Ex-Profi macht weiter
Kindheitsfreunde vereint: Harnik zu HT 16 – „Martin hat diesen Transfer selbst ermöglicht“
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Die Gerüchteküche brodelte und das nicht erst seit gestern. Nun ist es fix: Martin Harnik setzt seine hochdekorierte Karriere fort – und zwar beim ältesten durchgehend aktiven Turn- und Sportverein der Welt. Genauer gesagt: Harnik geht per sofort für HT 16 in der Oberliga Hamburg auf Torejagd! „Dieser Transfer ist mit vielen Emotionen und großer Bedeutung verbunden“, bestätigt uns Vereinspräsident Ahmet Sahin exklusiv die spektakuläre Neuverpflichtung.
„Auch wenn ihm das vielleicht noch nicht bewusst ist, aber die Arbeit, die ich hier seit inzwischen fast zehn Jahren reinstecke, die erreicht mit diesem Transfer noch mal ein ganz anderes Niveau und Ansehen. Mit diesem Wechsel gibt Martin mir persönlich schon so viel zurück, dass das kaum in Worte zu fassen ist. Das bedeutet mir sehr viel“, wird Sahin bei der Verkündung sehr emotional, vergisst jedoch nicht, wo er und der Verein herkommen. Als Sahin das Ruder übernahm, steckte die Hamburger Turnerschaft von 1816 in den Niederungen der Kreisliga fest. Sein damals formuliertes Ziel, den Verein in die höchste Hamburger Spielklasse zu führen, wurde belächelt. Aber der 39-Jährige ging seinen Weg – konsequent und mit unendlich viel Herzblut für seinen Verein. Aber auch mit treuen Wegbegleitern, die jenen rasanten Aufschwung erst möglich machten. „Ich war schon unglaublich dankbar und glücklich, dass viele Kindheitsfreunde diesen Weg mitgegangen sind und mich unterstützt haben“, nennt er unter anderem Fatih Gürel, Cem Cetinkaya oder auch Andreas Goldgraebe namentlich.
Martin Harnik hat auch mit 39 Jahren noch nicht genug. Foto: noveski.com
Später kamen weitere absolute Größen wie Gökhan Iscan und Deran Toksöz dazu. Nun auch Harnik. „Dass inzwischen selbst solche Leute zu uns kommen und der Weg weitergeht, das zeigt einfach, dass wir etwas richtig machen.“ Doch wie kam der Transfer des mittlerweile 39-Jährigen, der zweimaliger EM-Teilnehmer mit Österreich, deutscher Vizemeister und Pokalsieger mit Werder Bremen und ehemaliger Champions League-Spieler ist, überhaupt zustande?
Wir sind zusammen groß geworden.
„Die eine Seite der Medaille ist einfach die Freundschaft und der Jahrgang 1987, der uns alle verbindet. Wir kennen uns, seitdem wir kleine Kinder sind“, spricht Sahin darauf an, dass Iscan, Harnik sowie Rinik Carolus und seine Wenigkeit einst zusammen in der Hamburger Auswahl spielten. „Wir sind zusammen groß geworden, haben immer gegeneinander gespielt. Jetzt sind wir erwachsene, gestandene Männer – und die Verbindung ist immer noch da. Von daher ist es einfach nur schön, dass sich der Kreis jetzt so schließt.“
Ex-Profi Harnik jubelt künftig für HT 16 in der Oberliga. Foto: noveski.com
Auch mit Toksöz und Kindheits-Buddy Erdinc Örün, der als Trainer an der Legienstraße tätig ist. „Das zeigt einfach, wie familiär wir wirklich sind. Und das ist ein ganz großer Punkt“, der beim Wechsel von Harnik eine ganz entscheidende Rolle gespielt habe. „Uns ist natürlich absolut bewusst, dass dieser Transfer – verbunden mit den anderen Dassendorf-Spielern – nur zustande gekommen ist, weil es dort einen riesigen Umbruch gegeben hat. Seit zwei, drei Jahren habe ich immer mal wieder in ‚Hannos‘ Richtung gescherzt, dass es Zeit wird, dass er zu uns kommt und wir wieder alle zusammen unserer großen Leidenschaft nachgehen können. Dass das jetzt Realität ist, ist umso schöner für uns alle und macht uns unheimlich glücklich. Ich freue mich einfach auf diese gemeinsame Zeit“, verspürt Sahin bereits eine große Vorfreude.
Platzt vor Stolz: „Mr. HT 16“Ahmet Sahin. Foto: noveski.com
Neben der familiären Schiene gebe es aber noch „die andere Seite der Medaille“, wie Sahin meint. „Und zwar den rein fußballerischen sowie sportlichen Bereich. Wir saßen zusammen, haben einige Gespräche geführt und uns tief in die Augen geschaut, um zu gucken, welche Erwartungen alle Seiten überhaupt haben.“ Insbesondere der neue HT-Sportchef Carolus, der mit Harnik einst schon im erfolgreichen Nachwuchs des SC Vier- und Marschlande und zuletzt bei der TuS Dassendorf zusammenkickte, habe „bei diesem Transfer eine ganz große Rolle gespielt“, wie Fußball-Boss Sahin betont. „Ohne ihn hätte das nicht geklappt.“
Kann sein, dass er auch mal nicht da ist.
Was Sahin dem neuen „Star“ der Hamburger Turnerschaft indes „zusagen und versprechen konnte: Dass er sich bei uns rein auf das Sportliche konzentrieren kann und nicht um das Drumherum kümmern muss. In Dassendorf war er über die Jahre hinweg für viele Dinge der Ansprechpartner. Bei uns sind diverse Leute, die ihm komplett den Rücken freihalten, sodass er sich komplett auf das Fußballspielen konzentrieren kann. Hinzu kommt“, führt „Amo“ aus, „dass wir darum wissen, wie viel er arbeitstechnisch unterwegs ist, dass es sein kann, dass er halt auch mal nicht da ist, wenn er beruflich verhindert ist oder zu viel um die Ohren hat. Das ist für uns vollkommen in Ordnung und klipp und klar miteinander kommuniziert“, zeigt die HT sofort Kompromissbereitschaft. „Denn so einen Mann für uns zu gewinnen – da brauchen wir nicht darüber zu reden, was das sportlich bedeutet. Martin ist eine Granate! Darauf können sich die jungen Spieler freuen. Wir alle können uns von ihm etwas abgucken“, nimmt er auch sich selbst mit ins Boot. „So sehr er sich bei uns auch auf den Fußball konzentrieren soll, werde ich mir aber die eine oder andere Gelegenheit nicht nehmen lassen, um auch seine Meinung einzuholen, was wir in gewissen Bereichen noch besser machen können.“
Rinik Carolus hat großen Anteil am HT 16-Coup mit Harnik. Foto: noveski.com
Harnik selbst ermöglicht Transfer zu HT 16
Das Allerwichtigste sei jedoch, wie Sahin beteuert: „Dieser Transfer ist nur zustande gekommen, weil Martin ihn selbst ermöglicht hat. Und dafür bin ich ihm sehr dankbar!“ Worauf er damit anspielt? „Mir ist ganz egal, was die Leute erzählen oder reden. Ich bin auch auf den Sportplätzen unterwegs und höre die Stimmen und Fragen, wie HT das machen kann? Und ein Fakt ist: Unter normalen Umständen können wir das nicht machen! Martin hat es gemacht und uns ermöglicht, weil da einfach eine Freundschaft und eine ganz enge Bindung ist.“ Trotz seiner 39 Jahre hat Harnik seine noch immer vorhandene Klasse in den letzten Jahren auf höchstem Amateurniveau stets unter Beweis gestellt. „Er hätte für jeden Verein in Hamburg – und darüber hinaus – spielen können. Viele haben sich auch bei ihm gemeldet. Aber wer Martin ein bisschen kennt, der weiß auch, wie er tickt und worauf er großen Wert legt. Und das war uns auch wichtig, dass er weiß, dass es bei uns anders zugeht, als das vielleicht in der Vergangenheit bei Dassendorf der Fall war. Aber das ist das Schöne, nicht nur bei Martin, sondern auch bei den anderen Jungs aus Dassendorf, dass denen das bewusst ist.“
An der Legienstraße ist Harnik auch wieder mit Schwager Mattia Maggio vereint. Foto: noveski.com
Mit Mattia Maggio ist Harniks Schwager im Sommer bereits zum Überraschungsteam der Vorsaison gewechselt. Ihm schlossen sich Kerim Carolus, Zhi-Gin Lam, Marvin Büyüksakarya – und eben Carolus als neuer Sportchef an. Nun ist auch Harnik da. „Aber das Wichtigste ist, dass wir alle im gleichen Boot sitzen – und das Familiäre wollen und werden wir beibehalten. Es ist nicht nur leeres Gerede, sondern wir vermitteln genau das auch weiter. Wenn man sagt, man ist ein familiärer Verein, dann muss man das auch vorleben – und das tue ich“, wurden die namhaften Neuzugänge genau in diese Richtung gebrieft. „Wir haben klar gesagt, dass für uns von großer Bedeutung ist, dass wir unsere jungen Spieler weiterentwickeln. Diesen Weg haben vor Jahren schon Deran und Gökhan eingeschlagen und sind als absolute Leader voranmarschiert.“ Was Toksöz noch immer tut, während Iscan inzwischen auf die Trainerbank an die Seite von „Eddy“ Örün gewechselt ist. Aber: „Dieser Weg muss weitergeführt werden! Und darauf haben diese Jungs Bock.“
Harnik-Debüt bereits am Dienstagabend?
Dementsprechend freut sich Sahin auf die gemeinsame Reise. „Ich bin super glücklich und bedanke mich auch noch mal bei Rinik. Das ist für mich ein sehr emotionaler Transfer, weil ich das sehr zu schätzen weiß. Das letzte Mal, dass ich so emotional war, war bei Gökhan und Deran“, verrät er – und ist sich abschließend sicher: „Martin wird uns sportlich, menschlich sowie im ganzen Drumherum enorm weiterhelfen. Und wir haben ja genug Beispiele dafür: Ein Rotwein wird immer besser, je älter er ist.“ Und der „gute Rotwein“ Harnik könnte bereits am Dienstagabend (18 Uhr) im Pokalspiel bei Oberliga-Kontrahent Concordia Hamburg sein Debüt für den neuen Verein feiern.
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