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Kader- und Systemthread 2016/2017 (Bundesliga)

30.04.2016 - 09:09 Uhr
Zitat von Schwarzwaldmarie

Spontan fällt mir die 1. Bundesligasaison ein, in der man zum Schluß zwar nicht abgestiegen ist, aber 4-5 Spieltage vor Saisonende ziemlich aussichtslos zurück lag und man mit 1,5 Beinen wieder in der 2 Liga war. Auf diese Saison würde das Motto "In Schönheit sterben, viel zu wenig Punkte" jedenfalls gut passen.


Das Beispiel hinkt da ein wenig. Natürlich, weil der SC nicht abgestiegen :o) ist und weil das Team damals einen Systemischen Vorteil hatte, gerade der Beginn der Finke-Ära war davon geprägt und man konnte mit einer Mannschaft, die individuell unterlegen war in der Liga mithalten. Das ganze sah dann auch noch schön, offensiv aus und es begründete sich der Breisgau-Brasilianer Mythos.

Für mich spielt aber auch noch eine übergeordnete Entwicklung eine Rolle. Offensive und Defensive Spielsysteme wechseln sich in der Gunst ab. Auf Phasen in denen offensive Systeme den Vorzug bekommen, folgen Zeiten in d nen das destruktive, defensive dominiert. Auf These folgt Antithese. Diese Zyklen lassen sich auch gut an den großen Meisterschaften ablesen. Im letzten Jahrzehnt, als (verkürzt) die Barca-Schule dominiert hat, war Mourinho mit seiner defensiven Ausrichtung die Antithese. Nach dem goldenen Jahrzehnt des offensivfussballs spanischer Prägung, hat man spätestens bei der EM die Gegenbewegung gesehen.
Sie hat uns die3er/5er-Kette beschert.

Jetzt scheint auch der Freiburger Trainer mit dieser Entwicklung mit zu gehen, zumindest als Option.
Ich erinnere auch noch, dass die 3er-Kette hier von vielen begrüßt wurde, weil so mehr taktische Flexibilität gegeben sei.
(Das was wir sehen, ist aber wahrscheinlich nicht das Ergebnis, was sich viele erhofft haben)

Spannende Frage von Cookie zwinker ob es Beispiele gibt für eine schöne Spielweise, die im Abstieg endete. Hab ich keine parat, dafür habe ich Haufenweise Beispiele für Rumpelfußball (unschöner Begriff) der mit Klassenerhalt belohnt wurde.

Anmerkung: Vor der groß/Kleinschreibung am Pad kapituliert.

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Disclaimer: Ich kann mich irren - andere sich auch.

Alles am Mobilen, deshalb verzeiht die Tipper

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Don_Quixote am 11.04.2017 um 23:32 Uhr bearbeitet
Wie so oft hat Keks in Teilen recht, aber vergisst die Einordnung ins große Ganze. Und das ist echt schade für jemanden, der ein Spiel so vernünftig analysieren kann.

In der gesamten Bundesliga, Gomez hat es beispielsweise schon angesprochen und es gibt viele Veröffentlichungen darüber bei spielverlagerung und co, gibt es nur noch eine handvoll Vereine, die eigenständig das Spiel machen, die selbst einen möglichst gepflegten Spielaufbau praktizieren. Spoiler alert: die Vereine zahlen ein Vielfaches dessen pro Jahr für Spieler, was der SC in den vergangenen Jahren insgesamt ausgegeben hat. Bayern, Dortmund, Leipzig, zu Teilen Hoffenheim, zu Teilen Gladbach.

Warum? Wie Don_Quichote gut erklärt, gibt es Zyklen im taktischen Fussball. Mancher kennt noch den Libero, jeder die Dominanz der Viererkette, in den letzten Jahren die absolute Dominanz des 4-2-3-1 im Weltfussball, irgendwann liefen die Spitzenvereine ohne echte 9 auf, dann wieder.. Man hat aktuell erkannt, dass die Kosten/ Aufwand, gegen die bisher dominanten Systeme (würde hierbei 4-2-3-1 nennen, auch unser 4-2-2-2), ähnlich gepflegten Fussball im Aufbau zu spielen wie bisher, in keinem Verhältnis stehen, da genannte Systeme genau gegen das sehr geeignet sind (noch besser sogar das sehr destruktive 5-2-2-1). Lass den Gegner machen, stelle geschickt die Räume zu, kontere bei Ballgewinn blitzschnell mit einem Wandspieler und schnell nachrückenden Spielern. So kamen Darmstadt und Ingolstadt letztes Jahr sensationell zum Klassenerhalt, so spielen Köln, Hertha, Frankfurt, younameit. Ohne eigenen Aufwand.

Welche Konsequenzen hat das für den SC? (Jetzt kommt der Punkt, an dem ich die Kritik von Keks für völlig unseriös erachte) - nunja, der SC hat Spieler, die allesamt ihre Stärken, vor allem aber auch ihre Schwächen haben. Sonst wären sie für uns nicht finanzierbar, würden nicht bei uns spielen. Jetzt kommst du in Liga 1, spielst sogar noch einen verhältnismässig gepflegten Ball, brauchtest aber schon in Liga 2 viel Ruhe und viele Anläufe, um den Ball gezielt nach vorne zu bringen. Einfach, weil du keinen Ribery oder Robben, keinen Reus hast, sondern einen Haberer, einen Bulut, einen Niederlechner. Die alle ihre Stärken haben, aber eben auch ihre Schwächen, in der Ballverarbeitung, Technik, Entscheidungsfindung - nicht auf dem Niveau. Und du spielst gegen Vereine, die ihr System soweit angepasst haben an die Bedingungen der aktuellen Taktik, dass das System darauf ausgelegt ist, bei Ballgewinn schnell umzuschalten. Siehe Köln Hinrunde. Siehe Mainz Hinrunde. War man spielerisch die bessere Mannschaft? Ganz klar! Hat man gepunktet? Nicht mal ansatzweise. Wolsburg, mit klarer individueller Stärke, hat gegen uns in der Hinrunde auch genau so gewonnen - die haben nicht das Spiel gemacht!

Dazu kommen noch Spiele gegen individuell klar besser besetzte Mannschaften, die nicht darauf angewiesen sind, sich dem Systemwahn gegen den durchschnittlichen Gegner anzupassen. Dortmund, Leipzig. Man hat mitgehalten, aber doch recht chancenlos.

Als weiteres Beispiel - vorerst aus der Hinrunde - nehme ich noch das Gladbach-Spiel. Die haben gegen den SC eben nicht die "normale" Taktik gewählt, die man mittlerweile so wählt, sondern gedacht, gegen einen Absteiger kann man das auch so. Wie das ausging, gegen eine CL-Mannschaft, hat sicherlich noch jeder im Kopf. Der SC hat dabei selbst ein Hybrid aus kompakt stehen und selbst Fussball spielen angewandt, wie man es insgesamt in dieser Saison fantastisch (!) hinkriegt.

Keks haut eine überbordende Kritik an der fussballerischen Idee des SC Freiburg raus, man spiele nicht Fussball, sondern hole die Punkte mit Antifussball. Das stimmt über die Saison gesehen einfach nicht. Der SC - und damit auch Streich - schafft es, wie kaum eine andere Mannschaft, sich an die Begebenheiten der aktuellen Entwicklung anzupassen. Spiele, die man in der Hinrunde deutlich (aber unverdient!) verloren hat, wie Hertha, Köln, Wolfsburg, Mainz, die werden in der Rückrunde gewonnen. Man spielt nicht überragenden Fussball, man hat die Punkte nicht mit Hurrafussball verdient (teilweise waren das auch Spiele, die man nicht gewinnen muss, darf, natürlich) - aber man hat daraus gelernt, dass sich eben diese Mannschaften mit eben diesem Rümpelfussball selbst ihre Punkte holen gegen Mannschaften, die stur darauf bestehen, den Ball gepflegt nach vorne zu bringen. Schuster im Interview bestätigt meine Einschätzung auch sehr deutlich - ein Mittel gegen solche Mannschaften, die ihr eigenes Spiel komplett darauf ausgelegt haben, gegen einen sich durchkombinierenden Gegner anzutreten, also mit Ballgewinnen und schnellem Umschaltspiel zu agieren, ist es, selbst den Ball zu überlassen, aber in Zonen, in denen es nicht gefährlich ist. Auf Mainz bezogen: den Ball häufig mal hoch nach vorne zu spielen, zu spekulieren, dass sich ein IV verschätzt, dann aber auf die zweiten Bälle oder das hohe Pressing zu setzen. Selbst haben diese Mannschaften keinen Spielplan, so traurig das ist, aber genau das war die letzten Wochen oft zu sehen. Was haben Augsburg, Hertha, Wolfsburg, Mainz und Co mit dem Ball selbst angefangen? War DAS hochklassiger Fussball?

Keks und viele andere haben den SC vor Wochenfrist in akute Abstiegsnot geredet. Jetzt beschwert man sich über die Art, Fussball zu spielen - nach Siegen gegen Wolfsburg und Mainz, in denen man sich an die Fehler aus der Hinrunde angepasst hat. In der Hinrunde hat man dort 0-3 und 2-4 verloren, war jeweils die fussballerisch bessere Mannschaft, hat dem Gegner aber in die Karten gespielt. Es fehlt mit Philipp, Stenzel, mit Abstrichen Höfler zudem die fussballerische Qualität - technisch vermutlich neben Grifo die besten Spieler im Kader - und dann wird erwartet, dass man mit einem schwächeren Kader als in der Hinrunde die selben Fehler begeht? Da gehe ich einfach nicht mit.


12, 13 von 18 Mannschaften in der Bundesliga spielen Fussball, der wenig eigenes Gesicht hat, keinen Ballbesitzfussball, sondern ein auf den Gegner und Ballgewinne zugeschnittenes System. Der SC, als Aufsteiger, als Mannschaft, die weniger Gehalt zahlt als 15, 16 andere Vereine der Bundesliga, mit Spielern, die 1, 2 Millionen gekostet haben, wofür andere vergleichbare (!) Vereine nicht mal ein Jahresgehalt für solche Spieler bezahlen können, spielt Bundesliga. Auf Platz 6 derzeit.

Und in meinen Augen spielt der SC sogar noch einen gepflegteren Fussball als weit über die Hälfte. Bei uns sieht man ein System, wenn man den Ball selbst hat. Der grundsätzliche Versuch, aufzubauen, zu verschieben, Lücken zu suchen. Wenn man sieht, dass der Gegner sich darauf eingestellt hat - mit Spielern, die eben jeweils mehr wert sind, mehr verdienen, auch mehr individuelle Klasse haben - gibt es jetzt auch einen Plan B, der sich an die aktuelle Entwicklung anpasst. Auch mal spekulativ nach vorne schlagen, dem Gegner den Ball überlassen, situativ pressen, im Vertrauen darauf, dass man gemeinsam die individuellen Schwächen verarbeiten kann, zusammen läuft, verschiebt.

Unabhängig davon, was die kommenden Spiele fussballerisch bieten werden - ohne Grifo und Philipp wird das automatisch schlimm anzusehen, da noch mehr individuelle Stärke verloren geht, die bei eigenem Ballbesitz und Spielaufbau unablässig ist - bin ich absolut stolz darauf, was die Mannschaft geleistet hat in dieser Saison. Auch fussballerisch, und da stehe ich im strengen Widerspruch zu Keks. Man lese nur mal in diversen Foren quer, wo jegliches fussballerisches Konzept vermisst wird. Da wird oft - und zurecht - auf den SC verwiesen. "Die können das, warum nicht wir, obwohl unsere Spieler viel besser sind" - und ja, der SC kann das tatsächlich. Nicht jede taktische Einstellung sitzt, nicht jeder Pass, nicht jede Ballannahme. Spieler, bei denen das technische sitzt und die die Taktik annehmen, sind unfassbar begehrt und spielen nicht mehr lang beim SC Grifo, Philipp und Co. Damit werden wir noch einige Zeit leben müssen. Und bis dahin wird der Keks nicht über 34 Spiele Hurra-Fussball sehen - würde er das, mit der aktuellen Truppe, ohne sich auf die Entwicklung im Fussball einzustellen - dann wäre der Abstieg garantiert. Aber dann hätte immerhin jemand das recht zu behaupten "das hab ich schon vor der Saison gesagt".
Ey, Waschkarten-Kollege, solltest du dich nicht um deine Uni oder den Haushalt kümmern, statt so einen Roman zu schreiben? ugly

Kleiner Spaß. Du hast alles gesagt, was mir auch als Erwiderung zu Butterkeksfan auf der Zunge lag. Und sogar noch mehr. Viel mehr.

Ich finde es ja grundsätzlich gut, Wasser in den Wein zu kippen und BKF hat auch sicher in einigen Punkten recht, dass er die hier anspricht. Bemerkenswert finde ich nur, dass es sehr viel Wasser ist. Ich mein - wir stehen auf Platz 6, es ist Mitte April, wir sollen aber trotzdem nur ein einziges gutes Spiel gemacht haben? Und das ja nicht nur in dieser Saison, sondern ja quasi in der gesamten Ära Streich, die ersten eineinhalb Jahre von ihm, BKF, bewusst ausgeklammert?
Nein, das ist mir zu falsch, zu wenig die kontinuierliche Aufbauarbeit würdigen. Aufbauarbeit, die sowohl im Sportlichen,also am Kader geleistet wurde, gerade nach dem letzten Abstieg, sondern auch im administrativen und infrastrukturellen Bereich.

3 Euro ins fette fiese Phrasenschwein, aber Fußball ist ein Ergebnissport. Wir machen das, was wir können und das in dieser Saison richtig richtig gut, denn sonst würden wir nicht dort stehen, wo wir stehen.

Spannend wäre zu wissen, ob BKF all das nicht auch mal würdigt und sich über einen Sieg freuen kann, der wie gegen Mainz sicher nicht in Glanz und Gloria rausgespielt wurde, der aber immerhin das nächste Jahr in der Bundesliga gesichert hat, oder ob er griesgrämig auf dem Sofa sitzt und sich darüber ärgert, dass er wieder keinen Hurra-Fußball gesehen hat.
Waschkarte ist ein wohltuende, differenzierte SC-Beschreibung gelungen. Dafür herzlichen Dank.
Während Butterkeksfan mit einem groben Schlachtwerkzeug bei der Arbeit war, war ihm daran gelegen, mit feinsten Operationsbesteck, die wichtigen und objektiven Gesichtspunkte freizulegen.

Im übertragenen Sinn: Nach getaner Arbeit von BKF, war der Patient nicht mehr lebensfähig. Nach der Behandlung von Waschkarte sehr wohl, sogar putzmunter.
...OP-Besteck hin, Schlachtermesser her, ich bin froh, dass beide uns via Forum an Ihren Gedanken um den SC teilhaben lassen.

Als nur sehr gelegentlich schreibender hauptamtlicher Mitleser deshalb von meiner Seite mal herzlichen Dank euch beiden - und natürlich auch allen anderen, die durch ihre konstruktiven Diskussionsbeiträge das Forum bereichern.

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Das Brennchen birnt noch
Zitat von Lmeischterle
...OP-Besteck hin, Schlachtermesser her, ich bin froh, dass beide uns via Forum an Ihren Gedanken um den SC teilhaben lassen.

Als nur sehr gelegentlich schreibender hauptamtlicher Mitleser deshalb von meiner Seite mal herzlichen Dank euch beiden - und natürlich auch allen anderen, die durch ihre konstruktiven Diskussionsbeiträge das Forum bereichern.


Ich bin ganz deiner Meinung. Beide sind nicht wegzudenken und für Butterkeksfan hatte ich auch schon des öfteren lobende Worte übrig. Ein konstant kritisch schreibendes "Raubein", das keine Kameraden kennt.Lachend
An ihn haben sich schon einige Teilnehmer (vergeblich) abgearbeitet. Er blieb/bleibt sich treu.

Aber eins ist klar, wenn ein uninformierter Leser (evtl. vom Mars kommend), seine SC-Schelte liest, kann er nur glauben, der Verein stünde unmittelbar vor dem Abstieg. Das soll nur kurz erwähnt werden, um die Verhältnismäßigkeit zu wahren.smile
Ich habe jetzt leider nicht die notwendige Zeit für einen ausführlichen Kommentar. Der kommt vielleicht am Freitag. Worauf ich hinweisen will: Man schaue sich mal bei den Spielen, die man in der Vorrunde wegen angeblich zu aktiver Spielweise verloren hat (Mainz, Köln, Wolfsburg), die Rolle der Standards an. Dann erklären sich die Niederlagen relativ einfach. Dann noch beachten, dass man in diesen Spielen im Gegensatz zu vielen anderen eine schwache Chancenverwertung hatte, jeweils hätte selbst in Führung gehen können. Chancenverwertung ist nun mal das, was sich am schwersten steuern lässt.
Ich denke, ich sollte mal verdeutlichen, was ich auf dem Platz sehen möchte und was nicht.

Will ich „Hurra-Fußball“, was auch immer das genau ist? Sicherlich nicht. Technische Spielereien als Selbstzweck finde ich genauso unsinnig wie systemloses Agieren. Blind ins Verderben rennen, natürlich will ich das nicht.

Eine Mannschaft muss kompakt agieren, die Mannschaftsteile in sich und miteinander abgestimmt sein. Sie sollte das, gerade in Heimspielen, aber nicht tief in der eignen Hälfte, sondern mit Angriffspressing weit vorne. So hat ein gewisser Streich in den ersten 1,5 Jahren seiner Cheftrainertätigkeit spielen lassen. Dafür braucht man nicht mal technisch gute Spieler. Gerade, wenn man fußballerisch schwach ist, ist das die beste Möglichkeit, um zu Chancen zu kommen, wenn die Ballgewinne möglichst nahe am gegnerischen Tor stattfinden. Durchkombinieren von hinten? Mit der aktuellen SCF-Mannschaft ein meistens grausames Unterfangen. Hat der Gegner nun Angst vor Ballverlusten und holzt die Bälle unter Druck weg, hat man eine gute Chance, diese meistens ungenauen Bälle in der Abwehr zu gewinnen und hat den Vorteil, dass die eigenen Offensivspieler sofort im vorderen Drittel positioniert sind.

Generell finde ich eine der schlimmsten Dinge im Fußball, wenn man sich im Nachhinein vorwerfen kann oder muss, nicht alles versucht zu haben. Wie oft sieht man Spiele zweier abwartender Mannschaften, bei der eine mehr oder weniger zufällig in Führung geht und die andere nicht mehr zurückkommt? Das finde ich schrecklich. Dann doch lieber das Schicksal aktiv in die eigene Hand nehmen und vorne drauf gehen, wenn es schon fußballerisch keine Lösungen gibt.

Man wird im Fußball nie Glück / Pech und Zufall ausschließen können. Aber es sollte doch das Ziel jeder Mannschaft, jeden Trainers sein, den Einfluss dieser Dinge zu minimieren. Und das sehe ich beim SCF in dieser Saison nicht. Man ist abhängig von Glück, man hat, gerade in den letzten Wochen, einen Glückslauf, der nicht auf eigene Aktivität, sondern auf zufällige Fehlentscheidungen und Chancenwucher ansonsten nicht abschlussschwachen Teams gerade in den Spielen gegen den SCF zurückzuführen ist. Wie es kommen kann, wenn es dann mal anders läuft, hat das Spiel gegen Werder mit einem 0:1 aus einer Nicht-Chance, dem 0:2 aus der ersten richtigen Chance, dem 0:3 aus einem Glückskopfball und dem 1:4 durch Schiedsrichtermithilfe auf allerkrasseste Weise gezeigt.

Nach diesen Grundgedanken aktiven Agierens, wenn der Gegner den Ball hat, der auf jede fitte Rumpelmannschaft anwendbar ist, kommt der spielerische Aspekt hinzu. Selbst das Spiel aufbauen, Ballbesitz nicht als Übel, sondern als Sicherheit (Gegner kann kein Tor schießen) und Möglichkeit, selbst zu treffen, anzusehen.

Ich halte das Trainieren aktiver Spielgestaltung mit Ball für notwendig, weil man es einfach braucht. Das ist für mich ein höchst pragmatischer Ansatz. Was es hilft es, nur das Spiel des Gegners zu zerstören und auf Umschaltchancen zu hoffen, wenn man dann dennoch zwangsläufig immer wieder in Rückstand gerät und zwangsläufig auch mit Ball agieren muss? Dieses Übel des modernen Fußballs, dass Mannschaften vor lauter Zerstörungs-Wahn kaum Antworten haben, wenn sie hinten liegen, trennt langfristig erfolgreiche und nicht erfolgreiche Vereine und Spieler.

Und es ist sonnenklar: Aktiv das Spiel machen, Ballbesitz als was Positives zu sehen, ist viel schwieriger als zu Zerstören. Es ist extrem mühsam, kann extrem frustrierend sein. Ich erwarte hierbei gerade bei kleinen Vereinen keine „Gala“, sondern Probleme in der Umsetzung. Man braucht einen langen Atem. Nur: Ist es nicht noch viel frustrierender, wenn man in Rückstand gerät oder zwangs Tabellenstand zwingen gewinnen muss, keine Antwort zu haben, weil das Konzept es nicht vorsieht?

Daher bin ich absolut überzeugt: Mannschaften, die sowohl ohne als auch mit Ball aktiv sind, haben einen Vorteil vor den reinen Zerstörer-Umschaltern. Weil sie nicht von einem Rückstand aus allen Wolken gerissen werden, sondern einfach weiter spielen können. Leider zeigt der SCF in der Rückrunde weder Aktivität mit als auch ohne Ball und liefert sich Glück-Pech-Zufall in einem für mich sehr gefährlichem Maße aus.

Als Beispiel sei Gladbach unter Favre genannt. In der ersten Zeit war das eine reine Umschaltmannschaft, die er rettete und dann auf Rang 3 führte. Favre hat aber erkannt, dass es so dauerhaft nicht für oben reichen würde und hat gezielt mit dem für den Verein zur Verfügung stehenden Mitteln Spieler wie Xhaka und Raffael geholt, um selbst auf alle Anforderungen vorbereitet zu sein. Eine Überraschungssaison haben viele Vereine hinbekommen, dass dann (mit Wellenbewegungen, klar) zu halten, trennt den Spreu vom Weizen.

Im ersten Moment mag es anstrengender sein, mit dem Ball zu agieren, Siege von reagierenden gegen agierenden Mannschaften mögen „ohne großen Aufwand“ aussehen. Sobald der Ball aber gut laufen gelassen wird, dreht es sich um, die verteidigende Mannschaft muss die langen Wege gehen, wird ausgezehrt.

Hat man als kleiner Verein die Möglichkeit, auch mit Ball auf aktives Spiel zu setzen? Ja. Kann man eine Dominanz wie die Bayern ausüben? Nein.

Was müsste man tun, um als SC Freiburg wieder zurück zu kommen zu einer spielerischen Ausrichtung? Man müsste gezielt Spieler (auch aus dem nicht deutschsprachigen Ausland) im eigenen Preissegment holen, die anderswo Schwächen haben, aber ihre Stärken klar im spielerischen Bereich. Und nicht nur einen oder zwei, sondern genug, um damit die Mannschaft zu prägen. Keine Guedes, Buluts, Abrashis, Ignjovskis etc. Was nicht heißt, dass dann überspitzt zehn 1,72 Meter große 64 Kilogramm schwere Feinmechaniker auf dem Platz stehen. Natürlich braucht es eine Mischung und es kann ja durchaus Sinn machen, Spieler mit fußballerischen Schwächen und anderen Stärken dabei zu haben. Es geht nicht um eine reine Lehre, sondern um Realismus. Der Kader des SCF zeigt in der Hinsicht meines Erachtens ein deutliches Missverhältnis zuungunsten der Spielkultur.

Ganz wichtig wäre auch der psychologische Aspekt, Ballbesitz nicht als Strafe, sondern als Chance zu sehen. Und nicht beim ersten Gegenwind die Ausrichtung zu ändern, sondern weiter zu machen, Nuancen anzupassen. Seltsamerweise wird eine passive Ausrichtung ja auch nicht gleich in Frage gestellt, wenn es mal wieder schief geht.

Natürlich gibt es auch Graubereiche, wenn ich von aktiven und passiven Mannschaften schreibe, ist das zur Vereinfachung. Standards habe ich jetzt komplett ausgespart. Diese spielen auch für mich eine herausragende Rolle.

Zusammenfassend: Die Mindestanforderung für vor allem Heimspiele ist für mich, ins offensive Pressing zu gehen, selbst Verantwortung zu übernehmen, sich nach dem Spiel nicht zu passives Verhalten vorwerfen zu müssen. Darüber hinaus wünsche ich mir, weil es die Erfolgsaussichten meines Erachtens deutlich verstärkt, weil es einem unabhängiger vom Spielstand macht, auch mit Ball aktives Gestalten. Die bessere Optik des Spiels ist dabei positiver Nebeneffekt, nicht Selbstzweck.
Das kann ich sehr gut nachvollziehen und ist in den allgemeinen Ausführungen auch so ziemlich exakt das, wie ich mir Fußball vorstelle.
Ich finde aber nachwievor deine Rückschlüsse zum SC falsch, weil du halt immer noch auf der Linie bist, der SC stünde quasi nur mit Glück auf Platz 6. Und ich finde schon, dass man da relativieren muss. Ich will ja nicht widersprechen, dass viele Punktgewinne auch glücklich waren. Allerdings ist es auch Glück, dass man sich erarbeitet hat.
Wir spielen ja nicht destruktiven Rumpelfußball in dieser Saison, Streich verfolgt halt nur eine etwas andere Philosophie, als du sie dir vorstellst. Und letzten Ende ist er damit seit 1,5 bzw. seit fast 2 Jahren sehr erfolgreich damit. Das ist ein Faktum, das man nicht wegdiskutieren kann. Die Schlussfolgerung, dass das quasi ausschließlich Glück war, ein paar gute Standards und in dieser Saison nur ein gutes Spiel - joa, nee, das ist mir zu billig und geht an der Realität vorbei.
Ich würde sagen, Streich hat nach dem unnötigen Abstieg (da sind wir uns wohl alle einig), seine Lehren gezogen. Das bedeutet zwar, dass er vielleicht nicht mehr so offensiv spielen lässt, wie in der ersten Phase seiner Amtszeit. Aber es bedeutet eben auch, dass wir relativ konstant (und für einen Aufsteiger überraschend konstant) punkten und zu keinem Zeitpunkt in Abstiegsgefahr geraten sind. Fußball ist nunmal auch ein Ergebnissport. Die aktuelle Ausrichtung führt zu guten Ergebnissen. Und das sollte doch dann eigentlich jedem SC-Fan gefallen.
Zitat von Butterkeksfan

Eine Mannschaft muss kompakt agieren, die Mannschaftsteile in sich und miteinander abgestimmt sein. Sie sollte das, gerade in Heimspielen, aber nicht tief in der eignen Hälfte, sondern mit Angriffspressing weit vorne. So hat ein gewisser Streich in den ersten 1,5 Jahren seiner Cheftrainertätigkeit spielen lassen. Dafür braucht man nicht mal technisch gute Spieler. Gerade, wenn man fußballerisch schwach ist, ist das die beste Möglichkeit, um zu Chancen zu kommen, wenn die Ballgewinne möglichst nahe am gegnerischen Tor stattfinden.




Glückwunsch, du hast das Spiel Fussball gelöst. Du brauchst keine technisch starken Spieler, nein, du musst nur früh pressen und schon hast du gute Siegchancen. Das hat ja vor 5 Jahren auch super geklappt!

Und genau hier, lieber Keks, hast du einen wesentlichen Punkt aus meinem Beitrag einfach nicht verstanden oder aufgenommen. Oder aufnehmen wollen, ich weiß es nicht.

Wie du dich vielleicht selbst fragen könntest - wenn es denn so leicht wäre, warum spielt dann nicht jede Mannschaft so? Am Ende.. ist es vielleicht gar nicht so leicht?!

Du hast erkannt, dass das System vor 5, 6 Jahren beim SC sehr gut funktioniert hat. Zwei Leute gehen auf die IV drauf, die Aussenspieler stellen die AV zu und Teile der Wege zu den DM, das eigene DM schiebt hoch drauf und die technisch wackligen IV kriegen Probleme. Wenig später hat das auch Dortmund gespielt und absolut perfektioniert, zudem mit "Gegenpressing", also dem sofortigen Draufgehen nach Ballverlust im vorderen Drittel.

Warum spielt das also nicht jede Mannschaft so, wenn man dazu nicht mal technisch fertige Spieler braucht? Ein wesentlicher Punkt ist, dass sich die Systeme darauf eingestellt haben. Nahezu jede Mannschaft lässt einen DM zurückfallen oder spielt sofort mit Dreierkette. Dadurch schaffen es die Offensiven nicht (jedenfalls wenn man nur mit den beiden nominellen Stürmern presst), den gesamten Raum zuzustellen. Die AV schieben ein, es gibt Überzahl im Mittelfeld. Ist deine Pressingreihe überspielt, hat der Gegner Räume. Aus der "besten Möglichkeit, Tore zu erzielen" wird gegen eine geübte Mannschaft mittlerweile schnell eine Unterzahl oder Unordnung hinten.

Wichtig hierbei ist auch zu beachten, dass sich der Typus IV (wie auch zwischenzeitlich die 9) geändert hat. Heutzutage ist es wichtiger, technisch beschlagen zu sein, druckresistent, den Aufbau gut zu organisieren, als nur und einzig Zweikämpfe zu gewinnen. Vorreiter hierbei war übrigens auch mit unser SC!


Im Übrigen, zum Rest, nur kurz: der SC gehört zum oberen Drittel der Mannschaften, die mit dem Ball tatsächlich einen Spielaufbau betreiben. Ich weiß wirklich nicht, was du sehen willst vom SC. Du forderst guten Fussball, mit Ballbesitz (wozu man technisch gut sein muss) und frühem Pressing (dazu muss man nicht technisch gut sein, wie du selbst sagst, aber laufstark). Gegen Mannschaften, die auch alle auf dem Platz stehen und zu 90% mehr Geld zur Verfügung haben, sich Spieler zu holen. Unsere Spieler müssen laufstark sein (für konstantes oder zumindest häufiges Pressing) und kicken können (sonst kannst du gegen hochklassige Gegner kein konstruktives Spiel aufziehen) - und gleichzeitig im Budget des SC liegen. Du forderst die eierlegende Wollmilchsau und verstehst nicht mal, dass du das tust. Und da verlierst du mich regelmäßig bei deiner Kritik - du forderst und kritisierst, machst dies aber rein auf den SC bezogen, ohne das Verständnis, dass man den SC im Verhältnis zu seinen Mitbewerbern sehen muss. Spieler, die das können müssen, was du forderst, siehst du beim SC schlicht und ergreifend nur kurz und nur mit sehr viel Talent und Geschick beim Scouting, sowie harter Arbeit an ihnen - und auch die Transferpolitik kritisierst du konstant, obwohl man genau solche Spieler konstant für wenig Geld holt (Haberer, Grifo, Philipp, Söyüncü).
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