ETV-Steigerung mit kurzem Wackler – „Brechen mit der ganzen Mannschaft durch eine halbe Tür“
Die letzten beiden Spiele gegen den FC Türkiye (3:1) und HT 16 (3:1) wurden zwar siegreich gestaltet – und nur darauf kommt es an. Aber: Die Leistungs-Formkurve des Eimsbütteler TV ging rapide bergab. Als „noch schlimmer“ im Vergleich zur Türkiye-Partie stufte Can Schultz den Auftritt gegen den Liga-Neuling ein. Allein der Erfolg sprach für den Spitzenreiter. Fakt war jedoch auch: Beim Niendorfer TSV musste der ETV wieder mehr investieren, um im Meisterschafts- und Aufstiegskampf weiterhin in bester Ausgangslage zu bleiben (alle Highlights im LIVE-Ticker). Schultz‘ Fazit nach den 90 Minuten am Sachsenweg: „Das war dann doch eine Steigerung, was aber auch nicht schwer war im Vergleich zu dem, was wir in der englischen Woche bisher gespielt haben.“
Dabei machte der ETV-Coach keinen Hehl daraus, dass sein Team „in den richtigen Momenten natürlich auch den Fußballgott auf unserer Seite hatte“. Gemeint war damit vor allem die 36. Minute, als sich Lennart Merkle nach einer Rechtsflanke von Leon Meyer in der Luft gegen Samuel Olayisoye durchsetzen konnte und den Ball am zweiten Pfosten ans Gestänge köpfte. Doch auch ansonsten hatte die Defensive der Eimsbütteler ihre liebe Mühe mit dem wieder immer besser in Fahrt kommenden Leandro Casale, der „Shootingstar“ Farid Dibamba vor die eine oder andere Herausforderung stellte – und mehrfach in aussichtsreicher Position entweder den Abschluss verpasste oder noch entscheidend ausgebremst wurde.

Im Duell mit Samuel Olayisoye köpft Lennart Merkle (li.) den Ball an den Pfosten. Foto: noveski.com
"Da müssen wir hinkommen"
Dennoch resümierte Niendorf-Trainer Ali Farhadi: „Ich bin nicht unzufrieden. Nur mit dem Ergebnis, aber nicht mit dem Spiel. Denn das war echt gut von uns. In der ersten Halbzeit haben wir das sehr ordentlich gespielt. Auch unsere individuelle Stärke im Umschalten ist das eine oder andere Mal zum Tragen gekommen. Da hatte der ETV Riesenprobleme. Gerade in der letzten Kette. Das hat man gemerkt. Aber wir haben es leider nicht in Tore umgemünzt. Das habe ich den Jungs im Kreis auch gesagt: Auf der einen Seite hast du die individuelle Qualität, die Fehler bestraft. Und wir haben sie halt noch nicht. Da müssen wir hinkommen, dass es, wenn der Gegner so viel zulässt und uns so oft in den Strafraum kommen lässt, mindestens einmal klingelt. Stattdessen liegen wir zurück, weil wir einmal eine blöde Unordnung haben. Deshalb war ich auch so sauer, weil alles durcheinander und der Stürmer dadurch blitzeblank frei war“, haderte Farhadi mit der Szene, die sich unmittelbar nach Merkles Pfostentreffer auf der anderen Seite abspielte.

Max Mbodje wird nach seinem Führungstreffer von den Teamkollegen gefeiert. Foto: noveski.com
"Diese Qualität hast du einfach auf der anderen Seite"
„Da müssen wir drei Kreuze machen, dass sich das so entwickelt hat, dass wir in Führung gehen. Das war wichtig für die Dynamik des Spiels. Sonst wird es schwer, hier ein Tor zu schießen“, befand Schultz, der mitansehen durfte, wie Chatrie Doegl ungehindert aus dem rechten Halbfeld flanken und Max Mbodje nicht minder ungedeckt einköpfen konnte (38.). Per Kopf war auch Jon Pauli erfolgreich, als Emre Töremis auf dem linken Flügel den ziemlich alleingelassenen Bilal Damala in Aktion brachte und Pauli dessen Hereingabe am ersten Pfosten schulbuchmäßig in die Maschen nickte – 0:2 (54.)! „Wir sind aus der Halbzeit rausgekommen, waren dreieinhalb Minuten lang gut – und dann kamen wieder Minuten, wo du dir dachtest: ‚Wahnsinn!‘ In der Phase fiel dann auch das Tor. Da haben wir auf der rechten Seite komplett geschlafen“, haderte Farhadi – und meinte: „Diese Qualität hast du einfach auf der anderen Seite. Die brauchen nur eine halbe Tür - und dann brechen sie da mit der ganzen Mannschaft durch.“

Torschütze Jon Pauli dankt Flankengeber Bilal Damala. Foto: noveski.com
Köse-Knaller sorgt für Zusatz-Energie-Booster
Das Spiel schien entschieden. Der ETV-Sieg wirkte komplett ungefährdet, ein Niendorf-Comeback selbst innerhalb der Mannschaft nahezu ausgeschlossen. Zumindest hatte es nicht den Anschein, als würden die „Sachsenwegler“ noch so wirklich daran glauben. „Wir schleppen uns so ein bisschen durch. Und man merkt einfach, dass dieser Zusatz-Energie-Booster, den du in solchen Spielen brauchst, nicht da. Das kommt, weil wir kein Selbstvertrauen haben“, aber auch, weil man keine großen Optionen mehr von der Bank hatte. Mit einer Ausnahme: Arda Köse. In der Nachspielzeit jagte der Youngster einen Freistoß aus gut und gerne 30 Metern ansatzlos sowie mit vollem Risiko in den rechten Winkel (90. +1)! Nicht nur Köse konnte es kaum glauben, auch Mitspieler und ETV-Keeper Nathanael Sallah staunten nicht schlecht.

Der 18-jährige Arda Köse konnte es selbst kaum fassen, was für einen Kunstschuss er da hingelegt hat. Foto: noveski.com
"Ein Dohrner hätte ihn reingenickt"
„Der ETV war danach komplett nervös. Aber das ist noch nicht Niendorf. Das dauert noch ein bisschen“, sollte Farhadis Niendorfern – trotz einem letzten langen Ball – nicht mehr als der späte Anschluss gelingen. „Ich glaube, ein ‚Dohrner‘ (Björn Dohrn, Anm. d. Red.) hätte ihn reingenickt“, mutmaßte der NTSV-Übungsleiter, der seinen Stürmer zuvor bereits kräftemäßig rausnehmen musste. „Aber unterm Strich ist das jetzt so. Wir haben eine Monster-Woche vor uns, werden uns einmal schütteln und dann wieder angreifen“, braucht Niendorf weiterhin jeden Punkt im Kampf um den Klassenerhalt in der „spannendsten Oberliga aller Zeiten“.

ETV-Fänger Nathanael Sallah staubt bei Köses Knaller nicht schlecht. Foto: noveski.com
"Die richtigen Lösungsansätze an die Hand geben"
In der auch der ETV noch ein ganz großes Ziel verfolgt – und auch im Titelkampf geht es eng zu. „Wir freuen uns, dass wir das als Gruppe gute gelöst haben. Denn es ist gar nicht leicht, hier zu spielen“, konstatierte Schultz – und lobte sein Team dafür, dass man „die Aufgabe an sich richtig gut angenommen und als Gruppe gute Entscheidungen getroffen“ habe. Und das nur wenige Tage nach dem HT 16-Spiel, als Schultz noch feststellen musste, dass man „als Gruppe nicht funktioniert“ habe und zu sehr von der individuellen Qualität einzelner Spieler abhängig war. Dennoch wurde man am „Loki“ keineswegs unruhig. „Das ist immer die einfachste Lösung im Fußball, einfach draufzuhauen. Es wurde mir jetzt auch in einer Woche gefühlt 100-mal vorgeschlagen. Aber ich habe ja selbst meinen Teil dazu beigetragen“, sparte er auch nicht mit Selbstkritik. „Da geht es dann eher darum, einen Weg zu finden, wieder etwas mehr Leichtigkeit reinzubekommen, den Fokus auf die nächste Aufgabe zu setzen und vor allem auch die richtigen Lösungsansätze mit an die Hand zu geben. Einfach nur zu schreien, hilft auf dem Niveau nichts.“
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