SC Freiburg SC Freiburg
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Noah Atubolu
Geburtsdatum 25.05.2002
Alter 24
Nat. Deutschland  Deutschland
Größe 1,90m
Vertrag bis 30.06.2027
Position Torwart
Fuß rechts
Akt. Verein SC Freiburg

Leistungsdaten: 25/26

WettbewerbwettbewerbGegentore
Insgesamt 507012
34576
15135
1-1

Noah Atubolu [1]

01.07.2021 - 08:04 Uhr
Noah Atubolu [1] |#181
22.09.2023 - 09:45 Uhr
Zitat von NilsFan
Das sehe ich ganz anderst. Er strahlt keinerlei Sicherheit aus. Man muss jedesmal die Befürchtung haben, dass ihm ein Missgeschick passiert. Er besitzt keine Strafraumhoheit, hat wiederholt Glück, dass Ginter auf der Linie klärt oder nach seiner kurzen Faustabwehr ins Strafraumzentrum , der Kopfball drüber geht. Auch die Kommentatoren waren gnädig mit ihren Äußerungen. Hat der DFB nicht auch Kronenberg entlassen, der wieder bei uns einsteigen könnte, um Atubolu auf Vordermann zu bringen.


Sehe das auch so. Er wirkt extrem unsicher. Keine Ausstrahlung. Klebt auf der Linie. Genau so sind die Tore in Griechenland gefallen und auch das Tor von Mats Hummels. Für mich ist er noch nicht bereit für die Bundesliga. Jetzt Müller ins Tor und Atubolu im Winter in die zweite Liga verleihen.

Auf jeden Fall Respekt vor Ch. Streich, dass er konsequent an dem Jungen festhält. Spricht für Streich.

•     •     •

- "Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat es einfach gemacht" -
Noah Atubolu [1] |#182
22.09.2023 - 10:44 Uhr
Zitat von Leipziger82

Zitat von NilsFan

hat wiederholt Glück, dass Ginter auf der Linie klärt


Mir fehlt hier die Fantasie um zu erkennen, inwiefern Atubolu eine Verantwortung dafür trägt. Meiner Erinnerung nach hatte hier Höfler etwas gepennt und den Gegenspieler laufen lassen. Wo sieht Du da eine Schuld bei Noah?


Diese Szene zu nehmen, ist doch eh kurios. Wir reden doch alle von der selben Szene?

Wer von unseren Spielern erwartet, dass Grifo im eigenen Strafraum so den Ball abgibt und der Ball dann direkt vor das Tor zum freien Mann kommt. Das wäre doch Ginters Gegenspieler, aber wir sind doch im Ballbesitz und er schaltet noch richtig.

Daher sehe ich auch nicht das Höfler da etwas falsch macht. Der steht auch bei einem Piräus-Spieler bzw. wurde gedeckt.
Noah Atubolu [1] |#183
22.09.2023 - 12:38 Uhr
Bin teilweise schon sehr überrascht über manch so Kommentar.

"Atubolu strahl keine Sicherheit aus" (Strahlt btw. auch ein Müller nicht aus)
"Atubolu macht noch sehr viele Fehler" (wäre das bei Müller anders gemessen an seiner letzten Saison?)

Solange Atubolu nicht die gleichen Fehler macht wie aktuell Onana bei Manchester United bin ich ganz entspannt zwinker

Was ist eigentlich die Erwartungshaltung von ATU?

... der Kerl hat vor ein paar Monaten noch regelmäßig vor 3000-4000 Zuschauern gespielt und war auch nach anfänglichen Wacklern danach eine feste Größe und unverzichtbar für die Mannschaft.

Jetzt spielt Atubolu regelmäßig vor 35.000 Zuschauern und hat dazu noch den riesen Rucksack auf, die DFB Torwart Hoffnung zu sein. Dass Fußball-Deutschland bzw. wir Fans genauer hin schauen ist doch dann völlig klar. Schließlich wurden wir von Flekken in den letzten Jahren auch ziemlich verwöhnt. Jeder ATU-Fehler wird kritisch beäugt und ja, gestern gegen Piräus hatte er beim Eckball und bei seiner Faustabwehr das Glück des tüchtigen gehabt.

Andererseits hat er auch eine 100% Torchance (Rückpass Schmidt) verhindern können.
Warum erwähne ich explizit diese Szene?

Weil Atubolu aus der Szene vom 2:2 durch Malen am vergangenen Spieltag gegen Dortmund sicherlich auch seine Lehren gezogen hat
Ich bin mir sicher, dass Atubolu seine Chancen erhöht hätte den Ball abzuwehren, wenn er es genauso wie gestern gemacht hätte. Sprich: Stellungsspiel in dieser Situation hat er bereits verbessern können.

Auch sein Spielaufbau war gestern verbessert. Die flachen Bälle auf die Nebenleute kamen allesamt an und waren sicher gespielt. Das muss man auch erstmal schaffen in einem Stadion, wo die Heimfans einfach doppelt so laut sind als in einem Heimspiel bei uns (und das meine ich nun nicht disrespektierlich gegenüber unseren Fans).

Atubolu wird aus seinen Fehlern lernen und wenn er weiterhin an den Dingen arbeitet, wird er mittel/langfristig gesehen ein echter Rückhalt für unsere Mannschaft sein. Diese Saison wird für viele Nachwuchskicker ein lehrreiche sein und ja, da wird sicher auch einiges an Lehrgeld bezahlt werden und am Ende wirds dieses Jahr eben keine Platzierung sein, welche uns am internationalen Geschäft teilnehmen lässt. Dafür haben wir dann einen sehr stabilen Kader, wo Nachwuchsspieler nochmal einen riesen Schritt nach vorne gemacht haben und zusätzlich 1-2 Königtransfers getätigt werden zwinker und schwupps spielen wir unter Umständen wieder international.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Der_Kritiker am 22.09.2023 um 12:42 Uhr bearbeitet
Noah Atubolu [1] |#184
22.09.2023 - 14:51 Uhr
Atu wird ohne Zweifel ein Guter werden. Man kann sich jetzt entscheiden, ob man ihm die Chance gibt, sich beim SC zu entwickeln oder ob man ihn früh und jung abgibt.

Der SC hat sich für ersteres entschieden und das ist auch gut so. Auch wenn er jetzt in einer Eingewöhnungsphase nicht immer ganz sicher wirkt.
Noah Atubolu [1] |#185
22.09.2023 - 15:41 Uhr
Die Kritik vereinzelter User an Atubolu ist unverhältnismäßig. Zwar konnte er sich noch nicht sonderlich auszeichnen, doch fällt bei rationaler Analyse der Gegentore auf, dass er nicht eines verschuldete oder grob fahrlässig begünstigte. (Hierauf geht auch der Trainer in der PK vor Piräus ein.)

Wobei ich den Usern recht gebe: Atubolu wirkt unsicher. Auch bei Aktionen, die anschließend glücklicherweise wg Abseits abgepfiffen wurden. ABER: Vergleicht man die individuellen Fehler der Feldspieler in dieser Saison (Silidllia, Grifo, Lienhart, Ginter, Sallai, Höfler) mit jenen des Torhüters, sieht Atubolu ungleich besser aus als die Routiniers. Die Genannten verschuldeten in Summe bestimmt 3-4 Gegentore (alleine Sildillia und Sallai gegen Stuttgart). Darüber hinaus eine Menge kritischer Situationen. Vielleicht nicht grob fahrlässig, darüber kann man diskutieren. Aber mindestens wurden Gegentore durch individuelles Fehlverhalten begünstigt.

Wenn man hier nun unbedingt von einer Verunsicherungsdynamik sprechen will, dann doch um Himmels Willen nicht wegen Atubolu, sondern eindeutig zu Lasten der Feldspieler, die einen jungen TW in seiner Debütsaison verunsichern.

Als Beispiel sei die Aktion Grifos im EL Spiel in Piräus genannt. Wie wirkt es sich auf einen jungen Torhüter aus, wenn der eigene Kapitän in haarsträubender Manier am eigenen Fünfmeterraum aufgrund technischer Unzulänglichkeiten den Ball herschenkt? Ist Atubolu so etwas schon unterlaufen?

Grifo hatte mehr Glück als Verstand, dass der Gegner dieses Geschenk nicht annahm und stattdessen den Innenverteidiger auf der Linie anschoss. Solche Patzer hat sich Atubolu während seiner kompletten BL-Karriere (ok, sind nur 4 Ligaspiele) nicht einmal geleistet. Grifo hätte dem SC hier gut und gerne das Spiel verlieren können. Ob Freiburg bei der imposanten Atmosphäre in Piräus einen Rückstand gedreht hätte, nachdem man bereits so nur knapp mit einem späten Tor etwas glücklich 3-2 gewann, erscheint zumindest fraglich.

Nochmal: Wir sprechen hier von einem Fehler, der einem Profi auf diesem Niveau vielleicht einmal in fünf Jahren unterläuft - wenn überhaupt. Normale Fehler und Ballverluste im Mittelfeld - geschenkt, passiert jedem Spieler zig mal in einer Saison. Aber was Grifo gestern fast unbedrängt im eigenen Strafraum fabrizierte, war die Krönung einer unerklärlichen Häufung an Patzern der erfahrenen Freiburger Spieler (plus Sildillia, der das Spiel gg Stuttgart fast im Alleingang verlor), wie man sie von diesem Team nicht kennt. Oder vermeintlich nicht kennt, denn:

Lienhart und Ginter spielten vergangene Saison eine überragende Hinrunde, waren vielleicht das beste IV-Duo ligaweit. In der Rückrunde sah das anders aus. Speziell Lienhart kam aus seiner verletzungsbedingten mehrwöchigen Pause Mitte der Hinrunde nicht in gewohnter Qualität zurück, da waren doch einige Wackler drin. Das setzt sich in dieser Spielzeit fort.

Selbst Ginter - in der Hinrunde tlw. auf Weltklasse-Niveau agierend - hatte in der Rückrunde einige Aussetzer dabei, kulminierend im Pokalspiel gegen RB-Leipzig, in dem er gleich mehrfach düpiert wurde. Wohlgemerkt nicht nur aufgrund der an diesem Tag wirklich außergewöhnlichen Qualität Leipzigs. Sondern auch wegen falscher Entscheidungen und schlechten Timings bei Läufen u. falscher Abstände.

Lienhart präsentiert sich auch in dieser Saison eher auf dem Niveau der vergangenen Rück- als auf dem seiner fast makellosen Hinrunde. Das ist kein Beinbruch, aber in Summe sind einfach zu viele Freiburger - wie eben gestern Grifo - anfällig für Unachtsamkeiten. Speaking of which: Die Traumvorlage von Doan gegen Dortmund muss ein Spieler wie Grifo einfach aufs Tor bekommen. Das ist die gleiche Sache, nur offensiv: Doan spielt ihm den Ball bewusst so langsam direkt auf den rechten Fuß, sodass Grifo den technisch einfachsten Schuss nehmen kann, der im Fußball überhaupt möglich ist: Mit Zeit, zentral vor dem Tor, freie Schussbahn, langsamer Pass auf den starken Fuß. Und haut ihn unbedrängt 10 Meter über das Tor? Den hätte jeder Innenverteidiger zumindest aufs Tor bringen müssen. Von einem Edeltechniker wie Grifo ganz zu schweigen. (von diesem wäre erwartbar, deutlich anspruchsvollere Bälle zumindest aufs Tor zu bekommen)

Das sind Unzulänglichkeiten, die sich in dieser Saison häufen, nicht nur bei Grifo. Streich sprach diesen katastrophalen Abschluss Grifos in der PK explizit an. Auch der Spieler selbst warf sich das im Post Match Interview (sky oder Rischmüller) reumütig vor: Das Dortmundspiel hätten sie niemals verlieren dürfen. Nutzt Grifo diese Großchance in einer Phase des Spiels, in der Dortmund fast am Boden war und über weite Strecken der Partie 21 Akteure in der gegnerischen Hälfte standen, steht es 3-1. Nie im Leben kommt Dortmund da nochmal zurück. Nicht in deren aktueller Form (schon in der Vorwoche gegen Heidenheim taktisch und individuell eine Horrorvorstellung). Stattdessen haut Grifo den Ball 10 Meter über den Kasten, worauf der Gegner 5 Minuten später aus dem Nichts den Ausgleich erzielt.

Warum ich das in einen Zusammenhang bringe: Sowohl Grifos Aktion gestern in Piräus als auch der Fehlschuss gegen Dortmund sind zu einfache und vor allen Dingen spielentscheidende Fehler. Möchte man sauber analysieren, muss man den Finger in diese Wunde legen. (Und nicht irgendwas auf einen Torhüter projizieren, der noch gar nicht angefangen hat, wirklich Gegentore zu verschulden.)

Das ausgerechnet in einer Phase, in der ein neuer, junger Torhüter zwischen den Pfosten steht. Aus diesen zahlreichen Fehlern der Feldspieler (wie gesagt tlw. schon vergangene Rückrunde) nun das Narrativ zu konstruieren, der Torhüter verunsichere die Mannschaft, ist reichlich abwegig. Vielmehr sind es die Spieler wie gestern Grifo, der im eigenen Strafraum einen völligen Blackout erlebt und damit als Kapitän das gesamte Team schockt.

Wer es nicht gesehen oder verdrängt hat, erste Aktion des Spiels in der unten verlinkten Zusammenfassung

https://www.youtube.com/watch?v=0EKLIUHmTEA


Um aber zurück zu Atubolu zu kommen. Der Verein hat sich bewusst dafür entschieden, mit ihm als Nummer Eins in die Saison zu gehen. Dieser Entscheidung ging ein monatelanger Prozess voraus, an dessen Ende sich sämtliche Fachleute (Trainer, Co-Trainer, Torwarttrainer, Externe wie Kronenberg) im gemeinsamen Austausch einhellig (!) für Atubolu aussprachen. Willsagen: Atubolu zur Nummer Eins zu machen, war aus damaliger Sicht auch dann richtig, wenn er nun komplett scheitern sollte. (Wie und wann man in einem solchen Szenario reagiert, ist eine vollkommen andere Frage).

Zweifelte der Verein nun nach nur 4 Ligaspielen seine eigene Entscheidung an, wobei Atubolu bislang keinen einzigen Patzer oder verschuldete Gegentore anbieten würde (und selbst das war in die Entscheidung damals eingepreist, schwere Patzer von Atubolu werden unter Garantie noch kommen, völlig normal), gäben die Verantwortlichen ein dilettantisches Bild ab. Denn das ist präzise der Unterschied zwischen professionellen Funktionären und Fans: Eine Entscheidung im Laufe eines Prozesses auf argumentativer Basis erarbeiten und daran festhalten. Nicht: Aufgrund von diffusen Gefühlsbildern und Eindrücken spontane, emotional getriebene Entscheidungen fällen, weil sie als Ventil für persönlichen Frust dienen.

Basis der Entscheidung ist nämlich: Der Spieler gilt nicht nur in Fachkreisen als das größte deutsche Torhüter-Talent der vergangenen zehn Jahre. Bringt so viele Fähigkeiten mit wie keiner der deutschen Weltklasse-TW es in dem Alter tat. Dass er trotzdem scheitern kann, ist klar. Aber wenn man dieses Risiko nicht eingeht, einem derart befähigten Spieler das Vertrauen zu schenken, noch dazu einem gebürtigen Freiburger, dann braucht man nie wieder einen TW auszubilden. Kein Freiburger Torhüter war jemals so gut ausgebildet wie Atubolu. Tenor Andreas Kronenberg (der den Spieler als kommenden Nationaltorhüter sieht). Niemand brachte im Training permanent so viel Qualität ein wie Atubolu.

Bedauerlicherweise habe ich es nicht mehr als sauberes Zitat parat, daher keine Anführungszeichen. Aber von Kronenberg wurde mir im Sommer die Aussage überliefert: Der Junge kann gar nicht _nicht_ als Top Torhüter enden, der hat keine Schwächen. Wenn überhaupt bitte nur aufpassen, dass er auf dem Boden bleibt.

(wie gesagt, kann weit vom Wortlaut weg sein, da ich es nicht genau erinnere. Stammt von einem bekannten Berater, der nah am SC dran ist.)

Aus diesen Gründen stand Atubolu bereits vor dieser Saison in den Notizbüchern der Scouts halb Europas. Bevor er überhaupt in die Saison startete, betrug sein geschätzter Marktwert bereits 3.5 Millionen Euro. Dutzende Klubs hätten Atubolu im Sommer mit Kusshand für eine siebenstellige Summe verpflichtet, sei es als Stammtorhüter bei einem mittleren Klub, oder geparkt als zweiter bis vierter TW eines Weltklasseklubs.

Nochmal: Atubolu mag in den paar Spielen keinen souveränen Eindruck vermittelt haben. Aber zwischen Souveränität und schlechter Leistung liegen nochmal einige Schattierungen. Es gibt schlichtweg keinen Torhüter, der in seinen ersten Jahren nicht regelmäßig patzt und katastrophale Gegentore verschuldet - was Atubolu wie gesagt noch nicht einmal passiert ist. Das kommt erst noch. 95-98% aller Torhüter sind mit 21 noch Jahre von ihrem BL-Debüt entfernt.

Vergleichbar ist das mit einem Spieler wie Söyüncü: Auch da war den Verantwortlichen a priori, also vor der Verpflichtung klar, dass er schwere Fehler machen wird. Aber ein Spieler, der in dem Alter bereits derartige Fähigkeiten entwickelt hat, _muss_ ausgebildet werden. Auch Söyüncü hat uns viel Nerven gekostet, obwohl er der bis dahin beste IV der Klubgeschichte war.

Übrigens taucht Atubolu bei keinem einzigen Anbieter in der Liste "errors leading to goal" auf, wo bereits Bayernspieler, RB Leipzig oder auch Dortmunds Nico Schlotterbeck vertreten sind. Diese Projektion, er habe Gegentore verschuldet, ist auch in der Hinsicht nicht haltbar.

Wer seine Leistung nun bereits für dramatisch hält, der möge sich fragen, wie er reagiert, wenn Atubolu demnächst wirklich einmal Gegentore verschuldet. Denn das steht für die Verantwortlichen und für jeden, der sich etwas mit Fußball auskennt, in Stein gemeißelt:

Selbstverständlich wird ein Debütant wie Atubolu im Saisonverlauf Gegentore verschulden. Schlimme. Schmerzhafte. Das wird weh tun. So ist Fußball nunmal. Das gehört zwingend dazu, gerade zum Torhüterspiel.

Vielleicht noch eine Frage zum Schluss. Angenommen, Atubolu würde jetzt noch jahrelang jede Saison schwer patzen. Würdet Ihr ihm das Vertrauen entziehen? Angenommen, Ihr wüsstet bereits jetzt, dass Atubolu uns diese, kommende und übernächste Saison durch Slapstick-Einlagen Punkte kosten wird. Das ist die Prämisse.

Als kleine Hilfestellung zur Beantwortung dieser Frage ein kurzer wie unvollständiger Auszug einiger schlechter Spiele Manuel Neuers aus seinen ersten Jahren, während er in Gelsenkirchen zum besten Torhüter unserer Zeit heranreifte.

kicker-Noten u. Zitate aus dem Spielbericht:

07/08 Schalke - Rostock Note 5.5

Zitat von Spielbericht

ein kurioser Patzer von S04-Keeper Manuel Neuer brachte die Rostocker nach der Pause wieder ins Spiel

In der 56. Minute leistete sich Manuel Neuer nämlich einen kapitalen und folgenschweren Patzer. Wie so oft wollte der Schlussmann einen Konter mit einem schnellen Abwurf einleiten. Doch Stein hatte den Braten gerochen. Er spritzte dazwischen und traf mit einem Lupfer über Neuer zum 1:1 (56.).



07/08 Schalke - Chelsea Note 5.5

Zitat von Spielbericht
Begünstigt durch einen Patzer von Schalke-Keeper Manuel Neuer geriet der FC Chelsea bereits nach vier Minuten auf die Siegerstraße, die er bis zum Schluss nicht mehr verließ.

Der leicht abgefälschte Linksschuss des Franzosen hätte für Neuer eigentlich leichte Beute sein müssen. Doch wie schon beim 1:1 in Rostock patzte der Schalker Torwart und ließ den Ball durch die Arme rutschen.

(...)

Nach Paulo Ferreiras Flanke köpfte Drogba zum 2:0 ein, wieder machte Neuer nicht die beste Figur (47.). Schalke brauchte einige Zeit, um sich von diesem neuerlichen Schock zu erholen




07/08 Schalke - Stuttgart Note 5

Zitat von Spielbericht
Der Brasilianer führte einen direkten Freistoß schnell aus und lupfte den Ball mit links aus 30 Metern über Torhüter Neuer hinweg erst an die Latte, von dort ging der Ball zusammen mit dem Torhüter ins Tor (61.)!



08/09 Schalke - HSV Note 5

Zitat von Spielbericht


Ein Fehlgriff Neuers ermöglichte Pitroipa die erste Chance des Spiels (4.). Schalke war übernervös - ein Fehlpass jagte den nächsten, die Verunsicherung im Lager der "Königsblauen" war nicht zu übersehen.

(...)

Nach einem Pass von Boateng von der Mittellinie behinderten sich Höwedes und der herausstürmende Neuer an der Strafraumgrenze gegenseitig - Guerrero war der Nutznießer und schob den Ball ins leere Tor (70.).



08/09 Schalke - Stuttgart Note 5

Zitat von Spielbericht
Wie aus dem Nichts ging der VfB erneut in Führung: Hitzlsperger zog aus 22 Metern ab, Neuer ließ nach vorne abprallen. Marica stand goldrichtig und staubte aus elf Metern ab (56.).



09/10 Hannover - Schalke Note 5

Zitat von Spielbericht
Weil Schmitz nicht richtig angriff und der unnötig aus seinem Tor geeilte Neuer in die Luft sprang, konnte der Ivorer durch die Beine des Schalker Keepers vom Strafraumrand aus einschießen (29.).



Nicht zu vergessen das legendäre 73-Meter-Tor von Frankfurts Tzavellas, der damit einen historischen Fernschuss-Rekord für die Geschichtsbücher aufstellte:

Schalke - Frankfurt Note 5

Zitat von Spielbericht
Denn es tat sich erneut Kurioses auf Schalke: Ein 73-Meter-Pass von Tzavellas aus der eigenen Hälfte landete im Tor der "Knappen", weil sich Neuer, noch irritiert von Gekas, völlig verschätzte (70.).



Und hat noch jemand die Fehlgriffe von Baumann und Schwolow in Erinnerung? Ein User wies bereits auf das in der BL-Historie wohl einmalige Patzer-Spiel von Baumann hin, in dem er wie von Sinnen ein Geschenk nach dem anderen verteilte und sich zum Gespött der Nation machte:

Zitat von Spiegel-Artikel
Doch bedauerlicherweise hatte das, was der 23-Jährige zeigte, mit Normalform nicht das Geringste zu tun - sonst wäre die Partie vielleicht sogar 0:0 ausgegangen. Die Chronik eines slapstickartigen Spielverlaufs:

37. Minute: Baumann ließ ("Ich wollte den Ball wegköpfen, aber er ist höher abgesprungen, als ich gedacht habe") einen planlos nach vorne geschlagenen Ball von Milan Badelj passieren, anstatt ihn wegzuschlagen - Hamburgs Maximilian Beister traf zum 1:0 ins leere Tor.

47. Minute: Kurz nach Wiederanpfiff leistete sich Baumann fast den gleichen Fehler wie beim 0:1 ein zweites Mal. Erneut ließ er einen langen Ball passieren, diesmal war es Pierre-Michel Lasogga, der einschob. Getroffen hatte zu allem Unglück auch noch ein Spieler, dessen Mutter mit dem früheren Werder-Torhüter Oliver Reck zusammen ist, der unter dem Namen "Pannen-Olli" in die Geschichte einging.

63. Minute: Die HSV-Fans quittierten nach dem 2:0 jeden weiteren Ballkontakt Baumanns mit ironischem Applaus. Und der wurde nicht leiser, als der langjährige U-21-Nationalkeeper den dritten Hamburger Treffer auch noch verschuldete. Einen harmlosen Schuss von Beister ließ Baumann abprallen, und Rafael van der Vaart staubte zum Endstand ab.


Zitat von usernick
Auch HSV-Regisseur van der Vaart konnte es nicht fassen. "So etwas habe ich noch nie gesehen", sagte er: "Das war für ihn wirklich peinlich."



Und Atubolu? Hat noch nicht ein Gegentor verschuldet. All diese hanebüchenen Patzer, all diese eigentlich unerklärlichen Aussetzer stehen diesem Top-Talent noch bevor. So wie jedem anderen Torhüter auch.

Was ist, wenn Atubolu gegen Frankfurt Götze den Ball vor die Füße wirft und damit wie einst Schwolow oder Neuer die Partie alleine verliert? Etwa so:

https://www.youtube.com/watch?v=3Y7jEwncGGQ

Normal. Wer gewisse Erfahrungswerte im Fußball hat, weiß, dass diese Situationen früher oder später kommen. So ist dieser Sport. Und wer sich fragt, wie das Trainerteam auf diese unvermeidlichen Patzer von Atubolu reagieren wird ("Ogott! Sie müssen ihn rausnehmen?! Panik!! Man muss Atubolu vor sich selbst schützen!!"), kann sich das direkt hier anschauen:

https://www.youtube.com/watch?v=uves-zqUsCM


Weiß noch jemand, mit welcher Begebenheit das HSV-Spiel endete, das Baumenn im Alleingang mit 0-3 verlor? Das ist an dieser Stelle vielleicht wichtiger als all die Analysen. Unmittelbar nach dem schlimmsten Spiel seiner Karriere ging Oliver Baumann in die Fan-Kurve. Freiburg war als Tabellensiebzehnter nach 10 Spieltagen noch immer sieglos und hatte bereits 5 Punkte Rückstand aufs rettende Ufer. Dank Baumann tat man einen Riesenschritt in Richtung zweite Liga.

Was machten die Fans? Feierten ihren Torhüter nach dem 0-3 mit Oliver Baumann Sprechchören.

Und was passierte eine Woche darauf? Im Kellerduell der einzigen beiden sieglosen Mannschaften gastiert Freiburg auswärts beim 1. FC Nürnberg. Die 1-0 Führung des SC muss eine der unverdientesten ever gewesen sein. Freiburg war hoffnungslos unterlegen, Nürnberg hatte Chance um Chance, zudem mehrere Aluminiumtreffer. Darauf kassiert Freiburg einen Platzverweis (Gelb-Rot Sorg, 69. Minute). Ich stand mit meinen Freunden im Auswärtsblock und erinnere es wie heute: Alle die-hard SC Fans, aber nach dem Platzverweis sagte jeder von uns "Nichtmal ein Remis wird das." Trotz Führung. Ausgeschlossen. Gefühlt jeder zweite Angriff der Nürnberger resultierte in einer Großchance, das war wie ein Pokalspiel Bundesliga gegen Oberliga.

Aus heiterem Himmel geht Freiburg in Unterzahl 2-0 in Führung. Wir nahmen das in einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Extase auf. Und SELBST beim 2-0 hofften wir noch auf ein Remis, da der SC dermaßen unterlegen war, dass wir eine Niederlage befürchteten in diesem entscheidenden Abstiegsduell - Nürnberg wäre in der Tabelle davongezogen:

https://www.kicker.de/bundesliga/tabelle/2013-14/10

Schließlich erzielte Mehmedi in Unterzahl sogar das 3-0, im Block brachen alle Dämme. Bis heute mein schönstes Auswärtsspiel, kaum jemand, der sich an dem Abend nicht eine Träne verdrückte.

Warum schreibe ich all das an dieser Stelle? Ratet mal, wer dem SC dieses Spiel mit der besten Leistung seiner Karriere gewann:

https://www.kicker.de/nuernberg-gegen-freiburg-2013-bundesliga-1894966/spielinfo

Das war direkt nach dem HSV-Spiel. (Ich schrieb das vor Jahren schon einmal, aber denke, es büßt nicht an Aktualität ein). Nach dem Streich und die Fans ihren Torhüter bedingungslos unterstützten. Ich kann es nicht beweisen, vielleicht ist es auch Quatsch. Aber als Fußballromantiker bilde ich mir gerne ein, dass unsere Sprechchöre Oliver Baumann nach dessen indiskutabler Leistung mental Rückhalt boten. Es war unser Torhüter. Genauso wie Atubolu heute unser Torhüter ist. Schon beim Warmlaufen in Nürnberg gab es sofort Oliver Baumann Sprechchöre. Freiburger Fans besitzen ein feines Gespür für so etwas.

Hier im Forum gab es damals übrigens genügend Stimmen, die Baumann die BL-Tauglichkeit absprachen. Streich und das Trainerteam machten sich vor dem vorentscheidenden Abstiegsduell gegen Nürnberg durchaus angreifbar. Die vorherrschende Meinung war: Man muss Baumann jetzt mal aus der Schusslinie nehmen und schützen. Streich sprach ihm dennoch das Vertrauen aus. Der SC stand zu seinem Torhüter. Und dann haut Baumann so eine Gala gegen Nürnberg raus und gewinnt uns das Ding im Alleingang.

Diese Dinge machen den SC für mich aus. Das sind die Erlebnisse, die bleiben. Auch wenn es unglaubwürdig klingt: Mehr noch als ein Pokalsieg oder eine CL-Qualifikation. Denn das ist die Verdichtung von Gemeinschaft, Miteinander, Rückhalt. Bei anderen Klubs hätte man Baumann nach so einer Leistung als Tabellensiebzehnter ausgetauscht. Nicht zuletzt, weil er damit das gesamte Team komplett verunsichert hatte. Die Fans hätten gepfiffen. Nicht in Freiburg. Hier hatte man bedingungslos zu seinen Spielern gehalten und dadurch all diese großen Geschichten überhaupt erst ermöglicht.

Ob das heute immer noch so ist? Ich weiß es nicht. Freiburg ist in der Amtszeit unter Streich so unfassbar erfolgreich geworden, dass - altes Thema hier im Forum - jüngere Fans eine ganz andere Erwartungshaltung mitbringen. Und Atubolu bereits das Vertrauen entziehen, bevor dieser überhaupt ansatzweise schwere Fehler begangen hat.

Ein stückweit wiederholen sich die Geschichten. Wie schockierend schlecht Christian Günters Leistungen zu Beginn seiner Karriere waren. Höfler ebenso. Höler. Streich sah im Gegensatz zu den Fans immer weit mehr in diesen Spielern. Und ermöglichte uns dadurch erst diese großen Geschichten. Heute sind das die Gesichter des Vereins, Günter wurde (unvorstellbar aus damaliger Sicht) Nationalspieler und reifte durch dieses Vertrauen und jahrelange Geduld zum vielleicht besten denkbaren Kapitän für diese Mannschaft.

Wer dieses Vorstellungsvermögen und auch die Demut und Geduld nicht aufbringen kann, der beraubt sich selbst all dieser großartigen Geschichten, die den Fußball erst so besonders machen. Für mich ist das auch eine Frage von Verständnis und Reflexionsvermögen.

Entfernt erinnert es btw. an diese Untergangsstimmung nach der Auslosung des Pokalhalbfinals letzte Saison, nach der ich auf meinen Beitrag ("eins der beiden Spiele gegen Bayern gewinnen sie") zig empörte Antworten erhielt, die mir erklärten, warum es sinnlos sei sich Hoffnungen zu machen und das Spiel bereits verloren wäre.

Wenige Wochen darauf machte sich Lucas Höler unsterblich und schoss Bayern kurz vor Schluss in deren eigenem Wohnzimmer aus dem Pokal. Warum traut man diesem Verein so wenig zu? Habt etwas Vertrauen in Eure Sportdirektoren, Trainer, Spieler. Und in den jungen Kerl zwischen den Pfosten. Das kann ein richtig Großer werden. Aber dazu muss man ihm erstmal Fehler und einen damit verbundenen Lernprozess zugestehen. Und - aber das ist nur meine bescheidene Meinung - ihm anschließend den Rücken stärken. Nicht vergessen: Das ist ein ganz junger Mensch, auf den gerade wahnsinnig viel einprasselt. Der unheimlich ehrgeizig ist und sich selbst den größten Druck macht. Der sich seit Wochen jeden Tag die Frage stellt: Warum kriege ich nicht mal ein paar haltbare Schüsse auf den Kasten?

In dieser Karriere stecken bereits so viele Jahre Arbeit, gönnt ihm doch wenigstens ein paar Spiele Zeit um anzukommen. Sonst seid Ihr doch auch so herausragend gut darin, Euch bei jeder Gelegenheit über die "Schnelllebigkeit in diesem kommerzialisierten Geschäft" zu echauffieren.

Alternativ kann man auch einfach fertige Spieler kaufen und es sein lassen mit dem Ausbildungskonzept. Dann müssen wir aber nicht mehr über den "besonderen" Verein diskutieren, dann braucht es auch keine "So wie Du soll Fußball sein"-Fan Choreografien mehr, wenn das reine Lippenbekenntnisse sind, auf die man sich nur im Erfolgsfall beruft.

Diese Geschichte um Atubolu ist so sehr Freiburg, diesen Mut bringen andere Klubs nicht auf. Andere Fans beneiden uns um diese Courage, nicht alles dem kurzfristigen Erfolg unterzuordnen.
Noah Atubolu [1] |#186
22.09.2023 - 15:43 Uhr
Prinzipiell ist Noah erstmal ein sehr talentierter Nachwuchs-Torhüter. Es ist aber kein Naturgesetz, dass sich selbst die sehr talentierten Spieler immer auch so entwickeln, dass sie am Ende Bundesliga-Niveau haben und sich etablieren. Das lässt sich auch nicht herbeischreiben.

So wie manche hier offenbar jede berechtigte Kritik oder Befürchtungen oder Sorgen gleich niedermachen und die Autoren gleich mal wieder heftig attackieren, kann ich genauso wenig die scheinbar absolute Sicherheit verstehen, dass Noah sich natürlich super entwickeln wird. Es ist und bleibt eine Gratwanderung, die gut gehen kann (was wir uns ja Alle wünschen), die aber nicht zwangsläufig gut gehen wird. Nach Frankfurt sind wir Alle wieder ein bisschen schlauer.

•     •     •

Meine Best of SC - Elf


Flekken --- Schlotterbeck - Kehl - Ginter --- Manzambi--- Grifo - Sallai - Cardoso - Doan --- Cissé - Petersen



Bank: Golz / Schmadtke --- Günter / Söyüncü / Lienhart --- Höfler / Darida --- Kohl / Baya / Philipp / Mehmedi --- Spies
Noah Atubolu [1] |#187
22.09.2023 - 16:01 Uhr
Zitat von Zweitligameister


Diese Geschichte um Atubolu ist so sehr Freiburg, diesen Mut bringen andere Klubs nicht auf. Andere Fans beneiden uns um diese Courage, nicht alles dem kurzfristigen Erfolg unterzuordnen.


Wie kann man denn bitte zu so einer Schlussfolgerung kommen, wenn man vorher ellenlang über die Anfänge eines Manuel Neuers schreibt? Und Neuer ist da ja kein Einzelfall, mir fallen da spontan auch noch Bernd Leno, Rene Adler, Timo Horn oder Marc Andre ter Stegen ein..
Noah Atubolu [1] |#188
22.09.2023 - 16:34 Uhr
Zitat von TomBS
Zitat von Zweitligameister

Diese Geschichte um Atubolu ist so sehr Freiburg, diesen Mut bringen andere Klubs nicht auf. Andere Fans beneiden uns um diese Courage, nicht alles dem kurzfristigen Erfolg unterzuordnen.


Wie kann man denn bitte zu so einer Schlussfolgerung kommen, wenn man vorher ellenlang über die Anfänge eines Manuel Neuers schreibt? Und Neuer ist da ja kein Einzelfall, mir fallen da spontan auch noch Bernd Leno, Rene Adler, Timo Horn oder Marc Andre ter Stegen ein..


Jeder der von Dir genannten Torhüter wurde im Saisonverlauf aufgrund von Verletzungen reingeworfen, an andere Klubs verliehen usw.

Atubolu stellt diesbezüglich eine Ausnahme dar, da der Stammverein ihm vor Saisonbeginn als Debütant zur Nummer 1 erklärte. Das wurde diesen Sommer auch in den Medien behandelt, da es einen absoluten Sonderfall darstellt. Junge Torhüter kommen nahezu ausschließlich durch Verletzungen ins Tor oder dadurch, dass sie die etablierte Nummer 1 im Saisonverlauf verdrängen. Kein Bundesligist erklärt einen Nachwuchstorhüter vor Saisonbeginn zur Nummer 1.

Wenn Du Deine Kandidaten kurz überdenkst, ist das eigentlich evident:

Bernd Leno wurde von seinem Stammverein Stuttgart kurzfristig nach Saisonbeginn an Leverkusen verliehen, nachdem sich René Adler verletzte.

Köln spielte nicht einmal Bundesliga, als Timo Horn Nummer 1 wurde.


Adler:
"Zur Saison 2003/04 stieg Adler in den Bundesligakader auf, spielte aber in den ersten vier Jahren seiner Karriere im Männerbereich ausschließlich in der zweiten Mannschaft.

Aufgrund einer Sperre nach einer Roten Karte von Hans Jörg Butt stand er am 25. Februar 2007 gegen den FC Schalke 04 in der Startelf, obwohl eigentlich Benedikt Fernandez Butts Vertreter war. Er verdrängte daraufhin Butt für den Rest der Saison als Stammtorhüter."


ter Stegen:
"Sein Bundesligadebüt gab ter Stegen am 10. April 2011 im Spiel gegen den 1. FC Köln. Er spielte auch in den restlichen sechs Bundesligaspielen der Saison 2010/11 und den beiden Relegationsspielen gegen den VfL Bochum"

Selbst Neuer sprang nur für den verletzten Frank Rost in die Bresche:

"Zur Saison 2005/06 schloss Neuer einen Profivertrag ab und wurde hinter Frank Rost und Christofer Heimeroth die Nummer drei des Bundesligakaders. Zweimal saß er dort auf der Ersatzbank und spielte ansonsten in der Oberligamannschaft.

Nach dem Weggang von Heimeroth rückte er zur Saison 2006/07 zur Nummer zwei im Tor auf. Bereits am zweiten Spieltag musste er für den verletzten Frank Rost einspringen und bestritt sein erstes Bundesliga-Spiel am 19. August 2006 auf dem Tivoli gegen Alemannia Aachen. Kurz darauf fiel Rost bei Trainer Mirko Slomka in Ungnade und verließ den Verein zur Winterpause."


Atubolu ist unter diesen der einzige Torhüter, der weder eine etablierte Nummer 1 bei einem Bundesligisten leistungstechnisch verdrängte noch durch dessen Verletzung profitierte. Sind wir da d'accord?

Mir fällt ad hoc tatsächlich nicht ein vergleichbarer Fall ein... schon gar nicht bei einem Europapokalteam.
Noah Atubolu [1] |#189
22.09.2023 - 16:41 Uhr
Zitat von Troyaner
Prinzipiell ist Noah erstmal ein sehr talentierter Nachwuchs-Torhüter. Es ist aber kein Naturgesetz, dass sich selbst die sehr talentierten Spieler immer auch so entwickeln, dass sie am Ende Bundesliga-Niveau haben und sich etablieren. Das lässt sich auch nicht herbeischreiben.

So wie manche hier offenbar jede berechtigte Kritik oder Befürchtungen oder Sorgen gleich niedermachen und die Autoren gleich mal wieder heftig attackieren, kann ich genauso wenig die scheinbar absolute Sicherheit verstehen, dass Noah sich natürlich super entwickeln wird. Es ist und bleibt eine Gratwanderung, die gut gehen kann (was wir uns ja Alle wünschen), die aber nicht zwangsläufig gut gehen wird. Nach Frankfurt sind wir Alle wieder ein bisschen schlauer.


Du hast grundsätzlich einen Punkt.

Allerdings gibt es eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass Atubolu einen Entwicklungsprozess nach oben diese Saison machen wird. Zum einen, weil Experten, die schon viele Torhüter gesehen haben, und deren Entwicklung, genau das vorhersagen, zum anderen, weil Atubolu eine Historie im Verein hat, eine Entwicklung bereits nachgewiesen hat.

Die ersten Spiele in der dritten Liga waren teils vogelwild. Auf der Linie schon immer überragende Reflexe, hatte er beim Herauslaufen riesige Probleme, was letztlich auch zu einigen Gegentoren geführt hat. Dort konnte er sich vor allem vor zwei Jahren aber immer wieder auszeichnen, weil er auf der Linie auch immer mal wieder "Unhaltbare" herausgeholt hat. Das fehlt im aktuell in der Bundesliga noch.

Aber was wichtig ist: Am Ende der Drittligasaison war er ein ersichtlich VIEL besserer Torhüter; wie andere Spieler auch (z.B. Robert Wagner, Treu, etc.) hatte Atubolu einen riesigen Schritt nach vorne gemacht und die Schwächen ersichtlich reduziert. Es gab also immer wieder schnelle Anpassungen an ein höheres Niveau.

Jeder, der den Aktienmarkt verfolgt, weiß, dass man aus Entwicklungen in der Vergangenheit nicht zwingend auf Entwicklungen oder Ereignisse in der Zukunft schließen kann. Aber in diesem Fall spricht viel dafür, dass Atubolu das gelingen wird. Denn er hat den Mix in sich, den es dazu braucht: Arbeitswille, Talente und den Willen, auch gegen Widerstände weiterzumachen. Und Vieles mehr.

Jedes Spiel wird ihm helfen und da ist die Lernkurve aktuell brutal steil. Dies ist mental und auch physisch für Atubolu extrem fordernd - es ist wie Autofahren: Nach dem Führerschein ist Straßenverkehr für eine gewisse Zeit Chaos. Noch nichts ist richtig automatisiert drin in einem, alles ist neu, alles ist anstrengend, man ermüdet schnell. Bei dem einen früher, bei dem anderen später stellt sich Routine ein, die das Leben erleichtern. Das ist ein völlig normaler Lernprozess, den wir alle bei beliebigen Themen durchlaufen. Atubolu hat nachgewiesen, dass er schnell adaptieren kann; diese Adaptionsfähigkeit wird dazu führen, dass er schnell besser und sicherer werden wird. Das ist jedenfalls erheblich wahrscheinlicher als der umgekehrte Fall.
Noah Atubolu [1] |#190
22.09.2023 - 16:47 Uhr
Zitat von scooff

Zitat von Troyaner

Prinzipiell ist Noah erstmal ein sehr talentierter Nachwuchs-Torhüter. Es ist aber kein Naturgesetz, dass sich selbst die sehr talentierten Spieler immer auch so entwickeln, dass sie am Ende Bundesliga-Niveau haben und sich etablieren. Das lässt sich auch nicht herbeischreiben.

So wie manche hier offenbar jede berechtigte Kritik oder Befürchtungen oder Sorgen gleich niedermachen und die Autoren gleich mal wieder heftig attackieren, kann ich genauso wenig die scheinbar absolute Sicherheit verstehen, dass Noah sich natürlich super entwickeln wird. Es ist und bleibt eine Gratwanderung, die gut gehen kann (was wir uns ja Alle wünschen), die aber nicht zwangsläufig gut gehen wird. Nach Frankfurt sind wir Alle wieder ein bisschen schlauer.


Genau, das sehe ich auch so. Gestern das Spiel in einer Kneipe gesehen, als einer unvermittelt laut sagte : "Der isch aber nit gut".
Ich wünsche hier auch den Freiburger Weg. Nach der Ausbildung in der Jugend nun im Winter gewinnbringend rasch nach England verkaufen, solange es noch Geld gibt.

Dieser Beitrag wurde zuletzt von NilsFan am 22.09.2023 um 16:49 Uhr bearbeitet
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