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Die aktuelle Situation der Hachinger

19.04.2022 - 17:20 Uhr
So einen Thread haben wir nicht, wo wir im allgemeinen über die aktuelle Situation sprechen können.

Nachdem wir die Vorrunde nur mit Platz 9 abschließen konnten und die Mannschaft kaum einmal überzeugte, zweifelte ich schon am Konzept, insbesondere am Trainer.
Wir alle sehen jetzt aber den Aufwärtstrend was uns auf Platz 3 in der Rückrundentabelle führte.
Trotz Langzeitverletzte und dauerhaftes Rotieren!
Die 1. Halbzeit gegen Bayreuth war wohl auch die Beste seinesgleichen in dieser Saison.
Die Formkurve steigt an, obwohl der Trainer wirklich jedes Spiel mit einer anderen Elf beginnen muss.

Das alles macht mir Hoffnung für die Zukunft. Jetzt muss nur noch die finanzielle Situation geklärt werden.
...ja, ich weiß - leichter gesagt als getan.
Zeige Ergebnisse 1-4 von 4.
Die aktuelle Situation der Hachinger |#1
18.05.2024 - 20:55 Uhr
Vielleicht ist es noch ein bisschen zu früh nach dem Münster-Spiel, aber ich bin gerade in der Stimmung für eine schonungslose Saisonanalyse. Falls jemand der Meinung ist, mein Rückblick sei zu hart und womöglich noch von der heutigen Niederlage beeinflusst, denjenigen sei gesagt: Nein, ihr liegt falsch!

Ich muss sagen, ich kann die positive und ausgelassene Stimmung im und um den Verein nach dieser Saison überhaupt nicht nachvollziehen. Wenn man ehrlich ist und keine Schönfärberei betreiben möchte, muss man konstatieren: Es war ein Jahr zum Vergessen. Wahrscheinlich hätte es uns schon eine Warnung sein sollen, dass unser Aufstiegstrainer Sandro Wagner vor der Saison zum DFB gewechselt ist - trotz des zu diesem Zeitpunkt absolut trostlosen Zustandes der Nationalelf.
Wenn man mal ohne Gefühlsduselei die nackten Zahlen und Fakten betrachtet - und die lügen bekanntlich nicht - sind wir der zweitschlechteste Aufsteiger aus den Regionalligen. Lediglich Lübeck konnten wir hinter uns lassen, die folgerichtig wieder in die RL Nord absteigen, die ehrlicherweise auch eher das Niveau einer Oberliga hat. Mit den anderen beiden Aufsteigern konnten wir trotz der Verpflichtung eines international erfahrenen Verteidigers nicht annähernd Schritt halten und spielen nächstes Jahr also zurecht wieder eine Liga unter Ulm und Münster.

Die groß angekündigte Verjüngung ist bei einem genauen Blick auf den Kader nicht nur ausgeblieben, sondern zur absoluten Farce verkommen: Vergleicht man das Durchschnittlichsalter aller eingesetzten Spieler zu Saisonbeginn mit dem Altersschnitt desselben Kaders jetzt am Saisonende, muss man ernüchtert feststellen, dass die Mannschaft durch die Bank ein Jahr älter geworden ist. Theoretische Berechnungen unter Einbeziehung von Quantenmechanik und Relativitätstheorie zeigen, dass derselbe Kader in einem Jahr im Schnitt nochmal ein weiteres Jahr älter wäre. Eine Entwicklung, die man auf gar keinen Fall so weiterlaufen lassen darf. (Credit an Arnd Zeigler, von dem diese Pointe geliehen ist)

Auch bei der Baustelle Trainer hat sich nicht viel getan. Nach einer ganzen Saison in der 3. Liga haben wir immer noch keinen Trainer mit der vorgeschriebenen Qualifikation (Pro-Lizenz). Dabei hätte es viele aussichtsreiche Kandidaten gegeben (Lorant, Neururer, Walpurgis).
Im Tor sieht es für die Zukunft mau aus. Heide hat Einsatzzeiten bekommen - schön und gut - steht aber nach seiner Premierensaison in der 3. Liga mit dem peinlich-desolaten Punkteschnitt von 0 Punkten pro Spiel da. Das macht nicht gerade Hoffnung und Mut für die neue Saison.
Die Defensive konnte kämpferisch überhaupt nicht überzeugen. Kein einziger Platzverweis in der gesamten Spielzeit ist ein klares Indiz dafür, dass absolutes Nonnenhockey gespielt wurde und die gegnerischen Stürmer auf dem Weg zum Tor brav eskortiert wurden. Wer das nicht glauben möchte, rufe sich bitte die Szene in Erinnerung, in der Schifferl anstelle des Gegenspielers den nach hinten laufenden Skarlatidis foult, wodurch der Gegner zum Torerfolg kommt. Eine Szene mit Symbolcharakter für die Abwehrleistung in dieser Saison!
Im Mittelfeld muss man festhalten, dass sich z.B. ein Manuel Stiefler spielerisch derart zurück entwickelt hat, dass Marc Unterberger gar keine andere Wahl hatte, als ihn in die Innenverteidigung zurückzustufen. Ein deutlicher Fingerzeig; es sollte niemanden verwundern, wenn wir Stiefler kommende Saison häufiger mal als Torhüter aufbieten müssen.
Auch im Angriff ging es dieses Jahr steil bergab. Patrick Hobsch war über die gesamte Spielzeit so stark außer Form, dass er nicht einmal halb so viele Tore erzielen konnte wie noch 2022/23. Eine herbe Enttäuschung. Insgesamt hat sich unsere Offensive erschreckend abschlussschwach präsentiert. Bei den erzielten Toren konnten wir nur vier andere Mannschaften der Liga übertrumpfen - eine abstiegsverdächtige Negativbilanz! Dazu kommt noch eine miserable Elfmeterquote von < 50%. Von 7 Elfmetern konnten lediglich drei verwandelt werden. Das ist schon Bielefeld-verdächtig!

Summasummarum kann wohl niemand genau sagen, wie wir angesichts dieser nicht zu leugnenden Fakten überhaupt den Klassenerhalt schaffen konnten. Bei sämtlichen Wettanbietern und Ligakonkurrenten reibt man sich vollkommen zurecht jetzt noch verwundert die Augen darüber.
Die aktuelle Situation der Hachinger |#2
19.05.2024 - 16:04 Uhr
Ich habe mir mal den Spaß – um nicht zu sagen die Mühe – gemacht und die Altersstruktur der eingesetzten Spieler innerhalb der Liga verglichen – und dabei die 2. Mannschaften von BVB und SCF außen vor gelassen. Beim oberflächlichen Blick auf das Durchschnittsalter der Startelf fällt auf, dass wir dort die „obersten“ Plätze einnehmen im Sinne des höchsten Altersschnitts mit 30,9 Jahren aus dem Heimspiel gegen Erzgebirge Aue. Ebenso gehen die Plätze 2-5 an uns. Hieraus kann man zunächst ein vernichtendes Urteil über den angeblichen „Jugendkurs“ fällen, was aber auf einer gewissermaßen arg unterkomplexen Betrachtung fußen würde. Alterstechnisch entspricht unser Kader nämlich keineswegs dem Standard, bzw. der Norm innerhalb der Liga, da uns quasi komplett der „Mittelbau“ an Spielern im Alter von 23-28 Jahren fehlt. Um diesen Aspekt mit in die Betrachtung einfließen zu lassen, möchte ich den Vergleich im Hinblick auf die „Extreme“ führen und nicht nur isoliert den Durchschnitt betrachten. Verglichen werden sollen also im Folgenden die Einsatzzeiten von Spielern U20 (bis 19), 20er (20-Jährige), sowie Ü31 (ab 32). Aus Gründen der Vergleichbarkeit und um mir die Aufgabe nicht weiter zu verkomplizieren, habe ich nur Ligaspiele berücksichtigt und das aktuelle Alter der Spieler zum heutigen Datum herangezogen.

Zum Vergleich habe ich die drei anderen Aufsteiger, drei vor der Saison als „etablierte 3. Liga-Vereine“ eingestufte Teams und drei Aufstiegskandidaten herangezogen, nämlich:
VfB Lübeck, SSV Ulm, Preußen Münster
SC Verl, Viktoria Köln, Hallescher FC
Dynamo Dresden, 1. FC Saarbrücken, Rot-Weiss Essen

Aber bleiben wir erstmal bei uns:
Wir kommen in der Kategorie U20 auf 2.915 Einsatzminuten und bei den 20ern auf 4.978 Minuten. Das sind absolute Spitzenwerte im Ligavergleich – 2. Mannschaften ausgenommen. Ebenso stehen wir bei den Einsatzminuten der Ü31-Spieler mit satten 15.183 Minuten ganz oben. Im Alterssegment 25-28 Jahre kommen wir übrigens in Ermangelung an Spielern auf 0 (in Worten: null) Einsatzminuten.

Haching: U20: 2.915 Minuten; 20er: 4.978 Minuten; Ü31: 15.183 Minuten.

Die Aufsteiger:
VfB Lübeck: U20: 384 Minuten; 20er: 7 Minuten; Ü31: 9.337 Minuten.
SSV Ulm: U20: 0 Minuten; 20er: 0 Minuten; Ü31: 6.930 Minuten.
Preußen Münster: U20: 0 Minuten; 20er: 0 Minuten; Ü31: 4.743 Minuten.

Die „Etablierten“:
SC Verl: U20: 0 Minuten; 20er: 12 Minuten; Ü31: 0 Minuten.
Viktoria Köln: U20: 486 Minuten; 20er: 2.154 Minuten; Ü31: 2.754 Minuten.
Hallescher FC: U20: 0 Minuten; 20er: 3.367 Minuten; Ü31: 1014 Minuten.

Die Aufstiegskandidaten:
Dynamo Dresden: U20: 78 Minuten; 20er: 224 Minuten; Ü31: 3.346 Minuten.
1. FC Saarbrücken: U20: 6 Minuten; 20er: 0 Minuten; Ü31: 10.308 Minuten.
Rot-Weiss Essen: U20: 24 Minuten; 20er: 1.600 Minuten; Ü31: 2.050 Minuten.

Es fällt direkt auf, dass die anderen Aufsteiger die Saison komplett ohne U21-Einsätze, bzw. Lübeck mit wenigen Einsätzen nach dem feststehenden Abstieg, bestritten haben. Bei den anderen Vergleichsteams sind in der Regel wenige, bzw. einzelne Spieler für die Einsatzzeiten im Nachwuchssegment verantwortlich (Halle: Halangk, Eitschberger; Essen: Vonic) – lediglich Viktoria Köln hat 5 U21-Spieler mit > 450 Spielminuten im Kader (so viele wie auch Haching).


Auffällig ist, dass keine andere 1. Mannschaft in der 3. Liga keinen einzigen Spieler im Altersbereich 25-28 Jahre im Kader hat. Aus diesem Grund verteilt sich die Spielzeit bei uns logischerweise auf die Extreme U21 und Ü31. Ich führe die Kaderstruktur bei uns hauptsächlich auf wirtschaftliche / finanzielle Gründe zurück – wir können mit anderen Drittligisten nicht um die Leistungsträger im Altersbereich 23-28 konkurrieren (siehe Anspach und Ehlich). Wenn man stattdessen in der breiten Masse auf Regionalliga-Qualität setzt (setzen muss), ist ein Saisonergebnis wie beim VfB Lübeck gewissermaßen folgerichtig – das soll kein Herabschauen auf die Hansestädter sein, dort wird auch mit einem stark begrenzten Budget versucht das Maximum herauszuholen. Sowohl beim SSV Ulm (Scienza, Higl), als auch bei Preußen Münster (Mrowca, Schad, Grodowski, Batmaz) waren Verpflichtungen von Leistungsträgern im mittleren Alter möglich.

Es ist eine Binsenweisheit, dass es sich kein Verein – und insbesondere kein Aufsteiger – leisten kann mit einer Jugendmannschaft anzutreten. Dementsprechend sollte niemand erwarten, dass wir dauerhaft, bzw. im Durchschnitt 5-6 U21-Spieler in der Startelf auf’s Feld schicken können (werden). Das fehlende Alterssegment 25-28 verschiebt daher unseren Altersschnitt konsequenterweise nach oben gegenüber den anderen Teams. Was die Nachwuchsförderung angeht, ist ein Blick auf das Durchschnittsalter allein jedoch nicht aussagekräftig. Eine tiefergehende Analyse zeigt, dass wir bei den Einsatzzeiten für Jugendspieler und junge Spieler im Ligavergleich meilenweit vorn liegen. Wer daraus schließt, bei uns stünde eine halbe A-Jugend auf dem Platz – oder uns vorwirft, dass dies eben nicht der Fall ist – zeigt lediglich, dass er sich nicht wirklich mit der Thematik beschäftigt hat oder dafür interessiert, sondern eher so auf Stammtisch-Niveau unterwegs ist. Darf man auch sein, nur häufig ist dann der eigene Bierdeckel schon das Ende des Horizonts zwinker
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Brucker_Bua am 19.05.2024 um 16:07 Uhr bearbeitet
Die aktuelle Situation der Hachinger |#3
20.05.2024 - 12:47 Uhr
Ja, das Problem bei Halle war eher die Defensive. Die haben in 38 Spielen nur fünfmal zu null gespielt. Trotzdem sind Duisburg und Lübeck - ebenso wie 1860 München - gute Beispiele dafür, dass es mindestens sehr eng werden kann, wenn man keinen 10+x-Tore Stürmer im Kader hat. Aber um das zu wissen, brauchen wir gar nicht auf die anderen Vereine schauen; es reicht ein Blick auf unsere Saison 2020/21.

Wenn nach Skarla noch die Routiniers Stiefler und Maier verlängern und wir außerdem die AV-Talente Lamby und Ortel halten können, gibt es eigentlich nur zwei akute Baustellen: Ein drittligatauglicher Stürmer als Hobsch-Ersatz (für den Fall, dass er geht) und ein drittligatauglicher IV als Schifferl-Ersatz (falls wir ihn nicht halten können). In beiden Fällen (Hobsch und Schifferl) bin ich eher pessimistisch, dass wir sie nächste Saison noch im Haching-Trikot sehen, würde mich aber natürlich riesig darüber freuen.

Bleiben noch die Verkaufskandidaten Keller und Krattenmacher. Beide haben in der Rückrunde aufgedreht und es wird sicherlich einen Markt für die beiden geben. Ich könnte mir vorstellen, dass man einen Andy Breuer (sofern er nach Haching kommt) als Nachfolger für Krattl aufbaut und mit Leuthard den Keller-Ersatz schon parat stehen hat. Ggfs. kommt hier auch nochmal die sich anbahnende Kooperation mit dem FC Bayern in's Spiel und wir bekommen von dort noch ein, zwei High-Potentials für die Offensive.
Die aktuelle Situation der Hachinger |#4
09.05.2026 - 16:18 Uhr
Ja, Kupka war in seiner Amtszeit ein Patriarch, aber einer der zuhören konnte. Und er war ein Manager mit Weitsicht und Realitätssinn. Unvergessen seine Worte nach unserem Aufstieg in die 1. Liga. "Wir steigen auf um aus der 2. Liga nicht absteigen zu können".

Wenn ich das mit den Worten unseres jetzigen Präsidenten in der Halbzeitpause des Würzburgspiels vergleiche. Ich sag lieber nichts.
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