Gib mich die Kirsche! Der Talkthread
18.01.2025 - 13:04 Uhr
24.12.2025 - 22:23 Uhr
Ich wünsche allen hier im Forum absolut ruhige, friedliche, besinnliche und gegenüber jedermann/frau verständnisvolle Weihnachtsfeiertage.
25.12.2025 - 16:28 Uhr
Euch allen ein ein Frohes Fest und ein tolles Jahr 2026. Bleibt Gesund und genießt die ruhigen Tage 💥💫
27.12.2025 - 12:47 Uhr
Ich hatte Weihnachtswünsche geschickt.
Und jetzt komme ich mit denen zum Neuen Jahr.
Allen hier wünsche ich ein gutes, erfolgreiches und gesundes Neues Jahr 2026! Kommt gut rein!
Und jetzt komme ich mit denen zum Neuen Jahr.
Allen hier wünsche ich ein gutes, erfolgreiches und gesundes Neues Jahr 2026! Kommt gut rein!
27.12.2025 - 14:29 Uhr
Hhhmmm, es gibt noch Weihnachtsplätzchen. Und unterm Baum liegt noch ein Geschenk für Euch..Ich überbringe Euch nämlich den nächsten Teil meiner Zeitreise.
Los geht es wieder mit den Nachträgen:
1994:
Damals war Mark´Oh sehr angesagt in den Charts. Den mochte ich auch sehr. Und den sah ich auch live in der Disko.
Ich war 22 und hatte nun keinen Opa mehr.
Meine Freundin aus dem Nachbarkreis war auch arbeitslos. Sie entschloss sich, an der Abendschule ihr Abitur nachzumachen. Sie hatte zu DDR-Zeiten wie ich auch keinen Sinn darin gesehen. Aber sie sagte mir immer, dass es nach mehreren Jahren raus aus dem Stoff schwer gewesen sei. Aber wenigstens ließ sie das Arbeitsamt in der Zeit mit Maßnahmen in Ruhe, so dass sie sich auf ihr Abitur konzentrieren konnte. Das habe ich später bei einem jungen Mann mal anders erlebt. Da war dann Hartz 4, und er machte es auch an der Abendschule nach. Die Arge wies ihm zeitgleich einen Vollzeitlehrgang zu. Das war kaum unter einen Hut zu bekommen. Und bei der Vollzeitmaßnahme wurde noch gelästert, er habe doch abends Zeit. Er wusste kaum noch, wann er die Hausaufgaben machen und lernen sollte. Er fehlte dann unentschuldigt ein paar Tage und bekam Sanktionen. Das fand ich heftig von der Arge, man sollte doch froh sein, dass er das Abitur angehen wollte. Er hätte aber zum Arzt gehen müssen.
Papas Wach- und Schließgesellschaft schloss ja. Und bevor er beim Essen auf Rädern anfing, bekam er nacheinander gleich vier Stellenangebote vom Arbeitsamt.
Das erste war eine Gruppenveranstaltung, das war für drei Monate ein Abriss eines VEB-Geländes. Im Einzelgespräch sagte man ihm, ihm fehle der Schweißerpass. Er bekam die Absage.
Das zweite war Produktionshelfer. Der Personalchef sagte gleich, dass er keine Älteren einstelle. Damals gab es diesbezüglich noch keine Gesetze.
Das dritte war ein Kaufhausdetektiv. Da kam eine Absage nach dem Gespräch.
Und beim vierten sollte er den Parkplatz einer Disko bewachen und ansonsten im Lager arbeiten. Bevor das entschieden wurde, hatte er aber den Job bei Essen auf Rädern angenommen.
Michael Schumacher gewann seinen ersten Formel-I-Weltmeistertitel im Benetton.
Und nun gehen wir genau 30 Jahre zurück.
Thema heute ist:
1995: Hallo Urlaub!
Das war der große Wunsch, den ich mir 1995 erfüllte. Ich wollte endlich mal in eine Ferienregion fahren. Ich hatte 5 Jahre andere Dinge vorgezogen, das war hauptsächlich die Arbeitssuche. Ich hatte zwar 1995 auch keine Arbeit, aber ich fand heraus, wie kurzfristig man buchen konnte. Mutti meinte, ich könne doch an einer Gruppenreise teilnehmen. Ich ging ins Reisebüro. Da bot mir die Frau einen Kurzurlaub in Tirol an, der auf Anfänger ausgelegt war. Ich buchte den, meldete das beim Arbeitsamt. Ich war trotzdem ganz schön aufgeregt. Aber es wurde ein hervorragender Urlaub. Ich war erstmals in einem Hotel. Aus DDR-Zeiten konnte ich nur Haus, Bungalow oder Wohnwagen. Und ich werde nie vergessen, als ich das erste Mal die Alpen sah. So hohe Berge hatte ich noch nie live gesehen. Aber am Ende habe ich mich auch geärgert. Wieso hatte ich fünf Jahre vergeudet? Mutti sagte aber, da mache ich halt in den nächsten fünf Jahren jeweils eine Reise mehr, dann habe ich es wieder rein.. Und die teuersten Reisen müssen es ja nicht sein. Und so machte ich das dann auch.
Im Frühjahr stand plötzlich ein Ex-Arbeitskollege von Papa vor der Tür und bot ihm einen Job an. Das war nun das, wo immer behauptet wurde, sowas passiere im Kapitalismus nicht, dass jemand nach Hause kommt und Arbeit anbietet. Doch, Papa hatte an diesen Ex-Kollegen nie gedacht. Er war Büroleiter in einem Gartenbaubetrieb geworden und suchte jemanden zur Grünlandpflege, der seinen Pkw und seinen Anhänger nutzen kann. Die Konditionen waren hervorragend: 100 Prozent Westlohn, obwohl die Firma im Osten war und ostdeutsche Besitzer hatte. Er bekam einen Arbeitsvertrag, aber im Winter musste er zum Arbeitsamt. Er kündigte den Halbtagsjob bei Essen auf Rädern und fing hier an.
Nun brauchte er aber den Wartburg, der eine Anhängekupplung hatte.
Wir merkten, dass Oma nun körperlich immer mehr abbaute. Zu Terminen musste ich sie fahren. Jetzt brauchten wir noch ein Auto. Mutti hatte in ihrer Firma eine Kundin, die in einem Autohaus arbeitete. Sie vermittelte uns einen Vorführwagen zum Kauf. Der Kleinwagen war wirklich ein Schnäppchen.
Und ich hatte wieder ein skurriles Vorstellungsgespräch. Mutti hatte in ihrer Firma von einer freien Stelle in einer Autowerkstatt erfahren und mir das Gespräch vermittelt. Das war abends angesetzt. Als ich da war, kam keiner. Ich fuhr nach Hause und rief ihn an. Der Chef hatte das Gespräch vergessen. So einen Fall hatte ich später sogar nochmal. Hier nun wurde ein zweiter Termin angesetzt, an einem Sonntag Vormittag. Der Chef sagte, er suche dringend jemanden, seine Schwiegertochter bekomme in ein paar Wochen ein Kind. Wieso hatte er da nicht längst jemanden? Er sagte, er habe keine Ahnung vom Büro, könne keinen Computer anschalten. Und die Arbeit türme sich bereits im Büro. Da könne ich ja gleich mal anfangen. Jetzt fragte ich, wie das mit der Einarbeitung läuft. Wen kann ich da fragen? Da schnauzte er mich an, seine Schwiegertochter könne das nicht, sie habe schon Arbeitsverbot. Seit wann wusste er denn von der Schwangerschaft? Ich nahm ein paar Zettel vom Stapel. Da waren Mahnungen. Wen konnte ich da fragen? Er meinte, er arbeite ein. Er hatte aber kurz vorher gesagt, dass er davon keine Ahnung habe. Ich fragte bei einer Rechnung nach. Da wurde er frech, er wusste es nämlich nicht. Dann zischte er, meine erste Arbeit sei sowieso, die Fenster in der Autowerkstatt zu putzen. Er war sehr ungehalten. Damit war ich sowieso raus. Heute frage ich mich, wie viele da vor mir schon waren. Das Thema Einarbeitung ist sowieso meine Achillesferse. Ich hatte die schlechte Erfahrung bei meinem ersten Job gemacht, wo mich niemand eingearbeitet hatte.
In den Diskos fanden damals oft Misswahlen statt. Ich hatte sogar mal eine Misterwahl gesehen. Und 1995 sah ich Scooter live. 1995 versetzte mich mal ein Typ. Und am Jahresende lernte ich meine erste große Liebe nach der Wende dort kennen.
Mit Oma wurde es nun so schlimm, dass wir Pflegegeld beantragen mussten. Wir bekamen das, aber erstmal nur befristet. Ich änderte wieder meine Verfügbarkeit auf Teilzeit beim Arbeitsamt. Das Geld blieb gleich, ich hatte ja vorher auch nur Teilzeit gearbeitet. 1995 war die Pflegeversicherung eingeführt worden, jetzt bekam ich zusätzlich Rentenpunkte für die Pflege. Beim Arbeitsamt wies man mich aber daraufhin, dass ich weiterhin Angebote von ihnen bekomme. Das war doch okay.
Am Jahresanfang hatte ich mich um eine Umschulung beworben. Da musste ich u.. a. einen Fragebogen ausfüllen. Da ging es auch um die Gesundheit. Ich gab an, dass ich mal die Rückenschmerzen in der Lehre hatte, seitdem aber nicht mehr. Und daraus machten sie einen Elefanten. Ich musste zum Medizinischen Dienst, der das bestätigte, der Arzt empfahl eine Rehamaßnahme. Das Arbeitsamt verwies mich auf die Krankenkasse. Die lehnte aber ab, da die Beschwerden ja nicht aktuell waren. Sie verwiesen auf die Rentenversicherung. Die lehnte auch ab, weil ich nicht die nötige Vorversicherungszeit hatte. So kam es zurück zum Arbeitsamt. Die machten mich zum Rehafall. Und ich bekam ein Bewerbungstraining als Rehamaßnahme aufgedrückt. Was hatte das mit Reha zu tun?
Es war ein sogenannter 41 a-Lehrgang, der war nach einem Paragraphen benannt und einer der wenigen, der Teilzeit lief. Den Niedersachsen-Lehrgang hatte ich damals 1990 mit voller Begeisterung absolviert. Aber ich merkte danach, dass er mir nichts gebracht hatte trotz bester Zensuren. Und nun war ich von Lehrgängen nicht mehr begeistert. Wer das nicht mache, bekomme das Geld gestrichen, bekam man gleich gesagt. Ort war ein entlegenes Dorf hier im Osten, wo ein VEB-Komplex leer stand. Da hatte man ein Schulungszentrum eingerichtet.
Es war zum Jahresende, als es los ging, es dauerte vier Wochen. Der Lehrgang war eine Katastrophe. Am ersten Tag kam der Chef der Einrichtung an, ein abgehobener Mann aus Hessen. Er stellte sich in den Mittelpunkt. Wir sollten raten, wieso er in den Osten gekommen sei. Das interessierte aber keinen Menschen. Dann sagte er, er habe heute keine Zeit. Es war auch kein anderer Dozent vorgesehen. Er legte die Videokamera hin. Wir sollen einen Film drehen, um uns kennenzulernen. Schon da entwickelte sich eine explosive Stimmung. Es wurde viel gequatscht und schnell gestänkert. Die etwas älteren Frauen zischten schnell, wir jungen sollen uns ab in den Westen machen. Sie Alte brauchen hier die Stellen. Und die jungen Frauen waren meist aus der Stadt. Ich hatte bis dahin keine Ahnung, wie sehr sich bei uns schon eine Assi-Szene rausgebildet hatte. Die hatten einen fürchterlichen Umgangston. Und ich fragte mich, wie ich hier vier Wochen durchhalten soll. Meine Banknachbarin war ein widerliches Weib. Jeden Tag Ratschläge, was ich beruflich machen soll. Sie sollte doch bitte vor der eigenen Tür kehren. Ich kannte aus diesem Kurs nur eine einzige Frau aus der Nachbarstadt, die war an meiner POS gewesen. Schon da war sie verrufen! Sie bestätigte es auch hier mit ihrem Verhalten.
An den nächsten Tagen kam eine Frau als Dozentin (aus dem Osten). Die sollte mit uns Bewerbungen schreiben. Ich verstehe darunter, dass man dann auch mal eine Frage stellen kann. Als ich das tat, zischte sie mich an: „Da lassen Sie sich mal etwas einfallen“ und verschwand. Sie kam aber nicht wieder zu mir. Wozu sitze ich dann im Lehrgang? Wusste sie das selber nicht?
Dann kam der Chef wieder. Er kündigte an, für ein Kommunikationstraining eine alte Studienfreundin aus der Schweiz zu holen. Wir fragten uns, ob das nicht auch eine von hier unterrichten kann. Er wollte doch diese Frau nur wiedersehen. Die Dame fing an mit einer Frage an uns. „Wie fühlt man sich denn als Arbeitslose?“ Ohne Worte! Der Unterricht war fade, das hätte jeder andere Dozent auch so hinbekommen. Der Chef sagte ihr dann am Ende, er wolle heute Abend mit ihr essen gehen.
Zum Glück bekam ich dann die Grippe und war die restlichen drei Tage krank. Das Teilnahmezertifikat bekam ich mit der Post zugeschickt. Die 17 Tage waren Strafe genug. Das war also die Rehamaßnahme. Ich erzählte das später beim Arbeitsamt. Sie ließen mich gar nicht ausreden. Und immer wieder: Sowas sei zumutbar, und wenn ich das nicht wolle, dann sperre man mir das Geld! Die nahmen sich nie Kritik an. Und es fiel noch etwas auf: Ich hatte in diesem Lehrgang nicht eine einzige Freundin. Aber ich bekam einen Anruf, ob ich mich mit der Gruppe nochmal treffen wolle. Nie im Leben!
Henry Maske eroberte nun auch die Musikcharts. Conquest of paradise von Vangelis wurde durch ihn zum Tophit.
Israels Ministerpräsident Rabin wird ermordet. Er hatte sich so um den Friedensprozess mit den Palästinensern bemüht.
Es gab das Massaker von Srebrenica.
Oskar Lafontaine entmachtet Rudolf Scharping in der SPD und wird Parteivorsitzender.
Und im TV sah ich Dr. Stefan Frank und Für alle Fälle Stefanie.
Im nächsten Jahr behandele ich zuerst 1996. Da zieht etwas Neues bei mir ein.
Einen guten Rutsch ins Neue Jahr wünscht die Coco.
Los geht es wieder mit den Nachträgen:
1994:
Damals war Mark´Oh sehr angesagt in den Charts. Den mochte ich auch sehr. Und den sah ich auch live in der Disko.
Ich war 22 und hatte nun keinen Opa mehr.
Meine Freundin aus dem Nachbarkreis war auch arbeitslos. Sie entschloss sich, an der Abendschule ihr Abitur nachzumachen. Sie hatte zu DDR-Zeiten wie ich auch keinen Sinn darin gesehen. Aber sie sagte mir immer, dass es nach mehreren Jahren raus aus dem Stoff schwer gewesen sei. Aber wenigstens ließ sie das Arbeitsamt in der Zeit mit Maßnahmen in Ruhe, so dass sie sich auf ihr Abitur konzentrieren konnte. Das habe ich später bei einem jungen Mann mal anders erlebt. Da war dann Hartz 4, und er machte es auch an der Abendschule nach. Die Arge wies ihm zeitgleich einen Vollzeitlehrgang zu. Das war kaum unter einen Hut zu bekommen. Und bei der Vollzeitmaßnahme wurde noch gelästert, er habe doch abends Zeit. Er wusste kaum noch, wann er die Hausaufgaben machen und lernen sollte. Er fehlte dann unentschuldigt ein paar Tage und bekam Sanktionen. Das fand ich heftig von der Arge, man sollte doch froh sein, dass er das Abitur angehen wollte. Er hätte aber zum Arzt gehen müssen.
Papas Wach- und Schließgesellschaft schloss ja. Und bevor er beim Essen auf Rädern anfing, bekam er nacheinander gleich vier Stellenangebote vom Arbeitsamt.
Das erste war eine Gruppenveranstaltung, das war für drei Monate ein Abriss eines VEB-Geländes. Im Einzelgespräch sagte man ihm, ihm fehle der Schweißerpass. Er bekam die Absage.
Das zweite war Produktionshelfer. Der Personalchef sagte gleich, dass er keine Älteren einstelle. Damals gab es diesbezüglich noch keine Gesetze.
Das dritte war ein Kaufhausdetektiv. Da kam eine Absage nach dem Gespräch.
Und beim vierten sollte er den Parkplatz einer Disko bewachen und ansonsten im Lager arbeiten. Bevor das entschieden wurde, hatte er aber den Job bei Essen auf Rädern angenommen.
Michael Schumacher gewann seinen ersten Formel-I-Weltmeistertitel im Benetton.
Und nun gehen wir genau 30 Jahre zurück.
Thema heute ist:
1995: Hallo Urlaub!
Das war der große Wunsch, den ich mir 1995 erfüllte. Ich wollte endlich mal in eine Ferienregion fahren. Ich hatte 5 Jahre andere Dinge vorgezogen, das war hauptsächlich die Arbeitssuche. Ich hatte zwar 1995 auch keine Arbeit, aber ich fand heraus, wie kurzfristig man buchen konnte. Mutti meinte, ich könne doch an einer Gruppenreise teilnehmen. Ich ging ins Reisebüro. Da bot mir die Frau einen Kurzurlaub in Tirol an, der auf Anfänger ausgelegt war. Ich buchte den, meldete das beim Arbeitsamt. Ich war trotzdem ganz schön aufgeregt. Aber es wurde ein hervorragender Urlaub. Ich war erstmals in einem Hotel. Aus DDR-Zeiten konnte ich nur Haus, Bungalow oder Wohnwagen. Und ich werde nie vergessen, als ich das erste Mal die Alpen sah. So hohe Berge hatte ich noch nie live gesehen. Aber am Ende habe ich mich auch geärgert. Wieso hatte ich fünf Jahre vergeudet? Mutti sagte aber, da mache ich halt in den nächsten fünf Jahren jeweils eine Reise mehr, dann habe ich es wieder rein.. Und die teuersten Reisen müssen es ja nicht sein. Und so machte ich das dann auch.
Im Frühjahr stand plötzlich ein Ex-Arbeitskollege von Papa vor der Tür und bot ihm einen Job an. Das war nun das, wo immer behauptet wurde, sowas passiere im Kapitalismus nicht, dass jemand nach Hause kommt und Arbeit anbietet. Doch, Papa hatte an diesen Ex-Kollegen nie gedacht. Er war Büroleiter in einem Gartenbaubetrieb geworden und suchte jemanden zur Grünlandpflege, der seinen Pkw und seinen Anhänger nutzen kann. Die Konditionen waren hervorragend: 100 Prozent Westlohn, obwohl die Firma im Osten war und ostdeutsche Besitzer hatte. Er bekam einen Arbeitsvertrag, aber im Winter musste er zum Arbeitsamt. Er kündigte den Halbtagsjob bei Essen auf Rädern und fing hier an.
Nun brauchte er aber den Wartburg, der eine Anhängekupplung hatte.
Wir merkten, dass Oma nun körperlich immer mehr abbaute. Zu Terminen musste ich sie fahren. Jetzt brauchten wir noch ein Auto. Mutti hatte in ihrer Firma eine Kundin, die in einem Autohaus arbeitete. Sie vermittelte uns einen Vorführwagen zum Kauf. Der Kleinwagen war wirklich ein Schnäppchen.
Und ich hatte wieder ein skurriles Vorstellungsgespräch. Mutti hatte in ihrer Firma von einer freien Stelle in einer Autowerkstatt erfahren und mir das Gespräch vermittelt. Das war abends angesetzt. Als ich da war, kam keiner. Ich fuhr nach Hause und rief ihn an. Der Chef hatte das Gespräch vergessen. So einen Fall hatte ich später sogar nochmal. Hier nun wurde ein zweiter Termin angesetzt, an einem Sonntag Vormittag. Der Chef sagte, er suche dringend jemanden, seine Schwiegertochter bekomme in ein paar Wochen ein Kind. Wieso hatte er da nicht längst jemanden? Er sagte, er habe keine Ahnung vom Büro, könne keinen Computer anschalten. Und die Arbeit türme sich bereits im Büro. Da könne ich ja gleich mal anfangen. Jetzt fragte ich, wie das mit der Einarbeitung läuft. Wen kann ich da fragen? Da schnauzte er mich an, seine Schwiegertochter könne das nicht, sie habe schon Arbeitsverbot. Seit wann wusste er denn von der Schwangerschaft? Ich nahm ein paar Zettel vom Stapel. Da waren Mahnungen. Wen konnte ich da fragen? Er meinte, er arbeite ein. Er hatte aber kurz vorher gesagt, dass er davon keine Ahnung habe. Ich fragte bei einer Rechnung nach. Da wurde er frech, er wusste es nämlich nicht. Dann zischte er, meine erste Arbeit sei sowieso, die Fenster in der Autowerkstatt zu putzen. Er war sehr ungehalten. Damit war ich sowieso raus. Heute frage ich mich, wie viele da vor mir schon waren. Das Thema Einarbeitung ist sowieso meine Achillesferse. Ich hatte die schlechte Erfahrung bei meinem ersten Job gemacht, wo mich niemand eingearbeitet hatte.
In den Diskos fanden damals oft Misswahlen statt. Ich hatte sogar mal eine Misterwahl gesehen. Und 1995 sah ich Scooter live. 1995 versetzte mich mal ein Typ. Und am Jahresende lernte ich meine erste große Liebe nach der Wende dort kennen.
Mit Oma wurde es nun so schlimm, dass wir Pflegegeld beantragen mussten. Wir bekamen das, aber erstmal nur befristet. Ich änderte wieder meine Verfügbarkeit auf Teilzeit beim Arbeitsamt. Das Geld blieb gleich, ich hatte ja vorher auch nur Teilzeit gearbeitet. 1995 war die Pflegeversicherung eingeführt worden, jetzt bekam ich zusätzlich Rentenpunkte für die Pflege. Beim Arbeitsamt wies man mich aber daraufhin, dass ich weiterhin Angebote von ihnen bekomme. Das war doch okay.
Am Jahresanfang hatte ich mich um eine Umschulung beworben. Da musste ich u.. a. einen Fragebogen ausfüllen. Da ging es auch um die Gesundheit. Ich gab an, dass ich mal die Rückenschmerzen in der Lehre hatte, seitdem aber nicht mehr. Und daraus machten sie einen Elefanten. Ich musste zum Medizinischen Dienst, der das bestätigte, der Arzt empfahl eine Rehamaßnahme. Das Arbeitsamt verwies mich auf die Krankenkasse. Die lehnte aber ab, da die Beschwerden ja nicht aktuell waren. Sie verwiesen auf die Rentenversicherung. Die lehnte auch ab, weil ich nicht die nötige Vorversicherungszeit hatte. So kam es zurück zum Arbeitsamt. Die machten mich zum Rehafall. Und ich bekam ein Bewerbungstraining als Rehamaßnahme aufgedrückt. Was hatte das mit Reha zu tun?
Es war ein sogenannter 41 a-Lehrgang, der war nach einem Paragraphen benannt und einer der wenigen, der Teilzeit lief. Den Niedersachsen-Lehrgang hatte ich damals 1990 mit voller Begeisterung absolviert. Aber ich merkte danach, dass er mir nichts gebracht hatte trotz bester Zensuren. Und nun war ich von Lehrgängen nicht mehr begeistert. Wer das nicht mache, bekomme das Geld gestrichen, bekam man gleich gesagt. Ort war ein entlegenes Dorf hier im Osten, wo ein VEB-Komplex leer stand. Da hatte man ein Schulungszentrum eingerichtet.
Es war zum Jahresende, als es los ging, es dauerte vier Wochen. Der Lehrgang war eine Katastrophe. Am ersten Tag kam der Chef der Einrichtung an, ein abgehobener Mann aus Hessen. Er stellte sich in den Mittelpunkt. Wir sollten raten, wieso er in den Osten gekommen sei. Das interessierte aber keinen Menschen. Dann sagte er, er habe heute keine Zeit. Es war auch kein anderer Dozent vorgesehen. Er legte die Videokamera hin. Wir sollen einen Film drehen, um uns kennenzulernen. Schon da entwickelte sich eine explosive Stimmung. Es wurde viel gequatscht und schnell gestänkert. Die etwas älteren Frauen zischten schnell, wir jungen sollen uns ab in den Westen machen. Sie Alte brauchen hier die Stellen. Und die jungen Frauen waren meist aus der Stadt. Ich hatte bis dahin keine Ahnung, wie sehr sich bei uns schon eine Assi-Szene rausgebildet hatte. Die hatten einen fürchterlichen Umgangston. Und ich fragte mich, wie ich hier vier Wochen durchhalten soll. Meine Banknachbarin war ein widerliches Weib. Jeden Tag Ratschläge, was ich beruflich machen soll. Sie sollte doch bitte vor der eigenen Tür kehren. Ich kannte aus diesem Kurs nur eine einzige Frau aus der Nachbarstadt, die war an meiner POS gewesen. Schon da war sie verrufen! Sie bestätigte es auch hier mit ihrem Verhalten.
An den nächsten Tagen kam eine Frau als Dozentin (aus dem Osten). Die sollte mit uns Bewerbungen schreiben. Ich verstehe darunter, dass man dann auch mal eine Frage stellen kann. Als ich das tat, zischte sie mich an: „Da lassen Sie sich mal etwas einfallen“ und verschwand. Sie kam aber nicht wieder zu mir. Wozu sitze ich dann im Lehrgang? Wusste sie das selber nicht?
Dann kam der Chef wieder. Er kündigte an, für ein Kommunikationstraining eine alte Studienfreundin aus der Schweiz zu holen. Wir fragten uns, ob das nicht auch eine von hier unterrichten kann. Er wollte doch diese Frau nur wiedersehen. Die Dame fing an mit einer Frage an uns. „Wie fühlt man sich denn als Arbeitslose?“ Ohne Worte! Der Unterricht war fade, das hätte jeder andere Dozent auch so hinbekommen. Der Chef sagte ihr dann am Ende, er wolle heute Abend mit ihr essen gehen.
Zum Glück bekam ich dann die Grippe und war die restlichen drei Tage krank. Das Teilnahmezertifikat bekam ich mit der Post zugeschickt. Die 17 Tage waren Strafe genug. Das war also die Rehamaßnahme. Ich erzählte das später beim Arbeitsamt. Sie ließen mich gar nicht ausreden. Und immer wieder: Sowas sei zumutbar, und wenn ich das nicht wolle, dann sperre man mir das Geld! Die nahmen sich nie Kritik an. Und es fiel noch etwas auf: Ich hatte in diesem Lehrgang nicht eine einzige Freundin. Aber ich bekam einen Anruf, ob ich mich mit der Gruppe nochmal treffen wolle. Nie im Leben!
Henry Maske eroberte nun auch die Musikcharts. Conquest of paradise von Vangelis wurde durch ihn zum Tophit.
Israels Ministerpräsident Rabin wird ermordet. Er hatte sich so um den Friedensprozess mit den Palästinensern bemüht.
Es gab das Massaker von Srebrenica.
Oskar Lafontaine entmachtet Rudolf Scharping in der SPD und wird Parteivorsitzender.
Und im TV sah ich Dr. Stefan Frank und Für alle Fälle Stefanie.
Im nächsten Jahr behandele ich zuerst 1996. Da zieht etwas Neues bei mir ein.
Einen guten Rutsch ins Neue Jahr wünscht die Coco.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von CocoBall am 27.12.2025 um 14:59 Uhr bearbeitet
30.12.2025 - 18:33 Uhr
Wollte es mir nicht nehmen lassen und meinen schwarzgelben Freundinnen und Freunden hier einen guten Rutsch in ein hoffentlich schönes Jahr 2026 zu wünschen.
Zusätzlich lasse ich einfach mal diesen Link hier da, in der Hoffnung, dass manch einer sich damit mal auseinandersetzt und eventuell die Entscheidung zum Kauf von Feuerwerk überdenkt. Je weniger geböllert wird, desto weniger Stress für die Tierwelt.
https://www.tagesschau.de/inland/regional/rheinlandpfalz/swr-auswirkungen-von-feuerwerk-auf-wildtiere-mischung-aus-stress-erschoepfung-und-kaelte-kann-toedlich-enden-100.html
Zusätzlich lasse ich einfach mal diesen Link hier da, in der Hoffnung, dass manch einer sich damit mal auseinandersetzt und eventuell die Entscheidung zum Kauf von Feuerwerk überdenkt. Je weniger geböllert wird, desto weniger Stress für die Tierwelt.
https://www.tagesschau.de/inland/regional/rheinlandpfalz/swr-auswirkungen-von-feuerwerk-auf-wildtiere-mischung-aus-stress-erschoepfung-und-kaelte-kann-toedlich-enden-100.html
31.12.2025 - 16:10 Uhr
Zitat von FCB-MICHO-ZE
Wollte es mir nicht nehmen lassen und meinen schwarzgelben Freundinnen und Freunden hier einen guten Rutsch in ein hoffentlich schönes Jahr 2026 zu wünschen.
Wollte es mir nicht nehmen lassen und meinen schwarzgelben Freundinnen und Freunden hier einen guten Rutsch in ein hoffentlich schönes Jahr 2026 zu wünschen.
Danke gleichfalls.
03.01.2026 - 00:20 Uhr
Ich hoffe, Ihr seid gut im Neuen Jahr angekommen.
Ich wünsche allen Gesundheit und Zufriedenheit und der Welt Frieden.
Nachdem es an Weihnachten trocken, aber knackig kalt war, regnete es bei uns Silvester. Und seit Neujahr schneit es fast durchgehend. Wir haben aber meist 0 Grad.
Ich wünsche allen Gesundheit und Zufriedenheit und der Welt Frieden.
Nachdem es an Weihnachten trocken, aber knackig kalt war, regnete es bei uns Silvester. Und seit Neujahr schneit es fast durchgehend. Wir haben aber meist 0 Grad.
03.01.2026 - 11:49 Uhr
Die USA machen tatsächlich (wieder einmal) ernst. Maduro angeblich schon gefangen genommen...
03.01.2026 - 19:34 Uhr
Kleeblätter, Marienkäfer und Schornsteinfeger bringen Glück zum Jahresanfang. Aber die kann ich nicht verschicken. Aber ich kann die nächste Folge meiner Zeitreise schreiben.
Und wieder kommen erstmal die Nachträge:
1992:
Nun entfaltete sich auch die Kirche mit Veranstaltungen. Da habe ich mal eine Krippenausstellung besucht. Eigentlich sollte die Handwerkstochter mitkommen, aber die wollte nicht mehr.
1993:
Da war ich erstmals und bis heute letztmals am Heiligen Abend in einem Geschäft. Es war der Elektrohandel, weil die Lichterkette am Weihnachtsbaum kaputt war. Seither prüfen wir viel eher und haben auch immer Ersatz im Haus.
1994:
Tödliches Wochenende in Imola. U. a. starb Ayrton Senna.
Und der Schumi-Hype begann. Und ich interessierte mich jetzt richtig stark für die Formel I.
1995:
Techno stand in der vollsten Blüte. Wonderful days von Charly Lownoise und Mental Theo eroberte die Charts.
Christo und Jean Claude verhüllten den Reichstag.
Es stellte sich auch heraus, dass bei mir neue Freizeitinteressen nach der Wende immer erstmal am Anfang holperten, bis sie starteten. Kamen sie dann aber in Gang, lief es wie geschmiert. Ich lernte aber auch dazu. Während ich bei der Disko am Anfang noch aktiv nach Begleitern suchte, tat ich das beim Reisen gar nicht. Entweder es ergab sich so etwas von selber, oder ich fuhr allein.
Es tobte die Spaßgesellschaft. Und ich war auch ein Teil davon. Das verstanden manche Leute gar nicht und stänkerten. Ich sei doch arbeitslos! Erwarten die, dass man den ganzen Tag keine Freude empfinden kann? Soll man sich nur zu Hause hinsetzen und heulen?
Bewerbung in der Autowerkstatt: Alles im Osten, die Werkstatt, der Chef war auch von hier.
Bewerbungstraining: Die Dozentin, die aus der Schweiz geholt wurde, war gebürtig aus Hessen, hatte in die Schweiz geheiratet und war dort in der Familienphase. Sie hatte eine kleine Tochter. Meine Banknachbarin war um die 40, vertrat die DDR-Ideologie und nervte gewaltig. Die hätte ich mir auch bei der Stasi vorstellen können. Im Kurs war auch eine junge Frau, alleinerziehend mit einem dreijährigen Sohn, den sie auch mal mitbrachte. Sie hatte sich mit einer anderen jungen Teilnehmerin angefreundet. Und wie die redeten vor dem Kind, da verschlug es mir die Sprache.
Und wir gehen nun genau 30 Jahre zurück.
Das Thema heute ist: 1996: Hallo Heimcomputer!
Das ist das Neue, was bei mir einzog: mein erster Computer. Bisher hatten wir auf Muttis Schreibmaschine geschrieben, die sie für ihre eigene Ausbildung gekauft hatte in der DDR. Gelegentlich schrieben wir mal einen Brief. Und das Meiste waren Bewerbungen.
Ein Ex-Arbeitskollege von Mutti arbeitete nun in einer Computerfirma. Und da fragte Mutti. Damals kauften die meisten Leute gebrauchte Computer hier. Er verkaufte uns einen aus dem Schulungsraum. Das war ein weißer mit Röhrenbildschirm, Diskettenlaufwerk und MS-DOS. Das war damals hier auf allen Computer noch drauf. Obwohl Windows 95 ein Jahr zuvor erschien. Das Anschließen zu Hause war soooo leicht, dazu den Drucker.
Ich besuchte meine erste Metropole im Ausland: Amsterdam. Damals war die Tulpenblüte im Keukenhof eines der beliebtesten Reiseziele hier. Ich träumte von London, Paris, Rom und Monaco. Alle vier besuchte ich noch in den 90er Jahren.
Unser Telefon bekam nun eine lange Schnur. Die wollte ich haben. Denn standardmäßig hatten Telefone damals nur kurze. Mit der langen konnte ich in die anderen Zimmer und auch mal mit meinem Freund telefonieren. Das war damals sehr teuer. Es gab verschiedene Telefonzonen. Und er wohnte in der weitesten. Da kostete die Minute, ich glaube, 1,29 DM, man musste sich also kurz fassen. Mein Freund war ein 25jähriger Gärtner aus Niedersachsen.
Papa startete im Frühjahri n sein zweites Jahr im Gartenbaubetrieb.
Jan Ullrich machte erstmals bei der Tour de France auf sich aufmerksam und wurde am Ende Zweiter.
RMB brachte Spring heraus, für mich eine der herausragendsten Singles der 90er.
Damals wurde in der Disko öfter mal Karaoke veranstaltet.
Und man stritt intern, wie kommerziell Techno sein darf. Das war ein großes Thema unter den Djs und Ravern.
Mich interessierte die Fußball-EM in England, wo wir unter Berti Vogts Europameister wurden. Und die Olympischen Spiele in Atlanta verfolgte ich auch. Ich fand es aber schlimm, dass man da Athen zu 100 Jahren Olympia nicht den Zuschlag gab. Das sah wohl auch das IOC später so und bedachte Athen 2004. Meinen Freund interessierte sowas überhaupt nicht, Es schälte sich langsam heraus, dass wir wenig gemeinsame Interessen hatten.
Ich musste damals alle drei Monate zum Arbeitsamt. Dort standen nun Computer, wo man sich selber Stellen raussuchen konnte. Und es waren auch mehrere Telefonapparate da, wo man gleich anrufen konnte. Ich suchte ja nach wie vor auch im Handel. Und da fiel mir ein Uhren- und Schmuckgeschäft auf. Die Chefin sagte, ich solle sofort vorbei kommen, es war in derselben Stadt. Das Gespräch verlief sehr negativ. Die hatte nur Dinge auszusetzen: erstmal die Üblichen. Ich habe keinerlei Berufserfahrung und sei noch so jung. Und ich habe ja auch gar keine Ausbildung im Handel. Und dann machte sie ein Fass auf, dass man Ohrlöcher stechen können müsse. Ich bekam die Stelle nicht.
Im Frühjahr bestellte mich der Arbeitsberater des Arbeitsamtes ein. Der war für Kurse zuständig und war aus Hessen geholt worden. Er sagte, mein letzter Lehrgang sei ja schon 5 Jahre her. Und nach drei Jahren bekomme man schon wieder einen neuen angeboten. Konnte er nicht rechnen? Das skurrile Bewerbungstraining war erst ein halbes Jahr her. Da schnauzte er mich an: solche 41a-Lehrgänge zählten da nicht rein. Schon als ich Vollzeit in der Vermittlung war, wurde mir eine Umschulung abgelehnt. Das gehe nur in ranghöhere Berufe. Und da stand nur sehr wenig zur Auswahl bei einer Industriekauffrau. Und das kam bei mir nicht infrage. Da meinte er, es habe gerade ein Teilzeitlehrgang angefangen, der verschiedene Berufe vorstellt, wo man mal gucken kann, was man eventuell ungelernt arbeiten kann. Da sei noch ein Platz frei. Also füllten wir den Antrag auf Unterhaltsgeld aus, was es damals gab für die Teilnahme an Lehrgängen. Das war höher.
Am nächsten Tag stand eine Frau bei mir zu Hause vor der Tür. Sie sei die Kursleiterin. Wieso machte die Hausbesuche? Wir hatten Telefon. Sie sagte, sie pendele jeden Tag aus Niedersachsen ein und sei Mitte 20. Sie brachte die Kursanmeldung. So begann ich dann dort.
Im Osten gab es nun eine große Anzahl Bildungseinrichtungen, wo enorm viele Lehrgänge stattfanden.
Die Chefin des Bildungszentrums war Anfang 30 und auch aus Niedersachsen, sie pendelte auch jeden Tag, Aber sie war nicht so durchsetzungsstark, die beiden Sekretärinnen hatten da die Macht. Die eine war um die 50 und aus dem Osten, die verwies mich auf einen Parkplatz, wo ich gar nicht parken durfte. Die andere war um die 40 und aus Nordhessen. Die fiel mit einem großen Maul auf und wusste alles besser.
Im Kurs saßen wieder alles nur Frauen, das war bei meinen ersten beiden auch so. Hier aber war ich jetzt die jüngste. Noch schlimmer wie beim letzten konnte es ja nicht werden. Und hier fand ich auch ein paar Frauen, mit denen ich gut auskam. Außer mir war nur noch eine vom Büro. Die anderen kamen aus verschiedenen Berufen. Sie waren alle Teilzeit in der Vermittlung. Ich hatte das bekommen durch die Pflege von Oma. Die anderen hatten das wegen ihrer Kinder beantragt und bekommen. Meine Banknachbarin zählte nicht zu denen, mit denen ich gut auskam.. Ich hatte den noch freien Platz bekommen. Und anscheinend wollte neben ihr keiner sitzen. Die kam aus schwierigen Verhältnissen, war mächtig ungebildet und zickig, sie war über 40. Ein paar Jahre nach dem Lehrgang las ich ihre Todesanzeige. Was sie hatte, weiß ich nicht.
Wir hatten Computerunterricht. Das waren aber nur Einführungen. Die Computer hatten auch MS-DOS. Und wir mussten uns zu zweit einen Computer teilen.
Es ging auch noch in die Küche.
Und wir machten auch Ausflüge. Wir besuchten verschiedene gemeinnützige Einrichtungen, machten auch mal Sport und fuhren in ein Museum an der ehemaligen Grenze.
Den meisten Unterricht führte eine Dozentin aus Hessen. Die war in den Osten übergesiedelt nach ihrer Scheidung, wie sie uns erzählte. Und sie wollte eine Privatschule hier eröffnen. Davon habe ich allerdings nie mehr etwas gehört, von ihr später auch nicht. Die machte aber auch Krawall. Sie forderte jeden auf, über die anderen Teilnehmerinnen negative Kommentare in die Runde zu geben. Das fand ich sehr frech!
Wir hatten auch wieder ein Bewerbungstraining. Da kamen verschiedene Dozenten aus Niedersachsen. Für Gespräche wurde eine Videokamera aufgebaut, das passte nicht jeder. Aber unser Wille zählte ja nie.
Die Kursleitung wechselte bei uns. Die junge Frau hatte im Westen Arbeit gefunden. Es kam eine Ostfrau um die 40, die wirklich gut war. Und die unterrichtete Kunst. Da kam ich erstmals nach der Wende mit sowas in Verbindung. Nun hatte man ja alle Materialien. U. a. beschäftigten wir uns mit Floristik. Und da wurde ich mächtig gelobt. Da habe ich Talent. Auffallend, das war das erste Mal, dass man sowas feststellte. U. a. machten wir auch Seidenmalerei. Und wir bastelten Adventsgestecke. Tannenzweige sollten wir mitbringen, das andere Material konnten wir kaufen, das mussten wir bezahlen. Der Lehrgang ging bis Januar 1997. Hier war auch erstmals eine Frau aus meinem Dorf dabei.
Am Ende fanden nur zwei Frauen Arbeit, beide im Handel, beide hatten da schon Erfahrung. Und das waren auch dauerhafte Beschäftigungen. Sie waren Mitte 20 und Mitte 30. Ich probierte danach auch Bewerbungen für den Regalservice. Aber da hatte man damals keine Chance, selbst zum Auspacken waren lange Schlangen an Bewerbern. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.
Ich hatte aber nun ein neues Hobby gefunden. Mit Floristik beschäftigte ich mich nun auch manchmal privat.
Was war sonst noch los?
Klonschaf Dolly wurde geboren.
Take That trennen sich. Und da weinte auch ein Mädchen aus der Nachbarschaft.
Immobilienspekulant Jürgen Schneider wird von den USA ausgeliefert.
Frankreich machte seinen letzten Atomtest.
Und ich lese im Omaalter von 24 meine letzte BRAVO. Ich musste so lange auf sie verzichten.
1996 war ein für meine Verhältnisse der 90er Jahre ein eher ruhiges Jahr.
1997 wird aber turbulenter – vor allem am Arbeitsmarkt. Und ich komme 1997 erstmals mit dem Internet in Kontakt. Aber das alles erzähle ich Euch beim nächsten Mal.
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Und wieder kommen erstmal die Nachträge:
1992:
Nun entfaltete sich auch die Kirche mit Veranstaltungen. Da habe ich mal eine Krippenausstellung besucht. Eigentlich sollte die Handwerkstochter mitkommen, aber die wollte nicht mehr.
1993:
Da war ich erstmals und bis heute letztmals am Heiligen Abend in einem Geschäft. Es war der Elektrohandel, weil die Lichterkette am Weihnachtsbaum kaputt war. Seither prüfen wir viel eher und haben auch immer Ersatz im Haus.
1994:
Tödliches Wochenende in Imola. U. a. starb Ayrton Senna.
Und der Schumi-Hype begann. Und ich interessierte mich jetzt richtig stark für die Formel I.
1995:
Techno stand in der vollsten Blüte. Wonderful days von Charly Lownoise und Mental Theo eroberte die Charts.
Christo und Jean Claude verhüllten den Reichstag.
Es stellte sich auch heraus, dass bei mir neue Freizeitinteressen nach der Wende immer erstmal am Anfang holperten, bis sie starteten. Kamen sie dann aber in Gang, lief es wie geschmiert. Ich lernte aber auch dazu. Während ich bei der Disko am Anfang noch aktiv nach Begleitern suchte, tat ich das beim Reisen gar nicht. Entweder es ergab sich so etwas von selber, oder ich fuhr allein.
Es tobte die Spaßgesellschaft. Und ich war auch ein Teil davon. Das verstanden manche Leute gar nicht und stänkerten. Ich sei doch arbeitslos! Erwarten die, dass man den ganzen Tag keine Freude empfinden kann? Soll man sich nur zu Hause hinsetzen und heulen?
Bewerbung in der Autowerkstatt: Alles im Osten, die Werkstatt, der Chef war auch von hier.
Bewerbungstraining: Die Dozentin, die aus der Schweiz geholt wurde, war gebürtig aus Hessen, hatte in die Schweiz geheiratet und war dort in der Familienphase. Sie hatte eine kleine Tochter. Meine Banknachbarin war um die 40, vertrat die DDR-Ideologie und nervte gewaltig. Die hätte ich mir auch bei der Stasi vorstellen können. Im Kurs war auch eine junge Frau, alleinerziehend mit einem dreijährigen Sohn, den sie auch mal mitbrachte. Sie hatte sich mit einer anderen jungen Teilnehmerin angefreundet. Und wie die redeten vor dem Kind, da verschlug es mir die Sprache.
Und wir gehen nun genau 30 Jahre zurück.
Das Thema heute ist: 1996: Hallo Heimcomputer!
Das ist das Neue, was bei mir einzog: mein erster Computer. Bisher hatten wir auf Muttis Schreibmaschine geschrieben, die sie für ihre eigene Ausbildung gekauft hatte in der DDR. Gelegentlich schrieben wir mal einen Brief. Und das Meiste waren Bewerbungen.
Ein Ex-Arbeitskollege von Mutti arbeitete nun in einer Computerfirma. Und da fragte Mutti. Damals kauften die meisten Leute gebrauchte Computer hier. Er verkaufte uns einen aus dem Schulungsraum. Das war ein weißer mit Röhrenbildschirm, Diskettenlaufwerk und MS-DOS. Das war damals hier auf allen Computer noch drauf. Obwohl Windows 95 ein Jahr zuvor erschien. Das Anschließen zu Hause war soooo leicht, dazu den Drucker.
Ich besuchte meine erste Metropole im Ausland: Amsterdam. Damals war die Tulpenblüte im Keukenhof eines der beliebtesten Reiseziele hier. Ich träumte von London, Paris, Rom und Monaco. Alle vier besuchte ich noch in den 90er Jahren.
Unser Telefon bekam nun eine lange Schnur. Die wollte ich haben. Denn standardmäßig hatten Telefone damals nur kurze. Mit der langen konnte ich in die anderen Zimmer und auch mal mit meinem Freund telefonieren. Das war damals sehr teuer. Es gab verschiedene Telefonzonen. Und er wohnte in der weitesten. Da kostete die Minute, ich glaube, 1,29 DM, man musste sich also kurz fassen. Mein Freund war ein 25jähriger Gärtner aus Niedersachsen.
Papa startete im Frühjahri n sein zweites Jahr im Gartenbaubetrieb.
Jan Ullrich machte erstmals bei der Tour de France auf sich aufmerksam und wurde am Ende Zweiter.
RMB brachte Spring heraus, für mich eine der herausragendsten Singles der 90er.
Damals wurde in der Disko öfter mal Karaoke veranstaltet.
Und man stritt intern, wie kommerziell Techno sein darf. Das war ein großes Thema unter den Djs und Ravern.
Mich interessierte die Fußball-EM in England, wo wir unter Berti Vogts Europameister wurden. Und die Olympischen Spiele in Atlanta verfolgte ich auch. Ich fand es aber schlimm, dass man da Athen zu 100 Jahren Olympia nicht den Zuschlag gab. Das sah wohl auch das IOC später so und bedachte Athen 2004. Meinen Freund interessierte sowas überhaupt nicht, Es schälte sich langsam heraus, dass wir wenig gemeinsame Interessen hatten.
Ich musste damals alle drei Monate zum Arbeitsamt. Dort standen nun Computer, wo man sich selber Stellen raussuchen konnte. Und es waren auch mehrere Telefonapparate da, wo man gleich anrufen konnte. Ich suchte ja nach wie vor auch im Handel. Und da fiel mir ein Uhren- und Schmuckgeschäft auf. Die Chefin sagte, ich solle sofort vorbei kommen, es war in derselben Stadt. Das Gespräch verlief sehr negativ. Die hatte nur Dinge auszusetzen: erstmal die Üblichen. Ich habe keinerlei Berufserfahrung und sei noch so jung. Und ich habe ja auch gar keine Ausbildung im Handel. Und dann machte sie ein Fass auf, dass man Ohrlöcher stechen können müsse. Ich bekam die Stelle nicht.
Im Frühjahr bestellte mich der Arbeitsberater des Arbeitsamtes ein. Der war für Kurse zuständig und war aus Hessen geholt worden. Er sagte, mein letzter Lehrgang sei ja schon 5 Jahre her. Und nach drei Jahren bekomme man schon wieder einen neuen angeboten. Konnte er nicht rechnen? Das skurrile Bewerbungstraining war erst ein halbes Jahr her. Da schnauzte er mich an: solche 41a-Lehrgänge zählten da nicht rein. Schon als ich Vollzeit in der Vermittlung war, wurde mir eine Umschulung abgelehnt. Das gehe nur in ranghöhere Berufe. Und da stand nur sehr wenig zur Auswahl bei einer Industriekauffrau. Und das kam bei mir nicht infrage. Da meinte er, es habe gerade ein Teilzeitlehrgang angefangen, der verschiedene Berufe vorstellt, wo man mal gucken kann, was man eventuell ungelernt arbeiten kann. Da sei noch ein Platz frei. Also füllten wir den Antrag auf Unterhaltsgeld aus, was es damals gab für die Teilnahme an Lehrgängen. Das war höher.
Am nächsten Tag stand eine Frau bei mir zu Hause vor der Tür. Sie sei die Kursleiterin. Wieso machte die Hausbesuche? Wir hatten Telefon. Sie sagte, sie pendele jeden Tag aus Niedersachsen ein und sei Mitte 20. Sie brachte die Kursanmeldung. So begann ich dann dort.
Im Osten gab es nun eine große Anzahl Bildungseinrichtungen, wo enorm viele Lehrgänge stattfanden.
Die Chefin des Bildungszentrums war Anfang 30 und auch aus Niedersachsen, sie pendelte auch jeden Tag, Aber sie war nicht so durchsetzungsstark, die beiden Sekretärinnen hatten da die Macht. Die eine war um die 50 und aus dem Osten, die verwies mich auf einen Parkplatz, wo ich gar nicht parken durfte. Die andere war um die 40 und aus Nordhessen. Die fiel mit einem großen Maul auf und wusste alles besser.
Im Kurs saßen wieder alles nur Frauen, das war bei meinen ersten beiden auch so. Hier aber war ich jetzt die jüngste. Noch schlimmer wie beim letzten konnte es ja nicht werden. Und hier fand ich auch ein paar Frauen, mit denen ich gut auskam. Außer mir war nur noch eine vom Büro. Die anderen kamen aus verschiedenen Berufen. Sie waren alle Teilzeit in der Vermittlung. Ich hatte das bekommen durch die Pflege von Oma. Die anderen hatten das wegen ihrer Kinder beantragt und bekommen. Meine Banknachbarin zählte nicht zu denen, mit denen ich gut auskam.. Ich hatte den noch freien Platz bekommen. Und anscheinend wollte neben ihr keiner sitzen. Die kam aus schwierigen Verhältnissen, war mächtig ungebildet und zickig, sie war über 40. Ein paar Jahre nach dem Lehrgang las ich ihre Todesanzeige. Was sie hatte, weiß ich nicht.
Wir hatten Computerunterricht. Das waren aber nur Einführungen. Die Computer hatten auch MS-DOS. Und wir mussten uns zu zweit einen Computer teilen.
Es ging auch noch in die Küche.
Und wir machten auch Ausflüge. Wir besuchten verschiedene gemeinnützige Einrichtungen, machten auch mal Sport und fuhren in ein Museum an der ehemaligen Grenze.
Den meisten Unterricht führte eine Dozentin aus Hessen. Die war in den Osten übergesiedelt nach ihrer Scheidung, wie sie uns erzählte. Und sie wollte eine Privatschule hier eröffnen. Davon habe ich allerdings nie mehr etwas gehört, von ihr später auch nicht. Die machte aber auch Krawall. Sie forderte jeden auf, über die anderen Teilnehmerinnen negative Kommentare in die Runde zu geben. Das fand ich sehr frech!
Wir hatten auch wieder ein Bewerbungstraining. Da kamen verschiedene Dozenten aus Niedersachsen. Für Gespräche wurde eine Videokamera aufgebaut, das passte nicht jeder. Aber unser Wille zählte ja nie.
Die Kursleitung wechselte bei uns. Die junge Frau hatte im Westen Arbeit gefunden. Es kam eine Ostfrau um die 40, die wirklich gut war. Und die unterrichtete Kunst. Da kam ich erstmals nach der Wende mit sowas in Verbindung. Nun hatte man ja alle Materialien. U. a. beschäftigten wir uns mit Floristik. Und da wurde ich mächtig gelobt. Da habe ich Talent. Auffallend, das war das erste Mal, dass man sowas feststellte. U. a. machten wir auch Seidenmalerei. Und wir bastelten Adventsgestecke. Tannenzweige sollten wir mitbringen, das andere Material konnten wir kaufen, das mussten wir bezahlen. Der Lehrgang ging bis Januar 1997. Hier war auch erstmals eine Frau aus meinem Dorf dabei.
Am Ende fanden nur zwei Frauen Arbeit, beide im Handel, beide hatten da schon Erfahrung. Und das waren auch dauerhafte Beschäftigungen. Sie waren Mitte 20 und Mitte 30. Ich probierte danach auch Bewerbungen für den Regalservice. Aber da hatte man damals keine Chance, selbst zum Auspacken waren lange Schlangen an Bewerbern. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.
Ich hatte aber nun ein neues Hobby gefunden. Mit Floristik beschäftigte ich mich nun auch manchmal privat.
Was war sonst noch los?
Klonschaf Dolly wurde geboren.
Take That trennen sich. Und da weinte auch ein Mädchen aus der Nachbarschaft.
Immobilienspekulant Jürgen Schneider wird von den USA ausgeliefert.
Frankreich machte seinen letzten Atomtest.
Und ich lese im Omaalter von 24 meine letzte BRAVO. Ich musste so lange auf sie verzichten.
1996 war ein für meine Verhältnisse der 90er Jahre ein eher ruhiges Jahr.
1997 wird aber turbulenter – vor allem am Arbeitsmarkt. Und ich komme 1997 erstmals mit dem Internet in Kontakt. Aber das alles erzähle ich Euch beim nächsten Mal.
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Dieser Beitrag wurde zuletzt von CocoBall am 03.01.2026 um 19:58 Uhr bearbeitet
03.01.2026 - 23:21 Uhr
Das war eben ne ordentliche Abfertigung von Littler gegen van Veen im Dart-WM-Finale.
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