Schiedsrichterforum

Kleinliche Schiris in der Bundesliga ?

26.11.2005 - 17:43 Uhr
Zitat von Luftikus1:


In verbindung mit dem immer schlimmer werdenden fairplay-getue der heutigen spieler, also etwa abgeklatsche, respektbekundungen, getätschel, sorrygesten und nach-dem-spiel-fröhlich-mit-dem-gegner-scherzen ist das ein aspekt der den spaß am fußball zunehmend mindert. ich fordere also mehr emotionalität und aggressivität.


Also mein Spaß steigt durch fairplay-getue. Und jetzt?
Mal ganz davon abgesehen, dass der Schiri der Buhmann eines ganzen Stadions ist, wenn er ein hartes Tackling weiterlaufen lässt. Man soll doch bitte mit dieser abartigen Heuchelei aufhören, dass man es geil fände, wenn mehr laufen gelassen wird. Das ist in dem Moment wieder vorbei, in dem es den eigenen nicht gegebenen Freistoß betrifft.
Ich weiß noch genau, wie ich in der Kurve stand, Diego eine absolut für jeden offensichtliche Schwalbe im Strafraum beging und alle um mich rum sich aufregten, dass dieser dumme Schiri keinen Elfer gibt, sondern Gelb für Diego. Da war all das Gequatsche, dass Schwalben so was Schlimmes und Verachtenswertes sind, sofort vergessen.
Also DEN perfekten Schiedsrichter(-stil) gibt es mMn nicht. Das liegt schon allein daran, dass es keinen Schiri gibt, der konstant (!) gute Spiele pfeift. Jeder hat mal Fehlentscheidungen drin, jeder pfeift gefühlt mal kleinlicher, mal weniger kleinlich und auch was die Emotionslage, z.B. Empfindlichkeit gegenüber Einwänden von Spielern etc. angeht, gestaltet sich das bei jedem Spiel anders, was auch normal ist, da jedes Spiel von den Spielern auch anders geführt wird. Geht es da härter zu, muss der Schiri auch härter durchgreifen. Und geht es fairer zu, kann er auch mehr laufen lassen.
Es stimmt sicherlich, dass bei uns in Deutschland tendenziell nicht so viel laufen gelassen wird und auch meist recht wenig nachgespielt wird. Und sicherlich hängt es auch von jedem Schiri persönlich als Typ ab, wie sehr er zu Kleinlichkeit, schnell ausgeteilten Karten etc. neigt. Wolfgang Stark z.B. fällt mir persönlich i.d.R. schon extrem durch kleinliches Pfeifen, etwa stetiges Zurückpfeifen von schnell ausgeführten Standards, auf. Aber ich würde nicht sagen, dass die Schiris in Deutschland grundsätzlich kleinlicher oder schlechter pfeifen würden, als anderswo. Sieht man ja bei Länderspielen oder internationalen Turnieren oft recht gut, da werden auch den sonst hoch gelobten Engländern gerne mal schlechte Leistungen bescheinigt. Auch ein Kuipers bspw., der oftmals als guter Schiri gesehen wird, hatte schon schlechtere Spiele dabei. Man kann Schiris nicht primär danach beurteilen, aus welchem Land sie kommen. Und man kann sie i.d.R. auch nur schwer in eine feste Schublade stecken, denn das ist hauptsächlich eine Sache der Tagesform.

Was aber auch noch ein wichtiger Punkt ist: Jeder sieht einen Schiri anders. Wenn er ein Spiel pfeift, dann sagen manche, dass er das gut gemacht hat und manche, dass er das schlecht gemacht hat. Und aus den jeweiligen guten oder schlechten Erfahrungen ergibt sich dann bei jedem ein anderes Bild über den entsprechenden Schiri. Bei den Spielern ist es anhand von Statistiken und gezeigten Leistungen einfacher, sie zu bewerten und relativ klar einzuordnen. Natürlich gibt es auch hier unterschiedliche Sichtweisen, aber es weiß z.B. jeder, dass Cristiano Ronaldo auf seiner Position ein Weltklassespieler ist und André Hahn (noch) nicht, um mal einen fiktiven Vergleich anzuführen. Da wird es auch keinen geben, der dieses Urteil so grundsätzlich bestreiten würde. Bei Schiris ist das eben anders, dort kann man nicht spontan sagen "Der ist absolutes Topformat, der Mittelklasse, der kann gar nix!", da bilden sich die Bewertungen nicht aus den gezeigten Leistungen, der Anzahl ausgeteilter Karten oder Fehlentscheidungen (wobei diese ja auch oft genug nicht klar nachweisbar sind, sondern auf Subjektivität beruhen), sondern zum absoluten Großteil anhand von der eigenen Wahrnehmung. Und die ist bei jedem grundverschieden.

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Zitat von Apfelschuerrle:
Und aus den jeweiligen guten oder schlechten Erfahrungen ergibt sich dann bei jedem ein anderes Bild über den entsprechenden Schiri.


Ich würde sogar noch weitergehen und sagen, dass die schlechten Leistungen eines Schiris viel eher im Gedächtnis bleiben. Über gute Leistungen eines Schiris verliert doch niemand ein Wort. Außer er hat etwas ganz besonders Schwieriges erkannt. Aber 90% der Leistungen der Schiris sind im Prinzip nicht zu beanstanden und mindestens solide. Da kenne ich Berufsgruppen - gerade auch Fußballspieler beispielsweise - die eine deutlich schlechtere Performance im Gesamtbild hinlegen. Trotzdem wird auf die Schiris dauernd eingeprügelt, obwohl sie einen vergleichsweise guten Job erledigen.
Wenn ich beispielsweise sehe, wie manchmal bei fragwürdigen Fernsehsendungen a la Spieltagsanalyse oder Doppelpass über Schiedsrichter-Leistungen gelästert wird, würde ich da empfehlen, zunächst mal die eigene Arbeit einer kritischen Betrachtung zu unterziehen, da arbeiten die Schiris nämlich weitaus besser.
Zitat von Luftikus1:
Es ist kaum noch zu ertragen. Wenn man mal darauf achtet: Es wird JEDER zweikampf wo es einen kleinen schubser oder dergleichen gibt abgepfiffen. Ausgenommen sind standardsituationen, aber auch nur weil der schiri dort den überblick verliert.

Podolski hat auch schon angemerkt, dass der Fußball deshalb in England mehr spaß macht. das gilt wohl auch für die zuschauer.[...]


Da gebe ich dir absolut recht. Es ist traurig, was von deutschen Schiedsrichtern abgepfiffen wird (andere Schiedsrichter kann ich nur schlecht beurteilen).

Podolski war selbst an einem sehr schönen Beispiel beteiligt, bei dem man sieht, wie die Bundesligaspieler an dieses kleinliche Pfeifen gewohnt sind. Im Spiel Bayern - Arsenal fällt Lahm nach einem Podolski-Rempler sehr schnell im eigenen Strafraum. Das ist sicher Geschmacksache, mir persönlich gefällt das schnelle Abpfeifen bei Körperberührungen überhaupt nicht.

Auch im gestrigen Spiel Salzburg - Basel gab es eine beispielhafte Szene (mit deutschem Schiedsrichter Gräfe). Im Zweikampf kommt ein Salzburger Spieler im eigenen Strafraum zu Fall, die Schweizer behaupten den Ball und erzielen ein Tor. Obwohl beide Spieler im Zweikampf die Arme eingesetzt hatten hatte ich nicht den Eindruck eines foulwürdigen Verhaltens. Aber aus Sicherheit werden solche Szenen allzu oft mit Stürmerfoul gewertet (siehe Verhalten Lahm im Beispiel oben).

Dieses mMn extreme Pfeifen fördert die Theatralik der Profis ungemein. Auch ein Beispiel gestern: angedeuteter Kopfstoß von Ajeti gegen Alan. Der fällt wie vom Blitz getroffen und hält sich sekundenlang das Gesicht. Definitiv eine traurige Entwicklung.

Was ich mir wünsche:
- mehr Laufen lassen
- Theatralik bestrafen
und ganz wichtig:
- eine konsequente Linie der Schiedsrichter: es kann nicht sein, dass bestimmte Fouls im Strafraum anders gepfiffen werden, als am Mittelkreis (Stichwort: das reicht nicht für einen Elfer)
- es darf nicht im Zweifelsfall Stürmerfoul gepfiffen werden, weil der Schiedsrichter das als die harmlosere Variante sieht (er hat schließlich kein Elfer/Tor zu verantworten, bei einer Fehlentscheidung)

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»Mit der Startnummer 1: Norbert Nigbur.«

Dieser Beitrag wurde zuletzt von odie1893 am 21.03.2014 um 11:32 Uhr bearbeitet
Zitat von Tim_Cahill:
Zitat von Jackhammer_Joe:
Zitat von Terrier99:
Zitat von Loophur:
Das Problem liegt definitiv nicht an den Schiris.

Wenn man ds Problem angehen will, dann liegt das zum einen, an den Medien und Kommentatoren(mein "Unwort" des Jahres: es gab einen Kontakt!), aber, wenn man wirklich was ändern will, dann geht das in erster Linie über jeden von uns Fans. Wenn man den eigenen Spielern und jede Mannschaft hat Gravitationswunder in ihrer Mannschaft anfängt, diees nicht zu tolerieren, dann kann man was erreichen.

Sobald man aber bei jedem Faller eines Spielers einen Freistoss fordert und im anderen Fall in lächerlich findet, wird sich nicht viel ändern.


Hallo,

sehr gut erkannt. In Deutschland hat man sich einfach daran gewöhnt, daß Bodenkontakt gleichbedeutend mit Foulspiel ist. Christian Ziege hat in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau mal sinngemäß gesagt:

"In der BL wird inzwischen mehr gepfiffen als beim Basketball. Wenn ein Tackling fair ist, kann der Gegner doch auch mal fünf Meter durch die Luft fliegen".

Genau das wird ignoriert. In den deutschen Profiligen wird nach dem Schema gepfiffen, der hat zwar den Ball getroffen, aber dabei den Gegner gefährdet. Und die Medien blasen ins gleiche Horn! Und unter dem Begriff "Gefährliches Spiel" wird alles versteckt, wo der Gegner bei einem Zweikampf zu Boden geht. Luftkämpfe im Strafraum sind auch nicht mehr möglich, der Torwart steht praktisch auch außerhalb des 5-Meter-Raums unter Artenschutz, so daß ein Eckball in die Nähe des Tores zu schießen, eigentlich Unfug ist.

Und dann, international, ja dann wird nicht gepfiffen, und unsere "Stars" wundern sich.

Und das allermerkwürdigste ist, daß deutsche UEFA-Schiris wie Merck, Fandel, Starck international nach GANZ ANDEREN REGELN zu pfeifen scheinen wie zu Hause. Und dieser unsinnige Begriff "internationale Härte" wird von den Medienheinis hervorgekramt, als ob es Regelunterschiede zwischen Deutschland und dem Ausland gäbe.

Das schlimme ist, daß auch von den Verantwortlichen (Bierhoff, Magath, Bruchhagen, Hoeness) dieses Thema immer wieder hervorgekramt wird, wenn es ihnen in den Kram paßt. Dann schläft alles wieder ein und es geht weiter wie vorher.

Ich habe die Hoffnung inzwischen aufgegeben, daß sich da mal was ändert.

Gruß
Terrier99


super beitrag, und das zitat von ziege sollte man sich einrahmen und jedem spieler und schiri übers bett hängen, damit die's mal begreifen!!


Kann ich auch nur vollkommen zustimmen...
Wenn heutzutage ein Spieler richtig fällt,bekommt er den Pfiff...
Aber die Kommentatoren springen auch total auf den Zug auf...
Wenn man bei Zeitlupen sieht,dass der Spieler nur leicht berührt wurde und sich danach fallen lässt,heißt es,dass ja "Kontakt" da war :rolleyes

Aber so schnell wird sich das auch nicht ändern,denn die Spieler und die Schiris haben sich schon zu sehr daran gewöhnt...
Es ist deshalb mittlerweile "normal"...

Das ist es ja. Fussball ist aber nun mal ne Kontaktsportart. Schon immer gewesen. Der Begriff Foul wurde früher noch ganz anders definiert. Wenn es danach ginge müsste man schon das rempeln mit Ball abpfeifen. Nur noch Ballerinas aufm Platz... :/:
schaue gerade das Spiel Stuttgart gegen HSV.

Mindestens jedes zweite Foul ist Schauspielerei. Sooo nervig!
Auch wenn die Schiedsrichter in Deutschland sehr kleinlich, auf jeden Fall kleinlicher pfeifen als sonst in Europa, geht mir aber eine Sache viel mehr auf die Nerven bei unseren Schiris und das ist das frühzeitige abpfeifen...ich würde mal schätzen(die Spiele die ich schaue): bei einem von 10 Spielen wird zur Halbzeit überhaupt nachgespielt...es ist unerträglich! Ich hatte diese Saison schon Spiele, da wurde 44:50 usw abgepfiffen, oder wenn es 1:1 steht, gibt es keine Sekunde Nachspielzeit. Auch wenn ein Spiel mal klar 4:0 oder so ähnlich steht, wird nach 90 Minuten pünktlich abgepfiffen...

Das hast Du in keiner anderen Liga in Europa. In England stehts 2:1 und dann zeigt der Schiri nicht selten 4-5 Minuten und hier: 2:1, spannend ohne Ende, hochemotionales Spiel, Tore, Unterbrechungen bis dahin und angezeigt wird: 2 Minuten...

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Zitat von Steppppo:
schaue gerade das Spiel Stuttgart gegen HSV.

Mindestens jedes zweite Foul ist Schauspielerei. Sooo nervig!

habe ich auch gedacht,wobei der schiri das ja nicht pfeiffen muss ....aber die Spieler fallen auch schon echt bei der kleinsten berührung

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Es schadet nicht zu denken
Puh, kleinliche Deutsche, das geht doch gar nicht. :D

Um mal on-topic zu bleiben: Manuel Gräfe fand ich beim Salzburg-Basel Spiel lächerlich, nur wegen einer Wasserflasche, die ans Feld geschleudert wurde, hatte er die Partie für 15 Minuten unterbrochen. Manche Schiris neigen bei sowas auch zu Selbstdarstellung.
Zitat von sundowner13:
Zitat von Steppppo:
schaue gerade das Spiel Stuttgart gegen HSV.

Mindestens jedes zweite Foul ist Schauspielerei. Sooo nervig!

habe ich auch gedacht,wobei der schiri das ja nicht pfeiffen muss ....aber die Spieler fallen auch schon echt bei der kleinsten berührung


Warum? Weil sie wissen, dass die Schiris jeden Mist pfeifen. Das zerstört den Spielfluss.
Mich kotzt das richtig an und bei harten Entscheidungen fehlt ihnen der ***** in der Hose.
Ist oft ziemliche Alibipfeifferei

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"Ich liebe Gerüchte! Naja, Fakten können so irreführend sein, wohingegen Gerüchte, wahr oder falsch, häufig erhellend sind."
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