Videoschiedsrichter
19.06.2018 - 21:03 Uhr
Aus aktuellen Anlass ein Bereich um über die Praktiken, Vor- und Nachteile und eigentlich allem rund um den nun schon knapp einem Jahr eingeführten Videoschiedsrichter zu diskutieren in den Topligen Europas, nun der aktuellen WM 2018 und natürlich der deutschen Bundesliga.
Bleibt bitte sachlich und objektiv. Dieser Thread soll weder Schiedsrichter bewerten die vom Videobeweis Gebrauch machen, noch soll er dazu anregen sich über vermeintliche Fehlentscheidungen aus einzelnen Spielen zu echauffieren, dafür gibt es die jeweiligen Spieltag-Threads der jeweiligen Vereine.
Ansonsten Feuer frei!
Bleibt bitte sachlich und objektiv. Dieser Thread soll weder Schiedsrichter bewerten die vom Videobeweis Gebrauch machen, noch soll er dazu anregen sich über vermeintliche Fehlentscheidungen aus einzelnen Spielen zu echauffieren, dafür gibt es die jeweiligen Spieltag-Threads der jeweiligen Vereine.
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09.06.2020 - 09:57 Uhr
Zitat von Domsi
Kann irgendjemand Mal erklären in ruhiger, sachlicher Argumentation, ohne jemanden zu diskreditieren, Schuld zuzuweisen oder zu rechtfertigen, warum die Situation Boateng gegen Dortmund ohne Überprüfung und Elfmeter durchgewunken wird, in einem absoluten Spitzenspiel, die Situation Can gegen Paderborn, 5 Tage später, auch ohne Überprüfung bleibt und als klarer Elfmeter mit gelb gewertet wird.
Wie sind die Abläufe, warum ist im Spitzenspiel anders vorgegangen worden als in Paderborn. Welcher der beiden Schiedsrichter handelt besser bzw konformer.
Wie müssen wir in Zukunft Vorgehen?
Rein von der Wahrnehmung geht Boateng aktiv in den Ball Außenseitig mit vergrößertem Körper, Can dreht sich in den Ball innenseitig mit aufdrehendem Körper. Beiden wird aus kürzester Distanz an den Arm geschossen. Bei beiden geht der arm deutlich vom Körper weg, beide machen eine natürliche Bewegung. Warum ist das eine Elfmeter und gelb, das andere Eckball?
Kann irgendjemand Mal erklären in ruhiger, sachlicher Argumentation, ohne jemanden zu diskreditieren, Schuld zuzuweisen oder zu rechtfertigen, warum die Situation Boateng gegen Dortmund ohne Überprüfung und Elfmeter durchgewunken wird, in einem absoluten Spitzenspiel, die Situation Can gegen Paderborn, 5 Tage später, auch ohne Überprüfung bleibt und als klarer Elfmeter mit gelb gewertet wird.
Wie sind die Abläufe, warum ist im Spitzenspiel anders vorgegangen worden als in Paderborn. Welcher der beiden Schiedsrichter handelt besser bzw konformer.
Wie müssen wir in Zukunft Vorgehen?
Rein von der Wahrnehmung geht Boateng aktiv in den Ball Außenseitig mit vergrößertem Körper, Can dreht sich in den Ball innenseitig mit aufdrehendem Körper. Beiden wird aus kürzester Distanz an den Arm geschossen. Bei beiden geht der arm deutlich vom Körper weg, beide machen eine natürliche Bewegung. Warum ist das eine Elfmeter und gelb, das andere Eckball?
Der Grund liegt darin, dass der VAR nicht dafür da ist, für einheitliche Entscheidungen zu sorgen. Die Aufgabe des VAR ist es, klare Fehlentscheidungen zu korrigieren oder nicht wahrgenommene Situationen für den Schiedsrichter auszubügeln. Bei Boateng hat Stieler das Handspiel offenbar wahrgenommen (es gab ja danach Ecke), aber für sich als nicht strafbar bewertet. Das ist durchaus vertretbar, weil sich die Armbewegung auch durch die Fliehkräfte bei diesem eingedrehten Hechtsprung erklären lässt. Es ist also kein zwingender Fehler und damit keine klare und offensichtliche Fehlentscheidung, sodass der VAR raus ist. Anders wäre es nur, wenn Stieler in der anschließenden Kommunikation gesagt hätte "Ich habe nicht gesehen, dass der Ball an die Hand ist" (also z.B. die Situation so wahrgenommen hätte, dass der Ball vom Oberkörper oder dem Kopf von Boateng abgelenkt wurde. Dann hätten wir einen sog. "missed serious incident", also einen verpassten schwerwiegenden Vorfall, sprich: einen Wahrnehmungsfehler. In dem Fall hätte der VAR Stieler empfehlen müssen, sich die SItuation noch einmal am Feldmonitor anzuschauen und dann anhand der Bilder neu zu bewerten - was aber nicht zwingend einen Strafstoß zur Folge gehabt hätte.
Bei Can dagegen hat Siebert (bzw. sein SRA) das Handspiel wahrgenommen. Ein Wahrnehmungsfehler ist hier nicht ersichtlich und aufgrund der doch nicht 100% spieltypischen Handhaltung kann man hier vertreten, das Handspiel als strafbar zu bewerten. Daher liegt auch keine klare und offensichtliche Fehlentscheidung vor. Deshalb ist der VAR auch hier raus.
Die Ursache für die unterschiedliche Bewertung liegt also in zwei Faktoren: Erstens in der Aufgabenstellung des VAR (Ausbügeln klarer Fehler bzw. Wahrnehmungsfehler/fehlender Wahrnehmungen - und nicht einheitliche Situationsbewertung) und zweitens im Bewertungsspielraum des SR bei Handspielszenen. Diese zwei Faktoren (Doppelte Aufgabenstellung des VAR + Bewertungsspielräume im Regelwerk) machen es schwer, Szenen mit Blick auf den VAR-Eingriff bzw. -NIcht-Eingriff zu vergleichen. Denn zum einen wissen wir nicht, was der SR wahrgenommen hat, sodass sich hierdurch schon unterschiedliche Eingriffsschwellen ergeben können, zum anderen lässt das Regelwerk häufig einen Graubereich, dessen Bewertung nicht Teil der Aufgabenstellung des VAR ist (Ausnahme eben: Wahrnehmungsfehler).
Edit: Zu den Szenen an sich: Ich hätte tatsächlich beide nicht gepfiffen, bin aber gerade beim Handspiel auch sehr zurückhaltend. Die Boatengszene ist deutlich näher am Strafstoß, aber in meinen Augen ist beides tatsächlich im Graubereich (wobei das Verhältnis bei Can schon so 10 zu 90 ist).
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Hagenauer am 09.06.2020 um 10:01 Uhr bearbeitet
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