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Corona-News-Thread

12.12.2020 - 10:35 Uhr
Corona-News-Thread |#361
02.01.2021 - 01:57 Uhr
Zitat von justalittlethought

Leider keine guten NAchrichten, zumal das Impfen bei uns so langsam geht (Israel impft ca. 1% der Bevölkerung pro Tag, wir etwa 0,05%, also etwa 1/20). D.h. auch, dass das neue Virus sich wahrscheinlich zügiger verbreitet als wir Ausbreitungsbremsen durch signifikante Impfquoten haben.

Ich war bisher durchaus überzeugt vom Krisenmanagement. Trotz Föderalismus schnelle Entscheidungen.
Dass bei den Regeln, weil sie verständlich auf ein PowerPoint Slide passen sollen aber auf 80 Mio anwendbar sein sollen mal die ein oder andere Ungereimtheit passiert, geschenkt.
Aber neben der großen Überraschung im Bildungssektor, dass man nach einem Lockdown auch irgendwann wieder auf, und dann vielleicht auch wieder zu machen muss ist die Impfgeschwindigkeit für mich völlig indiskutabel.
Es gab mehr oder minder 3 Möglichkeiten aus der Pandemie:
* das Virus mutiert und wird deutlich ungefährlicher
* wir akzeptieren die Sterberaten
* wir impfen
Warum zum Henker wird mich voller Fokus auf Option 3 gesetzt? Vorbereiten, genug bestellen, loslegen?
Die ersten Zentren hatten in den letzten Tage geschlossen, weil sie keinen Impfstoff mehr hatten.
Selbst in den USA wird mehr geimpft, während Trump seine letzten Tage ausschließlich auf dem Golf Platz verbringt.
Das muss für Spahn auch Konsequenzen haben und weil es eine europäische Gemeinschaftsleistung war für von der Leyen gleich mit. Völlig unverständlich.

•     •     •

Dieter Hecking: «Was soll ich daran bewundern? Er wird doch gut bezahlt, da kann er doch mal einen Elfmeter verwandeln»
Corona-News-Thread |#362
02.01.2021 - 02:46 Uhr
Zitat von st3in
Zitat von justalittlethought

Leider keine guten NAchrichten, zumal das Impfen bei uns so langsam geht (Israel impft ca. 1% der Bevölkerung pro Tag, wir etwa 0,05%, also etwa 1/20). D.h. auch, dass das neue Virus sich wahrscheinlich zügiger verbreitet als wir Ausbreitungsbremsen durch signifikante Impfquoten haben.

Ich war bisher durchaus überzeugt vom Krisenmanagement. Trotz Föderalismus schnelle Entscheidungen.
Dass bei den Regeln, weil sie verständlich auf ein PowerPoint Slide passen sollen aber auf 80 Mio anwendbar sein sollen mal die ein oder andere Ungereimtheit passiert, geschenkt.
Aber neben der großen Überraschung im Bildungssektor, dass man nach einem Lockdown auch irgendwann wieder auf, und dann vielleicht auch wieder zu machen muss ist die Impfgeschwindigkeit für mich völlig indiskutabel.
Es gab mehr oder minder 3 Möglichkeiten aus der Pandemie:
* das Virus mutiert und wird deutlich ungefährlicher
* wir akzeptieren die Sterberaten
* wir impfen
Warum zum Henker wird mich voller Fokus auf Option 3 gesetzt? Vorbereiten, genug bestellen, loslegen?
Die ersten Zentren hatten in den letzten Tage geschlossen, weil sie keinen Impfstoff mehr hatten.
Selbst in den USA wird mehr geimpft, während Trump seine letzten Tage ausschließlich auf dem Golf Platz verbringt.
Das muss für Spahn auch Konsequenzen haben und weil es eine europäische Gemeinschaftsleistung war für von der Leyen gleich mit. Völlig unverständlich.


Die Biontech-Gründer haben ja gesagt, dass Deutschland und die EU nicht an mehr Biointech-Impfstoff interessiert waren und daher woanders hin verkauft wurde und sogar die Produktion gedrosselt wurde. Ein schweres Versäumnis von Spahn und der EU.

Es ist aber schon beides. Hier die ausgelieferten Dosen.

Die Bundesländer werden wie geplant bis zum 1. Februar 3,98 Mio Dosen BioNTech-Impfstoff geliefert bekommen. Erste Lieferungen von insgesamt 1,3 Mio Dosen erfolgten am 26.12., 28.12. und 30.12., die weiteren 2,68 Mio Dosen folgen am 8.1., 18.1., 25.1. und 1.2.2021.


Sprich: Wir haben 1,3 Mio Dosen ausgliefert, aber Stand heute erst 165.000 geimpft, also etwa 13% der ausglieferten Dosen. Baden-Württemberg steht noch schlechter da und liegt unter 10%.

Beim derzeitigen Tempo sind die gelieferten Dosen noch nicht mal verimpft, wenn die neue Lieferung am 8.1. kommt.

Dabei zählt jeder Tag, denn es sterben (wenn man mal Meldeverzögerungen rausmittelt) immer noch jeden Tag 500-1000 Leute und ein Vielfaches davon erkrankt schwer. Wenn Du Deine Impfdosen dann erst ein paar Wochen später verimpfst, summiert sich das schon.

------------------------

Ich persönlich fand Spahns Krisenmanagement allerdings noch nie gut. Das begann schon, als er im Januar sinngemäß erzählte, dass für Deutschland keine Gefahr bestünde, weil wir im Gegensatz zu China ein transparentes und funktionierendes Meldesystem hätten und alle Grenzen, sogar die aus Gebieten mit hohen Inzidenzen lange offen ließ und noch nicht mal symptomatische Tests an Flughäfen machte. Aber ich habe auch beruflich engen Kontakt zu einer Chinesin und habe mir erzählen lassen, wie China das handelt. Das war von Anfang an ein unterschied wie Tag und Nacht, der eben nicht, wie von westlichen Politiker*innen gerne als Ausrede benutzt, daran liegt, das China ein autoritäreres System hat. Sah man ja dann später daran, dass fast alle asiatischen Länder das Virus viel besser kontrollieren konnten als wir, ob sie nun Demokratien waren oder nicht, Inseln waren oder nicht, Landgrenzen hatten oder nicht. Die frühen Äußerungen Spahns waren arrogant und ignorant bis hin zum Kolonialismus. Hätten z.B. die USA oder Kanada die Pandemie so eingedämmt wie die Länder Asiens hätte man schon lange deren Gesundheitswissenschaftler zur Beratung eingeflogen - bei asiatischen Ländern macht das niemand in Europa, weil man denkt, von diesen Ländern nichts lernen zu können, was man nicht ohnehin selbst besser weiß.

Um zum Fußball zurück zukommen. Wir könnten schon lange wieder ins Stadion, wenn man in Deutschland bzw. der EU von Anfang an, eine Zero-Covid-Strategie gefahren hätte.

Das bedeutet
- Lockdown und Tracing bis die Inzidenz auf Zero ist, dann Lockerungen.

statt

- Lockerungen solange bis die Inzidenz zu hoch ist, dann Lockdown.

Am Ende werden wir mit unserer deutschen und europäischen Strategie nicht nur mehr Tote und Chronisch Kranke habne, sondern auch mehr und längeren Lockdown für alle und schwere Schäden für Wirtschaft und Gesellschaft. (Taiwan z. B. verzeichnet sehr hohe Wachstumsraten und macht bekanntlich schon wieder Festivals, Neuseeland wieder große Sportevents.)

Spahn ist kein Coronaleugner, aber schon ein Gesundheitsminister, der immer erst reagiert, wenn es fast zu spät ist und selten proaktiv agiert hat in dieser Krise.
Corona-News-Thread |#363
02.01.2021 - 08:01 Uhr
Allerdings muss man eben auch sagen, dass die Akzeptanz für viele Maßnahmen nicht da ist, solange nicht viele sehen, dass es da tatsächlich so ein Virus gibt und dass es keine "Erfindung" von Bill Gates oder irgendwelcher Reptilianer ist. Da hat man das Problem, dass die Europäer und Amerikaner wenig Erfahrung mit solchen Viren haben. Ist ja kein Wunder, dass man in letzter Zeit so wenig von den Schwurblern hört...
Dass Deutschland - wie viele andere Länder auch - zumindest in der 2. Welle viele Fehler gemacht hat, ist unbestritten.
Corona-News-Thread |#364
02.01.2021 - 09:54 Uhr
Zitat von justalittlethought

Dabei zählt jeder Tag, denn es sterben (wenn man mal Meldeverzögerungen rausmittelt) immer noch jeden Tag 500-1000 Leute und ein Vielfaches davon erkrankt schwer. Wenn Du Deine Impfdosen dann erst ein paar Wochen später verimpfst, summiert sich das schon.


Ich habe noch eine Anmerkung zu der Zahl 500-1000 Tote, die mir schon länger under den Nägeln brennt:

Die absolute Zahl an Corona-Toten lt. RKI liegt in diesem Bereich. Allerdings steht die Zählweise ja teilweise in der Kritik, weswegen die Übersterblichkeit vermutlich die verlässlichere Größe ist. Hier haben wir seit Anfang Oktober die übliche Bandbreite verlassen und eine höhere Übersterblichkeit als in den Jahren seit 2016 (weiter gibt Destatis nicht an). Die aktuellsten Zahlen stammen von Ende November. Dort hatten wir 20.699 Tote/Woche (=2.957/Tag). Der höchste Wert bisher war 2017 bei 18.581/Woche (=2.654/Tag). Der Unterschied dieses Jahr zu einem anderen schlimmen Infektionsjahr ist also bei ca. 300 Toten/Tag.

Im Gegenzug hatten wir in der KW10 einen Durchschnitt von 21.305/Woche und im Jahr 2018 einen Höchstwert von 26.777 (2020 sogar unter Durchschnitt mit 19.639). Das macht 781 Tote/Tag mehr als normal.

Das alles in den vergangenen Jahren natürlich ohne Gegenmaßnahmen.

@justalittlethought: Ich hatte gelesen, dass es umstritten ist ob die Lockdown-Maßnahmen wirklich einen Effekt hatten. Hast du dazu Infos?

Falls dieser Effekt vernachlässigter wäre, dann wäre die momentane Situation ja überhaupt keine besondere Situation. In der Vergangenheit gab es offenbar viel dramatischere Situationen, die jedoch - überspitzt gesagt - niemanden interessiert hatten. Zumal es auch, im Vergleich zur Vergangenheit, keine besondere Dynamik in der Übersterblichkeit gibt, was dem Argument "exponentielles Wachstum" widerspricht.

Das ist es, was ich gerade nicht zusammenbringe. Warum interessierte das in der Vergangenheit "niemanden" und jetzt alle? Kann mir hier jemand sinnvoll auf die Sprünge helfen?

Notabene gelten die Zahlen nur für Deutschland. Mit dem Ausland habe ich mich nicht befasst.
Corona-News-Thread |#365
02.01.2021 - 10:44 Uhr
Zitat von BK1893

@justalittlethought: Ich hatte gelesen, dass es umstritten ist ob die Lockdown-Maßnahmen wirklich einen Effekt hatten. Hast du dazu Infos?
.



Da dies zunächst eine sehr steile Behauptung ist würde ich dich erstmal um die Quelle bitten.

•     •     •

"Ich liebe Gerüchte! Naja, Fakten können so irreführend sein, wohingegen Gerüchte, wahr oder falsch, häufig erhellend sind."
Corona-News-Thread |#366
02.01.2021 - 11:07 Uhr
Zitat von 1893
Zitat von BK1893

@justalittlethought: Ich hatte gelesen, dass es umstritten ist ob die Lockdown-Maßnahmen wirklich einen Effekt hatten. Hast du dazu Infos?
.



Da dies zunächst eine sehr steile Behauptung ist würde ich dich erstmal um die Quelle bitten.


Die Wirksamkeit der Maßnahmen wurde detailliert weltweit untersucht und die Reduktion der Veranstaltungsgröße, Vermeidung persönlicher Kontakte, Schließung von Gastro, Läden und Schulen alle als effektiv bewertet.
https://science.sciencemag.org/content/early/2020/12/15/science.abd9338

Zur Wirksamkeit der Maßnahmen und der vermeintlichen Unwirksamkeit aufgrund der sich nicht so positiv entwickelnden Zahlen muss man sich folgende Fragen stellen:
* wie sähen die Zahlen ohne Lockdown aus?
* Welchen Einfluss hatten die Lockerungen über Weihnachten?
* spielt die Mutation aus England hier bereits eine Rolle?
* Wie sähen die Zahlen aus, wenn kreative Umgehung oder grobe Missachtung der Maßnahmen nicht zum absoluten Volkssport geworden wäre?

Die Diskussion mit der Übersterblichkeit halte ich generell für schwierig. Die Maßnahmen haben natürlich auch massive Auswirkungen auf Todesfälle in anderen Bereichen. Auf der einen Seite werden notwendige Behandlungen vlt aufgeschoben, das werden wir erst noch sehen. Zum anderen haben wir deutlich weniger Todesfälle aufgrund der reduzierten Mobilität, der verringerten Freizeitaktivität und natürlich auch weniger durch andere Infektionskrankheiten. Eine "nicht signifikante" Erhöhung der Übersterblichkeit deshalb als Erfolg zu verkaufen ist dünnes Eis. Gerade an den Zahlen in Sachsen bekommen wir doch einen kleinen Vorgeschmack, was passiert, wenn wir uns nicht mit aller Macht dagegen stemmen.

Auf der einen Seite zu sagen, die Zahlen würden gegen exponentielles Wachstum sprechen und auf der anderen Seite anzuzweifeln, dass die Maßnahmen wirken? Ich weiß nicht.

Die Argumentation der letzten Monate sind doch überall gleich:
* aber wir haben gar nicht mehr Infizierte. Wir testen nur mehr -> der relative Anteil der positivtests steigt stark an
* der Test gibt ja nur viele falsch positive -> irrelevant, wenn der Anteil an positiven kontinuierlich ansteigt
* aber das ist ja nicht schlimm, es geht ja um die schweren Verläufe -> ein paar Wochen später steigen die Zahlen im Krankenhaus stark an
* ja, aber solange die Todeszahlen nicht steigen ist das ja noch nicht kritisch -> die Todeszahlen steigen stark an
* ja, aber die wären ja sowieso gestorben, die waren ja alle schon krank -> die Zahlen zur Übersterblichkeit in Sachsen und die Untersuchungen der Pathologen zeigen aber eindeutig, dass wir ein massives Problem durch Corona haben, nicht mit
* ja, aber wenn die Zahlen steigen, dann wirken die Maßnahmen nicht. Dann könnten wir es gleich sein lassen -> augen-zuhalten

•     •     •

Dieter Hecking: «Was soll ich daran bewundern? Er wird doch gut bezahlt, da kann er doch mal einen Elfmeter verwandeln»
Corona-News-Thread |#367
02.01.2021 - 11:31 Uhr
Klar bin da voll bei dir.

Ich sagte ja auch sehr Steile Behauptung, da die Infektion ja von Mensch zu Mensch übertragen werden und eine Kontaktreduktion selbstverständlich zu weniger Infektionen führt. Das anzuzweifeln ist vollkommen absurd.

Nur weiß ich ja nicht konkret was der User meinte oder habe das vielleicht auch falsch verstanden.
Daher macht es mmn. keinen Sinn darauf einzugehen ohne das er diese "Ich hab gelesen" Quelle hier erstmal postet.

•     •     •

"Ich liebe Gerüchte! Naja, Fakten können so irreführend sein, wohingegen Gerüchte, wahr oder falsch, häufig erhellend sind."
Corona-News-Thread |#368
02.01.2021 - 11:44 Uhr
Zitat von 1893
Klar bin da voll bei dir.
..
Nur weiß ich ja nicht konkret was der User meinte oder habe das vielleicht auch falsch verstanden.
Daher macht es mmn. keinen Sinn darauf einzugehen ohne das er diese "Ich hab gelesen" Quelle hier erstmal postet.

Agreed. Ich habe dich auch nicht zitiert um dir direkt zu antworten, sondern weil du im Strang dabei warst. zwinker

Quelle würde mich auch brennend interessieren. daumen-hoch vielleicht reden wir auch nur aneinander vorbei.

•     •     •

Dieter Hecking: «Was soll ich daran bewundern? Er wird doch gut bezahlt, da kann er doch mal einen Elfmeter verwandeln»
Corona-News-Thread |#369
02.01.2021 - 13:03 Uhr
Zitat von justalittlethought

Die Biontech-Gründer haben ja gesagt, dass Deutschland und die EU nicht an mehr Biointech-Impfstoff interessiert waren und daher woanders hin verkauft wurde und sogar die Produktion gedrosselt wurde. Ein schweres Versäumnis von Spahn und der EU.

Um da etwas zu differenzieren und die andere Seite zu begutachten:

1) Zum Zeitpunkt als geordert wurde war noch nicht absehbar welcher Impfstoff jetzt als erstes auf den Markt kommt, also hat die EU bei 6 verschiedenen Herstellern die Order gesetzt.

2) Preis. Biontechs Impfstoff ist einer der teuersten und anscheinend sollen z.B. osteuropäische Staaten die EU Kommission dazu gedrängt haben weniger Biontech zu ordern und mehr AstraZeneca das weitaus günstiger ist. Alles in allem muss man politisch festhalten, dass es womöglich politisch im Orderprozess zu Verwerfungen geführt hätte, wenn man zu einem frühen Zeitpunkt sagen wir mal 500 Millionen Dosen eines teuren Impfstoffs aus Deutschland geordert hätte, speziell wenn da jetzt Spahn involviert gewesen wäre die EU dazu zu drängen. Da wären sehr schnell Vorwürfe in Richtung EU und Deutschland laut geworden.

3) So lange der EU Prozess nicht abgeschlossen war konnte Deutschland so weit ich weiß nicht selbst mehr ordern ohne gegen die Abmachungen zu verstoßen.
Corona-News-Thread |#370
02.01.2021 - 14:27 Uhr
Zitat von st3in
Zitat von 1893

Zitat von BK1893

@justalittlethought: Ich hatte gelesen, dass es umstritten ist ob die Lockdown-Maßnahmen wirklich einen Effekt hatten. Hast du dazu Infos?
.



Da dies zunächst eine sehr steile Behauptung ist würde ich dich erstmal um die Quelle bitten.


Die Wirksamkeit der Maßnahmen wurde detailliert weltweit untersucht und die Reduktion der Veranstaltungsgröße, Vermeidung persönlicher Kontakte, Schließung von Gastro, Läden und Schulen alle als effektiv bewertet.
https://science.sciencemag.org/content/early/2020/12/15/science.abd9338

Zur Wirksamkeit der Maßnahmen und der vermeintlichen Unwirksamkeit aufgrund der sich nicht so positiv entwickelnden Zahlen muss man sich folgende Fragen stellen:
* wie sähen die Zahlen ohne Lockdown aus?
* Welchen Einfluss hatten die Lockerungen über Weihnachten?
* spielt die Mutation aus England hier bereits eine Rolle?
* Wie sähen die Zahlen aus, wenn kreative Umgehung oder grobe Missachtung der Maßnahmen nicht zum absoluten Volkssport geworden wäre?

Die Diskussion mit der Übersterblichkeit halte ich generell für schwierig. Die Maßnahmen haben natürlich auch massive Auswirkungen auf Todesfälle in anderen Bereichen. Auf der einen Seite werden notwendige Behandlungen vlt aufgeschoben, das werden wir erst noch sehen. Zum anderen haben wir deutlich weniger Todesfälle aufgrund der reduzierten Mobilität, der verringerten Freizeitaktivität und natürlich auch weniger durch andere Infektionskrankheiten. Eine "nicht signifikante" Erhöhung der Übersterblichkeit deshalb als Erfolg zu verkaufen ist dünnes Eis. Gerade an den Zahlen in Sachsen bekommen wir doch einen kleinen Vorgeschmack, was passiert, wenn wir uns nicht mit aller Macht dagegen stemmen.

Auf der einen Seite zu sagen, die Zahlen würden gegen exponentielles Wachstum sprechen und auf der anderen Seite anzuzweifeln, dass die Maßnahmen wirken? Ich weiß nicht.

Die Argumentation der letzten Monate sind doch überall gleich:
* aber wir haben gar nicht mehr Infizierte. Wir testen nur mehr -> der relative Anteil der positivtests steigt stark an
* der Test gibt ja nur viele falsch positive -> irrelevant, wenn der Anteil an positiven kontinuierlich ansteigt
* aber das ist ja nicht schlimm, es geht ja um die schweren Verläufe -> ein paar Wochen später steigen die Zahlen im Krankenhaus stark an
* ja, aber solange die Todeszahlen nicht steigen ist das ja noch nicht kritisch -> die Todeszahlen steigen stark an
* ja, aber die wären ja sowieso gestorben, die waren ja alle schon krank -> die Zahlen zur Übersterblichkeit in Sachsen und die Untersuchungen der Pathologen zeigen aber eindeutig, dass wir ein massives Problem durch Corona haben, nicht mit
* ja, aber wenn die Zahlen steigen, dann wirken die Maßnahmen nicht. Dann könnten wir es gleich sein lassen -> augen-zuhalten


Sehr schöner Beitrag.

Ich will noch ergänzen, dass der Lockdown insofern sehr gut wirkt, dass wir in Deutschland und den meisten Ländern Europas überhaupt gar keine Grippewelle haben.

Im Nationalen Referenzzentrum (NRZ) für Influenzaviren wurde dieses Jahr noch überhaupt kein einziges Influenzavirus identifiziert (siehe Tabelle 2 im verlinkten RKI-Bericht), die meisten waren Atemwegserkrankungen waren (I.A. relativ harmlose) Rhinoviren, an zweiter Stelle kam schon SARS-COv2.

Bei dem Meldedaten nach dem Infektionsschutzgesetz werden pro Woche etwa 20-30 Influenzafälle (bundesweit) an das RKI übermittelt. Dazu das RKI: "Im Vorjahr um diese Zeit waren wesentlich mehr labordiagnostisch bestätigte Influenzavirusinfektionen an das RKI übermittelt worden. Es wird bisher von einer Zirkulation von Influenzaviren auf extrem niedrigen Niveau in der Saison 2020/21 ausgegangen."

https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2020_2021/2020-51.pdf

Da führt dann dazu, dass, wie man auf den ersten Graphiken sieht, wir viel, viel weniger akute Atemwegserkrankungen haben, als in einem normalen Winter - wir sind, wie man in Abbildung 1 sieht, fast auf einem Niveau wie es im Sommer üblich ist.

Die Erklärung dazu ist auch einfach. Zwar haben 2-4% (je nach Dunkelziffer) Corona gehabt, aber in einer üblichen Influenzasaison haben halt ein vielfaches allein die Grippe (wobei es keine genauen Zahlen gibt, weil danach oft nicht getestet wurde).

Das heißt der Lockdown wirkt und reduziert die akuten Atemwegserkrankungen, die durch Kontakte übertragen werden und entsprechend auch die Todeszahlen durch diese (die prozentual viel niedriger sind als bei Corona, aber absolut durchaus eine nennenswerte Häufigkeit aufweisen können, wenn sich ein hoher Praozentsatz (z. B. etwa 20% der Bevölkerung) mit Influenza infizieren).

Man kann aber zusammenfassen. Hätten wir jeden Winter ähnliche Kontaktbeschränkungen wie jetzt, gäbe es praktisch keine Grippe und keine Grippetoten.....
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