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Unser Millerntor

12.07.2007 - 18:44 Uhr
So, nachdem sich der Bau noch weiter verzögert finde ich, es ist an der Zeit, dem Neu-/Umbau mal einen eigenen Thread zu gönnen. Der Name hat ja schon einen smile

Von der Pauli-HP:

Fertigstellung der Südtribüne verzögert sich
Der Bau der neuen Südtribüne im Millerntor-Stadion wird länger dauern als zunächst geplant. Nach finaler Abstimmung mit den am Bauprojekt beteiligten Unternehmen, geht der FC St. Pauli zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass die Tribüne erst sukzessive zum Ende der Hinrunde genutzt werden kann. Zum Beginn der Rückrunde soll dann die Basisnutzung der Südtribüne möglich sein. Die „typischen“ Bauprobleme haben in Verbindung mit Abstimmungsdefiziten zwischen Projektplanung und -steuerung zu Verzögerungen geführt, so dass der ambitionierte Bauplan nun nicht mehr eingehalten werden kann.
Der FC St. Pauli ist dabei aber bestrebt, seinen Sponsoren, Dauerkarteninhabern und Unterstützern trotz der Verzögerungen das bestmögliche Angebot zu offerieren. „Jeder, der einen Platz gebucht hat, wird auch einen erhalten“, garantiert Geschäftsführer Michael Meeske, „und jeder zahlt nur für das, was er bekommt.“

Zur Umsetzung dieser Kompensation wurden bereits entsprechende Kartenkontingente reserviert, um den kurzfristigen Ausfall der bereits gebuchten Plätze auf der Südtribüne zu kompensieren. Entstehen deutliche Einschränkungen, so z.B. bei der Ehrenwerten Gesellschaft oder den Separées, wird die empfangene Leistung individuell und anteilig berechnet. Im Rahmen eines Guthabenkontos erfolgt dann eine entsprechende Kompensation.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von geestler am 15.02.2025 um 10:41 Uhr bearbeitet
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Unser Millerntor |#1
08.04.2011 - 23:00 Uhr
Mal was neues zum Stadion.

Die Süd- und Haupttribüne sind ja inzwischen fertiggestellt.
Die Tilgung der Kredite dafür wird noch 10 Jahre dauern. Wenn alles gut geht.
Man rechnet auch in Liga2 mit einer Auslastung von 88%, wohlgemerkt der Einnahmen, nicht der Plätze.


Der Stadionumbau soll trotz des Abstiegs wie geplant weitergehen.
Die Gegengrade wird auf ~11.000 Stehplätze ausgebaut und auch weiterhin einige Sitzplätze haben. An der Kapazität und Sitz/Stehplatzverteilung der Nord wird sich nicht's großartig ändern, so das die Gesamtkapazität des Stadion dann knapp unter 30.000 liegen wird. Mehr geht nicht, weil man bei mehr als 30.000 für Parkplätze (Tiefgarage, Parkhaus) sorgen müsste. Durch die gestiegene Gesamtkapazität steigt auch die Zahl der für Gästefans zu reservierenden Plätze. Diese sollen alle auf der Nord platziert werden.
Das Ganze soll, zumindest zum Teil, auch über eine Fananleihe finanziert werden. Fananleihen soll es in Abstufungen von €500.000 bis €1910 geben, sie sollen mit 6% verzinst werden.
Trotzdem wird man auf eine Bürgschaft der Stadt angewiesen sein. Für die Bürgschaft hätte die Stadt gerne eine kleine Gegenleistung: Die Domwache soll mit 10 Zellen ins Stadion integriert werden und anders als andere Stadionwachen, auch außerhalb von Spieltagen, also permanent besetzt sein.


Diese Infos kommen -zweiter Hand- vom Infoabend zum Stadionumbau für die Fanclubs auf der Nord. Für die Gegengerade ist ebenfalls ein Infoabend geplant. Dort sollen dann noch weitere Infos über den GG-Umbau folgen, die man den Nordlern nicht vor den Betroffenen geben wollte.
Alles wie gesagt zweite Hand, keine Quellen verfügbar. Korrekturen und Ergänzungen sehr erwünscht.

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Son, when you participate in sporting events,
it's not whether you win or lose... it's how drunk you get.
Homer J. Simpson
Unser Millerntor |#2
20.08.2011 - 12:22 Uhr
Zitat von kiezpirat:
Zitat von abendblatt.de:

Spektakulärer Plan für das Millerntor-Stadion
20.08.2011, 06:06 Uhr Dirk Steinbach und Lutz Wöckener

FC St. Pauli muss sich zwischen zwei Entwürfen für neue Gegengerade entscheiden. Einer hat die Form einer überdimensionalen Welle.


Vollständiger Artikel: http://www.abendblatt.de/sport/fussball/st-pauli/article1997996/Spektakulaerer-Plan-fuer-das-Millerntor-Stadion.html


Wenn man sich den Artikel so durch liest, dann hat der Titel hier doch noch seine Berechtigung ;).

Ich gebe zu, so eine Welle mit 'hängenden' Stehplätzen würde ich schon Klasse finden. Das dürfte dem Millerntor ein Stück seiner unvergleichlichen Atmosphäre zurück geben und es auch wieder unverwechselbar machen. So sehr ich auch die Notwendigkeit der Funktionalität der Süd- und Haupttribüne mit all ihren Logen und Business-Seats anerkenne, um so mehr ärgere ich mich doch immer wieder, dass es von innen heraus mittlerweile wie jedes andere x-beliebige Fußballstadion aussieht. Die Außenfasade der Süd möchte ich da natürlich ausklammern, aber die ist ja von innen eh nicht zu sehen.

Wie auch immer, glaube ich, dass das ganze ein Luftschloss bleiben wird und die ursprüngliche Variante bevorzugt und umgesetzt wird (:rolleyes). Neben den wohl kaum zu stemmenden Mehrkosten in Höhe von 4 Mios (plus x?) ist der Verein meiner Meinung nach zu konservativ und träge um so ein innovatives Projekt ernsthaft anzugehen. Und wenn nicht, wird es bestimmt irgendwelche Fangruppierungen geben, die so ein Projekt totreden können (:rolleyes :rolleyes). Letzteres wäre dann das Worst Case-Szenario.

Zitat von abendblatt.de:
Unter den Vereinsverantwortlichen gibt es bereits erhebliche Meinungsverschiedenheiten, unter den Anhängern dürfte das kaum anders sein. Während die einen die finanzielle Belastung des Kiezklubs so gering wie möglich halten wollen und die Welle als teuren PR-Gag ablehnen, verweisen die anderen auf die Unverwechselbarkeit, die das Millerntor mit der Tribüne umso mehr hätte. Gewellt oder gewöhnlich - eine Glaubensfrage.


Und wie ist es um euren Glauben bestellt ;)?

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Scary times call for a scared man.

Clowns to the left, Jokers to the right.

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Tobster am 20.08.2011 um 12:20 Uhr bearbeitet
Unser Millerntor |#3
21.08.2011 - 10:28 Uhr
Zitat von Alnafur:
Dieser neue Entwurf hat aus meiner Sicht überhaupt nichts mehr mit St.Pauli zu tun und mit Fussball schon gar nicht. Hafen City lässt grüßen.

Schade, gerade bei jemanden wie dir, hätte ich mir eine konstruktivere Diskussion gewünscht.

Wieso hat das nichts mehr mit St.Pauli zu tun? Ist nicht auch die Fassade der Südtribüne mit Backsteinen versehen, um die Nähe zur Speicherstadt darzustellen? Was ist eigentlich aus dem geplanten Anker auf dem Millerntorvorplatz geworden? Warum sollte man als Verein des vermutlich weltbekanntesten Hafenviertels dieses nicht symbolisch mit einer Welle würdigen? Zumal so ein Bau wohl ziemlich einzigartig für ein Fußballstadion wäre. Und in dem "einzigartig", sehe ich hier dann mal nichts Negatives. Wenn ich mich derzeit so durch die Neubauten der Ligen zappe, dann weiß ich nicht mehr ob ich in gerade in Dresden, Aachen oder Duisburg bin. Was also wäre denn falsch, wenn ich dem Millerntor ein unvergleichliches Merkmal gebe?

Zitat von Alnafur:
Viel Spaß all denen, die dann weit oben hinter Käfigen ( wg. der Sicherheit stehen sollen).

Einen Zaun gibt es derzeit auch auf der Gegengerade. Da würde sich vom Feeling her wohl nicht so viel ändern. Allerdings wäre ich da auch auf die Sicherheitskonzepte gespannt.

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Scary times call for a scared man.

Clowns to the left, Jokers to the right.
Unser Millerntor |#4
25.08.2011 - 09:34 Uhr
Zitat von stryckylicki:
Zitat von Deniu:
Ich bin ebenfalls für die Welle. Ein tolles Konzept, es passt zur Hansestadt und verleiht dem Stadion noch mehr individualität. Das Letzte was ich möchte, ist jedes 2. Wochenende in so einem herzlosen Bunker zu hocken wie ihn unsere Nachbarn in Form ihres Volksparks äh AOL Arena, bzw. Imtech (Oder doch HSH Nordbank Arena?) haben...


Aha, erstens unser 1. Stadion trägt den offiziellen Namen Imtech Arena, zweitens deine Meinung das HSV Stadion sei ein herzloses Bunker, wirst du ziemlich exklusiv haben zusammen mit den anderen Fans von St.Pauli und anderen HSV Rivalen. Und drittens du bist nicht lustig. Viertens neutral betrachtet hat der HSV ein sehr schönes Stadion und ein viel schöneres als euers.
Und wenn die Stimmung bei uns Herzlos sein soll, wie ist dann die Stimmung für dich zb bei hoffenheim, wolfsburg oder red bull leipzig? klinisch tod, oder wie?

Ich wäre ja dafür ihr würdet in eurem Stadion noch eine große Ausnüchterungszelle errichten, die auch außerhalb der Spiele genutzt wird, das würde doch zu euch passen und wäre ein toller Extra Service für eure Fans.

Und kann mir mal einer erklären wozu man so eine Wellen-Tribüne braucht, wenn man in paar Jahren äh nur 3 und 4 Liga spielen wird? :p


Süß den, muss man einfach noch mal ganz zitieren. Da versucht sich Jungvolk in Humor. :D

Im Moment würden wir die Ligen tauschen und das ist auch gut so.

Gerade gestern mit einem HSVer telefoniert der ob, des Stadions, des Wegs usw. davon träumte, dass wir die Stadien tauschen. Er konnte verstehen, dass meine Verhandlungsbreitschaft gen Null tendierte.

Wer aber gern mit alkoholisierten sich gegenseitig prügelnden Typen S-Bahn fährt, ist nahe der MVA gut aufgehoben. Ist ja auch aus Pinneberg ganz gut zu erreichen.

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FROSCHsENKEL

Walter war schon cool, als in Deutschland niemand dieses Wort kannte. RIP.
Eine schöne Roth-Händle in Deinem Gedenken.

Unser Millerntor |#5
16.02.2025 - 12:49 Uhr
Wow hier ist ja einiges los.
Das Thema scheint einigen sehr nahe zu gehen, was verständlich ist.

Ich würde hier aber gerne ein paar Dinge aufgreifen.
"Haben wir nicht andere Probleme?"
Wo kommt immer der Glaube her, man muss sich einzig und allein mit einem Thema beschäftigen (in dem Fall das sportliche)? Ich bin mir sicher, dass weder aus Trainerstab, noch aus Manschaftskreisen irgendjemand an der Recherche oder den Diskussionen im größeren Rahmen beteiligt sind. Es waren Mitarbeiter des Museums und OG leitet die Diskussion. Was seine Aufgabe als Präsident ist.

Hier wird gerade einfach nur Whatsaboutism betrieben.
Ich finde es vollkommen fair, die neuen Erkenntnisse genauer anzuschauen und zu bewerten und zur Diskussion freizugeben. Und geschichtliche Aufarbeitung dauert und es sind nunmal nicht alle Ergebnisse sofort da.

Es steht übrigens hier jedem frei in die Diskussion einzutreten und seine Meinung dem Verein über deren Blogbeitrag dazu kundzutun und zu einer Lösung beizutragen.

Ich fänds auch schade, wenn das Lied verschwindet. Ich persönlich kann das Werk und den Autor in diesem Fall trennen. Andere können es vielleicht nicht. Auch die müssen angehört werden. Und am Ende muss dann eine gemeinsame Lösung gefunden werden. Finde einige Verhalten sich, als würde einem kleinen Kind der Lolli geklaut worden. Das tut der Diskussion leider überhaupt nicht gut und driftet einfach nur ins unsachliche.

Edit.
Der Lolli Kommentar wird einer sachlichen Diskussion natürlich auch nicht gerecht, sorry for that tung

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„Einem Sprichwort zufolge ist derjenige im Unrecht, der schreit. Aber wenn ich an der Seitenlinie schreie, habe ich immer Recht!“ Holger Stanislawski

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Harun am 16.02.2025 um 12:54 Uhr bearbeitet
Unser Millerntor |#6
19.02.2025 - 11:36 Uhr
Ich fühle mich fast verpflichtet, mich zu entschuldigen, dass ich mich zu diesem Thema äußere und nach Shakes' Ankündigung den Schritt aus dem Off wage. Aber als sonst stiller Leser ist es angesichts all des Ungesagten kaum auszuhalten.

1. Ich kann die Emotionen und die Abwehr verstehen. Viel Whataboutism und „Wo soll das noch hinführen?“, ohne dass das Thema selbst klar besprochen wird. Die sehr harte Abwehrhaltung gegenüber einer Diskussion mag in den ersten Tagen als affektive Reaktion nachvollziehbar sein – selbst die Pfiffe im Stadion, die ich nicht gutheiße, sollten als Ausdruck der Emotionen in Ordnung sein. Aber die ersten Tage sind nun vorbei – kommen wir zur eigentlichen Debatte.

2. Ich lese Herrn Olligs Biografie bisher deutlich düsterer als beispielsweise geestler. Für nationalsozialistische Medien vor der Machtergreifung zu schreiben, war eine bewusste Entscheidung. Es hätte einer sehr speziellen Konstellation bedurft, um dies aus reiner Not heraus zu tun. Auch Teil der Propaganda zu werden, sehe ich als aktive Handlung. Dennoch halte ich mir ein endgültiges Urteil offen und hoffe auf ein fundiertes Gutachten von Historiker:innen, die das für uns einordnen können. Eine Entscheidung sollte sich darauf stützen. Zwischenrufe – auch vom Präsidenten – mit neuen Kategorien wie „harter Nazi“ empfinde ich als nicht hilfreich.

3. Keine Seite sollte sich in einer klaren Mehrheit sehen, DKlebenslang. Nach meiner Wahrnehmung – und auch nach dem, was ich aus meinem Umfeld mitbekomme (ohne klare Zahlen zu haben) – war die Stimmung im Stadion etwa 50/50. Selbst wenn es ein 70/30 für die bisherige Hymne gäbe, halte ich das nicht für ausreichend. Eine Hymne sollte etwas sein, hinter dem eigentlich alle stehen können – nicht nur eine Mehrheit. Der Anspruch an ein solch prägendes Lied ist hoch.

4. Und selbst wenn Ollig der größte Faschist gewesen wäre – kann man den Text von der Person trennen? Keine Ahnung. Das darf jeder für sich selbst entscheiden. Ich bin da selbst noch ambivalent. Bisher habe ich keine Lust mehr auf das Lied, obwohl es mir viel bedeutet. Aber vielleicht ändert sich das mit der Zeit – ich lasse das einfach auf mich zukommen.


Ich habe deutlich mehr Vertrauen in den Entscheidungsprozess als du, Shakes. Ich glaube auch, dass du deine Entscheidung, dich vom FC St. Pauli abzuwenden, nicht am Ergebnis, sondern am Prozess festmachen solltest. Doch du scheinst dir bereits eine feste Meinung zum Prozess gebildet zu haben – aus deinen Beiträgen lese ich tiefes Misstrauen gegenüber den Verantwortlichen, das ja nicht neu ist.

Ich persönlich finde dein Bild vom Verein nur schwer mit meinem vereinbar. Es wirkt auf mich, als würdest du dir einen unpolitischen FCSP wünschen – was ich in der heutigen politischen Lage mit einer antifaschistischen Haltung nicht vereinbar sehe. Und antifaschistisch meine ich bewusst breit gefasst: nicht im Sinne der „Süd“ und eines radikalen Ausschlusses von Polizisten oder CDU-Mitgliedern (die bekanntermaßen ebenfalls Antifaschisten sein können – auch wenn das manche auf der Süd nicht glauben mögen), sondern schlicht als aktives Handeln gegen faschistische Strukturen.

Das bedeutet zwangsläufig, dass Fehler passieren, dass der Verein manchmal Richtungen einschlägt und sich dadurch angreifbar macht – sei es als „Gutmensch“, „Inkonsistenter“ oder „Klugscheißer“. Das ist das unvermeidbare Schicksal des Handelnden.

In aller Sympathie und als jemand, der deine ablehnenden, aber oft auch klugen und wütenden Beiträge hier schätzt, würde ich mir manchmal eine Art Erlösung wünschen (die du natürlich niemandem schuldig bist). Dass du eine Pointe findest. Wenn das dein Abschied und deine Abwendung vom Verein ist – nun gut. Aber ich würde dich viel lieber als Gegenstimme behalten, als kritischen, aber auch handelnden Teil dieses Vereins. Gegen Vorurteile – auch gegenüber vermeintlichen politischen Gegnern. Aber so, dass du diesen Kampf bewusst und gezielt führst – als wütender Antifaschist, der sich trotzdem nicht in einfache Vorverurteilungen verliert. Dafür müsstest du aber, glaube ich, auch etwas Gemeinsames eingehen: nach innen Dogmatiker angreifen, nach außen sich gemeinsam den faschistischen Strukturen stellen – und dabei Fußball gucken. Da wäre doch Gestaltungsspielraum.

Ich weiß nicht, ob ein Leben ohne St. Pauli sinnlos ist – aber mit ist es auf jeden Fall sehr sinnstiftend. Da bin ich mir sicher.
Unser Millerntor |#7
20.02.2025 - 07:16 Uhr
Wie ich bereits anderswo hier schrieb, habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet. Jedoch glaube ich, dass ich Werk und Künstler voneinander trennen kann.
Trotzdem, und das ist ebenso wichtig: Können es alle anderen ebenso? Falls nicht, und danach sieht es ja aus, ist ein Festhalten an unserer Stadionhymne unmöglich. Weil es nicht tragbar ist wenn sich Fans, während ich mich auf das Spiel einsinge, mit Nazi-Assoziationen und schlechten Gefühlen umherschlagen müssen. Und andere Buh-Rufe und Schmähgesänge skandieren. Während eine Hälfte sich munter ein Astra in den Kopf kippt und in den Armen liegt.

Ich werde das Lied, diese unsere Stadionhymne, schmerzlich vermissen. Weil sie für mich seit jeher dazugehört, den Takt des Stadtteils durch die Boxen in den Gehörgang presst. Gott weiß, wie oft ich dazu in Tränen auf den heiligen Stufen stand.

Ich wäre aber auch nicht beim FC St. Pauli, wenn ich nicht schätzen würde, dass man sich kritisch mit sich selbst auseinandersetzt. Das eben auch die Stadionhymne auf den Prüfstand kommt. Selbst wenn's weh tut. Weil unsere Haltung und Werte eben keine daher gesagten Floskeln sind, wie uns gerne vorgeworfen wird. Im Zweifel führen wir Debatten und treffen Entscheidungen, die mitunter unbequem sind.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wir hier und da mal daneben oder schießen über das Ziel hinaus. Was ich aber zweifelsfrei für mich sagen kann und warum ich Mitglied dieses Vereins bin: Der innere Kompass stimmt.

•     •     •

„Ein Walter Frosch spielt nur in der A-Mannschaft oder in der Weltauswahl“
Unser Millerntor |#8
20.02.2025 - 08:56 Uhr
Zitat von srsly

Ich lese Herrn Olligs Biografie bisher deutlich düsterer als beispielsweise geestler. Für nationalsozialistische Medien vor der Machtergreifung zu schreiben, war eine bewusste Entscheidung. Es hätte einer sehr speziellen Konstellation bedurft, um dies aus reiner Not heraus zu tun. Auch Teil der Propaganda zu werden, sehe ich als aktive Handlung.


Ich habe deutlich mehr Vertrauen in den Entscheidungsprozess als du, Shakes. Ich glaube auch, dass du deine Entscheidung, dich vom FC St. Pauli abzuwenden, nicht am Ergebnis, sondern am Prozess festmachen solltest.


Ich persönlich finde dein Bild vom Verein nur schwer mit meinem vereinbar. Es wirkt auf mich, als würdest du dir einen unpolitischen FCSP wünschen – was ich in der heutigen politischen Lage mit einer antifaschistischen Haltung nicht vereinbar sehe. Und antifaschistisch meine ich bewusst breit gefasst: nicht im Sinne der „Süd“ und eines radikalen Ausschlusses von Polizisten oder CDU-Mitgliedern (die bekanntermaßen ebenfalls Antifaschisten sein können – auch wenn das manche auf der Süd nicht glauben mögen), sondern schlicht als aktives Handeln gegen faschistische Strukturen.


In aller Sympathie und als jemand, der deine ablehnenden, aber oft auch klugen und wütenden Beiträge hier schätzt, würde ich mir manchmal eine Art Erlösung wünschen (die du natürlich niemandem schuldig bist). Dass du eine Pointe findest. Wenn das dein Abschied und deine Abwendung vom Verein ist – nun gut. Aber ich würde dich viel lieber als Gegenstimme behalten, als kritischen, aber auch handelnden Teil dieses Vereins. Gegen Vorurteile – auch gegenüber vermeintlichen politischen Gegnern. Aber so, dass du diesen Kampf bewusst und gezielt führst – als wütender Antifaschist, der sich trotzdem nicht in einfache Vorverurteilungen verliert. Dafür müsstest du aber, glaube ich, auch etwas Gemeinsames eingehen: nach innen Dogmatiker angreifen, nach außen sich gemeinsam den faschistischen Strukturen stellen – und dabei Fußball gucken. Da wäre doch Gestaltungsspielraum.


Ich weiß nicht, ob ein Leben ohne St. Pauli sinnlos ist – aber mit ist es auf jeden Fall sehr sinnstiftend. Da bin ich mir sicher.


Erstmal Kompliment zum und vor allem Dank für den gelungenen und mMn lesenswertem Beitrag - auch wenn ich dir inhaltlich nicht wirklich folge. Aber ich möchte dir gern ausführlich antworten.

Ich gehöre einer Generation an, deren Großeltern erwachsener Teil von Weimar und Nazi-Herrschaft waren. Und ich hatte das Glück, mit Großeltern und Eltern über die vielen persönlichen Erfahrungen aus diesen Jahrzehnten sprechen und diskutieren zu können. Und ich hatte das große Glück, dass diese teils sehr alt wurden, dass ich diese Gespräche auch noch als junger Erwachsener führen durfte.

Ich durfte die Erfahrungen von Menschen erleben, die bürgerkriegsähnliche Umstände im Berlin der 20er erlebt haben, mit Straßenkämpfen zwischen Kommunisten und Faschisten. Die das Plündern von Bauernhöfen erleben mussten und ihre Sehnsucht nach irgendeiner Form von staatlicher Ordnung und dem Folgen von diesbezüglichen Versprechungen.
Von Menschen, denen eine WEITAUS geringere Informationsvielfalt und vor allem -qualität zur Verfügung stand als uns heute. Menschen, die in ihrer Schulzeit keinerlei demokratische Bildung erfahren hatten. Menschen, die die erste deutsche Demokratie als dysfunktional und ihr Leben als von Hoffnungslosigkeit, Armut und Existenzangst erlebt haben. Menschen eben, die leicht von radikalen Populisten zu verführen waren und teilweise auch verführt wurden. Und dies später bitter bereut und zutiefst bedauert haben.
Aber auch Menschen, die gebildet waren, die AH von Beginn an misstraut und aus tiefem christlichen Menschenbild heraus schon wegen seines Antisemitismus abgelehnt haben, dies auch nach 1933 immer wieder öffentlich. Menschen, die mit Glück überlebten, weil sie mächtige Freunde (nicht alle Mächtigen waren Nazis) hatten, die sie schützten.

All diese Menschen waren eben auch Menschen mit Kindern und standen täglich vor der Gratwanderung zwischen Ablehnung des faschistischen Herrschaftssystems und der Angst um sich und ihre Familien.
Väter, die gegen ihren Willen in den Krieg ziehen mussten, die in die Wehrmacht eingezogen wurden (und nicht etwa mit Begeisterung zur SS gelaufen sind), die dafür ihre Familien in der Stadt oder ihrem Hof auf dem Land zurücklassen mussten.
Menschen, die, sofern sie sich als Verführte erlebt haben, zeitlebens damit gehadert und an sich gezweifelt haben.
Und allesamt Menschen, die die Erlebnisse aus Weimar, aus Nazi-Diktatur und Krieg zeitlebens niemals abschütteln konnten und darunter litten.

Hier hat meine Großeltern-Generation meine eigene Entwicklung als politisch denkender Mensch sicher auch mitgeprägt. Mein antifaschistisches Verständnis (das ich selbst nie so bezeichnen und es als thematisch viel zu eng auffassen würde) hat immer auch mit dem Bewusstsein der Verführbarkeit der Menschen und der Sorge davor zu tun. Und die gesellschaftliche Entwicklungder letzten Jahre bestätigt meine Sorge leider viel stärker, als ich es für möglich gehalten hätte.

Ich empfinde die Selbstverständlichkeit bedenklich, mit der Menschen, die vor 80, 90, 100 Jahren gelebt haben, von jenen heute so schnell als Nazi abqualifiziert werden, die selbst die Zeit natürlich nicht erlebt haben, aber vielleicht auch wenig über das Leben der Menschen damals wenig wissen oder - schlimmer noch - wissen wollen.
Dieses eilfertige Schwarz-Weiß-Denken ist in seiner absoluten, selbstverliebten Grundhaltung der der Faschisten oder ihren Followern absurderweise leider nicht unähnlich.
Antifaschismus ist nicht deswegen richtig, weil er gegen das Falsche ist. Es gibt nämlich viel mehr falsche als richtige Wege.
Extremismus hingegen kann nie ein richtiger Weg sein, weil er Mensch ausschließt und nur Gegen- statt Miteinander schafft.

Dass ich mir einen unpolitischen FC St. Pauli wünsche, ist schlicht falsch. Meine Zeit beim FC St. Pauli begann in den späteren 80ern, als Pauli ein Gegenpol zu Rechtsradikalen und Gewalt-Hools in anderen Stadien bildete. Als Helmut Schulte Bananen ins Publikum warf, während anderswo Spieler mit Affengegrunze verhöhnt wurden.
Aber ich wünsche mir einen FC St. Pauli, dessen Haltung (wieder) mehr von Ehrlichkeit geprägt ist. Der ausgeprägte Kuschelkurs mit Straf- und Gewalttätern vor allem unter Göttlich hat mich schon immer mehr als nur irritiert. Er ist imA entweder schlicht falsch oder aber sogar kalkuliert und damit besonders verwerflich.

Wer schon etwas mehr von dieser Welt gesehen hat, wird womöglich wie ich schnell zu dem Schluss kommen, dass dieses Land und sein System nicht perfekt aber doch ziemlich, ziemlich gut ist. Viele Länder mit so guten oder gar besseren demokratischen Strukturen, sozialen Sicherungssytemen und einer immer noch überwiegenden Willkommenskultur für Hilfsbedürftige wird man nicht finden. Das heißt natürlich nicht, dass man nichts verbessern könnte oder sollte. Insgesamt aber darf man sehr dankbar über das Glück sein, hier leben (und politischer Mensch sein) zu dürfen.
Daher verordne ich mich als ein solcher politischer Mensch sehr klar auf dem Boden des Grundgesetzes.

Nach meiner festen Überzeugung bekämpft man Rechtsextremismus aus einer stabilen demokratischen Mitte heraus, die offen für Gedanken und Sorgen von Menschen ist und dennoch in den gesellschaftlichen Werten stabil bleibt. Man bekämpft ihn nicht erfolgreich durch Kontra-Extrmismus. Der ist zwar einfach, dient am Ende aber nur einer simplen Selbstverordnung auf einre entgegengesetzten aber nur scheinbar deswegen richtigen Seite, bedient am Ende persönliche Eitelkeiten aber nicht die Notwendigkeiten zum Schutz von Demokratie und Freiheitlichkeit und Offenheit. Er spaltet die Gesellschaft nur weiter.

Ich habe es ja schon öfter angemahnt: Der FC Sankt Pauli unter der Leadership von Göttlich betreibt in meinen Augen sehr oft genau die populistische Symbolpolitik, die ich gegenwärtig Menschen wie z. B. M*rz oder S*der vorwerfen muss.
Da wird rumgeiert, wenn Menschen unter dem Deckmantel politischen Protestes einen ganzen Stadtteil zu einem Bürgerkriegsschauplatzes machen wollen, wenn diese Polizisten von Dächern mit Beton- oder Steinplatten bewerfen.
Da wird seit Jahren die schützende Hand über Menschen in der Süd gehalten, die Taten zum Schaden der anderen Fans und des Vereins verüben.
Auch beim Bullen-Bashing ist Herr Göttlich ja gern und vorschnell bei der Hand. Hauptsache, die eigene Klientel wird bedient. Schuld sind immer die anderen, nie die in den angeblich eigenen Farben. Da passt die Duldung der Umtriebe der USP nur zu gut ins Bild.

Göttlich betreibt im Kleinen eine ähnliche Spaltung, wie sie andere Kräfte an unserer ganzen Gesellschaft vornehmen. Aber es ist eben keine Abspaltung von Extrmisten, es ist ein gegenseitiges Bedienen. Es ist ein Profitieren der Extremisten im eigenen Stadion durch die schützende Hand von oben und eine sichere Fanbese, die man ja zur Stimmungsmache und Wiederwahl braucht.

Zur aktuellen Situation rund um das pöhse Nazi-Lied und den Verweis auf die heutige politische Lage:
FALLS man sich wirklich in seiner antifaschistischen Haltung auf eine (ja auch von mir so wahrgenommene sehr besorgniserregende) Entwicklung in unserer politischen Landschaft berufen möchte, dann frage ich mich, wo ist denn hier der wirksame Bezug zur und in der Gegenwart?

Warum geben denn Vereinsvertreter zum Beispiel eben jener Zeitung Interviews, die seit mehreren Jahren aktiv unser demokratisches System zu destabilisieren sucht, die nationalistische und nationalkonservative Kräfte befördert, in dem sie deren Narrative und Wordings übernimmt und verbreitet, indem sie deren Hass und Hetze als Multiplikator dient? Und dies ob seiner Verbreitung auch überaus erfolgreich tut?
Warum gibt man deren Vertretern Akkreditierungen?
Warum zeigt man da nicht die so gern für sich in Anspruch genommene "klare Kante"? Da würde sie meiner Meinung nach hingehören? Da könnte man ein deutliches und ein wirksames Zeichen setzen.
Warum also nicht?
Vielleicht, weil man sich mit diesen Kräften nicht anlegen möchte?
Vielleicht, weil man deren Reichweite für die Verbreitung der eigenen (Wirtschafts-)Marke nutzt?
Vielleicht, weil man eben eigene Interessen hat?

Kann man ja so machen. Aber dann verbietet sich mMn der arrogant erhobene moralische Zeigefinger, den man so gern auf andere richtet; noch dazu, wenn - wie in diesem Fall - die Zielobjekte für den Finger seit Jahrzehnten tot und ihr fragliches Handeln natürlich noch viel länger her ist.

Nein, hier verurteilt der Herr Präsident den Texter schon im TV als "harten Nazi". Deswegen sehe ich hier in ihm auch keinen Moderator eines offenen Prozesses. Das entscheidende Wording ist schon getätigt und damit die Meinung vieler festgelegt. Die Grundlegung für "Hymne muss nicht nur Teile der Fans sondern deren Gesamtheit hinter sich haben" ist damit schon entzogen.
Göttlich hatte mal wieder seinen Moment der selbstverliebten öffentlichen Positionierung gegen ein Rechts, das hier vielleicht gar nicht vorhanden ist. Wichtigtuerei ist viel wichtiger als Relevanz und Fakten.
Da, wo es weh tut oder gar etwas bewirkt, da positioniert sich ein Göttlich natürlich nie. Weder auf der einen, noch auf der anderen Seite.

Werte haben nur Wert, wenn man sie glaubwürdig mit Inhalt fült, wenn man sie glaubwürdig lebt. Menschen wie Göttlich besitzen diese Glaubwürdigkeit in meinen Augen nicht, und damit geht auch dem Verein seine Glaubwürdigkeit verloren. Genau deswegen habe ich auch anders als du eben überhaupt kein Vertrauen in Göttlich als Amtsträger in unserem Club.

Eben weil ich auch meinen Club nicht unpolitisch sehen kann, habe ich ein so großes Problem mit dem platten Populismus, den sein führender Vertreter nach meiner Auffassung betreibt.
Eben deswegen bedrückt mich die Doppelzüngigkeit und Unehrlichkeit, die ich in der Diskrepanz aus Reden und Handeln beobachte.
Irgendwann läuft jedes Fass nunmal über.
Ich will mich nicht gemein machen, mit den Club repräsentierenden Menschen, die ihren Antifaschismus als einen Extremismus leben (lassen) und befeuern, der faktisch aber vor allem eigene Bedürfnisse bedient und nichts, wirklich nichts Wirksames gegen den aufkommenden Faschismus leisten kann. Um deine Worte aufzugreifen: Ich kann mich nicht gegen die Dogmatiker (ich nenne sie lieber Populisten) nach innen wenden und dann glaubwürdig nach außen neben ihnen stehen.

Ein Austritt aus meinem Club wäre/ist natürlich etwas, das der Verstand steuern und den man faktisch vollziehen kann. Was mir dann von meinem Pauli in meinem Herzen (ja wie im bösen Nazi-Song) bleibt, kann ich, ganz Nick Hornby folgend, nicht vorhersagen. Aber permanente Fremdscham schlägt die Identifikation wie ein kleiner Meißel Stückchen für Stückchen ab und lässt am nicht viel übrig.
Ein "Erlösung", wie du schreibst, könnte vermutlich eine personelle und damit inhaltliche Neuverordnung des Clubs bringen, und eine anti-extremistische Ausrichtung anstelle eines willfährigen "eine-Hand-wäscht-die-andere"- Agreements, Glaubwürdigkeit durch Kongruenz von Worten und Handeln.
Eigenartiger Weise wird das präsidiale Narrativ, dass "politisch" gleichbedeutend mit "extremistisch" ist, hier ja nur wenig hinterfragt.
Aber eigentlich brauche ich auch keine Erlösung.

Auch ein Leben ohne den FC St. Pauli kann bestimmt sehr sinnstiftend sein. Auch und gerade für politisch denkende Menschen.
Aber der Fußballclub mit den Irvines, Smiths, Bolls, Meggles & Co würde mir schon fehlen.

Beste Grüße und Forza für die Guten!

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Die Elbe, der Michel, der Kurs ist immer gut. St. Pauli, die Freiheit, das liegt uns so im Blut,
und hat das Lebensschiff ein Leck, in Hamburg bleiben wir an Deck, in Hamburg, da bleiben wir an Deck

Wem die Freiheit im Blut liegt, der lässt sich seine Meinung nicht von irgendwelchen Führern vorkauen. Nirgendwo, auch nicht im Fußball!

Das Herz von Sankt Pauli wird auch die überdauern, die Sankt Pauli das Herz austreiben wollen.

Unser Millerntor |#9
20.02.2025 - 14:48 Uhr
Moinsen!

Ich möchte allen Beteiligten für die sehr guten, sehr reflektierten Beiträge danken!
Ich kann wirklich bislang alle die sich zu diesem mMn schwierigen Thema zu Wort gemeldet haben wirklich gut nachvollziehen.

@Shakes Es wäre wirklich schade, wenn Du Dich vom Verein wegtreiben lassen würdest, weil Du mit dem Präsidium über Kreuz liegst. Ich finde das Präsidium auch irgendwo zwischen gut und blöd, je nachdem was gerade passiert. Aber es heißt ja nicht ohne Grund Verein (!) und so sollten doch bitte alle Antifaschisten bei uns eine Heimat haben und nicht nur diejenigen, die in jeder Hinsicht und für alle ohne Fehl und Tadel sind. (Dann wird das auch eine sehr einsame Veranstaltung im Stadion)

Da es bei dem Lied um den Verein als Ganzes geht, bin ich auch eher bei denen, die sagen, dass das nicht funktioniert, wenn es uns auseinander treibt und nicht zusammenführt. Denn der Kern des Liedes war für mich immer, dass wir uns alle im Stadion beim gemeinsamen Singen zuhause gefühlt haben.

Auch wenn es mir wichtig ist, sich Symbole nicht von Nazis nehmen zu lassen. Wenn das Andere nicht hinbekommen wird es halt schwierig. Und generell ist es komplett unwahrscheinlich irgendetwas Älteres zu finden, was sich nicht in irgendeiner Form kompromittieren lässt. Denn an der ganzen Sch...haben halt sehr sehr viele mitgemacht und darüber hinaus, wie Erich Kästner richtig geschrieben hat, sind auch diejenigen mitschuldig, die das Ganze nicht mit verhindert haben...warum auch immer...

Also, hoffen wir auf den ergebnisoffenen Prozess und die Erkenntnis des Präsidiums, dass das Stadion nicht nur aus der USP besteht (auch wenn sie gerne mal entsprechend laut sind) und wir etwas finden sollten wohinter sich alle versammeln können. Was es dann auch immer am Ende wird.
Unser Millerntor |#10
21.02.2025 - 07:16 Uhr
Das wir in Teilen unterschiedliche Haltungen in dieser Debatte einnehmen, zeigt doch eigentlich erst, dass der Verein funktioniert. Das wir gewiss keine homogene Masse sind, "die Zecken" oder in was für Schubladen man uns nur zu gerne steckt. Nur mit solch' diversen Positionen kann ein Meinungsbildungsprozess funktionieren - ohne sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. Das ist etwas, dass mir zeigt, wie richtig ich bei diesem Verein bin.
Ich würde es doch aufs schmerzlichste Vermissen, wäre es anders. Bestünde dieses Stadion nur aus der Südkurve mit USP. Nein, es braucht die Jungen und die Alten, die Stadionwurst-Esser und vegane-Schnitzel-Besteller, die Sitzer und Steher, die armen und Reichen. Es braucht die Anzugträger und die in der Kutte. Welche mit Parker und Bärten und die in Jogginghose und North-Face-Jacken. Bunte Vögel und Schwiegermutters Liebling.
Die muss man gewiss nicht alle lieben. Genauso wie ihre unterschiedlichen Herangehensweisen bei Themen. Doch am Ende stehen wir alle gemeinsam in den Kurven und Geraden, heben zusammen unsere Schals in Vereinsfarben. Dafür verzichte ich auf dieses Lied, auch wenn's schwer fällt.

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„Ein Walter Frosch spielt nur in der A-Mannschaft oder in der Weltauswahl“
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