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BVB - Taktik-Thread

20.01.2006 - 12:09 Uhr
BVB - Taktik-Thread |#6121
18.08.2026 - 15:01 Uhr
Zitat von TheKillingJoke
Zitat von Orizo

In der Rückrunde 24/25 hat er für meinen Geschmack ziemlich gut funktioniert. Da musste er nunmal weiter vorne ein Kreativitätsvakuum füllen, weil insbesondere Brandt da ne ganz schwache Phase hatte. Dieses Vakuum sollte eigentlich jetzt nicht mehr so zu erwarten sein. Worauf ich in Bezug auf Veerman nun gespannt bin: Wie sieht es mit dem Thema Empfänger seiner Pässe aus? Den Tiefenläufen? Ich vermute, dass hauptsächlich aus diesem Bereich die vorsichtige Skepsis von @BVBBC und co herrührt.


Vermutlich täuscht mich dann meine Erinnerung.

Entgegen einiger Meinungen sehe ich Veerman nicht als reinen 6er, sondern eher als 6er/8er-Hybrid. Seine Stärken kommen auch dann zur Geltung, wenn er aus der Tiefe nach vorne schiebt und in die Nähe der Box kommt. Dort ist er durchaus präsent. Gerade in einer Dreierkette würde ich deshalb nicht erwarten, dass er dauerhaft als klassischer 6er direkt vor der Abwehr „geparkt“ wird. Die Struktur bringt automatisch mehr Bewegung und situative Positionswechsel mit sich. Bei einer Viererkette wäre eine defensivere Interpretation seiner Rolle eher denkbar, allerdings deutet aktuell wenig darauf hin.

Interessant ist dabei der Vergleich der Heatmaps. Groß war beim BVB 2025/26 deutlich häufiger nach rechts orientiert als in seiner ersten Dortmunder Saison 2024/25. Letztere ähnelt in dieser Hinsicht eher Veermans Bewegungsmuster bei PSV: etwas zentraler, bei Veerman allerdings mit einem stärkeren Schwerpunkt in der gegnerischen Hälfte und einer Tendenz nach links. Groß war 2024/25 dagegen insgesamt etwas tiefer und zentraler unterwegs.

Noch interessanter wird der Vergleich mit Sabitzer. Dessen Heatmap aus 2025/26 ähnelt deutlich stärker der Rolle von Groß, mit einer klaren Tendenz nach rechts und vergleichsweise wenig Präsenz im zentralen Spielfeld. Jobe agiert zentraler, weist aber ebenfalls eine gewisse Rechtslastigkeit auf.

Der entscheidende Punkt ist für mich deshalb die Frage, wer von Veerman und Nmecha die zentrale Rolle übernimmt. Einer könnte stärker im Zentrum bleiben, während der andere häufiger in den linken Halbraum ausweicht bzw. nach vorne schiebt. Die Kombination aus Veermans Passspiel und Nmechas Dynamik wäre dabei ziemlich spannend. Allerdings würde sich diese Statik schlagartig verändern, sobald Jobe oder Sabitzer anstelle einer der beiden spielt. Dann wäre die zuvor beschriebene Rollenverteilung kaum noch konsistent. Weshalb ich dann doch mehr Fragezeichen als Antworten parat habe.


Veerman ist so viel 6er wie es Andrea Pirlo war, oder aktuell Hakan Calhanoglu bei Inter. Im BVB Kosmos käme dem wahrscheinlich Nuri Sahin am nächsten. Diese Spieler funktionieren ohne defensive Absicherung nicht. Pirlo gibt's nicht ohne Gattuso, Sahin nicht ohne Bender und Calhanoglu nicht ohne die 3er Kette dahinter.

Veerman und Nmecha als Doppel 6 würde ich ähnlich defensivstark erwarten, wie Deutschlands Zentrum bei der WM. Mit 3er Kette kann das stabil genug werden, aber auch das ist nicht garantiert. Es wird darauf ankommen, wie gut die Kette mitschiebt und die Abstände gering halten kann. Die IV müssen im Grunde situativ zu Balleroberern im Mittelfeld werden, also aggressiv nach vorne verteidigen. Das hat mehr Risiko als jede Variante mit Bellingham, aber in meinen Augen überproportional mehr Potenzial.

Ich sehe es genau so wie du, dass die Spielerprofile im DM sehr unterschiedlich sind und sie sich nicht gegenseitig 1 zu 1 ersetzen können. Das kann natürlich negativ sein, auf der anderen Seite hat der Trainer hier die zentralen Regler in der Hand, die Offensive und Defensive zu balancieren. Ob sich Veerman gegen Bellingham als Stammspieler etablieren kann, wird wohl in erster Linie an Kovacs Risikobereitschaft liegen. Fusballerisch trennen die beiden fast schon Welten, was aber noch keine Aussage darüber ist, wer grundsätzlich der bessere -schon gar nicht passendere- Spieler ist. Ich habe da zwar eine klare Meinung, aber das kann jeder natürlich anders sehen, allen voran Nico Kovac.
BVB - Taktik-Thread |#6122
21.08.2026 - 00:55 Uhr
Zitat von BVBBC
Zitat von Orizo

Zitat von TheKillingJoke

Zitat von Orizo

Die Einschätzung zu Groß teile ich leider gar nicht. Er war unter Sahin zwar als tiefer Ballverteiler vor der Abwehr gedacht, was sich aber unter Kovac grundlegend geändert hat. Sein Spiel wurde extrem weiträumig mit zahlreichen Ausflügen auf die Flügel und den offensiven Halbraum. Da hat der dann auch nen ganz ordentlichen Mehrwert in Form von Assists gebracht. Das war auch im Wesentlichen sein Spiel zuvor bei Brighton.

Veerman ist aber doch der Prototyp tiefer Spielmacher, mit einer nochmals ganz anderen Range im Passspiel. Dennoch sind die zwei sich mmn zu dem Grad ähnlich, als dass sie wesentlich dieselben Anforderungen an ihre Nebenleute stellen. Jedenfalls finde ich sowohl Groß als auch Veerman passender im ZDM als Bellingham, wenn mit 3er Kette gespielt wird. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich ganz klare Vorlieben für gewisse Spielertypen im Mittelfeld habe und daher vllt nicht ganz objektiv bin.


Weil sein Spiel so weiträumig wurde, hat er in der Rolle nicht funktioniert in der wir ihn benötigt hätten. So hatte ich es noch in Erinnerung, kann mich aber durchaus täuschen.


In der Rückrunde 24/25 hat er für meinen Geschmack ziemlich gut funktioniert. Da musste er nunmal weiter vorne ein Kreativitätsvakuum füllen, weil insbesondere Brandt da ne ganz schwache Phase hatte. Dieses Vakuum sollte eigentlich jetzt nicht mehr so zu erwarten sein. Worauf ich in Bezug auf Veerman nun gespannt bin: Wie sieht es mit dem Thema Empfänger seiner Pässe aus? Den Tiefenläufen? Ich vermute, dass hauptsächlich aus diesem Bereich die vorsichtige Skepsis von @BVBBC und co herrührt.


Das ist ein Aspekt von mehreren.

Mal angenommen, man setzt ihn aber doch eher ein, wie Groß, also weiträumig, mit der Idee auch von ihm recht viele Flanken zu kommen (Groß war wenn ich mich richtig erinnere der beste Vorbereiter für Guirassy), wäre das auch wieder recht redundant, weil AV und OA auch schon darauf ausgerichtet sind, indem sie alle invers angelegt sind. Von den OA wird das zwar sicher auch für Abschlüsse genutzt, aber nur wenn sie zumindest teilweise ins Zentrum ziehen können. Man braucht daher die damalige Groß Rolle eigentlich nicht.

Somit sollte der Gedanke eigentlich absurd sein, man weiß es aber nicht, weil wir es unter nur etwas anderen Vorzeichen schon gesehen haben. Trotzdem sollte sehr zentral schon wahrscheinlicher sein, womit es stärker auf eine gute Nachrückbewegung ankommt, weil in die 3er Kette abkippen nicht möglich ist. Dafür fehlt der Platz, obwohl ich den Eindruck habe, dass wir die AIV in den Tests breiter angelegt haben (vermutlich wegen der inversen Schienen?!). Dadurch fehlt im aktuellen System ein Regista Element und er muss die Bälle schon häufiger ohne das Spiel vor sich bekommen, was die Pressingresistenz in den Fokus rückt. Hierbei ist die Physis kritisch, wenn er schon nicht besonders dynamisch ist, weil er die Gegner häufiger im Rücken hat, weniger die Ballsicherheit.

Möglich zwar, dass wir mit den spielstarken 10ern mehr Ablagen umgehen können, wenn die ZM gut nachrücken. Das sah besser aus als nur über Guirassy, aber sicher ist auch das nicht, inwiefern das von den Tests in die Liga transportiert werden kann. Darüber könnte man Veerman wieder gut mit dem Spiel vor sich an den Ball bringen. Was aber dann? Die Außen sind zu oft nicht besetzt, durch die inverse Spielanlage. Die Tiefe erst recht nicht, wenn so viele Spieler entgegenkommen und die ZM für Ablagen gebunden sind und daher auch nicht durchlaufen können. Sowohl vertikal als auch diagonal sind also die starken langen Bälle nicht gefragt aus diesen Spielsituationen heraus.

Bleiben doch wieder hauptsächlich seitliche Überlagerungen dafür, um dann das Spiel zu verlagern und quasi einen Gegenpol zu Schlotterbeck für die andere Seite zu bekommen, was also nicht so weiträumig nach vorne wäre, wie damals mit Groß, der situativ sogar zum Breitengeber mutierte. Das Ding ist nur: Veerman hat die meiste Zeit in den letzten Jahren eher im linken Halbfeld gespielt. Nmecha kommt auch eher über den linken Halbraum. Bellingham hält das Zentrum mehr. Veerman wird das rechts zwar können, aber seine Schokoladenseite ist das offenbar nicht.

Dazu kommen besagte defensive Fragezeichen, auch hier wegen der Physis, aber auch wegen der Dynamik. Das ergibt dann wieder Probleme bei Überlegungen mit einem 4-3-3, wenn man darüber dann die Anspielstationen auf OA wiederherstellt, weil Karetsas oder Inacio auf die 10 rücken können. Will man meines Skepsis zudem auch noch unter Einbezug von Bellingham betrachten, dann könnte man sagen, dass Veerman Bellinghams fehlende Skills mitbringen würde. Das gilt leider aber auch umgekehrt, während es keine vernünftige Option gibt, wie sie sich gleichzeitig ausbalancieren können. An sich bräuchte man die Stärken beider Spieler eigentlich in einem. Dann wäre auch die fehlende Dynamik unkritischer, weil es sich anders angehen ließe. Geht nur nicht so einfach, weil die Dynamik daneben Pflicht ist.

So bleibt die Abhängigkeit von Nmecha im Zentrum groß, solange Chukwuemeka weiterhin als 8er nicht gespielt wird - was neben Veerman nochmal wahrscheinlicher würde, wegen der Defensivarbeit -, wobei er neben Veerman nicht agieren kann, wie neben Bellingham. Neben Veerman wäre es wohl deutlich defensiver zu vermuten, um Veerman abzusichern. Das wäre offensiv logischerweise suboptimal. Es ist vollkommen klar, dass die Spieler auf dem Platz einen Strategen gut gebrauchen können. Wie das System diesen aber nutzen kann, ist in vielerlei Beziehung unklar. Selbst wenn man das System abändert, ob man dabei nur von den inversen Schienen abrückt oder sogar an 4-3-3 denkt.


Ich würde ein 4-3-3 lieben, aber unter Kovacs stehen die Chancen gering.
Könnte mir vorstellen, das er öfters mal wieder 3-5-2 spielen lässt.
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