dann noch die Rückendeckung aus dem Verein fehlt, die, wie die spätere Entlassung beweist, wohl die ganze Saison über auf wackeligen Beinen stand, dann kann im Saisonfinale auch eine mentale Blockade entstehen, weil zusätzlich Druck aufgebaut wird, indem im Verein (mal wieder) Schritt 2 vor Schritt 1 erwartet wird (erinnert mich an Krüger und Loos 06/07). Die kräftezehrende Aufholjagd des Saisonstarts, der anhaltende Verschleiß zum Ausgleich der Verletzten und der fehlenden individuellen Qualität und die - zumindest von mir angenommene - fehlende Rückendeckung, trotz frühzeitiger Chance auf das Erreichen der eigenen Ziele, waren für mich also vielmehr die ausschlaggebenden Faktoren für das schwache Saisonfinale 22/23. Alles keine Gründe, die in der Verantwortung von MS standen, der dennoch gehen musste.
Wie so häufig machte die Eintracht damit in der Außenwirkung keine gute Figur. Trainer, die ihre Ziele erreichen, oder sportlich im Soll liegen, müssen gehen (Flüthmann, Antwerpen , Schiele), Trainer, die völlig erfolglos sind und sich über Wochen jeder Trend verschlechtert dürfen weitermachen (Antwerpen , Meyer, später Scherning). Nur bei Pedersen und Schieles Nachfolger, Jens Härtel, wurde gerade so rechtzeitig und aus sportlich völlig nachvollziehbaren Gründen die Reißleine gezogen. Über Jens Härtel möchte ich gar nicht zu viele Worte verlieren, da es ein Missmatch mit Ansage war und dafür, dass es überhaupt dazu kommen konnte, eher die Verantwortlichen im Verein kritisiert gehören. Vielmehr war die Kommunikation und Einschätzung des Vereins im Nachhinein völlig daneben. JH als Trainer mit Offensivkonzept für spielerische Weiterentwicklung vorzustellen muss Satire gewesen sein. Einem Kader mit Spielern, die ausschließlich Englisch oder Französisch sprechen, einen Trainer vorzusetzen, der selbst wiederum nur Deutsch spricht, eine völlige Farce.
Mit MS einen Trainer zu entlassen, der bereit war seine eigene Spielweise den Möglichkeiten der Mannschaft anzupassen, um erfolgreich zu sein (er selbst steht ja eigentlich eher für Offensivfußball und Angriffspressing) und der zudem in Würzburg und teilweise auch bei uns in Liga 3 bereits schnellen, direkten und rasanten Offensivfußball angeboten hatte und durch JH zu ersetzen, der kein (spielfreudiges) Offensivkonzept hat, dieses aber angeblich entwickeln soll und zudem völlig stur an seinem eigenen Fußball festhält?; das kann mir niemand mit rationalen Argumenten erklären, wie diese Entscheidungen und Aussagen zueinander passen sollen. Die Aussage von JH „Wenn es einer besser kann, soll er es machen” ist dabei die Kirsche auf dem Fäkalienhaufen und aged like milk. Rückrundentabelle Platz 8, in der gesamten Scherningtabelle sogar auf Platz 7 mit 33 Punkten in 22 Spielen. 1,5 Punkte im Schnitt pro Spiel unter DS gegenüber 0,5 Punkten unter JH. Dass er dann tatsächlich dreist genug war den Verein auf Prämien zu verklagen, trotz dieser Aussage und des entsprechenden Eingeständnisses, dass er nicht in der Lage ist mehr rauszuholen, lassen ihn aber dennoch unsympathisch, selbstgefällig und arrogant bei mir in Erinnerung, auch wenn die Gründe für die sportliche Talfahrt in der Fehleinschätzung der sportlichen Führung liegen, dass er der richtige für diese Aufgabe sein könnte, wenngleich er eigentlich für einen völlig anderen Fußball steht - wofür er mit Sicherheit auch Stärken und Kompetenzen mitbringt.
Wie landen wir nun also bei der anfangs beschriebenen Wahrnehmung? Nach dieser starken Phase unter DS, der mit einem klaren Plan, Auftritt, Kommunikation und Glaube das Ziel Klassenerhalt doch noch schafft und bereits einen Spieltag vor Ende den Klassenerhalt fest zieht, passiert etwas, das ich letzten Sommer in der Form nicht erwartet habe. Zwar war ich zögerlich, dass wir die Leistung tatsächlich bestätigen können und auch in der Gesamtabrechnung einer ganzen Saison um einen einstelligen Tabellenplatz spielen würden, aber dass wir derart beispiellos einbrechen könnten, war nicht zu erwarten.
Das erklärte Ziel der neuen Saison war nun endgültig die fußballerische Weiterentwicklung. Statt eines aktiven und laufintensiven Pressings mit hohen Ballgewinnen, was die Mannschaft bereits unter MS stark gemacht hatte und DS erfolgreich reaktiviert hatte, sollte nun auch Ballkontrolle für selbstbestimmte, ruhigere Spielphasen und einen geplanten und gezielten Spielaufbau trainiert werden, um das eigene Spiel mit zusätzlichen Elementen zu versehen und nicht mehr nur eindimensional auf ein Mittel beschränkt zu sein. Dies wirkte völlig logisch. Bestehende Stärken mitunter verfeinern und weitere Stärken entwickeln, um schließlich in allen Bereichen des Spiels, mit und ohne Ball, konkurrenzfähig zu sein. Die Neuzugänge wirkten wie dafür gemacht. Bell Bell kennt ein solches Konzept aus Magdeburg, Köhler ist der lange ersehnte spielstarke 6er, Raebiger ein Talent mit unglaublichen Potenzial in der Spielgestaltung im 8er und 10er Raum, Ould-Chikh als Freigeist im letzten Drittel und dazu mit Ba, DMS, Szabo, Marie und Ehlers weitere entwicklungsfähige Spieler. Später dann mit Jaeckel noch CL-Erfahrung und mit Polter einen erfahrenen Ersatz für Ujah.
Die Realität sah aber schnell anders aus. Bell Bell und Raebiger haben mehr mit Verletzungen zu kämpfen als dass sie spielfit sind, Ould-Chikh scheint mit dem körperlich intensiven deutschen Fußball nicht zurecht zu kommen, Köhler wird im Mittelfeldzentrum schnell als Fixpunkt des Spiels von 2 oder 3 Gegnern zugestellt und kommt gar nicht zur Entfaltung, weil es reicht, wenn sich die Gegner auf ihn konzentrieren. Die Abgänge von Hoffmann, Kurucay und Helgason wurden zudem nicht oder zu spät kompensiert. Erst die Rückkehr von Hoffmann im Winter schließt die Lücke im Tor, wo beide vorigen Neuzugänge nicht überzeugen können und der Abwehr keine Sicherheit geben. In der IV sind nicht nur Ivanov und Bicakcic völlig von der Rolle und meilenweit vom Niveau der Vorsaison entfernt, auch schlägt der mit CL-Erfahrung verpflichtete Jaeckel als später Kurucay-Ersatz nur phasenweise für 4-5 Spiele zu Beginn und am Ende ein und spielt zwischendurch gar keine Rolle. Über die Saison gesehen ist Nikolaou noch unser stabilster IV, während Ehlers immer dann, wenn er gute Leistungen gezeigt hat, plötzlich wieder raus rotiert - mal wegen Verletzungen, mal aus nicht nach außen kommunizierten Gründen. Auf der rechten Schiene braucht Rittmüller die gesamte Hinrunde, um nach seiner Verletzung wieder auf sein altes Niveau zu kommen. Ba erweist sich nur in der Vorbereitung als Verstärkung und landet nach einem schwachen Saisonstart schnell auf der Tribüne, was als Umgang für einen jungen Spieler in seiner Entwicklung und seinem Selbstbewusstsein völlig kontraproduktiv ist - mit Sicherheit muss im Leistungssport die Leistung den Ausschlag geben, aber ich kann keine jungen Talente verpflichten und einsetzen, wenn sie keinen Raum für Fehler und Entwicklung erhalten und nach einem schwachen Spiel direkt dauerhaft auf der Tribüne landen. Fabio Kaufmann, in der vorigen Rückrunde als elementarer Bestandteil des hoch effizienten Pressingsystems noch auf der 8 aufgeblüht, wird teilweise als Ersatz auf die rechte Schiene gezogen und spielt, möglicherweise genau deswegen, weit unter dem Niveau der Vorsaison. Im Zentrum spielt Köhler den Alleinunterhalter, weshalb Robin Krauße auf einmal doch wieder eine tragende Rolle einnimmt, während wir vergeblich auf einen Helgason Ersatz warten, der mit Tempelmann erst im Winter verpflichtet wird. Auf der linken Schiene gibt sich DMS - eigentlich als Herausforderer und Nummer 3 geholt, größte Mühe den Ausfall von Bell Bell und den TikTok-Lifestyle von Lucoqui aufzufangen, was ihm kaum gelingen kann und mag, da er als voriger Rotationsspieler in Liga 3 noch lange nicht auf dem Niveau eines Stammspielers in Liga 2 sein kann. Vorne spielt Philippe den Alleinunterhalter und verliert zunehmend an Kraft und Momentum, da die Gegner ihn nun kennen und sich besser auf ihn einstellen, bis sein individueller Aufwand von selbst aus dem Nichts Torchancen zu kreieren zu groß wird und vorne irgendwann gar nichts mehr geht. Gomez, nach guter Debütsaison und als ebenfalls elementarer Bestandteil des Pressings der Vorsaison als vorderster Auslöser, spielt erst auf anderen Positionen und in anderen Räumen und verschwindet dann schnell aus der ersten Elf und verliert zunehmend auch jede Form und jede Bindung ins Spiel bis er nur noch wie ein Fremdkörper wirkt. Szabo kann zu Beginn noch als solide Ergänzung überzeugen, kommt nach einer Verletzung später aber überhaupt nicht mehr in Tritt. Polter spielt, als sei er bereits 5 Jahre über seinem Zenit und wir hätten aus Versehen einen Ü-40 Spieler aus der Senioren Kreisliga auf den Spielbericht geschrieben.
Es ist über die ganze Saison gesehen eine beispiellose Abwärtsspirale, wofür sich dutzende Gründe finden lassen. Zum einen wirkt der Kader völlig unausgeglichen. Viele Spieler mit etlichen verschiedenen Profilen für nicht zueinander passende Arten und Weisen, um Fußball zu spielen. Neben dieser Altlast, die BK zumindest größtenteils übernommen hat und nicht in einem Transfersommer ausgeglichen werden kann, leistet er sich aber auch eklatante Lücken in der Kaderplanung und diverse Fehleinkäufe (letzteres lässt sich natürlich erst rückblickend beurteilen. Bis zum Saisonstart war ich mit dem Transfersommer selbst auch ziemlich zufrieden und optimistisch. Bis auf Köhler im Sommer und Tempelmann + Hoffmann im Winter gelang es ihm allerdings nicht, qualitative Verstärkungen zu verpflichten, die zudem fit geblieben sind. DMS, Ehlers, Marie und Szabo waren Ergänzungen, die hin und wieder mal Momente hatten, aber allesamt eher als Entwicklungsspieler geholt wurden und damit das Niveau kaum sofort anheben konnten).
Dazu kommt erneutes Verletzungspech, sodass wir zwischendurch gerade mal 14 fitte Lizenzspieler hatten, womit kein leistungsorientiertes Training möglich ist. Die Folge ist ein körperlicher und psychischer Verschleiß der Spieler, die, wie schon unter Schiele, dauerhaft am Anschlag spielen müssen, um überhaupt ansatzweise wettbewerbsfähig zu sein. Zudem sind keine Pausen möglich, da die Tiefe, Qualität und Fitness zur Rotation fehlt, womit auch an dieser Stelle zumindest teilweise der schwache Endspurt erklärt werden kann, da viele bereits müde und ausgebrannt wirkten. Vieles davon hätte frühzeitig korrigiert werden können, wenn nicht nur gegen unterklassige Mannschaften getestet worden wäre, um die Schwachstellen frühzeitig aufgezeigt zu bekommen. Hinzu kommen am Saisonende die Aussagen von Köhler, dass nach dem verpatzten Saisonstart aufgrund des internen Drucks alle im Sommer trainierten neuen spielerischen Elemente über Bord geworfen wurden. Vieles davon liegt im Verantwortungsbereich der sportlichen Leitung um BK. Das konsequente Festhalten an DS führe ich darauf zurück, dass sich BK dessen bewusst war, die eigenen Fehler in der Planung reflektieren konnte und wusste, dass sie da gemeinsam durch müssen, weil DS nicht alleine verantwortlich gemacht werden konnte und BK automatisch ebenfalls hätte gehen müssen, wenn jemand dem Ursprung wirklich auf dem Zahn gefühlt hätte.
Gleichzeitig muss BK an dieser Stelle aber auch wieder entlastet werden. Zum einen fehlt im gesamten Verein einfach die sportliche Expertise, wodurch BK nach der Entlassung von PV direkt befördert wurde. Meiner Meinung nach hätte BK zu diesem Zeitpunkt noch weitere 2-3 Jahre jemanden vor sich gebraucht, der ihn anleitet und führt, indem die Richtung vorgegeben wird. Diese Person hätte dann später in den Aufsichtsrat wechseln können, um dort die sportliche Expertise einzubringen und von dort das Konzept des Vereins mitzuentwickeln und mitzutragen. Dann hätte BK zum Geschäftsführer Sport befördert werden können und ein neuer (Kaderplaner, Sportdirektor, wie auch immer diese Position dann heißen soll) wäre ihm untergeordnet worden. Dadurch gäbe es eine unmittelbare Verbindung von Aufsichtsrat - Geschäftsführung - Scouting, Kaderplanung, Trainerteam, um von den Gremien bis zur alltäglichen Arbeit das Leitkonzept des Vereins in klar strukturierter Arbeit umzusetzen. Dass ein noch recht unerfahrener BK als quasi Alleinverantwortlicher, ohne erkennbares Vereinskonzept und mit einem der niedrigsten Etats der Liga, Fehler macht überrascht nicht und entlastet ihn nicht nur weitgehend, da einfach zu schnell zu viel in seinem Verantwortungsbereich liegt, sondern wirft erneut ein schlechtes Licht auf unsere Gremien, wo es an sportlicher Expertise und Erfahrung mit zeitgemäßem Sportmanagement fehlt. Solange sich an dieser Stelle nichts ändert und wir uns nicht schnellstens umfassend umstrukturieren und professionalisieren, statt auf alte Erfolge zu verweisen und alles beizubehalten, werden wir weiter pomadig in der eigenen Selbstgefälligkeit rumdümpeln und von Einzelpersonen abhängig sein, die uns mal mehr, mal weniger erfolgreich sein lassen, was dann aber auf reinem Zufall beruht und nicht das gezielte Ergebnis einer klaren Vereinsführung und Strategie als Teil eines nachhaltigen und gewachsenen Prozesses ist.
Auch wenn die Fehler also an anderer Stelle im Verein liegen, halte ich die Entlassung von DS für absolut richtig, da er zwar mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, aber im Gegensatz zur Vorsaison eben auch eklatante Fehler gemacht hat. Zum einen war es ein Fehler, sich frühzeitig dem Druck zu beugen und die Spielweise wieder umzustellen. Dadurch hat er über die ganze Saison hinweg der Mannschaft den Mut genommen, an sich zu glauben und mit Widerstand umzugehen, stattdessen haben wir uns regelmäßig ergeben, was somit als Spiegel des Aufgebens vor dem internen Druck gegen die noch nicht funktionierende Spielweise verstanden werden kann. Darüber hinaus hat er nicht nur das Entwickeln einer Spielkultur mit Ball auf unbekannte Zeit aufgeschoben, sondern auch das intensive Anlaufen und Mittelfeldpressing, das uns in der Rückrunde 23/24 stark gemacht hatte und den Gegner von unserem letzten Drittel fernhielt nicht mehr spielen lassen. Das heißt, er hat nicht nur keine neuen Elemente und Stärken entwickelt, sondern auch alte Stärken nicht mehr zur Geltung bringen können, was der wohl größte Kritikpunkt ist. Dadurch waren wir den Großteil der Saison nicht nur völlig planlos im Spiel mit Ball, sondern generell mutlos, hilflos, wehrlos und zahnlos, was zu einer indiskutablen Menge an Klatschen und Nichtleistungen führte. Ohne das frühzeitige Mittelfeldpressing kamen die Defizite unserer Abwehr immer stärker zum tragen, die zwar gut darin war nach vorne zu verteidigen oder durch gutes Stellungsspiel Angriffe zu ersticken, aber sobald der Gegner mit Tempo und Tiefgang in unser letztes Drittel und vor allem in den Rücken unserer Kette kommen konnte, brannte es jedes Mal lichterloh. Zudem fehlte letztlich einfach die Konstanz. Auf 1-3 gute oder bessere oder zumindest gleichwertige Spiele, folgten jedes Mal Leistungseinbrüche und gefühlt gab es mindestens einmal im Monat einen Klassenunterschied zu bestaunen, bei dem wir die Gegner zum ungefährdetsten Pflichtspielsieg der letzten Dekade hofierten. Keine fußballerische Weiterentwicklung, generell kein zu erkennendes Konzept auf dem Platz weder mit noch gegen den Ball, regelmäßige Totalausfälle, Einbrüche und Klatschen, sowie völlige Inkonstanz sind letztlich ein Ausdruck dessen, dass DS zwar nicht alleine aber eben mit gescheitert ist und nur weil an anderer Stelle im Verein ebenfalls Fehler erfolgten oder Missstände herrschen, heißt das nicht, dass über die Fehler von DS hinweg gesehen werden sollte oder sie dadurch weniger schwer wiegen. Letztlich gelang es BK mit Korrekturen im Winter vor allem durch Hoffmann und Tempelmann, aber phasenweise auch Baas und Tachie, die Qualität im Kader zu erhöhen, dennoch folgten auch in der Rückrunde weiterhin totale Einbrüche (Fürth, Hertha, Elversberg, Nürnberg), die in der Häufung letztlich keine weitere Zusammenarbeit mehr gerechtfertigt haben, während sich BK durch die Volltreffer im Winter und die späte Entscheidung gegen DS und die folgende erfolgreiche Relegation einen weiteren Sommer auf Bewährung erarbeitet haben dürfte.
Damit kommen wir nun endlich zur aktuellen Situation. Natürlich sind wir weit davon entfernt, dass alles rosig ist. Wie bereits geschrieben, muss im gesamten Verein ein generelles Umdenken und Umgestalten stattfinden. Allerdings verspricht der Saisonstart, dass diese Saison zumindest etwas Balsam auf alle Eintracht-Herzen sein könnte. Die erste Halbzeit in Magdeburg war wirklich nicht gut, vor allem ab Minute 20. Aber wie dann in Unterzahl fast nichts mehr von Magdeburg zugelassen wurde, war eine beeindruckende Defensivleistung. Dass wir am Ende sogar gewinnen, war in der Phase des Treffers wohl das Glück des Tüchtigen, wenngleich dies auf die Gesamtleistung bezogen ein glücklicher Sieg war, auch wenn es in der zweiten Halbzeit gelang, Magdeburg nicht mehr zur Entfaltung kommen zu lassen. Der Sieg gegen Fürth hatte zwar auch wieder glückliche Momente, war meiner Meinung nach am Ende aber verdient, auch wenn es natürlich ein absoluter Lucky Punch ist, tief in der Nachspielzeit derart einen Elfmeter geschenkt zu bekommen. In Karlsruhe haben wir wie schon gegen Fürth den Start völlig verschlafen und wachen wieder erst nach dem 0:1 auf. Allerdings wären wir letzte Saison in keinem dieser beiden Spiele nochmal so zurückgekommen, wenn wir bereits so schlecht ins Spiel starten und dann auch noch früh in Rückstand geraten. Danach haben wir ab Minute 20, die bis zu diesem Zeitpunkt besten 25 Minuten unter HB gespielt; leider ohne Ertrag. Wir kommen auch noch besser als Karlsruhe aus der Pause, verlieren aber ab Minute 50 an Zugriff und der KSC macht dann schnell den Deckel drauf. Danach hätten wir wohl noch den ganzen Tag weiterspielen können, ohne ein Tor zu machen oder zumindest Gefahr zu entwickeln.
Mit einer reinen ergebnisorientierten Sicht, bin ich natürlich zufrieden mit 6 Punkten aus den ersten 3 Spielen. Alleine weil es der beste Start seit Jahren ist. Aber auf die Leistung bezogen gab es zwar immer wieder gute Momente und Phasen, aber auch Situationen und Phasen, die mich an die letzten Jahre erinnert haben und mich daher skeptisch auf die ersten 3 Spiele haben blicken lassen. Dafür hängen diese Jahre einfach zu sehr in den Knochen, um den Saisonstart positiver zu sehen. Natürlich ist es ein Entwicklungsprozess einen Spielstil zu implementieren und einem Trainer und der Mannschaft sollte wenigstens das erste Saisondrittel zugestanden werden, bevor Untergangsstimmung verbreitet wird, wenn keine Entwicklung zu erkennen ist - die ja zudem an den ersten Spieltagen bereits zu sehen war und eben Zeit braucht um auch über 90 Minuten aufs Feld gebracht werden zu können. Dennoch war bei mir einfach die Sorge groß, dass sich letztlich nur Details an unserem Spiel ändern und es einfach so weiter geht und wir nur grundsätzlich etwas stabiler stehen und nicht mehr regelmäßig abgeschossen werden, aber ansonsten weiterhin die gleiche Rolle in der Liga spielen werden, mit der gleichen Idee von Fußball.
All dies hat sich mit den 120 Minuten + X gestern geändert. So sehr geändert, dass ich nach ewigen Monaten endlich wieder Lust bekommen habe, mich im Forum mitzuteilen, nachdem mir das im Laufe des letzten Herbstes relativ schnell wieder abhanden gekommen ist. Ich denke, dass zum Spiel, zur Mannschaftsleistung und zu den Einzelspielern bereits alles geschrieben wurde. Ich möchte daher nur noch einmal ein paar grundsätzliche Dinge zur Spielanlage hervorheben.
(1) Das angekündigte Pressing wurde endlich in seiner ganzen Güte eingesetzt und gezeigt und hat nicht nur funktioniert, sondern kann auch über eine lange Distanz gehalten werden. Trotz der Auswechslung von EY hat das Pressing in der vordersten Linie weiterhin funktioniert, selbst als Polter am Ende mit auf dem Platz stand.
(2) Wir haben uns die ganze Spieldauer über immer wieder mit spielerischen Lösungen in verschiedenen Räumen über das Feld kombiniert. Das sah tatsächlich endlich mal aus, als gäbe es klare Abläufe und Laufwege. Ob im Spielaufbau, im Zentrum oder mitunter sogar im letzten Drittel (siehe etwa die Entstehung zum 4:4). HB hat nicht zu viel Versprochen, dass er die Zocker, wie er sie nannte, mit Ball auch einfach mal kicken lassen will. Was die Doppel-6 mit Köhler & Marie dort im Zusammenspiel mit Heußer und Gomez, die wie zwei 10er in den Halbräumen gespielt haben, hat mich zum ersten Mal seit langer Zeit unser Spiel mit Ball genießen lassen. Und auch die Abwehr hat immer wieder sehr solide mit aufgebaut und angeschoben und ich habe mir irgendwann keine Sorgen mehr gemacht, dass das nicht lange gut geht und wir uns dann wieder Konter nach Konter fangen.
(3) Trotz dessen, dass wir gewechselt haben, kam es mir zu keinem Zeitpunkt so vor, als gäbe es einen Spannungsabfall oder einen Leistungseinbruch. Alle haben ihre Leistung gebracht und eine Diskussion über die fehlende Qualität unserer zweiten Reihe fast schon anmaßend wirken lassen. Trotzdem brauchen wir natürlich noch mindestens 2 neue Spieler (Ersatz für Jäkel + ein zentraler Mittelfeldspieler; wenn es nach mir geht darf dazu gerne noch Lennart Becker kommen, ggf. ein Ersatz für LT und ein Offensivspieler)
(4) Die Spieler glauben an sich und wissen, dass sie Fehler machen dürfen, um sich weiterzuentwickeln. Sinnbildlich steht für mich Ba, der zwar bei zwei Gegentoren eine unglückliche Figur macht, sich aber im Laufe der zweiten Halbzeit der Verlängerung immer mehr gesteigert hat und Leweling (immerhin deutscher Nationalspieler) zunehmend in den Griff bekommen hat, der vorher noch Katz und Maus mit ihm gespielt hat (an dieser Stelle sei nur nochmal daran erinnert, dass junge Spieler Fehler machen werden, aber eben auch müssen, um sich dann dadurch weiterzuentwickeln; selbes gilt auch für Marie, der sich seit dem ersten Spieltag bereits so viel weiterentwickelt hat, wie die ganze letzte Saison nicht).
(5) Mir gefiel Heußer als dritter Anläufer der ersten Reihe deutlich besser als Tempelmann. Ich hoffe, dass das HB auch aufgefallen ist und dass er die beiden Rollen tauschen lässt, sobald LT wieder fit ist, damit dieser wieder seine Explosivität und Dynamik aus der Tiefe heraus einbringen kann und dann auch wieder in Abschlusspositionen aus der Distanz kommt.
Auf Grundlage dieser fast schon Leistungsexplosion (selbst im Kontext mit den bereits verbesserten Auftritten zu Saisonbeginn und einigen guten Phasen in den ersten 3 Spielen) bin ich sehr optimistisch, dass wir eine deutliche positivere Rolle in dieser Saison spielen werden, alleine weil es HB zu gelingen scheint in die Köpfe zu kommen und dadurch Spieler nach Monaten des Formverlustes (Gomez, Conteh, mit Abstrichen auch ein Polter) mal wieder ihre PS auf den Rasen bekommen oder andere gerade wichtige Entwicklungsschritte zu machen scheinen (Marie, möglicherweise auch Ehlers und Ba). Dazu die Kombination aus intensivem Spiel gegen den Ball, geradlinigen Umschaltmomenten mit und gegen den Ball, aber auch spielerischen Lösungen, die wirklich nach Fußball mit Struktur aussehen. All das hat zu viel Hand und Fuß gehabt, als dass das eine Eintagsfliege war und nur aus Zufall abgerufen wurde.
Nichtsdestotrotz muss zwischen Ligaalltag und Pokalspiel im KO-Modus unterschieden werden. Ich denke, dass HB mit Kalkül volle Attacke und offenes Visier vorgegeben hat, da es im Pokal nunmal heißt alles oder nichts. Ihm wird bewusst gewesen sein, dass wir damit nur gewinnen können. In der Liga sieht es blöd aus in der Frühphase der Saison völlig Kamikaze zu gehen und ggf. nach 20 Minuten schon 0:3 zurückzuliegen, weil die tiefen Bälle nicht verhindert werden oder Fehler in der 1 gegen 1 Deckung erfolgen. Da niemand mit einem Erfolg im Pokal gerechnet hat, wird es einkalkuliert gewesen sein, ggf. baden zu gehen und bereits frühzeitig 0:2; 0:3; 0:4 hinten zu liegen, bis Stuttgart in den Verwaltungsmodus geht. Damit war es eine optimale Generalprobe, um sehr verspätet auf hohem Niveau zu testen, wie weit die Abläufe im Pressing bereits funktionieren, nachdem uns die eigentliche Generalprobe verwehrt wurde - bei allem Respekt vor Rostock und ihrer halben B-Elf, die dankenswerterweise kurzfristig überhaupt eingesprungen sind. Das Pressing scheint also zu funktionieren und ich gehe stark davon aus, dass wir ab jetzt sukzessive mehr von diesen Phasen zu sehen bekommen, bis wir auch in der Liga die Gegner über 90 Minuten über den Platz jagen.
Da sich der Charakter eines KO-Spiels aber niemals zu 100% konservieren und übertragen lässt, gehe ich davon aus, dass unser Spiel in der Liga zumindest in dieser Phase der Saison noch nicht immer über 90 Minuten so aussehen wird und kann, auch wenn das den Aussagen von HB ganz klar das Ziel zu sein scheint. Dennoch gehören immer zwei dazu und gegen Mannschaften, die den Ball nicht wollen, die kein Kurzpassspiel im Spielaufbau von hinten heraus praktizieren, oder die aus der Spielvorbereitung auf unsere Spielweise heraus gezielt lange Bälle hinter unsere hohe Kette schlagen, werden wir wiederum vor Aufgaben gestellt unser Spiel anzupassen bzw. die Intensität in andere Räume zu verlagern. Anstelle unseres mutigen Angriffspressings wird es dann deutlich mehr Duelle um zweite Bälle und Gegenpressing geben, das sich im Mittelfeld abspielt, was die Attraktivität des Spiels deutlich mindern wird und es bei weitem nicht mehr so spektakulär und kurzweilig anmuten wird wie diese Pokalnacht. Dadurch dass wir es uns in der Liga zudem nicht erlauben können dauernd das Visier völlig abzunehmen, werden wir dort wahrscheinlich auch wieder Phasen sehen, in denen wir eine abwartende Haltung einnehmen - gerade wenn das Pressing zu Beginn mal nicht anschlägt und der Gegner sich frühzeitig aus dem Druck befreien kann.
Alles in allem freue ich mich aber nach dieser ersten Pokalrunde sehr darauf, die weitere Entwicklung dieser Mannschaft zu verfolgen. Meine Skepsis und Vorsicht gegenüber den Teilerfolgen der ersten 3 Spiele sind fast etwas Vorfreude auf die Saison gewichen und lassen mich erstmal sehr positiv auf die weiteren Wochen blicken. Jetzt bin ich erstmal gespannt, welche Spieler in den kommenden 5 Tagen noch den Weg an die Hamburger Straße finden, wie viele der potenziellen Transferziele (1 IV als Jäkel Ersatz; 1 6er; 1 (junger) polyvalenter zentraler Defensivspieler als zusätzliche Alternative im Hinblick auf Kräfteverschleiß, Sperren und Verletzungsanfälligkeit (Lennart Becker?); 1 8er (als Tempelmann Ersatz); 1 Offensivspieler (ich hoffe, dass wir bei Noah Weißhaupt zumindest unseren Hut in den Ring werfen, auch wenn er für uns natürlich eine 1A+* Lösung wäre)), dabei tatsächlich auf der Liste stehen und sich realisieren lassen und ob auch diese Transfers weiter so gut sitzen wie die bisherigen Transfers von BK.
All dies (bessere Kaderplanung und passendere Transfers, eine erfolgreiche spielerische Weiterentwicklung der Mannschaft, der Durchbruch einiger unserer Talente und eine bessere Saison in der Liga) dürfte aber - um das abschließend nochmal einmal zu wiederholen - nicht darüber hinweg täuschen, dass im Verein noch viele Steine umgestaltet, ausgetauscht und neu gedacht werden müssen, um nicht nur eine gute Saison zu haben, sondern auch von einem guten Konzept sprechen zu können auf dessen Grundlage sich solch gute Saisons und Verbesserungen jedes Jahr wiederholen lassen, selbst bei wechselndem Personal bei den handelnden Personen und Funktionskräften.
Butjer
30.08.2025 - 22:44 Uhr
Zitat von Butjer
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All dies (bessere Kaderplanung und passendere Transfers, eine erfolgreiche spielerische Weiterentwicklung der Mannschaft, der Durchbruch einiger unserer Talente und eine bessere Saison in der Liga) dürfte aber - um das abschließend nochmal einmal zu wiederholen - nicht darüber hinweg täuschen, dass im Verein noch viele Steine umgestaltet, ausgetauscht und neu gedacht werden müssen, um nicht nur eine gute Saison zu haben, sondern auch von einem guten Konzept sprechen zu können auf dessen Grundlage sich solch gute Saisons und Verbesserungen jedes Jahr wiederholen lassen, selbst bei wechselndem Personal bei den handelnden Personen und Funktionskräften.
Butjer
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All dies (bessere Kaderplanung und passendere Transfers, eine erfolgreiche spielerische Weiterentwicklung der Mannschaft, der Durchbruch einiger unserer Talente und eine bessere Saison in der Liga) dürfte aber - um das abschließend nochmal einmal zu wiederholen - nicht darüber hinweg täuschen, dass im Verein noch viele Steine umgestaltet, ausgetauscht und neu gedacht werden müssen, um nicht nur eine gute Saison zu haben, sondern auch von einem guten Konzept sprechen zu können auf dessen Grundlage sich solch gute Saisons und Verbesserungen jedes Jahr wiederholen lassen, selbst bei wechselndem Personal bei den handelnden Personen und Funktionskräften.
Butjer
Ich hoffe, daß das Umfeld wieder mehr Interesse an der Eintracht gewinnt und sich in dieser Saison neue Kooperationsmöglichkeiten auftun, um den Verein und insb. die Managementstrukturen der Fußballabteilung zu professionalisieren.
01.09.2025 - 22:40 Uhr
So, Transfer ist vorbei. Ich glaube, das war seit langem mal wieder eine gute Aktion. Einzig Mo Dräger konnte "noch"nicht anderweitig untergebracht werden. Sportchef, Trainer und Scouting haben eine Superrunde hingelegt. Einzig die Verletzungen der letzten Tage schmerzen. Bleibt zu hoffen, das die Mannschaft und meine Nerven von weiteren diesbezüglichen Rückschlägen verschont bleiben. Nun gut regenerieren und trainieren und den Weg stetig fortsetzen. Ich glaube, wir werden noch viel Gutes von dieser Mannschaft zu Sehen bekommen.
02.09.2025 - 14:05 Uhr
Zitat von dteslaru13
Nach so einem Spiel braucht mir keiner zu kommen und zu erzählen, dass man das „Pressing von HB“ nicht sieht ...
Nach so einem Spiel braucht mir keiner zu kommen und zu erzählen, dass man das „Pressing von HB“ nicht sieht ...
Ich habe das Pressing in den ersten Spielen nicht so übermäßig stark wahr genommen.
Stuttgart war ein Ausreißer.
Es hat schon viele überrascht, die sich nur auf ihr Gefühl verlassen und nicht wirklich darauf geachtet haben.
Die Statistik spricht da auch eine ganz andere Sprache.
https://www.kicker.de/2-bundesliga/laufleistung/2025-26/4
https://www.kicker.de/2-bundesliga/sprints/2025-26/4
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Obdachlose am 02.09.2025 um 14:06 Uhr bearbeitet
02.09.2025 - 14:14 Uhr
Die zitierte Einzelspielerstatistik sagt nicht viel aus.
Wenn die Anläufer im Pressing nach 60 Minuten ausgewechselt werden, sind ihre Werte logischerweise nicht so hoch, wie die eines Corboz, der jedes Spiel 90 Minuten macht.
Es bedarf hierfür einer Statistik, die auf die Einsatzzeit normiert ist oder die gesamte Offensive zusammen bewertet.
Beide Top-Anläufer sind trotz geringerer Spielzeit Top was die Anzahl ihrer Sprints angeht (EY & Conteh).
Ich denke auch, dass wir im Mittel über 90 Minuten nicht so viel pressen, wie gewünscht. Aber das liegt auch an Einwechslungen a la Polter.
Wenn die Anläufer im Pressing nach 60 Minuten ausgewechselt werden, sind ihre Werte logischerweise nicht so hoch, wie die eines Corboz, der jedes Spiel 90 Minuten macht.
Es bedarf hierfür einer Statistik, die auf die Einsatzzeit normiert ist oder die gesamte Offensive zusammen bewertet.
Beide Top-Anläufer sind trotz geringerer Spielzeit Top was die Anzahl ihrer Sprints angeht (EY & Conteh).
Ich denke auch, dass wir im Mittel über 90 Minuten nicht so viel pressen, wie gewünscht. Aber das liegt auch an Einwechslungen a la Polter.
02.09.2025 - 15:58 Uhr
Zitat von Goatzta
Die zitierte Einzelspielerstatistik sagt nicht viel aus.
Wenn die Anläufer im Pressing nach 60 Minuten ausgewechselt werden, sind ihre Werte logischerweise nicht so hoch, wie die eines Corboz, der jedes Spiel 90 Minuten macht.
Es bedarf hierfür einer Statistik, die auf die Einsatzzeit normiert ist oder die gesamte Offensive zusammen bewertet.
Beide Top-Anläufer sind trotz geringerer Spielzeit Top was die Anzahl ihrer Sprints angeht (EY & Conteh).
Ich denke auch, dass wir im Mittel über 90 Minuten nicht so viel pressen, wie gewünscht. Aber das liegt auch an Einwechslungen a la Polter.
Die zitierte Einzelspielerstatistik sagt nicht viel aus.
Wenn die Anläufer im Pressing nach 60 Minuten ausgewechselt werden, sind ihre Werte logischerweise nicht so hoch, wie die eines Corboz, der jedes Spiel 90 Minuten macht.
Es bedarf hierfür einer Statistik, die auf die Einsatzzeit normiert ist oder die gesamte Offensive zusammen bewertet.
Beide Top-Anläufer sind trotz geringerer Spielzeit Top was die Anzahl ihrer Sprints angeht (EY & Conteh).
Ich denke auch, dass wir im Mittel über 90 Minuten nicht so viel pressen, wie gewünscht. Aber das liegt auch an Einwechslungen a la Polter.
Wenn man da dermaßen weit hinten liegt, sagt das schon etwas aus. Wobei das auch für mich etwas überraschend ist.
Trotzdem habe ich in den ersten 3 Spielen unser Pressing nicht viel stärker empfunden als unter Scherning.
Stuttgart war dann eine ganz andere Nummer und auch gegen Bielefeld fand ich uns da besser.
Ich habe allerdings Zweifel, ob das überhaupt eine ganze Saison so durch zu halten ist. Egal wie schnell und jung die Spieler sind.
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