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Ehemalige Dynamos!

02.03.2009 - 14:18 Uhr
Ehemalige Dynamos! |#2851
31.05.2018 - 14:16 Uhr
Zitat von Neustadt26

Ich denke, Vergleiche der beiden Zeitspannen verbieten sich, ebenso der Protagonisten von heute.


Du würdest stauen, wieviel Parallelen es bei Diktaturen jeglicher Art gibt, also auch der beiden deutschen des letzten Jahrhundert. (Ohne die unterschiedlichen Folgen aus den Augen zu verlieren)
Und auch die Aufarbeitung der jeweiligen Diktaturen in der Bundesrepublik lief leider beide Male ähnlich schief ...

Zitat von Neustadt26

Ob der Verein überhaupt diesbezüglich davon wusste, weiß kein Mensch mehr.


Also damals war der Verein in die Stasitätigkeiten mit Sicherheit cool eingebunden. Heute will man diesen Teil der Tradition eher nicht mehr ansehen.

Zitat von Neustadt26

Welche Reaktion seitens Dynamo erwartet man denn? Mensch, der Mist ist 30 Jahre her und es wurde "nur bespitzelt". Negative Folgen für die 3 kann ich bis heute nicht erkennen. Das heißt nicht, dass ich es gutheisse, aber mann kann es mit dem hervorkramen von alten Kamellen auch übertreiben.


Ganz einfach:
Edes Rolle in dieser Zeit öffentlich aufarbeiten und dann eine Entscheidung (Ehrenspielführer ja/nei) treffen.
Schließlich geht es nicht darum, ob er den drei anderen geschadet hat, sondern ob er jemanden geschadet hat.
Ehemalige Dynamos! |#2852
31.05.2018 - 15:07 Uhr
Sorry, ich finde Du machst es Dir etwas zu einfach:

Zitat von Dynamofan1992

Vor allem wird der Fußball mal wieder politisch missbraucht.

Mit Politik hat das doch gar nichts zu tun. Hier wird ja keine politische Agenda (einer Partei) verfolgt, sondern es geht um Geschichtsbewältigung und um Vereinsentscheidungen und Vereinspolitik

Zitat von Dynamofan1992

Geyer hat für den Fußball in Dresden seinen Wert gehabt. Deswegen hängen er und auch die anderen Pappnasen dort.

Da steht aber nicht "Supersportler", sondern "Ehrenspielführer" und bei der Begründung wird explizit auf die moralische Größe hingewiesen, die einen Ehemaligen zum Ehrenspielführer macht und es gibt einen Verweis auf die Werte des Vereins, die die jeweilige Person verkörpern muss. In diesem Zusammenhang ist es schon legitim die Frage zu stellen, ob ein Ede Geyer diesen Ansprüchen gerecht wird. Als Spieler eher Durchschnitt, als Trainer bei Dynamo nur kurze Zeit im Amt und seitdem eher außerhalb des Vereins aktiv gewesen. Schon dadurch unterscheidet er sich von den jetzt Kritisierenden und wenn es wirklich eine Verwicklung in Stasi Geschichten innerhalb des Vereins gegeben hat, darf man die Frage nach Moral und Werten auch anders bewerten.

Zitat von Dynamofan1992

Das Problem des Vereins ist das nicht.

Doch ist es - der Verein macht einen Ehemaligen zum Ehrenspielführer (oder nicht), bestimmt die Regeln dabei und muss seine Entscheidungen dabei auch hinterfragen lassen - noch dazu wenn es Ehrenspielführer sind, die diese Entscheidung kritisieren.

Wenn ich als Ehemaliger und Ehrenspielführer der Meinung bin, dass da jemand zu unrecht geehrt wurde, dann habe ich als "primus inter pares" im Gegenteil die Pflicht auf falsche Entscheidungen hinzuweisen. Der Vorschlag "wenn es dir nicht passt, lass dein Konterfei abhängen" ist ein Schlag ins Gesicht der zurecht geehrten und eines Vereins, der stolz auf seine Geschichte ist, unwürdig
Ehemalige Dynamos! |#2853
31.05.2018 - 15:28 Uhr
Welchen Vor- oder Nachteil hat das ganze für mich als Mitglied... Gar keinen. Ich finde das sollte man intern klären und nicht öffentlich an die Große Glocke hängen... Als gäbe es keine anderen sorgen.

Sollen sie das Plakat im Stadion von ihm abmachen oder dran lassen, mir persönlich völlig wurscht... Wenn Sie es abmachen können Sie von mir aus auch jeden Monat neu den "Mitarbeiter des Monats" an der Wand präsentieren.... Ziemlicher Kindergarten... augen-zuhalten

PS: Und der heute geführte Verein hat mit dieser Vergangenheit übrehaupt nichts zu tun. Man sollte Politik und Sport strikt trennen. Die betreffenden Herren sollen das intern klären und dann entsprechend handeln.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von DD_82 am 31.05.2018 um 15:38 Uhr bearbeitet
Ehemalige Dynamos! |#2854
31.05.2018 - 15:51 Uhr
@Cosmokramer,

Geyer wurde dennoch nicht geehrt, weil er son toller Hecht ist, sondern für seine sportlichen Verdienste, auch wenn diese kleiner waren als die der anderen.
Dessen Stasivergangenheit hat damit nix zu tun.

Darum geht es den Leutchen die dort Stimmung machen auch gar nicht.
Es geht ihnen darum, dass ihre Probleme mit Geyer nicht geklärt sind.
Mit diesen Problemen hat der Verein nach wie vor nichts zu tun. Er kann allenfalls eine Mittlerrolle einnehmen.
Wen er aber sportlich ehrt ist seine Sache und nicht die der Ehrenspielführer. Wenn diese also aufgrund persönlicher Gründe nicht in einer Reihe mit Geyer stehen wollen, dann können sie sich abhängen lassen.
Alles weitere haben sie mit Geyer persönlich zu klären. In den Medien gegen den Verein anstatt Geyer zu lärmen ist eben nur der Versuch Aufmerksamkeit zu ergattern.

Der Streit zwischen ein paar alten Männern würde nur eben keine Sau interessieren.
Der Verein wird hier instrumentalisiert für persönliche Bedürfnisse. Das machen schon genug andere und ist Ehrenspielführer auch unwürdig.

•     •     •

"Erscheinen und nicht weinen!" - Der Pate

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Dynamofan1992 am 31.05.2018 um 15:52 Uhr bearbeitet
Ehemalige Dynamos! |#2855
31.05.2018 - 15:55 Uhr
Zitat von Dynamofan1992
In den Medien gegen den Verein anstatt Geyer zu lärmen ist eben nur der Versuch Aufmerksamkeit zu ergattern.


Und genau hier bin ich ebenfalls bei deiner Ansicht. Die Herren Hans-Jürgen Kreische, Dieter Riedel und Klaus Sammer setzen Dynamo als Verein damit unter Druck. Der Verein schaut doch nicht auf irgendwelche Politischen Belange in der Vergangenheit. Die Sache des Ehrenspielführers betrachtet doch nur das sportliche.

Alles andere ist rein politisch bzw. persönliche Vergangenheit. Die hat in der Öffentlichkeit nichts zu suchen.
Ehemalige Dynamos! |#2856
31.05.2018 - 16:02 Uhr
Zitat von Neustadt26

Zitat von Cookie_Monster

Zitat von touchdown44

Zitat von msi999

Und da reicht es heute nicht zu sagen, 1991 und 2001 ist dazu alles gesagt. Dann sagt man es eben noch einmal. Auch und gerade weil eben viele diese Zeit nicht miterlebt haben.


Wir haben jetzt 2018, es ist also reichlich Wasser der Elbe gen Norden geflossen. 17 Jahre wurde diesbezüglich nichts in der Öffentlichkeit ausgetragen. Wieso kommen diese Herren mit solchen Sch... jetzt wieder in die Öffentlichkeit? Ich will ja niemandem zu nahe treten, aber kann es sein das sich, warum auch immer, jemand profilieren will? Haben die Jungs doch eigentlich gar nicht nötig.
Ich persönlich weiß nicht mal ob ich auch eine Stasi - Akte habe. Ehrlich gesagt, will ich es auch gar nicht wissen. Was ich nicht weiß macht mich nicht heiß.
Wer seine Stasi - Akte einsieht rechnet vor ab mit Enttäuschungen. Ob man das will, muß jeder für sich entscheiden.
Aber Kreische & Co. wußten schon zu Ostzeiten das Sie als Fußballer von Dynamo im Blickfeld der Stasi waren. Demzufolge mussten sie immer damit rechnen, von Mitspielern bzw. Vereinsmitarbeitern usw. bespitzelt zu werden. Es kann mir doch keiner erzählen, das die so blauäugig waren und glaubten, davor gefeit zu sein.
Das in einem Polizeisportverein der Großteil der Mitarbeiter in welcher Form auch immer, irgendwie mit der Stasi zu tun hatte, war zur damaligen Zeit kein Geheimnis. Bei Mielkes Lieblingen sogar min. 110% der VereinsangehörigenZwinkernd

Der Punkt ist einfach, warum holt man nach all den Jahren diesen Sch... wieder raus?
Ich will ja nichts verharmlosen, aber da gibt es sicher eine Vielzahl von Stasigeschädigten, die schlimmer dran waren, als unsere Fussballer.
Die sollen das privat unter Männern klären, und dann ist auch gut.


Mit der selben Begründung verteidigen die heutigen Rechtsextremisten alte Naziverbrecher, weil es ja solange her ist.


Hola, diese Keule sollten wir stecken lassen. Ich denke, Vergleiche der beiden Zeitspannen verbieten sich, ebenso der Protagonisten von heute. Nochmal, wenn man denn nach 30 Jahren aufarbeiten will dann los. Aber es geschah eben nicht als Verein Dynamo Dresden sondern als Person Eduard Geyer. Ob der Verein überhaupt diesbezüglich davon wusste, weiß kein Mensch mehr. Insofern wäre ich dafür, dass die Personen das untereinander regeln. Welche Reaktion seitens Dynamo erwartet man denn? Mensch, der Mist ist 30 Jahre her und es wurde "nur bespitzelt". Negative Folgen für die 3 kann ich bis heute nicht erkennen. Das heißt nicht, dass ich es gutheisse, aber mann kann es mit dem hervorkramen von alten Kamellen auch übertreiben.

und auch @touchdown44

Das NS Regimes hat Millionen Opfer auf dem Gewissen und deren Verflechtungen und Auswirkungen sind noch heute allgegenwärtig. Das trifft aber auch auf die Opfer des SED Regimes zu.
Zahlreiche Menschen sind an der Grenze erschossen, oder in Zuchthäusern untergebracht worden. Nicht etwa weil sie etwas verbrochen haben, sondern weil sie Querulanten waren.

Beides gehört aufgeklärt. Sowohl die Verbrechen der Nazis, als auch die der DDR Sozialisten. Das sind wir den Opfern schuldig. Und da interessiert es mich gelinde gesagt einen Scheißdreck, ob man keinen Bock hat altes aus zu graben.

Und Leute wie Geyer waren mitverantwortlich das dieses Regime so lange bestehen konnte. Nicht etwa weil sie es mussten, sondern weil sie es unbedingt wollten.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Cookie_Monster am 31.05.2018 um 16:07 Uhr bearbeitet
Ehemalige Dynamos! |#2857
31.05.2018 - 17:37 Uhr
Wenn man die Diskussion hier verfolgt, scheint ja die größte Sorge der meisten zu sein, dass das Thema öffentlich diskutiert werden könnte und es besser eine ausschließlich vereinsinterne Aufarbeitung geben sollte. Das Porträt von Ede Geyer hängt überlebensgroß und öffentlich in einem Stadion, das regelmäßig Tausende Zuschauer besuchen und in dem das Fernsehen Stammgast ist. Da kann man doch nicht ernsthaft behaupten, das sei eine vereinsinterne Sache. Natürlich ist es für den einzelnen Fan unangenehm, wenn im Zusammenhang mit dem eigenen Verein eine Stasidebatte geführt wird, da man sich letztlich selbst angegriffen fühlt. Aber genau darin liegt doch das Verdrängungsproblem, dem wir bei der Aufarbeitung sämtlicher historisch problematischer Ereignisse immer wieder begegnen. Je mehr sich das einzelne Individuum durch die bestehenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse von sich selbst entfremdet -wobei die kapitalistische Wirtschaftsweise mit ihrer auf Konsumismus beruhenden Lebensweise die größte bislang bekannte Entfremdung der Menschheit von sich selbst mit sich brachte- umso mehr schlüpft es in „Fehlidentitäten“, die es fälschlich als sein eigenes Ich wahrnimmt. Diese Fehlidentität kann das virtuelle Profil im sozialen Netzwerk sein. Es kann eine Marke sein, über die man sich definiert, wenn man sie trägt. Besonders verbreitet sind Fehlidentifizierungen mit den materiellen Dingen und dem Geld, das man besitzt (mein Haus, mein Boot, mein Pferd) oder mit den eigenen Kindern, mit denen man sich schmückt. Die Fehlidentität kann sich auch, was sich in der Geschichte als besonders verhängnisvoll erwies, auf das eigene Volk (bzw. auf das, was man für das Volk hält) oder die Nation beziehen. Letztlich können auch Fußballvereine Fehlidentitäten schaffen, was im Begriff „Erfolgsfan“ besonders deutlich wird. Von daher ist es menschlich mehr als nachvollziehbar, dass Fans abwehrend reagieren, wenn „ihr“ Verein Gegenstand einer unangenehmen öffentlichen Diskussion ist. Wird man sich der Problematik der Fehlidentitäten aber bewusst, kann man die Sphären voneinander trennen und sachlich debattieren.

Zu dieser sachlichen Aufarbeitung gehört, dass Ede Geyer als Spieler sicher weniger vorzuweisen hat als andere Ehrenspielführer und auch weniger als manch ehemaliger Dynamo, der nicht im Stadion verewigt ist. Es ist auch nicht so, dass er, wie z.B. Wolfgang Oeser, in sportlich eher mageren Jahren eine besonders verdienstvolle Rolle für die weitere Fortentwicklung des Vereins gespielt hätte. Würde man dies zum Maßstab nehmen, haben Spieler wie Cristian Fiel eine größere Bedeutung als Ede Geyer. Er steht für mich in erster Linie für den Trainer, der die Jahre der BFC-Dominanz durchbrach und Dynamo das erste und einzige Mal in ein EC-Halbfinale führte. Da es aber um Ehrenspielführer und nicht um Ehrentrainer geht, sollte dieses Kriterium keine Rolle spielen.

Zur fehlenden herausragenden Bedeutung als Spieler kommt seine zweifellos bestehende Stasivergangenheit hinzu, die es bei der Frage, ob er auch abseits des Platzes eine verdienstvolle Persönlichkeit war, einzuordnen gilt. Hinter jeder Entscheidung, sich als IM zu verpflichten, stand immer eine persönliche Geschichte. Ebenso gibt es Unterschiede bei der Bewertung, wie der Einzelne nach der Wende mit seiner eigenen IM-Tätigkeit umgegangen ist. Es gab Stasimitarbeiter, die großes Unrecht begingen und es im Nachhinein aufrichtig und ehrlich bedauerten. Und es gab kleine Lichter, die es auch bei der Aufarbeitung ihrer eigenen Vergangenheit blieben. Was wiegt schwerer? Zur Befassung mit der Stasi gehört freilich auch deren Einordnung in historische Kontexte. Hier beobachte ich mehrere fatale Entwicklungen. Einerseits ist die Tendenz festzustellen, dass faktisch alles Unrecht, was in der DDR begangen wurde, über der Stasi und ihren Mitarbeitern ausgekippt wird, womit diejenigen, die außerhalb der Stasi Unrecht begingen, reingewaschen werden. Dabei wird unterschlagen, dass die Stasi kein von Partei und Staat losgelöster Unrechtsapparat war, sondern „Schild und Schwert der Partei“. Ein Schwert, das niemand in Händen hält, ist ungefährlich. Weiterhin beobachte ich die unsägliche Tendenz, die NS-Verbrechen mit dem DDR-Unrecht gleichzusetzen. Die NS-Zeit wird mehr und mehr auf die Shoa reduziert und dabei so getan, als habe es sich um eine historische Singularität, einen Betriebsunfall der Geschichte, gehandelt, die allein dem Irren aus Braunau geschuldet sei. Dass dieser völlig bedeutungslos geblieben wäre, hätte es nicht auch ein Volk gegeben, das einen Führer wollte, wird immer mehr verdrängt. Verdrängt wird auch die tief an der Wurzel des Faschismus ansetzende Frage, warum genau das Volk geführt werden wollte. Die Beantwortung dieser Frage führt zur oben genannten Entfremdung und damit zur Feststellung, dass man über den Faschismus schweigen sollte, wenn man über den Kapitalismus nicht reden will. Von den 27 Millionen Toten in der Sowjetunion und dem dort geführten rassenideologischen Vernichtungskrieg wissen die Jungen kaum noch, während deutsche Soldaten wieder vor den Toren von St. Petersburg stehen, wo ihre Vorfahren einst Millionen Russen aushungerten. Zur Gleichsetzung von NS-Diktatur mit DDR-Unrecht gehört nicht nur die sich verengende Einhegung der NS-Verbrechen und die fehlende Aufarbeitung ihrer Ursachen, sondern gleichzeitig die Überzeichnung der DDR als verbrecherisches Regime. Dies geschieht im Wesentlichen dadurch, dass man die DDR gedanklich an die Sowjetunion anheftet und diese auf Stalins monströse Verbrechen reduziert. Zu den fatalen Entwicklungen gehört freilich auch, dass man das Unrecht des eigenen Systems leugnet oder zumindest aus dem Zusammenhang reißt. Gegen das, was NSA & Co. so alles ausschnüffeln, war die Stasi Kindergarten. Und was die mörderische Handels- und Interventionspolitik der selbstherrlichen westlichen Wertegemeinschaft gegenüber dem globalen Süden an einem Tag an Toten produziert, hat die Berliner Mauer in den gesamten 28 Jahren ihres Bestehens nicht geschafft.

Diesen Kontext, in den die Stasi und in ihr Ede Geyer eingebettet sind, sollte man beachten, wenn man darüber richtet, ob Ede Geyer auf Grund seiner Persönlichkeit unwürdig sei, den Titel „Ehrenspielführer“ zu tragen. Ich maße mir nicht an, hierzu eine persönliche Einschätzung abzugeben. Wir sollten uns nur im Klaren sein, dass es reine Heuchelei ist, wenn wir uns öffentlich an Ede Geyer abarbeiten und gleichzeitig über anderes Unrecht –ob in Vergangenheit oder Gegenwart- schweigen. Auch und gerade im Zusammenhang mit dem Fußball gibt es da genügend Baustellen.

Sicherlich spielt es auch eine Rolle, ob und in welchem Umfang die drei Ehrenspielführer, die sich nun gegen Ede Geyer stellen, von seinen Stasi-Aktivitäten selbst betroffen waren. Wenn es allerdings nur um eine persönliche „Abrechnung“ mit Ede gehen sollte, bei der die Stasi-Vergangenheit nur vorgeschoben ist, wäre es eine Instrumentalisierung der wirklichen Opfer. Dementsprechend stellt es eine schwere Gratwanderung dar, zwischen der nie endenden sachlichen Aufarbeitung der eigenen Vereinshistorie und ihrer Instrumentalisierung für persönliche Befindlichkeiten zu unterscheiden. Um was es wirklich geht, können nur die betroffenen vier Ehrenspielführer selbst beantworten. Unsere Aufgabe ist es, die Scheuklappen abzulegen und jederzeit offen und ehrlich auch über die dunklen Seiten der SGD und ihrer Protagonisten zu streiten, anstatt dies als Nestbeschmutzung oder Schnee von gestern abzutun. Damit verleugnet man sich nur selbst und verharrt weiterhin in der eigenen Entfremdung.

•     •     •

Unser ganzes Leben lang stehen wir in deinem Bann!
Ehemalige Dynamos! |#2858
31.05.2018 - 17:59 Uhr
„Wer seinen Zorn und seine Wut mit sich herumträgt und nicht verzeihen kann, schadet vor allem sich selbst.“ (Autor mir unbekannt)

Ich fordere keinen "Schlussstrich" und möchte auch Ede Geyers Stasi-Vergangenheit nicht rechtfertigen.

Ich respektiere die Wut von Kreische, Sammer und Riedel, zweifle aber daran, dass sie mit einem Abhängen des Geyer-Posters im Stadion ihren inneren Frieden finden werden.

Das Zauberwort heißt Vergebung, die nicht nur den Täter entlastet, sondern vor allem das Leben der Opfer erleichtert. Vergebung geht allerdings nicht auf Verordnung, sondern ist ein schwieriger Prozess. Mediation und Täter-Opfer-Ausgleich sind dafür geeignete Stichworte.

Ich empfehle allen, die sich mit dem Thema Vergebung schwer tun, Viktor Frankls Buch "... und trotzdem Ja zum Leben sagen".
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Vorstopper_57 am 31.05.2018 um 18:01 Uhr bearbeitet
Ehemalige Dynamos! |#2859
31.05.2018 - 18:31 Uhr
Also den Artikel, lieber DERTUTNIX, rahme ich mir ein und klebe ihn mir VOR den Spiegel. Brilliant, brilliant.

Man darf auch nicht so tun, dass die 3 Ehrenspielführer nicht auch vom System partizipiert hätten. Ob das der Lada war, auf den Otto Normalbürger 10 Jahre warten musste, oder die Versorgung mit Schmakazien am wochen-endlichen Speisetisch.
So viel ich weiß, hatte jeder Dynamo einen Dienstgrad bei der Polizei. Welchen Riedel, Sammer oder Kreische hatten weiß ich nicht, aber sie waren ebenfalls Teil des Systems.
Dörner z.B. war in der Partei, so viel ich weiß sogar Parteisekretär, Kreische eher nicht, ob Riedel oder Sammer dabei waren, ist letztlich egal.
Wenn Sie so große Gegner der DDR gewesen sind, warum standen sie dann unter der DDR-Flagge in der Bundesrepublik 1974 oder bei den Spielen der Nationalmannschaft?
DDR und Naziherrschaft sind aus meiner Sicht fundamental zu trennen. Ich persönlich bin nicht traurig, dass ich die Erfahrungen in der DDR gesammelt habe. Ich bin froh, nicht das 3. Reich erlebt zu haben.
Nur ein kleines Beispiel - Ich war in Rom auf einem deutschen Soldatenfriedhof - 30.000 junge Menschen lagen dort. Nicht einer war älter als 28 Jahre. Die meisten von Euch sind in diesem Alter oder etwas älter.
Ganze Jahrgänge sind regelrecht ausgelöscht worden. Und die jungen sind an die Front gekommen.
Beim Sturmangriff auf die gegnerischen Stellungen, so sagte mir der Friedhofswärter in brilliantem Deutsch, haben die jüngsten nach der Mutter geschrien, bis die Kugel sie traf.
Von den vielen, die in KZ´s und in den Gefängnissen des Regimes umgekommen sind, will ich gar nicht sprechen.
Schauen wir in den Kapitalismus von heute - er fordert täglich seine Opfer, und weiß Gott es sind nicht wenige, ob in Afrika, in Nahost oder sonstwo auf dieser Welt. Von " Alle Menschen werden Brüder" sind wir weit entfernt.

Fazit, die 4 sollten einen Trinken gehen, sich über die EC Spiele unterhalten und einen Schlussstrich ziehen. Ede Geyer hat keinen Friedhof hinterlassen, ob er alleine Karrieren zerstört hat, weiß ich nicht, wage es aber ehrlich zu bezweifeln. Sollen die Bilder im Stadion dort bleiben, wo sie sind. Ede Geyer ist auch Dynamo, genauso wie Sammer, Riedel und Kreische.

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Forrest Gump: "Mama hat immer gesagt Wunder geschehen an jedem Tag. Es gibt Leute die glauben nicht daran, aber es ist so."

Dieser Beitrag wurde zuletzt von SGD-Adlershof53 am 31.05.2018 um 18:41 Uhr bearbeitet
Ehemalige Dynamos! |#2860
31.05.2018 - 18:36 Uhr
Zitat von DD_82

PS: Und der heute geführte Verein hat mit dieser Vergangenheit übrehaupt nichts zu tun. Man sollte Politik und Sport strikt trennen.


Nochmal: Das hat mit Politik nichts, aber auch gar nichts zu tun. Politik ist das Handeln staatlicher Organisationen/der Regierung - was das mit der IM Tätigkeit eines ehemaligen Verantwortungsträgers bei Dynamo Dresden und seine heutige Beurteilung zu tun haben soll erschließt sich mir nicht.

Und auch Du, DD82, machst es Dir zu einfach: ich habe das Gefühl, dass du dich mit der Vergangenheit einfach nicht beschäftigen willst (so a la "Schnee von gestern"), das muss ein Verein, der ja ein Leitbild und eine gesellschaftliche Aufgabe hat (deshalb ist er ja gemeinnützig), unbedingt. Und zu sagen, der Verein habe mit der Vergangenheit nichts zu tun, wenn der vor wenigen Jahren einen Ehemaligen genau wegen seiner Verdienste in der Vergangenheit eine selbst geschaffene Auszeichnung verleiht, ist aberwitzig.

Nochmal: Die SG hat ja nicht Ede Geyer zum "ehem. Top Spieler" ernannt, sondern ihn zum "Ehrenspielführer" gemacht und hat die Kriterien dafür aufgestellt, die explizit über das rein sportliche hinausgehen. Und etwas mit Moral und Ehre im Sinne des Vereins zu tun haben. Wenn sich ein Ede Geyer in seinem Leben dafür entscheiden, sich zu korrumpieren und zum eigenen Vorteil Kollegen und Freunde ausspioniert, dann wird er diesen Kriterien nicht gerecht. Das hätte man sich als Verein aber auch gründlicher überlegen müssen. Wenn ich als Kreische sehe, dass neben mir einer als Ehrenspielführer hängt, der sportlich mind. ne Etage drunter war und noch dazu menschlich eine ziemlich erbärmliche Gestalt und Spitzel zu sein scheint, dann hab ich schon das Recht, meinen Unmut darüber zu äußern. Zu einer Zeit, wo der Verein in ruhigem Fahrwasser ist und nicht im Existenzkampf. Genau wie Kreische und Co das getan haben. Weiterhin: was sollen sie denn mit Geyer direkt klären? Sie haben doch wahrscheinlich gar kein persönliches Problem mit ihm, möchten nur nicht mit ihm in eine Reihe als Ehrenspielführer gestellt werden, weil ihrer Ansicht nach in seinem Fall geringe Ansprüche an den Titelträger gestellt wurden als bei ihnen
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